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Frauen an die Spitze

Frauen finden sich im Jahr 2020 noch immer selten in der Führung von Immobilienunternehmen.

Frauen finden sich im Jahr 2020 noch immer selten in der Führung von Immobilienunternehmen.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Wolfilser

Karriere 28.05.2020
Frauen sind in der Immobilienbranche keine Seltenheit mehr - auf den Führungsebenen bleiben sie aber etwas Besonderes. Ohne Frauenquote wird das vermutlich auch noch länger so bleiben. ... 

Frauen sind in der Immobilienbranche keine Seltenheit mehr - auf den Führungsebenen bleiben sie aber etwas Besonderes. Ohne Frauenquote wird das vermutlich auch noch länger so bleiben. Dabei tun die Unternehmen sich selbst den größten Gefallen, wenn sie ihre Führungsmannschaften stärker durchmischen: Ihr Gewinn kann im Schnitt zweistellig steigen.

Bei JLL Deutschland führt jetzt eine Frau das Unternehmen, bei DIC Asset seit gut drei Jahren. Eine CFO verantwortet Vonovias Finanzen, Patrizia besitzt eine Investmentchefin und die Aareal Bank hat zwei weibliche Vorstandsmitglieder. Swiss Life Asset Managers (SLAM), die Muttergesellschaft von Corpus Sireo und Beos, betraute vergangenes Jahr eine (damals) 33-Jährige mit dem CEO-Job in Deutschland. Bei der LEG klettert der Frauenanteil im Vorstand mit einer Finanzchefin ab Juli auf 33%. Führungsfrauen, so weit das Auge reicht!

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Wer sich die nackten Zahlen anschaut, der stellt allerdings fest: Frauen sind auf den obersten Führungsebenen von Unternehmen der deutschen Immobilienbranche wie eh und je eine Rarität. Ja, ihre Anzahl ist gewachsen. Doch die Männer dominieren immer noch die Vorstands- und Geschäftsführungsetagen. Nicht nur, dass Tina Störmer - wohlgemerkt aus gesundheitlichen Gründen - zurück in die Schweiz gewechselt ist und nun zwei männliche Geschäftsführer an der Spitze von SLAM Deutschland stehen. Anne Kavanagh von Patrizia hat sieben männliche Vorstandskollegen, Annette Kröger sitzt im Executive Committee von Allianz Real Estate neun Herren gegenüber. Apleona hat ein Management Board mit acht Positionen - alle mit Männern besetzt. Deutsche Wohnen: vier Vorstandsposten, vier Männer. Die Zahlen sprechen fast überall die gleiche Sprache.

Die Fakten sind deutlich. Sehr deutlich. Nicht, dass die Immobilienbranche im Vergleich mit anderen Branchen eine Ausnahme wäre - aber sie sticht im negativen Sinne hervor. Keine Frau im Vorstand, und keine Frau im Aufsichtsrat: Immobilienunternehmen sind überproportional stark mit einer doppelten Null vertreten. Von 17 börsennotierten Unternehmen, die auf der "doppelschwarzen Liste" der Allbright-Stiftung stehen, lassen sich sechs oder 35,3% der Immobilienbranche zurechnen (Stand September 2019). Bei einem Immobilienanteil von nur 13% unter den untersuchten Börsenunternehmen (21 von 160) ist das ein hoher Wert.

Unternehmen verschenken bares Geld

Dabei verschenken Unternehmen, die Diversität geringschätzen, Geld. Die Praxis lehrt, dass gemischte Führungsteams bessere Ergebnisse abliefern. Das Peterson Institute for International Economics, ein US-Thinktank, kam z.B. schon 2016 in einer internationalen Studie zu dem Fazit: Firmen mit einem Frauenanteil von mindestens 30% auf der obersten Managementebene machen im Schnitt 15% mehr Gewinn als vergleichbare Unternehmen ohne Frauen im Management. Eine brandaktuelle Studie von McKinsey zeigt: Die Unternehmen mit den höchsten Frauenanteilen im Topmanagement sind mit 25%iger Wahrscheinlichkeit profitabler als die Konkurrenz.

