"Mehr zarte Schwingungen als große Trends"

Alice Fontana von der Londoner Personalberatung Bohill Partners.

Alice Fontana von der Londoner Personalberatung Bohill Partners.

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Karriere20.10.2016
Ein Massenexodus aus London zeichnet sich nach dem EU-Referendum nicht ab, und auch von einem Rekrutierungsstopp kann nicht die Rede sein. Völlig spurlos ist das Pro-Brexit-Votum jedoch nicht am ... 

Ein Massenexodus aus London zeichnet sich nach dem EU-Referendum nicht ab, und auch von einem Rekrutierungsstopp kann nicht die Rede sein. Völlig spurlos ist das Pro-Brexit-Votum jedoch nicht am Recruiting-Markt vorbeigegangen, berichtet Personalberaterin Alice Fontana aus London.

Immobilien Zeitung: Frau Fontana, Bohill Partners besetzt von London aus in ganz Europa, ja weltweit Positionen in der Immobilienwirtschaft, rund die Hälfte davon in Großbritannien. Sie selbst machen sich auf die Kandidatensuche, wenn deutsche Immobilienfirmen im Ausland, vorrangig in UK, aktiv(er) werden wollen und rekrutieren für internationale und nationale Immobilienunternehmen Mitarbeiter für Deutschland. Wie hat sich der Brexit auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Alice Fontana: Zunächst muss man sagen, dass bis zum Tag des Referendums Business as usual geherrscht hat. Die wenigsten in London haben damit gerechnet, dass die Briten sich für einen Austritt entscheiden würden.

IZ: Und nach dem Brexit-Schock?

Fontana: Wurden schlagartig einige kleinere Mandate auf Eis gelegt: Am Donnerstag, den 23. Juni, fand das EU-Referendum statt, und als am Freitag darauf das Ergebnis feststand, erhielten wir sofort Anrufe, mit denen Aufträge zurückgezogen wurden.

IZ: Details, bitte!

Fontana: Das ist alles eher unspektakulär, aber bitte: Ein auf Büroimmobilien in Großbritannien spezialisierter Private-Equity-Fonds hat sein Mandat für zwei Positionen, für die wir den Markt schon sondierten, und eine Position in der Pipeline zurückgestellt. Außerdem hat eine paneuropäische Immobilienberatung die Suche nach einem Mitarbeiter in London schlagartig eingestellt. Und die Pläne eines paneuropäischen Immobiliendienstleisters für ein neues Büro in London mit bis zu fünf Mitarbeitern sind wieder in der Schublade verschwunden. Es gab auch weniger deutliche, aber durchausinteressante Reaktionen auf die überraschende Entscheidung pro Brexit: Beispielsweise hat ein internationales Beratungs- und Investmentunternehmen seine britischen Kollegen ermuntert, sich mehr in Richtung Kontinentaleuropa einzubringen.

IZ: Wie kam das denn bei den kontinentaleuropäischen Kollegen an?

Fontana: Natürlich nicht so gut.

IZ: Klingt ja in der Summe doch nicht so, als hätte der Brexit bislang gar keine Wirkung auf das Recruiting in der Immobilienwirtschaft entfaltet.

Fontana: Nun ja, ich würde diese Einzelfälle nicht generalisieren. Seit dem Tag des Brexit-Votums wurden schließlich bei uns keine weiteren Mandate gecancelt. Und der genannte Immobiliendienstleister wird sein Londoner Büro nun wohl doch eröffnen, wie mir in diesen Tagen signalisiert wurde. Eigentlich sehe ich bis jetzt nur Auswirkungen auf kleinere, auf UK spezialisierte Investment-Manager und Sterling-Fonds. Für Fonds, die in Euro, Dollar oder Schweizer Franken investieren, sind der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU und das damit verbunden geschwächte Pfund ja eine Opportunität. Auch für opportunistische Fonds könnte Großbritannien jetzt also erst so richtig interessant werden. Gut vorstellbar, dass z.B. bald mehr Deal-Sourcer hierfür gesucht werden. Und große, global tätige Investment- und Fondsmanager mit in Relation geringem Exposure in UK werden ihre paneuropäischen Recruiting-Pläne weiter umsetzen. Schließlich weiß im Moment kein Mensch, wie die Austrittsbedingungen aussehen werden, und vor Anfang 2019 dürfte das auch nicht feststehen.

