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Der Arbeitsmarkt wird enger - Der Berufseinstieg wird wieder zu einer echten Jobsuche

Die Corona-Krise dämpft die Erwartungen - Frage: Wie gut sind deines Erachtens die Chancen auf einen direkten Berufseinstieg nach deinem Studium?

Die Corona-Krise dämpft die Erwartungen - Frage: Wie gut sind deines Erachtens die Chancen auf einen direkten Berufseinstieg nach deinem Studium?

© Immobilien Zeitung; Quelle: IZ-Arbeitsmarktumfrage 2021

Karriere 27.05.2021
Die Aussichten für Berufseinsteiger in der Immobilienbranche sind weiterhin gut. Doch die ganz fetten Jahre sind vorbei: Die Auswahl an Einsteigerjobs ist geschrumpft, die Firmen agieren ... 

Die Aussichten für Berufseinsteiger in der Immobilienbranche sind weiterhin gut. Doch die ganz fetten Jahre sind vorbei: Die Auswahl an Einsteigerjobs ist geschrumpft, die Firmen agieren wählerischer. Es ist mehr Mühe nötig, um den Traumjob nebst passendem Gehalt zu finden. Die Arbeitsmarktumfrage 2021 der Immobilien Zeitung (IZ) zeigt, dass die Erwartungen des Nachwuchses etwas gesunken sind - das Selbstbewusstsein aber bleibt groß.

Die große Mehrheit der Studierenden rechnet sich weiterhin allerbeste Chancen auf einen direkten Berufseinstieg nach dem Studium aus. Rund drei Viertel derer (74%), die sich im Frühjahr 2021 an der Umfrage der IZ beteiligt haben, bewerten ihre Aussichten, nach dem Abschluss vom Fleck weg im Beruf durchzustarten, als gut oder sogar sehr gut.

So unfassbar gut wie vor dem ersten Lockdown, als Unternehmen nicht früh genug um die Studierenden buhlen konnten und gefühlt jedem Absolventen mit Bau- und Immobilien-Know-how der rote Teppich ausgerollt wurde, sind die Perspektiven aber nicht mehr. Und so sind etliche Studierende immobilienwirtschaftlicher Fachrichtungen, die sich den Fragen der IZ-Arbeitsmarktumfrage 2021 gestellt haben, beim Einstieg zu Abstrichen bereit. Allerdings ist auch klar: Absolventen anderer Branchen wären froh über die Jobaussichten, die die Immobilienbranche Berufseinsteigern auch im zweiten Corona-Jahr noch zu bieten hat.

Spurlos geht die Pandemie jedoch an der Immobilienwelt ebenfalls nicht vorbei. Im Jahr 2019 - dem Vor-Corona-Jahr - waren noch 92% der Teilnehmer der damaligen Umfrage überzeugt, locker einen guten Job nach dem Abschluss zu kriegen. Im vergangenen Jahr fiel der erste Lockdown mitten in die Umfrage. Die Zäsur war bereits deutlich sichtbar: 2020 sank der Anteil der Optimisten auf 78%.

Zwei Drittel müssen noch auf Jobsuche gehen

Gute Jobs für Einsteiger gibt es in der Immobilienwirtschaft immer noch viele - allerdings nicht mehr ganz so zahlreich. Gut jeder dritte Studierende - 35,5% oder 147 der 414 Teilnehmer - gibt an, schon eine Stelle für danach zu haben. Umgekehrt heißt das: Fast zwei Drittel müssen sich noch auf Jobsuche machen. Alle Studierenden, die an der Umfrage teilnahmen, werden spätestens 2022 mit dem Studium fertig. Was die diesjährigen Umfrageteilnehmer von den Vorgängergenerationen unterscheidet: Die Gewissheit, zügig ans Ziel zu gelangen, ist so manchem abhanden gekommen.

Natürlich hat Corona nicht jede Assetklasse und nicht jedes Geschäftsmodell getroffen. Doch die Unsicherheit, wie sich die Krise auf die Immobilienmärkte auswirkt, lässt einige Arbeitgeber bei Neubesetzungen vorsichtiger agieren, speziell bei Einsteigern. Diverse Unternehmen zogen im vergangenen Jahr Stellenanzeigen für Studierende zurück - die nun so langsam wieder auf den Jobbörsen erscheinen. Das heißt schon rein mathematisch, dass die Chancen auf einen Direkteinstieg nach dem Studium schrumpfen, weil es weniger Arbeitsplätze bei derselben Anzahl an Absolventen gibt. "Es ist deutlich schwieriger eine neue Arbeitsstelle zu finden, das war vor Corona eigentlich nie ein Problem", resümiert ein Teilnehmer der diesjährigen IZ-Umfrage.

Einige der Erlebnisse, von denen Studentinnen und Studenten derzeit berichten, gab es vor Corona so nicht: Studierende, die zu Beginn ihres Praxissemesters noch keinen Praktikumsplatz haben. Bachelorabsolventen, die ihre Abschlussarbeit um ein Semester verlängern oder gleich einen Master dranhängen, weil sie keinen Job finden. Und es gibt diejenigen, die die Pandemie-Zeit mit Praktika aussitzen, um über diesen Umweg eine Festanstellung zu finden. Auch befristete Verträge für Absolventen sind offenbar Realität geworden.

Die Art und Weise, wie manche Arbeitgeber in der Krise agiert haben, hinterlässt beim Nachwuchs Spuren. Das zeigt unter anderem dieser Umfrage-Kommentar: "Während der Corona--Pandemie konnte man die Vorgehensweisen einiger Unternehmen mitverfolgen: Praktikanten und Werkstudenten etc. wurden entlassen. Das hat mich geprägt und ich habe es im Hinterkopf behalten. Die Angst, den Job zu verlieren, da man noch am Anfang seiner Karriere ist, ist groß."

Abschlussarbeit verlängern, Master dranhängen

Mancher bekamen den Einschnitt am eigenen Leib zu spüren: "Mein Unternehmen musste Mitarbeiter entlassen wegen Corona; dualen Studenten wurde die Übernahmegarantie gekündigt. Auf mich persönlich hat Corona daher einen erheblichen Einfluss, da mir nach meinem Studium wahrscheinlich gekündigt wird, statt dass ich ein Jobangebot erhalte."

Die Krise - es ist das dritte digitale Semester - macht den Studierenden zu schaffen, nicht nur wegen der Distanzvorlesungen ohne Kontakt zu Kommilitonen und Dozenten. -"Dieses Semester gab es ganz viele Absagen für Praktika, einige meiner Kommilitonen suchen immer noch nach einem Praktikumsplatz für das Semester, obwohl es schon am

15. März begonnen hat", sagte Alina Haser, zweite Vorsitzende der Initiative Students Meet Real Estate an der Technischen Hochschule Aschaffenburg, der IZ Ende April. "Dabei suchen diejenigen, bei denen das Praxissemester auf dem Programm steht, schon seit Januar nach einem Platz."

Aufgrund der kleineren und größeren Erschütterungen, für die Corona & Co. in der Immobilienwirtschaft gesorgt haben, hat sich der Fokus in Richtung eines sicheren Arbeitsplatzes verschoben. Das belegen die Antworten vieler Studierender.

Für Existenzängste ist noch kein Platz

Von Existenzängsten sind die Nachwuchskräfte trotzdem nicht getrieben. Der Fachkräftemangel und der demografische Wandel haben sich schließlich nicht einfach in Luft aufgelöst. Wer das nötige Rüstzeug mitbringt, ist sich seiner Sache immer noch sicher: "Die Kombination aus Bachelor, Master und Berufserfahrung ist unschlagbar", schreibt einer der Studenten selbstbewusst. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Sinnhaftigkeit des Jobs und die Unternehmenskultur im Ranking der wichtigsten Punkte bei der Jobwahl weit oben stehen (siehe Grafik "Der Sinn im Job und die Unternehmenskultur sind den Studierenden sehr wichtig") - und nicht die Sicherheit des Arbeitsplatzes.

Wohl dem, der dann noch ein Alleinstellungsmerkmal mitbringt, z.B. in Sachen Digitalisierung. Wie Felix Hauswirth, der dieses Jahr seinen Master in Bauprozessmanagement und Immobilienwirtschaft an der Technischen Universität Dortmund macht. "Auf der digitalen IZ-Karrierewoche im Oktober 2020 haben mich vier Unternehmen von sich aus kontaktiert - ich habe kein einziges angeschrieben." Zwei dieser vier Unternehmen hätten ihm angeboten, den klassischen Bewerbungsprozess mit einem Assessment-Center zu umgehen, und ihn direkt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Das Interesse an seiner Person erklärt sich Hauswirth damit, dass er im Studium sein Faible für Building Information Modeling (BIM) entdeckt hat. Nebenher arbeitet er bei einem kleinen Proptech für BIM-Beratung, das eine Neugründung zweier Lehrender seiner Hochschule ist. "Bei zukunftsträchtigen Themen wie BIM wird eingestellt", sagt Hauswirth. "Immobiliendienstleister, große Wohnungsgesellschaften und Planungsbüros haben BIM für sich entdeckt und stellen eigene Leute ein, die diesen Bereich für sie aufbauen sollen."

Ohne Alleinstellungsmerkmal wird es schwieriger

Es gilt jedoch: Die Kombination aus Bachelor, Master und Berufserfahrung ist ohne Alleinstellungsmerkmal kein Garant mehr dafür, dass die Jobsuche in der Immobilien- und Baubranche zum Selbstläufer wird. Hauswirth kennt Beispiele für erschwerte Startbedingungen aus dem eigenen Umfeld. Ein Freund aus Hamburg habe Abstriche bei seiner Gehaltsvorstellung machen müssen. Ein anderer Freund aus Dresden musste zudem Zugeständnisse bei der konkreten Tätigkeit und der Reputation möglicher Arbeitgeber machen. Dabei haben beide Kumpels einen Masterabschluss in der Tasche. Vor allem der Freund, der "beziehungsbedingt" in den Osten gezogen sei, habe "wirklich gestruggled" und noch ein halbes Jahr nach dem Abschluss nach einem Job in der neuen Heimat gesucht. Dabei war er "mit Abstand Jahrgangsbester" eines dualen Bachelor-Studiums (Bau-ingenieurwesen, Schwerpunkt Holzbau), brachte eine Zimmererlehre und Berufserfahrung als Zimmerer in einer Holzbaufirma im Stuttgarter Einzugsgebiet mit.