Eine Studie, die PwC im vergangenen Jahr für den Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) erstellte, zeigt: Unternehmen mit einem höheren Reifegrad in puncto Diversität wachsen nicht nur mit großer Wahrscheinlichkeit stärker als der Wettbewerb, sondern sind auch innovativer und freuen sich über zufriedenere Kunden und eine geringere Mitarbeiterfluktuation.

Vor allem die Immobilienbranche weiß die stillen Reserven nicht zu heben

Die Immobilienbranche weiß dieses Potenzial nicht zu heben, besagt die Studie des ZIA. So fehlt in der Mehrheit der 138 von PwC befragten Unternehmen eine klare Verantwortlichkeit für das Thema, und nur in einer kleinen Handvoll Firmen hat die Geschäftsführung mehr Vielfalt zur Chefsache erklärt - was meist nötig ist, um eine echte Veränderung einzuleiten.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass mehr als jedes zweite Unternehmen einen Frauenanteil von unter 10% auf der Ebene der Geschäftsführung aufweist, und bei mehr als zwei Dritteln der Frauenanteil auch auf den anderen Führungsebenen unter 30% liegt. Es ist nicht absehbar, dass die Branche demnächst aufholt. Denn viele Immobilienunternehmen sind weiter zurückhaltend mit ehrgeizigen Zielen für Frauenanteile im Vorstand oder der Geschäftsführung.

Ziel Null Prozent Frauen

Viele börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Firmen mit mindestens 500 Arbeitnehmern müssen seit 2015 Zielgrößen für den Aufsichtsrat, das Leitungsorgan und die beiden obersten Führungsebenen unterhalb von Vorstand oder Geschäftsführung festlegen. Mehr als ein Drittel (58) der 160 Gesellschaften im DAX, MDAX und SDAX haben sich zuletzt für den Vorstand das Ziel 0% Frauen gesetzt. Zwei davon, u.a. der Onlinehändler Zalando, sind nach einem Shitstorm zurückgerudert. Von den verbliebenen 56 "Doppelnullen" gehören elf, und damit fast 20%, der Immobilienbranche an.

Die Unternehmen sind um gute Gründe nicht verlegen. Beispielhaft sei der Bauträger Instone Real Estate herausgegriffen. Der Wohnungsentwickler erklärt sein Ziel Null auf Anfrage der Immobilien Zeitung mit der "Vertragsdauer der laufenden Vorstandsverträge" und damit, dass das Unternehmen das aktuelle Vorstandsteam auch darüber hinaus halten wolle. Außerdem sei es doch legitim, "dass jede Position vorwiegend nach Qualifizierung und Kompetenz besetzt werden soll - unabhängig vom Geschlecht oder anderen nicht leistungsbezogenen Kriterien". In der Öffentlichkeit vermittle die Quote Null ein falsches Bild: "Als würde sich ein Unternehmen nicht um Frauenförderung kümmern."

Für Männer gibt es ja quasi schon eine Quote

Anne Tischer, Mitgründerin der Initiative Frauen in Führung (FiF), erklärt, warum ihr die Zielquote Null ein Dorn im Auge ist: "Wenn der Status quo 0% ist, kann das Unternehmen begründen, warum die Wahl - trotz intensiver Suche - z.B. auf genau diese vier Männer gefallen ist. Aber eine Zielquote Null ist ein fatales Signal an die eigenen Mitarbeiterinnen sowie an Kandidatinnen."

Dass der oder die Beste den Job kriegt, ganz gleich, welches Geschlecht, ist nicht unbestritten: "Jede Frau, die seit mindestens zehn, 15 Jahren in der Branche arbeitet, hat schon erlebt, dass nicht immer der oder die Bestqualifizierte den Job bekommt, sondern wer ein gutes Netzwerk hat und denjenigen kennt, der den Job vergibt", sagt Tischer. "Es ist kein Zufall, dass so viele Immobilienunternehmen in der Allbright-Liste die Forderungen nach Diversität nicht erfüllen. Die Immobilienwirtschaft hinkt anderen Branchen um fünf bis zehn Jahre hinterher", konstatiert Karin Barthelmes-Wehr, Geschäftsführerin des Instituts für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft.

