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"Es gilt kein Halt, unser Blick ist nach vorn gerichtet"

Von oben links im Uhrzeigersinn: Bettina Timmler, Harald Thomeczek, Maria Wolleh, Sabine Wieduwilt, Janine Jaensch und Johanna Friedek.

Von oben links im Uhrzeigersinn: Bettina Timmler, Harald Thomeczek, Maria Wolleh, Sabine Wieduwilt, Janine Jaensch und Johanna Friedek.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Harald Thomeczek

Karriere 14.01.2021
Am 16. Dezember sank Deutschland zum zweiten Mal in den Dornröschenschlaf. Dabei schienen die Zeichen zwischenzeitlich auf Entspannung zu stehen. Fünf Immobilienfrauen erzählen, wie sie ... 

Am 16. Dezember sank Deutschland zum zweiten Mal in den Dornröschenschlaf. Dabei schienen die Zeichen zwischenzeitlich auf Entspannung zu stehen. Fünf Immobilienfrauen erzählen, wie sie im Job und privat mit den Aufs und Abs klarkommen und wie sie 2021 unter diesen fragilen Bedingungen angehen.

Im Juni sprachen fünf Immobilienfrauen mit der Immobilien Zeitung über ihr Leben und Arbeiten in der Corona-Krise: Sabine Wieduwilt (Dentons), Johanna Friedek (DIC Asset), Maria Wolleh (kallan), Janine Jaensch (Educia) und Bettina Timmler (Comm.Pass). Corona & Co. schienen damals langsam auf dem Rückzug ("Unsere Männer machen auch einen Riesenjob!", IZ 27/2020). Für ein zweites Treffen ein halbes Jahr später hofften alle darauf, das Schlimmste hinter sich gelassen zu haben. Es kam anders.

Janine Jaensch und ihr Mann sind beide in Vollzeit berufstätig. Er trägt die Verantwortung für ein weltweit agierendes Team, sie steckt mitten im Aufbau des Projektentwickler-Startups Educia, das sich auf Schulen, Kitas & Co. spezialisiert. Mit dem zweiten Lockdown sind Jaensch und ihr Mann beide wieder komplett ins Homeoffice zurückgekehrt und haben wie im Frühjahr einen Stundenplan aufgestellt, wer wann arbeiten darf und mit wem wann zu rechnen ist. "Auf unsere Eltern können wir nicht zurückgreifen, und die Notbetreuung im Kindergarten wollen wir nur ungern nutzen", erzählt Jaensch im Videocall. "Wir sind sehr dankbar für das Verständnis, das unsere Arbeitgeber aufbringen, niemand macht uns ein schlechtes Gewissen."

Länger im Homeoffice zu arbeiten und sich gleichzeitig rund um die Uhr um zwei Kinder im Alter von einem und vier Jahren zu kümmern - auf Dauer kann sich Jaensch das nicht vorstellen. "Ich hoffe sehr, dass es dazu nicht kommen wird. Es wäre für alle eine nicht zufriedenstellende Situation, die an Eltern, Kindern und Firmen in gleichem Maße zehrt."

Als Leiterin Unternehmensentwicklung eines Start-ups empfindet sie den Lockdown als Fluch und Segen zugleich. "Wir haben Zeit, die Dinge richtig aufzusetzen, rasen nicht gleich mit Vollgas von einer Veranstaltung zur nächsten. Aber die persönliche Ansprache fehlt. Digitale Medien fangen einiges auf, können aber nicht alles ersetzen." Um potenziellen Geschäftspartnern und Kunden das Geschäftsmodell von Educia schmackhaft zu machen, wären öffentlichkeitswirksame Präsenzveranstaltung hilfreich, bedauert Jaensch.

Johanna Friedek, Leiterin der Kölner Niederlassung von DIC Asset, ist da im Vorteil. Ihre Kinder sind schon älter, und Distanzunterricht scheint bei ihnen - was fürwahr keine Selbstverständlichkeit ist in diesem Land - zu funktionieren: "Der erste Lockdown hat zu einer massiven Digitalisierung in den Schulen meiner Kinder geführt, bereits seit den Herbstferien wird zum Teil digital unterrichtet." Homeschooling sei für sie, ihren Mann und die beiden schulpflichtigen Kinder (ein Teenager und eine Grundschülerin) zum Alltag geworden, auch wenn an der ein oder anderen Stelle eine "kleine Wissenslücke" entstehe.