Bachelorabsolventen brauchen Eigeninitiative

Wenn sich schon berufserfahrene Masterabsolventen schwer tun, eine Stelle zu finden, dürfte es für Abgänger mit einem Bachelor erst recht nicht leichter geworden sein. "Die Jobsuche ist schwierig", bestätigt denn auch ein Aschaffenburger Bachelorabsolvent des Studiengangs Internationales Immobilienmanagement, der nicht mit Namen genannt werden möchte. "Besonders im Asset-Management und im Investment ist es sehr schwierig, überhaupt eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch zu erhalten. Im Vorstellungsgespräch bei einer Investmentboutique sagte mir der Managing Director, dass er ehrlicherweise vorzugsweise einen Master, am besten einen Master of Science, einstellen würde." Die Quote an Absagen schätzt der Aschaffenburger Absolvent auf 80%, und die Einladungen, sich vorzustellen, resultieren allesamt aus Initiativbewerbungen.

Viele Immobilienunternehmen verspüren angesichts eines ungewissen Ausblicks nicht mehr den ganz großen Druck, sich mit vielversprechenden jungen Köpfen eindecken zu müssen. Nicht nur haben diejenigen mit einem Bachelor als Abschluss tendenziell etwas weniger gute Karten. Die Unternehmen schauen auch bei der Vita und den Noten der Bewerber genauer hin. Außerdem wird der Wettbewerb insgesamt etwas schärfer. "Gute Leute werden immer noch gesucht, mittelmäßige und weniger gute Absolventen haben dagegen Probleme", sagt Stefanie Saß, Geschäftsführerin der auf Nachwuchskräfte für die Bau- und Immobilienbranche spezialisierten Personalberatung Engagingtalents.

Gute Leute werden immer gesucht

Saß arbeitet vor allem für Family-Offices und Projektentwickler. Langeweile verspürt sie nicht: "Ich habe immer noch genug Aufträge von Unternehmen, die Junior-Leute suchen und die normale Headhunter-Provision zu zahlen bereit sind." Dazu passt, dass die Projektentwicklung mit weitem Abstand das beliebteste Betätigungsfeld ist (siehe Grafik "Projektentwicklung ist und bleibt die Königsdisziplin").

Der typische Student will am liebsten in Frankfurt Wohnimmobilien entwickeln. Berlin liegt in der Rangliste gefragter Standorte nur auf Platz fünf hinter der Mainmetropole, Hamburg, München und Stuttgart. Bei den Assetklassen, die als Arbeitsfelder am beliebtesten sind, rangiert das Büro knapp hinter der Wohnung, aber doch sehr deutlich vor dem Laden. Der Einzelhandel wiederum wird immer noch ein bisschen mehr gemocht als die Logistikimmobilie. Betreiber- und Industrieimmobilien folgen mit etwas Abstand.

Eine Masterabsolventin, die nicht nur kaufmännisches, sondern auch technisches Know-how besitzt, kann Saß‘ Aussage über die "guten Leute" bestätigen. Sie erzählt, sie habe nach dem Master sofort eine Traineestelle bei einem namhaften Wohn- und Gewerbeprojektentwickler bzw. Asset-Manager im Rhein-Main-Gebiet ergattert. Geschrieben habe sie nur vier Bewerbungen, jeweils im Development. Das Ergebnis waren drei Vertragsangebote.

Zufrieden war die Absolventin trotzdem nicht ganz. Ihr absoluter Favorit, ein beim Nachwuchs extrem beliebter Asset-Manager und Gewerbeentwickler mit Hauptsitz in Berlin, habe ihr lediglich eine Praktikantenstelle an seinem Standort im Rhein-Main-Gebiet angeboten - zu einem Praktikantengehalt, also ohne Master-Aufschlag. Der Leiter der Frankfurter Niederlassung des Unternehmens habe sich zwar sichtlich um sie bemüht, ihr aber keine schriftliche Zusage für eine Übernahme in ein festes Anstellungsverhältnis nach dem Praktikum machen können. Diese Aussicht war der Einsteigerin zu vage - zumal andere Arbeitgeber deutlich mehr boten. Die Einzige, der es mit der "Lieblingsfirma" so ergangen ist, ist sie nicht.

Jobs gibt es, man muss sie nur suchen

40 Bewerbungen stehen bei Quentin Uttenweiler zu Buche und die Schreibarbeit hat sich für ihn gelohnt. Der 24-jährige -Bachelorabsolvent in Immobilienwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) hat im März eine Stelle als Investment Analyst Real Estate bei Garbe Industrial Real Estate in Hamburg angetreten.

"Die Profs haben uns seit dem ersten Semester immer gesagt, dass die Unternehmen auf die Absolventen zugehen und nicht umgekehrt und dass wir in der Immobilienwirtschaft extrem gute Chancen haben", erzählt Uttenweiler, der seinen Abschluss Ende 2020 gemacht. Lange vorher fing er damit an, Bewerbungen zu verschicken - im Nach-hinein betrachtet in weiser Voraussicht.

80% Absagen, weniger Lohn im Angebot

Denn es hagelte Absagen, Uttenweiler beziffert sie auf ca. 80%. Und bei mancher Zusage für eine Stelle war der junge Mann aus Süddeutschland ziemlich enttäuscht über die angebotenen Gehälter, die bis zu 40% unter seinen Vorstellungen lagen. "Teils wurden Masterabsolventen bevorzugt", erinnert er sich. Bei Garbe habe er einen krisensicheren, weil in einer boomenden Assetklasse beheimateten Arbeitsplatz gefunden.

So viel Erfolg wie Uttenweiler hatten nicht alle Kommilitonen seines Jahrgangs. Von 35 Leuten, die mit ihm fertig geworden sind bzw. es hätten werden sollen, sind bislang nur fünf, sechs in festen Händen. Der große Rest verlängert mangels Möglichkeit zum direkten Berufseinstieg das Bachelorstudium oder lässt sich für die Bachelorarbeit etwas mehr Zeit. Die weiteren Alternativen sind: gleich einen Master anschließen und Werkstudentenjobs.

Aschaffenburgerin Haser sieht die Neigung zum immobilienspezifischen Master jedenfalls wachsen. "Ein Kommilitone von mir schreibt gerade seine Bachelorarbeit, er wird im Sommer fertig. Aber was soll er dann machen?" Sollte er nach dem Abschluss keine Stelle finden, müsste er ein Jahr überbrücken, bis der nächste Masterjahrgang 2022 startet. Also sattelt der Kommilitone vermutlich direkt den Master drauf. "Die Unsicherheit ist groß. Bevor man umsonst plant, plant man lieber einfacher", erklärt Haser. Sie selbst wird 2022 mit ihrem Bachelor in Internationalem Immobilienmanagement fertig. Sie wollte ohnehin den Master machen, aber "jetzt erst recht wegen der verhaltenen Stimmung".

Pirmin Schuster ist schon einen Schritt weiter. Er schließt sein Masterstudium BWL/Bau und Immobilien in Biberach demnächst ab. Bewerbungen hat er noch nicht verschickt. Zwar seien, "gefühlt weniger Ausschreibungen als vor zwei Jahren zu finden", doch weil viele seiner ehemaligen Mitstudierenden aus dem Bachelorstudium auch ohne Master einen "tollen Job gefunden haben", macht er sich keine Sorgen. Einen gewissen Pragmatismus hält Schuster für angebracht. "Ich gehe davon aus, dass Absolventen nicht mehr so wählerisch sein können wie vorher. Eventuell sucht man nicht mehr ausschließlich in seiner Wunschstadt, sondern erweitert den Radius. Auch sollten verschiedene Tätigkeiten infrage kommen." Wichtig findet es Schuster, direkt nach dem Studium überhaupt einen Einstieg in einem Unternehmen zu finden, "auch wenn es möglicherweise noch nicht zu 100% der eigenen Wunschvorstellung entspricht und man einige Abstriche machen muss". Denn nach ein, zwei Jahren, argumentiert er, mag sich der Corona-Sturm verzogen haben und können sich "ganz neue Möglichkeiten eröffnen".

Abstriche beim Gehalt von bis zu 20% denkbar

Annähernd jeder vierte Teilnehmer der diesjährigen IZ-Arbeitsmarktumfrage - 111 von 414 Personen - würde ein geringeres Einstiegsgehalt abnicken als vor einem Jahr. Angesichts des Anstiegs der Gehaltsforderungen vor der Pandemie ist das bemerkenswert. Der Umfang des "Verzichts" reicht von 5% bis 20% bzw. von 3.000 bis 15.000 Euro im Jahr. Der durchschnittliche Gehaltswunsch liegt nun bei 48.900 Euro brutto jährlich - das sind 3,5% weniger als 2020. Die Gehaltsvorstellungen sind dabei nicht nur im Durchschnitt gesunken, sondern quer durch die Bank: bei Bachelor- und Masterabsolventen, bei Männern und Frauen.

"Ja, ich würde mich mit einem geringeren Einstiegsgehalt zufrieden geben als vor Corona, wegen einer gewissen Unsicherheit", räumt denn auch einer der Studenten ein.

Haser allerdings sieht ihren Marktwert nicht geschrumpft. "Meine Gehaltsvorstellung würde ich nicht runterschrauben, die Arbeit wird ja nicht weniger - im Gegenteil." Die junge Frau spricht aus Erfahrung: Sie ist beim Immobilienarm einer großen US-Versicherung als Werkstudentin beschäftigt. So wie sie sehen das viele: In der Immobilienwirtschaft gibt es mehr zu tun als früher, es gibt also keinen Grund, warum die Nachfrage nach qualifiziertem Personal sinken sollte.

Mehr Geduld scheint ebenfalls zu helfen. Ein 25-Jähriger, der im September seinen Master in Immobilienwirtschaft an der Irebs abschließt, hat auf sechs Bewerbungen fünf Absagen erhalten. "Entweder es hieß, ich bin zu früh dran, oder ich bekam gar keine Reaktion." Eine Bewerbung mündete immerhin in eine Werkstudentenstelle im Fondsmanagement einer französischen Großbank. "Ich hatte mich eigentlich für das Traineeprogramm beworben. Im Juni wollen wir uns nochmal zusammensetzen." Bedenken, bis spätestens Anfang 2022 nichts gefunden zu haben, hat der junge Mann nicht.

Der Elan von Tizian Dreizner ist jedenfalls ungebremst. Dreizner schreibt momentan seine Masterarbeit im Fach Facility- und Immobilienmanagement an der Hochschule Anhalt in Dessau. Seine Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Corona auf den Immobilienmarkt. Er will im September dann durchstarten. Schon ein halbes Jahr vor seinem Abschluss begann Dreizner damit, Bewerbungen zu schreiben. "Stand heute liege ich genau bei 60", berichtet er. Auf knapp die Hälfte erhielt Dreizner eine Absage: "Die meisten Unternehmen benötigen sofort jemanden."

Elf Mal wurde Dreizner zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Diese mündeten in drei Jobangebote, die Dreizner jedoch ausschlug. Seine Einschätzung der Einstiegschancen in der Immobilienbranche ist unverändert: "Die Marktlage ist immer noch sehr gut, um einen vernünftigen Einstiegsjob zu bekommen."

