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Auf dem Bau wollen Frauen Vorbilder

Barbara Hagedorn ist auf der Suche nach mehr Kolleginnen.

Barbara Hagedorn ist auf der Suche nach mehr Kolleginnen.

Quelle: Hagedorn

Karriere 11.09.2021
Das Baugewerbe ist eine Männerdomäne. Doch wenn es nach Barbara Hagedorn geht, soll sich das bald ändern. Sie will herausfinden, was Frauen von einer Karriere auf dem Bau abhält, und ... 

Das Baugewerbe ist eine Männerdomäne. Doch wenn es nach Barbara Hagedorn geht, soll sich das bald ändern. Sie will herausfinden, was Frauen von einer Karriere auf dem Bau abhält, und die Arbeitsbedingungen anpassen. Dadurch erhofft sie sich einen Vorteil beim Kampf um die besten Fachkräfte.

Auf den Baustellen von Kafril in Sachsen, der Bauer Group aus Oberbayern und des Malerbetriebs Prasse aus der Nähe von Gütersloh sollen künftig mehr Frauen mit anpacken. Die Unternehmen sind drei von mehr als 20 Betrieben aus ganz Deutschland, die sich Barbara Hagedorns Netzwerk "Wir.Können.Bau" angeschlossen haben. Das Ziel der Initiatorin: mehr Frauen eine Karriere im Baugewerbe schmackhaft machen und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Denn Hagedorns Schätzungen zufolge geht in den kommenden zehn Jahren jeder vierte Facharbeiter aus dem Tiefbau in Rente. Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts, dass der Anteil von Frauen im Baugewerbe bei nur 13% liegt.

Deshalb wollte Hagedorn als Geschäftsführerin eines mittelständischen Bauunternehmens in Gütersloh herausfinden, was Frauen von der Branche fernhält. Dafür hat sie eine Umfrage mit mehr als 800 Teilnehmern gestartet. "Es sind eigentlich kaum mehr die klassischen Klischees wie Machosprüche auf der Baustelle oder Probleme mit der Kinderbetreuung, die Frauen davon abhalten, Karriere im Baugewerbe zu machen", stellte die 52-Jährige fest. "Was mich sehr überrascht hat: Es fehlt den Frauen stattdessen an Vorbildern in den Berufen. Hier setzen wir an und liefern Vorbilder."

Fachkraftsuche mit Plakaten und Netzwerken

Auf Plakaten, bei Fernsehauftritten und Vorträgen stellte sie ihre Mitarbeiterinnen, deren Berufe und Motivation der Öffentlichkeit vor. "Man muss eben manchmal in Vorleistung treten", kommentiert Hagedorn den Aufwand hinter der Kampagne. "Unser Ziel war es, drei gewerbliche weibliche Auszubildende zum 1. August 2021 einzustellen. Jetzt sind es sogar vier geworden, das ist mega und zeigt uns, dass sich der Einsatz lohnt", erzählt sie stolz. Die Azubis arbeiten jetzt im Tiefbau und als angehende Baugeräteführerinnen.

Auf die Kampagne folgte schließlich die Gründung des Netzwerks "Wir.Können.Bau". Über den zugehörigen Instagram-Kanal geben Unternehmen seit Sommer regelmäßig Einblicke in den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiterinnen. Außerdem finden seit Anfang des Jahres regelmäßige Treffen statt.

Hagedorn will in Zukunft noch mehr Frauen auf ihren Baustellen einsetzen. Die Geschäftsführerin habe festgestellt, dass Diversität im Unternehmen dazu führt, dass Aufgaben aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen und angepackt werden. Oft habe sie gehört, Frauen seien "komplizierter" als Männer. "Tatsächlich gehen Frauen manche Aufgaben anders an. In unserer Umfrage haben wir gesehen, dass sie Probleme oft nicht zuerst in ihrem Team besprechen, sondern sich Rat von Familie und Bekannten holen", nennt sie ein Beispiel.

Doch es habe eine Zeit lang gedauert, bis ihre Mission bei jedem Kollegen im Betrieb angekommen ist. "Es ist wichtig, dass jede und jeder im Unternehmen weiß, was zu tun ist. So gab es bei unserer Kampagne "Frau am Bau" den klaren Auftrag in die HR, dass alle eingehenden Bewerbungen von Frauen gesichtet werden, auch wenn derzeit keine passende Stelle zu besetzen ist", berichtet Hagedorn. "Es geht nicht darum, eine gendergerechte Sprache auf dem Bau einzuführen. Es geht vielmehr darum, den Grundgedanken der Diversität so im Unternehmen zu verankern, dass jede Kollegin und jeder Kollege weiß, dass er oder sie sich im Unternehmen behaupten und selbstbewusst auftreten kann."

Um das auch nach außen zu kommunizieren, hat Hagedorn die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Die Arbeitgeberinitiative setzt sich für mehr Diversität in der Arbeitswelt ein. Seit dem Start 2006 sind bereits mehr als 4.000 Organisationen, Verbände und öffentliche Stellen diese Selbstverpflichtung eingegangen. Doch Hagedorn weiß: "Mit einer einfachen Unterschrift ist es nicht getan. Wir müssen ein Umdenken anstoßen, das in den Köpfen von jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter ankommen und gelebt werden muss."

Dass sie mit dieser Einstellung Vorteile bei der Suche nach Nachwuchskräften hat, konnte sie schon feststellen. "Es geht bei der Wahl des Arbeitgebers oft nicht mehr nur um das Gehalt oder das Auto. Wichtig sind den Bewerbern Weiterbildung, Unternehmenskultur, Nachhaltigkeit und die Sinnhaftigkeit des Berufs geworden. Wer es versteht, das umzusetzen, hat einen klaren Vorteil beim Kampf um die besten Köpfe."

Janina Stadel

Von Stipendien profitieren beide Seiten

Eine gelungene Präsentation kann eine Eintrittskarte für ein Stipendium sein.

Eine gelungene Präsentation kann eine Eintrittskarte für ein Stipendium sein.

Quelle: adobe.stock.com, Urheber: BGStock72

Karriere 04.09.2021
Wer eine Aus- oder Weiterbildung bezahlt bekommt, kann sich freuen. Doch auch die Sponsoren profitieren von der Nachwuchsförderung. Stipendien sind deshalb ein beliebtes Mittel geworden, ... 

Wer eine Aus- oder Weiterbildung bezahlt bekommt, kann sich freuen. Doch auch die Sponsoren profitieren von der Nachwuchsförderung. Stipendien sind deshalb ein beliebtes Mittel geworden, um sich als Unternehmen oder Hochschule am Markt zu präsentieren und Kontakte zu jungen Talenten zu knüpfen.

