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P&C Wien hat eine neue Finanzchefin

Köpfe 07.06.2024
Ab Mitte Juni besteht die Führungsspitze von Peek&Cloppenburg Wien aus zwei Männern und einer Frau. Die neue CFO Sie bringt viel Erfahrung aus der Finanzbranche mit. ... 

Ab Mitte Juni besteht die Führungsspitze von Peek&Cloppenburg Wien aus zwei Männern und einer Frau. Die neue CFO Sie bringt viel Erfahrung aus der Finanzbranche mit.

Martina Dutzler heißt die neue Finanzchefin von P&C Wien. Sie tritt ihr Amt am 17. Juni an. Dutzler folgt auf den Rechtsanwalt Axel Richter, der seit Januar übergangsweise die Finanzthemen bei den Wienern verantwortet hat. Er kehrt nun wieder zur Düsseldorfer Anwaltskanzlei AndersPartner zurück. Die Geschäftsführung der Peek & Cloppenburg B.V. & Co.. KG Wien besteht dann aus Alexander Deopito, Uwe Fehr und Martina Dutzler.

Die neue CFO kommt von dem österreichischen Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen Mpreis, wo sie ebenfalls CFO war. Zuvor arbeitete Dutzler 17 Jahre in verschiedenen Führungspositionen bei Hofer und Aldi Süd. Zuletzt war sie Finance Director bei der Finanz- und Management-Holding der Aldi-Süd Gruppe in Salzburg.

P&C Wien steuert das Osteuropa-Geschäft der Peek&Cloppenburg-Gruppe und gilt als Wachstumstreiber. Allein in diesem Frühjahr eröffneten Stores in Gmunden (Österreich), Sofia (Bulgarien) und Pitesti (Rumänien). Weitere Standorte sollen noch in diesem Jahr in Graz in Österreich sowie Kielce und Stettin in Polen eröffnen.

P&C Düsseldorf setzte 2022, das Jahr vor der Insolvenz, laut Konzernbilanz rund 1,5 Mrd. Euro um. Das Ebitda betrug 37,5 Mio. Euro, 2,4% bezogen auf den Umsatz. Insgesamt betreibt P&C 160 Stores und fünf Online-Stores.

Ulrike Wollenschläger

Haftbefehl gegen Lars Windhorst

Lars Windhorst.

Lars Windhorst.

Quelle: Imago, Urheber: Willi Schewski

Köpfe 03.06.2024
Gegen den Investor Lars Windhorst liegt ein Haftbefehl vor, weil er zu einer Anhörung des Amtsgerichts Hannover zum Insolvenzverfahren der seinem Firmengeflecht entstammenden Gesellschaft ... 

Gegen den Investor Lars Windhorst liegt ein Haftbefehl vor, weil er zu einer Anhörung des Amtsgerichts Hannover zum Insolvenzverfahren der seinem Firmengeflecht entstammenden Gesellschaft Projekt Ihme-Zentrum Hannover nicht erschienen ist. Windhorst hat dagegen Widerspruch eingelegt. Um die Revitalisierung des Ihme-Zentrums voranzubringen, verhandelt Insolvenzverwalter Jens Wilhelm V über Mietverträge, mit denen die Mieter die Sanierungskosten übernehmen und die Fläche temporär mietfrei nutzen können.

„Ernsthafte Gespräche mit Investoren über Teilverkäufe bahnen sich noch nicht an“, sagt Jens Wilhelm V, Insolvenzverwalter der Projekt Ihme-Zentrum (PIZ), der seit Oktober 2023 im Insolvenzverfahren befindlichen Gesellschaft aus dem Firmengeflecht des Investors Lars Windhorst. Aber: „Im Hintergrund wird der Verkauf vorbereitet, ein Datenraum ist eingerichtet und wesentliche Unterlagen sind bereits zusammengestellt.“

