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"Ich muss mich nicht zwingen zu arbeiten"

Moritz Kuckertz kennt die Immobilienbranche von Klein auf.

Moritz Kuckertz kennt die Immobilienbranche von Klein auf.

Urheber: Lukas Kuckertz

Karriere 16.05.2024
Mit 22 Jahren hat Moritz Kuckertz die Prüfung der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) bestanden und ist dem Verband als jüngster Deutscher als Vollmitglied beigetreten. Den ... 

Mit 22 Jahren hat Moritz Kuckertz die Prüfung der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) bestanden und ist dem Verband als jüngster Deutscher als Vollmitglied beigetreten. Den ersten Kontakt zu dem Netzwerk hatte er während seines Studiums am EBZ (Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft). Um den Verbandstitel so früh tragen zu können, bereitete er sich neben Studium und Beruf auf die Aufnahmeprüfung vor.

Immobilien Zeitung: Herr Kuckertz, Sie sind 22 und beruflich bereits fest in der Immobilienwirtschaft verankert. Was ist Ihr Job?

Moritz Kuckertz: Meine Ausbildung zum Immobilienkaufmann IHK konnte ich im Sommer 2021 erfolgreich abschließen, meinen Bachelor of Arts Real Estate an der EBZ Business School im Januar 2023. Im August 2019 habe ich mein ausbildungsintegriertes Studium bei der Dürener Bauverein AG begonnen. Seit Oktober 2022 arbeite ich dort als Referent der Geschäftsführung und unterstütze die Geschäftsführung auf der ökonomischen Ebene.

IZ: Und Sie sind auch neben dem eigentlichen Beruf noch aktiv. Bei den RICS tragen Sie als jüngster Deutscher den Titel für die bestandene Prüfung. Welche weiteren Titel erarbeiten Sie sich noch?

Kuckertz: Ich mache momentan in Freiburg am Center for Real Estate Studies meinen Master of Arts mit dem Schwerpunkt Immobilienwirtschaft. An der Deutsche Immobilien Akademie an der Uni Freiburg mache ich zusätzlich meinen Diplom Sachverständigen für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken, Mieten und Pachten. Parallel dazu absolviere ich an der Frankfurt School of Finance and Management das Vorbereitungsstudium für die Abschlussprüfung bei der HypZert.

IZ: Da klingt, als ob Sie in Zukunft noch tiefer in die Branche einsteigen wollen. Was gefällt Ihnen so gut an der Immobilienwirtschaft?

Kuckertz: Ich fühle mich einfach wohl in dieser Branche. Ich lerne tolle Leute kennen. Ich mag den persönlichen Austausch und bin deshalb den RICS beigetreten. Ebenso besuche ich gerne Events der gif, auch Treffen, die über meinen Schwerpunkt Bewertung hinausgehen. Außerdem bin ich Mitglied im IHK Juniorenkreis, im Alumni-Netzwerk der EBZ und bei den Matrics, der Nachwuchssparte der RICS: So will ich verschiedene Perspektiven innerhalb der Branche kennenlernen.

IZ: Wie haben Sie Ihren Weg in die Immobilienwirtschaft gefunden?

Kuckertz: Ich kenne die Branche von Kind auf. Meine Mutter ist Architektin und Maklerin und mein Vater Sachverständiger. Schon als ich zehn oder zwölf Jahre alt war, habe ich mitbekommen, dass die beiden über die Branche gesprochen haben. Und auch darüber, dass es durchaus manchmal Blender gibt. Ich habe damals schon gemerkt, dass man hier viel Verantwortung trägt und es wichtig ist, dass es Leute gibt, die erkennbaren Sachverstand haben, sodass man ihnen vertrauen kann. Es geht schließlich oft um viel Geld. Ein solches Siegel sehe ich in den RICS. Es hat nicht nur mit Sachverstand zu tun, sondern die RICS verfolgen auch eine gewisse Ethik, was ich beim Umgang mit großen Summen und viel Kapital für sehr wichtig halte.

IZ: Die Berufsethik hat für Sie also sogar vor dem Berufseinstieg eine wichtige Rolle gespielt?

Kuckertz: Ja, denn ich erwarte von jedem Menschen – egal ob im Beruf oder im Privaten –, dass ich ihm vertrauen kann. Das erreicht man durch Transparenz in seinem Handeln. Und genau das spiegelt die Ethik der RICS für mich wider. Dadurch, dass sie im Verband verschriftlicht ist, wird sie für die Mitglieder verbindlich und sie verhindert vor allem eins, nämlich Abzocke in der Branche.

IZ: Wie wird die Ethik bei den RICS geprüft?

Kuckertz: Primär durch einen Onlinetest. Da werden Fallbeispiele gestellt und man muss erklären, wie man in den beschriebenen Situationen handeln würde. Etwa, wenn ein Familienmitglied in einen Deal verwickelt oder persönlich betroffen wäre. Denn in solchen Fällen muss man unbefangen bleiben.

IZ: Welchen Prüfungen mussten Sie sich für die Aufnahme noch stellen?

Kuckertz: Anwärter auf den Titel müssen zunächst Kompetenzen festlegen, die ihre Schwerpunkte sind. Bei mir war das alles, was mit der Wohnungswirtschaft, Mietrecht und Bewertungsthemen zu tun hatte. Hinzu kommen neben der Ethik auch Standard-Kompetenzen, in denen jeder geprüft wird. Dazu zählen zum Beispiel Verhandlungskompetenzen, Nachhaltigkeitsthemen und Basics aus der Berufswelt wie zum Beispiel Arbeitssicherheit. Zu jeder Kompetenz muss man ein Niveau festlegen, um sie für sich persönlich zu gewichten. Dann folgen Themenbeiträge, die jeder schreiben muss und eine Case-Study. In einer mündlichen Abschlussprüfung wird dies dann einer Gruppe von Prüfern präsentiert und es werden von diesen Nachfragen gestellt.

