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Gefma nimmt neuen Anlauf für FM-Ausbildung

In zwei bis drei Jahren, so hofft die Gefma, können die ersten FM-Azubis starten.

In zwei bis drei Jahren, so hofft die Gefma, können die ersten FM-Azubis starten.

Quelle: Fotolia.com, Urheber: Gina Sanders

Karriere27.09.2018
Schon 2014 trat der Facility-Management-Verband Gefma an, einen Lehrberuf FM zu etablieren. Gegenwind aus dem Handwerk vereitelte im ersten Anlauf die Bemühungen. Der zweite Versuch, einen ... 

Schon 2014 trat der Facility-Management-Verband Gefma an, einen Lehrberuf FM zu etablieren. Gegenwind aus dem Handwerk vereitelte im ersten Anlauf die Bemühungen. Der zweite Versuch, einen bestehenden Beruf um FM-Inhalte zu erweitern, scheiterte ebenfalls. Nun hat sich der Verband der Unterstützung von Dienstleistern und Nutzern versichert - und bläst zum Angriff.

Es gibt diverse FM-Studiengänge und berufsbegleitende Angebote für eine FM-spezifische Weiterbildung. Nur einen Ausbildungsberuf an der Basis, den gibt es nicht. FM-Dienstleister bilden z.B. Elektroniker und Mechatroniker, Bürokaufleute und Fachinformatiker, Anlagenmechaniker und Gebäudereiniger aus. Doch all diese Berufe zielen nur auf einzelne Gewerke und einzelne Phasen des Lebenszyklus einer Immobilie ab, meist auf Planung und Errichtung und nicht etwa den Betrieb.

"Wir wollen keine anderen Berufe überflüssig machen. Natürlich werden wir immer auch Spezialisten für die einzelnen Gewerke brauchen - aber den Generalisten, den Servicemann vor Ort, der übergreifend agieren kann, den brauchen wir eben auch", sagt Markus Lehmann, der an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen FM lehrt und bei der Gefma den Arbeitskreis Bildung und Wissen leitet. Lehmann schwebt ein Lehrberuf vor, der ein großes technisches Know-how mit kaufmännischen Grundkenntnissen vereint. Serviceorientierung, Soft Skills, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sowie Digitalisierung sollen ebenfalls nicht zu kurz kommen. Ein Katalog mit Lehrinhalten ist längst zusammengestellt.

Wer einen neuen Beruf etablieren will, stößt nicht selten auf Gegenwind. Schließlich wird der Azubi-Kuchen nicht größer. Die Angst, ein FM-Lehrberuf könnte die Nachwuchssorgen von Handwerksbetrieben noch vergrößern, ging um. "Uns wurde geraten, in einen bestehenden, wenig gefragten Beruf einzusteigen, den Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme", erzählt Lehmann. Die Idee: weniger Elektronik, mehr Gebäude. Auf diese Weise, glaubt Lehmann, hätten beide Seiten profitieren können. Die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie spielte aber nicht mit.

So nimmt der FM-Verband mit Hilfe des Bundesinstituts für Berufsbildung nun den dritten Anlauf. Schließlich befand auch das Bundeswirtschaftsministerium, dem die Gefma letztes Jahr ihr Ansinnen vortrug, sinngemäß: "Macht doch einen eigenen Beruf!" Um mit geballter Kraft agieren zu können, rief die Gefma im August FM-Anbieter und -Anwender zur Unterstützung auf. "Nach dem Gegenwind aus dem Handwerk haben wir viel Rückenwind bekommen", erzählt Gefma-Geschäftsführer Johannes Bungart. Er berichtet von ungefähr 50 Rückmeldungen von Dienstleistern und Nutzern, auch aus dem öffentlichen Bereich.

Einer der Unterstützer ist Horst Uhl, Leiter standortübergreifendes Energie- und Facility-Management bei Daimler Buses/EvoBus. "Wer die Lünendonk-Studie eingesehen hat", holt Uhl aus, "wird klar erkennen können, dass mit dem Facility-Management recht still und leise ein sehr großer und bedeutender Wirtschaftszweig im Dienstleistungsbereich entstanden ist. Bedenkt man, dass viele Kapitalanleger gerade ihre Rettung in Immobilien suchen, sollte man sich auch strategische Gedanken machen, wie der Werterhalt dieser Investitionen gesichert werden kann." Eine Antwort hat Uhl auch parat: "FM! Daher macht es nur Sinn, jungen Menschen früh die Möglichkeit zu geben, diesen Weg möglichst professionell einzuschlagen."

Einer der Dienstleister, die die Gefma an ihrer Seite weiß, ist Strabag Property and Facility Services (Strabag PFS): "Wir unterstützen die Initiative zur Implementierung eines neuen Ausbildungsberufs im FM sehr gerne", sagt Renate Vorbeck, Leiterin Berufliche Erstausbildung bei Strabag PFS. "Die vom Verband erarbeiteten Voraussetzungen für das neue Berufsbild werden leider von den Handwerksverbänden abgelehnt. Aus diesem Grund ist diese Initiative ein unbedingtes Muss, um das entwickelte Berufsbild für die FM-Branche in den Wirkbetrieb zu bekommen."

