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Vertrauen schaffen trotz Distanz

Im Videochat entscheiden viele Details, wie vertrauenswürdig das Gegenüber wirkt.

Im Videochat entscheiden viele Details, wie vertrauenswürdig das Gegenüber wirkt.

Quelle: imago images, Urheber: Panthermedia

Karriere 15.10.2020
Zwischen ihnen liegen Monitore und digitale Technik. Dennoch muss es Maklern, Anwälten, Beratern und Entwicklern gelingen, auch per Videochat das Vertrauen des Kunden zu gewinnen und so ... 

Zwischen ihnen liegen Monitore und digitale Technik. Dennoch muss es Maklern, Anwälten, Beratern und Entwicklern gelingen, auch per Videochat das Vertrauen des Kunden zu gewinnen und so den Geschäftserfolg zu sichern. Ein Coach gibt Tipps.

Der Dame die Tür aufhalten, ein kumpeliger Schulterklopfer oder ein humorvolles Zwinkern: Was im alltäglichen Miteinander von Angesicht zu Angesicht eine Verbindung zwischen zwei Menschen, im Beruf nicht selten zwischen Dienstleister und Kunde knüpft, klappt per Videochat nicht. Da müssen sich die Teilnehmer auf Grundsätzliches besinnen, um als vertrauensvoller Geschäftspartner wahrgenommen zu werden.

Was im persönlichen Aufeinandertreffen den Funken überspringen lässt, gilt im Chat umso mehr: Der erste Eindruck zählt. "Sie sollten sich genauso businessmäßig kleiden wie sonst im Kundenkontakt", rät Petra Pinger, Coach bei Witte Projektmanagement und Geschäftsführerin von "Führung entwickeln. Entwicklung führen". Die Kleidung an sich sollte nicht rein schwarz sein, weil das einen zu großen Kontrast zu einem idealerweise hellen und ruhigen Hintergrund ergibt. "Besser ist unifarbene Kleidung, in Blau oder Grau", weiß Pinger. Viel davon sehen tut man zwar nicht. Denn wer die optimale Entfernung zum Monitor einhält, füllt sein Bild laut Pinger nur mit dem Kopf und den oberen Schultern aus.

Leicht zu merken ist auch: Tageslicht ist günstiger als Kunstlicht, weil dieses unter Umständen unsympathische Schlagschatten aufs Gesicht wirft. Und die Akustik darf nicht unterschätzt werden. "Beachten Sie, dass Nebengeräusche nahe dem Mikrofon um ein Vielfaches verstärkt bei dem Gegenüber ankommen", warnt die Beraterin. Gerade das Rascheln von Papier oder das Tippen auf der Tastatur seien tückisch.

Ein ebenso wichtiger Punkt ist die Ansprache. "Wir sind oft versucht, uns dabei die Chatteilnehmer auf dem Monitor anzuschauen", erzählt Pinger. Doch erst mit dem Blick direkt in die Kamera erzeuge man die vertraute Nähe im Dialog. Etwa zwei Drittel der Gesprächszeit soll es diesen geben, sei die allgemeine Empfehlung, erklärt Pinger. Nachteil daran ist, dass der Sprecher nicht gleichzeitig die Reaktionen seiner Zuhörer wahrnehmen kann. "Deswegen ist es umso wichtiger, im Gespräch öfter die Reaktion nachzuhaken", rät Pinger. Mögliche Fragen wären "Wie sehen Sie das, Herr Müller?" oder "Welche Punkte sind aus Ihrer Sicht noch offen?". Und letztlich noch ein Tipp Pingers: Eine kurze Zusammenfassung des Besprochenen und Vereinbarten zum Schluss des Chats rundet die professionelle Unterhaltung ab.

Anke Pipke

Recruiting klappt nicht rein digital

Mitarbeiter können separiert werden, doch bei Einstellungen bleibt das reale Treffen wichtig.

Mitarbeiter können separiert werden, doch bei Einstellungen bleibt das reale Treffen wichtig.

Urheber: Peter Neusser

Karriere 15.10.2020
Neueinstellungen können auch während der Corona-Pandemie nicht auf die lange Bank geschoben werden. Die Bewerbungsverfahren laufen nun häufig hybrid ab. ... 

Neueinstellungen können auch während der Corona-Pandemie nicht auf die lange Bank geschoben werden. Die Bewerbungsverfahren laufen nun häufig hybrid ab.

In den rund sechs Monaten mit Corona hat jedes Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche seinen Workflow umstellen müssen. Doch Baustellen und Projekte liefen fast durchweg weiter und damit auch die Suche nach qualifiziertem Personal.

"Zwischen März und Juni ist das Recruiting fast zum Erliegen gekommen. Auch laufende Bewerbungsverfahren brachen aufgrund von Unsicherheiten der Bewerber zusammen", konstatiert Julien Ahrens, Mitglied der Geschäftsleitung der Strenger-Gruppe aus Ludwigsburg. Das mittelständische Bauträgerunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern stellte fest, dass gesuchte Fachleute mehr denn je nach Sicherheit verlangen. Mit den Argumenten Solidität und Kontinuität hätte Strenger bei Bewerbern aus arbeitsplatzsicheren Branchen wie dem Wohnungsbau dennoch punkten können.

