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Hermann Schnell geht doch nicht zu Avison Young

Köpfe 30.09.2022
Hermann Schnell heuert doch nicht bei Avison Young an. Der Architekt sollte eigentlich den Bereich Consulting & Project Management bei dem Maklerhaus aufbauen. Doch dazu wird es nicht kommen. ... 

Hermann Schnell heuert doch nicht bei Avison Young an. Der Architekt sollte eigentlich den Bereich Consulting & Project Management bei dem Maklerhaus aufbauen. Doch dazu wird es nicht kommen.

Warum Schnell Tage vor seinem geplanten Antritt nun doch nicht kommt, wollen weder er selbst noch Nicolai Baumann, Country Manager von Avison Young in Deutschland, auf Anfrage der Immobilien Zeitung sagen. Nur so viel ist von beiden zu hören: Man habe „im gegenseitigen Einvernehmen vereinbart“, dass Schnell seine Tätigkeit im Bereich Project Management nicht antreten wird. Baumann betont aber: „Wir planen weiterhin unser Dienstleistungsangebot um den Bereich Project Management in Deutschland zu erweitern.“

Schnell sollte bei der deutschen Tochter des kanadischen Maklerhauses ab Oktober den Bereich Consulting & Project Management aufbauen. Das hatte Avison Young im September verkündet. Mit diesem neuen Bereich will sich das Unternehmen von den Schwankungen im Transaktionsgeschäft unabhängiger machen und stete Einnahmen generieren. Zum neuen Bereich werden Projekt- und Stadtentwicklung, Workplace Consulting, Interior Design, ESG-Beratung sowie Projekt- und Change-Management gehören. Bis Mitte 2023 sollen fünf bis sechs Leute in dem Geschäftsfeld arbeiten.

Bisher hat Schnell den Bereich Architecture & Workplace Consulting (AWC) bei Colliers in Deutschland etabliert und ausgebaut. Zudem war er an der Entwicklung des Wiederaufbauplans für Beirut nach der Explosion im August 2020 beteiligt. Davor hat er bei der Sanierung des österreichischen Parlaments mitgewirkt und war bei der Deutschen Bank als Global Head of Workplace Strategies tätig. Seit 2007 ist er Flying Professor an der GJU German Jordanian University Amman und hat verschiedene Lehraufträge.

Peter Dietz

Bewerberpools helfen Stellen zu besetzen

Kontakte aus Bewerberdatenbanken können erste Anlaufstellen sein, wenn Positionen besetzt werden müssen.

Kontakte aus Bewerberdatenbanken können erste Anlaufstellen sein, wenn Positionen besetzt werden müssen.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Syda Productions

Karriere 29.09.2022
Mit Bewerberpools bauen sich Recruiter eine Pipeline mit vielversprechenden Kandidaten auf, auf die sie zurückgreifen können, wenn sich eine passende Stelle im Unternehmen für sie ... 

Mit Bewerberpools bauen sich Recruiter eine Pipeline mit vielversprechenden Kandidaten auf, auf die sie zurückgreifen können, wenn sich eine passende Stelle im Unternehmen für sie ergibt. Damit die möglichen künftigen Kollegen das Interesse nicht verlieren, halten die Personaler ständigen Kontakt. Und laden auch mal zum Kaffeetrinken ein.

Um sich geeignete Kandidaten für spätere Vakanzen warm zu halten, legen Personalabteilungen Datenbanken mit Kontakten an. So können sie auf frühere Bewerber oder solche, die initiativ auf das Unternehmen zukamen, zurückgreifen, wenn sich eine passende Stelle für sie ergibt. Damit sie den Überblick nicht verlieren, müssen sie die Datensätze regelmäßig pflegen. Doch die Mühe lohnt sich für viele Unternehmen, denn wer immer genügend Kandidaten in der Pipeline hat, muss nicht mehr aktiv auf die Suche gehen.