Ein Studium ist teuer. Doch wer nicht nur Fleiß, sondern auch Talent mitbringt, kann auf ein Stipendium hoffen, etwa in Form von kostenlosen Aus- oder Weiterbildungen oder als Zuschuss für diese. So zum Beispiel bei Ziegert Everestate. Das Unternehmen nimmt derzeit Aufsätze zum Thema "Maßnahmen zur Modernisierung, Attraktivitätssteigerungen und zum nachhaltigen Wachstum von Kleinstädten" von Young Professionals entgegen. Die Fragestellung wurde abteilungsübergreifend von Mitarbeitern aus dem Marketing, der Personalabteilung und der Projektentwicklung erstellt und soll viele junge Bewerber wie Absolventen und Auszubildende ansprechen. Dem Beitrag, den die Jury zum besten kürt, winkt eine Veröffentlichung auf dem Unternehmensblog und der Autor kann sich über 2.000 Euro freuen.

Projekteinreichung statt klassischer Bewerbung

Mit der Ausschreibung verfolgt der Sponsor ein ganz bestimmtes Ziel: "Das neue Ziegert-Stipendium dient als unterstützende Maßnahme, um in der relevanten Zielgruppe der Young Professionals Aufmerksamkeit zu erzielen", fasst Svetlana Stockmann, Head of HR der Ziegert Group, zusammen. Das Unternehmen wolle durch die Aktion früh mit potenziellen Bewerbern in Kontakt treten und sie statt in Form einer klassischen Bewerbung "aus einer anderen Perspektive" kennenlernen. Kurz nach dem Start der Ausschreibung sei das Unternehmen zufrieden mit der Zahl der bisherigen Einreichungen. Da Aufsätze und Präsentationen als Bewerbung aber noch bis zum 4. Oktober angenommen werden, rechne man im Moment damit, dass viele Beiträge erst kurz vor der Deadline kommen.

Doch nicht nur Recruiter können von der Vergabe eines Stipendiums profitieren. Beim EBZ in Bochum soll ein gemeinsames Stipendium mit dem Verband "Frauen in der Immobilienwirtschaft" die Studentenschaft stärker durchmischen. Wer sich bis zum 15. September bewirbt, hat an der Hochschule die Chance auf einen von zwei Studienplätzen im neuen berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang Nachhaltiges Energie- und Immobilienmanagement. Sieben Semester lang übernimmt die Hochschule 75% der Studiengebühren. Eine Chance auf die kostenlose Ausbildung im Wirtschaftsingenieurwesen haben aber nur Frauen. Zudem bekommen sie Unterstützung durch das Netzwerk des beteiligten Verbands. "Die Stipendien sind eine große Chance und Unterstützung für junge Frauen, die den Schritt in eine Karriere als Wirtschaftsingenieurinnen in der Immobilienwirtschaft wagen möchten", sagt Katrin Williams, Vorstandsvorsitzende des Vereins.

Für die Hochschule seien solche Kooperationen wichtig, um ein Stipendium aufzuwerten, erklärt EBZ-Rektor Daniel Kaltofen. "Kooperationen bedeuten, dass man zusammen zu einer Sache steht", betont er und erklärt mit Bezug auf die Ausschreibung: "Das Stipendium ist ein weiteres Element der am EBZ gelebten Förderung von Frauen in der Immobilienbranche."

Denn die Studiengänge sind noch immer Männerdomänen, wie Zahlen des statistischen Bundesamts zeigen. Demnach waren unter den rund 81.000 Studenten, die im Wintersemester 2020/2021 an deutschen Hochschulen für Studiengänge aus dem Bereich Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben waren, nur etwas mehr als ein Drittel Frauen - und das sowohl bei Studiengängen mit wirtschaftswissenschaftlichem als auch mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt.

Die Ausschreibung hat einen weiteren Vorteil für die Hochschule: "Das Stipendium verbindet sich mit unserer Kommunikationsstrategie für den neuen Studiengang", erklärt Kaltofen. Es soll also deutschlandweit Aufmerksamkeit für den Studiengang wecken und so langfristig mehr Studierende an die Hochschule locken.

Fragen zum EBZ-Stipendium können an studienberatung@ebz-bs.de gerichtet werden. Weitere Informationen zum Ziegert-Stipendium gibt es unter www.everestate.de/stipendium.

Janina Stadel

Fabian Fröhlich erklärt im Netz die Immo-Welt

Influencer Fabian Fröhlich ist vor allem auf Youtube unterwegs.

Influencer Fabian Fröhlich ist vor allem auf Youtube unterwegs.

Quelle Porträt: GMFF GmbH, Urheber: Jan Weiss; Quelle Rahmen: stock- .adobe.com, Urheber: yan4ik; Montage: IZ

Karriere 29.08.2021
Über seine Social Media-Känale erreicht Fabian Fröhlich regelmäßig mehrere Tausend Follower. Er berichtet auf der Plattform Youtube von seinem eigenen Immobilienunternehmen und knüpft ... 

Über seine Social Media-Känale erreicht Fabian Fröhlich regelmäßig mehrere Tausend Follower. Er berichtet auf der Plattform Youtube von seinem eigenen Immobilienunternehmen und knüpft bei Instagram als Influencer Kontakte in die Branche.

Rundgänge auf Baustellen statt einer Roomtour, Finanzierungsbeispiele statt Shopping-Hauls (Videos auf denen Einkaufserfolge präsentiert werden) und Backstage-Führungen beim Darmstädter Immopreneur Kongress. Mit Filmen in klassischen Youtube-Formaten und seinen immobilienwirtschaftlichen Inhalten, erreicht Fabian Fröhlich regelmäßig bis zu 12.000 Nutzer der Plattform - fast 6000 haben Fröhlichs Kanal abonniert. Damit zählt der 29-Jährige zu den erfolgreichsten Immobilien-Youtubern in Deutschland.

Social Media als Schlüssel zum Branchennetzwerk

Sein Ziel war beim Start des Channels ein ganz anderes. "Youtube und auch Instagram sollten ein Schlüssel zu einem Netzwerk sein", erklärt Fröhlich. 2017 habe er begonnen, die Plattformen für sich zu nutzen, als er mit drei Geschäftspartnern ins Immobilienbusiness einsteigen wollte. Der Plan: Sie kaufen Häuser, sanieren sie und vermieten oder verkaufen die Wohnungen weiter. "Immobilien haben lange Bestand. Wenn man früh gut arbeitet, kann man irgendwann von den Mieteinnahmen leben", so Fröhlichs Vision.