Bei der Personalberatung Cobalt gab es laut Anna-Lena Pancirov, Associate Director in der Niederlassung Hamburg, nur während des Lockdowns ein Innehalten und Neusortieren. Deutlich stärker hingegen wurden Videomeetings bei Bewerbungsverfahren genutzt, gerade von international aufgestellten Unternehmen. Denn sie haben auch einen positiven Umweltaspekt: Wer nicht zum ersten Vorstellungsgespräch zum potenziellen Arbeitgeber anreisen muss, spart viel CO2. "Durch den Corona-Effekt und die Umweltschutzdebatte haben einige Unternehmen auch die Vorteile von hybriden Vorstellungsgesprächen entdeckt", beobachtet Pancirov.

Wichtig ist ein zügiger Personalgewinnungsprozess, weil es in der Branche kaum Arbeitslosigkeit und fast keinen Stellenabbau gibt und damit kein Atemholen bei der Fachkräftesuche. Weil ab einer gewissen Position letztlich doch die Soft Skills entscheiden, wird laut Pancirov bei 90% der Personalentscheidungen nicht auf das persönliche Gespräch verzichtet. Das unterstreicht auch Ralph Wanke, Head of Talent Acquisition bei Drees & Sommer. Das Unternehmen hat ein hybrides Vorstellungsmodell etabliert. Auf ein Telefoninterview folgt ein zweites Vorstellungsgespräch, das auch rein digital ablaufen kann. Nicht nur Werkstudenten, sondern auch Projektmanager wurden in den letzten Monaten rein digital eingestellt. "Diese Videomeetings brauchen eine extrem gute Vorbereitung", so Wanke. "Beim Recruiting versuchen wir jeden Kanal zu bedienen. Die Qualität des Prozesses bleibt das Wichtigste." Er stellt fest, dass in Corona-Zeiten die Suche nach "seniorigen Fachkräften" wie Bau- oder Wirtschaftsingenieuren schwieriger geworden ist, weil diese aus Sicherheitsaspekten eher am alten Job festhalten.

Culture Fit, also die Übereinstimmung von Bewerbern und Unternehmen, steht unter anderem bei Commerz Real an oberster Stelle. Ein Faktor, der gerade der Generation Y wichtig sei, wie Vorstandsmitglied Sandra Scholz betont. Zufällig mit der Pandemie zusammen fiel der neue Recruiting-Prozess, der die "time to hire" verkürzen soll. Darauf und auf den Onboarding-Prozess, also die Überbrückungsphase von Vertragsunterschrift bis zum realen Arbeitsbeginn, komme es an, damit gute Leute nicht abspringen.

Dagmar Lange

Gefragte Arbeitgeber: 4. DREES & SOMMER

Sinan Eliguel, Head of Group HR.

Sinan Eliguel, Head of Group HR.

Quelle: Drees & Sommer

Karriere 23.07.2020
JLL, CBRE, Beos und Co. sind unter den Studierenden immobilienwirtschaftlicher Fachrichtungen keine Unbekannten. Solche Stationen einmal im Lebenslauf stehen zu haben, ist das Ziel vieler junger ... 

JLL, CBRE, Beos und Co. sind unter den Studierenden immobilienwirtschaftlicher Fachrichtungen keine Unbekannten. Solche Stationen einmal im Lebenslauf stehen zu haben, ist das Ziel vieler junger Männer und Frauen. Bevor sie Kontakt zu den Großen der Branche aufnehmen, kennen sie schon deren Geschäftsfelder, erahnen die Unternehmenskultur und recherchieren zu Benefits. Doch was keiner vorher wissen kann: Wie reagieren die Unternehmen auf eine solche Ausnahmesituation wie die Corona-Pandemie? Wie gehen die Chefs in diesen Monaten mit den jungen Mitarbeitern um und was ist da noch zu erwarten? Keiner der Personalchefs kann vorhersagen, was die Zukunft bringt. Was sie jedoch voneinander unterscheidet, ist ihr Handeln für den Moment.

Das international tätige Beratungs- und Planungsunternehmen Drees & Sommer (Dreso) mit Hauptsitz in Stuttgart bietet privaten und öffentlichen Bauherren sowie Investoren Lösungen für Bauvorhaben und Gebäude, Immobilienportfolios, Infrastruktur und Stadtentwicklung. Drees & Sommer feiert in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen mit 4.000 Mitarbeitern an 46 Standorten.

Grundsätzlich steht dem Nachwuchs neben einem klassischen Direkteinstieg mit einem Training-on-the-Job auch etwa am Standort Hamburg die Teilnahme an einem Traineeprogramm für Postgraduierte offen. Auslandsaufenthalte seien beispielsweise in UK, in den Niederlanden, Russland, China oder Dubai möglich, zählt Sinan Eliguel, Head of Group HR, auf.

Coronabedingt habe Drees & Sommer keine Stellen abgebaut, berichtet Eliguel. Zudem gebe es keine Auswirkungen auf die Übernahme von Auszubildenden. Allerdings sind Neu- und Nachbesetzungen "um einige Monate verschoben worden" (lesen Sie dazu auch "Die Jobs bei Dreso sind erst mal sicher", IZ 17/20).