IZ: Was war denn schwieriger für Sie? Die RICS-Prüfung oder die Abschlussprüfung an der Uni?

Kuckertz: Bei meiner Bachelorprüfung kannte ich die beiden Prüfer im Vorfeld schon aus Vorlesungen und wusste, worauf sie besonderen Wert legen. Umgekehrt konnten sie einschätzen, welches Wissen ich mir im Studium angeeignet habe, und wo ich Vergleiche ziehen kann. Bei den RICS hingegen wusste ich nicht, wer vor mir sitzen würde und welche eigenen Schwerpunkte die drei Prüfer haben. Das hat zu einer gesunden Anspannung geführt.

IZ: Was wäre gewesen, wenn Sie nicht bestanden hätten?

Kuckertz: Darüber habe ich mir erst gar keine Gedanken gemacht. Ich wollte es einfach versuchen. Generell gilt aber, wer die Prüfung nicht besteht, kann einen zweiten Anlauf nehmen.

IZ: Welche Rolle spielte Ihr Arbeitgeber bei Ihrem ehrgeizigen Vorhaben?

Kuckertz: Eine große! Mein Arbeitgeber, genauer meine Chefin bei der Dürener Bauverein AG, hat mich in der Zeit der Vorbereitung sehr unterstützt. Wenn ich eine Frage hatte, etwa zum Mietrecht, hat sich meine Chefin als Volljuristin immer Zeit genommen, mir etwas zu erklären. Als der Prüfungstermin feststand, war es auch kein Problem, dass ich mir spontan Urlaub nehme. Umgekehrt habe ich in der Zeit den ein oder anderen privaten Termin abgesagt, um allen meinen Pflichten nachgehen zu können.

IZ: Wie finden Sie bei so viel beruflichem Einsatz und dem Studium einen Ausgleich in der Freizeit?

Kuckertz: Die Immobilienwirtschaft ist eine meiner großen Leidenschaften, ich muss mich nicht zwingen zu arbeiten, zu lernen oder mich Prüfungen zu stellen, da es mir einfach nahezu immer große Freude bereitet. Ich sehe meinen Beruf und alles, was dazugehört als Berufung und habe keine Probleme damit, mich in meiner Freizeit weiter damit zu beschäftigen. Neben der Immobilienwirtschaft mache ich viel Sport und verbringe Zeit mit meiner Familie. Gerade der Sport ist ein wichtiger Ausgleich, denn ich finde, man muss den eigenen Körper nicht nur mental, sondern auch körperlich beanspruchen, um ausgeglichen zu sein.

IZ: Wie sehen Ihre Ziele für die Zukunft aus? Welche weiteren Schritte sind geplant?

Kuckertz: Meinen Master werde ich durch eine verkürzte Studienzeit voraussichtlich noch dieses Jahr abschließen, mein Aufbaustudium an der Frankfurt School im Dezember und den Titel zum Diplom-Sachverständigen könnte ich im Januar 2025 tragen. Langfristig will ich dann das Unternehmen wechseln, um ins Fonds- oder Bewertungsmanagement einzusteigen. Bei den RICS will ich mich bei den Matrics engagieren, den Austausch nutzen und mein eigenes Wissen weitergeben, etwa bei Fachkonferenzen des Verbands.

IZ: Und was sind Ihre Tipps für andere? Wie findet man am besten den Weg zu den RICS?

Kuckertz: Ich selbst kam während meines Studiums am EBZ zum ersten Mal mit den RICS in Kontakt. Aber auch abseits einer Hochschule ist es ganz leicht, sich mit den Mitgliedern zu verbinden, nämlich durch einfache Kontaktaufnahme, etwa bei einer Veranstaltung oder online. Oder man tritt den Matrics bei. Es gibt auch immer wieder Infoveranstaltungen, bei denen die genaue Aufnahmeprozedur und die Zulassungsvoraussetzungen erklärt werden. Wer den Umfang der Prüfung und die Schritte zum Einstieg kennt, kann für sich persönlich einschätzen, wann der passende Startpunkt ist, um sich anzumelden.

IZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Janina Stadel.

Janina Stadel

Die Wohnungswirtschaft holt sich den Nachwuchs direkt von der Schulbank

Durch Schnupperveranstaltungen wollen Unternehmen wie Vonovia Schülern zeigen, welche Berufsbilder es in der Wohnungswirtschaft gibt.

Durch Schnupperveranstaltungen wollen Unternehmen wie Vonovia Schülern zeigen, welche Berufsbilder es in der Wohnungswirtschaft gibt.

Quelle: Vonovia, Urheber: Jörg Senger/Territory

Karriere 28.03.2024
Mit Schulkooperationen und durch Angebote wie Schnupperpraktika wollen Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft Schüler kurz vor ihrem Abschluss auf die Karrieremöglichkeiten in der Branche ... 

Mit Schulkooperationen und durch Angebote wie Schnupperpraktika wollen Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft Schüler kurz vor ihrem Abschluss auf die Karrieremöglichkeiten in der Branche aufmerksam machen. Aber auch die richtigen Onlinekanäle für Stellenangebote gewinnen bei der Suche nach Auszubildenden an Bedeutung.

Die Wohnungswirtschaft galt lange als klassischer Einstieg in die Immobilienbranche, auch weil dort viele Ausbildungsberufe angeboten werden, für die kein Studienabschluss nötig ist. Doch nun haben die Unternehmen zunehmend Probleme, Nachwuchskräfte zu finden. Die Gründe sind bekannt: Die Gesellschaft altert, die Zahl der Arbeitnehmer sinkt. Hinzu kommt, dass die Babyboomer nach und nach in Rente gehen, was den Konkurrenzdruck beim Buhlen um die besten Köpfe weiter verschärft. Wie ernst die Lage ist, zeigt eine zum Jahreswechsel veröffentlichte Studie des Bochumer Forschungsinstituts InWIS im Auftrag des Europäischen Bildungszentrums der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ). Insgesamt bestätigten 66% der befragten 232 Wohnungsunternehmen, dass sie Schwierigkeiten bei der Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern haben.