Erfolgreicher ist Wilhelm hingegen beim Entwirren der wirtschaftlichen Strukturen rund um die PIZ wie auch zum Hintergrund der 290 Mio. Euro Grundschulden zugunsten zweier Gesellschaften aus dem Umfeld des Unternehmers Ulrich Marseille, die auf der PIZ lasten. „Wir sind größere Schritte weitergekommen, aber aus bestimmten Gründen kann ich hierzu noch keine Details öffentlich vermelden.“

Zu diesen Fortschritten hat Lars Windhorst nichts beigetragen, denn er erschien nicht zur Anhörung des Insolvenzgerichts, dem Amtsgericht Hannover, am 22. April. In der Konsequenz veranlasste das Gericht einen Haftbefehl nach § 98 Insolvenzordnung, um Windhorsts Auskunfts- und Mitwirkungspflichten durchzusetzen. Der Haftbefehl liegt seit Ende Mai vor – und Windhorst hat bereits Widerspruch eingelegt.

Aldi und Woolworth verhandeln über Anmietung

Aufmerksamkeit des Insolvenzverwalters beanspruchen zudem die Gespräche mit potenziellen Mietern für die seit 2009 weitgehend im entkernten Zustand brachliegenden Gewerbeflächen. So verhandelt Wilhelm etwa mit Aldi und Woolworth über die Anmietung der ehedem vom Supermarkt Huma genutzten Flächen an der Blumenauer Straße nahe der Kreuzung Am Schwarzen Bären. Von den 4.600 qm würde Aldi knapp 1.700 qm nutzen und Woolworth rund 1.200 qm.

„Es findet demnächst ein Termin vor Ort mit dem bisherigen Planungsbüro und den Mietinteressenten statt“, berichtet Wilhelm V, der eine Eröffnung Ende 2025 in Aussicht stellt. Im Mietvertrag würde festgelegt, dass die Mieter selbst den Umbau samt Sanierung bezahlen und anschließend die Flächen eine Weile mietfrei nutzen könnten.

Erste Wohnungen sind saniert

Eine ähnliche Konstruktion wird mit der Stadt Hannover für einige der leer stehenden, sanierungsbedürftigen Wohnungen verhandelt. „Hier gibt es Gespräche mit dem Fachbereich Gesellschaftliche Teilhabe der Landeshauptstadt Hannover, der Wohnungen anmieten möchte.“ Auch hier werde das Modell temporäre Mietfreiheit für Sanierungskosten diskutiert.

55 der 177 zur Insolvenzmasse zählenden Wohnungen waren teils jahrelang unvermietet. „Die Sanierung und Vermietung leer stehender Wohnungen geht schrittweise voran. Die Insolvenzmasse ist nicht in der Lage, alle Wohnungen auf einmal zu sanieren“, illustriert der Insolvenzverwalter die übersichtliche Liquiditätslage. Aber: „Die ersten Sanierungen sind durchgeführt worden.“

Eigentümer müssen Sonderumlage leisten

Die zum Insolvenzverfahren führende Zahlungsunfähigkeit der PIZ hat nun auch für die anderen Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum einschneidende Folgen. In einer Versammlung der Gesamt-Wohneigentümergemeinschaft im Mai wurde beschlossen, die millionenschwere Lücke für das Hausgeld – mit dem die Gemeinschaftskosten getragen werden – durch eine Sonderumlage zu schließen. Zunächst bis Jahresende 2024 müssen die 525 Eigentümer der weiteren rund 800 Wohnungen monatlich zusätzlich 4,87 Euro/qm in die Hausgeldkasse überweisen.

