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"Die beste Expo"

Elke Buhl hat die Expo Real für ihre Jobsuche genutzt. Nach einer Interimstätigkeit leitet sie heute die Frankfurter Niederlassung von FA|KT Valuation.

Elke Buhl hat die Expo Real für ihre Jobsuche genutzt. Nach einer Interimstätigkeit leitet sie heute die Frankfurter Niederlassung von FA|KT Valuation.

Bild: sma

Karriere25.09.2014
Die Kündigung aus betriebsbedingten Gründen überraschte Bewerterin Elke Buhl kalt und die sofortige Freistellung war ein Schock. Während der Auszeit definierte die studierte Diplom-Ingenieurin ... 

Die Kündigung aus betriebsbedingten Gründen überraschte Bewerterin Elke Buhl kalt und die sofortige Freistellung war ein Schock. Während der Auszeit definierte die studierte Diplom-Ingenieurin der Architektur ihre beruflichen Ziele neu, bildete sich weiter - und fuhr dann zur Expo Real, um sich zu bewerben. Im Interview verrät die Leiterin des Frankfurter Büros von FA|KT Valuation mit Sitz in Hamburg und Büro in Berlin, wie Arbeitssuchende die Messe für sich am besten nutzen können.

Immobilien Zeitung: Frau Buhl, Sie waren dreieinhalb Jahre lang als Director Valuation Germany bei einem internationalen Beratungsunternehmen tätig gewesen, als Sie gekündigt und freigestellt wurden.

Elke Buhl: Für mich war die Freistellung dramatisch, weil von jetzt auf gleich die gewohnte Struktur wegfiel. Der Knacks saß tief. Plötzlich konnte ich nicht mehr sagen "Ich mache das und das". Es war wie ein Makel. Ich hatte mir Urlaub genommen, um mich auf die Re-Zertifizierungs-Prüfung von HypZert vorzubereiten. Und plötzlich hatte ich den Kopf dafür gar nicht mehr frei, weil ich nicht wusste, wie es danach weitergehen würde. Nach dem Kündigungsgespräch bin ich erst einmal ins Fleming's gegangen und habe auf der Dachterrasse einen Cappuccino getrunken um mich zu sammeln.

IZ: Sind Sie dann doch zur HypZert-Prüfung gegangen?

Buhl: Ja, meine Freunde hatten mich motiviert. Nach der Prüfung habe ich mich dann einem der Prüfer anvertraut und ihm erzählt, dass ich auf Jobsuche bin.

IZ: Wie hat er reagiert?

Buhl: Sehr hilfsbereit, wie alle anderen übrigens in der Zeit auch. Den Schritt nach vorne zu machen und offensiv mit der Situation umzugehen, bietet viele Chancen. Dazu kann ich jedem in einer solchen Situation nur raten. Eine Freundin empfahl mir: "Du musst jetzt erreichbar sein". Also habe ich mir ein Design überlegt und private Visitenkarten mit Titel und Zertifizierungen gedruckt.

IZ: Wie sind Sie das Projekt Jobsuche dann weiter angegangen?

Buhl: Nachdem ich mich bei zwei Internet-Jobbörsen angemeldet hatte, kontaktierte ich auch Headhunter und bewarb mich auf Stellenausschreibungen. Es lohnt sich, auch mal auf eine Anzeige zu antworten, die streng genommen nicht ganz dem eigenen, engen Suchraster entspricht. Dann kann man versuchen, dem Unternehmen ein Add-on anzubieten. Doch sehr wichtig ist meiner Meinung nach, sich selbst kritisch zu befragen "Was kann ich?", "Was kann ich anbieten?" und "Was habe ich vielleicht auch falsch gemacht?". Jeder, der einmal ausgebremst wurde, sollte sich für diese Fragen Zeit nehmen. Das hilft, um sich ein Bild von sich selbst zu machen und sich ein eigenes Produkt zu überlegen, mit dem man wieder auf den Markt geht.

IZ: In Ihrem Fall war das die Expo Real.

Buhl: Ja, für mich war klar, dass ich auf die Expo gehen würde, um aktiv auf Unternehmen zuzugehen.

IZ: Wie haben Sie sich vorbereitet?