Vor allem technisches und handwerkliches Personal wird in der Wohnungswirtschaft händeringend gesucht, weiß Sabine Thiede. Sie ist Leiterin Ausbildung bei Vonovia, dem größten privaten Wohnungsanbieter in Deutschland, der rund 16.000 Mitarbeiter hat. Sie erklärt: "Obwohl es auch in den kaufmännischen Ausbildungsberufen nicht ganz leicht ist, geeignete Nachwuchskräfte zu finden, ist es in den gewerblichen Ausbildungsberufen deutlich anspruchsvoller, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern." Aktuell sind demnach vor allem Ausbildungen für die Handwerksberufe Anlagenmechaniker und Elektroniker schwer zu besetzen, genauso wie der IT-Bereich, der im Zuge der zunehmenden Digitalisierung immer weiter ausgebaut wird.

Das Wohnungsbauunternehmen Heimstaden geht in Sachen Nachwuchssuche buchstäblich an die Quelle: Die Skandinavier, die mit Wohnimmobilien in Schweden, Norwegen, Dänemark und Deutschland zu den größten privaten Eigentümern in Europa gehören, arbeiten seit vergangenem Jahr mit der Gemeinschaftsschule Campus Hanna Höch in Berlin-Reinickendorf zusammen. Das, so sagt Head of People & Culture Manuel Kiep, sei eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Persönliche Begegnungen sollen Interesse wecken

Auszubildende im Beruf Immobilienkaufmann oder -frau stellen im Zuge der Kooperation nämlich regelmäßig ihre Arbeit vor, wodurch Heimstaden das Interesse der Schüler an der Wohnungswirtschaft wecken und so potenzielle neue Azubis finden kann. Das Unternehmen sucht derzeit vor allem Anlagenmechaniker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker, die zusätzlich zu den bestehenden rund 300 Mitarbeitern in Deutschland gebraucht werden.

"Insbesondere bei der Suche nach Auszubildenden spielt der persönliche Austausch eine entscheidende Rolle, vor allem wenn es um Schülerinnen und Schüler vor dem Schulabschluss geht", sagt Kiep. Heimstaden sieht neben solchen Schulkooperationen auch Schnupperpraktika oder Informationsveranstaltungen wie einen Girls Day, bei dem Schülerinnen für einen Tag ein Unternehmen besuchen, als guten Ansatzpunkt, um das Interesse junger Leute schon vor dem eigentlichen Karrierestart zu wecken.

Die Wohnungsvermieter müssen – wie auch Unternehmen anderer Branchen – als Arbeitgeber attraktiv bleiben und dürfen den Anschluss nicht verlieren, wissen Experten wie Heimstaden-Personaler Kiep. Er denkt längst darüber nach, wie er Ausbildungsprofile attraktiver und zeitgemäßer machen kann: Durch einen stärkeren Fokus auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit etwa und durch mehr interdisziplinäres Arbeiten und Freiraum für Eigeninitiative. Was für junge Menschen bei der Wahl ihrer Arbeitsstätte eine immer stärkere Rolle spielt, sind positive Werte, ein gutes Image und soziales Engagement des Arbeitgebers ebenso wie Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten. Das gelte nicht nur für Einsteigerpositionen, sondern auch für solche, die spezielles, oft über mehrere Jahre erworbenes Fachwissen erfordern. Für diese lasse sich in der Wohnungswirtschaft immer schwerer Leute finden, beobachtet Kiep. Dazu zählt er Tätigkeiten in der Bauprojektentwicklung, die zwar keine klassischen Ausbildungsberufe darstellen, als Grundlage aber durchaus eine Ausbildung im Immobilienbereich haben können.

Klar ist für Heimstadens Personalchef: Die Unternehmen müssen sich etwas einfallen lassen, um potenzielle Nachwuchskräfte auf sich aufmerksam zu machen. Auf Online-Jobportalen und Ausbildungsbörsen wie Stepstone, Indeed, Ausbildung.de und Azubiyo finden sich laufend mehrere hundert Offerten aus allen Bereichen der Wohnwirtschaft. Die Palette reicht von der Ausbildung zum Immobilienkaufmann oder der Immobilienkauffrau über Angebote für Anlagentechniker und Mosaikleger bis zu dualen Studienangeboten. Sie kommen nicht nur von großen Konzernen, sondern auch von kommunalen Wohnungsunternehmen wie Degewo in Berlin oder GAG in Köln, die für 2024 wieder kaufmännische Azubis suchen.

Die Wahl der richtigen Recruitingkanäle spielt bei der Suche nach aussichtsreichem Nachwuchs eine zentrale Rolle. Das EBZ hat bei seiner Befragung von 190 Ausbildungsbetrieben und 634 Schülern des EBZ-Berufskollegs herausgefunden, dass das private Umfeld bisher noch der wichtigste Kanal ist, wenn es darum geht, jungen Menschen das Berufsfeld der Wohnungswirtschaft zu empfehlen. Noch größere potenzielle Reichweite haben aber Online-Jobbörsen und soziale Medien wie Tiktok, Instagram und Youtube. Sie sind aus der Lebenswelt der Digital Natives kaum wegzudenken, werden von der Branche aber noch nicht in großem Stil bespielt.

Um guten, interessierten Nachwuchs zu gewinnen und zu halten, setzen Unternehmen wie Vivawest – einer der größten Quartiersentwickler in Nordrhein-Westfalen – und die Unternehmensgruppe Saga aus Hamburg – ein weiterer Platzhirsch der kommunalen Wohnungsbranche – auch immer stärker auf Benefits wie flexible Arbeitszeiten, Geld-Prämien, Fahrkostenzuschüsse, eigene Diensthandys und iPads sowie Fitness- und Gesundheitsangebote, die sie schon in Stellenausschreibungen bewerben.

Die Autorin: Imke Reiher ist Journalistin bei der Wirtschaftsredaktion Wortwert.