Vor der Corona-Pandemie stellte Dreso jährlich 350 bis 400 Kollegen ein. "Aufgrund der aktuellen Situation haben wir die Stellenanzeigen derzeit auf 150 offene Positionen reduziert", sagt Eliguel. Davon seien etwa 130 festangestellte Positionen. Besonders gefragt sind Mitarbeiter mit Abschlüssen in Bau- und Wirtschaftsingenieurwesen, Architektur und Versorgungstechnik. "Einstellungen erfolgen momentan eher selektiv, das heißt möglichst nur für Schlüsselpositionen bzw. für Positionen, bei denen wir eine sofortige Auslastung garantieren können", erklärt Eliguel.

Anke Pipke

Wenn der Verwalter aus Sofia anruft

IntelliWay-Chef Sergey Koynov ist seit 2012 an Bord und hat, wie er sagt, keine Probleme, in Bulgarien und in Deutschland qualifiziertes Personal für die Verwaltungstätigkeiten zu bekommen.

IntelliWay-Chef Sergey Koynov ist seit 2012 an Bord und hat, wie er sagt, keine Probleme, in Bulgarien und in Deutschland qualifiziertes Personal für die Verwaltungstätigkeiten zu bekommen.

Quelle: IntelliWay

Karriere 16.07.2020
IntelliWay bietet seit 2012 in Deutschland Property- und Facility-Management-Dienstleistungen an. Das Besondere ist, dass der Großteil der Aufgaben nicht im Frankfurter Büro erledigt ... 

IntelliWay bietet seit 2012 in Deutschland Property- und Facility-Management-Dienstleistungen an. Das Besondere ist, dass der Großteil der Aufgaben nicht im Frankfurter Büro erledigt wird, sondern in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. CEO Sergey Koynov erklärt, woher er qualifizierte Mitarbeiter nimmt und wie er sie schult. Und auch, wie schwer es war, die Kunden vom Outsourcing der Verwaltung ins Ausland zu überzeugen.

Immobilien Zeitung: Herr Koynov, wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der bulgarischen Vertretung von IntelliWay?

Sergey Koynov: Die Vertretung in Frankfurt fungiert als Vertragspartner für unsere Kunden mit einem Werkvertrag nach deutschem Recht und beauftragt die Filiale in Sofia. Aber praktisch alle Dienstleistungen werden in Bulgarien erbracht. Nur die Finanzbuchhaltung und das Controlling werden von Deutschland aus gesteuert.

IZ: Wie werden die bulgarischen Mitarbeiter auf ihre Arbeit vorbereitet? Schließlich müssen sie mit den deutschen Regeln und Gegebenheiten bestens vertraut sein.

Koynov: Die Mitarbeiter wurden anfangs durch unsere Muttergesellschaft Ten Brinke intensiv geschult, beispielsweise zur deutschen Betriebskostenverordnung. Heute werden sie von unseren Kunden selbst ausgebildet. Deshalb sind wir immer auf dem neuesten Stand. Unsere verantwortlichen Mitarbeiter sind den deutschen Kunden übrigens bestens bekannt. Die Schulungen sind auf die Property-Management-Bedürfnisse der jeweiligen Kunden zugeschnitten.

Die Schulungen finden in beiden Ländern statt

IZ: Wo finden diese Schulungen statt?

Koynov: Sowohl in Deutschland als auch in Bulgarien. Deutsche Teams kommen regelmäßig nach Sofia und unsere Mitarbeiter besuchen auch unsere Kunden in Deutschland. In der derzeitigen Covid-19-Lage ist es allerdings ein wenig komplizierter. Seit einigen Wochen stehen die virtuellen Lernmethoden stärker im Vordergrund.

IZ: Wie viele Unternehmen in Bulgarien bieten derzeit Outsourcing-Dienstleistungen an? Haben Sie viel Konkurrenz?

Koynov: Es gibt hierzulande etwa 600 solcher Firmen. 100 davon arbeiten aktiv für deutsche Unternehmen, auch für namhafte Firmen wie SAP. Sie sind aber nicht spezialisiert auf den Immobilien-Facility- und Property-Management-Bereich. Das machen nur wir. Ich beispielsweise war sechs Jahre lang Geschäftsführer von Cushman & Wakefield in dieser Region. Später war ich für die Projektentwicklung von Bürogebäuden zuständig. Und ich war bei einem Büro- und Gewerbeimmobilienfonds in Sofia tätig. Ich kenne die Branche und verstehe sehr gut, was unsere Kunden benötigen, weil auch ich mit entsprechenden Dienstleistern zusammengearbeitet habe.

IZ: Wo werben Sie Ihre Mitarbeiter an? Nur in Bulgarien? Oder auch gezielt in Deutschland?

Koynov: In Bulgarien gibt es derzeit über 230.000 Studenten. Etwa zwei Drittel davon haben gute bis sehr gute Deutsch- oder Englischkenntnisse. Es gibt 96 Sprachgymnasien. In Deutschland studieren etwa 12.500 bulgarische Studenten. Wir haben gerade drei Bulgaren, die in Berlin tätig waren, bei uns angestellt. Alle unsere Mitarbeiter haben studiert - meist Betriebswirtschaftslehre oder Bauingenieurswesen, zwölf davon in Deutschland. Nach dem Start in unserem Unternehmen werden sie zunächst in den Immobiliengrundlagen geschult und dann in Bezug auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse spezialisiert.