Zudem konnte sich Wilhelm mit einem Antrag in der WEG durchsetzen, dass bestimmte Aufwendungen, wie etwa der Wachdienst, die Schädlingsbekämpfung und die Außenbeleuchtung künftig nicht mehr allein von den Gewerbetreibenden getragen werden, sondern von allen WEG-Mitgliedern. „Schließlich hat die WEG vor meinem Beschlussantrag sogar noch mal ausdrücklich mit überwältigender Mehrheit entschieden, dass unbedingt ein Wachdienst benötigt wird und sich darüber auch Gedanken gemacht wird, inwieweit der Wachdienst in den Häusern und in welchem Umfang tätig werden kann.“ Es entspreche nicht ordnungsgemäßer Verwaltung, wenn ausschließlich die Gewerbetreibenden zahlten, aber alle davon profitierten.

Öffentliche Hand bremst Umnutzung von Büro- zu Wohnraum

Zur Entlastung der WEG-Haushalte sollen künftig Einnahmen aus Photovoltaikanlagen beitragen. Hier hat die WEG-Versammlung beschlossen, Gutachten zu Statik und Winddruck auf den Weg zu bringen.

Nicht recht vom Fleck kommt ein anderes Wohnungsthema: „Bei der Umnutzung von Büros zu Wohnraum, zumindest als sogenannte Zwischenlösung, gibt es keine positiven Nachrichten. Weder die Region Hannover, noch die Landeshauptstadt Hannover oder das Land Niedersachsen sind aktuell zu einer Unterstützung bereit.“ Das gilt etwa für die Idee, in den früheren Büroflächen des kommunalen Energieversorgers Enercity und der Stadt Hannover Geflüchtete unterzubringen. Auch die Gespräche mit der neuen Landeswohnungsgesellschaft seien nicht erfolgreich gewesen. „Es ist nicht hilfreich, dass die öffentlichen Einrichtungen so wenig kooperieren beim Finden von kreativen Lösungen für das Ihme-Zentrum“, ließ sich Wilhelm V Ende April in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) zitieren.

Stadt investiert Millionen in Durchwegung

Gewürdigt wird vom Insolvenzverwalter hingegen das Engagement der Stadt, dass die öffentlich nutzbare Durchwegung von der Ida-Arenhold-Brücke bis zur Blumenauer Straße bis 2026 saniert und modernisiert wird. „Die mangelnde Investitionsbereitschaft des derzeitigen Eigentümers des Ihme-Zentrums hat jeden Fortschritt in den vergangenen Jahren ausgebremst – und das, obwohl bereits Fördermittel erfolgreich eingeworben wurden“, erklärte Stadtbaurat Thomas Vielhaber (SPD).

Seit bald fünf Jahren plant die Stadt, die Durchwegung zu erneuern. Die kalkulierten Kosten liegen bei 4,4 Mio. Euro. Die abgelaufene Frist zur Nutzung der eingeworbenen Bundesfördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro wurde auf Bitten der Stadt verlängert. Die Stadt ist bereit, die Lücke von rund 2,4 Mio. Euro zu schließen.

Friedhelm Feldhaus

Interimsmanager Josef Schultheis wird Chef der KaDeWe Group

Alsterhaus Hamburg, eine der drei Filialen der KaDeWe Group.

Alsterhaus Hamburg, eine der drei Filialen der KaDeWe Group.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Köpfe 19.03.2024
Christoph von Schwanenflug

Konkursverfahren über René Benko eröffnet

Die Gläubiger von René Benko könnten womöglich nicht mal 20% ihrer Forderungen wiedersehen.

Die Gläubiger von René Benko könnten womöglich nicht mal 20% ihrer Forderungen wiedersehen.

Quelle: Imago, Urheber: Eibner Europa

Karriere 08.03.2024
Das Insolvenzgericht in Innsbruck eröffnet diesen Freitag ein Konkursverfahren über das Vermögen von René Benko als Einzelunternehmer. Für die Experten des Gläubigerverbands KSV ... 