Kontakte dürfen nicht abbrechen

In den Datenbanken, den sogenannten Bewerberpools, speichern Personaler Informationen von Fach- und Führungskräften, mit denen sie schon einmal Kontakt hatten oder die sich für das Unternehmen interessieren. Das Beratungs- und Planungsunternehmen Drees & Sommer beispielsweise füllt seinen Pool unter anderem mit Bewerbern, die aufgrund fehlender Berufserfahrung, falschem Standort oder weil es gerade keine passende Vakanz gab, abgelehnt wurden. Auch diejenigen, die zum Unternehmen passen könnten, aber ihre Bewerbung zurückgezogen oder ein konkretes Jobangebot abgelehnt haben, sind Teil des Pools. "Grundsätzlich versuchen wir, jeden Bewerber in den Pool aufzunehmen, der künftig für uns von Interesse sein könnte", sagt Amelie Kristin Gryska, Spezialistin Talent Acquisition bei Drees & Sommer. Das heißt: Vom Praktikanten bis zum Top-Manager ist hier jeder dabei. Je mehr Potenzial den Pool füllt, desto größer ist später die Auswahl für die Personaler, wenn sie eine Stelle zu besetzen haben.

Der Immobilienmakler und -dienstleister JLL hat seinen Bewerberpool mit Menschen "unterschiedlicher Fähigkeiten und Erfahrungen" gefüllt, sagt Christian Quach, Leiter Talent Acquisition. Dazu zählen sowohl Studenten als auch Management-Anwärter sowie Führungskräfte. Wie ausgewogen das Verhältnis zwischen Anfängern und Experten in der Liste ist, kann JLL nicht beziffern. Doch: Egal welches Erfahrungslevel, das JLL-Recruiting-Team setzt sich in regelmäßigen Abständen mit ihnen in Verbindung. So halten die Personaler die Informationen im System aktuell – und stärken die Beziehung zu den Kandidaten.

Zu vielversprechenden Köpfen suchen die Personalverantwortlichen auch persönlichen Kontakt – die ein oder der andere wird auf einen Kaffee eingeladen, wie Quach verrät. In den Genuss kommen wohl vor allem diejenigen, die auf eine Vakanz passen könnten – das Kaffee-Date könnte sozusagen die Eintrittskarte in den Bewerbungsprozess werden.

JLL setzt zusätzlich auf sein "Talentnetzwerk": Während im Bewerberpool nur diejenigen drin sind, die sich schon einmal bei JLL beworben haben, ist das Talentnetzwerk für alle geöffnet. Wer sich für eine Laufbahn bei dem Unternehmen interessiert, kann sich auf der Karriereseite online registrieren und erhält per Mail unter anderem Newsletter, Informationen zu Fachthemen oder Veranstaltungseinladungen.

Ständiger Nachschub ist notwendig

Damit der Pool immer gut gefüllt bleibt, müssen Unternehmen dranbleiben und dafür sorgen, dass Interessierte das Angebot kennen. Viele Branchenfirmen nutzen für die Suche nach neuen Teammitgliedern zum Beispiel Jobmessen, Ausstellungen, Universitätskooperationen und Karriere-Webseiten, um potenzielle Fachkräfte abzufangen. JLL bewirbt sein Talentnetzwerk zusätzlich über Facebook, Linkedin und die eigene Website. Um den Überblick zu behalten, setzt JLL auf systematisch geordnete Daten. Mit welcher Software das Unternehmen arbeitet, möchte es zwar nicht sagen, aber Fakt ist: Der Markt für Talent-Management-Programme ist groß. Zahlreiche Anbieter wie Recruitee, Softgarden und Talention bieten Software-Lösungen rund um die Akquise an. Auch das Karriere-Portal Linkedin hat sich mit dem Recruiting-Tool Talent Solutions in den Markt eingeklinkt. Viele Unternehmen entwickeln zudem eigene Lösungen.

So wie Drees & Sommer: "Früher haben wir Bewerberpools über unser Bewerbermanagementsystem erstellt, allerdings war uns das zu passiv", sagt Recruiterin Gryska. Deshalb hat das Unternehmen ein eigenes System implementiert, das losgelöst von dem Tool für das Bewerbermanagement funktioniert – das Talent-Relationship-System. Das Bewerbermanagement dient nun nur noch dazu, die eingehenden Bewerbungen zu organisieren – nicht aber der Pflege der Liste möglicher Kandidaten. Wen Drees & Sommer in sein Netzwerk aufnehmen möchte, der kommt ins Talent-Relationship-System der Stuttgarter.