Sabine Wieduwilt, Partnerin bei der Kanzlei Dentons, sieht es ähnlich gelassen: "Das Schulleben geht auf und ab - wie in jedem Jahr. 100% gradlinig kannte ich vorher auch nicht." Wieduwilts drei schulpflichtige Kinder hatten vor Weihnachten, bis auf die Klausuren des Abiturienten, ausschließlich Distanzunterricht, "was nach wenigen Anlaufschwierigkeiten gut funktionierte". Doch auch das stabilste Elternhaus, da machen sich beide nichts vor, kann ein soziales Umfeld nicht ersetzen: Die Kinder vermissen ihre Freunde, die spielerische Freiheit im Alltag und den Freizeitsport.

Der Sohn von Bettina Timmler, Inhaberin der Agentur Comm.Pass und Regionalleiterin des Vereins Frauen in der Immobilienwirtschaft im Rheinland, hat es kurz vor dem ersten Lockdown noch geschafft, sein BWL-Studium an der Universität zu Köln abzuschließen. Doch statt es mit einer Abschlussparty mit allen Kommilitonen gebührend krachen zu lassen, hat der junge Mann "sein Abschlusszeugnis, eine Schutzmaske mit Logo, einen Examensfeiercocktail und ein Video der Fachschaft per Post erhalten - das war enttäuschend", erzählt seine Mutter.

Ungleich härter hat die Freundin ihres Sohnes getroffen, die an der TH Köln Restaurierung von Kunst- und Kulturgut studiert. Das erfordert viele Präsenztage in Laboren und am Mikroskop und Praktika in Museen. "Wie die meisten Studierenden hat sie ihr Studium um zwei Semester verlängern müssen. Das ist schon eine enorme Belastung und frustrierend für die jungen Menschen", ärgert sich Timmler.

Maria Wolleh, Partnerin der in Schweden verwurzelten Berliner Kanzlei kallan und Vorstandsmitglied bei den Frauen in der Immobilienwirtschaft, ist seit November wieder im Homeoffice, ihr Mann auch. Dabei standen die Zeichen zwischenzeitlich auf Entspannung. "Beruflich gestalteten sich die Sommermonate wieder relativ normal; es gab Präsenzmeetings und innerdeutsche Reisen." Im Herbst wurde Wolleh jedoch klar, dass die übliche Kontaktpflege mit Reisen, persönlichen Treffen und Messen mittelfristig nicht mehr so wie früher möglich sein wird. "Dies stellt uns als Berater vor eine besondere Herausforderung, weil wir auf neue Mittel für die Pflege und Erweiterung unserer Netzwerke angewiesen sind. Aufgrund des nordischen Fokus unserer Kanzlei waren wir ansonsten viel in Skandinavien unterwegs, was nun nicht mehr geht." Sie und ihre Kollegen versuchen das mit vielen virtuellen Treffen aufzufangen. Einen Haken hat die Sache: Zufallsbegegnungen, die nicht selten das Salz in der Suppe sind, lassen sich nicht planen.

Die Wollehs haben mit ihrer Tochter und ihrem Sohn u.a. eine formelle zweiwöchige Quarantäne hinter sich. "Eine Quarantäne, bei der die Wohnung nicht verlassen werden darf, ist für ein Kind natürlich eine besondere Herausforderung. Wir können noch nicht wirklich abschließend sagen, in welchem Umfang die Kinder durch die Umstände und auch das Homeschooling zurückgeworfen sind, machen uns aber Gedanken."

"Am Wochenende wache ich gefühlt im Büro auf"

Auch Wieduwilt arbeitet jetzt wieder oft zuhause. Sie sieht die schönen Seiten: "Für mich ist die derzeitige Situation mit Corona persönlich eine Gelegenheit, meinen Kindern und meinem Mann unter der Woche zu begegnen und unter dem gleichen Dach zu sein. Nur am Wochenende habe ich manches Mal das Gefühl, ich wache im Büro auf, weil die räumliche Trennung fehlt."

