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Fachkräfte und Fachfremde für den Klimaschutz

Der Fachkräftemangel droht die von der EU losgetretene Renovierungswelle auszubremsen.

Der Fachkräftemangel droht die von der EU losgetretene Renovierungswelle auszubremsen.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: JPC-Prod

Karriere 18.03.2021
146.000: So viele Arbeitskräfte, die die Corona-Krise um ihren Job bringt, könnten laut einer Studie des Analyseinstituts Prognos im Gebäudesektor eine neue berufliche Heimat finden. ... 

146.000: So viele Arbeitskräfte, die die Corona-Krise um ihren Job bringt, könnten laut einer Studie des Analyseinstituts Prognos im Gebäudesektor eine neue berufliche Heimat finden. Dort wird schließlich jede helfende Hand, die an der energetischen Durchsanierung des Gebäudebestands mitwirkt, dringend gebraucht. Was auf dem Papier nach einer Win-win-Situation klingt, hat in der Realität allerdings ein paar Haken.

Wegen Corona werden insgesamt rund 650.000 Beschäftigte überflüssig, schätzt das Institut Prognos. Davon wären besagte 146.000 für Tätigkeiten im Gebäudesektor geeignet - denn dort fehlen Fachkräfte, die die politisch gewollte Umstellung auf einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 schultern helfen. Die Menschen, die krisenbedingt ihre Jobs verloren haben oder zu verlieren drohen, sind allerdings nicht ewig verfügbar: Wenn sich die Wirtschaft 2023/2024 wieder erholt, wird auch in gebeutelten Branchen die Nachfrage nach Arbeitskräften wieder anziehen. Arbeitgeber aus dem Gebäudesektor müssen also zusehen, dass sie passende Fachkräfte und Quereinsteiger dieses oder spätestens kommendes Jahr zu sich locken.

Das ist im Kern das Ergebnis der Prognos-Studie: "Fachkräftesicherung im Gebäudesektor - Arbeitskräftepotenziale unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie". Das Analyseinstitut hat die Untersuchung im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (Buveg) und des Bundesverbands Erneuerbare Energie erstellt.

Unter dem Begriff Gebäudesektor subsumiert Prognos alles, "was mit energetischer Gebäudesanierung bzw. energetischen Maßnahmen zusammenhängt", erklärt Markus Hoch, einer der Autoren der Studie. "Von der Planung über die Herstellung und den Handel bis zur Installation." Gemeint sind Architektur- und Ingenieurbüros, die Sanierungsvorhaben planen. Sodann Baustoffproduzenten und Hersteller der Gebäudetechnik, z.B. von Heizungssystemen, sowie Großhändler. Last but not least denken die Studienautoren auch an all die Firmen, die Sanierungen am Gebäude (Hülle nebst Technik) vor Ort durchführen, kurzum: das Ausbaugewerbe und das SHK-Handwerk (Sanitär, Heizung, Lüftung, Klima). Hoch- und Tiefbau werden dem Gebäudesektor dagegen ausdrücklich nicht zugeordnet.

Die 146.000 potenziellen Arbeitskräfte, die für den so verstandenen Gebäudesektor infrage kommen, verteilen sich nach Analysen von Hoch und seiner Kollegin Claudia Münch auf zwei Töpfe. In dem einen Topf stecken ca. 106.000 Personen, die einen Beruf erlernt haben und ausüben, der auch auf dem Gebäudesektor nachgefragt wird, z.B. Elektrotechniker, aber zuletzt in einer anderen Branche tätig waren, z.B. der Autoindustrie.

Die Autoindustrie als Mitarbeiterquelle

In dem anderen Topf befinden sich Menschen, "deren erlernter bzw. ausgeübter Beruf zwar nicht direkt im Gebäudesektor nachgefragt ist, der aber zumindest eine qualifikatorische oder tätigkeitsbezogene Nähe zu den Anforderungen des Gebäudesektors aufweist", wie Münch es formuliert. Als Beispiel nennt die Expertin den möglichen Wechsel Erwerbstätiger mit Geologie-, Geografie- oder Umweltschutzberufen, die mit einer vergleichsweise hohen Wahrscheinlichkeit in die Berufsgruppe Bauplanung, Architektur, Vermessungsberufe wechseln könnten. Und das ist beiden Töpfen auch gemeinsam: Arbeitslosigkeit bzw. drohende Arbeitslosigkeit (Stichwort: Kurzarbeit) beflügeln die Wechselwilligkeit.