Das Unternehmen will so die Ansprache möglichst individuell gestalten. Das heißt: Ehemalige Praktikanten bekommen eine Mail mit offenen Werkstudentenstellen, eine Führungskraft erhält eher Neuigkeiten aus der für sie relevanten Abteilung. Gryska erklärt: "Wir nutzen einen zielgruppenspezifischen Redaktionsplan, um über Neuigkeiten aus der Drees-&-Sommer-Gruppe zu informieren und in Verbindung zu bleiben."

Ein wichtigste Maßgabe ist, dass der Bewerber-Pool muss die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) berücksichtigen muss. Die meisten Bewerbermanagementsysteme bieten zwar eine integrierte Pool-Funktion an, sagt Gryska, "hier muss allerdings die Datenschutzrichtlinie geprüft werden, wenn die Daten der Bewerber über den Bewerbungsprozess hinaus gespeichert werden sollen." Drees & Sommer holt die Einwilligung ihrer Bewerber per E-Mail-Link ein. Die Informationen bleiben anschließend zwei Jahre gespeichert, vorausgesetzt die Kandidaten ziehen ihr Einverständnis nicht vorzeitig zurück. "Dritte erfahren nicht von der Aufnahme in den Pool", betont Gryska. Hier gelte strengste Vertraulichkeit.

Pool-Kandidaten werden nach einiger Zeit aufgefordert, ihre Angaben zu aktualisieren. "Das ist aber kein Muss", sagt Gryska. "Grundsätzlich verstehen wir es immer als Aufgabe der Recruiter, die Kandidaten zu kontaktieren und herauszufinden, ob eine Stelle zum Kandidaten passt und Interesse besteht." Wie viele Bewerber so zum Unternehmen kommen, will sie nicht sagen. Nur so viel: Es werden immer mehr. Auch JLL hält sich bei konkreten Zahlen bedeckt. Für das Unternehmen sei der Talentpool aber ein "wichtiges Instrument".

Die Autorin: Anna Friedrich ist Journalistin bei der Wirtschaftsredaktion Wortwert.

Anna Friedrich

Immobilienprofis im Porträt: Isabella Chacón Troidl

Isabella Chacón Troidl liebt die Kunst und  gemeinsame Stunden mit der Familie.

Isabella Chacón Troidl liebt die Kunst und gemeinsame Stunden mit der Familie.

Quelle: privat

Karriere 29.09.2022
Ihre Kindheit verbrachte Isabella Chacón Troidl größtenteils in Weiden in der Oberpfalz. Seit 2018 ist sie Chief Investment Officer und Geschäftsführerin bei BNP Paribas Real Estate ... 

Ihre Kindheit verbrachte Isabella Chacón Troidl größtenteils in Weiden in der Oberpfalz. Seit 2018 ist sie Chief Investment Officer und Geschäftsführerin bei BNP Paribas Real Estate Investment Management Germany. Sie liebt diese Rolle, aber noch mehr ihre Familie und die Zeit, die sie mit ihr verbringt. Ihre dritte Leidenschaft ist die Kunst. Sie hat dagegen kein Faible fürs Autofahren und nutzt für den Weg zur Arbeit den ÖPNV. So gesehen ist es nur konsequent, dass der Gesprächspartner ihrer Wahl Robert Habeck heißt und sie mit Volker Wissing gerne mal die Rollen tauschen würde.

Wie und wo wohnen Sie zurzeit?

Ich wohne in München. Das Haus – eine zweckmäßige Doppelhaushälfte aus den 1980ern – gehört uns. In unserem pflegeleichten Garten können die Kinder spielen. In der Einfahrt üben sie gelegentlich Dunkings, wobei der Größere da klar im Vorteil ist. Und unser Minivorgarten erfüllt ebenfalls seinen Zweck: den Blick ins Grüne. Unser Haus ist effizient, pragmatisch und zentral – damit passt es zu unserem aktuellen Lebensabschnitt. Die Einkäufe kann ich von dort aus zu Fuß erledigen. Um die Ecke haben wir ein öffentliches Schwimmbad mit Rutsche. Und die Anbindung an den ÖPNV lässt nichts zu wünschen übrig. Mit der U-Bahn bin ich in neun Minuten am Odeonsplatz. Und wenn Sie mich fragen, ob es denn „nachhaltig“ ist? Ich denke, wie fast beim ganzen Gebäudebestand in Deutschland ist da noch Luft nach oben.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Wohnung? Und warum?