Einen klassischen immobilienwirtschaftlichen Studiengang hat keiner aus der Vierergruppe absolviert. Trotzdem haben sie schon in insgesamt rund 50 Häuser in ihrer Heimatregion bei Heilbronn investiert. "Unsere Devise lautete von Anfang an: Learning by Doing. Den ein oder anderen Ankauf hätte ein studierter Immobilienökonom sicher nicht gemacht, oder länger gezögert. Aber im Immobiliengeschäft geht es um Schnelligkeit - und manchmal kommt es eben mehr auf handwerkliches Geschick an", sagt Fröhlich, der oft selbst mit anpackt, wenn ein Haus saniert wird.

Immobilien in Videos und Lifestyle auf Bildern

Wie viel Arbeit in den Sanierungen steckt, erklärt der Influencer in seinen Videos. "Vor allem bei Umbauten bekomme ich oft Anfragen aus der Community, wann es das Video vom fertigen Haus gibt." Auf seinem Instagram-Account kommen sogar Angebote für Objekte als Direktnachrichten rein und Neuinvestoren fragen ihn regelmäßig um Rat. "Bei Instagram hat Netzwerken - vor allem am Anfang - noch besser funktioniert als bei Youtube, obwohl der Kanal schon immer thematisch breiter aufgestellt war", fasst Fröhlich zusammen. Er erklärt sich das Phänomen so: "Instagram nutzen viele in ihrer Freizeit und im Privaten, auch die Leute, die in der Immobilienbranche arbeiten." Deshalb interessieren sich seine Follower auf der Foto-Plattform auch für Lifestyle-Themen wie Reisen, Sport oder Ernährung.

Auf Youtube hingegen konzentriert sich Fröhlich ganz auf den Immobiliencontent. "Viele Videos haben zeitlose Themen, oder werden von den Followern als Beispiele angesehen. Sie werden oft noch nach Jahren geklickt." Deshalb nehme er sich inzwischen mehr Zeit für die Konzeption der Beiträge. "Ich überlege genau, was ich zeigen will, welches Thema für meine Follower einen Mehrwert hat und welchen Gesprächspartner aus meinem Netzwerk ich in einem Beitrag interviewen könnte. Das nimmt manchmal einiges an Vorbereitungszeit in Anspruch." Zwischen den Veröffentlichungen liege deshalb nun mehr Zeit als am Anfang.

In der Zwischenzeit hat der Netzwerker mit seinen Partnern ein neues Projekt aus dem Boden gestampft: 7 Plus Club, eine Online-Plattform, die Käufer und Verkäufer von hochvolumigen Immobilienobjekten zusammenbringen soll.

Den Tipp, etwas Digitales zu machen, habe er aus seinem Netzwerk bekommen, das inzwischen breit aufgestellt sei. Mit Youtube und Instagram will er aber noch lange nicht Schluss machen. Durch die extreme Reichweite wird er inzwischen für manche Posts sogar bezahlt. Auf seinem 117.000 Follower starken Instagramkanal, gibt es daher manchmal auch Werbung für Trockenrasierer, Fitnesstracker oder Parfüm. "Das war so nicht geplant, nehme ich aber gerne mit", gibt Fröhlich zu.

Janina Stadel

Hausverwalter auf dem Prüfstand

Hausverwalter müssen bald eine Zertifizierung nachweisen können.

Hausverwalter müssen bald eine Zertifizierung nachweisen können.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: pressmaster

Karriere 22.08.2021
Noch vor der Einführung der Zertifizierungspflicht für Hausverwalter ist im Sommer ein Lehrgang gestartet, der auf die Prüfung vorbereiten soll. Zudem will der VDIV herausfinden, bei ... 

Noch vor der Einführung der Zertifizierungspflicht für Hausverwalter ist im Sommer ein Lehrgang gestartet, der auf die Prüfung vorbereiten soll. Zudem will der VDIV herausfinden, bei welchen Themen noch Weiterbildungsbedarf in der Branche besteht.

Sobald im Dezember 2022 die Übergangsfrist abläuft, die in der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG) festgelegt ist, können Wohnungseigentümer einen zertifizierten Hausverwalter verlangen (siehe "Das WEG wird zum 1. Dezember angepasst", IZ 42/2020). Für Verwalter, die keine IHK-Prüfung abgelegt haben, bedeutet das, dass sie von einem einzelnen Eigentümer abgelehnt werden können, statt durch einen Mehrheitsbeschuss der Eigentümerversammlung. Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz betrifft diese Neuregelung rund 28.500 Angestellte bundesweit. Für sie erarbeitet das Ministerium derzeit eine entsprechende Rechtsverordnung, die den Ablauf und die Inhalte der Prüfung festlegt. Bisher gibt es nur einen Verordnungsentwurf.

Auf diesem basiert der Lehrgang "Fachmann/Fachfrau für Wohnimmobilienverwaltung", den die IHK Frankfurt seit Sommer zusammen mit der Akademie für Finanzberatung Going Public und dem Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV) anbietet. "In der Kürze der Zeit hatten wir mit rund 45 Teilnehmern eine sehr hohe Anmeldequote", berichtet Timo Gasparini vom Bildungszentrum der IHK Frankfurt kurz nach Beginn des ersten Durchlaufs. "Rund ein Viertel der Teilnehmer stammt nicht aus dem direkten Einzugsgebiet der IHK Frankfurt", ergänzt Gasparini. Überraschend sei das für ihn nicht, es bestätige aber seine Vermutung, dass der Lehrgang bundesweit auf Interesse stößt. Doch: "Ob und ab wann der Kurs auch an anderen Standorten angeboten werden kann, steht derzeit noch nicht fest." Im Moment können ihn Interessierte bei der Frankfurter IHK und beim Partner Going Public in Berlin belegen, der Großteil des Lehrgangs findet online statt.

"Schon jetzt besteht eine Weiterbildungspflicht für Verwalter von 20 Stunden in drei Jahren", erinnert Gasparini, daran ändert sich auch nichts. Welche Themen dabei am meisten gefragt sind, kann er schwer abschätzen. "Oft werden ganze Blöcke gebucht, die mehrere Themen beinhalten", sagt der IHK-Vertreter. Beim VDIV hingegen zeichnet sich gerade der Trend ab, dass z.B. Informationen zur Installation von E-Ladestationen besonders nachgefragt sind, erklärt Geschäftsführer Martin Kaßler. Außerdem würden Onlineseminare zu Themen wie klimafreundliches Sanieren und zum CO2-Preis bei den Hausverwaltern immer beliebter. "Die Qualität der Weiterbildungsangebote ist dabei abhängig davon, inwieweit es gelingt, dem tatsächlichen Bedarf der Branche gerecht zu werden", betont Kaßler.