Es mangelt nicht an Zuversicht

An Zuversicht mangelt es dem Nachwuchs also nicht. Ebenso wenig fehlt ihm das Selbstbewusstsein: "Meine letzten Anstellungen sowie die Masterarbeit mit Audi und meine Spezialisierung auf eine kombinierte ökologisch-ökonomische Investitionssicht auf Immobilien öffnen mir besondere Möglichkeiten", ist Delano Graf überzeugt. Der 26 Jahre alte Masterstudent von der Fachhochschule Münster, Fachrichtung Immobilien- und Facility-Management, sieht die Sache so: "Viele Unternehmen wollen und müssen sich strategisch mit Nachhaltigkeitsthemen auseinander-setzen - hier komme ich ins Spiel." Positives Feedback habe er beispielsweise in einem Assessment-Center von Deloitte erhalten. "Ich weiß mich zu verkaufen und sehe kein Problem, zeitnah einen Job zu finden."

Dazu passt die Aussage eines Teilnehmers der IZ-Umfrage: "Der Immobilienmarkt performt nach wie vor gut, und weiterhin ist viel Geld im Markt. Daher würde ich eine Gehaltsvorstellung zwischen 50.000 und 60.000 Euro immer noch als realistisch einschätzen." Die Sorgenfalten von Immobilienstudenten fallen also doch eher klein aus.

Harald Thomeczek

Tauziehen ums Einstiegsgehalt

Absolventen rufen mitunter sportliche Gehaltsforderungen auf. Nicht im Bild: Die Chefs am anderen Ende des Taus.

Absolventen rufen mitunter sportliche Gehaltsforderungen auf. Nicht im Bild: Die Chefs am anderen Ende des Taus.

Quelle: imago, Urheber: Shotshop

Karriere 20.05.2021
Eine gute und eine schlechte Nachricht haben Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen für Absolventen. Die gute: Die von den Studierenden ... 

Eine gute und eine schlechte Nachricht haben Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen für Absolventen. Die gute: Die von den Studierenden befragten Immobilienunternehmen haben die Einstiegsgehälter wegen Corona keineswegs abgespeckt. Die schlechte: Die Gehaltsforderungen der Berufseinsteiger sind häufig zu hoch gegriffen - um bis zu 40%.

Viele Studenten haben nach dem Abschluss ihres Studiums zu ambitionierte Gehaltsvorstellungen. Durch die Corona-Pandemie haben sich diese Vorstellungen etwas gedämpft, sodass die Erwartungen der Absolventen um ca. 4% zum Vorjahr gesunken sind, wie die Arbeitsmarktumfrage 2020 der Immobilien Zeitung gezeigt hat", sagt Donatus Adepitan, Immobilienstudent an der HfWU. "Das gab uns Anlass zu der Annahme, dass die Gehälter, welche die Firmen Absolventen in der Corona-Pandemie zu zahlen bereit sind, ebenfalls gesunken sind - und das wollten wir untersuchen."

Gesagt, getan: Adepitan und seine Kommilitonin Caroline Ziegler schrieben mehr als 1.700 Immobilienfirmen mit der Bitte um Unterstützung an: 630 in Deutschland tätige Immobilienunternehmen mit Fokus auf die sieben A-Städte Berlin, München, Frankfurt, Hamburg, Köln, Düsseldorf und Stuttgart sowie knapp 1.000 Wohnungsunternehmen und rund 150 Firmen, die sich an den Career Days der Hochschule beteiligt hatten. Die Befragung lief von Anfang Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021.

Ursprünglich wollten die Nachwuchskräfte nicht nur nach der Entwicklung der Einstiegsgehälter und der Angemessenheit der Gehaltsvorstellungen von Absolventen fragen, sondern auch nach konkreten Gehaltsangeboten bzw. Gehältern in absoluten Zahlen. Von dieser Idee kamen sie jedoch schnell wieder ab: Zu groß war die Sorge, dann kaum noch verwertbare Ergebnisse von den Arbeitgebern zu erhalten. Und diese Furcht war nicht unbegründet: Der Rücklauf fiel mit 57 Teilnehmern auch so schon eher überschaubar aus. Wobei die Initiatoren der Befragung von einer "zufriedenstellenden Rücklaufquote von 3,2% bei einem heiklem Thema" sprechen.

Als repräsentativ sind die Resultate der Befragung daher nicht einzustufen. Die Umfrage hält dennoch Erkenntnisse parat, die aufhorchen lassen. "Das Ergebnis war durchaus überraschend: Kaum einer der 57 Teilnehmer gab an, dass sich die Gehälter durch die andauernde Krise nach unten korrigiert haben!", staunt Masterstudent Adepitan. Sein Fazit: "Dies zeigt deutlich, dass selbst in dieser andauernden Pandemie die Immobilienbranche als Ganzes kaum an Attraktivität für Nachwuchsakademiker verloren hat und eine Ausbildung in der Immobilienbranche durchaus eine krisensichere Investition ist."

In Zahlen ausgedrückt: Nur zwei Firmen haben die Angebotsgehälter für Einsteiger heruntergeschraubt, und zwar um 8% bis 10% bzw. um mehr als 10%. Allerdings beantworteten sieben Unternehmen die Frage nicht, das lässt einen gewissen Interpretationsspielraum.

So erfreulich es für Studierende ist, zu hören, dass Arbeitgeber aus der Branche nicht bei Absolventengehältern sparen: Die ganze Wahrheit ist das nicht. Nicht ganz unwichtig ist schließlich, von welchen Gehältern in absoluten Zahlen die Rede ist. Und dazu sagt die Umfrage nichts.

Noch interessanter ist die Frage, ob das, was die Unternehmen (immer noch) zu bieten bereit sind, auch dem entspricht, was die Studierenden sich vorstellen. Dazu wiederum liefert die Umfrage sehr wohl Erhellendes: Sie zeigt ziemlich deutlich, dass die Gehaltsvorstellungen vieler Immobilienabsolventen zu hoch gegriffen sind. Viel zu hoch. Zumindest für den Geschmack relativ vieler Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten.

Ein stattlicher Anteil von 40% der teilnehmenden Immobilienunternehmen (19 von 47, bei zehn Enthaltungen) bestätigt in der Umfrage die Annahme, dass die Gehaltsvorstellungen der Absolventen von den Angeboten der (potenziellen) Arbeitgeber abweichen - natürlich nach oben. Rund die Hälfte der Personaler wird mit Abweichungen von bis zu 10% konfrontiert. Die andere Hälfte sieht die Forderungen 15%, 20%, 30% oder gar 40% über dem angebotenen Einstiegsgehalt liegen. Wohlgemerkt: Gestellt wurden die Forderungen mitten in der Krise, und kaum ein Arbeitgeber hat das Einstiegsgehalt grundsätzlich wegen Corona nach unten korrigiert.

Ein Masterabschluss wird nicht in allen Firmen automatisch besser dotiert

Die Umfrage der HfWU-Studierenden fördert auch andere interessante Aspekte zur Vergütung von Einsteigern zutage. Zum Beispiel zu der von Studierenden immer wieder gern gestellten Frage, ob ein Master-Abschluss per se mehr wert ist als ein Bachelor-Abschluss. Und siehe da: Fast zwei Drittel (63%) der Firmen setzen wirklich ein höheres Einstiegsgehalt an, wenn ein Kandidat einen Master von der Hochschule mitbringt. Andererseits heißt das auch, dass 37% Masterabsolventen nicht allein wegen dieses Titels zum Einstieg besser bezahlen, was man wie Adepitan und Ziegler durchaus überraschend finden kann: "Unerwartet oft sind Bachelor- und Master-Absolventen gleichgestellt!"

Eine weitere Frage, die sich Studierende und vor allem Absolventen häufig stellen, lautet: Werden Einsteiger nach einer vorgegebenen Gehaltstabelle bezahlt oder werden die Gehälter individuell bestimmt? Die Antwort mit Blick auf die HfWU-Umfrage: 36% zahlen nach Tabelle, 64% individuell.

Vor der Gehaltsverhandlung steht allerdings die Jobsuche. "Gerade am Anfang der Pandemie habe ich mitbekommen, dass es wirklich schwierig war." Das lag nicht nur an Einstellungsstopps, sondern schlicht an den Umständen: "Manche meiner Bachelor-Kommilitonen, die nicht direkt mit dem Master weitergemacht haben, mussten im Homeoffice eingearbeitet werden - es sind aber nicht alle Unternehmen bereit dazu, Einsteiger im Homeoffice onzuboarden", erzählt Adepitan.

Dass Stellen für Einsteiger noch immer nicht so breit gesät sind wie vor der Pandemie, darauf deutet ein weiteres Ergebnis der HfWU-Umfrage hin. "Haben Sie während der Corona-Zeit Bewerbungsgespräche mit Berufseinsteigern geführt und diesen ein Job-Angebot gemacht?", wollten Adepitan und seine Kommilitonin wissen. Die Antwort: Immerhin 19 der 57 Unternehmen - also genau ein Drittel - haben das nicht getan.

Und was will Adepitan selbst im Jahr verdienen, wenn er seinen Master in Immobilienmanagement in der Tasche hat? "Mit einem Master liegt man vielleicht irgendwo um die 50.000 Euro herum - ich nehme aber auch mehr."

Wie sich die Gehaltsforderungen von Immobilienabsolventen in Corona-Zeiten entwickelt haben, was beliebte Arbeitgeber aus der Branche von den Gehaltswünschen des Nachwuchses halten und wie viele Jobs es für Einsteiger nach einem Jahr Corona noch bzw. wieder gibt, lesen Sie im IZ-Magazin Immobilienkarriere, das am 27. Mai erstmals erscheint.

Harald Thomeczek

Virtuelle Tuchfühlung mit potenziellen Arbeitgebern

So manches Meeting auf der IZ-Karrierewoche entwickelte sich von einem Kennenlernen zu einem echten Vorstellungsgespräch.

So manches Meeting auf der IZ-Karrierewoche entwickelte sich von einem Kennenlernen zu einem echten Vorstellungsgespräch.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: New Africa

Karriere 12.11.2020
Es gab schon bessere Zeiten für einen Berufseinstieg in der Immobilienbranche: Halb so viele Arbeitgeber, halb so viele Jobs wie 2019 - das ist die nackte Bilanz der digitalen ... 

Es gab schon bessere Zeiten für einen Berufseinstieg in der Immobilienbranche: Halb so viele Arbeitgeber, halb so viele Jobs wie 2019 - das ist die nackte Bilanz der digitalen IZ-Karrierewoche 2020. Die gute Nachricht: Corona hin oder her, es gibt noch jede Menge Immobilienunternehmen, die einstellen. Den Teilnehmern sind die Einschläge zwar nicht verborgen geblieben, doch die Zuversicht überwiegt.

