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Baumindestlohn: Arbeitgeber stimmen Schlichterspruch zu

Die neuen Mindestlöhne auf dem Bau sind endlich sicher gelandet.

Die neuen Mindestlöhne auf dem Bau sind endlich sicher gelandet.

Quelle: imago images, Urheber: Jochen Tack

Karriere 17.01.2020
Bis zum heutigen 17. Januar 2020 hatten die Arbeitgeber aus der Bauindustrie und dem Bauhandwerk Zeit, sich zum Schlichterspruch für die Mindestlöhne auf dem Bau zu verhalten. ... 

Bis zum heutigen 17. Januar 2020 hatten die Arbeitgeber aus der Bauindustrie und dem Bauhandwerk Zeit, sich zum Schlichterspruch für die Mindestlöhne auf dem Bau zu verhalten. "Buchstäblich in letzter Minute" haben sie sich nun, wie die Gewerkschaft IG Bau formuliert, "noch richtig entschieden", sprich: Die Arbeitgeber haben den Schlichterspruch angenommen. Damit liegt die unterste Lohngrenze nun bei 12,55 Euro.

Den von den Arbeitgebern angepeilten einheitlichen Branchenmindestlohn wird es bis auf Weiteres nicht geben. Statt dessen bleibt es bei einer Zweiteilung in Mindestlohn 1 - die Lohnuntergrenze für Hilfsarbeiten auf dem Bau - und Mindestlohn 2 für qualifiziertere Arbeiten in den alten Bundesländern und Berlin.

Konkret: Der Mindestlohn 1 steigt bundesweit ab dem 1. April 2020 um 2,9% auf 12,55 Euro pro Stunde. Der Mindestlohn 2 bleibt erhalten und klettert im April um jeweils 1,3% auf 15,40 Euro im Westen bzw. 15,25 Euro in Berlin. Die neuen Mindestlöhne gelten nur bis Ende 2020.

Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung

Die Arbeitgeber sehen schon in der zweiten Jahreshälfte 2020 einer Fortsetzung des Ringens um die vermeintlich richtige Branchenmindestlohnstruktur entgegen. Sie wollen einen einheitlichen Mindestlohn, weil der Zoll es dann leichter habe zu kontrollieren, ob die Mindestlohngrenzen in der Lohngruppe 2 tatsächlich eingehalten werden. Nach früheren Angaben der IG Bau von Ende Oktober 2019 schwebte der Arbeitgeberseite ein einheitlicher Mindestlohn in Höhe von 12,40 Euro die Stunde vor.

Bauhandwerk und Bauindustrie hätten sich mit der Annahme des Schlichterspruchs kurz vor Ablauf der Frist "buchstäblich in letzter Minute noch richtig entschieden", atmet die Baugewerkschaft erleichtert auf. Die Arbeitnehmervertreter hatten für den Fall der Fälle ein Absacken der Lohnuntergrenze auf das Niveau des gesetzlichen Mindestlohns (9,35 Euro) befürchtet. Ein solcher "Lockruf für Dumping-Firmen aus dem In- und Ausland" könne, so das vergangene Woche gezeichnete Worst-Case-Szenario der Gewerkschaft, dazu führen, "die Unternehmen des Bauhandwerks und der Bauindustrie wirtschaftlich abzudrängen, die Tariflöhne zahlen, ordentliche Arbeit leisten und Qualität liefern".

Die Sozialpartner wollen jetzt umgehend beim Bundesarbeitsministerium beantragen, dass die neuen Mindestlöhne für alle im Bauhauptgewerbe in Deutschland tätigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gelten. Laut IG Bau sind das auf Arbeitnehmerseite mehr als 200.000 Bauarbeiter.

Harald Thomeczek

Es muss ja nicht gleich ein Studium sein

Vermessungsingenieure demonstrieren beim Praxistag auf der Alea-Baustelle in Bad Vilbel die Arbeit per Drohne.