Um herauszufinden, welche Inhalte Hausverwaltern wichtig sind, hat der VDIV eine Online-Umfrage gestartet. Die Teilnehmer sollen unter anderem ihren Kenntnisstand zu Themen wie Sanierungen, kaufmännisches Wissen und Digitalisierung einschätzen und angeben, in welcher Form und wie oft sie bisher an Weiterbildungen teilgenommen haben. "Auf Basis der Umfrageergebnisse werden im Bedarfsfall die Lehrgangs- und entsprechend Prüfungsinhalte angepasst", erläutert Kaßler.

Die Online-Umfrage des VDIV läuft noch bis zum 10. September unter www.vdiv.de/weiterbildungsbedarf.

Janina Stadel

Von Bloggerin zu Beraterin

Ihre Follower kennen Maike Kipker als Mrs Property.

Ihre Follower kennen Maike Kipker als Mrs Property.

Urheberin: Jessica Uhlig

Karriere 12.08.2021
Als Mrs Property berät Maike Kipker Privatinvestoren beim Wohnungskauf. Den Weg zum eigenen Business hat sie als Quereinsteigerin gefunden. Angefangen hat alles mit der ersten ... 

Als Mrs Property berät Maike Kipker Privatinvestoren beim Wohnungskauf. Den Weg zum eigenen Business hat sie als Quereinsteigerin gefunden. Angefangen hat alles mit der ersten Eigentumswohnung und einem Instagram-Account.

Als "Selfmade-Vermieterin", wie sie sich selbst nennt, hat sich Maike Kipker über Social Media bekannt gemacht. Unter dem Namen Mrs Property bloggt die 34-Jährige regelmäßig über ihre acht Eigentumswohnungen und gibt ihren Followern in kurzen Beiträgen Tipps, wie aus einer Immobilieninvestition eine Altersvorsorge werden kann. Mit ihren Posts erreicht sie allein auf der Plattform Instagram fast 6000 Interessenten, die gerne selbst in Wohnräume investieren würden statt in klassische Altersvorsorgeprodukte.

Kipker fand ihren Weg in die Immobilienbranche als Quereinsteigerin. Vor rund sechs Jahren setzte sie sich das Ziel, mit 40 nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Anfang des Jahres hat die studierte Molekularbiologin ihren Job an den Nagel gehängt und ihr eigenes Business als Beraterin gegründet. "Mein ganzes Wissen über Immobilien habe ich mir erst in den letzten Jahren angeeignet. Dabei gab es viele unterschiedliche Themen, in die ich mich hineinfuchsen musste", sagt sie. Ihre erste Wohnung habe sie 2019 gekauft. Inzwischen sind es acht.

"Ich habe über meine Wohnungen gebloggt. Dabei habe ich aus konkreten Zahlen nie ein Geheimnis gemacht und immer auch erklärt, wie viel Geld ich hineingesteckt habe, wie viel Miete reinkam und wie viel an die Bank floss", erzählt sie. Genauso offen sei sie mit Rückschlägen und Fehlentscheidungen umgegangen. Das Interesse ihrer Follower sei von Anfang an groß gewesen. "Mich haben viele Fragen und Kommentare erreicht. Den Account nur am Wochenende zu betreuen war schnell nicht mehr möglich."

Für ihre Posts benutzt sie viele Farben, erzählt in Videos aus ihrem eigenen Leben, oder präsentiert stolz Vorher-nachher-Fotos von Renovierungsarbeiten. "So erreiche ich meine Zielgruppe am besten", sagt sie. Denn ihre Beratungen wenden sich nicht an Großinvestoren, sondern an ein junges Publikum, das früh anfangen will, fürs Alter vorzusorgen. Ihr jüngster Kunde sei gerade mal 20 Jahre alt gewesen, als er mit einem Eigenkapital von 20.000 Euro die erste Wohnung kaufte - nach nur drei Monaten Suche. Den Zeitplan hat Kipker vorgegeben.

Standortanalyse als Basis für die Kaufentscheidung

"Es ist straff, aber wenn die Maschinerie erst einmal am Laufen ist, geht es schnell." In wöchentlichen Meetings gibt sie als Beraterin zunächst grundlegende Tipps. Ein wichtiger Punkt sei dabei die Standortanalyse, denn ihre Kunden kommen aus verschiedenen Regionen Deutschlands. "Die Immobilienpreise gehen in manchen Regionen weit auseinander. Ich empfehle, die eigene Stadt auch einmal zu verlassen." Bis zu einer Stunde Fahrzeit sollten die Investoren bei Besichtigungsterminen in Kauf nehmen.

Dabei falle es ihren Kunden am Anfang meist schwer, in die Vermieterperspektive zu wechseln und eine Wohnung auszusuchen, die nicht den eigenen Bedürfnissen entspricht. "Ein Ein-Zimmer-Appartement, das für die eigene Familie viel zu klein wäre, kann eine gute Investition sein", nennt sie ein Beispiel und denkt dabei vor allem an Großstadtlagen. "Bei Gebieten, in denen Abwanderung droht, rate ich ab. Denn wir wollen ja langfristig vermieten und unser Geld in der Zukunft verdienen."

Ebenfalls für viele am Anfang ungewohnt sei es, nicht nur auf die Wohnräume selbst zu achten, sondern auf die Gesamtimmobilie. "Wir prüfen nicht nur einzelne Wohnungen, sondern auch das gesamte Objekt. Besteht Sanierungsstau und sind nicht ausreichend Rücklagen vorhanden, rate ich ab - es sei denn, der Kaufpreis ist sehr günstig."

Dabei betont Kipker ihre Unabhängigkeit als Beraterin. "Weil ich weder ein Haus noch einen Kredit verkaufen will, kann ich komplett unabhängig beraten", sagt sie und erklärt, dass ihr Honorar nicht an ein Ergebnis gebunden ist, sondern an die Zeit, die sie in die Beratungen investiert. Einer ihrer grundlegenden Tipps sei daher, nicht nur bei der eigenen Hausbank nach einem Kreditangebot zu fragen. Die Kaufentscheidung selbst wolle sie am Ende aber nicht abnehmen. Ein weiterer Kniff von Kipker greift schon beim Start der Suche nach einem Investitionsobjekt: "Konkrete Suchanzeigen bei Ebay-Kleinanzeigen waren schon oft erfolgreich."

Kipker selbst will als nächstes in ein Mehrfamilienhaus investieren. "Man geht ein persönliches Risiko ein, hat Verantwortung und auch einen Haufen Arbeit", fasst sie zusammen. "Doch am Ende lohnt es sich", sagt sie. Trotz ihrer acht Wohnungen im Ruhrgebiet wohne sie mit ihrem Mann selbst noch immer zur Miete in Köln. Einen verlässlichen Vermieter zu haben, weiß sie inzwischen viel mehr zu schätzen als noch vor wenigen Jahren.