"Mit Blick auf das Employer Branding ist ein 0%-Ziel natürlich wahnsinnig ungeschickt"

Sonja Rösch aus dem Management der Agentur PB3C, die auf Immobilienkommunikation spezialisiert ist, ergänzt: "Mit Blick auf das Employer Branding ist ein 0%-Ziel natürlich wahnsinnig ungeschickt." Doch die wenigsten Firmen bringen den Mut auf, den Willen zur Veränderung mit einer Selbstverpflichtung in Gestalt einer Quote zum Ausdruck zu bringen. "Wenn ein Unternehmen etwas wirklich will - z.B. bei der Umsatzentwicklung oder in der Akquise -, setzt es sich messbare Ziele, in der Regel in Form einer Zahl. Alles fängt doch mit dem Commitment an", meint Tischer.

FiF fordert von allen führenden Immobilienunternehmen der verschiedenen Marktsegmente, von der Finanzierung über die Projektentwicklung bis zum Fonds-, Asset- und Property-Management: "Setzt Euch Zielquoten für den Frauenanteil in den obersten drei Führungsebenen und Fristen, innerhalb derer ihr diese erreichen wollt! Bis 2025 soll überall mindestens eine Frau im Vorstand bzw. in der Geschäftsführung sein!" Die Immobilien Zeitung hat Unternehmen, die sich als führend in ihren Marktsegmenten verstehen, nach ihrer Meinung zu dem Forderungskatalog gefragt. Im Wesentlichen zusammengefasst: Wer nicht unbedingt muss, verzichtet meist lieber darauf, sich unbequeme Ziele zu setzen (siehe Tabelle "Unternehmen aus der Immobilienbranche tun sich meist schwer mit freiwilligen Zielvorgaben" weiter unten).

Ohne Quote kaum messbarer Fortschritt

Dass sich ohne Quotenzwang wenig an den herrschenden Verhältnissen ändert, zeigen Zahlen der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR). Für Gesellschaften, die sowohl börsennotiert als auch voll mitbestimmungspflichtig sind, also mehr als 2.000 Mitarbeiter beschäftigen, gilt eine harte 30%-Quote für den Aufsichtsrat. Bei diesen hat der Frauenanteil seit 2015 erheblich zugelegt und beträgt mittlerweile rund 34%. Bei den anderen in den DAX-Segmenten notierten Unternehmen verharrt er nur knapp über 20%. Das wichtigste Indiz dafür, dass sich ohne Quote allenfalls punktuell etwas tut, ist: In den Vorständen, für die allesamt noch keine Quote gilt, bewegt sich der Frauenanteil um die 10%. Im Lager der Unternehmen mit der AR-Quote ist er seit 2015 nur unwesentlich stärker geklettert bzw. liegt kaum höher (10,8%) als im Lager (8,9%) der Unternehmen ohne AR-Quote. "Damit ist eine stabile Männerquote von 90% weiterhin gesichert", bilanziert FidAR.

Nicht umsonst hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) Anfang dieses Jahres einen Gesetzentwurf für eine verschärfte Frauenquote vorgelegt. Dieser sieht vor, dass Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern und mindestens vier Vorstandsmitgliedern künftig mindestens eine Frau im Vorstand haben müssen. Giffey hatte ihre Quote für Vorstände mit dem hohen Anteil von Unternehmen, die sich eine Zielquote Null für den Vorstand setzen, begründet: "Nur mit freiwilligen Bekenntnissen kommen wir nicht weiter."