Am Horizont sieht Wieduwilt viele gesetzliche Änderungen stehen, zum Beispiel beim Thema Restrukturierungsrahmen oder zum Wegfall der Geschäftsgrundlage bei der Miete. "Das sind Themen, die für unsere Mandanten Wirkung haben werden und die wir in der Beratung adressieren müssen." Oder mit Friedeks Worten: "Es gilt kein Halt, es gibt kein Zurück - unser Blick ist nach vorne gerichtet!" Trotz Corona und Lockdown habe DIC Asset ein "wirklich starkes Jahresendgeschäft" mit einer "Aufholjagd von Investoren und Mietern" erlebt. Die Leerstandsquote im rheinländischen DIC-Portfolio, das zu rund 90% aus Büros besteht, gehe gegen Null. Das neue Jahr dürfte ebenfalls ein intensives werden: "Wir gehen von einem weiteren starken Zuwachs aus und arbeiten dran, diesen vor allem mit unseren Mietern zu erreichen."

"Et es wie et es, et kütt wie et kütt"

Timmler hegt gemischte Gefühle: "Mit meiner Agentur schaue ich zuversichtlich ins neue Jahr, aber es gibt Imponderabilien: Ich bewege mich zum Teil in Nischen." Sich selbst und allen anderen ruft sie das kölsche Grundgesetz in Erinnerung, Artikel 1 und 2: "Et es wie et es. Et kütt wie et kütt."

Harald Thomeczek

DeA Capital kommt nach Deutschland

Köpfe 11.01.2021
Der italienische Asset-Manager DeA Capital Group kommt nach Deutschland. Für die Expansion nach la Germania hat sich DeA die Dienste von Wolfgang Speckhahn, Thorsten Schilling und Martin Figge ... 

Der italienische Asset-Manager DeA Capital Group kommt nach Deutschland. Für die Expansion nach la Germania hat sich DeA die Dienste von Wolfgang Speckhahn, Thorsten Schilling und Martin Figge gesichert. Auch Thomas Körfgen unterstützt die Italiener bei diesem Unterfangen.

Schon im Oktober 2020 hat die DeA Capital Group die deutsche Gesellschaft DeA Capital Real Estate Germany GmbH mit Sitz in München gegründet. Speckhahn, Ex-Leiter Strategie und Unternehmensentwicklung beim Investment-Manager Patrizia, soll die deutsche Landesgesellschaft vom Münchner Büro aus als Geschäftsführer für die Italiener leiten und aufbauen.

Die deutsche DeA-Tochter bietet, analog zu ihren Schwestern in Polen, Spanien/Portugal und Frankreich, institutionellen Investoren in der Dach-Region Beratungsdienste in puncto Fonds und individuelle Anlagemöglichkeiten. Die Palette reicht von direkten Immobilienanlagen (mit Schwerpunkt auf den Risikoklassen Core plus, Value-add und opportunistisch) bis zu Reits und Immobilienaktien.

Viel Expertise von Savills IM bzw. SEB AM

Zur Mannschaft der ersten Stunde gehören in Deutschland neben Speckhahn auch noch Thorsten Schilling (52) und Martin Figge (57) sowie Thomas Körfgen. Schilling und Figge sitzen im Frankfurter DeA-Büro. Schilling, Figge und Körfgen haben lange Jahre bei Savills Investment Management bzw. SEB Asset Management gearbeitet und sollten sich bestens mit indirekten Immobilienanlagen wie Reits und Immobilienaktien auskennen. Körfgen, früher Geschäftsführer bei Savills Investment Management, ist als externer Berater für DeA tätig. Speckhahn wirkte früher auch ein paar Jahre für SEB Asset Management.

Die ersten Immobilienprodukte für deutsche institutionelle Anleger will DeA Capital im ersten Quartal 2021 an den Start bringen. U.a. soll ein Fonds aufgelegt werden, der in deutsche bzw. europäische Reits investiert.