Das ändert sich je nach Stimmung. Mal ist es die Terrasse, wo ich mit meinem Mann gern den Abend ausklingen lasse. Es kann aber auch die Küche sein oder zur Vorlese-Session das Zimmer meiner Jungs.

Haben Sie bei dieser Immobilie oder einer anderen beim Bau schon einmal selbst mit Hand angelegt? Wenn ja: wie genau und wie häufig?

Nein, mir fehlt jegliche handwerkliche Begabung. Ich habe zwei linke Hände. Ich glaube, alle sind froh, wenn ich das sein lasse.

Wie und wo möchten Sie im Alter gerne wohnen?

Wie: in einer energetisch effizienten Immobilie mit einem sinnvollen Schnitt. Außerdem sollte sie Platz für Bilder bieten. Mein Mann und ich mögen moderne Kunst. Die darf dann schon mal plakativ die Wand füllen. Wo: in zentraler Lage. Eine Wohnung am Gärtnerplatz, mitten im Leben. Von dort aus könnte man später auch toll mit dem Rollator zum Theater oder in die Bar.

Was muss das perfekte Haus oder die perfekte Wohnung unbedingt haben?

Eine zentrale Lage und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Idealerweise sollte alles Wichtige in höchstens 15 Minuten erreichbar sein. Ja, das mag jetzt streberhaft klingen, aber ich möchte meinen CO2-Fußabdruck so schlank wie möglich halten. Und ich hasse Autofahren.

Mit wem würden Sie gerne mal für einen Tag das Leben tauschen? Warum?

Mit dem Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Ich könnte mich persönlich in den Austausch bezüglich einer schnellen, nachhaltigen Mobilitätswende einbringen. Außerdem könnten es meine Kolleginnen und Kollegen am Ende spannend finden, mich mal für einen Tag los zu sein. Wäre dann quasi eine Win-win-Situation.

Und mit welcher noch lebenden Persönlichkeit würden Sie gerne einmal einen Abend verbringen? Warum?

Robert Habeck. Mit wem, wenn nicht mit ihm, könnte ich einen Plan entwerfen, wie Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam die dringend notwendige und zügige Transformation herbeiführen. Gern inklusive der Definition gezielter Fördermaßnahmen durch die EU und Deutschland. Denn eines ist klar: Weder Staat noch Wirtschaft können die Transformation im Alleingang stemmen.

Wann, wo und womit haben Sie als Erwachsene zum ersten Mal Geld verdient?

Wann ist man erwachsen? Mit 14 – in meinem ersten Job als Softeis-Verkäuferin. Ich war leider manchmal auch meine beste Kundin.

Wie haben Sie von dort aus den Weg in die Immobilienbranche gefunden, in der Sie heute mitmischen?

Zufällig und komplett in Eigenregie. Ich habe zunächst eine juristische Ausbildung absolviert. Einen Mentor hatte ich nicht. Dafür habe ich mir aus eigenem Antrieb und mit Begeisterung ein starkes Netzwerk aufgebaut. So kam dann eins zum anderen. Deshalb ist es mir so wichtig, Kolleginnen in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen.

Was braucht man Ihrer Einschätzung nach, um es in Ihrem Job zu etwas zu bringen?

Gesunder Menschenverstand ist schon mal eine gute Voraussetzung. Außerdem braucht es Interesse an gesellschaftlichen Veränderungen, Begeisterung für Architektur und den Austausch mit Menschen. Auch die Bereitschaft, lebenslang dazuzulernen, ist eine wichtige Voraussetzung. Die Immobilienbranche verändert sich ständig. Eine Herausforderung folgt der nächsten. Die muss man annehmen wollen.

Wie feiern Sie Ihre Erfolge?

Erfolge zu feiern, finde ich wichtig – gern spontan, aus der Situation heraus. So wird das bei BNP Paribas auch gelebt. Wobei das Ausmaß der Feier an sich nicht so wichtig ist. Vielmehr sollten sich alle Feiernden darin einig sein, dass ein echter Erfolg vorliegt.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?