IZ: Die eine oder andere deutsche Wirtschaftsförderung hat sich im Vorgefühl eines möglichen Massenexodus u.a. Londoner Banken schon in Stellung für Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Vereinigten Königreich gebracht, so geschehen auch auf der Expo Real.

Fontana: Niemand weiß, wie die Austrittskonditionen schlussendlich aussehen werden. Alle hoffen auf einen Schweiz- oder Norwegen-Status. Freiheit des Kapitals wird es nur gegen Freiheit der Arbeitnehmer geben. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass in einem Massenexodus aus UK nach Kontinentaleuropa ganze Teams von London abgezogen und nach Frankfurt oder Paris verlagert werden. Es ist auf jeden Fall viel zu früh, zu behaupten, dass sich andere Städte mit Büros oder Wohnungen für Banker oder Immobilienleute wappnen müssten. Zurzeit ist das alles noch gar nicht absehbar. Die geschilderten Fälle sind nicht mehr als Einzelfälle, und betroffen sind vor allem kleinere, sehr UK-spezifische Marktteilnehmer.

IZ: Gibt es solche Einzelfälle denn auch dergestalt, dass der eine oder andere Arbeitnehmer sich für einen Job auf dem Festland in Stellung bringt?

Fontana: Ja, solche Einzelfälle gibt es: Wir hatten z.B. vor dem Referendum für eine paneuropäische Rolle in Paris Kandidaten aus UK angesprochen. Die meisten dieser britischen Kandidaten sagten uns damals ab. Kurz nach dem Brexit haben sich dann einige dieser Kandidaten überraschend bei uns gemeldet und signalisiert, dass sie doch Interesse an dieser Position hätten. Doch man sollte auch dies nicht überbewerten: Es geht auch hier eher um zarte Schwingungen als um große Trends.

IZ: Wirkt sich das Votum auf die Mandate von Bohill Partners in anderen Ländern aus?

Fontana: Unsere Mandate in anderen Märkten, sei es in Deutschland, Frankreich oder Skandinavien, sind vom Pro-Brexit-Votum der Briten komplett unbeeinflusst geblieben.

IZ: Genug vom Brexit: Welche Profile werden zurzeit am meisten nachgefragt?

Fontana: Gesucht sind u.a. Akquisiteure, also die berühmten Trüffelschweine, die den Riecher für die richtigen Immobilien und Standorte haben. Auch Asset-Manager zur Wertgenerierung nach Zukäufen sind gefragt. Es gibt leider zu wenige Asset-Manager, die gleichzeitig mit der Immobilie und mit Finanzkennzahlen auf hohem Level umgehen können. Im Capital Raising werden Leute gesucht, die mehr aus der deutschen Kapitalseite herausholen können.

IZ: Frau Fontana, vielen Dank für das angenehme und erhellende Gespräch.

Das Interview führte Harald Thomeczek.

Harald Thomeczek

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Der Aufschwung der Topgehälter hält an - noch

Trotz aufkeimender Unsicherheit unter Investoren lief das Jahr 2018 saugut für die deutsche Immobilienbranche. Und damit auch für die Menschen, die in dieser Branche arbeiten.

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Quelle: iStock.com, Urheber: Ridofranz

Karriere14.03.2019
Deutschland ist ein beliebtes Reiseziel für Immobilieninvestoren. Den Gehältern von Investmentprofis, Kapitalsammlern und Asset-Managern gab das in den letzten Jahren Auftrieb. Am besten ... 

Deutschland ist ein beliebtes Reiseziel für Immobilieninvestoren. Den Gehältern von Investmentprofis, Kapitalsammlern und Asset-Managern gab das in den letzten Jahren Auftrieb. Am besten schneiden nach einer aktuellen Analyse der Personalberatung Bohill Partners Eigenkapitalbeschaffer in der Private-Equity-Branche ab. Schwer zu sagen, wo die Reise der Gehälter 2019 hingeht.

Bohill Partners bringt mit seiner Untersuchung Licht in die Blackbox der Gehälter in den drei genannten Berufsgruppen in Private-Equity-Häusern und in der Fondsbranche. Am besten schneiden die Kapitalsammler ab. Ein Managing Director in einer Private-Equity-Firma kann mit einem festen Jahresgehalt von 250.000 bis 300.000 Euro im Jahr rechnen. Doch das ist lange noch nicht alles: 150% bis 200% dieser Summe kommen, wenn es gut läuft, nochmal als Bonus obendrauf. Unter einem Managing Director hat man sich jemanden vorzustellen, der normalerweise mindestens 15 Jahre einschlägige Berufserfahrung nachweisen kann und eine leitende Position besetzt, auch mit Verantwortung für Gewinn und Verlust.