Harald Thomeczek

Marcel Priefert verlässt den DIE-Vorstand

Marcel Priefert.

Marcel Priefert.

Quelle: DIE AG

Köpfe 11.01.2021
Aus persönlichen Gründen hat Marcel Priefert den Vorstand des Berliner Projektentwicklers DIE Deutsche Immobilien Entwicklungs AG verlassen. ... 

Aus persönlichen Gründen hat Marcel Priefert den Vorstand des Berliner Projektentwicklers DIE Deutsche Immobilien Entwicklungs AG verlassen.

Erst vor etwa einem Jahr, Anfang 2020, nahm Marcel Priefert im DIE-Vorstand an der Seite von Thomas Mohr und Robert Sprajcar Platz. Damals kam er für DIE-Mitgründer Martin Rasch. Nun ist der Sessel wieder frei.

Zum 15. Dezember sei Priefert aus dem Vorstand ausgeschieden, teilt DIE mit. Der 46-Jährige wolle sich künftig "stärker im privaten Umfeld engagieren und sich seiner Familie widmen". Prieferts Entscheidung sei im Einvernehmen mit Mohr und Sprajcar, dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern erfolgt.

Es wird kein Nachfolger gesucht

Neu besetzt wird der Posten DIE zufolge nicht. Die Aufgaben Prieferts, also die Ressorts Investment- und Assetmanagement, Transaktionen, Bestandsmanagement und Projektfinanzierung, teilen sich Mohr und Sprajcar auf.

Auch seine Rolle als Co-Chef der Investmanagamentgesellschaft hat Priefert niedergelegt. Dort hat Geschäftsführerkollege Felix Gold die operativen Aufgaben übernommen.

Anke Pipke

Thomas Oleks Wechsel zu Preos ist "aufgeschoben"

Thomas Olek.

Thomas Olek.

Quelle: publity AG

Köpfe 28.12.2020
Der CEO des Asset-Managers Publity, Thomas Olek, plante eigentlich zum Jahresanfang 2021 einen Wechsel in den Vorstand der Tochtergesellschaft Preos, einem Bestandshalter für ... 

Der CEO des Asset-Managers Publity, Thomas Olek, plante eigentlich zum Jahresanfang 2021 einen Wechsel in den Vorstand der Tochtergesellschaft Preos, einem Bestandshalter für Büroimmobilien in Deutschland. Das Vorhaben ist offenbar zunächst auf Eis gelegt. Inzwischen ist ein anderer Publity-Mann in den Preos-Vorstand eingezogen.

Laut Mitteilung von Publity und Preos hat Olek darüber informiert, dass die Gespräche mit dem Aufsichtsrat von Preos über die Übernahme des CEO-Postens "aufgeschoben worden sind". Konkrete Gründe wurden nicht genannt, es liegt allerdings nahe, dass Olek all seine Energie in seine neue Aufgabe setzen will.

Big Data und Internationalisierung sind nun Oleks Themen

Nach seinem planmäßigen Abschied vom CEO-Posten bei Publity zum Jahresende, möchte Olek - laut Preos "vorläufig" - ab Jahresbeginn 2021 als Berater die Bereiche Big-Data Immobilienanalyse und Internationalisierung für den gesamten Konzern fortentwickeln, also auch für Preos. Olek habe gegenüber dem Aufsichtsrat von publity zudem "erneut bekundet, auch langfristig weiter Großaktionär der Publity bleiben und seine Beteiligung in Abhängigkeit vom Börsenkurs weiter ausbauen zu wollen", teilt Publity mit.

Es bleibt bei dem Vorhaben von Preos, statt einer Bardividende für das Geschäftsjahr 2020 der Hauptversammlung im Jahr 2021 erneut eine Ausgabe von Gratisaktien zur Beschlussfassung vorzuschlagen. Ebenso soll zumindest grundsätzlich an der vorgesehenen 10%-Barkapitalerhöhung festgehalten werden. Wann die jedoch kommt, ist inzwischen offen. Der ursprünglich ins Auge gefasste Termin im Januar 2021 ist nicht mehr allzu verbindlich. Sie könnte auch "erst zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 2021 erfolgen", erklärt Preos. Auf lange Sicht plant das Unternehmen, seine Aktie zu einem Dividendenwert mit einer Zielgröße von 5% des Aktienkurses zu entwickeln.