Vermessungsingenieure demonstrieren beim Praxistag auf der Alea-Baustelle in Bad Vilbel die Arbeit per Drohne.

Karriere 16.01.2020
Bauarbeiter oder Polier gehören selten zu den Berufen, die Eltern ihren Kindern wünschen. An diesem Punkt müsse die Bauwirtschaft ansetzen und über die attraktiven Jobchancen ... 

Bauarbeiter oder Polier gehören selten zu den Berufen, die Eltern ihren Kindern wünschen. An diesem Punkt müsse die Bauwirtschaft ansetzen und über die attraktiven Jobchancen aufklären, sagt Thomas M. Reimann, CEO des Bauunternehmens Alea. In Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Baumeister bringt er Schüler auf die Baustelle. Da geht es um Handfestes: Werkzeuge, Karriere und Geld.

In der Grundschule fängt es oft schon an. Eltern arbeiten an der Karriere ihrer Kinder. Ihr Ziel: Der Nachwuchs soll später mit einem Abschluss "Summa cum laude" ins Berufsleben starten. Nur so würden ihm ein hohes Gehalt, Anerkennung und ein sorgenfreies Leben ermöglicht, meinen sie.

Die Realität sieht allerdings genauso oft anders aus. Im Ingenieurstudiengang gebe es mancherorts im zweiten Semester eine Abbrecherquote von 50%, berichtet Thomas M. Reimann, CEO des Bad Vilbeler Bauunternehmens Alea Hoch- und Industriebau. Viele Studierende fühlten sich angesichts der hohen Anforderungen im Fach Mathematik überfordert und kehrten der Baubranche den Rücken. "Dabei sind viele prädestiniert für den Bau", ist Reimann überzeugt. Nur die Form des Studiums sei dann eben nichts für sie.

Der Alea-Chef will nun über die verschiedenen Berufsbilder am Bau aufklären - sowohl junge Leute als auch Eltern und Lehrkräfte. Und das nicht nur bei Berufsinformationsabenden an den Schulen. "Die laufen doch immer alle gleich ab", sagt er und denkt an Power-Point-Präsentationen und Theorie. Reimann will eher das nutzen, was den Bau ausmacht: Anpacken unter freiem Himmel.

Seit Herbst vergangenen Jahres lädt er in Zusammenarbeit mit der Initiative Zukunft Fachkraft des Bunds Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure Hessen Frankfurt, zu dessen Vorstand Reimann gehört, Schülergruppen in der beruflichen Orientierungsphase auf eine seiner Baustellen ein. Dabei lässt er sich nicht lumpen, Schüler aus Hanau hat er per Shuttle-Service nach Bad Vilbel gebracht. Insgesamt haben bisher 50 Schüler an der Baustellenaktion teilgenommen. In einer drei- bis vierstündigen Führung geben ihnen Vertreter verschiedener Gewerke Einblicke in ihren Alltag. Da kann dann auch mal eine zierliche Schülerin Steine mauern - dank der Unterstützung mit hydraulischem Hebewerkzeug ist das kein Hexenwerk. Poliere berichten über die Abläufe und Anforderungen, Betonbauer und Facharbeiter präsentieren ihre Arbeit.

Der Polier erklärt, die Drohne steigt auf

Um die Bandbreite der Berufe noch vielfältiger werden zu lassen, will Reimann künftig verstärkt mit Partnern zusammenarbeiten. Den Anfang hat er mit dem Vermessungsbüro TPI aus Dreieich gemacht. Sie präsentierten den Schülern ihre Arbeit mit einer Drohne. Der Einsatz moderner Technik gilt für Reimann als ein Schlüssel, um junge Leute von der Arbeit am Bau zu überzeugen.

Der Aktionstag auf der Baustelle endet traditionell mit einem gemeinsamen Essen von Schülern und Arbeitern, bei dem Alea-Chef Reimann höchstpersönlich z.B. Eintopf mit Würstchen verteilt.