Kapitalakquisiteure mit Director-Titel verdienen in der Private-Equity-Welt 150.000 bis 200.000 Euro fix plus 75% bis 100% Bonus. Ein Vice President ist 120.000 bis 130.000 Euro zuzüglich eines Bonus von 50% bis 100% wert. Ein Director besitzt etwa zehn bis 15 Jahre Berufserfahrung; dieser Titel kann mit einer Leitungsfunktion verbunden sein, muss aber nicht. Als Vice President firmieren Führungskräfte mit ca. acht bis zehn Berufsjahren.

Die Nachfrage nach Vertrieblern hat angezogen, weil der Appetit internationaler Fondsmanager und Private-Equity-Gesellschaften auf deutsches Geld zunimmt. "Wir sehen mehr und mehr Bedarf an Capital Raisern", sagt Alice Fontana, Managing Partner von Bohill Partners. "Manche Player verbreitern die Produktpalette und vergrößern darum ihre Teams. Andere, z.B. deutsche Privatbanken, bauen eigentlich für Privatkunden Immobilienfondsprodukte auf, brauchen dann aber auch institutionelles Geld, um größere Investitionen leisten zu können."

Institutionelle Fondsmanager zahlen nicht ganz so gut wie Private-Equity-Gesellschaften. Ein Eigenkapitalbeschaffer im Range eines Managing Director z.B. kommt im Fondsmanagement auf ein Grundgehalt von 170.000 bis 220.000 Euro. Das ist ungefähr ein Drittel weniger, als jemand auf einer vergleichbaren Position in der Private-Equity-Welt bekommt. Auch die Boni schrumpfen deutlich (75% bis 125% versus 150% bis 200%).

Nicht ganz so groß ist die Spanne zwischen Private-Equity-Universum und Fondsmanagement bei der Berufsgruppe der Investmentprofis. Was vielleicht daran liegt, dass die Fondsmanager im vergangenen Jahr bei den Private-Equity-Gesellschaften auffällig oft "Dealsourcer" abgeworben haben. An profitable Geschäftsmöglichkeiten zu kommen, wird spät im Zyklus schließlich immer kniffliger. "Institutionelle Fondsmanager schauen mehr in Richtung Core-plus und Value-add und rekrutieren daher Leute aus Private-Equity-Häusern, die das schon gemacht haben", erklärt Fontana.

Gesucht sind speziell Leute, "die an Off-Market-Deals herankommen, die von den Verkäufern und Maklern nicht breit an den Markt herangetragen werden, sondern vielleicht nur an eine Hand voll Adressen gehen. Da braucht man das richtige Netzwerk", sagt Fontana.

Ein Investmentexperte im Range eines Managing Director bekommt im Fondsmanagement fix 180.000 bis 220.000 Euro. Das ist gar nicht so weit weg von den 210.000 bis 240.000 Euro, die jemand auf einer vergleichbaren Position in Private-Equity-Firmen verdient. Jedoch spielen Investmentprofis bei Finanzinvestoren bonustechnisch immer noch in einer anderen Liga als ihre Pendants im Fondsmanagement (100% bis 200% versus 50% bis 100%). Auf Director-Ebene sieht es ähnlich aus: Im Private-Equity-Bereich liegt das Gehaltsband zwischen 150.000 und 175.000 Euro plus 100% bis 150% Bonus. Im Fondsmanagement reicht die Bandbreite des Fixums von 140.000 bis 160.000 Euro, der Bonus schwankt zwischen 50% und 75%.

Auf der Ebene Vice President ist der Unterschied noch kleiner. Im Fondsmanagement verdient ein Investmentexperte 100.000 bis 120.000 Euro fix plus 30% bis 50% Bonus, bei einem Private-Equity-Investor sind es 120.000 bis 140.000 Euro und 50% bis 100% Bonus. Besonders ausländische Player, die sich in Deutschland ein neues Standbein aufbauen (wollen), "brauchen nicht unbedingt einen Super-Senior mit 20 Jahren Berufserfahrung", berichtet Fontana. Ihnen reicht jemand, der vielleicht nur acht Berufsjahre mitbringt, aber "sich nicht fürs Numbercrunching zu schade ist, die letzten ein, zwei Jahre ein Netzwerk aufgebaut hat, einen Deal alleine sourcen und die Transaktion dann auch hemdsärmelig, ohne große Admin und Support, durchzieht".