Ein besonders großes Arbeitskräftepotenzial für den Gebäudesektor loten die Studienautoren in der Berufsgruppe Maschinenbau und Betriebstechnik mit etwa 23.000 Personen aus. Zum einen deshalb, weil diese Berufsgruppe mit 1,6 Mio. Beschäftigten in Deutschland sehr groß ist. Zum anderen aber auch, weil viele Erwerbstätige dieser Berufsgruppe in Branchen arbeiten, die besonders hart von der Krise getroffen wurden, beispielsweise im Fahrzeugbau. Berufsgruppen, in denen etwa 10.000 Personen zumindest auf dem Papier für einen Wechsel in den Gebäudesektor in Betracht gezogen werden könnten, sind die Metallbearbeitung, die Elektrotechnik, die technische Produktionsplanung und -steuerung sowie Einkauf und Vertrieb.

Überschuss hier, Mangel da: In einer Analyse von 2018 bezifferte Prognos den erwarteten Fachkräftemangel allein im Bereich Sanitär, Heizung, Lüftung, Klima für das Jahr 2030 auf etwa 30.000 Köpfe - ohne zusätzliche Investitionen in die Energiewende. Mit verstärkten Investitionen in die Energiewende würden 2030 weitere 17.000 Fachkräfte im SHK-Handwerk fehlen. Insgesamt braucht es für die Umstellung in einen klimaneutralen Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 und eine Erhöhung der Sanierungsrate von 1% auf 3% ca. 200.000 zusätzliche Arbeitskräfte, wie Buveg-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs mit Verweis auf eine ältere Untersuchung von 2017 vorrechnet. "Die aktuelle Studie zeigt, dass dieses Potenzial vorhanden ist."

Vorhanden schon, aber nicht per Knopfdruck abrufbar: "Der tatsächliche Wechsel von einer Branche in die andere oder von einem Beruf in den anderen ist natürlich von vielen Faktoren abhängig wie beispielsweise der regionalen Mobilität von Fachkräften und gelingt immer nur mit begleitenden Maßnahmen", stellt Prognos-Expertin Claudia Münch klar.

Einen nicht ganz unwesentlichen Grund, warum Menschen, die Münch und Hoch als potenzielle Wechsler ins Auge fassen, nicht schon längst im Gebäudesektor arbeiten, spricht Hinrichs an: "In der Autoindustrie gab es ein ganz anderes Lohnniveau als in der Baubranche. Wir sehen da einen Angleichungsprozess - aber natürlich nicht auf das Niveau, das die Autoindustrie heute hat." Ein allgemein höheres Lohnniveau nützt allerdings nichts, wenn "ein Teil der Leute, gerade im Fahrzeugbau, künftig nicht mehr benötigt wird".

Luft nach oben gibt es im Gebäudesektor auch in puncto Familienfreundlichkeit, Flexibilität und Work-Life-Balance: "Viele Handwerksunternehmen sind sich dessen bewusst, und da gibt's auch schon viel. Den Unternehmen ist aber auch klar, dass sie da noch attraktiver werden müssen", räumt Hinrichs ein.

Harald Thomeczek

"2008 ist der richtige Zeitpunkt für die Privatisierung"

Köpfe 24.05.2007
Die TLG Immobilien hat 2006 einen Jahresgewinn von 25,5 Mio. Euro erzielt. 2008 soll das bundeseigene Unternehmen privatisiert werden. Volkmar von Obstfelder, Vorsitzender der Geschäftsführung, ... 

Die TLG Immobilien hat 2006 einen Jahresgewinn von 25,5 Mio. Euro erzielt. 2008 soll das bundeseigene Unternehmen privatisiert werden. Volkmar von Obstfelder, Vorsitzender der Geschäftsführung, und Geschäftsführer Eugen von Lackum erläutern, warum die TLG Immobilien nach ihrer Überzeugung jetzt reif für diesen Schritt ist.