Fünf weitere Klassen aus dem Rhein-Main-Gebiet haben sich bereits angekündigt, in den nächsten drei Monaten rechnet Reimann mit etwa 120 Schülern auf seinen Baustellen. Koordiniert wird die Aktion von Erich Schleßmann, ehemaliger schulfachlicher Dezernent im Staatlichen Schulamt in Hanau. Der Ruheständler ist ehrenamtlich aktiv, hält den Kontakt zum Kultusministerium, koordiniert Termine und pflegt sein Netzwerk, um die Initiative Zukunft Fachkraft mit Leben zu füllen.

Ein Netzwerk soll es auch sein, das künftig die Schulaktionstage finanziell mittragen soll. Dafür sucht Reimann weitere Partner. "Ein Tag kostet etwa 3.000 bis 3.500 Euro", schätzt er. Der größte Kostentreiber sind dabei die Filmaufnahmen des Medienpartners 100places. In den Clips, die auch auf YouTube abrufbar sind, erzählen die Jugendlichen von ihren Erfahrungen, die sie auf der Baustelle gesammelt haben. Ein Schüler sagt z.B. sinngemäß: "Ich wollte eigentlich studieren, doch jetzt glaube ich, eine Ausbildung ist eher etwas für mich." Ein wichtiger Aha-Moment für junge Leute in der Entscheidungsphase, wohin sie ihre berufliche Reise führen soll, könnte auch die Information sein, wie die Verdienstaussichten auf der Baustelle sind. Reimann vergleicht dazu gerne ein Bauingenieurstudium und den Werdegang bis zum Werkpolier. Bis der Student erst nach etwa sieben Jahren als Berufseinsteiger ein Bruttogehalt von etwa 3.500 bis 3.800 Euro verdiene, habe der Azubi schon Geld auf die Seite legen können. In den ersten Jahren bekomme er monatlich etwa 1.000 Euro, anschließend rund 3.000 Euro brutto. Nach fünf bis sechs Jahren und einer Weiterbildung zum Werkpolier stehen laut Reimann 4.000 bis 4.300 Euro brutto auf dem Gehaltsscheck - Tendenz nach oben. Denn die Perspektiven in der Bauwirtschaft seien gut, bis 2040 rechnet Reimann mit nachhaltigen Bauaktivitäten. Das Fazit des Frankfurter Bauunternehmers: "Der Verdienst in der Bauwirtschaft kann höher sein als nach einem Bauingenieurstudium."

Das Engagement Reimanns und Schleßmanns trägt bereits erste Früchte. Alea liegen drei Anfragen für ein Praktikum und zwei Anfragen für eine Ausbildung vor. Die Eltern will Reimann künftig stärker mit ins Boot nehmen. Sie sollen zum Beispiel in einer Broschüre über die Attraktivität von Berufen am Bau informiert werden.

Handwerkstag fordert Werkunterricht

Der Hessische Handwerkstag (HHT) will das Unterrichtsfach Werken und Technik in die Klassenzimmer zurückbringen. "Den Werkunterricht nicht mehr haben zu wollen, war ein schulpolitischer Fehler", sagt HHT-Präsident Bernd Ehinger. So gingen nicht nur Fähigkeiten verloren, die ein jeder im Alltag brauche. "Ich bin davon überzeugt, so ein Unterrichtsfach trägt dazu bei, dass Schüler später auch die Idee einer Ausbildung im Handwerk entwickeln." Das neue Fach soll in allen Schulformen in der Sekundarstufe I und II eingeführt und Lehrkräfte entsprechend aus- und weitergebildet werden. Zudem seien Investitionen in Werkräume, Materialien und Werkzeuge nötig.

Die Resolution kann online unter www.handwerk-hessen.de abgerufen werden. Anke Pipke

Anke Pipke

"Gutes Geld verdienen wollen wir auch!"

Der Immobiliennachwuchs glaubt zu wissen, was er wert ist.