"Wir haben eine sehr aktive Personalabteilung"

IZ: Ist es schwer, deutschsprachige Mitarbeiter zu gewinnen?

Koynov: Deutschsprachige Mitarbeiter sind gesucht auf dem hiesigen Arbeitsmarkt. Wir haben eine sehr aktive Personalabteilung, um auch Leute von anderen Unternehmen zu gewinnen. Das gelingt uns aus unserer Sicht recht gut, da der Immobilienbereich attraktiv zu sein scheint.

IZ: Wie sicher sind die Kundendaten bei Ihnen?

Koynov: Zunächst einmal haben wir die gleichen gesetzlichen Datenschutz-Standards wie in Deutschland. Dennoch ist für die Kunden alles nach deutschem Recht und in einem deutschen Vertrag geregelt. Wir arbeiten innerhalb der Systeme der Kunden über VPN- oder Citrix-Systeme. Die Daten bleiben deshalb immer beim Kunden selbst und er schaltet letztlich nur die relevanten Daten frei. Sie werden genau darüber informiert, welcher Mitarbeiter wann im entsprechenden System gearbeitet hat. Es findet ein Kennenlernprozess statt. Im Prinzip wird unser IntelliWay-Mitarbeiter ein Teil des jeweiligen deutschen Unternehmens.

IZ: Müssen Sie beim deutschen Mittelstand viel Überzeugungsarbeit leisten? Denn diese Unternehmen gelten als besonders zögerlich beim Auslagern von Property-Management-Dienstleistungen. Und dann auch noch ins Ausland? Das ist quasi Doppel-Outsourcing.

Koynov: Viele Unternehmen in Deutschland leiden unter Personalmangel vor allem im Property-Management-Bereich. Nehmen wir beispielsweise die Betriebskostenabrechnung. Das ist oft eine große zeitintensive Belastung für die Unternehmen. Aber ja, zunächst war es enorm schwer, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Der Vorteil ist aber, dass die Branche letztlich klein ist und sich gute Dienstleistungen schnell herumsprechen. Wir setzen auf Mundpropaganda. Das klappt wirklich gut. Unser Türöffner war anfangs Ten Brinke, der jetzt ja noch Gesellschafter bei uns ist. Wir haben mittlerweile bereits drei von den zehn größten deutschen Property-Management-Unternehmen auf der Kundenliste.

IZ: Wie haben Sie letzten Endes Ihre deutschen Kunden überzeugt?

Koynov: Sie werden sich wundern, nicht der Preis war das Wichtigste. Es hat sich herausgestellt, dass es eher die Qualität und die Schnelligkeit ist.

IZ: In Ihrer Firmenbroschüre betonen Sie, dass Bulgarien ein Land mit christlichen Werten sei. Meinen Sie, dass das für deutsche Kunden eine wichtige Information ist?

Koynov: Zu Beginn unserer Geschäftstätigkeit bin ich nach Indien gereist, wo es tausende Unternehmen gibt, die dieses Geschäft machen. Dort ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich die Werte dort im Vergleich zu Europa sind. Es ist sogar vorgekommen, dass Kunden vertröstet worden sind, wenn es ein Dienstleistungsmitarbeiter nicht zum Arbeitsplatz geschafft hat. Dann hat er vorgeschlagen, dass eben sein Bruder die Arbeit übernehmen kann. Es geht uns bei dieser Formulierung eher um die Betonung europäischer Kulturvorstellungen, denen wir eng verbunden sind. Wir wollen damit herausstellen, dass sich die Werte zwischen Deutschland und Bulgarien kaum unterscheiden.

IZ: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen? Und welche Erwartungen haben Sie durch diese Situation an Ihr Geschäft?

Koynov: Wir spüren bislang keine Auswirkungen auf das Geschäft. Es hat uns aber gezeigt, dass wir auch mit Distanz, beispielsweise von zu Hause aus, gut arbeiten können. Videokonferenzen funktionieren hervorragend und kommen noch stärker zum Einsatz. Die Kommunikation auch mit den deutschen Kunden ist noch persönlicher geworden. Warum? Die oft konservativen deutschen Mittelständler öffnen sich den digitalen Wegen und schalten viel häufiger als vor der Krise ihre Videokamera an. Wir sehen häufiger die Gesichter unserer Kunden.

IZ: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden drei Jahre vorgenommen?

Koynov: In diesem Jahr haben wir schon viel von dem erreicht, was wir erreichen wollten. Unser Ziel ist es, in den kommenden drei bis fünf Jahren die Zahl unserer Kunden zu verdreifachen. Unser einziger Fokus wird dabei nach wie vor der Property-Management-Markt in Deutschland sein.

IZ: Herr Koynov, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Daniel Rohrig.

Daniel Rohrig

Drees & Sommer investiert ins Homeoffice

Karriere 02.07.2020
Bürofläche und damit Miete sparen und dafür in die persönliche Arbeitsumgebung der Mitarbeiter investieren: Corona & Co. geben Drees & Sommer (Dreso) Gelegenheit, sich zu fragen, ob ... 