Das Insolvenzgericht in Innsbruck eröffnet diesen Freitag ein Konkursverfahren über das Vermögen von René Benko als Einzelunternehmer. Für die Experten des Gläubigerverbands KSV 1870 kommt es überraschend, dass Benko die Eröffnung eines Konkurs- und nicht etwa eines Sanierungsverfahrens beantragt hat. Benko haftet nun mit seinem gesamten Privatvermögen. Spannend ist dabei die Frage, was alles unter sein Vermögen fällt.

Bei einem Konkursverfahren verliert ein Schuldner die Verfügungsmacht über sein Vermögen. „Der ursprüngliche Insolvenzeröffnungsantrag der Finanzprokuratur war ebenfalls auf die Eröffnung eines Konkursverfahrens gerichtet. Aus verfahrensrechtlicher Sicht macht für den KSV 1870 ein Eröffnungsantrag durch René Benko selbst nur dann Sinn, wenn dadurch das von der Finanzprokuratur angestrebte Konkursverfahren verhindert und im Eigenantrag ein Sanierungsverfahren beantragt wird“, erklärt der Gläubigerverband.

Benko befindet sich nun also genau in jener Art von Insolvenzverfahren, welches von der Finanzprokuratur – der rechtlichen Vertreterin der Republik Österreich – bei ihrem Insolvenzantrag gegen die Person René Benko Ende Januar angestrebt wurde. Benko stellte gestern einen eigenen Insolvenzantrag als Einzelunternehmer. Er kam damit anscheinend einem Insolvenzbescheid durch das Innsbrucker Gericht zuvor und gestand selbst ein, zahlungsunfähig zu sein. Zum Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Andreas Grabenweger aus Innsbruck bestellt.

Benko haftet mit seinem gesamten Privatvermögen

Das Konkursverfahren umfasst laut KSV 1870 das Beratungsunternehmen und sämtliches Privatvermögen von Benko. Der Signa-Gründer hatte bei der Unternehmensgruppe seit 2013 kein operatives Amt mehr inne, sondern fungierte nur noch als deren Berater. Er hält aber über Privatstiftungen wesentliche Anteile daran. Gleichzeitig erstreckt sich die Wirkung eines in Österreich eröffneten Insolvenzverfahrens auch auf etwaiges im Ausland liegendes Vermögen. „Kurz zusammengefasst geht es nun um das gesamte Vermögen des René Benko“, resümiert Klaus Schaller, Regionalleiter West beim KSV 1870.

Dass Benko direkt ein Konkursverfahren statt einer Sanierung beantragt, könnte vordergründig ein Hinweis darauf sein, dass ein Schuldner nicht davon ausgeht, die bei einem Sanierungsverfahren erforderliche Mindestquote von 20% der Forderungen erfüllen zu können. Andererseits stellt sich die Frage, was genau alles unter „gesamtes Privatvermögen des René Benko“, mit dem der nun haftet, fällt. Experten verweisen zum Beispiel darauf, dass Benko einen großen Teil seines Vermögens in Privatstiftungen untergebracht hat, bei denen nicht er selbst, sondern etwa Familienmitglieder die wirtschaftlich Begünstigten sind. Inwieweit Forderungen von Gläubigern auch mit diesem Geld befriedigt werden können, wäre zu klären. „Die Stiftungen sind so konstruiert, dass da keiner ran kann, und daher ist das dann keine Haftungsmasse“, sagt ein Insider. Benko sei wohl nur bei der in Liechtenstein ansässigen Stiftung der direkt Begünstigte.

Mammutaufgabe mit Spannungsmomenten

Den vom Insolvenzrichter Hannes Seiser bestellten Insolvenzverwalter Andreas Grabenweger sieht Schaller vor einer Mammutaufgabe. „Primär muss der Insolvenzverwalter klären, ob das Beratungsunternehmen des René Benko ohne weitere Nachteile für die Gläubiger fortgeführt werden kann. Daneben besteht seine Hauptaufgabe darin, sich rasch ein Bild über die Vermögenslage des Signa-Gründers zu verschaffen. Spannend wird dabei insbesondere die Frage, ob und wenn ja welche wechselseitigen Ansprüche zu Signa-Gesellschaften bestehen und welche Vermögensbewegungen in der Vergangenheit in der privaten Vermögenssphäre des René Benko stattgefunden haben“, sagt Schaller.