Frauenquote: Status quo und Zielgrößen
Unternehmen aus der Immobilienbranche tun sich meist schwer mit freiwilligen Zielvorgaben für Frauenquoten - Status quo und Zielgrößen für Frauenanteile auf den operativen Führungsebenen ausgewählter Immobilienunternehmen in Deutschland: zum PDF

An der Quote scheiden sich die Geister. Heike Gündling, früher u.a. COO bei Bilfinger Real Estate und heute Managing Director bei Eucon Digital, ist ganz bei Giffey: "Ich bin für die Quote. Gegen eine schwere Krankheit hilft nur ein schweres Medikament. Wenn man so will, kommen ja auch Männer in der Immobilienbranche oft genug wegen einer - ungeschriebenen - Quote zum Zug: weil sie irgendwann einfach mal dran sind. Nicht jeder Mann in einer Führungsposition macht einen Superjob." PR-Frau Rösch hält dagegen: "Eine Quote bringt nichts. Besser ein mittleres Management für Nachbesetzungen aufbauen. Ich habe in meiner Laufbahn Frauen erlebt, die wegen einer Quote mehrere Hierarchieebenen übersprungen haben - und dann zu kämpfen hatten; sie waren einfach noch nicht bereit."

In den Unternehmen hat die Quote wenige Freunde

Auch die allermeisten Unternehmen zeigen sich wenig begeistert von der Vorstellung fester Frauenanteile für operative Führungsebenen. Swiss Life Asset Managers etwa ist zwar "überzeugt, dass gemischte Teams besser performen". Aber: "Eine starre Quote erachten wir nicht als förderlich." Lieber versuche der Asset-Manager, "durch eine breite Förderung auf allen Ebenen des Unternehmens zu erreichen, dass der Pool von potenziellen Kandidatinnen für Führungsaufgaben immer größer wird und es somit automatisch mehr Frauen in Führungspositionen geben wird." Der Projektentwickler Consus begründet seine Ablehnung einer fixen Zielvorgabe damit, dass eine solche "die ohnehin schwierige Fachkräftesuche weiter einschränken würde". Zudem sei eine Quote auch für die Frauen selbst ein vergiftetes Geschenk: "Unsere weiblichen Führungskräfte haben viele eigene Akzente eingebracht. Dabei mussten sie nicht mit dem Makel von Quotenfrauen kämpfen, sondern werden als qualifizierte Mitglieder des Teams verstanden, sodass die Zusammenarbeit mit den Männern bestens funktioniert."

"Krisen werden gern dafür genutzt, einen Backlash einzuleiten"

Aus Giffeys Quote für Vorstände wird aber ohnehin wahrscheinlich erst einmal nichts. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) drohte laut einem Medienbericht, gegen einen Kabinettsbeschluss zu stimmen. Den Firmen sollten in der Krise weitere Belastungen erspart bleiben. Da ist es fast schon Ironie, dass Altmaiers Ministerium die Schirmherrschaft bei FiF innehat. Gündling warnt: "Krisen werden gern dafür genutzt, einen Backlash einzuleiten. Natürlich hat sich beim Thema Frauen in Führung in der Vergangenheit was getan. Aber speziell die Immobilienbranche ist immer noch sehr männerlastig. Da besteht einfach die Sorge, dass dieses zarte Pflänzchen jetzt in der Krise wieder verdorrt."

Die Krise ist jetzt schon Gift für dieses Pflänzchen. Laut der Hans-Böckler-Stiftung sind Männer und Frauen zwar in etwa gleich stark von Kurzarbeit betroffen. Doch die Frauen haben ihre Arbeitszeit wegen geschlossener Schulen und Kitas deutlich öfter (zusätzlich) reduziert. Dabei setzt sich nicht nur die Arbeitsteilung von vor der Krise fort. Vier von zehn Elternpaaren, die sich die Erziehungsarbeit vorher ungefähr gleich aufteilten, sind zu alten Rollenmustern zurückgekehrt.