Analytisch. Misserfolge entstehen aus Fehlern und die lassen sich nicht immer vermeiden. Also versuche ich, offen und transparent mit ihnen umzugehen. Denn dann haben sie etwas Positives – treiben Weiterentwicklungen voran, ebnen den Boden für Innovationen und helfen dabei, Lücken im System zu finden. Jede Transformation braucht Mut – und man kann nur mutig sein, wenn es eine positive Fehlerkultur gibt, die gelebt und auch gefeiert wird.

Was stört Sie in der Immobilienbranche (am meisten)?

Standardisierung und Transparenz entwickeln sich noch zu langsam. Wir könnten viel verändern, stehen uns aber oft selbst im Weg.

Und was finden Sie besonders gut?

Der Slogan des ZIA bringt es recht gut auf den Punkt: Wir geben Leben Raum. Das heißt, wir Immobilienprofis sind Gestalter, und in dieser Rolle werden wir immer besser. ESG trägt dazu einen ganz wesentlichen Teil bei. Manche mag das nerven, aber das muss es auch. Wir müssen ein richtig großes Rad drehen, und da ist es mit „ESG-Kosmetik“ nicht getan. Schließlich gilt es, unseren Lebensraum zu erhalten. Das schwierige Umfeld, das wir gerade erleben, zwingt die Branche mehr denn je dazu, sich zu professionalisieren. Hier passiert gerade richtig viel und das ist klasse.

Baulöwe, Miethai, Heuschrecke: Leute, die mit Immobilien Geld verdienen (wollen), haben nicht immer den besten Ruf. Zu Recht?

Wow, die habe ich gar nicht mehr im aktiven Wortschatz! An diesen angestaubten Begriffen sieht man, dass teilweise keine Differenzierung stattfindet. Okay, in den vergangenen Jahren konnte man auch ohne größere Anstrengung erfolgreich sein. Aber das ändert sich ja gerade. In einer angespannten Marktsituation, wie wir sie jetzt erleben, braucht es Professionalität und nachhaltige Geschäftsmodelle. Das führt zwangsläufig zu Veränderungen und die werden der Branche guttun.

Sie würden jungen Leuten raten, den Weg in die Immobilienwirtschaft einzuschlagen, weil ...

… sie eine spannende und vielseitige Welt bietet. Man lernt die unterschiedlichsten Menschen und Orte kennen. Außerdem hat man ständig mit gesamtgesellschaftlichen Themen zu tun und kann Lebensräume selbst mitgestalten. Wer wissbegierig ist und nichts schlimmer findet, als sich im Job zu langweilen, ist hier gut aufgehoben. Und Geduld wäre auch wichtig, denn in der Branche mahlen die Mühlen auch mal langsamer.

Was wären Sie heute gerne, wenn nicht Immobilienprofi?

Vielleicht eine Künstlerin wie Fujiko Nakaya – ihre Nebelskulpturen im Haus der Kunst sind ein Ereignis. Allerdings fehlt mir die nötige Portion Talent.

Haben Sie eine Lieblingsimmobilie?

Die Fuggerei in Augsburg – die noch heute bestehende älteste Sozialsiedlung der Welt. Jakob Fugger war bereits im 16. Jahrhundert ein echter Visionär. Was er damals ins Leben gerufen hat, nennen wir heute Impact-Investing.

Und welches Gebäude in Deutschland würden Sie gerne abreißen und warum?

Keines, da ich versuchen würde, es energetisch zu sanieren.

Was bringt Sie privat auf die Palme? Und was beruflich?

Gesellschaftliche Rücksichtslosigkeit – privat wie beruflich.

Wo oder wie können Sie sich besonders gut entspannen oder abschalten?

Wenn ich in fremde Welten eintauchen kann – beispielsweise im Urlaub oder auf Ausstellungen. Auch wenn ich gemeinsam Zeit mit meiner Familie und mit Freunden verbringe, komme ich zur Ruhe.

Für welches private Vergnügen haben Sie zu wenig Zeit?

Leider für alle.

Nennen Sie einen Ihrer Lieblingssongs.

Für mich gibt es nicht „den einen“ Song – das hängt eher von der Situation ab. Mal ist es „Space Oddity“ von David Bowie, mal „No Good“ von The Prodigy. Und auf der Wiesn ist „T.N.T.“ von AC/DC unschlagbar.