Imke Reiher

Die Budgets fürs Lernen sind knapp

Wenn Kompetenzen fehlen, helfen nur Fortbildungen.

Wenn Kompetenzen fehlen, helfen nur Fortbildungen.

Quelle: Imago, Urheber: Westend61

Karriere 21.03.2024
Nicht immer erfüllen Bewerber auf Führungspositionen alle Voraussetzungen, die sich Arbeitgeber wünschen. Weiterbildungen können Defizite dann ausgleichen. Doch die Unternehmen aus der ... 

Nicht immer erfüllen Bewerber auf Führungspositionen alle Voraussetzungen, die sich Arbeitgeber wünschen. Weiterbildungen können Defizite dann ausgleichen. Doch die Unternehmen aus der Wohn- und Immobilienwirtschaft investieren vergleichsweise wenig in die fachliche und methodische Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter.

Die Erwartungshaltung von Unternehmen aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sind hoch, wenn es darum geht, welche Kompetenzen ihre Fach- und Führungskräfte zum Einstieg mitbringen sollen. Das zeigt der diesjährige Human Resources Monitor des Bildungszentrums der Wohn- und Immobilienwirtschaft EBZ. Die Autoren der Studie haben mehr als 300 Unternehmen, darunter vor allem Wohnungsgesellschaften, Hausverwaltungen und Maklerhäuser, gefragt, welche Fähigkeiten und Kenntnisse sie bei aktuellen Bewerbern auf Stellen für Führungspositionen vermissen. Das Ergebnis: Mehr als 43% der Befragten bemängelten die IT-Kenntnisse der Bewerber, jeder dritte Arbeitgeber wünschte sich mehr Fachkompetenzen, 31% klagten über mangelnde Flexibilität, 29% über fehlendes unternehmerisches Denken. Fast jedem Vierten fehlten Methodenkompetenzen und Wissen zu Arbeitstechniken und 20% der Arbeitgeber wünschten sich mehr Kenntnisse rund um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Arbeitgeber bevorzugen Präsenzseminare

Doch auch bei bestehenden Mitarbeitern beklagten sie Defizite. Denn nicht alle kommen den Fortschritten und den stetigen Entwicklungen in der Branche sowohl in Bezug auf fachliche Themen als auch im Umgang mit Technik nach. Abhilfe sollen da Fortbildungen schaffen. Rund 90% der befragten Unternehmen bevorzugen dafür seit Ende der Corona-Pandemie wieder Präsenzveranstaltungen, für die die Mitarbeiter für einige Tage ihren Arbeitsplatz verlassen. Internetbasierte Intensivseminare werden von den Arbeitgebern nicht ganz so gerne unterstützt. Die Nachfrage nach ihnen lässt wieder nach.

Vergleicht man die aktuellen Kosten der Fort- und Weiterbildungsstätten für ihre Seminare, wird jedoch klar, dass die Unternehmen nicht genug Budget zur Verfügung stellen. Denn für mehrtägige Fortbildungen in Präsenz fallen schnell vierstellige Beträge an. Hinzu kommen in den meisten Fällen Anreise- und Übernachtungskosten. Eine jährliche Teilnahme an einem solchen Kurs ist demnach für die meisten Mitarbeiter nicht möglich. Denn die befragten Arbeitgeber zahlen im Durchschnitt nur 880 Euro pro Mitarbeiter und Jahr für die Weiterbildung.

Damit liegt die Branche deutlich unter dem, was andere in ihre Mitarbeiter investieren. Laut einer Erhebung des IW Köln wurden branchenübergreifend schon 2019 etwa 1.200 Euro pro Kopf und Jahr investiert. Aktuellere Zahlen liegen dem Institut nicht vor, es sei jedoch davon auszugehen, dass sich der Durchschnittsbetrag mit der Inflation nach oben entwickelt hat.

Das relativ größte Budget innerhalb der Immobilien- und Wohnungswirtschaft hatten kleine Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten. Sie gaben 2023 jährlich bis zu 1.034 Euro pro Mitarbeiter für Weiterbildungen aus, kleine Wohnungsgesellschaften sogar um die 1.100 Euro. "In diesen Unternehmen müssen viel weniger Mitarbeitende mit der gleichen Vielfalt an Herausforderungen umgehen als in größeren Unternehmen", erklären sich die Studienautoren die erhöhten Anstrengungen bei den mitarbeiterschwachen Unternehmen. Sie seien es auch, die häufiger kostenintensive Maßnahmen wie etwa berufsbegleitende Studien bezahlen, um die Mitarbeiter langfristig auf höhere Positionen vorzubereiten.

Janina Stadel

Es rücken kaum Verwalter nach

Weil die Arbeit der Verwalter kaum digital zu erledigen ist, schwindet das Interesse an dem Tätigkeitsfeld bei den Nachwuchskräften.

Weil die Arbeit der Verwalter kaum digital zu erledigen ist, schwindet das Interesse an dem Tätigkeitsfeld bei den Nachwuchskräften.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Ezio Gutzemberg

Karriere 14.12.2023
Vor allem das hohe Maß an Bürokratie und die Arbeitszeiten halten junge Nachwuchskräfte davon ab, den Beruf des Immobilienverwalters zu wählen. Unternehmen haben Schwierigkeiten, ... 

Vor allem das hohe Maß an Bürokratie und die Arbeitszeiten halten junge Nachwuchskräfte davon ab, den Beruf des Immobilienverwalters zu wählen. Unternehmen haben Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen, um alle Aufträge abzuarbeiten. Dabei ist der Alltag eines Verwalters oft gar nicht so trist.