"Corona macht die Mängel wieder sichtbar"

Was die Studie anhand von knapp 8.000 Erwerbstätigen zeigt, nimmt Izabela Danner täglich in ihrem Netzwerk wahr. "Die traditionellen Rollen werden wieder oft klassisch gelebt, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht", beobachtet die ehemalige Geschäftsführerin von JLL Deutschland. "Der Mann hängt den ganzen Tag in den Telkos - und die Frau natürlich auch. Denn wer die Verfügbarkeit für den Job nicht gewährleistet, ist ganz schnell weg vom Fenster." Für Frauen ohne Familie ist es vielleicht egal, wenn sie in Corona-Zeiten von morgens bis abends in Zoom-Meetings hängen. "Aber", betont Danner, "wenn kleinere Kinder da sind, dann läuft die Versorgung vorrangig bei den Müttern mit. Für viele ist die Belastung unerträglich geworden."

Danner erzählt von berufstätigen Frauen aus ihrem Bekanntenkreis: "Sie fangen teils um 5 Uhr morgens an - und wenn die Kinder schlafen, müssen sie aufholen, was sie den Tag über nicht geschafft haben. Corona macht die Mängel unserer Arbeitswelt wieder sichtbar - und vor allem klar, dass der Job nicht aus dem persönlichen Kontext herauslösbar ist." So manche Frau droht karrieretechnisch abgehängt zu werden: "Viele Entscheidungen müssen in der Krise schnell getroffen werden; da greift man automatisch zur starren Hierarchie oder zu denen, die rund um die Uhr verfügbar sind. Und das sind in unserer Branche besonders oft Männer."

Wie viele Frauen an der Spitze von Immobilienfirmen stehen, zeigt unsere IZ-Tabelle.

Details zur Initiative unter: www.frauen-in-fuehrung.info

Harald Thomeczek

Architrave: Smallwood tritt in die Fußstapfen von Gündling

Heike Gündling.

Heike Gündling.

Quelle: Immobilien Zeitung

Köpfe 18.12.2019
Das Berliner Proptech Architrave hat den ehemaligen Scout24-Manager Ashley Smallwood als neuen Chief Operating Officer (COO) verpflichtet. Der 51-Jährige tritt damit gleichsam in die ... 

Das Berliner Proptech Architrave hat den ehemaligen Scout24-Manager Ashley Smallwood als neuen Chief Operating Officer (COO) verpflichtet. Der 51-Jährige tritt damit gleichsam in die Fußstapfen der früheren Bilfinger-Managerin Heike Gündling, die Architrave im Herbst 2018 nach rund zwei Jahren wieder verlassen hatte.

Gündlings Posten als COO übernahm damals Dr. Philipp Päuser. Päuser gehört immer noch der Geschäftsführung an - inzwischen allerdings als Chief Product Officer (CPO). CEO Maurice Grassau, CFO Rainer Ohst und der erst kürzlich an Bord gegangene CTO Martin Rothenberger komplettieren die Unternehmensleitung.

Die Vita der neuen Führungskraft Smallwood liest sich wie folgt: U.a. habe er leitende Funktionen in Australien und China beim börsennotierten Unternehmen REA Group, einem digitalen Dienstleister für Immobilienportale mit Hauptsitz in Melbourne, dem Portal View.com und bei der Berliner Scout24 Group bekleidet. Bei Scout24 wirkte er als Vice President Operations.

"Die Zukunft der digitalen Immobilienwirtschaft gehört multifunktionalen Plattformen", ist sich Smallwood sicher. Sein Anspruch an sich selbst: Mit seinen "internationalen Kontakten und früheren Führungspositionen bei vergleichbaren Plattformanbietern" will er Architrave von einem "deutschlandweit führenden Anbieter für digitales Asset-Management" zu einem Player mit einer "europaweit führenden Marktstellung" weiterentwickeln.

Harald Thomeczek

Junge Hüpfer und alte Hasen

Unübersehbar: Frauen sind im Studiengang Immobilienmanagement der TH Aschaffenburg in der Überzahl.

Unübersehbar: Frauen sind im Studiengang Immobilienmanagement der TH Aschaffenburg in der Überzahl.

Quelle: fotos.berndottow.de, Urheber: Bernd Ottow

Karriere 14.11.2019
Der Studiengang Immobilienmanagement an der TH Aschaffenburg feierte sein Zehnjähriges. Heiß diskutiert wurde u.a. die Frage: Wie viel Theorie braucht die Praxis, wie viel Praxis ... 