Wenn Sie an Ihren letzten Urlaub denken, denken Sie an was?

Zeit mit meiner Familie für gemeinsame Erkundungen. Ich liebe es, Neues zu entdecken.

Homeoffice, Büro oder mobil in der Bahn? Wo arbeiten Sie am häufigsten, wo am liebsten und warum?

Für mich kommt es nicht auf den geografischen Ort an. Ich kann überall gut arbeiten, Hauptsache, es ist ein kreativer Austausch mit Menschen möglich.

Wie gehen Sie am liebsten aus? Eher zum Essen im Restaurant, tanzen in der Diskothek oder mit Kulturprogramm? Und in welcher konkreten Location kann man Sie öfter mal antreffen?

Mal rustikal in den Biergarten, mal schick ins Restaurant. Und kulturell – ich glaube, das erwähnte ich schon – gehe ich gern in gut kuratierte Kunstausstellungen. Man trifft mich also ab und an im Haus der Kunst, wo ich nach dem Ausstellungsbesuch gern einen Abstecher in die „Goldene Bar“ mache. Da lasse ich Nebelkunst und Co entspannt hinter mir und gönne mir auf dem Boden der Tatsachen einen Kaffee.

Verraten Sie uns auch noch Ihr Lieblingsgericht?

Handgemachter Kartoffelreibekuchen. Wobei … ich denke, die asiatische Küche läuft dem guten alten Lieblingsgericht aus der frühen Kindheit demnächst den Rang ab.

Gibt es etwas im Ausland, was Sie in Deutschland vermissen?

Elefanten in freier Wildbahn. Die intelligenten Dickhäuter sind meine absoluten Lieblingstiere.

Sie haben 100.000 Euro zur freien Verfügung und müssen das Geld komplett ausgeben – welchen Traum erfüllen Sie sich?

Ich habe keine wirklich großen materiellen Träume. Grundsätzlich würde ich eher in PropTechs – zum Beispiel im Bereich Wasserstoff – investieren, weil diese dazu beitragen, den Klimawandel zu bremsen. Auch Organisationen, die Menschen Chancen erschließen und ihnen unabhängig vom Einkommen und Bildungsgrad der Eltern einen sozialen Aufstieg ermöglichen, wären Optionen für ein solches Investment.

Das Interview führte Janina Stadel

Janina Stadel

Flexible Arbeitszeiten steigern Effizienz und Arbeitgeberattraktivität

Die Konzentration von Mitarbeitern hängt von der Tageszeit ab.

Die Konzentration von Mitarbeitern hängt von der Tageszeit ab.

stock.adobe.com, Urheber: VectorMine

Karriere 29.09.2022
Hybride Arbeitszeitmodelle sind längst in der Branche angekommen. Bei JLL und Commerz Real dürfen sich Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten nahezu selbst aussuchen – allerdings in einem ... 

Hybride Arbeitszeitmodelle sind längst in der Branche angekommen. Bei JLL und Commerz Real dürfen sich Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten nahezu selbst aussuchen – allerdings in einem festgesteckten Rahmen. Die Unternehmen punkten damit als Arbeitgeber und können sogar bessere Leistungen von ihren Beschäftigten erwarten.

Mit Arbeitszeitmodellen, die zum individuellen Lebensstil der Mitarbeiter passen, wollen Unternehmen als Arbeitgeber punkten. Viele bieten ihren Mitarbeitern schon seit Jahren die Möglichkeit an, ihren Arbeitstag so zu gestalten, dass Aufgaben auf passende Uhrzeiten gelegt und Pausen nach Bedarf genommen werden können. Doch seit den Homeoffice-Regelungen während der Corona-Pandemie haben viele das mögliche Zeitfenster noch weiter ausgebaut. Die meisten setzen dabei auf eine Gleitzeit, die einen gewissen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen das tägliche Stundenziel erreicht werden kann. Und diese Gleitzeit ist bei einigen Unternehmen deutlich größer geworden, als sie es noch vor einigen Jahren war.