Tim Müller-Zitzke und seine drei Mitgründer Alexander Mayle, Till Biele und Nuradin Schöning planen, im kommenden Jahr zertifizierte Immobilienverwalter zu werden. Aktuell vermieten sie über ihr Start-up Bheaven Premium Homes Luxus-Ferienwohnungen, wollen ihr Geschäft aber weiter ausbauen: "Künftig vermieten und verwalten wir auch fremde Ferienimmobilien", sagt Müller-Zitzke. Dafür brauchen sie das Zertifikat. In ihrer Altersgruppe sind die vier jungen Männer Mitte Zwanzig eine Besonderheit. Denn kaum ein Sektor in der Branche kämpft so sehr mit Nachwuchsproblemen wie die Immobilienverwaltung: In einer Studie des Europäischen Bildungszentrums der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) gaben 85% der befragten Verwaltungen an, dass im Jahr 2020 mehr Fachkräfte die Firma verlassen hätten als im Jahr zuvor. Gleichzeitig haben nur 36% der Unternehmen mehr Verwalter eingestellt als im Vorjahr. Es zeigt sich nun, wovor jahrelang gewarnt wurde: Es kommt nicht genug Nachwuchs nach.

Ein Berufsfeld mit angestaubtem Image

Müller-Zitzke überrascht das nicht: Ausschließlich als Verwalter zu arbeiten kann er sich auch nicht vorstellen. Dabei machen ihm eigentlich viele der Aufgaben Spaß: "Es ist ein gutes Gefühl, Probleme zu lösen und derjenige zu sein, auf den sich Eigentümer vor Ort verlassen", sagt der Gründer. "Trotzdem hat die Branche einen eingestaubten Ruf und ich stelle mir den Job auch recht unflexibel und wenig digital vor." Schließlich können Verwalter schlecht komplett remote arbeiten. So geht es offenbar vielen Menschen in seinem Alter: Von mehr als 400 befragten Studenten planten bei der diesjährigen IZ-Arbeitsmarktumfrage im Frühjahr nur 0,5% einen Berufseinstieg bei einer Hausverwaltung.

Auch Martin Kaßler, Geschäftsführer des Verbands der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV), bestätigt die Nachwuchsprobleme. "Ich schätze, das Durchschnittsalter hiesiger Immobilienverwalter ist mittlerweile über 50", sagt er. Dabei betont auch Kaßler, dass es weniger die Aufgaben als die strukturellen Voraussetzungen sind, die junge Menschen abschrecken. "Denn eigentlich ist der Beruf vielfältig und geeignet für alle, die gerne Kontakt mit anderen Menschen haben."

Das bestätigt auch Stefan Buhl, Geschäftsführer bei Krasemann Immobilien Management. "Der Job ist sehr dynamisch, abwechslungsreich und vielschichtig", sagt er und meint damit: Mieter finden, Mieten einholen, Handwerker beauftragen und Eigentümerversammlungen organisieren. Immobilien verwalten ist ein breites Tätigkeitsfeld. Buhl unterscheidet daher grundsätzlich zwischen dem reinen Hausverwalter, welcher Eigenbestand in großen Hausverwaltungen verwaltet, und Immobilienverwaltern, die als Dienstleister zwischen dem Eigentümer und der Mietpartei stehen. Und es gibt die Möglichkeit, sich zu spezialisieren. Etwa in der technischen Verwaltung, der gewerblichen Verwaltung oder der Vermietung. "Wir nennen unsere Hausverwalter tatsächlich gerne Vermögensverwalter", erklärt Buhl. Das mache die Verantwortung und Bedeutung der täglichen Arbeit deutlich. "Solche Vorteile müssen wir besser vermarkten", gibt Verbandschef Kaßler zu. "Das große Problem ist aber die Bezahlung und dass man vor Ort sein muss", erklärt der Verbandschef.

Während Kaßler die Bezahlung kritisiert, meint Buhl, dass das Einstiegsgehalt eher eine untergeordnete Rolle spiele. Ihm zufolge hat sich die Bezahlung der anderer kaufmännischer Berufe bereits angepasst. Das Einstiegsgehalt liegt laut Verband durchschnittlich bei rund 35.000 Euro brutto im Jahr. Verwalter in höheren Positionen und mit langer Berufserfahrung verdienen teilweise bis zu 65.000 Euro. Allerdings variiert die Bezahlung stark: "Je größer die Immobilienverwaltung ist, umso eher besteht die Chance auf ein höheres Gehalt", sagt Kaßler. Insgesamt sind die Gehälter jedoch geringer als bei kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen: "Wir liegen hier teils 15% unter dem Durchschnittsgehalt."

Auch der raue Umgang einiger Hausgemeinschaften mit Verwaltern ärgert den Verbandschef: "Ich erlebe immer wieder, dass Verwalter, die nur gesetzliche Vorgaben umsetzen, persönlich verantwortlich gemacht werden." Etwa wenn energetische Sanierungen erforderlich sind, die oft einiges kosten. Mittlerweile geht der Schutz des eigenen Personals so weit, dass Firmen schwierigen Eigentümergesellschaften kündigen. "Denn ansonsten gehen die wenigen Neuen schnell wieder", sagt Kaßler. Es verließen ohnehin 60% der Neueinstellungen die Branche innerhalb eines Jahres wieder. "Auch weil junge Leute keine Lust haben, sich nach 18 Uhr in Eigentümerversammlungen zu setzen", berichtet Kaßler. Das passe nicht zur modernen Arbeitskultur. Er fordert daher schon seit längerem vom Gesetzgeber die Erlaubnis für komplett digitale Versammlungen. Diese könnten tagsüber und aus dem Homeoffice stattfinden. Zudem sei die jährliche Präsenzversammlung nicht mehr zeitgemäß. Der Gesetzgeber lässt allerdings reine Online-Treffen nicht zu.

Abgesehen davon kommt in Sachen Digitalisierung mehr Bewegung in die Branche. "Die Unternehmen steigern sich", sagt Kaßler. Aber es gebe noch viel zu tun. Bisher haben etwa nur 25% der Firmen digitale Kundenportale. Dabei verändern sich in der digitalen Welt auch die Anforderungen an Verwalter. Für Unternehmen heißt das zweierlei: Sie müssen ihr Personal in neuen Themen und Tätigkeitsfeldern weiterbilden und es entstehen neue Stellen mit digitalem Schwerpunkt.