Der Studiengang Immobilienmanagement an der TH Aschaffenburg feierte sein Zehnjähriges. Heiß diskutiert wurde u.a. die Frage: Wie viel Theorie braucht die Praxis, wie viel Praxis verträgt die Theorie? Die Studenten erfuhren, wie junge Hüpfer im Karrierewettbewerb einen Stich gegen alte Hasen machen können.

Das Foto täuscht nicht: Frauen sind in der Immobilienabteilung der Technischen Hochschule Aschaffenburg deutlich in der Überzahl. Sie stellen rund zwei Drittel der Immobilienstudenten. Weil die jungen Damen irgendwann in den rauen Joballtag entlassen werden und sich dort zurechtfinden müssen, sollten sie und ihre der schieren Anzahl nach unterlegenen männlichen Pendants zur Feier des Tages erfahren, was dort von ihnen erwartet wird und wie sie sich für diese Anforderungen wappnen können.

Denn die TH Aschaffenburg hatte Studenten und Alumni, Freunde und Förderer nicht nur zu einer Jubiläumsfeier eingeladen. Wie es sich einer Hochschule geziemt, stand der Diskurs im Fokus: Alte Hasen und jüngere Semester ließen ihre Gedanken nicht zuletzt um die Fragen kreisen, wie sehr sich einerseits die Praxis in die Hochschulausbildung einmischen dürfen sollte und wie viel Theorie Immobilienabsolventen andererseits später im Beruf brauchen. Denn das ist das Dilemma eines berufsqualifizierenden Studiengangs: Er soll zwar konkret auf einen wie auch immer gearteten Job vorbereiten; das einmal Gelernte soll dem Absolventen aber auch dann noch helfen, wenn die Zeiten - oder er selbst - sich ändern.

Die erfahrene Immobilienmanagerin Heike Gündling, die heute nach eigenen Worten als "Wanderpredigerin" der Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft unterwegs ist, brach eine Lanze für die Unabhängigkeit der Hochschulausbildung: "Mich stört die Erwartung, dass die Hochschule eins zu eins auf die Praxis vorbereiten soll. Die Hochschule soll mich methodisch vielmehr in die Lage versetzen, mit neuen Problemen umgehen zu können." Zumal die Halbwertszeit angewandten Wissens sinkt, wie Patrick Becker (zu sehen ganz links auf dem kleineren Foto), Absolvent des ersten Immobilienjahrgangs in Aschaffenburg und heute bei Art-Invest für einen Hotelimmobilienfonds zuständig, anmerkte.

Mehrwert Kapitalmarkttheorie

Esteban de Lope, Leiter Fondsmanagement Publikumsfonds bei Deka Immobilien, hatte einen Tipp, wie junge Hüpfer im Karrierewettbewerb einen Stich machen können. "An der Kapitalmarkttheorie hapert es", monierte de Lope. Dabei sei ein solcher theoretischer Mehrwert die einzige Chance, "erfahrene Kollegen zu überholen". In puncto Erfahrung könne ein Youngster einem alten Hasen, der seit 15 Jahren dabei ist, schließlich nicht das Wasser reichen.

Absolvent Becker schlug in dieselbe Kerbe: "Je weiter man von den Immobilien weg und in Richtung Kapitalmarkt geht, desto wichtiger wird die Theorie." Schließlich sprechen Investoren wie Versicherungen und Banken oder auch Ratingagenturen eine andere Sprache - die Immobilienleute in bestimmten Positionen aber halt auch verstehen können sollten.

So schön Spezialkenntnisse in Kapitalmarkttheorie jedoch auch sein mögen: Wenn es schon an den Basics fehlt, ist an sowas nicht zu denken. "Das Mathematische hat nachgelassen - aber leider brauchen wir es", konstatierte de Lope. Denn es sei schon ziemlich "peinlich, wenn man mit Zahlen falsch umgeht". Und oberpeinlich ist es, da waren sich die Diskutanten einig, wenn man dann auch noch eigentlich offensichtliche Fehler nicht erkennt, sondern blind irgendwelchen Tools vertraut (die man zuvor nicht korrekt gefüttert hat).