Buhl: Ich habe ausgewählte Personen in Schlüsselpositionen aus meinem Netzwerk zuvor angerufen oder ihnen ein individuelles Bewerbungsanschreiben geschickt.

IZ: Und, haben Sie darauf Rückmeldung bekommen?

Buhl: Auf alle - da kam immer ein Feedback! Und dann war ich auf der Expo. Ich war hochmotiviert und freute mich auf interessante Gespräche. Zum ersten Mal hatte ich auch Zeit, mir die Messe einfach mal anzuschauen. Ich habe so viele Leute getroffen und bin vielen neuen Kontakten durch Bekannte vorgestellt worden, dass ich mit einem ganzen Stapel Visitenkarten wieder nach Hause gefahren bin. Das war die beste Expo, die ich je hatte.

IZ: Was hat sich Ihrer Meinung nach bewährt?

Buhl: Es hilft, auf der Messe einen Stand als Anlaufstelle zu haben. Bei mir war das der Frankfurt-Stand, wo auch u.a. der Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft beheimatet war. Dort konnten Visitenkarten für mich abgegeben werden. Es eignen sich aber auch Stände anderer Institutionen wie RICS oder HypZert. Man kann sich auch überlegen, dort mal einen Standdienst zu übernehmen. Wichtig ist auch, nicht zu viele Termine zu vereinbaren: Drei bis vier pro Tag reichen, damit genug Zeit für die spontanen Treffen auf der Messe bleibt.

IZ: Sind Sie mit einer Jobzusage von München nach Hause gefahren?

Buhl: Nein, obwohl ich viele sehr gute Gespräche hatte. Aber sechs Wochen später bekam ich ein Angebot von einer regionalen Sparkasse, bei der ich meine Visitenkarte hinterlegt hatte, für eine sechsmonatige Interims-Aufgabe.

IZ: Und haben Sie zugesagt?

Buhl: Ja, und das war der Anfang vom Ende meiner Arbeitslosigkeit. Dort konnte ich meine bisherigen vielfältigen Berufserfahrungen einbringen. Der Einsatz war zeitlich überschaubar. Ich habe gemerkt, wie flexibel ich bin. Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit, weiter nach einer unbefristeten Stelle zu suchen - nach einer, die zu mir passt.

IZ: Sie haben die Auszeit auch für Weiterbildungen genutzt.

Buhl: Ja. Die Zeit sollte unbedingt aktiv genutzt werden, also habe ich den Chartered Surveyor gemacht, den wollte ich schon immer machen. Und ich habe mir einen Englisch-Crashkurs und ein Coaching gegönnt. Aber ich habe nicht meinen Kleiderschrank, nicht mein Bücherregal und nicht meinen Keller aufgeräumt!

IZ: Frau Buhl, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

Sonja Smalian

95.100 Euro gibt's für Schweizer Architekten und Ingenieure

Der beliebteste Bonus der Schweizer sind zusätzliche Urlaubstage.

Der beliebteste Bonus der Schweizer sind zusätzliche Urlaubstage.

Bild: <a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a> / Reto Fetz

Karriere18.09.2014
Um weniger als 1% sind die Gehälter von Architekten und Ingenieuren in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Rund 95.100 Euro gibt es als Grundgehalt, variable Vergütungsanteile jedoch ... 

Um weniger als 1% sind die Gehälter von Architekten und Ingenieuren in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Rund 95.100 Euro gibt es als Grundgehalt, variable Vergütungsanteile jedoch nur in geringem Umfang, wie eine aktuelle Studie von Swiss Engineering zeigt.

Die Gehälter der Architekten und Ingenieure in der Schweiz sind im Schnitt kaum merklich gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Nur durch eine leichte Deflation im selben Zeitraum ergebe sich auch ein kleines Plus für diejenigen, auf deren Gehaltszettel alles beim Alten geblieben sei. Zu diesen Ergebnissen kommt die jährliche Salärumfrage des Schweizer Berufsverbands Swiss Engineering. 4.377 Architekten und Ingenieure aus verschiedenen Branchen beteiligten sich an der aktuellen Studie.