Publity-Gewächs Noetzel zu Preos gewechselt

Auch wenn es nun vorerst nicht Olek ist, so heißt der Preos-Vorstand dennoch einen Neuzugang von publity willkommen. Mitte November hat der Aufsichtsrat Rechtsanwalt Stephan Noetzel in das Gremium berufen. Er ist seit Anfang Dezember als Chief Operating Officer (COO) tätig und sitzt an der Seite des weiteren Vorstandsmitglieds Frederik Mehlitz. Noetzel war bei Publity zuvor Head of NPL Services.

Anke Pipke ,Jutta Ochs

"Frauen sollten selbst für mehr Sichtbarkeit sorgen"

Helene von Roeder ist laut der Allbright Stiftung eine von 19 weiblichen CFOs in DAX, MDAX und SDAX.

Helene von Roeder ist laut der Allbright Stiftung eine von 19 weiblichen CFOs in DAX, MDAX und SDAX.

Quelle: Vonovia, Urheber: Dominik Asbach

Karriere 17.12.2020
Helene von Roeder, Finanzvorständin der Bochumer Wohnungs-AG Vonovia, will mehr Frauen in Führungspositionen sehen. Damit das klappt, müssen, fordert von Roeder, alle ihren Beitrag ... 

Helene von Roeder, Finanzvorständin der Bochumer Wohnungs-AG Vonovia, will mehr Frauen in Führungspositionen sehen. Damit das klappt, müssen, fordert von Roeder, alle ihren Beitrag leisten: Frauen, Arbeitgeber, Politik. Die Corona-Krise ist ein Rückschlag für berufstätige Mütter, stellt die CFO fest. Die Akzeptanz flexiblen Arbeitens dagegen sieht sie mit Corona gewachsen.

"Nur so können wir Vorbilder schaffen - für kommende Generationen"

Immobilien Zeitung: Frau von Roeder, die Frauenquote für Vorstände kommt! Das Thema polarisiert. Während die einen die Quote feiern, schämen sich andere Führungsfrauen für dieses unlautere Hilfsmittel.

Helene von Roeder: Es ist völlig klar, dass wir mehr Frauen in Führungspositionen brauchen. Und genug gute Frauen gibt es allemal. Wir haben gemeinsam viele Anstrengungen unternommen, sind damit aber leider nicht zum Ziel gekommen. Daher begrüße ich die Quote. Frauen bilden mehr als die Hälfte der Gesellschaft ab und erzielen häufig sehr gute Schul- und Universitätsabschlüsse. Daher sollten sie entsprechende Funktionen in Schlüsselrollen haben. Also in solchen, in denen sie gestalten und ein gutes Einkommen erzielen können. Nur so können wir Vorbilder schaffen - auch und gerade für die kommende Generation.

IZ: Warum brauchen wir die Quote? Setzen sich Frauen, die es drauf haben, nicht automatisch durch?

von Roeder: Wenn ich jemanden befördere - und das gilt gerade auf Vorstandsebene -, habe ich das Risiko, ob es funktioniert. Habe ich gelernt, dass es mit einem bestimmten Typ Manager in der Vergangenheit gut geklappt hat, leite ich aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz ab: Wahrscheinlich klappt das auch beim nächsten Mal. Bei einer Frau kann ich das vielleicht weniger gut einschätzen, weil es noch so wenige weibliche Rollenmodelle in Führungspositionen gibt. Wir müssen alle viel öfter erleben, dass man viel dazugewinnt, wenn man eine Frau befördert.

IZ: Ketzerisch gefragt: Muss denn wirklich jede Frau die große Karriere machen?

von Roeder: Natürlich nicht. Es gibt auch genügend Männer, die nicht die große Karriere anstreben. Aber jeder sollte dieselben Chancen haben.