Janina Stadel

Duale Studenten werden beliebter

Die Verzahnung von Praxis und Theorie ist beim dualen Studium besonders reizvoll.

Die Verzahnung von Praxis und Theorie ist beim dualen Studium besonders reizvoll.

Quelle: Imago, Urheber: agefotostock

Karriere 05.08.2021
Hansainvest Real Assets ist überzeugt von den Vorteilen der dualen Ausbildung seiner Fachkräfte. JLL offenbar auch, die Berater haben ihr Angebot deutlich ausgeweitet. Damit sind sie ... 

Hansainvest Real Assets ist überzeugt von den Vorteilen der dualen Ausbildung seiner Fachkräfte. JLL offenbar auch, die Berater haben ihr Angebot deutlich ausgeweitet. Damit sind sie nicht allein. Professor Benjamin Beug von der Hochschule 21 bestätigt den Trend.

Der Akademisierungsgrad in der Immobilienbranche steigt stetig. "Viele Unternehmen wachsen und müssen größere Portfolios managen. In der Folge brauchen sie Leute, die strategisch denken können", stellt Professor Benjamin Beug fest, Leiter des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen Bau und Immobilien Dual an der Hochschule 21 in Buxtehude. Er sieht einen Trend, der dem dualen Studium Auftrieb verleiht. "Studien zeigen, dass duale Studiengänge größer werden", sagt er und denkt weiter: "In den nächsten Jahren wird die Ausbildung noch dualer."

Ein Indiz für diese Entwicklung zeigt sich beim Maklerhaus JLL. An den Standorten Berlin und Frankfurt hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren ein bis zwei duale Studenten im Bereich BWL/Immobilienwirtschaft eingestellt. "Dieses Jahr gehen wir neue Wege und haben das duale Studentenprogramm auf den Standort Stuttgart ausgeweitet und somit insgesamt acht Plätze geschaffen", erklärt Wencke Leyens-Wiedau, Head of Talent Acquisition JLL Northern Europe. "Ferner haben wir uns bei der Hochschule Anhalt als Partnerunternehmen für den Studiengang BWL/Immobilienbewertung gelistet und stellen auch hier zwei duale Studenten ein."

Auch Investmentmanager Hansainvest Real Assets setzt auf diesen Ausbildungsweg für seine künftigen Fachkräfte. "Wir haben recht häufig die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter nach ihrer Ausbildung weiterstudieren wollten. Das haben wir gerne möglich gemacht", erinnert sich Geschäftsführerin Martina Averbeck. "Letztlich waren die Mitarbeiter dann aber fünf bis sechs Jahre in einer Ausbildung und sind erst danach vollends im Büroalltag angekommen. Eine solch lange Zeit zu überbrücken, ist für einen Arbeitgeber schwierig." Ein Mitarbeiter, der bei der Hochschule 21 studiert hat, war dann der Impulsgeber für die Idee, auf duale Studenten zu setzen.

Heute zählt Averbeck bei einer Belegschaft von rund 100 Mitarbeitern vier duale Studenten. "Ich finde das Verhältnis ganz gesund." Denn hinter jedem Studenten steckt eine unternehmensinterne Choreografie. Die Praxis im Büro und Theorieblöcke an der Hochschule wechseln zwar alle drei Monate, doch der Investmentmanager bemüht sich um eine Verzahnung. "Wir setzen die Studenten in dem Themenbereich ein, der gerade auf dem Lehrplan steht", erklärt Averbeck. Damit wolle Hansainvest den Lernerfolg der Studenten steigern. "Mit mehr Studierenden würden wir dem nicht gerecht werden können."

Bei Hansainvest betreut ein dualer Student eine Bestandsimmobilie über ihren gesamten Zyklus, von der technischen Ausstattung über die Betriebskostenabrechnung bis zur Verwaltung. "Die Studierenden arbeiten quasi am lebenden Objekt", sagt Averbeck. Darüber hinaus können sie auch außerhäusig Station zu machen. Das betrifft auf Wunsch nicht nur den internationalen Bereich. "Eine dreimonatige Praxisphase findet beispielsweise bei einem Verwalter vor Ort statt." Zudem bestehen Kooperationen zu Maklern und die Möglichkeit, bei einer Werbeagentur für Immobilienmarketing hineinzuschnuppern.

Die jährlichen Kosten für einen dualen Studenten schätzt Averbeck auf etwa 65.000 Euro bis 75.000 Euro für Gehalt und Studiengebühren. Im ersten Jahr verdiene ein dualer Student bei Hansainvest knapp 1.000 Euro netto, das steigere sich auf 1.300 Euro im letzten Jahr. Insgesamt dauert die Ausbildung dreieinhalb Jahre. Als Gegenleistung verpflichten sich die Studierenden, nach dem Studium noch mindestens zwei Jahre im Unternehmen zu bleiben.

Dem Vorurteil, duale Studenten würden im Studium nicht an ihre Leistungsgrenzen gehen, weil sie ohnehin ihren Job sicher haben, kann Averbeck nicht folgen. "Wir haben ein gutes Auswahlverfahren, Studenten mit hoher Eigenmotivation und sehr guten Leistungen." Das wird flankiert durch einen finanziellen Anreiz: Es gibt eine Sondergratifikation für Leistungen, die mit Noten besser als 2 bewertet werden.

Reizvoll ist zudem, dass die Absolventen nach dem Studium nicht nur einen akademischen Abschluss in der Tasche haben. Häufig können duale BWL-Studenten mit immobilienwirtschaftlichem Hintergrund auch gleichzeitig den Immobilienkaufmann machen. So habe beispielsweise die Hochschule 21 eine entsprechende Vereinbarung mit der IHK Stade abgeschlossen für Studierende mit vier Praxissemestern, berichtet Professor Beug. Das sei die gleiche Prüfung wie für Auszubildende. Und mit der Handelskammer Lüneburg bestehe ein Agreement, dass Studenten mit Bachelorabschluss den Fachwirt machen können.

"Dual ist kein geschützter Begriff"

Ohnehin rät Beug bei der Auswahl der Hochschule zu einem Blick auf die Details, denn: "Dual ist kein geschützter Begriff", warnt er. Es gebe je nach Hochschule unterschiedliche Grade. "Bei uns ist 50% Praxis und 50% Theorie, mehr dual geht nicht." Und auch die Art der Abschlüsse spiele eine Rolle. "Bei uns machen Wirtschaftsingenieure den Abschluss Bachelor of Engineering, darauf legen wir großen Wert", betont Beug. Die Absolventen erhalten eine Ingenieursurkunde von der Ingenieurkammer Niedersachsen. "Damit können die Absolventen auch bei technischen Themen auf Augenhöhe mit anderen Ingenieuren agieren."