Die Summe der berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten von Benko ist noch nicht klar. Es bleibe abzuwarten, ob durch Signa-Gesellschaften oder Signa-Gläubiger Ansprüche gegen Benko geltend gemacht werden, so der Gläubigerverband. Denkbar sei etwa, dass Benko persönliche Haftungen für Signa-Verbindlichkeiten übernommen hat. Derzeit nicht abschätzbar ist auch das Ausmaß möglicher Schadenersatzansprüche aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs von wesentlichen Signa-Gesellschaften, welche gegenüber Benko geltend gemacht werden könnten. Auch solche Ansprüche müssten im Konkursverfahren vor dem Landesgericht Innsbruck zur Anmeldung kommen. Die Tagsatzung zur Prüfung der angemeldeten Forderung legten die Innsbrucker Richter auf den 24. April.

Insolvenzverwalter kann die „wirtschaftliche Gebarung des Schuldners“ zehn Jahre rückwirkend durchleuchten

So oder so dürften auf Benko hohe Forderungen zukommen. Diese könnten zusätzlich wachsen, wenn der Insolvenzverwalter Geschäftsfälle aus der weiter zurückreichenden Vergangenheit untersucht: Der österreichische Gesetzgeber gebe dem Insolvenzverwalter mit dem Anfechtungsrecht ein sehr mächtiges Werkzeug in die Hand, gibt Gläubigervertreter Schaller zu bedenken. So könnten Anfechtungen des Insolvenzverwalter unter bestimmten Voraussetzungen Gläubiger schlechter stellende Rechtsakte nachträglich nichtig machen.

Der Insolvenzverwalter werde das wirtschaftliche Gebaren des Schuldners daher im Detail bis zu zehn Jahre zurück überprüfen. Es sei dabei zu klären, ob der Haftungsfonds der nunmehrigen Gläubiger in der Vergangenheit ungebührlich verringert wurde.

Harald Thomeczek

René Benko meldet sich selbst insolvent

René Benko.

René Benko.

Quelle: Imago, Urheber: Vistapress

Köpfe 07.03.2024
Signa-Chef René Benko hat nun selbst einen Insolvenzantrag gestellt. Ausgangspunkt war der Insolvenzantrag der Finanzprokuratur von Ende Januar gegen ihn. ... 

Signa-Chef René Benko hat nun selbst einen Insolvenzantrag gestellt. Ausgangspunkt war der Insolvenzantrag der Finanzprokuratur von Ende Januar gegen ihn.

„René Benko hat einen Eigenantrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt“, bestätigt Klaus Jennewein, Vizepräsident des Landesgerichtes Innsbruck, einen Bericht der österreichischen Zeitung Krone gegenüber der Immobilien Zeitung. Der Antrag sei heute eingegangen, und es soll eine schnelle Entscheidung fallen: „Der Antrag wird schnell behandelt.“ Je nachdem, ob noch Unterlagen benötigt werden, soll noch heute, spätestens morgen über Benkos Insolvenzantrag beschieden werden. Noch hat Richter Jennewein keinen Blick in Benkos Unterlagen geworfen. Sollte das Verfahren eröffnet werden, würde es angesichts der Bedeutung des Falls unmittelbar im österreichischen Insolvenzedikt angezeigt.