Keine Ahnung, wo ich mich bewerben soll. Alles hört sich so superspannend an", sagt eine Studentin. Die junge Frau, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, berichtet von "wahnsinnig positiven Gesprächen" mit Corpus Sireo, Commerz Real, HIH, Instone oder Bauwens. Die ambitionierte Nachwuchskraft hat sich nach eigenen Angaben einen guten Überblick verschafft, indem sie auf der Karrierewoche mit fast allen 27 Ausstellern gesprochen hat. Vermisst hat sie ein paar große Namen wie Union Investment oder Drees & Sommer.

"Vor Corona gab es so unfassbar viele Jobs, wie Sand am Meer", erzählt die Anonyma. "Jetzt sagen viele Unternehmen, dass sie aufgrund der Corona-Lage gerade keine Jobs für Einsteiger haben. Dies wurde mir von Kommilitonen bestätigt." Angesichts der vielversprechenden virtuellen Meetings auf der Karrierewoche geht sie dennoch davon aus, dass es für qualifizierte und ehrgeizige Talente genug Chancen auf einen zeitnahen und gut dotierten Einstieg gibt, ob als Trainee oder als Junior. "Eine endgültige Bilanz, ob es trotz Corona noch so einfach ist, eine passende Stelle zu finden, werde ich jedoch erst nach den Rückmeldungen auf meine Bewerbungen ziehen können."

Wer dieses oder kommendes Jahr den Arbeitsmarkt betritt, beobachtet das Suchverhalten potenzieller Arbeitgeber genau: "Was mir bereits im Vorhinein bei der Terminvereinbarung aufgefallen ist: Im Gegensatz zum letzten Jahr haben die Unternehmen von sich aus weniger Terminanfragen geschickt, und auch mein Bewerberprofil wurde weniger oft besucht - was sicher auch daran lag, dass weniger Unternehmen an der Messe teilgenommen haben", bilanziert Annalena Graf. Sie studiert an der Technischen Hochschule Aschaffenburg Immobilienmanagement und visiert ihren Bachelor-Abschluss für 2021 an.

Graf hatte per Matching-Verfahren virtuelle Gespräche mit HIH, Deka Immobilien, alstria und Art-Invest klargemacht. "Bei alstria und HIH hatte ich auf jeden Fall das Gefühl, dass Interesse besteht und die Bereitschaft durchaus da ist, Werkstudenten- und auch Traineestellen zu vergeben", erzählt die Aschaffenburger Studentin. HIH und alstria warben, so der Eindruck von Graf, deutlich mehr um sie als Deka und Art-Invest.

"Jedoch hatte ich bei den Gesprächen mit Deka und Art-Invest auch nicht das Gefühl, dass sie die Bremse angezogen haben, sie haben lediglich weniger aktiv Werbung für ihre Stellen gemacht. Zusammenfassend hatte ich bei keinem der vier Gespräche das Gefühl, dass die Einstellungsbereitschaft derzeit gering ist."

Im Gegensatz dazu hat eine Bachelorabsolventin der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden dieses Gefühl durchaus. Geknickt schaut sie drein, als sie mit dem Verfasser dieser Zeilen videotelefoniert. Im September hat sie ihr Immobilienmanagement-Studium abgeschlossen. Zehn Bewerbungen hat sie schon verschickt - ohne ins Schwarze zu treffen. Die Hoffnung, dass sich das Blatt schnell wenden könnte, hat die IZ-Karrierewoche bei ihr nicht genährt. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass die wollen, dass ich da arbeite. Bei manchen hieß es, wegen Corona haben sie im Moment keine Stellen für Berufseinsteiger. Vielleicht Anfang 2021. Ich soll dann nochmal schauen." Angeboten wurden ihr Traineestellen: "Das wäre in Ordnung - aber keine zwei Jahre." Eine Firma biete zum Einstieg nur Praktika an, keine Junior-Stellen: "Ein Praktikum wäre zur Not auch in Ordnung."

Sarah-Madeline Buschmann hat längst einen Job, mit dem sie glücklich ist: Die 28-jährige gelernte Immobilienkauffrau ist Projektleiterin im Bereich Projektentwicklung bei dem kommunalen Hannoveraner Wohnungsunternehmen hanova. Neben dem Job macht sie den Master Real Estate Management an der EBZ, der Abschluss steht 2021 auf dem Programm.

Eines möglichen neuen Jobs wegen hat Buschmann die digitale IZ-Karrierewoche beileibe nicht besucht, vielmehr wohnte sie Young Professional Talks bei, machte sich für ihre Masterarbeit über das Recherche-Toolkit IZ Research schlau, nahm ein Coaching zu agiler Karrieregestaltung wahr und verfolgte den Bewerbungsaufruf für einen Award für Nachwuchskräfte der Immobilienbranche.

Die Angst von Immobilienabsolventen, die in Corona-Zeiten auf den Jobmarkt kommen, keinen - oder nicht den richtigen - Job zu finden und sich vielleicht unter Wert verkaufen zu müssen, kann Buschmann nachvollziehen. "Zum Glück haben wir die Hürde des Berufseinstiegs bereits genommen und sitzen bei einem verlässlichen Unternehmen fest im Sattel", hat sie neulich zu einer Bekannten aus einem anderen städtischen Unternehmen gesagt. "Manchmal heißt es ja, dass kommunale Arbeitgeber nicht so sexy sind - doch in Sachen Beständigkeit sind diese besonders attraktiv, vor allem in der Krise!"

Mehr Vielfalt, weniger Laufkundschaft

Ein virtuelles Dating kann eine Präsenzveranstaltung nicht ersetzen, ist aber in Corona-Zeiten a) besser als nichts und hat b) sogar den einen oder anderen Vorteil gegenüber einer physischen Messe. Julia Faeser, Personalrecruiterin beim Bauträger Instone Real Estate, ist angetan von der "fast gleichmäßigen Verteilung" der Interessenten auf Studenten, Absolventen und Berufserfahrene. Faeser freut sich außerdem darüber, dass "eine Vielzahl an Bewerbern aus technischen Studiengängen" dabei waren - und nicht nur aus den klassischen Immobilienmanagement-Studiengängen. Der Asset-Manager Beos fügt dem Befund einer stärkeren Ausdifferenzierung des Teilnehmerfelds noch eine Facette hinzu: "Während in den Vorjahren primär Interessenten von uns gut bekannten Hochschulen - u.a. Irebs Regenburg, Holzminden, Aschaffenburg und Geislingen - das Karriereforum besuchten, waren in diesem Jahr auch deutschlandweite Universitäten vertreten, die bisher seltener auf der Präsenzveranstaltung in Frankfurt präsent waren, z.B. die Universität Stuttgart oder die RWTH Aachen." Ein weiterer, unübersehbarer Unterschied: In den Hallen der Frankfurter Goethe-Universität können sich die Besucher treiben lassen. "Die Quantität der Gespräche war geringer als auf der Messe, da Laufkundschaft fehlte", sagt Oksana Hübert von der Deka. "Dafür war die Qualität höher." Kaufland vermisste die Laufkundschaft: In den vergangenen Jahren fischte das traditionell große Kaufland-Team bis zu 170 Besucher aus dem Passantenstrom heraus. Vergangenes Jahr kamen so 50 bis 60 vertiefende Gespräche zustande. Dieses Jahr waren es nur um die 20 Gespräche. "Wer da war, war gut - aber es fehlte die Möglichkeit der Ansprache", bilanziert Nadine Sohlich, Personalerin Immobilien/Bau bei Kaufland. Auch Commerz Real gießt etwas Wasser in den Wein: "Der Kontakt mit dem Bewerber kommt nur durch einen vereinbarten Termin zustande. Im jetzigen Format gibt es möglicherweise eine kleine Hemmschwelle für die Bewerber. Und ein informeller Austausch, wie es auf dem IZ-Karriereforum der Fall sein kann, ist leider nicht möglich." Der Austausch mit anderen Unternehmensvertretern kam dem Fonds- und Asset-Manager ebenfalls zu kurz. Erste Bewerbungen im Nachgang zur Karrierewoche sind bei den Ausstellern angekommen. Deka hat eine von zwei versprochenen Bewerbungen erhalten. Kaufland hat an zwei Kandidaten schon Einladungen für Vorstellungsgespräche verschickt - vor Ort in der Zentrale in Neckarsulm. Auch Corpus Sireo erreichten "vielversprechende Bewerbungen, die bereits erfolgreiche Vorstellungsgespräche ergaben". Harald Thomeczek

Harald Thomeczek

Den Nachwuchs in die Pflicht nehmen

Zwischen dem guten und dem schlechten Unternehmer liegt oft nur wenig.

Zwischen dem guten und dem schlechten Unternehmer liegt oft nur wenig.

Urheber: Prof. Dr. Winfried Schwatlo

Karriere 08.10.2020
Nachwuchskräfte der Immobilienbranche sollten schon im Studium lernen, Werte nicht nur für ihr Unternehmen, sondern für die Gesellschaft als Ganzes zu generieren. ... 

Nachwuchskräfte der Immobilienbranche sollten schon im Studium lernen, Werte nicht nur für ihr Unternehmen, sondern für die Gesellschaft als Ganzes zu generieren.

Davon ist zumindest das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft (ICG) überzeugt. Das ICG bietet Hochschulen mit immobilienwirtschaftlichen Studiengängen deshalb Gastvorlesungen und Unterrichtsmaterial an und unterstützt Studierende bei Abschlussarbeiten. Wertemanagement sollte nicht erst in den Unternehmen erlernt und gelebt werden, sondern bereits in den Curricula und akademischen Aktivitäten fest verankert sein. Die öffentliche Wahrnehmung dieses Themenfelds hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Compliance, Corporate Governance, Corporate Social Responsibility, nachhaltige Unternehmensführung - wer eine mit vielen abstrakten Begriffen und Anglizismen angereicherte Vortragsvorlage überfliegt, die das ICG erstellt hat, könnte den Eindruck gewinnen: Wertemanagement gehört deshalb an die Hochschulen, weil es staubtrocken und weit weg vom richtigen Leben ist.

Der Bewerter und die Erwartungen des Kunden

Doch weit gefehlt: "Das sind keine Sandkastenspiele ethischer Philosophie", sagt Winfried Schwatlo, Professor für Immobilienwirtschaft mit Wirtschaftsethik und Konfliktmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Im Kern geht es um Verantwortung - und die hat viele Gesichter. "Wer möchte denn mal später als Bewerter arbeiten?", fragte Schwatlo die Studierenden schon vor Corona in seinen Workshops. "Stellen Sie sich vor, Sie haben einen tollen Auftraggeber. Dann kommt eine Krise - und Ihr Auftraggeber hat bestimmte Erwartungen. Da ist der Bewerter ganz schnell in dem Konflikt drin: Wie bewerte ich jetzt?"