In der Baubranche gibt es für Architekten und Ingenieure vergleichsweise niedrige Jahresvergütungen: Mitarbeiter ohne Führungsfunktion erhalten rund 69.400 Euro und Fachkräfte ohne Personalverantwortung rund 76.800 Euro. Teamleiter hingegen sprengen die 100.000-Franken-Grenze - das entspricht etwa 82.600 Euro. Abteilungs- und Bereichsleiter können sich über ca. 93.400 Euro freuen und für Unternehmenslenker gibt es rund 112.400 Euro.

Die Bau-Chefs zählen im Vergleich mit dem Führungspersonal anderer Branchen mit Abstand zu den Geringverdienern. Am meisten erhalten Architekten und Ingenieure als Geschäftsführer in der Finanzwirtschaft (ca. 157.000 Euro). Auch in der öffentlichen Verwaltung (ca. 148.700 Euro) und in Lehre und Forschung (ca.133.900 Euro) wird mehr gezahlt als in der Baubranche.

Variable Vergütungsbestandteile erhöhen die Grundgehälter nur wenig, denn sie fallen mit durchschnittlich etwa 2.900 Euro insgesamt recht dürftig aus. Geschäftsführer erhalten einen Aufschlag von knapp 11.000 Euro. Bei Mitarbeitern ohne Führungsfunktion sinkt diese Zugabe auf im Schnitt 830 Euro.

Häufiger profitieren die Schweizer Architekten und Ingenieure von Zusatzleistungen, wie Essenssubventionen, Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr, zusätzliche Sozialleistungen oder einen Parkplatz. Durchschnittlich drei davon erhält jeder Befragungsteilnehmer. Am beliebtesten sind jedoch zusätzliche Urlaubstage als Extra-Vergütung, die von mehr als der Hälfte in Anspruch genommen werden.

Bau-Chefs verdienen im Branchenvergleich am wenigsten

Die Höhe der Vergütung wird neben der Hierarchiestufe, der Branchenzugehörigkeit und der variablen Anteile auch durch andere Faktoren beeinflusst, beispielsweise die Unternehmensgröße, den Ausbildungsgrad und das Alter der Umfrageteilnehmer. So gilt die Regel: Je größer das Unternehmen, desto höher sind auch die Grundgehälter. Die Differenz liegt rund 4.100 Euro oberhalb des mittleren Jahresgehalts bei Betrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten.

Die zweite Regel besagt: Je länger die Ausbildung dauert, desto höher ist das Gehalt. Das gilt zumindest für die Abschlüsse Bachelor (etwa 68.200 Euro) und Master (ca. 74.400 Euro) sowie für den Doktortitel (ca. 83.400 Euro) bei Young Professionals, die nicht älter als 34 Jahre sind. Die Differenz zwischen Masterabschluss und Promotion beträgt also in jungen Jahren nicht einmal 10.000 Euro, wird aber mit einem zeitlichen Einsatz von zwei, drei Jahren Forschungsarbeit erkauft. In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen ist die Gehaltsdifferenz zwischen Berufserfahrenen mit Masterabschluss auf der einen und mit Promotion auf der anderen Seite schon auf ca. 6.400 Euro zusammengschmolzen. Vielversprechender wirkt sich auf der Vergütungsseite ein Master-Aufbaustudium aus. Eine solche Weiterbildung wird in der Altersgruppe bis 44 Jahre mit einem höheren Jahresgrundgehalt belohnt als eine Promotion!

Die dritte Regel lautet: Die Vergütung steigt mit dem Alter und der Erfahrung. Doch die höchsten Gehaltszuwächse werden nur in dem Zeitfenster zwischen 30 und 45 Jahren erzielt. Danach flache die Lohnkurve merklich ab. Die höchste Gehaltsstufe werde im Alter von 60 Jahren erreicht, zeigt die Studie.

Die Gehaltsumfrage offenbart auch große Unterschiede innerhalb der beiden Berufsgruppen: Während ein junger Architekt bis 34 Jahre mit einem Basisgehalt von etwa 59.500 Euro rechnen kann, sind es bei einem gleichaltrigen Bauingenieur schon gut 10.000 Euro mehr (ca. 70.200 Euro). Diese Differenz steigt zunächst an, bevor sie sich in der Altersgruppe 55+ auf rund 6.200 Euro verringert.