Asset-Manager, die dritte von Bohill Partners untersuchte Berufsgruppe, verdienen weniger als Kapitaleintreiber und Investmentexperten. Dabei versuchen Investment-Manager den Wert von Immobilienbeständen in der Spätphase des Zyklus durch emsiges Asset-Management in die Höhe zu treiben. "Speziell für Logistikimmobilien sind Leute mit guten Ideen für Repositionierungen, Refurbishments oder Redevelopments sehr gefragt. Die sind nämlich rarer gesät als bei Office oder Retail", sagt Fontana.

Die Saläre von Asset-Managern mit dem Status Managing Director liegen im Private-Equity-Bereich zwischen 175.000 und 225.000 Euro plus 50% bis 100% Bonus. Im Fondsmanagement sind sie ein paar Nummern kleiner (160.000 bis 180.000 Euro fest und 30% bis 60% Bonus).

Das Gehalt eines Asset-Managers mit dem Titel Vice President in der Private-Equity-Welt ähnelt schon eher dem Gehalt von Immobilienakquisiteuren und Kapitalbeschaffern auf vergleichbaren Positionen. Hier stehen 100.000 bis 130.000 Euro zuzüglich 50% bis 75% Nachschlag zu Buche. Im Capital Raising sind es 120.000 bis 130.000 Euro fest und 50% bis 100% Bonus, im Investment 120.000 bis 140.000 Euro und 50% bis 100% Bonus.

Im Fondsmanagement verdient ein Asset-Manager mit dem Status Vice President spürbar weniger (80.000 bis 100.000 Euro fix plus 25% bis 40% Bonus) als im Private-Equity-Universum. Auch die Kluft zu den beiden anderen Berufsgruppen ist größer: Im Investment gibt es für einen Vice President 100.000 bis 120.000 Euro fest, die Boni reichen von 30% bis 50%. In der Kapitalakquise sind es 100.000 bis 125.000 Euro bzw. 50% bis 75%.

Das Jahr 2019 ist nicht nur im chinesischen Horoskop das Jahr des Schweins. Bohill Partners buchstabiert das englische Wort für Schwein - pig - wie folgt aus: "Pretty Impossible to Guess". Brexit-Gezerre oder Handelskonflikte werfen ihre Schatten voraus. Auch marktimmanente Gründe lassen Wolken der Ungewissenheit aufziehen: "Es gibt Unternehmen, denen Deutschland zu teuer geworden ist. Andere wollen erst noch in Deutschland einsteigen. Insgesamt ist die Branche nicht mehr so bullish und vorsichtiger mit Prognosen. Ich bin gespannt, was die Immobilienmesse Mipim in Cannes bringt", schaut Fontana nach vorn. Mit spürbar steigenden Gehältern, so viel scheint sicher, ist dieses Jahr für Führungskräfte jedenfalls nicht zu rechnen. Vor allem für Investmentprofis im Private-Equity-Universum, wo der Deal-Flow zuletzt in vielen Firmen eher zu einem überschaubaren Flüsschen geschrumpft ist, ist nicht mehr viel Luft nach oben.

Harald Thomeczek

Gute Geschäfte, fürstliche Gehälter

Karriere12.03.2019
Mag dem Aufschwung auf dem deutschen Immobilienmarkt auch langsam die Puste ausgehen: 2018 war ein Spitzenjahr für die Branche. Den Gehältern von Investmentprofis, Kapitalsammlern und ... 

Mag dem Aufschwung auf dem deutschen Immobilienmarkt auch langsam die Puste ausgehen: 2018 war ein Spitzenjahr für die Branche. Den Gehältern von Investmentprofis, Kapitalsammlern und Asset-Managern in Private-Equity-Häusern und bei institutionellen Fondsmanagern hat das weiter Auftrieb gegeben. Am besten schneiden laut dem aktuellen Vergütungsbericht der Personalberatung Bohill Partners Eigenkapitalbeschaffer bei Finanzinvestoren ab. Allein ihr Festgehalt belief sich im vergangenen Jahr auf bis zu 300.000 Euro. Obendrauf kommt ein leistungsabhängiger Bonus von bis zu 200% des Fixums.