Beim Beratungsunternehmen JLL sind dadurch inzwischen Arbeitszeiten zwischen 7 und 21 Uhr möglich, beim Vermögensverwalter Commerz Real können die Mitarbeiter schon um 6 Uhr am Morgen anfangen oder bis 23 Uhr im Büro bleiben. Zudem haben viele Unternehmen neue Teilzeitmodelle geschaffen und bieten sogenanntes Jobsharing an, bei dem sich zwei Mitarbeiter eine Stelle teilen und die damit verbunden Aufgaben untereinander aufteilen.

Der Grund dafür, dass sich immer mehr auf alternative Arbeitszeitmodelle einlassen, liegt auf der Hand: Sie sind angewiesen auf Nachwuchs- und Fachkräfte – und müssen sich bei ihnen als attraktive Arbeitgeber beweisen. Fast drei Viertel aller Beschäftigten wollen ihre Arbeitszeit flexibler gestalten, wie die Umfrage "People at Work 2022: A Global Workforce View" vom ADP Research Institute zeigt. Besonders am Herzen liegt Flexibilität einerseits jungen Leuten zwischen 18 und 24 Jahren, andererseits älteren Beschäftigten über 55 Jahre. In der Immobilienbranche dürften diese Werte noch höher sein – vor allem die Berufe des Maklers und Vertrieblers sind durch unterschiedliche Vor-Ort-Termine schließlich per Definition auf Flexibilität aufgebaut.

Bei JLL macht man keinen Hehl daraus, dass es bei dem Zeitmodell auch darum geht, einen positiven Eindruck auf dem Arbeitsmarkt zu hinterlassen und vielversprechende Kandidaten von sich zu überzeugen. Zwar gibt es schon seit einigen Jahren flexible Arbeitszeiten, aber Corona hat das hybride Arbeiten – zu dem nicht nur orts-, sondern ebenso zeitunabhängiges Arbeiten gehört – vorangetrieben. Auch bei Commerz Real hat die Pandemie der Flexibilität im Unternehmen noch einmal einen Schub gegeben. Die Commerzbank-Tochter will damit die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter unterstützen: "Allein die Möglichkeit zu haben, in Randzeiten liegengebliebene Arbeit zu erledigen oder in Einzelfällen auf einen Wochentag wegen privater Verpflichtungen komplett verzichten und hierfür auf einen Samstag auszuweichen zu können, reduziert den Druck und die Belastung bei den Mitarbeitenden", sagt Christiane Wolfram, Bereichsleiterin People & Culture bei Commerz Real.

Das weiß auch Ulrike Hellert. Sie ist Arbeitspsychologin und Wirtschaftswissenschaftlerin an der FOM-Hochschule in Nürnberg und sagt: "Jeder Mensch kann sich zu unterschiedlichen Zeiten besonders gut konzentrieren. Zwar ist es den meisten auch außerhalb dieser Zeiten möglich zu arbeiten – doch das erfordert mehr Anstrengung." Wann ein Mitarbeiter besonders gut arbeiten kann, hängt vom sogenannten Chronotyp ab, also von der inneren biologischen Uhr. Manche arbeiten morgens besser, andere abends. "Flexible Arbeitszeiten fördern die Produktivität der Mitarbeiter", sagt Hellert. "Und das kommt dann natürlich wiederum dem Arbeitgeber zugute."

Bei JLL kann wohl auch deshalb nahezu jeder arbeiten, wann er möchte – solange er sich an die gesetzlichen Vorgaben hält. Das Arbeitszeitgesetz schreibt nämlich vor, dass Mitarbeiter in der Regel nur acht Stunden pro Tag arbeiten. Pausen sind ebenfalls klar geregelt: Wer an einem Arbeitstag auf sechs bis neun Stunden kommt, dem steht eine Ruhezeit von 30 Minuten zu. An Tagen, an denen die neun Stunden überschritten werden, sind es 45 Minuten. Spätestens nach sechs Stunden muss die Arbeit unterbrochen werden. Am Ende des Tages müssen elf Stunden zwischen dem Feierabend und dem nächsten Arbeitstag frei bleiben.