Die Konflikte liegen gleichsam auf der Straße. Man muss sie nur aufheben wollen. Schwatlo erzählt von sehr gut besuchten Filmabenden, die z.B. den Titel "Wutsache Miete" tragen oder von Baudramen an der spanischen Küste erzählen. Diskussion garantiert.

Die Übernahme von Verantwortung hat etwas Sinnstiftendes. "Ein großer Teil der jungen Menschen ist auf der Suche nach Purpose", sagt Sven Bienert, der das Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft am Institut für Immobilienwirtschaft (Irebs) an der Universität Regensburg leitet.

Im Spannungsfeld von Gewinn und Moral

Investoren sind zunächst und zumeist auf der Suche nach Rendite. Nicht immer verträgt sich dieses Ziel beispielsweise mit dem Klimaschutz (vergleiche "Keinen Cent fürs Klima"). "Das Kapital gehört letztendlich jemandem, der auch uneingeschränkt darüber entscheiden kann, worin es investiert wird. So wie jeder für sich selbst entscheidet, welches Auto mit welcher Antriebstechnik er kauft", sagt Susanne Eickermann-Riepe, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des ICG. "Es wird auch künftig nicht-nachhaltige Finanzprodukte oder börsennotierte Gesellschaften geben", weiß Eickermann-Riepe. "Diese werden aber zu erkennen sein, da die Transparenz bei der Deklarierung voranschreitet. Wer sich bewusst dafür entscheidet, wird auch die (Neben-)Wirkungen akzeptieren müssen, die dann auf dem Tisch liegen. Wer aber nachhaltige Produkte sucht, der wird sie finden. Produkte mit dezidierter ESG-Strategie, die Mindestausschlüsse formulieren."

ESG ist die Abkürzung für Environmental (CO2-Bilanz etc.) Social (Gesellschaft/Mitarbeiter) Governance (z.B. Steuerungs- und Kontrollprozesse im Unternehmen). Das Themenfeld gewinnt, bilanziert das ICG, kontinuierlich an Bedeutung - nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung, sondern ebenso an den Hochschulen. Der Umsetzungsstand sei jedoch heterogen. Er reiche von einzelnen Gastvorträgen bis hin zu ganzen Vorlesungsreihen, die sich ausschließlich Aspekten nachhaltiger Unternehmensführung widmen. Teils ist der Besuch für die Studierenden Pflicht, teils beruht er auf Freiwilligkeit.

Die Mühen des ICG tragen offenbar Früchte. Schwatlo hat festgestellt, dass sich Studierende heute mehr als früher wirklich für diese Themen interessieren - und dass das 2002 gegründete ICG keine Unbekannte ist, wenn es etwa in Gestalt von Geschäftsführerin Karin Barthelmes-Wehr zu Vortrag und Diskussion vorbeischaut. "Vor sechs, sieben Jahren war das noch anders, da konnten die meisten Studieren den Begriff Compliance nicht definieren." Mit dem altehrwürdigen Verband RICS könne das ICG inzwischen mithalten, meint Schwatlo.

Bienert meint zudem eine wachsende Sensibilität unter den Nachwuchskräften wahrzunehmen: "Wenn die Führung eines Unternehmens vorbestraft ist, schauen die jungen Leute heute genauer hin. Sie wollen mit solchen Sachen nicht in Verbindung gebracht werden."

Harald Thomeczek

Die Absolventen bleiben bei der Jobwahl selbstbewusst

Studierende auf Jobsuche achten bei möglichen Arbeitgebern wegen der Corona-Krise nun auf andere Details.

Studierende auf Jobsuche achten bei möglichen Arbeitgebern wegen der Corona-Krise nun auf andere Details.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Artem

Karriere 23.07.2020
Die Immobilienbranche ist in der Corona-Krise - im Vergleich zu anderen Branchen - bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Studierende immobilienwirtschaftlicher Fachrichtungen bereuen ... 

Die Immobilienbranche ist in der Corona-Krise - im Vergleich zu anderen Branchen - bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Studierende immobilienwirtschaftlicher Fachrichtungen bereuen jedenfalls nicht, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Die eine oder andere Assetklasse ist in der Gunst des Nachwuchses allerdings gesunken.

Das Angebot für Absolventen ist nicht mehr ganz so üppig. So manche Firma hat Stellenausschreibungen auf Eis gelegt und besetzt nur nach, was unbedingt nötig ist. Trainee-Programme wurden im Frühjahr mitunter gestoppt oder, sofern erst für den Herbst geplant, zumindest mit einem dicken Fragezeichen versehen. Der Grund ist noch nicht mal unbedingt, dass es so schlecht läuft. Es ist vielmehr die große Ungewissheit, der sich vor allem Handelsimmobilien ohne Lebensmittelanker, Hotels und Bürogebäude ausgesetzt sehen. Und mit ihnen die Unternehmen, die sie bauen, managen und vermitteln. Maklerhäuser wie Avison Young, NAI apollo, Colliers, Savills, JLL oder BNP Paribas Real Estate führten Kurzarbeit ein. Erzählungen von nicht verlängerten Probezeiten oder gar Kündigungswellen, abgebrochenen Assessment-Centern und gekündigten Werkstudenten machen die Runde.

Mark Spangenberg, COO bei CBRE in Deutschland, beteuert jedoch: "Einen klassischen Einstellungsstopp hatten wir nicht." Und Personalchef Mike Schrottke ergänzt: "Wir haben uns mit dem Thema Kurzarbeit beschäftigt. Es steht aber nicht im Vordergrund. Sowohl das Management als auch unsere Mitarbeiter in den betroffenen Bereichen haben freiwillig auf Gehalt verzichtet und zusätzlich ihren Resturlaub, größtenteils auch ihre Überstunden abgebaut."

Spuren hinterließ das Coronavirus dennoch auch bei CBRE. "Wir schauen noch etwas genauer hin, wo die Bedarfe im Unternehmen sind", gibt Spangenberg zu. Er präzisiert: "Wir sehen in einigen Bereichen Rückgänge, etwa im Retail Leasing und im Hotelsegment gibt es negative Einflüsse. Dort sind wir zurzeit mit Neueinstellungen vorsichtiger." Dafür läuft es beispielsweise im Bereich Industrial & Logistics weiter sehr gut. "Dort gewinnen wir aktuell Marktanteile und haben zuletzt auch verstärkt eingestellt", berichtet Spangenberg. Im Bürobereich laufen alle großen Mandate weiter, heißt es. Das Fazit der Führungskräfte für CBRE Germany: "Im europäischen Vergleich mit anderen Ländergesellschaften kommen wir wohl glimpflich davon." Mangels Glaskugel müssen Spangenberg und Schrottke beim Blick in die Zukunft allerdings orakeln: "Fraglich sind allerdings die Auswirkungen der Rezession und der Entwicklung im Jahr 2021."

Den Studierenden sind die kleinen und großen Einschläge in bestimmten Assetklassen und bei bestimmten Geschäftsmodellen nicht verborgen geblieben. Das gilt auch für die selektivere Einstellungspolitik einiger Unternehmen. Sie sind aber fest davon überzeugt, dass sich die Corona-Pandemie langfristig nicht negativ auf ihre berufliche Laufbahn auswirken wird - und würden sich, wenn sie wieder vor der Wahl stünden, noch einmal für die Immobilienwirtschaft entscheiden.

"Selbstverständlich tangiert die Corona-Krise auch die Immobilienbranche, einige Bereiche durchaus mehr als andere, und es bestehen gewisse Risiken", sagt Farina Lutz, die als selbstständige Immobilienmaklerin tätig ist und an der Hochschule Biberach studiert. "Dennoch hat diese Branche meiner Meinung nach Zukunft und ein enormes Potenzial, weshalb ich meine Entscheidung, diesen Weg eingeschlagen zu haben, nicht bereue", meint sie stellvertretend für viele andere.

Im Branchenvergleich ist die Immobilienwirtschaft in der Corona-Zeit in der Gunst des Nachwuchses sogar gestiegen. Auch weil der Anlagedruck der Investoren sich nicht einfach in Luft aufgelöst hat. Immobilien gelten jetzt noch mehr als sicherer Hafen. Selbst coronabedingte schlechte Nachrichten lassen meist keine Zweifel aufkommen. Ein Beispiel: Der Wohnungsentwickler Instone kassierte die Prognose für 2020 und stellte den Vertrieb eines Projekts in Augsburg aufgrund stockender Nachfrage ein. Schon abgeschlossene Kaufverträge hat er rückabgewickelt. Ein Bachelorstudent von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Holzminden, der Instone in der Arbeitsmarktumfrage 2020 der Immobilien Zeitung (IZ) als Wunscharbeitgeber Nummer eins angegeben hat, bleibt bei seiner Wahl: "Instone hat die Entscheidungen in meinen Augen plausibel begründet, weswegen sich meine Wahrnehmung auf das Unternehmen nicht geändert hat."

"Logistikimmobilien hatte ich vor Corona nur latent auf dem Schirm"

Das mag an der Assetklasse liegen: Wohnen steht mehr denn je für Sicherheit. Andere Nutzungsarten haben einen schwereren Stand: "Vor allem die Assetklassen Retail und Hotel würde ich definitiv als kritischer ansehen, da diese durch die Corona-Krise stark gelitten haben bzw. immer noch stark leiden", sagt Amira Hollweg, die Immobilienmanagement im Master an der HAWK studiert. Handel ist natürlich nicht gleich Handel: "Vor Probleme gestellt werden vor allem Einzelhandelsimmobilien abseits der Ia-Lagen und Shoppingcenter", weiß Masterstudent Mario Sterl von der Universität Regensburg (Irebs). Für Sarah Schwarz ist klar: "Für mich kommt der Lebensmitteleinzelhandel an erster Stelle, da er grundsätzlich systemrelevant war und als Gewinner aus der Krise gehen wird." In der IZ-Umfrage hatte die junge Frau, die im vierten Mastersemester Humangeographie mit dem Schwerpunkt Raumplanung, Raumentwicklung und Raumkonflikte an der WWU in Münster studiert, noch CBRE als ihren Favoriten angegeben. Doch mit der Krise hat sich ihr vorheriger Zweitkandidat Lidl vor den Immobiliendienstleister geschoben.