Sandra Mengel, Office Head Real Estate Operations bei alstria office Reit, guckt bei Bewerbern nicht nur auf die mathematischen Kenntnisse, sondern auch auf die Rechtschreibung, genauer: Rechtschreibfehler. Auch von einer Leseschwäche wusste Mengel zu berichten: "Texte werden nicht mehr richtig gelesen. Alles, was kürzer ist, geht noch." Ihr Erklärungsversuch: Die Generation WhatsApp sei halt vor allem überschaubare sprachliche Ergüsse gewohnt. Die Folge: Heute müsse man den jungen Mitarbeitern "klare Bauanleitungen" geben.

Harald Thomeczek

Heike Gündling greift dem nächsten Proptech unter die Arme

Heike Gündling.

Heike Gündling.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Frank Boxler

Köpfe 14.11.2018
Die Ex-Bilfinger-Managerin Heike Gündling steigt nach ihrem Rückzug bei Architrave, einem Anbieter von Datenmanagementlösungen, beim nächsten Proptech ein. ... 

Die Ex-Bilfinger-Managerin Heike Gündling steigt nach ihrem Rückzug bei Architrave, einem Anbieter von Datenmanagementlösungen, beim nächsten Proptech ein.

Seit Anfang November bekleidet Gündling den Posten des Managing Director Real Estate bei Eucon Digital in Münster. Eucon versteht sich als "Digitalisierungsexperte für Daten- und Prozessintelligenz" und will für Immobilienmanager dazu beitragen, "Daten und Dokumente schneller, transparenter und flexibler zu managen". Wie das gelingen soll, beschreibt die Firma so: "Um regelbasierte Geschäftsprozesse zu automatisieren, nutzt Eucon moderne Systeme, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz komplexe Dokumente automatisch klassifizieren und relevante Daten extrahieren." Das durch die Erkennung von Mustern und Zusammenhängen generierte Wissen solle Asset- und Property-Managern bei der Datenanalyse auf die Sprünge helfen.

Eucon arbeitet nach eigenen Angaben für Fahrzeughersteller, Automobilzulieferer, Versicherer und eben Immobilienunternehmen. Im Bereich Automotive bezeichnet sich das Unternehmen als "einen der weltweit führenden Anbieter von best-in-class Marktinformationen sowie datenbasierten Systemen für effizientes Produktmanagement". Das Produktportfolio im Geschäftsbereich Real Estate wurde seit 2015 von Direktor Bernd Litmeyer aufgebaut.

Strabag und Union Investment sind Kunden

"Jetzt gilt es, die Lösungen auszurollen und den Bereich auf stärkere Füße zu stellen", erklärt eine Sprecherin zur aktuellen Personalie. "Zu unseren Kunden zählen große, namhafte Unternehmen wie Strabag und Union Investment. Die Umsätze im Bereich Real Estate lassen sich mit namhaften Playern der Proptech-Szene vergleichen." Bis heute habe man über 200.000 selbst lernende Kontierungen und über 3 Mrd. Euro Rechnungsvolumen für Immobilienkunden verarbeitet.

Harald Thomeczek

Martina Güttler verlässt Apleona für Allthings

Martina Güttler.

Martina Güttler.

Köpfe 17.01.2018
Das Schweizer Proptech Allthings hat die Geschäftsführerin einer Apleona-Tochter abgeworben: Martina Güttler. Die Dame heuert zum 1. März 2018 bei dem einstigen Spin-Off der Eidgenössischen ... 

Das Schweizer Proptech Allthings hat die Geschäftsführerin einer Apleona-Tochter abgeworben: Martina Güttler. Die Dame heuert zum 1. März 2018 bei dem einstigen Spin-Off der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich an. Sie trägt dann den Titel Managing Director und ist für den deutschen Markt verantwortlich. Zurzeit bzw. seit Oktober 2014 führt Güttler die Geschäfte des Gewerbeimmobilienverwalters Apleona GVA GeServ (der ehemaligen Bilfinger Real Estate GVA GeServ). Vorher war sie gut zweieinhalb Jahre National Director Management Services bei JLL.