IZ: Die Allbright Stiftung schreibt: Es reicht nicht, wenn Unternehmen Frauen fördern - sie müssen sie auch befördern. Wenn ich mich in Immobilienunternehmen umschaue, sind die Hälfte der Mitarbeiter meistens Frauen. Aber in der Unternehmensspitze, wo die großen, wegweisenden Entscheidungen für die Firma getroffen werden, sind Frauen eine Rarität.

von Roeder: Bei jedem Karriereschritt werden Frauen weniger. Das Thema braucht noch viel mehr Aufmerksamkeit. Die Frage ist doch, wie wir noch mehr Frauen in Führungspositionen kriegen. Wenn wir den Vorstand mit Frauen besetzen wollen, brauchen wir einen Pool von Kandidatinnen, aus dem wir schöpfen können. Da gibt es in vielen Unternehmen noch Potenzial. Sie müssen Frauen mehr Raum geben und Arbeitsbedingungen schaffen, unter denen Familie und Beruf gut zu vereinbaren sind. Hinzu kommt, dass die Schul- und Betreuungspolitik noch nicht ausreichend darauf ausgerichtet sind, dass Frauen gleichberechtigt arbeiten.

IZ: Frauen sind ja nicht nur Opfer. Sie tragen auch selbst dazu bei, wenn ihre Karriere auf der Stelle tritt - oder?

von Roeder: Stimmt, viele Frauen sollten selbst für mehr Sichtbarkeit sorgen: Die meisten erfolgreichen Männer erzählen ihrem Chef gern von ihren Erfolgen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell damit Karrieren geschaffen werden können. Frauen tun das viel zu selten, sie bleiben zu häufig in ihrer Komfortzone. Dabei erfüllen die meisten Frauen ihren Job zu 100%, sie arbeiten sehr detailorientiert und gewissenhaft. Jungen Frauen gebe ich darum als erstes den Tipp: Nehmt euch 15 Minuten Zeit und redet mit jemandem über eure Erfolge - am besten mit eurer Chefin oder eurem Chef.

IZ: Stichwort Arbeitsbedingungen: Viele Unternehmen zeigen sich da noch immer recht unflexibel, auch wenn sie sich gern in ihren Employer-Branding-Kampagnen anders verkaufen. Wegen Corona kommen die meisten Firmen ihren Mitarbeitern nolens volens mehr entgegen.

von Roeder: Corona hat wirklich viel verändert. Die gesellschaftliche Akzeptanz für Homeoffice hat zugenommen, zuhause zu arbeiten ist allgemein akzeptiert. Viele Kollegen aus meinem Managementteam sagen, sie brauchen zwischen 13 und 16 Uhr Zeit für Kinderbetreuung und Homeschooling - und das ist völlig in Ordnung für mich.

IZ: Und wenn Sie mit denjenigen oder derjenigen genau in dieser Zeit konferieren wollen?

von Roeder: Wenn ich genau diese Person genau dann brauche, ist das normalerweise auch kein Thema - brauche ich aber meistens nicht. Und wenn der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin gar nicht kann, dann telefonieren wir eben abends.

IZ: Ich kenne viele Menschen, die sich jetzt fragen würden, ob die Qualität der Arbeit darunter nicht leidet.

von Roeder: Ich beobachte nicht, dass die Qualität der Arbeit sinkt. Im Gegenteil: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind verantwortungsbewusst, sehr gut organisiert und gut erreichbar. Auch die entfallenen Reisezeiten führen zu einer höheren Taktung im Homeoffice. Ich hoffe, dass wir mit der Zeit zu einer gesunden Balance finden.

IZ: Stichwort Schul- und Betreuungspolitik: Mit Corona sind Kinder wieder stärker auf ihre Eltern zurückgeworfen. Lockdown, Quarantäne, Betreuungsverbot, Wechselmodelle im Unterricht ...

von Roeder: Es irritiert mich schon, dass in der Corona-Politik wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass sich Frauen neben dem Job komplett um ihre Kinder kümmern. Wieso wird vom Vater nicht das Gleiche erwartet wird wie von der Mutter? Und warum gibt es keine verlässliche Nachmittagsbetreuung mehr? Wechselmodelle gehen nicht - wir brauchen einen verlässlichen Präsenzunterricht.