Bürofläche und damit Miete sparen und dafür in die persönliche Arbeitsumgebung der Mitarbeiter investieren: Corona & Co. geben Drees & Sommer (Dreso) Gelegenheit, sich zu fragen, ob die eine oder andere Fläche nicht verzichtbar ist.

Nach Ansicht von Martin Becker, Partner bei Dreso, bietet die intensive Nutzung des Homeoffice die Chance nachzudenken: "Wie viel Platz brauchen wir eigentlich?", Und zu überlegen, gesparte Miete für Büroflächen in die Qualität von Arbeitsplätzen zu stecken, also etwa in die technische Ausstattung der Mitarbeiter oder in die persönliche Arbeitsumgebung zu investieren. Dreso hat laut Becker im Zuge der Corona-Krise schon einen sechsstelligen Betrag in die Verfügbarkeit von Rechner- und Leitungskapazitäten für seine Leute investiert. "Wir können für die Ressourcen sorgen, weil sich Homeoffice als ein Element der Arbeitswelt etablieren wird." Becker ist sich sicher, dass solche Investitionen nicht verloren sein werden, wenn das Schreckgespenst Corona sich irgendwann wieder verzogen haben sollte.

Dreso beschäftigte sich auch mit den rechtlichen Themen des Homeoffice. Dazu zählt die Frage, wer für die DIN-gerechte Ausstattung (Verkabelung, E-Prüfung der Geräte, Ergonomie) des heimischen Arbeitsplatzes zuständig sein wird. Das ist allerdings nicht neu, sondern bereits seit der Einführung der ersten sogenannten "Tele-Arbeitsplätze" vor über 20 Jahren in der Diskussion (Stichworte: Datenschutz, Arbeitssicherheit, Versicherung usw.).

Unter den jetzigen Bedingungen können bei Dreso nur noch 50% bis 70% der Arbeitsplätze belegt werden. Je nach Zuschnitt der Flächen im Gebäude sogar nur ein Drittel. Wo der Schutz der Mitarbeiter nur schwer gewährleistet werden kann, geht die Tendenz dahin, "nach Möglichkeit das Homeoffice weiter zu nutzen, wo immer es geht", sagt Becker.

Wie viel Bürofläche an welchem Standort bis auf weiteres nicht mehr genutzt werden kann, das hängt sehr vom jeweiligen Gebäude ab. Wo der Anteil kleiner Räume (Einzelzimmer, kleine Besprechungsräume etc.) groß ist, liegt der Prozentsatz höher. In dicht besiedelten Open-Space-Flächen werden dagegen - wegen der Überschneidung von Verkehrs- und Erschließungsflächen mit den erforderlichen Abständen der Corona-Prävention - mehr Arbeitsplätze nicht nutzbar sein, führt Becker aus. Es geht aber nicht nur um Arbeitsplätze: Mitzubedenken sind auch Begegnungsflächen wie Treppenhäuser und Flure oder Infrastrukturflächen wie Nassräume und die Cafeteria, die wegen der Sicherheitsabstände nicht mehr so viele Leute aufnehmen können.

Harald Thomeczek

Witte lehrt in kleinen Happen

Karriere 12.06.2020
Witte Projektmanagement hat aus dem coronabedingten Homeoffice gelernt und bietet nun zusätzliche Coachings für Mitarbeiter per Podcast online an. ... 

Witte Projektmanagement hat aus dem coronabedingten Homeoffice gelernt und bietet nun zusätzliche Coachings für Mitarbeiter per Podcast online an.

Um seine Mitarbeiter auch im Homeoffice zu motivieren und weiterzubilden, hat Witte Projektmanagement mit seinen Coaches einen wöchentlichen Podcast konzipiert. Themen sind dabei etwa solche Fragen: Wie bekomme ich Arbeit und Homeschooling unter einen Hut? Wie hinterlasse ich bei Videokonferenzen einen guten Eindruck beim Gegenüber? Und wie kann ich in Videokonferenzen eine persönliche Nähe und Vertrauen schaffen? Weitere Themen sind Stimmtraining oder die Auswahl des passenden Kommunikationskanals je nach Thema und Anlass.

Die Podcasts sind bis zu zehn Minuten lang. "Wir haben alle viel zu tun, da darf der Podcast nicht zu lange sein", erklärt Silke Marquardt, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation bei Witte Projektmanagement. Verbreitet werden sie per Link in einer Mail an alle und im unternehmenseigenen Intranet.

Die Arbeit finde derzeit verstärkt online per Video statt, auch mit Kunden, berichtet Marquardt. Deswegen seien Fragen wie die eigene Wirkung auf das digitale Gegenüber derzeit so wichtig - gerade für die Projektleiter, die den Kontakt in alle Richtungen aufrecht erhalten. Die 100 Witte-Mitarbeiter, die sich auf fünf Standorte verteilen, können die Podcast-Themen selbst mitbestimmen, indem sie Marquardt ihre Fragen mailen.

Witte plant, die Podcasts auch in Zukunft anzubieten. Es sei als Ergänzung zu den großen beiden Coachings über mehrere Tage im Frühjahr und Herbst zu sehen.

Anke Pipke

Die Jobs bei Dreso sind erst mal sicher

Steffen Szeidl sucht mit Drees & Sommer den Weg zurück zur Normalität.

Steffen Szeidl sucht mit Drees & Sommer den Weg zurück zur Normalität.