"Bei Hotels mitzumischen, stelle ich mir äußerst spannend vor"

Hotels haben weiter ihre Fans. Obgleich die Hotellerie wegen des Lockdowns schwer zu kämpfen hat - für Immobilienspezialisten eröffnen sich durch die Umwälzungen, die dem Hotelmarkt prophezeit werden, Chancen. Da ist sich Julius Range, der ebenfalls an der Irebs studiert, sicher: "Hier wird es Insolvenzen geben, die den Markt mit Hotelimmobilien fluten könnten. Die Markenhotellerie wird noch mehr an Einfluss gewinnen. Die Bewertung von Hotelimmobilien wird höhere Risiken einkalkulieren, und die Pachtverträge werden an Krisen angepasst werden müssen. Dort mitzumischen, stelle ich mir äußerst spannend vor." Ein anderer Regensburger Irebs-Student hat gar eine neue Immobilienart für sich entdeckt: "Mich reizen Einblicke in Logistikimmobilien, die ich vor der Corona-Krise nur sehr latent auf dem Schirm hatte."

Und dann ist da noch der Büromarkt, dem viele einen gewaltigen Wandel voraussagen: "Der Bereich Office wird sich bestimmt durch die neuen Möglichkeiten des Homeoffice stark verändern, und ich bin gespannt, wie sich diese Entwicklung weiter fortsetzen wird. Deswegen schaue ich auch auf Investmentunternehmen und hinterfrage deren Strategien seit Corona intensiver", erzählt Hollweg. Bei vielen der Studierenden wecken die möglichen Umwälzungen im Bereich Büro besonderes Interesse. Masterstudent Sterl ist sich sicher: "Die Büroimmobilie wird neu gedacht werden, und digitale Lösungen bekommen einen Schub, sodass sich Smart-Office-Solutions schneller am Markt etablieren könnten." Sterl sollte es wissen: Seine Masterarbeit schreibt er über die Wirtschaftlichkeit intelligenter Büroobjekte.

"Wer schlagartig viele Studierende vor die Tür setzt, verliert an Ansehen"

Bei den Nachwuchskräften verloren haben vor allem Unternehmen außerhalb der Immobilienbranche - die durch den Shutdown oft heftigere Einschnitte zu verkraften hatten als die meisten Immobilienunternehmen. "Automobilhersteller fallen aktuell als Arbeitgeber für mich weg. Vor Corona konnte ich mir das gut vorstellen", sagt Tim Hackenberg, der dieses Jahr seinen Bachelorabschluss in Immobilienwirtschaft an der HfWU Nürtingen-Geislingen macht. Bei Range hat der Umgang mit dem Lockdown die Sicht auf zuvor favorisierte Arbeitgeber negativ beeinflusst. "Bosch und Daimler, die ich zusammen mit Art-Invest angegeben habe, haben auf einen Schlag eine große Anzahl an Praktikanten und Werkstudenten vor die Tür gesetzt. Das halte ich nicht für nachhaltig. Diese Unternehmen haben bei mir an Ansehen verloren." In der Gunst von Alexandra Hell sind insbesondere Unternehmen gesunken, die sich gegenüber ihren Vermietern nicht korrekt verhalten haben: "Es kursierten ja Schlagzeilen, dass manche Großfirmen in der Corona-Krise keine Miete mehr zahlen wollten. Das finde ich überhaupt nicht gut."

Harald Thomeczek

Plötzlich ist der ganze Campus im Netz

Hochschulen müssen ihr Onlineangebot massiv ausbauen, um den Studenten zu ermöglichen, auch in Corona-Zeiten ihren Abschluss zu schaffen.

Hochschulen müssen ihr Onlineangebot massiv ausbauen, um den Studenten zu ermöglichen, auch in Corona-Zeiten ihren Abschluss zu schaffen.

Quelle: imago images, Urheber: Cavan Images

Karriere 02.04.2020
Früher eher stiefmütterlich behandelt, nimmt die Digitalisierung an Hochschulen in Corona-Zeiten ungeahnt schnelle Fahrt auf. Studenten und Dozenten treffen sich im Chat- statt im ... 

Früher eher stiefmütterlich behandelt, nimmt die Digitalisierung an Hochschulen in Corona-Zeiten ungeahnt schnelle Fahrt auf. Studenten und Dozenten treffen sich im Chat- statt im Seminarraum - vorausgesetzt, das Netz macht mit. Fraglich bleibt allerdings, wie Prüfungen stattfinden sollen.

Eigentlich hatte Larissa Lapschies, Geschäftsführerin der ADI Akademie Stuttgart, in diesem Jahr gar nicht vor, das Thema digitale Bildungsformate zu forcieren. Schließlich habe eine Umfrage unter den Studierenden ergeben, dass 90% von ihnen es ablehnten, Veranstaltungen online abzubilden. Doch dann kam Corona.

Jetzt verkündet Lapschies: "Der 19. Hamburger Jahrgang ist der erste, der komplett von zu Hause aus gestartet ist." Der Weg dorthin sei ein Kraftakt für alle Beteiligten gewesen, berichtet die Geschäftsführerin. Vorher waren ihre Gedanken zur Bildung der Zukunft eher abstrakt, jetzt brauchte sie plötzlich möglichst einfache Lösungen für die praktische Umsetzung. Dabei ging es nicht nur um pädagogische, sondern auch um technische Fragen - nicht nur zur Praxis an der Hochschule, sondern auch bis zu den Endgeräten der Studenten.

Die ADI sitzt angesichts der aktuellen Herausforderungen mit vielen anderen Hochschulen, die Immobilienstudiengänge anbieten, in einem Boot. Sei es die EBS, die Irebs, das EBZ oder die HfWU Nürtingen-Geislingen. Schon früher haben sie mit digitalen Formaten experimentiert, jetzt müssen sie im großen Stil den Praxistest bestehen.

Die EBS verwendet für ihre Formate ein Tool, das mehr ermöglicht als einen Videochat zwischen Dozent und Studentenschar. Es lassen sich darüber hinaus z.B. Dokumente hochladen, die somit allen zugänglich sind, und Professoren können im eingeblendeten Skript herummalen. "90 Minuten Vorlesung bekommt man auf diese Weise sehr gut hin", erzählt Kerstin Hennig, Leiterin des EBS Real Estate Management Institutes. Danach werde es allerdings schwieriger, die Aufmerksamkeit der Studenten zu binden. "Wir versuchen daher, die längeren Veranstaltungen interaktiv zu gestalten, z.B. mit Gruppenarbeiten." Dazu können sich die Teams jeweils in einen kleineren virtuellen Raum zurückziehen.

Was noch spannend werde, sagt Hennig, sei die digitale Umsetzung solcher Themen wie Design Thinking oder der Einsatz von Gästen aus der Immobilienwirtschaft. Tobias Just, Geschäftsführer und Wissenschaftlicher Leiter der Irebs Immobilienakademie, fürchtet, dass die Lehrstunden mit Praktikern unter der Veränderung leiden. "Es würde mich wundern, wenn die Leichtigkeit bliebe", sagt er. Denn gerade bei solchen Lehrformaten werden auch Inhalte vermittelt, "die lieber in einem Klassenzimmer bleiben sollen". Dabei lässt sich kein Dozent gerne filmen und aufzeichnen.

Die digitalen Lehrformen stellen zudem die Dozenten vor vielfältige Herausforderungen. Was tun, wenn z.B. auf einer Seite die Bandbreite nicht ausreicht? Und braucht es mehr Entertainer-Qualitäten, wenn der Dozent am Monitor lehrt? Was ist mit den kleinen Gesten, die im persönlichen Dialog den Studenten anzeigen, wenn ein Inhalt prüfungsrelevant ist. Diese gingen am Monitor schnell unter, glaubt Just.

Was ihm aber noch mehr Kopfzerbrechen bereitet, ist die Frage, wie Prüfungen online abgenommen werden sollen. Kerstin Hennig von der EBS berichtet, dass sie bereits per Videochat erfolgreich mündlich geprüft habe. Und Klaus Leuchtmann, Vorstandsvorsitzender des EBZ, überlegt, Prüfungen vor dem heimischen Rechner der Studenten aufzeichnen zu lassen. Just ist gar kein Freund von solchen Ideen. "Dabei können wir keine Gleichstellung garantieren", sagt er. Beispielsweise könnten quengelnde Kinder im Hintergrund oder mangelhafte technische Voraussetzungen die Prüfsituation beeinflussen. Er setzt lieber auf weniger Klausuren und dafür mehr Seminararbeiten, bei denen von Zuhause aus Fallstudien bearbeitet werden müssen. Ähnlich verfährt auch die EBS Business School ab Mai.

Dass die Technik tatsächlich ein nicht zu vernachlässigender Knackpunkt ist, erfahren die Dozenten gerade häufiger. Die Dozenten müssten öfter die virtuellen Klassenräume wechseln, berichtet Leuchtmann aus dem EBZ-Alltag. Und auch HfWU-Rektor Andreas Frey weiß nun: "Tools, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, funktionieren heutzutage oft nicht mehr gut."

Die besten Lösungen für die aktuellen und künftigen Studenten zu finden, ist nun oberstes Ziel jeder Hochschule. Und eine Chance für jede einzelne, sich im Wettbewerb zu beweisen. Denn durch die Digitalisierung werden Inhalte unabhängig vom Lernort vermittelt und somit eine größere Zielgruppe angesprochen. Dass sich die Hochschule allerdings auf lange Sicht komplett ins Netz verlegen lässt, das sieht Hennig noch nicht. Denn auch die Gruppendynamik, die nur beim echten Zusammentreffen entsteht, das persönliche Kennenlernen und der Aufbau von Freundschaften und Kontakten gehörten zum Hochschulalltag. Hennig glaubt: Ein Mix aus digitalen und Präsenzformaten wäre genau das Richtige.

Anke Pipke

Verwalter machen Schluss mit angestaubtem Image

Das Image eines überalterten Berufsstands soll die nächsten Jahre abgelegt werden. Das ist das Ziel zweier junger Initiativen in der Branche.

Das Image eines überalterten Berufsstands soll die nächsten Jahre abgelegt werden. Das ist das Ziel zweier junger Initiativen in der Branche.

Quelle: Imago Images, Urheber: Steinach

Karriere 28.11.2019
Junge Verwalter werden im Südwesten Deutschlands aktiv und wollen das Image ihres Berufsstands aufpolieren. Davon sollen zuerst die Nachwuchskräfte profitieren und im zweiten Schritt auch ... 

Junge Verwalter werden im Südwesten Deutschlands aktiv und wollen das Image ihres Berufsstands aufpolieren. Davon sollen zuerst die Nachwuchskräfte profitieren und im zweiten Schritt auch die überalterte Verwalterbranche.

Wer kennt sie nicht, diese Frage beim ersten Date mit Candlelight-Dinner: "Na, was machst Du so?" - "Ich bin Immobilienverwalter." - "Ah ja." Stille.