Es fehlt also nicht einfach nur an Personal, sondern an guten und anders ausgebildeten Fachkräften. Fast 90% aller befragten Verwaltungen haben laut EBZ-Studie Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von technischen Fachkräften. Laut Kaßler kann dieser Wandel aber auch eine Chance sein. Schließlich fordern High Potentials nicht nur eine gute Bezahlung, sondern verhelfen der Branche auch zu einem besseren Ruf.

Die Autorin: Mia Pankoke ist Journalistin bei der Wirtschaftsredaktion Wortwert.

Mia Pankoke

Ran an die Nachhaltigkeitsthemen

Die Kurse und Studiengänge am  EBZ sind gut gefüllt.

Die Kurse und Studiengänge am EBZ sind gut gefüllt.

Quelle: EBZ, Urheber: Sascha Kreklau

Karriere 19.05.2023
Bochum. Die Unternehmen der Immobilienbranche müssen stärker dahin gehen, wo sie junge Nachwuchskräfte finden. Außerdem müssen kaufmännische Mitarbeitende mehr technische Expertise ... 

Bochum. Die Unternehmen der Immobilienbranche müssen stärker dahin gehen, wo sie junge Nachwuchskräfte finden. Außerdem müssen kaufmännische Mitarbeitende mehr technische Expertise gewinnen. Der Bildungsdienstleister EBZ entwickelt dafür Strategien.

Gar so groß wie häufig angenommen ist der Fachkräftemangel in der Immobilienbranche nicht – zumindest nicht nach dem Eindruck von Klaus Leuchtmann, dem Vorstandsvorsitzenden des Europäischen Bildungszentrums der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) in Bochum. "Unsere Angebote sind voll, zum Teil mit Warteliste, und das wäre nicht so, wenn junge Leute sich nicht für die Immobilienbranche begeistern würden", berichtet er. Grundsätzlich habe der Wirtschaftszweig einen guten Ruf. Zwar sei noch nicht abzusehen, wie die aktuell schwierige Zinsentwicklung sich auswirke. Aber die Anmeldungen zur Berufsschule im Rahmen des EBZ, die sich bisher als gute Indikatoren erwiesen haben, bewegten sich erneut auf dem Rekordniveau von 2022. "Die jungen Leute begeistern sich vor allem dafür, dass die Immobilienbranche so vielfältig ist. Es droht nicht, dass man sein ganzes Berufsleben immer nur mit der gleichen Handvoll von Produkten und Aufgaben zu tun hat." Das EBZ bietet eine Berufs- und eine Fachschule sowie die EBZ Business School als Hochschule mit sechs Studiengängen an. Dazu kommen Weiterbildungsangebote und zunehmend Beratungsleistungen für Unternehmen.

Trotz der gut gefüllten Kurse will Leuchtmann die Herausforderungen rund um die Nachwuchsgewinnung nicht kleinreden, vor denen Immobilienunternehmen stehen. In der Branche erkennt er einige Optimierungsmöglichkeiten auf diesem Feld. "Aus einer Umfrage unter den 500 neuen Auszubildenden vom Sommer 2022 lesen wir ab, dass die Kommunikationskanäle der Branche relativ schlecht abschneiden. Für die Entscheidung waren hingegen sehr stark Freunde, Verwandte, Bekannte ausschlaggebend", erklärt Leuchtmann. Die jungen Leute vermissten ausdrücklich die Ansprache durch Unternehmen via Social Media. Auf diesem Feld müssten die Unternehmen stärker aktiv werden. Außerdem seien Mitarbeiterempfehlungsprogramme sinnvoll, die Bestandsmitarbeiter belohnen, wenn sie das Unternehmen als Arbeitsplatz erfolgreich weiterempfehlen.

Die Branche braucht Hilfen für Recruiting

Darüber hinaus stellt das EBZ derzeit Arbeitshilfen für das Recruiting zusammen. Ein Ansatzpunkt sind dabei die Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen, die für die Berufsorientierung zuständig sind. "Die meisten Unternehmen wissen nicht einmal, dass es diese Funktion an jeder Schule gibt. Und auch nicht, wie man die betreffenden Lehrer sinnvoll anspricht oder wie man sich idealerweise an einem Berufsorientierungstag an einer Schule beteiligt", sagt Leuchtmann. Ein stärkerer Fokus müsse auf Schülerpraktika liegen. Diese hätten einen hohen Stellenwert in der Berufsentscheidung. "Und selbst wenn es in einem konkreten Fall nicht gepasst hat, dann erzählen Praktikanten in ihrem Umfeld, wenn sie sich im Unternehmen wohlgefühlt haben." Ein weiterer Ansatzpunkt seien Ferienprogramme für Schülerinnen und Schüler, bei denen beispielsweise die Metallbranche schon viel weiter sei. Einen ersten Versuch in diese Richtung gab es 2022 am EBZ unter dem Titel "Das Klimacamp der Wohnungswirtschaft". Mehrere Tage lang wurde dort mit jungen Leuten, darunter auch eine Abordnung von Fridays for Future, das Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Bezahlbarkeit des Wohnens diskutiert.

Inhaltlich spielen die Schritte, die nach einer Ausbildung kommen können, eine große Rolle. Über 90% der Auszubildenden am EBZ haben die allgemeine oder eine fachspezifische Hochschulreife. Ein knappes Viertel hat schon bei Beginn der Ausbildung die feste Absicht, im Anschluss zu studieren. "Auch aus den Erfahrungen von Unternehmen wird klar: Wenn sie die Studienoption von Anfang an in den Rekrutierungsprozess einbauen, bekommen sie bessere Leute."