Allthings ist eine Plattform, auf der sich Mieter, Immobilienverwalter und Eigentümer miteinander vernetzen können. Das Unternehmen ist in Deutschland an drei Standorten präsent: in Freiburg im Breisgau, Frankfurt am Main und Berlin. Insgesamt sind an diesen drei Standorten 40 Mitarbeiter tätig. Im angelaufenen Jahr sollen etwa zehn weitere Stellen in Deutschland besetzt werden: "Momentan haben wir für den deutschen Markt ca. zehn offene Positionen in den Bereichen Vertrieb, Customer Operations, Analytics und im Hinblick auf die 2018 weiter anstehende Internationalisierung", sagt Allthings-Pressesprecher Thomas Ulrich. Insgesamt beschäftigt Allthings aktuell 60 Mitarbeiter. Bis Ende 2018 sollen es 80 bis 100 werden. Martina Güttler wird übrigens nicht die erste Geschäftsführerin von Apleona bzw. Bilfinger Real Estate sein, die in die Proptech-Szene wechselt: Heike Gündling ist seit November 2016 Chief Operating Officer der Asset-Management-Plattform Architrave.

Harald Thomeczek

"Jetzt ist die Zeit, in Führung zu gehen"

Das Reizthema Frauen und Führung diskutierten fünf Führungspersönlichkeiten.

Das Reizthema Frauen und Führung diskutierten fünf Führungspersönlichkeiten.

Bild: IZ

Karriere 08.10.2014
Der Kampf um Talente tobt immer stärker. Frauen könnten davon profitieren, wenn sie eine Führungsposition anstreben und das richtige Selbstverständnis mitbringen. ... 

Der Kampf um Talente tobt immer stärker. Frauen könnten davon profitieren, wenn sie eine Führungsposition anstreben und das richtige Selbstverständnis mitbringen.

Frauen sind nicht nur auf der Expo Real Mangelware, sondern auch auf den Führungsetagen vieler Immobilienunternehmen. Doch das muss nicht so bleiben. Im Kampf um Talente dürften Frauen stärker in den Fokus von Personalern rücken. Doch das alleine ist noch keine Karriere-Garantie. "Der Mensch muss selbst entscheiden, ob er eine Führungskraft werden will", sagt Günter Willbold, Leiter Region Deutschland bei Siemens Real Estate (A1.224/A1.320), bei einer Diskussionsrunde des Vereins Frauen in der Immobilienwirtschaft (A1.320). Wer diese Frage für sich mit einem Ja beantwortet habe, sollte seine Vorgesetzten auf Entwicklungschancen ansprechen.

Das betont auch Sabine Wieduwilt, Sozia bei Dentons (A2.012) und Mitglied im Vorstand der Immofrauen. Junge Frauen sollten nach Führungsaufgaben aktiv fragen. Denn "jetzt ist die Zeit, in Führung zu gehen", sagt Wieduwilt.

Das entsprechende Selbstverständnis dafür müsse aber vorhanden sein, sagt Heike Gündling, Geschäftsführerin von Bilfinger Real Estate (B1.412). Dass der Aufstieg nicht ohne Anstrengung und Rückschläge geht, machten die Führungskräfte aber auch deutlich: "Ich bin viel häufiger verhindert als gefördert worden", sagt Gündling.

Weil sie wissen, wie wichtig Förderung ist, verliehen die Immofrauen zum zweiten Mal ihre Nachwuchsförderpreise - ausschließlich an Absolventinnen. Aus knapp 30 Einsendungen wurden die Bachelorarbeit von Svenja Thor (Steinbeis Hochschule Berlin), die Masterarbeit von Sandra Markert (Universität Regensburg, B2.020) und die Dissertation von Sigrid Busch (Universität Stuttgart, B2.030) ausgewählt. Auch im kommenden Jahr sollen die Förderpreise wieder ausgelobt werden.

Sonja Smalian