Um aus diesem "Ah ja" ein "Wirklich? Erzähl mal!" zu machen, gibt es in der Verwalterszene derzeit mehrere Ansätze. Vor allem junge Leute bemühen sich, dem Berufsstand den Staub abzuklopfen, moderne Themen zu positionieren und damit beim Nachwuchs Werbung für einen vielfältigen und zukunftsträchtigen Job zu machen.

Gerade erst vor ein paar Wochen sind im Südwesten Deutschlands zwei Gremien mit dieser Zielrichtung aus der Taufe gehoben worden. "Die jungen Verwalter" nennt sich eine Gruppe des Verbands der Immobilienverwalter (VDIV) Rheinland-Pfalz und Saarland. Ein Team aus Berufseinsteigern und Jungunternehmern hat sich zusammengefunden, um einerseits mehr Nachwuchs für den Verwalterberuf anzuwerben und andererseits die jungen Leute, die bereits den Berufsweg des Verwalters eingeschlagen haben - Azubis, Studenten und junge Mitarbeiter - besser zu begleiten. Davon profitiert nicht nur der Nachwuchs selbst, auch alteingesessenen Verwaltungsunternehmen, nicht selten familiengeführt, soll dadurch in Zukunft die Last genommen werden, lange nach einem Nachfolger an der Unternehmensspitze suchen zu müssen.

Dabei greifen die Jungen Verwalter tief in den Werkzeugkasten der Kommunikation und ziehen moderne Instrumente wie ein Facebook- und ein Instagram-Profil hervor. Sie wollen aber auch althergebrachte Methoden wie Auftritte bei Fach- und Jobmessen nutzen, um als Ansprechpartner für das junge Publikum präsent zu sein und das Berufsbild, auch in Abgrenzung zur Arbeit in Makler- und Bauträgerunternehmen, vorzustellen. Die Premiere feierten "die jungen Verwalter" vor kurzem beim Verwalterforum in Frankenthal. "Ich war überwältigt, wie viele Leute auf uns zugekommen sind und gesagt haben, dass das eine gute Idee ist", sagt Gründungsmitglied Alisa Neubauer, eine 21-jährige Auszubildende bei VR Immobilienmanagement in Landau und Dirmstein.

Joshua Kehry, Initiator des Gremiums, Prokurist bei Verbeg Immobilienverwaltung und Sohn des langjährigen Vorstandsvorsitzenden des Verbands Oliver Philipp Kehry, betont darüber hinaus den inhaltlichen Schwerpunkt, den die jungen Verwalter setzen wollen. So möchten sie zum Beispiel künftig Einfluss nehmen auf die Programmgestaltung von Verwalterforen und u.a. verstärkt technische Aspekte aufs Tableau bringen. Darüber hinaus seien Seminare extra für junge Leute geplant, wie man etwa mit anstrengenden Kunden kommuniziert. "Das wissen alteingesessene Verwalter schon, aber die jungen haben da etliche Fragen", erklärt Kehry. Auch Kurse zur Vorbereitung auf Abschlussprüfungen, das Zurverfügungstellen von Unterlagen oder Vorjahresklausuren für Studenten und ähnliches könnten zum Angebot gehören. Laut dem Geschäftsführer von Saar-Pfalz-Hausverwaltungen Palm, Norman Palm (32), der mit Jan Hennig von der Frank Hennig Hausverwaltung in Kaiserslautern das vierköpfige Gründungsteam komplett macht, ist auch der Aufbau einer Webseite geplant. Dort soll es z.B. um aktuelle Themen wie die Umsetzung einer digitalen Eigentümerversammlung und ihre Rechtssicherheit, das papierlose Büro, die Forderung nach einer höheren Verwaltervergütung und die Akzeptanz von Eigentümerversammlungen während der Geschäftszeiten gehen - allesamt Themen, die besonders junge Berufsanwärter interessieren dürften.

Rückendeckung bekommen die jungen Verwalter vom Verband. "Die Branche ist überaltert", muss auch Markus Herrmann, geschäftsführender Vorstand des Verbands Rheinland-Pfalz/Saarland, feststellen. Daher tue es Not, dass sich junge und engagierte Leute verstärkt um den Nachwuchs kümmern. Ein wichtiges Ziel sei zudem, junge Mitarbeiter an die klein- und mittelständischen Unternehmen zu binden. Gleichzeitig gehe es darum, dass sich der Berufsstand modernisiert. Denn: "Auch die Eigentümer werden jünger" und hätten beispielsweise veränderte Erwartungen an die Kommunikation mit ihnen. Dabei spricht er u.a. den Einsatz von Apps an. Als Testfeld stünden die Verbandsunternehmen gerne zur Verfügung.

VDIV: Modell für bundesweiten Einsatz

Herrmann sieht die Gründung der jungen Verwalter als Modell für einen bundesweiten Einsatz. Die Baden-Württemberger sind bereits dabei, ein ähnliches Gremium aufzubauen. Mitte November haben sie den Startschuss für das Netzwerk Young Professionals VDIV Baden-Württemberg gegeben. Zur Zielgruppe gehören vor allem Studenten oder Absolventen eines immobilienwirtschaftlichen Studiums sowie Berufs- oder Quereinsteiger in der Immobilienverwaltung, -betreuung und -bewirtschaftung. Das Netzwerk will den Nachwuchs untereinander ins Gespräch bringen, dazu regelmäßig für ihn konzipierte Meetings und Fachvorträge veranstalten und über wichtige Termine informieren.

Allein die Organisation und Vermarktung der Auftaktveranstaltung in Stuttgart zeigt, mit welchem Elan die jungen Organisatoren um Maxim Isamuchamedow, MI Real Estate & Finance, an die Sache herangehen. So gab es beispielsweise einen Shuttle-Service für interessierte Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geisingen. Und wer nicht dabei sein konnte, kann sich auf der Homepage des Netzwerks ein Video vom Networking an diesem Abend anschauen und sich selbst ein Bild von der lockeren, aber ambitionierten Stimmung machen.

Erste Zertifikate für Commercial PM

Die erfolgreichen Teilnehmer der ersten beiden Lehrgänge zum Commercial Property-Manager an dem EBZ Bochum erhalten am heutigen Donnerstag ihre Zertifikate. Das Weiterbildungsangebot war im vergangenen Jahr auf Wirken der Initiative YouPM konzipiert worden. Es ist darauf ausgelegt, sowohl technischen als auch kaufmännischen Property-Managern die Feinheiten und Raffinessen des Gewerbeimmobilienmarkts näherzubringen. Übergeordnetes Ziel ist es, den Berufsstand zu professionalisieren. Teilnehmer wie Cathrin Ertel aus dem Letting Management von Apleona, Heike Brandelik, Property-Managerin ebenfalls bei Apleona, und André Schulte-Pinkhaus sind sehr zufrieden mit dem Konzept. Gerade für Quereinsteiger in die PM-Branche wie die Juristin Brandelik sowie den Banker und Betriebswirt Schulte-Pinkhaus bietet der thematisch weit gefasste Ansatz einen guten Überblick. Die Weiterbildung vermittele "Basiswissen, um überall mitreden zu können", sagt Schulte-Pinkhaus, der zudem die Auswahl der Dozenten ausdrücklich lobt. Gerade der Bezug zur Praxis und der Austausch unter den Mitarbeitern großer wie kleiner Unternehmen und aus verschiedenen Bildungsgängen - Ex-Handwerker trifft auf Diplom-Ingenieur und kaufmännische Quereinsteiger - seien interessant gewesen, pflichtet Immobilienökonomin Ertel bei.

Anke Pipke

Den Master könnt ihr später immer noch machen

Gestatten, wir sind der begehrte Nachwuchs!

Gestatten, wir sind der begehrte Nachwuchs!

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Sell

Karriere 06.06.2019
Soll ich den Master dranhängen oder gleich in die Praxis durchstarten? Diese Frage stellen sich Bachelorstudenten immer öfter. Auf dem IZ-Karriereforum gaben Arbeitgeber aus der ... 

Soll ich den Master dranhängen oder gleich in die Praxis durchstarten? Diese Frage stellen sich Bachelorstudenten immer öfter. Auf dem IZ-Karriereforum gaben Arbeitgeber aus der Immobilienbranche Antworten.

Rund 300 Bewerber hatten den Weg auf den Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität gefunden. Auf der von der Immobilien Zeitung und Heuer Dialog veranstalteten Jobmesse für die Immobilienwirtschaft trafen sie auf 46 Arbeitgeber aus der Branche und zehn Hochschulen. Die überwiegende Mehrheit der Besucher studiert noch, etwa jeder Fünfte gehörte zur Gruppe der Absolventen und Berufstätigen. Die meisten waren gekommen, um einen Job für nach dem Studium klarzumachen. Hauptmotiv Nummer zwei: einen Praktikumsplatz ergattern.

Der eine oder die andere schloss am Samstag persönlich Bekanntschaft mit Thomas Beyerle, dem Chefresearcher von Catella. Beyerle notierte zwar "weniger Standbesuche insgesamt, dafür aber 100%iges Erscheinen". Die Bewerber hätten "definitiv einen höheren Wissensstand" gehabt - mit dem Ergebnis, "dass man sofort auf die Position und die Rahmenparameter kam".

"Nicht die Masse macht's, sondern die Klasse!", fand Personalberater Olaf Kenneweg. "Auch wenn leider viele Studierende der Meinung sind, sie hätten den Besuch in Frankfurt nicht nötig - und viele Professoren sie in dieser Meinung vollkommen unverständlicherweise auch noch bestärken! -, sind die Bewerber, die den Aufwand mit Anreise und Übernachtung auf sich nehmen, beratungsinteressiert und aufgeschlossen."

Nicht gescheut hatten den Aufwand u.a. zwei Studentinnen von der HAWK in Holzminden. Die beiden jungen Damen (22 und 26 Jahre alt) studieren im 4. Semester Immobilienmanagement und sind auf der Suche nach einem Platz für ein Pflichtpraktikum im 6. Semester. Sie waren extra um fünf Uhr in der Früh aufgestanden, um den Zug von Hannover nach Frankfurt zu erwischen.

Angetan waren die jungen Frauen aus dem Norden davon, dass die Aussteller sich "auf Augenhöhe mit uns unterhalten". Am wichtigsten sind den beiden nicht etwa Kohle und Karriere, sondern "dass das Team passt" und "wie die Führungskräfte mit den Mitarbeitern umgehen". Die Ältere der beiden HAWK-Studentinnen ist gelernte Immobilienkauffrau. In diesem Job wurde sie nicht glücklich: "Das ist damals am Team gescheitert."