Quelle: Drees & Sommer SE, Urheber: Leif-Hendrik Piechowski

Karriere 23.04.2020
Drees & Sommer (Dreso) sieht die Arbeitsplätze seiner weltweit rund 4.000 Mitarbeiter in der Corona-Krise im Moment nicht in Gefahr. "Wenn alles bis Ende August wieder anläuft, halten ... 

Drees & Sommer (Dreso) sieht die Arbeitsplätze seiner weltweit rund 4.000 Mitarbeiter in der Corona-Krise im Moment nicht in Gefahr. "Wenn alles bis Ende August wieder anläuft, halten wir das gut durch", sagte Vorstandsmitglied Steffen Szeidl im Gespräch mit der Immobilien Zeitung. Das Planungs- und Beratungsunternehmen reagiert mit neuen Leistungsbildern, einem vorübergehenden Verzicht auf einen Teil der Bonuszahlungen und einer gedrosselten Personalpolitik auf die Krise.

Das international tätige Unternehmen aus Stuttgart spürt die Krise an vielen Stellen. Das von eh und je Marktschwankungen unterworfene Beratungsgeschäft mit Transaktionen oder im FM-Consulting hat dabei stärker gelitten als die klassischen Management- oder Planungsaufträge. Deutschen Großkunden aus der Automobilindustrie sind die Hände gebunden. Bauprojekte in China, aber auch in Europa - Spanien oder Italien, Frankreich oder Niederlande - wurden ausgebremst. In einzelnen europäischen Ländern, darunter Österreich oder die Schweiz, wo Dreso ebenfalls große Projekte am Laufen hat, wurde Kurzarbeit angemeldet. Das Kurzarbeitergeld stockt Dreso auf 80% auf.

Kurzarbeit bisher nur im Ausland

In Deutschland schickte der Mittelständler aus dem Ländle die Mitarbeiter bisher nicht in Kurzarbeit: "Die Arbeit ist ja da. 95% unserer Beratungsprojekte und Baustellen laufen", sagt Szeidl. "Und wo doch etwas gestoppt wurde, gilt es jetzt eben, die Arbeit flexibel auf die einzelnen Unternehmenseinheiten zu verteilen."

Um Liquidität zu sichern, greift Dreso zu diversen Instrumenten. Eines davon: Die Führungsmannschaft und die Mitarbeiter verzichten vorerst auf Geld. Die beiden obersten Führungsebenen, also Partner und Associate Partner (insgesamt rund 90 Personen), bekommen im April nur 40% ihres Bonus für das Jahr 2019, das sehr gut lief, fristgerecht ausgezahlt. Die restlichen 60% sollen sie im Juni erhalten, wenn alles gut geht. Praktisch alle anderen Mitarbeiter dagegen sehen 80% der Gewinnbeteiligung schon jetzt und müssen zunächst nur auf 20% verzichten. "Der andere Teil wird im Nachgang ausgeschüttet oder als Risikopuffer einbehalten", sagt Szeidl.

Sollte Dreso in Deutschland ebenfalls auf das Mittel Kurzarbeit zurückgreifen, will das Unternehmen laut Szeidl auch hier "80% des Gehalts absichern". Für die reduzierte Arbeitszeit erhalten Arbeitnehmer bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze (6.900 Euro in westlichen Bundesländern, 6.450 Euro im Osten) von der Arbeitsagentur ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 60% des Nettogehalts bzw. 67% bei Mitarbeitern mit Kindern. In Deutschland sei Kurzarbeit - wenn überhaupt - nur in vereinzelten Teileinheiten ab Mai oder Juni geplant. Derzeit kämen jedoch noch viele Aufträge rein, sodass dies nicht mit Sicherheit notwendig sein werde.

Neue Kollegen, die schon vor dem Shutdown eingestellt wurden, müssen allerdings ihren Beitrag zur Liquiditätssicherung leisten: "Wer laut Arbeitsvertrag offiziell zum 1. Mai oder zum 1. Juni anfängt, bei dem reduzieren wir die Probezeit", erklärt Szeidl. Das offizielle Startdatum bleibt, aber die Leute fangen de facto einen oder zwei Monate später an. Die Idee hinter der Sache: Vergütet wird die entgangene Arbeitszeit nicht, Geld eingespart.

Bis August kommt Dreso Stand heute in der Heimat gut durch die Krise, ist sich Szeidl sicher. "Wir gehen in unserem Szenario davon aus, dass wir bis Ende Juni in Deutschland einen Zustand der Arbeitsfähigkeit erreicht haben: dass die Produktion in der Industrie, z.B. bei den Autobauern und ihren Zulieferern, wieder auf Hochtouren läuft, dass Restaurants, Hotels und Geschäfte wieder mit Auflagen öffnen dürfen - und dass die Baustellen weiterhin durchgängig betrieben werden dürfen."

Neueinstellungen hat Dreso nach dem behördlich verordneten Shutdown in Deutschland Mitte März sofort zu einem großen Teil zurückgestellt. Hat das Unternehmen sonst laufend um die 350 bis 400 Stellen weltweit ausgeschrieben, beschränkt es sich jetzt auf knapp 100 Positionen, die sich um die strategischen Zukunftsfelder Digitalisierung und Nachhaltigkeit ranken.