Bungart weiß, dass ein steiniger Weg vor ihm liegt: "Den Kampf um Lehrlinge kann man auch formaljuristisch führen." Er ist trotzdem zuversichtlich, "dass wir das hinbekommen". Als Nächstes wird die Gefma beim Kuratorium der deutschen Wirtschaft für Berufsbildung, das die Interessen der Wirtschaft in der beruflichen Bildung vertritt, einen Antrag auf die "Initiierung eines Neuordnungsverfahrens" stellen. Dann werden alle betroffenen Verbände - also auch das Handwerk - und die Arbeitnehmerseite gehört. Gelingt der Durchbruch, dürften die ersten FM-Azubis frühestens in zwei bis drei Jahren mit ihrer Lehre beginnen: Die Ausarbeitung einer Ausbildungsordnung durch den Bund, eines Rahmenlehrplans durch die Kultusministerkonferenz sowie von konkreteren, je eigenen Lehrplänen durch die Bundesländer kosten Zeit. Und Berufsschulen müssen auch noch gefunden werden.

Harald Thomeczek

Spanier lernen bei Wisag

Sergio Garcia Garcia (dritter v. l.) aus Madrid ist nun Azubi in Hessen.

Sergio Garcia Garcia (dritter v. l.) aus Madrid ist nun Azubi in Hessen.

Bild: Wisag

Karriere06.02.2014
Die Regionen Rhein-Main und Madrid wollen die Mobilität von Fachkräften erhöhen. Die ersten Spanier haben im vergangenen Sommer ihre Ausbildung aufgenommen. Vier von ihnen lernen bei ... 

Die Regionen Rhein-Main und Madrid wollen die Mobilität von Fachkräften erhöhen. Die ersten Spanier haben im vergangenen Sommer ihre Ausbildung aufgenommen. Vier von ihnen lernen bei Wisag.

Spanien wurde von der Krise stark getroffen. Besonders für junge Leute ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt schwierig: 2013 war in der Altersgruppe zwischen 16 und 25 Jahren mehr als jeder zweite ohne Job. Im rund 1.850 km entfernt liegenden Rhein-Main-Gebiet hingegen gibt es Betriebe, die ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können. Beide Regionen weisen Ähnlichkeiten auf und so führte die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main ein Programm ein, das junge Spanier für eine duale Ausbildung nach Deutschland holt. Die hessische Delegation wurde u.a. angeführt von Wirtschaftsminister Florian Rentsch. Mit dabei war auch Michael Wisser, der Sohn des Wisag-Gründers. 2012 wurde die Absichtserklärung zur Förderung der Mobilität von Fachkräften unterzeichnet.

Doch das war erst der Anfang: In Madrid gab es Unternehmenspräsentationen der deutschen Arbeitgeber, zahlreiche Bewerbungsgespräche und einen Kennenlernabend mit den Bewerbern und ihren Familien. 50 spanische Jugendliche kamen für ein Schnupperpraktikum nach Deutschland und erhielten Deutschunterricht, ein zweisprachiges Internetportal (www.work-in-hessen.de) und eine Anlaufstelle für Fachkräfte wurden geschaffen.

Im August 2013 war es endlich so weit: Rund 40 ausgewählte Spanier begannen ihre Ausbildung im Rhein-Main-Gebiet, vier davon in verschiedenen Wisag-Gesellschaften: ein Anlagenmechaniker für Heizung/Klima/Sanitär (Wisag Gebäude- und Industrieservice Süd-West), zwei Mechatroniker für Kältetechnik (Wisag Gebäudetechnik Hessen und Wisag Gebäude- und Industrieservice Hessen) und ein Elektroniker für Energie- und Geäudetechnik (Wisag Gebäudetechnik Hessen). "Es ist ein sehr positiv gestimmtes Projekt, ein Pionierprojekt", sagt John Lotz, Leiter Personal bei der Wisag Facility Service Holding. "Die Teilnehmer haben alle eine hohe Eigenmotivation", sagt Lotz, "und viele bringen schon berufliche Erfahrungen mit."

Die Neuzugänge wurden mit Kollegen vernetzt, die Spanisch sprechen, und durchlaufen dasselbe Programm wie die übrigen 300 Wisag-Lehrlinge. Lotz glaubt, dass es irgendwann Normalität sein wird, dass Schüler aus Italien und Spanien für eine Ausbildung in Deutschland antreten. Doch bislang ist es für beide Seiten noch Neuland und die Handwerkskammer bietet Integrationskurse für die Spanier und ihre deutschen Ausbilder an. In der Berufsschule unterstützt sie mit Übersetzern, deswegen beschränkt sich das Projekt auf drei Berufsfelder. Die Kosten der Ausbildung tragen die ausbildenden Betriebe, für die überbetriebliche Unterweisung kommt die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main auf, das Wirtschaftsministerium fördert das Projekt mit 240.000 Euro. "Gut investiertes Geld", sagt Rentsch.

Tipp

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Sonja Smalian