Was die Strategie der Aus- und Weiterbildung betrifft, sieht Leuchtmann in der gesamten Branche Defizite an der Schnittstelle vom Kaufmännischen zum Technischen, gerade rund um Energie und Klimaschutz. Es gelinge Immobilienunternehmen kaum noch, Ingenieure, Architekten oder Techniker abzuwerben, weil diese in der Bauwirtschaft selbst und auch auf anderen Feldern begehrt und entsprechend hoch bezahlt sind. Inzwischen sei die Not so groß, dass Immobilienkaufleute zu Bauleitern umgeschult werden. "Wenn wir auf diesem Feld standhalten wollen, muss die Branche eigene Bildungsgänge entwickeln", fordert Leuchtmann. Flächendeckend und in allen Funktionen in Unternehmen müsse Kompetenz zur Nachhaltigkeit aufgebaut werden, "von den Aufgaben der Hausmeister über den Umgang mit Förderprogrammen bis hin zur Kundenkommunikation". Dazu komme ein ähnlich hoher Bedarf an Weiterbildung zur Digitalisierung. Das werde höhere Budgets zur Mitarbeiterentwicklung in Unternehmen nötig machen.

Volker Thies

Das Lernen wird flexibler

Am Stand der Gif sind neun Hochschulen zu Gast.

Am Stand der Gif sind neun Hochschulen zu Gast.

Quelle: gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V.

Karriere 04.10.2022
Zwei Trends beherrschen in diesem Jahr die Aus- und Weiterbildungen bei den insgesamt 23 Instituten, die auf der Expo Real vertreten sind. Inhaltlich dreht sich alles um ESG-Themen, ... 

Zwei Trends beherrschen in diesem Jahr die Aus- und Weiterbildungen bei den insgesamt 23 Instituten, die auf der Expo Real vertreten sind. Inhaltlich dreht sich alles um ESG-Themen, strukturell um individuelle Lernformen.

Janina Stadel

Die Branche ist in bei den Azubis

Unter den Ausbildungsberufen haben einige aus der Bau- und  Immobilienbranche die Nase vorn.

Unter den Ausbildungsberufen haben einige aus der Bau- und Immobilienbranche die Nase vorn.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: xyz+

Karriere 29.09.2022
Weil Berufe in der Bau- und Immobilienwirtschaft bei Jugendlichen als krisensicher und gut bezahlt gelten, steigt die Nachfrage nach Lehrstellen in der Branche. ... 

Weil Berufe in der Bau- und Immobilienwirtschaft bei Jugendlichen als krisensicher und gut bezahlt gelten, steigt die Nachfrage nach Lehrstellen in der Branche.

Knapp 21% weniger Bewerbungen für Lehrstellen haben Jugendliche im Vergleich zu 2016 im vergangenen Jahr geschrieben. Die Gründe dafür liegen zum einen im demografischen Wandel, denn die Jahrgänge werden kleiner und somit auch der Pool an Schulabsolventen, die für eine Ausbildung infrage kommen. Zum anderen verlassen immer mehr die Schule mit dem Abitur in der Tasche und qualifizieren sich damit für ein Hochschulstudium.

Doch während Berufe wie Metzger, Friseur sowie Tätigkeiten in der Gastronomie und Hotellerie nach Lebensmittelskandalen in der Presse und Stellenstreichungen während der Lockdowns immer unbeliebter werden, nimmt das Interesse, in die Immobilien- und Baubranche einzusteigen, bei jungen Leuten zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, für die Bewerberzahlen und abgeschlossene Ausbildungsverträge seit 2016 miteinander verglichen wurden. Das Fazit der Autoren: Die Bau- und Immobilienbranche lockt mit guten Gehältern, die zum Teil über dem Median aller Berufe liegen, sie verspricht Aufstiegs- und Karrierechancen und gilt als krisensicher und sinnstiftend beim Nachwuchs.

Diese Einstellung beobachtet auch der Handelsimmobilien-Spezialist MEC. Dort starteten im September zum ersten Mal zwei junge Frauen eine dreijährige Lehre zur Immobilienkauffrau. Das Unternehmen bietet die Ausbildung zusätzlich zu dualen Bachelor-Studiengängen an, um die Zielgruppe von qualifizierten Bewerbern zu verbreitern und Mitarbeiter schon in jungen Jahren an sich als Arbeitgeber zu binden.

Mit Erfolg: Rund 60 Interessierte reichten im Premierenjahr ihre Bewerbungsunterlagen ein. Mit dem Zulauf waren die Verantwortlichen zufrieden und organisierten einen Bewerbertag als spezielles Auswahlverfahren, bei dem die Kandidaten nach einer Vorauswahl in der Düsseldorfer Zentrale Aufgaben lösen mussten. Das Ziel war es, durch verschiedene Einzel- und Gruppenaufgaben herauszufinden, wie sich die jungen Talente im Team verhalten und mit Stresssituationen umgehen. "Mit den erbrachten Leistungen waren wir sehr zufrieden, sodass uns die finale Auswahl letztendlich nicht gerade leicht fiel. Am Ende haben wir daher auch berücksichtigt, welche der Kandidatinnen und Kandidaten sich am besten mit unserer wertebasierten Unternehmenskultur identifizieren", berichtet Ausbildungsbeauftragte Gina Wiening.

"Der primäre Ausbildungsort ist unsere Düsseldorfer Zentrale. Hier durchlaufen unsere Auszubildenden alle für das Berufsbild relevanten Abteilungen", erklärt sie das Konzept der Ausbildung. In jeder Abteilung bekommen die Azubis drei Monate lang Einblicke in die Praxis. Zusätzlich besuchen sie Handelsstandorte, um sich vor Ort mit dem Kerngeschäft des Unternehmens, dem Management von Handelsimmobilien, vertraut zu machen. "Da sie alle relevanten Fachbereiche durchlaufen, lernen sie die MEC von Grund auf kennen", sagt Wiening. Wichtig sei das, um die Nachwuchskräfte auf ihre weitere Karriere im Haus vorzubereiten, denn nach den drei Lehrjahren hat MEC noch einiges mit ihnen vor.