Um das messen zu können, muss die Arbeitszeit dokumentiert werden – auch bei Vertrauensarbeitszeit, beim mobilen Arbeiten und im Homeoffice. Das hatte der Europäische Gerichtshof bereits im Mai 2019 (Az. C-5/18) klargestellt und die nationalen Gesetzgeber zum Handeln aufgefordert. Passiert ist seither allerdings nichts. Das Bundesarbeitsgericht bringt nun mit einem Beschluss vom 13. September 2022 (Az. 1 ABR 22/21) wieder Schwung in die Sache. Es hält fest, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, "ein System einzuführen, mit dem die von den Arbeitnehmern geleistete Arbeitszeit erfasst werden kann". Wie das genau aussehen muss, ist noch offen.

Das letzte Wort haben die Vorgesetzten

Neben der Erfassung der Arbeitszeit stellt auch das Abstimmen, wer wann arbeitet, Herausforderungen an die Organisation. Bei JLL gibt es eine klare Regelung: Das letzte Wort hat der jeweilige Vorgesetzte. Der entscheidet darüber, ob genügend Mitarbeiter für Kollegen und Kunden erreichbar sind. "Für Mitarbeiter, die vor Ort bei unseren Kunden arbeiten, sind natürlich die jeweiligen Kundenanforderungen zu berücksichtigen", sagt Personalchefin Patricia Offermanns. Am Ende gilt also wohl doch: Der Kunde ist König und bestimmt zumindest teilweise die Erreichbarkeit der Mitarbeiter. Allgemeingültige Empfehlungen "von oben" sind weder bei JLL noch bei Commerz Real verordnet, jedes Team kann seine Guidelines für Arbeitszeiten selbst gestalten. Auch Empfehlungen, wann welche Arbeit erledigt werden sollte, werden nicht ausgesprochen.

Bei Commerz Real gibt es lediglich die einheitliche Vorgabe, dass Teambesprechungen und Dienstveranstaltungen vor 9 und nach 17 Uhr nach Möglichkeit vermieden werden sollen. "In Einzelfällen können zudem innerhalb von Bereichen, Abteilungen oder Teams Service-Zeiten festgelegt werden”, erklärt Personalerin Wolfram. Service-Zeiten sind die Zeiten, in denen der Arbeitsbereich mit einer Mindestanzahl von Mitarbeitern besetzt sein muss, um die betrieblichen Anforderungen mit "vertretbaren Einschränkungen" erfüllen zu können. Die Service- Zeiten liegen immer zwischen 6 und 23 Uhr. Wenn ein Kollege krank oder im Urlaub ist, kümmert sich der Vorgesetzte um die Vertretung in Absprache mit den Teammitgliedern. Das ist auch bei JLL so: "Dies muss nicht unbedingt bedeuten, dass andere Arbeitszeiten gelten, am Ende kommt es ja auf das Ergebnis an und nicht darauf, wann genau am Tag die Aufgaben erledigt werden", heißt es vom Unternehmen. Im Einzelfall könne es dann aber auch mal zu Änderungen der üblichen Arbeitszeit kommen.

All diese Flexibilität ist jedoch nicht für jeden Mitarbeiter das Richtige. Arbeitspsychologin Hellert unterscheidet bei Mitarbeitern zwischen Segmentierern und Integrierern. Während erstere klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit brauchen, tendieren Integrierer dazu, diese Grenzen zu verwischen – und beiden kann es mit ihrem Vorgehen gut gehen.

Thomas Rigotti, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Mainz, bestätigt: "Jeder Mensch hat einen individuellen Drang nach Flexibilität." Während der eine sein Diensthandy nach Feierabend also am liebsten ausgeschaltet in die Ecke legt, kann es den anderen sogar stressen, nicht auch am Wochenende mindestens einmal seine Mails zu checken. Rigotti glaubt daher nicht, dass flexible Arbeitszeiten zum "Verbummeln" von Aufgaben führen könnten – jedenfalls nicht allein. "Dazu kann nur eine hohe Autonomie gepaart mit Orientierungslosigkeit führen", sagt er. "Und Orientierungslosigkeit rührt meist daher, dass Unternehmen die Ziele ihrer Mitarbeiter nicht klar genug definieren oder kommunizieren." Ein wenig Struktur braucht es, bei aller Flexibilität, dann doch.

Die Autorin: Celine Schäfer ist Journalistin in der Wirtschaftsredaktion Wortwert.

Celine Schäfer