Immobilien Zeitung: Herr von Obstfelder, Degi-Chef-Researcher Thomas Beyerle hat unlängst festgestellt, dass Ostdeutschland "bei überregionalen bis hin zu ausländischen Investoren in den Fokus" geraten sei. Empfinden Sie Genugtuung, dass jetzt auch andere Investoren gemerkt haben, dass Ostdeutschland nicht ein einziges Krisengebiet ist?

Volkmar von Obstfelder: Das erfüllt uns tatsächlich mit Genugtuung, weil wir seit dem Jahr 2000 erklären, dass Ostdeutschland keine Wüste ist, sondern dass man differenziert hinschauen muss. Dabei entdeckt man, dass es Teilregionen gibt, die wachstumsstark sind und in denen sich Geschäfte machen lassen. Diese Teilregionen haben wir sehr frühzeitig identifiziert: die Seehäfen an der Ostsee, Berlin mit dem engeren Verflechtungsraum und vor allem das mitteldeutsche Kernland zwischen Dresden, Leipzig, Halle, Chemnitz, Zwickau und Erfurt.

IZ: Hätten Sie vor zwei Jahren denn damit gerechnet, dass Sie 2007 in so starker Konkurrenz zu auch ausländischen Investoren stehen?

von Obstfelder: Wir sind schon ein bisschen überrascht worden durch die Intensität des auf einmal einsetzenden Interesses anderer Investoren. Wir haben ja sehr frühzeitig mit einer offensiven Investitions- und Wachstumsstrategie begonnen, um ein attraktives, rentables Portfolio aufzubauen. Dabei wurden wir vor etwa zwei Jahren zum ersten Mal mit ausländischer Konkurrenz konfrontiert.

Preise stark gestiegen

Eugen von Lackum: Im Grunde war es ja für uns ein Glück, dass dieser Hype so spät einsetzte. Denn je stärker er wird, desto schwieriger wird es für uns, rentable Objekte einzukaufen. Wir schauen immer auf die Rendite und haben bewährte Berechnungsformen nicht über Bord geworfen. Damit vermeiden wir die Probleme, die sich andere Unternehmen eingekauft haben. Die Hoffnung zum Beispiel, in großem Umfang Wohnungen aufteilen und in den Markt drücken zu können, ist meiner Ansicht nach trügerisch.

IZ: Wo finden Sie noch die Objekte, die Ihren Kriterien genügen?

von Lackum: Wir müssen immer wieder neue Nischen suchen. Dabei stellen wir fest, dass die anderen Interessenten genau auf die TLG Immobilien achten. Als wir zum Beispiel anfingen, in Dresden Häuser mit hohem Leerstand, aber mit guter Bausubstanz zu kaufen, wurden auch die Konkurrenten auf dieses Segment aufmerksam. Es ist heute vor allem der Ortsnähe und der Vernetzung unserer Mitarbeiter zu verdanken, dass wir immer Ankaufsobjekte entdecken und gewissermaßen in der Asche das nicht verbrannte Korn finden.

von Obstfelder: Noch vor zwei Jahren haben auch wir uns an Bieterverfahren zum Erwerb größerer Wohnungsportfolios in Ostdeutschland und in Berlin beteiligt. Wir stellten dann fest, dass wir mit unseren eher bodenständigen Bewertungskriterien gegen den deutlich aggressiveren Auftritt internationaler Investoren keinen Erfolg hatten. Wir beschlossen daher, statt Pakete von 5.000 oder mehr Wohnungen zu fokussieren, uns auf Portfolios in einem Segment von 50 bis 400 Einheiten einzustellen. Damit blieben wir bislang unter dem Radarschirm der aggressiveren Investoren. Jetzt aber lesen wir, dass Fortress begonnen hat, sich auf dieses Segment zu verlegen. Wir sind so gesehen Getriebene, die immer wieder neue Nischen auftun müssen.

IZ: Welche Nischen haben Sie in letzter Zeit entdeckt?

Schwerpunkt Seniorenimmobilien

von Lackum: Wir haben uns seit einigen Jahren vor allem in Mecklenburg-Vorpommern der Pflegeimmobilie zugewandt. Unsere wohl ungewöhnlichste Seniorenimmobilie entsteht in Rostock: Dort bauen wir ein Heim mit 75 Pflegeplätzen und eine Kindertagesstätte für 100 Kinder.