Ausgangspunkt für Benkos Antrag war der Insolvenzantrag der Finanzprokuratur der Republik Österreich gegen ihn persönlich. Die rechtliche Vertreterin des österreichischen Staats stellte Ende Januar einen Insolvenzantrag gegen den Signa-Gründer persönlich. „Der Eigenantrag ist ein Hinweis darauf, dass René Benko nicht den Nachweis hat erbringen können, dass er zahlungsfähig ist“, erklärt Richter Jennewein. Bei natürlichen Personen kommt nur Zahlungsunfähigkeit als Auslöser für einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Frage. „Mit einem solchen Antrag hat er selbst anzeigt, dass er fällige Verbindlichkeiten nicht begleichen kann“, ergänzt Jennewein. Sollte Benkos Eigenantag eröffnet werden, wäre der Antrag der Finanzprokuratur hinfällig. Der Richter legt jedoch Wert auf folgende Feststellung: „Es handelt sich um keine Privatinsolvenz, sondern um eine Unternehmerinsolvenz.“ Benko haftet also für seine Verbindlichkeiten als Einzelunternehmer. Sein Vermögen dürfte aber nicht zuletzt in seinen Privatstiftungen gebündelt sein.

Für den Insolvenzantrag der Finanzprokuratur gegen Benko gab es laut einem damaligen Bericht der österreichischen Zeitung Der Standard zwei Gründe: Zum einen soll Benko dem Finanzamt noch Geld in Millionenhöhe schulden. Außerdem habe er nicht die vollen 3 Mio. Euro überwiesen, die er dem Insolvenzverwalter der Signa Holding zur Finanzierung des Insolvenzverfahrens zugesagt hatte. Schon die zweite von drei Raten soll „von dritter Seite“ und nicht von Benko selbst gekommen sein.

Die Holding hat das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung inzwischen aufgegeben, der Insolvenzverwalter hat nun das Sagen. Der Insolvenzantrag der Finanzprokuratur wurde bei den zuständigen Insolvenzrichtern in Innsbruck eingereicht, die nun über Benkos Eigenantrag entscheiden. Gläubiger fordern gut 16 Mrd. von Signa-Unternehmen: 7,85 Mrd. von der Holding,
6,3 Mrd. von Signa Prime und 2,2 Mrd. von Signa Development.
Mehr News zu Signa lesen Sie im IZ-Profil des Unternehmens.
Harald Thomeczek

"Ich will zeigen, dass ich nicht nur der Real-Estate-Guy bin"

Marc K. Thiel setzt auf Fahrräder statt Immobilien.

Marc K. Thiel setzt auf Fahrräder statt Immobilien.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Peter Maurer

Karriere 08.02.2024
Rund 30 Jahre lang war Marc K. Thiel in den verschiedensten Positionen in der Immobilienwirtschaft aktiv, war unter anderem schon Makler, Banker, Fondsmanager oder Entwickler. Jetzt ist er ... 

Rund 30 Jahre lang war Marc K. Thiel in den verschiedensten Positionen in der Immobilienwirtschaft aktiv, war unter anderem schon Makler, Banker, Fondsmanager oder Entwickler. Jetzt ist er zum Kinderfahrradhersteller Puky gewechselt und bekommt Einblicke in eine Branche, in der der Alltag ganz anders abläuft. Eine berufliche Rückkehr zum Thema Immobilien kann er sich aber immer noch gut vorstellen.

Du kriegst Mails von Leuten, die sich für unsere Produkte bedanken – das kennen wir aus der Immobilienbranche gar nicht", sagt Marc K. Thiel zu neuen Erfahrungen nach seinem Branchenwechsel. Der langjährige Immobilienmanager ist seit September 2023 Co-Geschäftsführer beim Kinderfahrradhersteller Puky. Eine weitere Veränderung sei, dass er sofort die Ergebnisse der eigenen Entscheidungen sehen könne. "Wenn ich morgens sage: ,Ich möchte, dass die Fahrräder rot lackiert werden‘, dann stehen da abends rote Fahrräder." Wenn in der Immobilienbranche ein Manager nach fünf Jahren das Unternehmen verlässt, erlebe er dagegen oft gar nicht mehr, dass die Projekte fertig werden, die er angestoßen hat, sagt Thiel. Ohnehin seien die langen Genehmigungsprozesse für Immobilienentwickler schwierig. Wenn die Schaffung von Baurecht statt drei Jahren vier oder fünf dauere und gleichzeitig die Zinsuhr ticke, sei das für den Entwickler ein Problem – vor allem bei den teuren Mezzanine-Finanzierungen.