"Wir integrieren Diversität im Top-Management ins Steuerungssystem"

IZ: Zurück zur Quote: Der Vonovia-Aufsichtsrat hat sich vor ein paar Jahren für den Vorstand einen Frauenanteil von 20% bis Ende 2021 zum Ziel gesetzt - diese freiwillige Quote ist mit Ihnen übererfüllt. Sollte der Aufsichtsrat bei der nächsten anstehenden Zielsetzung etwas mutiger sein?

von Roeder: Mit einer Frau und drei Männern im Vorstand sind wir diverser als so manches andere Unternehmen. Auch unser Aufsichtsrat weist bereits einen Frauenanteil von 33% auf. Und wir sind dabei, den Anteil der Frauen in den Führungsebenen unterhalb des Vorstands zu erhöhen. Zudem erarbeiten wir gerade einen Nachhaltigkeits-Performance-Index, der ab 2021 zu den wichtigsten nichtfinanziellen Kennzahlen des Unternehmens gehören wird und Nachhaltigkeitsziele ins Steuerungssystem integriert. Indikator im neuen Index ist auch die Diversität im Top-Management.

IZ: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Harald Thomeczek.

Harald Thomeczek

"Alles richtig gemacht"

Katharina von Schacky.

Katharina von Schacky.

Quelle: WeWork, Urheber: WeWork

Köpfe 17.12.2020
Für Katharina von Schacky begannen die großen Veränderungen im Jahr 2020 nicht erst mit der Corona-Pandemie. Sie hatte sich für den Wechsel ihres Arbeitgebers entschieden und sieht sich im ... 

Für Katharina von Schacky begannen die großen Veränderungen im Jahr 2020 nicht erst mit der Corona-Pandemie. Sie hatte sich für den Wechsel ihres Arbeitgebers entschieden und sieht sich im Rückblick genau am richtigen Ort.

Katharina von Schacky wusste schon zu Beginn des Jahres 2020, dass die kommenden Monate viel Neues für sie bereit halten würden - auch wenn da noch niemand an Corona dachte. "Ich bin ja erst zu Beginn des Jahres zu WeWork gekommen, und zwar von einem ziemlich sicheren Job bei einer Banken-Tochter", erinnert sich von Schacky zurück, die im Januar 2020 als Head of Strategy Germany & Northern Europe von Commerz Real zu dem Coworkinganbieter gewechselt ist. WeWork war damals gerade dabei, sich von den Unsicherheiten um einen abgeblasenen Börsengang und personellen Querelen an der Führungsspitze zu erholen und neu aufzustellen.

Die Pandemie erwischte von Schacky also mitten in den ersten Monaten ihres neuen Jobs. "Corona nervt alle", ist sie sich sicher. Der komplette Stillstand in der ersten Jahreshälfte sei für sie sicherlich das einprägsamste Erlebnis des vergangenen Jahres gewesen. "Die letzten 30 Jahre war ich eigentlich immer unterwegs und viel auf Reisen. Im Ergebnis bin ich sehr zur Ruhe gekommen. Und ich hatte die Zeit, mich auf die wichtigen Dinge zu besinnen und ein wenig zu reflektieren", erzählt sie. Auch über die eigene Entscheidung, den Arbeitgeber zu wechseln. "Das habe ich keinen Tag bereut. Im Gegenteil: Wenn ich jetzt sehe, dass Flexibilität im Grunde zur neuen Währung wird, die jeder sucht und jeder braucht, sehe ich mich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort." Ihr Motto für dieses Jahr laute deshalb: "Alles richtig gemacht."

Robin Göckes

Klaus Schmitt wird doch nicht Corestate-CEO

Klaus Schmitt.

Klaus Schmitt.

Quelle: Patrizia Immobilien AG

Karriere 10.12.2020
Nächste Volte beim Investmentmanager Corestate: Auf die Rochade im Aktionärskreis und den zweiten Komplettaustausch des Aufsichtsrats in diesem Jahr folgt die Neubesetzung des CEO-Postens. Das ... 