Nach einem dualen Studium haben Arbeitgeberinnen wie Averbeck Fachkräfte im Haus, die auf ihre Bedürfnisse hin ausgebildet worden sind. "Und wichtig ist, dass die Studenten Spaß haben, mit der Immobilie zu arbeiten."

Anke Pipke

ESG-Experten haben viele Gesichter

V.l.n.r.: Giulia Peretti (Real I.S.), Marco Helbig (IC Immobilien), Madlen Fiedler (Hansainvest Real Assets), Werner Harteis (Wealthcap) und Viola Joncic (Commerz Real).

V.l.n.r.: Giulia Peretti (Real I.S.), Marco Helbig (IC Immobilien), Madlen Fiedler (Hansainvest Real Assets), Werner Harteis (Wealthcap) und Viola Joncic (Commerz Real).

Bildquellen: Real I.S., IC Immobilien, Hansainvest Real Assets, Wealthcap, Commerz Real

Karriere 29.07.2021
Ob Offenlegungsverordnung, EU-Taxonomie oder Green-Finance-Anforderungen: Die ESG-Regulatorik verschont die Immobilienbranche nicht. Anleger geben den Druck, den die europäischen ... 

Ob Offenlegungsverordnung, EU-Taxonomie oder Green-Finance-Anforderungen: Die ESG-Regulatorik verschont die Immobilienbranche nicht. Anleger geben den Druck, den die europäischen Regulatoren entfachen, direkt an ihre Fondsmanager und Dienstleister weiter. Diese lassen sich unterschiedliche Lösungen für die Besetzung von ESG-Rollen einfallen.

Fonds- und Investmentmanager, Asset- und Property-Manager sowie alle anderen Marktteilnehmer, die sich dieser Aufgabe stellen müssen, eint eine Erkenntnis: "Fix und fertige ESG-Experten existieren nicht", sagt Werner Harteis. "Der eine ist mehr strategisch unterwegs, der andere steckt mehr in den Prozessen drin - und selbst wenn Sie einen Umweltingenieur haben, deckt der auch nur einen Teil des Themas ab." Harteis leitet beim Fondsanbieter Wealthcap das Risikomanagement und verantwortet bei der HVB-Tochter seit gut einem Jahr zusätzlich den Bereich Environmental and Social Governance (ESG) auf der Unternehmensebene.

Der Grund für diese Vielfalt: Den einen klassischen Königsweg zum ESG-Profi gibt es nicht. "Studieren kann man das - noch - nicht", sagt Madlen Fiedler, die bei Hansainvest Real Assets für ESG-Themen zuständig ist. Viele, die sich damit auskennen, haben sich ihr Wissen selbst angeeignet. Das sind Generalisten, Allrounder", sagt Fiedler. Und das sollen sie auch sein: "Man muss das A bis Z der Immobilie bedienen können, weil man an den Schnittstellen sitzt - da braucht es Praxisleute; allein mit der Theorie kommt man da nicht weit."

Beim Recruiting ist Flexibilität gefragt

Kathrin von Hardenberg, Geschäftsführerin der Personalberatung Indigo Headhunters, rät Immobilienunternehmen, beim Recruiting von ESG-Experten Flexibilität zu zeigen. "Klassische Eins-zu-eins-Besetzungen wie z.B. im Investment- oder im Asset-Management sind hier meistens nicht möglich." Kandidaten, die

hier reüssieren möchten, sollten sich mit der Finanzindustrie ebenso gut auskennen wie mit dem Pariser Klimaabkommen und CO2-Budgets. Und sollten in der Lage sein, all dies auf ganz konkrete Immobilien übertragen zu können:

Wann droht ein Gebäude auf dem langen Weg zur Klimaneutralität die vorgegebene Messlatte zu reißen? Und mit welchen Investitionen kann der Asset-Manager es auf den rechten Pfad zurückführen?

ESG-Profis sollten dabei nicht nur langfristige Risiken im Blick behalten. Aktuelles Beispiel Starkregen/Überschwemmungsgefahr: "Das ist Teil unserer Sustainability Due Diligence", sagt Viola Joncic, die bei Commerz Real den Nachhaltigkeitshut aufhat. "Was gekauft wird, entscheidet am Ende das Fondsmanagement; aber wir helfen dabei, die Risiken abzuwägen." Dazu gehört auch die Frage: "Wie hoch sind die Prämien, wenn ich ein Risiko versichern möchte - und ist das noch bezahlbar? Es gab schon Gebäude, die wir nicht gekauft haben, weil die Versicherungsprämien zu hoch waren."

Und dann sind da ja noch das S und G in ESG. Unter dem S werden z.B. Spenden und Sponsorings sozialer Einrichtungen verbucht, aber auch Investments z.B. des offenen Publikumsfonds Hausinvest in geförderte bzw. als bezahlbar geltende Wohnungen oder alles, was den Mitarbeitern zugute kommt, etwa mobiles Arbeiten oder Jobfahrräder. Das G der guten Unternehmensführung indes ist am schwersten zu fassen bzw. zu messen. Es bezieht sich vor allem auf Richt- und Leitlinien der UN, des deutschen Fondsverbands BVI und des Instituts für Corporate Governance der Immobilienwirtschaft (ICG).

Klar ist: "ESG ist ein weites Feld, man muss interdisziplinär arbeiten können und in der Lage sein, von einer Stunde auf die andere in einer anderes Themengebiet zu springen und viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Außerdem ist Kommunikation extrem wichtig, auf allen Ebenen: vom Vorstand bis zur operativen Fachabteilung, die die Dinge am Ende umsetzt", beschreibt Joncic ihre täglichen Herausforderungen.

Diese Herausforderung, ESG bei sich zu verankern, lösen die Immobilienunternehmen auf ganz unterschiedliche Weise: Die einen rekrutieren extern, z.B. bei Beratungsgesellschaften, andere vertrauen auf hauseigene Ressourcen. Bei den einen trägt ESG ein einzelnes Gesicht, die anderen stellen ganze Teams zusammen.

Beispiel Wealthcap: Die HVB-Tochter hat eine zwölfköpfige ESG-Mannschaft mit Spielern aus allen Abteilungen aufgestellt: Asset- und Fondsmanagement, Real Estate und Alternative Investments, Risiko- und Prozessmanagement, Finanzierung, Kommunikation etc.