"Unser Ziel ist es, sie nach ihrem erfolgreichen Abschluss in verwaltungsbezogenen Positionen einzusetzen und somit langfristig ins Unternehmen zu integrieren", spricht die Ausbildungsbeauftragte über die Zukunftspläne. Doch bis die ersten Lehrstellen ausgeschrieben werden konnten, musste MEC nicht nur den Ablauf im Unternehmen organisieren, sondern auch einen passenden Partner für den theoretischen Teil der Ausbildung finden.

Weil in Düsseldorf keine Berufsschule die Ausbildung begleiten konnte, wich das Unternehmen auf eine Kooperation mit dem Europäischen Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) in Bochum aus. Der Anfahrtsweg musste bei der Gestaltung der Zeitpläne im Betrieb mitgedacht werden. "Das Bildungszentrum bietet Blockunterricht und die Möglichkeit, vor Ort zu übernachten", erklärt Wiening. Für die Auszubildenden bedeutet das nun alle drei Wochen einen Wechsel zwischen den Schulungen in Bochum und der Ausbildung im Betrieb.

Früher Einstieg sorgt für Bindung an Arbeitgeber

Beim Beratungsunternehmen BNP Paribas Real Estate gibt es mehr Auszubildende als Studierende. Obwohl das Interesse an einem dualen Studium seit Jahren kontinuierlich steigt, stehen in diesem Jahr neun dualen Studenten 14 Azubis gegenüber. Während ein Fachabitur für ein duales Studium Voraussetzung ist und erste Berufserfahrungen oder Praktika erwünscht sind, ist der Einstieg als Azubi mit einem guten Realschulabschluss möglich. Der Nachwuchs lernt dann in beiden Fällen Kollegen, Kunden und den Markt im Unternehmen kennen und baut sich ein Netzwerk auf, um nach dem Abschluss "bestens für eine langfristige Karriere vorbereitet zu sein".

Deutschlandweit entschieden sich im vergangenen Jahr fast 2.670 Bewerber für eine Ausbildung ohne Studium, die sie für eine berufliche Tätigkeit in Immobilienvertrieb oder -verwaltung qualifiziert. Das sind fast 13% mehr als fünf Jahre zuvor. "Immobilienkauffrau und Immobilienkaufmann sind weiterhin beliebte Berufsbilder", heißt es von Strabag Property and Facility Services. Dort besteht für die fünf angebotenen Azubistellen pro Jahr kein Bewerbermangel.

Nachhaltige Technik lockt junge Auszubildende an

Noch stärker gestiegen ist das Interesse an technischen Berufen, die junge Leute mit der Reduzierung von CO2-Ausstößen in Gebäuden und somit mit dem Thema Nachhaltigkeit assoziieren. So etwa in der Bautechnik und im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Insgesamt kamen die Berufe auf knapp über 31.000 Interessenten im letzten Ausbildungsjahr, das Interesse ist in den Sparten seit 2016 um rund 20% gestiegen. Die Autoren der IW- Studie sehen zudem die verstärkte mediale Präsenz von Handwerker- und Technikerberufen in Social Media als einen Grund für die erhöhte Bewerberzahl.

Beim Unternehmen Caverion, Anbieter von technischer Gebäudeausrüstung, Facility-Services und Energiedienstleistungen, starteten in diesem Jahr 60 Jugendliche ihre Ausbildung, "so viele wie seit Jahren nicht mehr", bestätigt eine Unternehmenssprecherin. Strabag Property and Facility Services besetzte 2022 allein zwölf Azubistellen für Kältemechatroniker. Durch den Einsatz von Nachwuchskräften erhofft sich das Unternehmen eine höhere Innovationsfähigkeit, will Fachkräftemangel vorbeugen und Fehlbesetzungen minimieren, wenn Wechsler aus anderen Unternehmen geholt werden müssen.

Der technische Gebäudedienstleister Spie setzt auf regionale Nähe, um möglichst viele geeignete Azubi-Kandidaten für sich zu gewinnen. Dafür bietet das Unternehmen seine 36 technischen und kaufmännischen Ausbildungen an rund 90 Standorten in ganz Deutschland an, "sodass die jungen Talente sie auch ganz in ihrer Nähe beziehungsweise in ihrer Wunschregion finden", erklärt Bianca Stöhr, Leiterin People, Culture & CSR für Deutschland und Zentraleuropa. Zusammen mit den zehn Bachelorstudiengängen, die das Unternehmen zusätzlich anbietet, kommt Spie jährlich auf rund 300 neue Nachwuchskräfte. "In Zukunft möchten wir noch stärker auf den eigenen Nachwuchs setzen und wollen eine Ausbildungsquote von 10%", kündigt Stöhr an.

Hohe Übernahmequote bei allen Unternehmen

In der Baubranche verbuchte der Tiefbau den größten Bewerberzuwachs. Die Zahl der Interessenten ist seit 2016 um mehr als 40% gestiegen. Darauf reagieren die Unternehmen mit einem ständig wachsenden Ausbildungsangebot. Der Soka Ausbildungs- und Fachkräftereport der Bauwirtschaft verweist auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die einen Zuwachs an angebotenen Stellen von 1,3% im Hoch- und im Tiefbau allein im Jahr 2021 anzeigen. Beim Bauunternehmen Züblin sind die ausbildenden Direktionen deshalb permanent dran, mehr Stellen zu schaffen und die Zielberufsbilder zu verfeinern. Die Übernahmequote der inzwischen fast 40 auszubildenden Spezialtiefbauer pro Jahr liegt im Unternehmen bei 80%.

Die dauerhafte Bindung des Nachwuchses ans Unternehmen ist für die ausbildenden Betriebe die größte Motivation, Lehrstellen anzubieten. Die Quote an direkten Übernahmen von Azubis lag bei Spie in den vergangenen Jahren bei 90%. "Die weiteren 10% entscheiden sich meist für die direkte Weiterbildung zum Meister oder für ein weiterführendes Studium", erklärt Stöhr, "diesen Weg unterstützen wir sehr gerne, halten den Kontakt – und freuen uns darauf, die ehemaligen Auszubildenden danach wieder bei uns zu begrüßen."

Janina Stadel