Nächste Volte beim Investmentmanager Corestate: Auf die Rochade im Aktionärskreis und den zweiten Komplettaustausch des Aufsichtsrats in diesem Jahr folgt die Neubesetzung des CEO-Postens. Das Kuriose dabei: Der scheidende CEO Klaus Schmitt geht, bevor er überhaupt angekommen ist.

Das Ehepaar Ketterer und Yannick Heller, denen bislang rund ein Viertel der Corestate-Aktien gehörten, haben fast alle ihre Papiere an verschiedene Investoren verkauft und sind ausgestiegen. Neuer Ankeraktionär mit einem Anteil von 9,9% ist ein Fonds von Vestigo Capital (siehe "Bei Corestate Ketterer raus, Vestigo rein", IZ 49/20). Nach dem Aktionärswechsel hat der komplette Aufsichtsrat abgedankt. Die bisherigen Kontrolleure mit Georg Allendorf an der Spitze waren erst im Juni 2020 angetreten. Ersetzt wird Allendorf durch Friedrich Munsberg. Ihm zur Seite stehen Hermann Wagner und Friedrich Oelrich.

Nicht antreten wird der designierte CEO Klaus Schmitt. Der Ex-Patrizia-Vorstand hätte zum 1. Januar 2021 als Nachfolger von Lars Schnidrig ins CEO-Gewand schlüpfen sollen. Daraus wird nun nichts, wie Corestate inzwischen mitteilte. Stattdessen wird René Parmantier (45) Vorstandsvorsitzender von Corestate. Der neue Aufsichtsrat habe ihn mit sofortiger Wirkung und für eine Amtszeit von drei Jahren zum CEO ernannt, schreibt das Unternehmen. Parmentier war in den vergangenen zwölf Jahren CEO der Oddo Seydler Bank. Diese hätte eigentlich an die von Rolf Elgeti geführte Gesellschaft Obotritia Capital verkauft werden sollen, doch dieser Deal war im Sommer geplatzt. Die drei neuen Aufsichtsräte haben ebenfalls einen Bankenhintergrund.

Und noch eine Überraschung: Der bisherige CEO Lars Schnidrig, der Corestate eigentlich zum Jahresende 2020 hätte verlassen sollen, bleibt nun doch. Er übernimmt den vakanten CFO-Posten, den er schon einmal inne hatte, bevor er zum CEO aufrückte. Schnidrigs neuer Vertrag läuft ebenfalls drei Jahre. Die beiden anderen bestehenden Vorstandsmitglieder, Nils Hübener und der erst im Oktober in das Gremium aufgenommene Daniel Löhken, die als Chief Investment Officer bzw. Chief Legal & HR Officer wirken, bleiben bei ihren vertrauten Rollen.

Der neue Vorstand hat u.a. diese Ziele: Schulden abbauen, die Risikoklassen Core/Core+ ausbauen und das Finanzierungsgeschäft ankurbeln. Parmentier lässt in der Mitteilung wissen: "Ich sehe erhebliches Wachstumspotenzial sowohl im bestehenden Produktbereich des Anlagemanagements als auch und vor allem im Segment Private Debt." Das Mezzanine-Geschäft bleibe attraktiv und das verwaltete Vermögen - aktuell gut 28 Mrd. Euro - solle wachsen.

Schnidrig setzt darauf, dass sie "auf der Basis einer effizienteren Kostenstruktur weitere Fortschritte bei Profitabilität und Umsatzwachstum erzielen können". Zuletzt war Corestate auf Schrumpfkurs. Der Umsatz sackte in den ersten neun Monaten 2020 um 23% auf 142,7 Mio. Euro ab, der bereinigte Konzerngewinn brach von 67,6 auf 20,8 Mio. Euro ein.

Harald Thomeczek

Zwei Frauen stehen bald an der Spitze der Kölner GAG

Anne Keilholz.

Anne Keilholz.

Quelle: GAG Immobilien AG; Urheber: Costa Belibasakis

Köpfe 04.12.2020