Der Immobiliennachwuchs glaubt zu wissen, was er wert ist.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Sell

Karriere 21.10.2019
Geld regiert die Welt, es schießt Tore - und ist jungen Leuten angeblich weniger wichtig als Sinn und Spaß im Job, eine pfundige Unternehmenskultur oder nette Kollegen. Eine ... 

Geld regiert die Welt, es schießt Tore - und ist jungen Leuten angeblich weniger wichtig als Sinn und Spaß im Job, eine pfundige Unternehmenskultur oder nette Kollegen. Eine Studentenbefragung, die die Messe München im Vorfeld der Expo Real durchgeführt hat, legt jedoch nahe: Der schnöde Mammon entfaltet durchaus noch eine gewisse Zugkraft auf den Immobiliennachwuchs.

Von den rund 170 befragten Immobilienstudenten und Azubis finden 80% das Thema Gehalt wichtig oder gar sehr wichtig. In der Rangliste der wichtigsten Kriterien bei der Arbeitgeberwahl landen nur zwei Aspekte vor der Kohle: der Unternehmenserfolg (89%) und flexible Arbeitszeiten (84%). Wert legen die Jungen der aktuellen Umfrage zufolge zudem auf eine gute Verkehrsanbindung (79%) des Unternehmensstandorts und einen unbefristeten Arbeitsvertrag (76%). Eine betriebliche Altersvorsorge (60%) und das Homeoffice stehen nicht ganz so hoch im Kurs (48%). Und auf einen Firmenwagen (25%) und eine Kantine (19%) können viele Nachwuchskräfte verzichten.

Die Frage sei erlaubt, ob hinter dem Topkriterium Unternehmenserfolg tatsächlich unternehmerisches Denken steht - oder aber das Wissen, dass eine gute Performance des Arbeitgebers auch auf den Gehaltszettel durchschlägt. Teilnehmer der Diskussionsrunde "Geld oder Sinn - was will der Nachwuchs in der Immobilienbranche?" auf dem CareerDay der diesjährigen Expo Real wie Reinhard Kutscher (Vorsitzender der Geschäftsführung von Union Investment Real Estate), Susanne Tattersall (geschäftsführende Gesellschafterin von Tattersall Lorenz) oder Gerd Kropmanns (Geschäftsführer und Gesellschafter der Wohnkompanie NRW) tendierten eindeutig zu letzterer Lesart.

Die Gehaltsvorstellungen der Nachwuchskräfte differieren stark. So stellen diejenigen, die das Abitur oder die Fachhochschulreife ihren höchsten Bildungsabschluss nennen, deutlich geringere Ansprüche als Befragte, die bereits einen Hochschulabschluss (Bachelor, Master, Diplom, Magister etc.) in der Tasche haben. Konkret: Knapp 40% der Teilnehmer, die (noch) nicht über einen solchen Hochschulabschluss verfügen, geben sich mit einem Bruttojahresgehalt von unter 40.000 Euro zum Einstieg zufrieden. Mehr als 50.000 Euro erwartet hier nur jeder Vierte.

Von denjenigen, die bereits einen Abschluss an einer Universität oder Fachhochschule erworben haben und jetzt z.B. einen Master draufsatteln, sieht sich fast jeder Zweite schon zum Einstieg bei über 50.000 Euro. Jedem Zehnten aus dieser Gruppe schweben sogar mehr als 60.000 Euro zum Einstieg nach dem aktuellen Studium vor.

Mit der Zeit nähern sich die Gehaltsvorstellungen an. Zwei bis drei Jahre nach dem Berufseinstieg wollen 37% derjenigen, die aktuell ihr zweites Studium absolvieren, mehr als 70.000 Euro von ihrem (künftigen) Arbeitgeber fordern. Bei denen, die noch keinen Studienabschluss vorweisen können, ist der entsprechende Anteil mit etwa einem Drittel ähnlich hoch.

Harald Thomeczek