Das sei auch mit ein Grund, warum derzeit viele Projektentwickler in Schwierigkeiten seien, meint Thiel, der als Chief Transaction Officer der Gerch Group das alles hautnah miterlebt hat. Er habe sich dann die Frage gestellt, ob er zum dritten Mal eine Immobilienkrise erleben oder mal etwas Neues erkunden will – "zeigen, dass man nicht völlig betriebsblind und nur der Real-Estate-Guy ist, sondern ein Manager, der sich Herausforderungen stellt und sich zutraut, ein Traditionsunternehmen neu auszurichten."

Wobei Thiel in seiner rund 30-jährigen Tätigkeit in der Immobilienbranche schon oft gezeigt hat, dass er offen für Neues ist. Angefangen hat er nach der Wende als Makler bei Aengevelt Immobilien, ging dann für die Vermietung von nicht betriebsnotwendigen Immobilien zur Treuhand und von dort zur Metro – als "Libero" des Metro-Managers und späteren Sprechers der Geschäftsführung von Metro Real Estate, Wolfgang Karches, wie er es nennt. Für seinen Mentor betreute Thiel verschiedene Projekte, nicht nur aus dem Immobilienbereich, und stieg mit diesem zusammen im Konzern auf. Zuletzt war er als Immobilienchef International für die Auslandsexpansion der Metro verantwortlich. Danach war er unter anderem bei der Aareal Bank und baute für den dänischen Fondsanbieter Euro Eijendomme sowie den österreichischen Immobilienkonzern Soravia das Deutschlandgeschäft auf. Dabei hat er Erfahrung mit fast allen Assetklassen gesammelt – "außer Logistik und Kliniken", wie er sagt.

Zu Puky kam Thiel, weil ihn Bekannte den Gesellschaftern aufgrund seiner Erfahrungen bei der Metro als Berater für die geplante internationale Expansion empfohlen hatten. Thiel hat sich alles angeschaut, auf zwei DIN-A4-Seiten aufgeschrieben, was man seiner Meinung nach im Unternehmen ändern müsste, und damit offenbar mächtig Eindruck bei den Gesellschaftern gemacht. So wurde aus dem Berater Thiel der Geschäftsführer Thiel.

Dass sich etwas ändern muss, ist offensichtlich. In der Produktionshalle herrscht ab 15 Uhr gähnende Leere. Klar, das Fahrradgeschäft ist zyklisch und wenn es im Frühling wieder wärmer wird, wird es voraussichtlich auch wieder eine zweite Schicht geben. Aber dass hier auch schon in drei Schichten gearbeitet wurde, ist mit dem Weihnachtsgeschäft 2021 auch schon über zwei Jahre her. Andererseits ist Puky eine starke Marke. "Fast jeder in Westdeutschland kennt Puky", sagt Thiel. "Ich sage meinen Mitarbeitern: Brust raus, wir sind Puky – wie Coca-Cola oder BMW." Dass die Marke noch zieht, hat sich beim Werksverkauf gezeigt, der unter Thiel erstmals stattfand. Obwohl aus Rücksicht auf die Händler kaum Werbung gemacht wurde, seien an den zwei Tagen 3.500 bis 4.000 Menschen gekommen und hätten um die 1.000 Fahrräder gekauft.