Die Kollegen widmen einen erklecklichen Teil ihrer Arbeitszeit ihrem Zweitjob - "30% bis 70%", meint Harteis, der mit seiner Zweitrolle selbst "mindestens die Hälfte" seiner Zeit verbringt. Sie behalten aber auch ihre bisherigen Rollen. "Uns war wichtig, dass wir die Themen in die gesamte Organisation reinbringen", so Harteis.

Das scheint ziemlich gut zu funktionieren, denn mittlerweile würden immer mehr Kollegen mitmischen wollen: "In Meetings treffen wir uns inzwischen teilweise mit 20 Leuten. Da muss man schon ein bisschen auf die Disziplin achten."

Bei einer anderen Bankentochter dagegen, Commerz Real, zieht Viola Joncic als Head of Sustainability full-time und hauptamtlich die ESG-Strippen. Joncic wurde von Deloitte abgeworben: Die einschlägigen Beratungsgesellschaften gelten mit als Vorreiter der ESG-Bewegung. Real I.S., Immobilienfondstochter der Bayern LB, hat sich mit Giulia Peretti ebenfalls für eine externe Lösung entschieden. Peretti kam vom Ingenieurbüro Werner Sobek, wo sie Teamleiterin für Nachhaltigkeit, Bauphysik und Zertifizierung war, und brachte Erfahrung als DGNB-Auditorin und Sachverständige für nachhaltiges Bauen mit.

Eine interne Beförderung wählten der Asset-Manager Hansainvest Real Assets, der zur Signal-Iduna-Gruppe gehört, und IC Immobilien. Hansainvest übertrug Fiedler als Abteilungsleiterin Property-Management zusätzlich die ESG-Verantwortung. Damit sie sich künftig im Schwerpunkt um ihre neue Rolle kümmern kann, soll sie das Property-Management an einen separaten Abteilungsleiter abgeben, der noch eingestellt werden soll.

Ähnlich wie die Signal-Iduna-Tochter machte es der Property-Manager IC Immobilien. Getrieben von den Anforderungen ihrer Kunden, die sich ihrerseits mit wachsenden regulatorischen Ansprüchen konfrontiert sehen, machte die IC-Geschäftsführung Marco Helbig, bereits Leiter Prozessmanagement bei IC, auch noch zum Head of ESG. "Um das Thema zu treiben, müssen Sie jemandem den Hut aufsetzen, der sich verantwortlich fühlt", sagt Michael Stüber, Geschäftsführer der IC Immobilien Holding.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ESG in Immobilienfirmen eher stiefmütterlich behandelt wurde. Ganz darum herum kam man nicht, allzu viel sollte die Beschäftigung mit diesen Non-Profit-Dingen aber nicht kosten. So wurden gern auch euphorische Youngster, die vielleicht keine 120.000 Euro im Jahr verlangen, sondern sich schon mit 65.000 Euro bescheiden, auf das Thema angesetzt - mehr als Feigenblatt denn als echte Transformationsbegleiter.

"Nehmen Sie das Zepter in die Hand!"

Diese Zeiten sind vorbei: ESG ist profitrelevant geworden, Jobs in der Immobilienbranche sprießen seit ein, zwei Jahren wie die Pilze aus dem Boden. Gutes tun und Karriere machen schließen sich nicht mehr aus: "Im Gegensatz zu einer NGO oder zur Wissenschaft kann ich in der Wirtschaft unmittelbar Wirkung erzielen - und das zu einer ordentlichen Bezahlung und mit einem unbefristeten Vertrag", sagt Joncic.

Wer Karriere in Sachen ESG machen will, sollte nicht zögern: "Wer sich wirklich für das Thema interessiert, dem sei gesagt: Es gibt da draußen nicht viele Leute, die weiter sind als Sie selbst. Wenn Sie frühzeitig die Hand heben, haben Sie hier gerade gute Chancen", prophezeit Headhunterin Hardenberg. Wichtiger als Zusatzausbildungen (z.B. bei der DVFA, der DGNB oder an der EBS) sei der richtige Spirit: "Nehmen Sie das Zepter in die Hand! Arbeiten Sie an ESG-Initiativen mit, vernetzen Sie sich mit Interessierten aus anderen Unternehmen und werden Sie visibel, indem Sie sich z.B. auf Panels setzen, ob virtuell oder analog."

ESG-Mann Helbig von IC Immobilien hat genau das getan, wie sein Geschäftsführer Michael Stüber berichtet: "Marco hat sich uns aktiv aufdrängt. Er hat ein ganz persönliches Interesse an dem Thema, nicht zuletzt, weil er selbst Kinder hat. Es ist wichtig, dass sich jemand mit ESG identifiziert, nur dann kann er andere mitnehmen." Die nötige fachliche Qualifikation brachte Helbig offensichtlich auch mit: Den Personalmarkt scannte Stüber nämlich gar nicht erst nach externen Lösungen ab.

Der Bedarf an ESG-Experten wächst. Fiedlers Team bei Hansainvest beispielsweise soll mittelfristig von zwei auf fünf Kollegen anwachsen.

Denn die Aufgaben nehmen in der Breite und Tiefe zu: Sie reichen vom Abschluss günstiger Stromrahmenverträge und der Zentralisierung des Abfallmanagements über diverse datengesättigte Reportings an Signal Iduna und die Erstellung eines ESG-Katalogs für die Ankaufs-Due-Diligence bis hin zum Verkäufer-Screening im Rahmen der Bonitätsabfrage bei Creditreform: "Wir sind in Gesprächen, das auszubauen."

Harald Thomeczek

HanseMerkur kauft Jens Spahns Berliner Büro zum Spitzenpreis

Das Gebäude des Gesundheitsministeriums, hier ein Archivbild von 2007, ist jetzt im Portfolio von Hanse Merkur.

Das Gebäude des Gesundheitsministeriums, hier ein Archivbild von 2007, ist jetzt im Portfolio von Hanse Merkur.

Quelle: Imago, Urheber: Seeliger

Karriere 28.07.2021
Der Berliner Dienstsitz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der Friedrichstraße 108 hat einen neuen Eigentümer: Hanse Merkur Grundvermögen (HMG) hat Momeni das an die ... 

Der Berliner Dienstsitz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der Friedrichstraße 108 hat einen neuen Eigentümer: Hanse Merkur Grundvermögen (HMG) hat Momeni das an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) vermietete Gebäude abgekauft - angeblich zu einem Kaufpreisfaktor um die 38, wie es im Markt heißt. Für ein zweiteiliges Paket mit dem Spahn-Ministerium und einer Immobilie im Düsseldorfer Bankenviertel zahlte die Versicherungstochter rund 280 Mio. Euro.