Wie lange der Aufschwung auch der Gehälter anhält, steht in den Sternen: Brexit-Gezerre, Handelskonflikte und marktimmanente Entwicklungen lassen Wolken der Ungewissheit aufziehen. "Es gibt Unternehmen, denen Deutschland zu teuer geworden ist. Andere wollen erst noch in Deutschland einsteigen. Insgesamt ist die Branche nicht mehr so bullish und vorsichtiger mit Prognosen. Ich bin gespannt, was die Immobilienmesse Mipim in Cannes bringt", sagt Alice Fontana, Managing Partner von Bohill Partners.

Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in der IZ 11/2019, die am 14. März erscheint.

Harald Thomeczek

Die Topjobs bleiben in London

Hat trotz Brexit gut lachen: Alice Fontana, Londoner Personalberaterin mit österreichischen Wurzeln.

Hat trotz Brexit gut lachen: Alice Fontana, Londoner Personalberaterin mit österreichischen Wurzeln.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Frank Boxler

Karriere31.01.2019
Alice Fontana ist Managing Partner von Bohill Partners, einer Personalberatung mit Fokus auf die Immobilienbranche. Die Headhunterin kam vor 18 Jahren nach London. Das Brexit-Chaos nervt ... 

Alice Fontana ist Managing Partner von Bohill Partners, einer Personalberatung mit Fokus auf die Immobilienbranche. Die Headhunterin kam vor 18 Jahren nach London. Das Brexit-Chaos nervt sie gewaltig. Doch auf ihr Geschäft hat der näher rückende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union bisher keinen großen Einfluss gehabt. Denn wer in London Karriere machen will, den schreckt auch ein wie auch immer gearteter Brexit nicht.

Immobilien Zeitung: Frau Fontana, Premierministerin Theresa May ist mit ihrem Plan A für ein Brexit-Abkommen im britischen Parlament krachend gescheitert, hat das Misstrauensvotum gegen sich aber überlebt. Einen echten Plan B scheint May allerdings nicht in der Hinterhand zu haben. Wie geht es Ihnen als Österreicherin zurzeit auf der Insel?

Alice Fontana: Für uns Europäer ist es eine extrem stressige Phase in London. Wir wollen wissen, wo wir stehen - stattdessen wird alles auf die lange Bank geschoben.

IZ: Welche Szenarien haben Sie denn schon in Ihrem Kopf durchgespielt?

Fontana: Ich will nicht herumphilosophieren, sondern ein Ergebnis haben, auf das meine Familie und ich uns einstellen können.

IZ: Sie werden sich mit den Auswirkungen eines wie auch immer gearteten Brexits auf Sie persönlich und Ihr Business beschäftigt haben.

Fontana: Mein Mann - er ist Italiener - und ich werden uns um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bemühen. Wir wollen nicht jedes Jahr zu irgendeiner Behörde rennen müssen. Für unsere Kinder werden wir britische Pässe beantragen. Für Europäer, die in UK arbeiten, wird es grundsätzlich mehr administrativen Aufwand bedeuten, eine Arbeitsbewilligung zu erhalten und dazubleiben.

IZ: Laut Statistischem Bundesamt hat die Zahl der Einbürgerungen von Briten in Deutschland und Deutschen im Vereinigten Königreich 2017 um jeweils gut 160% zugelegt. Ein Zusammenhang mit dem Brexit liegt nahe.

Fontana: Ja, ich kenne viele Deutsche, die die britische Staatsangehörigkeit angenommen haben. Ich als Österreicherin darf keine doppelte Staatsbürgschaft haben, Deutsche schon.

IZ: Wer schon länger in Großbritannien arbeitet, wird vermutlich keine Probleme haben, das auch nach dem Brexit dauerhaft zu tun. Für EU-Ausländer, die dann erst zum Arbeiten ins Vereinigte Königreich kommen wollen, dürfte es dagegen komplizierter werden, sich dort niederzulassen.

Fontana: Es wird sicher eine härtere Selektion geben. Die Behörden werden restriktiver hinschauen, wer kommen kann und wer nicht - und welche Skills man dafür braucht.

IZ: Hat London wegen der ungewissen Zukunft bei kontinentaleuropäischen Immobilienspezialisten an Attraktivität eingebüßt?