"Die meisten großen Unternehmen können diese Situation nur zwei bis maximal vier Monate stemmen, dann wird es zu Insolvenzen und existenzbedrohenden Schräglagen kommen", sagt Szeidl mit Blick auf die deutsche Wirtschaft. Für die Autoindustrie und ihre Zulieferer stehen jetzt schon Umsatzverluste von 25% bis 40% im Raum. Den Rekrutierungsstopp für das Gros der Jobs will das Dreso-Management erst aufheben, wenn sich abzeichnet, wohin die Reise für die Unternehmen geht.

Offene Stellen wurden auch aus praktischen Erwägungen auf Eis gelegt: "Wie sollen wir denn einen Planer onboarden, wenn alle im Homeoffice sind?", fragt Szeidl rhetorisch. Bei einem Bauleiter ginge das ja vielleicht noch eher, weil er mit seinen Kollegen auf der Baustelle zusammenkommt, überlegt Szeidl. Andererseits soll sich die Mannschaft lieber voll und ganz auf die Projekte konzentrieren.

Das Beratungsgeschäft, das u.a. die Bereiche Real Estate Consulting, Facility-Management-Beratung, Engineering-Beratung und User Experience umfasst, trug im Jahr 2019 ca. 80 Mio. zum Gesamtumsatz von 500 Mio. Euro bei, wie Szeidl der Immobilien Zeitung exklusiv verrät. Um Umsatzrückgänge vor allem in diesem Segment zu kompensieren, wurden in den vergangenen Wochen mehrere neue Leistungsbilder entworfen, mit denen Dreso Kunden in der Krise beispringt. Eins davon rankt sich um die kontrollierte Stilllegung von Gebäuden, das Leerstandsmanagement und die Wiederinbetriebnahme. "Zehn bis zwölf Aufträge in diesem Bereich haben wir schon erhalten", berichtet Szeidl. "Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass uns im Real Estate Consulting zwei Wochen vor Ostern die Arbeit ausgeht. Mit den neuen Aufträgen kommen wir schon viel weiter."

Dreso denkt zudem jetzt für öffentliche Bauherren über die Wiederbelebung stillgelegter Krankenhäuser oder die Umnutzung von Messe- und Sporthallen nach. "Das geht bis zu Containerlösungen beim Landarzt." Szeidl hat dabei nicht nur an die reine Gebäudehülle im Sinn, sondern auch "Modular Health Solutions", also vollständig ausgestattete Behandlungsräume für Covid19-Patienten, die kurzfristig geschaffen und "vor die Klinik gestellt" werden können.

Reaktivierung hier, drohende Deaktivierung da: Auch Baustellen, die geschlossen werden müssen, sind ein Geschäftsfeld. Wird eine Baustelle stillgelegt, drohen vor allem bei Großprojekten die Zeit- und Budgetpläne aus dem Ruder zu laufen. Schließlich entstehen auch dann Kosten, wenn die Arbeiten ruhen. Szeidl rechnet vor: "Der Abbau von zwei Kränen kostet z.B. um die 10.000 Euro. Aber wenn die nur rumstehen, ohne genutzt zu werden, verursachen sie vielleicht Kosten von 30.000 oder 40.000 Euro." Andererseits sei die günstigste Lösung nicht immer zugleich die beste für einen schnellen Neustart.

Eine starke Zunahme sieht Szeidl bei der digitalen Steuerung von Abläufen am Bau (Lean Construction Management). "Gewisse Ressourcen fehlen auf den Baustellen ja jetzt schon. Hier helfen digitale Lösungen, um besser zu koordinieren." Der Dreso-Manager denkt an Hilfskräfte aus Polen oder Tschechien und ausbleibendes Baumaterial. "Hat ein Malertrupp z.B. auf der einen Baustelle gerade nichts zu tun, weil es irgendwo hakt, könnte man ihn auf einer anderen einsetzen."

Ein anderes Beispiel: Remote Desktop Due Diligence. Darunter verbirgt sich die Ankaufsprüfung ohne eine Vor-Ort-Begehung oder maximal mit einer Schnellbegehung durch Dreso. Das geht natürlich nur, räumt Szeidl ein, "wenn die Daten vorhanden sind". Selbst dann ist das Risiko für den Käufer einen Tick größer - aber die Chancen auch.

Mit einem "Ideathon" zu neuen Geschäftsideen

Die neuen Businessmodelle sind zum Teil von der eigenen Belegschaft erdacht worden. Das Dreso-Management bat die Mitarbeiter zum digitalen "Ideathon". Sinn der Übung: konkrete, direkt umsetzbare Krisenlösungen für die Kunden entwickeln. "Es gab über 50 Einreichungen, und es wurden fünf Sieger gekürt", erzählt Szeidl. "Teils sind das interne Effizienzthemen, teils gehen wir mit externen Partnern Geschäftsmodelle an."

Während die Pandemie Europa voll im Griff hat, befindet sich Dreso in China mit knapp 60 Mitarbeitern im Restart-Modus. "Es geht jetzt nicht nur darum, Projekte hochzufahren, sondern auch darum, den Stillstand aufzuholen, soweit es geht. Außerdem müssen wir die Verträge mit unseren Kunden anpassen, z.B. neue Fertigstellungstermine vereinbaren - das ist nahezu die doppelte Arbeit beim Wiederhochfahren der Baustelle."