Momeni hatte das Haus von Gesundheitsminister Spahn bzw. seinem Vorgänger Hermann Gröhe (ebenfalls CDU) anno 2015 für den offenen Spezial-AIF Momeni Prime Opportunities Fund I von Patrizia gekauft. Ende 2019 meldete Momeni den Abschluss eines neuen Mietvertrags mit der Bima über 12.000 qm. Die Bima selbst spricht davon, dass die Anmietung dieser Fläche für das Gesundheitsministerium die bisher größte im laufenden Jahr sei.

Wie auch immer: Das Single-Tenant-Objekt sei "langfristig" an den Staat vermietet, so Momeni. Bei Großanmietungen in stark nachgefragten Standorten - was hier zutreffen dürfte - mietet die Bima nach eigenen Angaben in der Regel für mindestens zehn Jahre.

"Neuer Spitzenpreis"

Marktteilnehmern zufolge ist für die Ministeriumsimmobilie nun ein "neuer Spitzenpreis erzielt" worden. Der Kaufpreis soll sich, so ist zu hören, im Rahmen des von BNP Paribas Real Estate arrangierten, strukturierten Bieterprozesses dem 38-Fachen der Mieteinnahmen genähert haben. Das würde grob einer Rendite von gut 2,6% entsprechen.

Momeni äußert sich auf Anfrage nicht zu dieser Information. Der Verkäufer nennt nur den Kaufpreis - allerdings nicht für den Spahn-Sitz allein, sondern für ein Paket aus zwei Immobilien, das an Hanse Merkur Grundvermögen veräußert wurde und von denen das Spahn-Haus eine ist. Die zweite ist das Büro- und Geschäftshaus Breite Straße 3 in Düsseldorf mit 5.100 m² Mietfläche. Den Gesamtkaufpreis für das sogenannte Prime Portfolio beziffert Momeni auf 280 Mio. Euro.

Attraktiv durch staatlichen Mieter

Die Attraktivität von langfristig an die öffentliche Hand vermieteten Bürogebäuden steht außer Frage - und sie hat seit Corona noch zugenommen: "Die Kirche und der Staat sind die Mieter mit dem geringsten Ausfallrisiko", sagt ein Marktteilnehmer. Ein anderer schätzt, dass solche Objekte locker zwei bis drei Jahresmieten mehr erzielen, wenn nicht ein Privatunternehmen, sondern die öffentliche Hand mit ihrer Top-Bonität und ihrer Unpleitbarkeit der Mieter ist.

Ein dritter weiß, dass Vermieter auch mal auf zwei Euro Miete pro Quadratmeter verzichten, wenn sie dafür Mietverträge über 10, 15 oder 20 Jahre mit gesichertem Cashflow erhalten. Zumal sich der Staat oft auch als standorttreuer Nutzer erweist, der seine Mietverträge nicht selten verlängert statt umzuziehen.

In puncto Miethöhe gilt es als sicher, dass die Bima in der Friedrichstraße 108 mehr als 30 Euro pro Quadratmeter zahlt - die Frage sei nur, wie viel mehr. Zum Vergleich: Für die 4.000 qm große Büroeinheit, die die Bima im zweiten Quartal 2020 im Mebeshaus in Berlin-Charlottenburg angemietet hat, soll sie nach Marktinformationen eine Spitzenmiete von 42 Euro/qm zahlen.

Ministerium wandert in Öffentliche-Hand-Fonds

So oder so: Während die Düsseldorfer Immobilie in den offenen Immobilien-Spezialfonds HMG Grundwerte Büro Deutschland III wandert, hat die Versicherungstocher das Ministerium für einen von ihr gemanagten offenen Immobilien-Spezialfonds mit dezidiertem Fokus auf Mietern der öffentlichen Hand gekauft.

Das Düsseldorfer Gebäude hatte Momeni ebenfalls 2015 gekauft, und zwar von Canada Life. Die Büros sind an den Business-Center-Betreiber IWG-Gruppe vermietet, der Laden im Erdgeschoss an das Kinderfachgeschäft Baby Kochs.

Harald Thomeczek

Dreso startet eigenes ESG-Immobilienfondsgeschäft

Dreso-Vorstandssprecher Steffen Szeidl will mit Real Blue ESG-Fonds für Institutionelle auflegen.

Dreso-Vorstandssprecher Steffen Szeidl will mit Real Blue ESG-Fonds für Institutionelle auflegen.

Quelle: Drees & Sommer SE, Urheber: Leif-Hendrik Piechowski

Karriere 27.07.2021
Der Berater und Baudienstleister Drees & Sommer (Dreso), Stuttgart, will zukünftig auch selbst Immobilienfonds anbieten. Dafür wurde eine eigene Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) ... 

Der Berater und Baudienstleister Drees & Sommer (Dreso), Stuttgart, will zukünftig auch selbst Immobilienfonds anbieten. Dafür wurde eine eigene Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) mit den Ex-Vorständen der Stuttgarter AIF Partner AG aufgesetzt.

Mit der Fondsgesellschaft Real Blue wolle Dreso seinen institutionellen Kunden eine "unabhängige Plattform und spannende Alternative im Bereich nachhaltige Kapitalanlagestrategien in Immobilien" bieten, sagt Dreso-Vorstandssprecher Steffen Szeidl. Die Genehmigung der Finanzaufsicht BaFin hat Real Blue bereits erhalten.

Als Geschäftsführer wurden die beiden Dreso-Associate-Partner Robert Göötz und Michael Eisenmann bestellt. Beide bildeten bis Anfang 2020 den Vorstand der ebenfalls in Stuttgart ansässigen AIF Kapitalverwaltungs-AG: Göötz als Vorsitzender und verantwortlich für Risikomanagement, Eisenmann für Konzeption und Portfoliomanagement. Ihre Fondsexpertise wird nun mit der Nachhaltigkeitskompetenz der Berater und Projektmamager von Dreso kombiniert.

Seniorenwohnen macht den Anfang

Für Real Blue sollen sie sich auf Fonds nach Artikel 8 (ESG Integration) und 9 (ESG Impact) der Offenlegungsverordnung konzentrieren. "Das Kerngeschäft runden wir mit einem nachhaltigen Asset-Management zur Bestandsoptimierung, auch für Altbestände, ab", so Göötz. Gestartet wird mit seniorengerechtem Wohnen. Das Konzept sieht den Aufbau eines offenen Spezialfonds mit einem Immmobilienportfolio im Wert von 200 Mio. Euro vor. In Vorbereitung/Planung sind außerdem Strategien in den Bereichen klassisches Wohnen und Logistik.

Monika Leykam