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'Den typischen Hochtief-Mitarbeiter gibt es nicht'

Artikel vom 02.10.2009, 16:52
Über Chancen regionaler Bewerber beim Bau- und Dienstleistungskonzern Hochtief und Einstiegsmöglichkeiten in Osteuropa: ein Gespräch mit Sabine Hübner-Henninger, Leiterin Personalmarketing und Bewerbermanagement, und Karl-Heinz Beckhoff, für den Unternehmensbereich Real Estate zuständiger Personalleiter. Immobilien Zeitung: Frau Hübner-Henninger, Herr Beckhoff, was macht den typischen Hochtief-Mitarbeiter aus? Sabine Hübner-Henninger: Für mich gibt es keinen typischen Hochtief-Mitarbeiter. Es ist wichtig, dass wir im Konzern einen Mix unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen, unterschiedlichen Lebensgeschichten und unterschiedlichen Erfahrungen haben, so können wir viel produktiver sein. Wenn alle Mitarbeiter ähnlich sind, entwickeln sie auch nur ähnliche Ideen. Karl-Heinz Beckhoff: Eine Klammer gibt es doch: Der typische Hochtief-Mitarbeiter ist teamfähig. Alle Unternehmensbereiche sind von Teamarbeit geprägt, ob auf der Baustelle, im Facility-Management oder bei der Projektentwicklung. IZ: Inwieweit ist ein immobilienwirtschaftliches Studium für Bewerber von Vorteil? Beckhoff: Wenn jemand zum Beispiel Immobilienökonomie studiert hat und das für die entsprechende Aufgabe nützlich ist, bringt das sicherlich einen Vorteil bei der Erstauswahl. Entsprechende Bewerber werden eher zum Vorstellungsgespräch eingeladen, weil wir davon ausgehen können, dass sie sich schon mit den Besonderheiten der Branche auseinandergesetzt haben. IZ: Und in welchen Bereichen benötigen Sie am ehesten Absolventen mit immobilienwirtschaftlichem Hintergrund? Hübner-Henninger: Vor allem in der Projektentwicklung, im Bauträgergeschäft, im Property-Management, aber auch in der zentralen Unternehmensentwicklung gibt es Einstiegsmöglichkeiten. Wobei in Letzterer die Mischung besonders wichtig ist. Da arbeiten Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler und Naturwissenschaftler gemeinsam an Projekten. Gute Erfahrungen mit Absolventen der Uni Mannheim IZ: Und haben bei Ihnen auch Bachelor-Absolventen eine Chance? Hübner-Henninger: Das ist immer abhängig von der Position. Es gibt Stellen, da sind die akademischen Anforderungen zu hoch. Gerade im operativen Bereich haben wir aber auch Bachelor- oder Fachhochschulabsolventen: zum Beispiel als Objektbetreuer im Facility-Management oder als Projektkaufleute im Construction-Bereich. Bei den neuen Bachelor-Strukturen ist es besonders wichtig, von welcher Hochschule der Bewerber kommt und welche Inhalte dort gelehrt werden. IZ: Sie haben also interne Hochschul-Rankings? Hübner-Henninger: Nein, aber es gibt Hochschulen, mit deren Studenten wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Im Bereich Wirtschaftswissenschaften nehmen wir zum Beispiel sehr gerne Absolventen der Universität Mannheim, aber auch der Unis Bochum und Münster. Ganz entscheidend ist auch die Frage: Wo ist der Arbeitsort? Denn die Flexibilität unter den jungen Leuten ist wesentlich geringer geworden. Wenn Sie einen guten Studenten von der TU München einstellen, kann es passieren, dass er nach einem oder zwei Jahren das Unternehmen wieder verlässt, weil er doch lieber in München statt in Essen arbeiten möchte. IZ: Das heißt, Sie bevorzugen regionale Bewerber? Beckhoff: In erster Linie ist das Anforderungsprofil entscheidend. Aber wenn der regionale Bewerber genauso qualifiziert ist, kann das der ausschlaggebende Faktor sein, ihn zu einzustellen. IZ: Welche besonderen Fähigkeiten erwarten Sie von neuen Mitarbeitern? Hübner-Henninger: Offenheit und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Wichtig ist auch hier das Thema Mobilität. Wir sind da, wo der Bauherr ist, und wenn er salopp gesagt in der Pampa sitzt, gehen wir da hin. Mitarbeiter sollten neugierig sein und auch mal an Orte gehen, an die sie vorher vielleicht nicht gedacht haben. Beckhoff: Das gilt besonders für Osteuropa. Wir haben viele Anfragen wegen unserer Aktivitäten in den USA oder Australien. Wir sind aber zum Beispiel auch in Polen, Tschechien oder Ungarn tätig, da wird dann die Liste der Bewerber wesentlich kürzer. IZ: Wie fördern Sie die Karriere Ihrer Mitarbeiter? Hübner-Henninger: Beispielsweise nehmen alle Nachwuchskräfte, die in einem Jahr eingestiegen sind, an mehreren zweibis dreitägigen Workshops teil. So soll ein unternehmens- und regionenübergreifendes Netzwerk entstehen. Beckhoff: Neben zahlreichen Weiterbildungsangeboten haben wir außerdem das Programm Talent-Pool, in dem Mitarbeiter, die konstant gute Leistungen gebracht haben, für höhere Positionen gefördert werden. IZ: Frau Brinkmann hat bei der Hochtief Projektentwicklung (HTP) gleich nach dem Einstieg die Verantwortung für ein größeres Projekt übernommen. Ist das üblich? Beckhoff: Bei der HTP haben Mitarbeiter wegen flacher Hierarchien die Chance, relativ früh viel Verantwortung zu übernehmen. Daher ist es für uns auch sehr wichtig, die richtigen Mitarbeiter zu rekrutieren und langfristig zu binden. IZ: Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Peter Maurer.