Harald Thomeczek

"Wenn alles bis August wieder anläuft, halten wir das durch"

Steffen Szeidl, Vorstandsmitglied von Drees & Sommer.

Steffen Szeidl, Vorstandsmitglied von Drees & Sommer.

Quelle: Drees & Sommer SE, Urheber: Leif Piechowski

Karriere 21.04.2020
Für Drees & Sommer (Dreso) war 2019 mal wieder ein Spitzenjahr. Der Umsatz legte um rund 18% auf ca. 500 Mio. Euro zu (2018: plus 12% auf 424,9 Mio. Euro). Das verriet ... 

Für Drees & Sommer (Dreso) war 2019 mal wieder ein Spitzenjahr. Der Umsatz legte um rund 18% auf ca. 500 Mio. Euro zu (2018: plus 12% auf 424,9 Mio. Euro). Das verriet Vorstandsmitglied Steffen Szeidl der Immobilien Zeitung exklusiv und vorab. Dann kamen das Coronavirus und in seinem Gefolge der Shutdown in vielen Ländern. Das Planungs- und Beratungsunternehmen aus Stuttgart reagiert u.a. mit neuen Leistungsbildern, einer gedrosselten Personalpolitik und einem vorübergehenden Verzicht auf einen Teil der Bonuszahlungen auf die Krise.

Das rund um den Globus tätige Unternehmen spürt die Krise an vielen Stellen. Das von eh und je Marktschwankungen unterworfene Beratungsgeschäft, das 2019 noch ca. 80 Mio. Euro (16%) zum Gesamtumsatz beisteuerte, leidet stärker als die klassischen Management- oder Planungsaufträge. Doch auch Bauprojekte in China sowie in Europa – Spanien oder Italien, Frankreich oder Niederlande – wurden ausgebremst.

In einzelnen europäischen Ländern macht Dreso Kurzarbeit, aber bis dato nicht in Deutschland: "Die Arbeit ist ja da. 95% unserer Beratungsprojekte und Baustellen laufen", sagte Vorstandsmitglied Steffen Szeidl der Immobilien Zeitung.

Die Arbeit im Beratungsgeschäft geht erstmal nicht aus

Um Umsatzrückgänge zu kompensieren, hat Dreso in den vergangenen Wochen mehrere neue Leistungsbilder entworfen. Eines davon dreht sich um das Herunterfahren von Gebäuden, Leerstandsmanagement und Wiederinbetriebnahme. "Zehn bis zwölf Aufträge in diesem Bereich haben wir schon erhalten", berichtet Szeidl. "Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass uns im Real Estate Consulting zwei Wochen vor Ostern die Arbeit ausgeht. Mit den neuen Aufträgen kommen wir schon viel weiter."

Eine andere neue Geschäftsmöglichkeit: Speziell für öffentliche Bauherren denkt Dreso jetzt über die Wiederbelebung stillgelegter Krankenhäuser oder die Umnutzung von z.B. Sporthallen nach. "Das geht bis zu Containerlösungen beim Landarzt." Szeidl hat dabei nicht nur an die reine Gebäudehülle im Sinn, sondern auch vollständig ausgestattete Behandlungsräume für Covid-19-Patienten, die kurzfristig geschaffen und "vor die Klinik gestellt" werden können.

Alle leisten ihren Beitrag zur Liquiditätssicherung

Dreso reagiert zudem mit der Sicherung von Liquidität auf die Krise: Partner und Associate Partner bekommen im April nur 40% ihres Bonus für 2019 ausgezahlt. Die restlichen 60% sollen sie im Juni erhalten. Praktisch alle anderen Mitarbeiter müssen zunächst auf 20% der Gewinnbeteiligung verzichten. "Der andere Teil wird im Nachgang ausgeschüttet oder als Risikopuffer einbehalten", erklärt Szeidl.

Auch neue Kollegen, die schon vor dem Shutdown eingestellt wurden, leisten ihren Beitrag zur Liquiditätssicherung: "Wer offiziell zum 1. Mai oder zum 1. Juni anfängt, bei dem reduzieren wir die Probezeit", sagt Szeidl. Das offizielle Startdatum bleibt, aber die Leute fangen de facto einen oder zwei Monate später an. Vergütet wird die entgangene Arbeitszeit nicht, Geld wird so eingespart.

Jobs auf Eis - aber vorerst nicht auf der Kippe

Neueinstellungen hat Dreso nach dem behördlich verordneten Shutdown in Deutschland Mitte März sofort zu einem großen Teil zurückgestellt. Hat das Unternehmen sonst laufend um die 350 bis 400 Stellen weltweit in der Ausschreibung, beschränkt es sich jetzt auf knapp 100 Positionen, die sich um strategische Zukunftsfelder ranken.

Die Jobs seiner weltweit rund 4.000 Mitarbeiter sieht Szeidl im Moment nicht in Gefahr, mit Entlassungen will er sich vorerst nicht beschäftigen: "Wenn alles bis Ende August wieder anläuft, halten wir das gut durch."

Die ganze Geschichte lesen Sie in IZ 17/2020, die diesen Donnerstag erscheint.

Harald Thomeczek