Schnelle Ergebnisse und direkter Kundenkontakt

Bei Puky sind ohnehin alle stolz auf die Qualität der Produkte. Gerade erst hat die EU ein Puky-Rad ausgezeichnet, weil es die vorgeschriebenen Stabilitätsnormen um ein Vielfaches übertrifft. Zudem findet der Großteil der Produktion in den Werken in Deutschland und Polen statt. So kann Puky zum Beispiel innerhalb von Stunden die Lackierung der Räder ändern und so auf geändertes Kundenverhalten oder spezielle Lackierungswünsche von großen Partnern wie Bayern München oder Mini reagieren – wäre die Produktion in Asien, würde das dagegen Monate dauern. Allerdings sei die Marke etwas eingeschlafen, sagt Thiel und berichtet von Zeiten, in denen Puky-Räder nicht verkauft, sondern zugeteilt wurden, weil die Nachfrage die Produktionskapazitäten bei Weitem überstieg. Die Konkurrenz habe aber deutlich aufgeholt, was lange ignoriert worden sei.

Bei Puky sieht Thiel drei Hauptthemenfelder, die er angehen will: Zum einen soll es zum Ostergeschäft einen neuen Markenauftritt geben. Zum zweiten müssten neue Vertriebswege gesucht werden, gerade auch im E-Commerce. Thiel bringt das Beispiel der sogenannten "Play-Produkte", also Lauf- oder Dreiräder, die bisher überwiegend im Spielwarenhandel verkauft werden. "Der mit Abstand größte Spielwarenhändler ist mittlerweile Amazon. Wir können uns solchen Plattformen nicht mehr verwehren."

Das dritte Thema sei Internationalisierung, ohne die es kein Umsatzwachstum geben könne. In vielen europäischen Ländern ist Puky gar nicht oder kaum vertreten, auch nicht in den USA. Interessant seien auch Länder wie Japan oder Taiwan und insbesondere die Golfstaaten, die sehr deutsch- und markenaffin seien und speziell Dubai zudem sehr fahrradaffin. Für die Länder brauche es Partner, die zum Beispiel als Generalimporteur das Geschäft dort übernehmen. Aber auch eine Zusammenarbeit mit Immobilienentwicklern könnte sich Thiel vorstellen. "In Dubai gibt es Entwickler, die bauen jährlich Tausende Wohnungen. Die könnten doch jedem, der eine Wohnung mit Kinderzimmer kauft, ein Fahrrad schenken – und wir lackieren es in ihrem Unternehmensdesign."

Rückkehr in die Branche nicht ausgeschlossen

Traut sich Thiel diese Aufgaben als Branchenfremder zu? "Vertrieb und Markenbildung habe ich schon immer gemacht, das kann ich – und für E-Commerce habe ich zum Glück fähige Mitarbeiter." Ein Abschied für immer von der Immobilienbranche sei sein Engagement bei Puky ohnehin nicht. Thiel rechnet mit drei bis fünf Jahren, bis die Weichen gestellt seien, dann solle ein Jüngerer übernehmen.

In der Zwischenzeit würde Thiel gerne Aufsichtsrats- oder Beiratsmandate in der Immobilienbranche übernehmen. Nach seinem Ausscheiden bei Gerch hat er sich zum zertifizierten Aufsichtsrat weitergebildet. Als Selbstzahler und Immobilienmanager sei er im Kurs ein Exot gewesen – die anderen Teilnehmer seien von großen Unternehmen entsandt worden, um sich auf die Übernahme von Aufsichtsratsmandaten bei Tochterfirmen vorzubereiten.

Den Kurs habe er gemacht, weil er ein aktiver Aufsichtsrat sein wolle. "Mein Ansatz ist, mein Wissen und mein Netzwerk einzubringen", sagt Thiel. Spannend findet er Themen, die schwierig sind – also aktuell vor allem Investment und Projektentwicklung. Da könne er am ehesten sinnstiftend tätig sein, denn: "Ich habe mich immer als Troubleshooter verstanden.
Der Autor: Peter Maurer ist Journalist in Wiesbaden.

Immobilien Zeitung