IZ: Im Bereich der Pflegeimmobilien stehen Sie aber ebenfalls in Konkurrenz zu Großinvestoren, die dieses Segment entdeckt haben.

von Lackum: Es geht eben darum, es nicht so zu machen wie die anderen, sondern Nischen zu finden. Die Idee, alte Menschen und Kinder an einem Ort zusammenzubringen, die Begegnung zwischen den verschiedenen Generationen zu fördern und auf diese Weise die Vermittlung zwischen den Lebenswelten zu erleichtern, ist ja eine innovative Idee. Natürlich ergeben solche kleineren Projekte keine imposanten Bilder. Aber sie sind liebevoll gemalt. Wenn Sie in die Dresdner Gemäldegalerie gehen, sehen Sie im Erdgeschoss ganz kleine Bilder, die mit einem Pinselhaar gemalt und so interessant sind, dass Sie die Raffael-Madonna links liegen lassen können. So bewegen wir uns am Markt. Wir sind die Kleinen, aber Feinen.

Dresden besonders attraktiv

IZ: Sie haben aber auch keine Angst vor großen Projekten wie der Altmarkt-Galerie, dem Hotel de Saxe und dem SAP-Neubau am Postplatz - alle in Dresden. Warum sind Sie von Dresden so begeistert?

von Obstfelder: Dresden ist der attraktivste Standort in Ostdeutschland. Das bestätigte vor kurzem auch der Prognos-Zukunftsatlas. Das Land Sachsen verzeichnete 2006 ein Wirtschaftswachstum von 4% und war damit Spitzenreiter aller Bundesländer. In Dresden beträgt die Wachstumsrate sogar über 5%.

von Lackum: Und das macht sich vor allem in Gewerbeansiedlungen bemerkbar. Zudem ist die Finanzpolitik, die in Sachsen betrieben wurde, so solide, dass jeder von dieser Stadt überzeugt ist.

IZ: Spüren Sie den Wirtschaftsaufschwung auch auf dem Büromarkt?

von Obstfelder: Selbst in einer Stadt wie Dresden ist das Bürosegment schwach ausgeprägt. Im Fall von SAP handelt es sich um den klassischen Fall der Umschichtung von Bürobeständen innerhalb Dresdens. Im Bürobereich bauen wir deshalb nur, wenn wir den Nutzer an der Hand haben.

IZ: Sie haben in den vergangenen Jahren viel in Einzelhandelsimmobilien investiert. Geht das in derselben Intensität weiter?

von Obstfelder: Gewünscht ist es, durchführbar nicht. Denn Einzelhandelsimmobilien sind wegen des gewachsenen Wettbewerbs zu teuer geworden. Wir können im Moment nur noch selbst bauen, und zwar im Wesentlichen auf eigenen Flächen.

IZ: Wie teuer sind Einzelhandelsobjekte geworden?

von Lackum: Wenn Sie heute ein kleines Nahversorgungszentrum kaufen wollen, müssen Sie bis zum 15fachen der Jahresmiete bieten. Vor ein paar Jahren haben wir noch zum 10- bis 12fachen gekauft.

IZ: Sie haben vor, in diesem Jahr 170 Mio. bis 200 Mio. Euro in Ankäufe und eigene Projektentwicklungen zu investieren. Wie teilt sich das auf die Nutzungsarten Wohnen, Einzelhandel, Büro und Gewerbe auf?

von Obstfelder: Wir haben die grundsätzliche Vorstellung, in diesen Segmenten ausgewogen aufgestellt zu sein, da wir es uns, wenn wir schon auf Ostdeutschland beschränkt sind, nicht erlauben können, auch noch einzelne Nutzungsarten zu fokussieren. Vor diesem Hintergrund einer Diversifizierungsstrategie sind wir aber sehr flexibel und immer aktuell am Markt, wenn sich Investitionschancen ergeben. Die greifen wir sofort auf, wenn sie zu unseren Renditeanforderungen passen.

IZ: Was sind das für Renditeanforderungen?

von Lackum: Bei Wohnimmobilien müssen es um die 5% sein.

von Obstfelder: Bei Einzelhandelsimmobilien bewegen wir uns auf einem Niveau von 7% bis 8%. Dabei sprechen wir von Discounted-Cashflow-Renditen.