Die Kohle nicht in den Vordergrund zu stellen, muss man sich aber auch leisten können. Wo ohnehin vielerorten gutes Geld verdient wird, muss niemand die Wahl des Arbeitgebers allzu sehr vom Gehalt abhängig machen. Was sie wert sind, wissen die Studenten allerdings ziemlich genau (oder glauben es zumindest): 55.000 Euro zum Einstieg sollen es schon sein - mindestens, diktierte ein 25-Jähriger, der Baumanagement an der Hochschule Karlsruhe im Master studiert und insgesamt vier Praktika bzw. zwei Werkstudentenjobs vorweisen kann, dem IZ-Redakteur in den Notizblock.

Anders als dieser 25-Jährige überlegen sich viele Studenten das mit dem Master inzwischen zweimal: "Der Anteil von Bachelorstudierenden, welche die Frage stellten: ‚Soll ich jetzt den Master machen?‘, ist steil nach oben gegangen", konstatierte Beyerle, der in Biberach lehrt. "Das begegnet mir auch bei ‚meinem‘ Jahrgang an der Hochschule Biberach: jetzt Geld verdienen, Master später machen ..."

Bachelorstudenten der HfWU Nürtingen-Geislingen bezifferten das Verhältnis derjenigen Kommilitonen, die lieber direkt in die Praxis durchstarten wollen, zu denjenigen, die der HfWU länger erhalten bleiben, auf "fifty-fifty". Die Firmen suchen schließlich "händeringend nach Praktikanten, Werkstudenten, Personal".

Janina Rohmann, HR Business Partner bei Cushman & Wakefield (C&W), und ihre Kollegen haben ähnliche Erfahrungen gemacht: "Wir erhalten für die Einsteigerpositionen auffällig viele Bachelorbewerbungen." Am Messestand wurden zwar durchaus genügend Masterstudenten gesichtet, "bei den Kandidaten, die sich bei uns bewerben, sind allerdings einige dabei, die nach dem Abschluss ihres Bachelorstudiums erst praktische Erfahrungen sammeln wollen, bevor sie mit dem Masterstudium anfangen", berichtete Rohmann.

Fast wortgleich äußerte sich Holger Matheis, im Vorstand von Beos u.a. fürs Personal zuständig. "Es gibt tatsächlich mehr Bewerbungen von Bachelorabsolventen." Zwei Jahre arbeiten und dann on the job den Master nachmachen, z.B. über den Weiterbildungsstudiengang Real Estate Management an der TU Berlin oder an der Irebs, damit kann sich auch Matheis anfreunden. "Im Moment hat man die Möglichkeit dazu." Vor ein paar Jahren, so ergab Matheis' Blick in den Rückspiegel, waren die Unternehmen in der Tendenz eher auf "fertige Master mit Praktika" aus. Heute sei ein Berufseinstieg schon nach dem Bachelorabschluss, zumindest fürs Erste, weithin akzeptiert.

Manche Unternehmen werben geradezu dafür, so früh wie möglich in der Praxis durchzustarten: "In der heutigen Konjunkturlage gucken wir nicht auf Bachelor oder Master", formulierte trocken René Richter, Geschäftsführer von Kondor Wessels. "Entscheidender ist die Motivation der Bewerber, auf den Unis werden die Studenten ohnehin eher schlecht auf den konkreten Beruf vorbereitet." Die Folge: "Egal, ob Master oder Bachelor, alle müssen erstmal durch ein Einführungsprogramm. Der Aufwand ist also gleich groß." Und wenn der Mitarbeiter später einen Master berufsbegleitend machen möchte, "schauen wir gemeinsam, wie wir das umsetzen können". Das ist dann auch für die Mitarbeiterbindung förderlich.

"Wichtig für uns ist, dass das Mindset und die Persönlichkeit des Bewerbers zu uns passen - mit oder ohne Master", findet auch Bernd Lönner, Vorstandsmitglied bei Real I.S. "Frühzeitig in den Job einzusteigen und Erfahrung direkt in der Praxis zu sammeln, ist sicherlich kein Nachteil. Wer dann noch einen Master draufsatteln möchte, der kann das ja immer noch tun, auch berufsbegleitend."

Dass Bachelorabsolventen diese zweite Chance durchaus nutzen, war an den Ständen der Hochschulen zu vernehmen. Diese wussten von steigenden Teilnehmerzahlen in ihren Masterangeboten oder gar von ausgebuchten Masterstudiengängen zu berichten. "Für die große Mehrheit der von mir beratenen Bewerber war es selbstverständlich, nach dem Bachelor noch den Master zu absolvieren", bilanzierte Karriereberater Olaf Kenneweg. Die Frage ist also weniger: Master, ja oder nein? Sondern eher: Master, gleich oder später?

Anke Pipke,Harald Thomeczek

Auf die Kultur kommt es an

Der Berliner Property-Manager Tattersall Lorenz freute sich nach seiner Arbeitgeberpräsentation über Zulauf am Messestand.

Der Berliner Property-Manager Tattersall Lorenz freute sich nach seiner Arbeitgeberpräsentation über Zulauf am Messestand.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Sell

Karriere 06.06.2019
Studenten wollen nicht einfach nur Karriere machen und viel Geld verdienen. Sie suchen einen Arbeitgeber, der sie glücklich macht. Die Firmen kapieren das langsam und setzen auf die Karte ... 

Studenten wollen nicht einfach nur Karriere machen und viel Geld verdienen. Sie suchen einen Arbeitgeber, der sie glücklich macht. Die Firmen kapieren das langsam und setzen auf die Karte Unternehmenskultur.

Wenn das IZ-Karriereforum 2019 so etwas wie einen heimlichen Höhepunkt hatte, dann war es der Auftritt des Teams Tattersall Lorenz. Der Berliner Property-Manager trat im Rahmenprogramm unter dem Stichwort Arbeitgeberpräsentation auf. Was nach eher trockener Kost klingt, geriet bei der Truppe von Susanne Tattersall zu einer Art live aufgeführtem Employer-Branding-Video für die Generation Youtube.

Gleich mehrere Kollegen hatte die Chefin mitgebracht: die Maria, die nach einem Facetime-Interview am nächsten Tag sofort den Arbeitsvertrag als Werkstudentin im Briefkasten hatte und heute Junior-Property-Managerin ist. Den Benedict, der nach dem Bachelor "einfach erst mal arbeiten wollte" (und, logisch, eine Woche nach dem Vorstellungsgespräch die Zusage für einen Job als technischer Property-Manager hatte), den Master nun aber mit freundlicher Unterstützung seines Arbeitgebers nachmacht. Oder den Matthias mit ZZ-Top-Vollbart, der als Softwarespezialist zwei Tage im Homeoffice arbeiten darf - für den "die Susanne" aber nicht nur deshalb eine "großartige" Chefin ist: Sie verteilt auch "extrem viel Wertschätzung, die ich vorher in anderen Unternehmen nicht bekommen habe".

Moderiert wurde die kurzweilige Darbietung vom Personalchef von Tattersall Lorenz, den man ob seiner flotten Zunge und seinen weißen Sneakern nicht für diesen gehalten hätte. In Mini-Interviews entlockte er jedem/jeder, wie er/sie ins Unternehmen kam, was er/sie dort so macht - und warum "die Susanne, der Kopf der ganzen Rasselbande", so eine tolle Chefin und der Berliner Dienstleister ein Wunscharbeitgeber ist. Im Hintergrund lief eine Präsentation, bei der die Bilder - zumindest für Menschen, die nicht mit Youtube aufgewachsen sind - fast schon zu schnell wechselten.

Ein Grund für den ganzen Aufwand, den Team Tattersall betrieb, um in 15 Minuten so viele studierende Köpfe und Herzen neugierig zu machen wie möglich, benannte Susanne Tattersall zu Beginn selbst mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Wir sind mit Leidenschaft Property-Manager - das ist das, wo sie alle wahrscheinlich gar nicht hinwollen."

Einen anderen Grund förderte Thomas Beyerle von Catella zutage, als er seine Eindrücke vom Karriereforum 2019 Revue passieren ließ: "Was mir besonders auffiel, war, dass die Gespräche sich neben den harten Fakten wie Karriere und Gehalt auch um das Thema Firmenkultur und Glaubwürdigkeit drehten. Die Zeiten ändern sich messbar." Auch Fragen nach Projektarbeit häuften sich am Catella-Stand spürbar. "Scheint, dass hier Abwechslung erwartet wird", sagte Beyerle.

Auf die Kulturkarte setzte auch Jennifer Bachmann, Leiterin Asset-Management (AM) des kanadischen Reits Dream Global. "Kanadier gehen gerne Risiken ein - aber immer wohlüberlegt. US-Amerikaner dagegen sind Gambler (auf Deutsch etwa: Zocker, Anm. d. Red.), die gern mal was versuchen", sagte Bachmann, als sie ihren Arbeitgeber den Studenten vorstellte. Klappt es nicht, zögen sich die US-Amerikaner auch wieder ruck, zuck aus einem Markt zurück. Für die deutschen Mitarbeiter gilt es dann, selbst wieder eine Anschlussverwendung zu finden.

Bachmann spricht aus Erfahrung: Die 36-Jährige hat - das ist schon ein paar Jährchen her - bereits für Morgan Stanley gearbeitet. Vor sechs Jahren heuerte sie bei Dream Global an, das damals noch Dundee International hieß. Bachmann startete bei Dundee/Dream als Asset-Managerin für das Post-Portfolio, mit dem die Kanadier 2011 die Tür zum deutschen Markt aufstießen. Seitdem ging es für Bachmann steil bergauf: 2014 Senior Asset-Managerin und Teamleiterin, ein Jahr später Associate Director und schon Ende 2015 Head of AM und Director.

Studenten fragten Bachmann, ob Dream Global denn auch eine eigene Digitalisierungsabteilung plane. Tut das Unternehmen nicht, denn: "Wir bauen nur nachhaltige Stellen auf, nur solche, die auch bleiben, wenn es mal nicht so gut läuft." Employer Branding spielt in einem engen Kandidatenmarkt eine große Rolle, und es nicht alles Gold, was glänzt: "Die sind gar nicht so locker, der Schein trügt", flüsterte eine Studentin von der HfWU Nürtingen-Geislingen dem Reporter ins Ohr. Überrascht wurde sie kurz zuvor vom Anblick ihrer Ex-Kollegen, die betont lässig in weißen T-Shirts herumliefen. Ein ebenfalls nicht ganz so positiver Eindruck blieb der HfWU-Studentin auch von einer Bewerbung um ein Praktikum bei einem anderen namhaften Immobilienunternehmen zurück: Für das Praktikum in Frankfurt habe dieses ihr nur 800 Euro im Monat geboten, "wo doch schon ein WG-Zimmer in Frankfurt 500, 600 Euro kostet. Die Begründung: Wir bezahlen dich mit unserem Namen in deinem Lebenslauf."

Harald Thomeczek