Fontana: Nein, wir können keine signifikant schwindende Attraktivität feststellen. Gut, ich kenne einige Familien, die zurückgehen - aber die wären wahrscheinlich sowieso gegangen, weil die Kinder jetzt eingeschult werden. Manche Europäer sind eher auf emotionaler Ebene betroffen. Im September habe ich allerdings eine fünfköpfige Familie für eine absolut attraktive Rolle von Berlin nach London geholt.

IZ: Haben Sie das mittlerweile bereut? Momentan scheint alles auf einen harten Brexit hinauszulaufen.

Fontana: Wir haben mit offenen Karten gespielt. Der Kandidat wollte seine Karriere aber unbedingt in London fortsetzen. Senior Professionals aus unserer Industrie lassen sich vom Brexit nicht abschrecken. In der Finanz- und Immobilienbranche wird es nicht viele geben, die nur wegen des Brexits auf Toppositionen in London verzichten. Ich habe z.B. gerade eine Absage von einer Deutschen für eine Jobopportunität in Frankfurt erhalten. Sie hat die Stelle abgelehnt, weil sie für ihren jetzigen Arbeitgeber nach London gehen kann. Auch eine andere Kandidatin hat neulich ein potenzielles Jobangebot in Köln ausgeschlagen, weil sie lieber nach London will.

IZ: Was genau sind das für Jobs, die Sie vermitteln?

Fontana: Front-Office-Rollen: Board-Level, Senior-Investment-Manager, Asset-Manager, Finanzierer und Capital-Raiser. Wenn überhaupt, wurden bisher nur Back- und Middle-Office-Stellen in europäische Städte verlagert - und das haben wir bisher auch nur bei Banken gesehen.

IZ: Ausländische Fachkräfte mit Immobilien-Know-how werden Großbritannien also nicht ausgehen?

Fontana: Sicher nicht. Ein Problem sehe ich eher im britischen Gesundheitssystem, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Stellen, mit denen wir uns beschäftigen, werden nach wie vor oft mit Kontinentaleuropäern - auch Deutschen - besetzt.

IZ: Haben einzelne Unternehmen ihre Personalplanungen für London wegen des Brexit-Chaos auf Eis gelegt?

Fontana: Wir sehen überhaupt keinen Slowdown, was Rekrutierungen betrifft. London ist weiterhin auf der Shortlist von Überseeinvestoren. US-Amerikaner und Asiaten siedeln ihre Europa-Headquarters meistens immer noch hier an. Auch die meisten unserer internationalen Kunden besetzen paneuropäische Toppositionen nach wie vor in London. Kürzlich haben wir für eine europäische Bank mit Hauptsitz auf dem Kontinent einen Head of Real Estate Asset Management besetzt - in London und nicht etwa in Kontinentaleuropa. Wir wissen bisher nur von einem einzigen Kunden - einem angelsächsischen Immobilieninvestor mit US-amerikanischem Hintergrund, der schon in Frankreich eine Niederlassung hat -, der auf die Bremse gestiegen ist und seine Expansion nach Deutschland gestoppt hat: wegen überteuerter Assets, wie man mir sagte, aber auch der Brexit wurde als Grund genannt. Das ist aber wirklich nur ein Kunde von vielen.

IZ: Was ist mit Verlagerungen? Städte wie Frankfurt machen sich seit dem Referendum große Hoffnungen darauf, dass der Brexit zig Finanzinstitute auf den Kontinent spült.

Fontana: Die Panik, die sich kurz nach dem Referendum breitgemacht hat - Banken könnten komplett nach Frankfurt oder Dublin umziehen -, sehen wir bis jetzt nicht bestätigt. Vor Kurzem haben wir allerdings gehört, dass die Irische Zentralbank Anträge von mehr als 200 Firmen erhalten hat, welche ihren Sitz nach Irland verlegen wollen - als Brexit-Strategie.

IZ: Auch aus der Immobilienbranche?

Fontana: Mir ist jedenfalls kein Kunde bewusst, der die Rolle, die wir für ihn besetzen, wegen des Brexits in andere EU-Länder verlagert hätte.

IZ: Wenn Sie sich von Theresa May etwas wünschen dürften, was wäre das?

Fontana: Ein harter Brexit soll bitte at all cost vermieden werden. Das wäre der worst case - privat und beruflich. Wir Europäer hoffen natürlich alle auf ein zweites Referendum.

IZ: Wir drücken Ihnen die Daumen.

Die Fragen stellte Harald Thomeczek.

Harald Thomeczek