IZ: Wie viele Objekte muss die TLG Immobilien noch verkaufen?

von Lackum: Wir sind auf dem Weg der Bereinigung des Portfolios sehr weit gekommen. Um den Jahreswechsel 1999/2000 hatten wir noch gegen 37.000 Liegenschaften. Heute sind es rund 2.000. Wir wollen mit etwa 900 Objekten in die Privatisierung gehen, werden uns also noch von etwa 1.000 Objekten trennen. Dem Markt soll eine TLG Immobilien präsentiert werden, die von unattraktiven Restelementen befreit ist.

IZ: Sie sprechen die Privatisierung Ihres Unternehmens an. Bleibt es beim angekündigten Zeitpunkt 2008?

Langfristige Investoren gesucht

von Obstfelder: Wir sind mit dem Gesellschafter übereingekommen, dass 2008 in der Tat der richtige Zeitpunkt ist. Dies aus zwei Gründen: Zum einen sind wir als Unternehmen mittlerweile so gut aufgestellt, dass wir privatisierungsfähig sind. Zum andern ist für 2008 eine unverändert gute Verfassung des Kapitalmarkts zu erwarten, so dass es ausreichend viele Interessenten geben wird.

IZ: Wird das eher Anfang oder Ende 2008 sein?

von Obstfelder: Ziel des Gesellschafters ist es, den Erlös aus dem Verkauf unseres Unternehmens noch in den Haushalt 2008 einzustellen. Ende 2008 muss also das Geld fließen. Gemeinsame Auffassung ist, dass die Privatisierung auf der Grundlage des testierten Jahresabschlusses 2007 erfolgen soll. Der wird im April 2008 fertig sein. Beginnen wird das von einer Investmentbank gesteuerte Bieterverfahren nach unserer Einschätzung - denn zuständig ist der Gesellschafter - Ende 2007/Anfang 2008. Im Herbst dieses Jahres wird der Gesellschafter dafür eine Investmentbank aussuchen.

IZ: Bedeutet die Privatisierung das Ende der TLG Immobilien?

von Obstfelder: Für uns ist es wichtig, neue Eigentümer zu finden, die in der Lage und willens sind, das, was wir aufgebaut haben, fortzusetzen. Der Gesellschafter sucht also ausdrücklich Investoren, die langfristige Perspektiven für die TLG Immobilien vor Augen haben und eine Plattform für die Weiterentwicklung ihrer immobilienwirtschaftlichen Interessen in Deutschland suchen.

IZ: Herr von Obstfelder, Herr von Lackum, besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Hunziker.

Operatives Ergebnis gesteigert

Die TLG Immobilien hat im Jahr 2006 zum fünften Mal in Folge schwarze Zahlen geschrieben und einen Gewinn von 25,5 Mio. Euro erzielt. Die Investitionen beliefen sich auf 200 Mio. Euro, wovon 135 Mio. Euro auf Zukäufe und 65 Mio. Euro auf eigene Projektentwicklungen entfielen. Größtes Einzelinvestment war mit rund 32 Mio. Euro der Erwerb des Hotels de Saxe am Dresdner Neumarkt.

Das operative Ergebnis nach Steuern verbesserte sich um 18,2 Mio. Euro auf 14,9 Mio. Euro. Die Umsatzerlöse gingen im Vergleich zum Vorjahr von 195 Mio. auf 188 Mio. Euro zurück. Verantwortlich dafür war der - nach Unternehmensangaben planmäßige - Rückgang der Verkaufserlöse von 63 Mio. auf 50 Mio. Euro. Dagegen stiegen die Erlöse aus der Objektbewirtschaftung von 126 Mio. auf 132 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote stieg von 47,5% auf 51%.

Als größte Vertragsabschlüsse bezeichnet das Unternehmen die Vermietung von 17.200 m2 Büro- und Archivfläche am Berliner Alexanderplatz an die Birthler-Behörde sowie die Vereinbarung über den Neubau des Wilsdruffer Kubus am Dresdner Postplatz. Dort wird 2008 eine Tochtergesellschaft von SAP 80% der knapp 10.000 m2 Nutzfläche beziehen. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Überschuss von mehr als 20 Mio. Euro. (ch)

IZ