Für die Mehrheit der Architekten und Ingenieure entspricht der Lohn dennoch "ziemlich" und für 18% sogar "sehr" ihren Fähigkeiten. Mit höheren Positionen und zunehmendem Alter zeigen sich die Befragten zufriedener mit ihrer Vergütungssituation. Angesichts dieser Zahlen überrascht es nicht, dass sich 90% der Befragten wieder für ihre Laufbahn entscheiden würden. Doch 70% der Ingenieure glauben, einen Fachkräftemangel in ihrem Bereich zu beobachten. Unter den Architekten teilen nur 40% diese Ansicht für ihr Gebiet. Deutsche, die sich nach einem Job in der Schweiz umschauen wollen, können beruhigt sein. Die Einwanderungsinitiative, über die im Februar dieses Jahres abgestimmt wurde, habe derzeit noch keine Auswirkungen, sagt Swiss-Engineering-Generalsekretär Stefan Arquint. Er rechnet erst mit einer Umsetzung in zwei bis drei Jahren. Im Moment gebe es noch keine Beschränkungen.

Sonja Smalian

Jobsuche und Netzwerken auf der Expo Real vorab planen

36.000 Teilnehmer zählte die Expo Real im vergangenen Jahr. Wer die drei Messetage auch zur Jobsuche nutzen will, sollte sich vorher genau überlegen, wen er wann treffen möchte. Nicht immer gelingt es, sich vorab einen festen Termin zu sichern. Doch auch "zufälliges Aufeinandertreffen" kann frühzeitig geplant werden.

36.000 Teilnehmer zählte die Expo Real im vergangenen Jahr. Wer die drei Messetage auch zur Jobsuche nutzen will, sollte sich vorher genau überlegen, wen er wann treffen möchte. Nicht immer gelingt es, sich vorab einen festen Termin zu sichern. Doch auch "zufälliges Aufeinandertreffen" kann frühzeitig geplant werden.

Bild: Messe München

Karriere11.09.2014
Auf dem Branchentreffen Expo Real geht es nicht nur um Projekte, sondern immer häufiger auch um Jobs. Wie Berufseinsteiger und Wechselwillige die drei Tage optimal für ihre Ziele nutzen können, ... 

Auf dem Branchentreffen Expo Real geht es nicht nur um Projekte, sondern immer häufiger auch um Jobs. Wie Berufseinsteiger und Wechselwillige die drei Tage optimal für ihre Ziele nutzen können, verraten fünf Personalprofis. Auch für Arbeitsuchende sollte die Messe ein Pflichttermin sein.

Rund 36.000 Teilnehmer wälzten sich während der Expo Real 2013 durch die sechs Messehallen in München. Wer da den richtigen Ansprechpartner treffen will, um seiner Karriere einen Schub zu geben, der sollte seine Route rechtzeitig planen. Kontaktmöglichkeiten gibt es während der Fachmesse auf und außerhalb des Messegeländes genug, doch nicht jede ist für die Anbahnung eines Wechsels oder das strategische Netzwerken gleich gut geeignet.

Der Klassiker ist der direkte Besuch am Stand. Viele Unternehmen haben ihre Personalverantwortlichen zumindest an einigen, wenn nicht sogar an allen Tagen mit an Bord. Ist das nicht der Fall, sollten Wechselwillige oder Jobsuchende versuchen, zu jemandem aus dem passenden Fachbereich Kontakt zu knüpfen. Wie offen das Thema Jobsuche dabei angesprochen wird, hängt von der jeweiligen Situation am Stand und vom Kandidaten ab. Wer noch in Lohn und Brot steht, formuliert vielleicht lieber etwas vager. Kandidaten ohne Beschäftigung können offener mit dem Thema umgehen.

Keine zu hohen Erwartungen haben

Doch die Erwartungen dürfen nicht zu hoch gesteckt werden. Der Besuch ist nur eine erste Kontaktanbahnung. Ziel sollte sein, trotz des kurzen Zeitfensters von maximal 15 Minuten in Erinnerung zu bleiben. "Alle weiteren Schritte erfolgen dann nach der Messe", sagt Thomas Körzel, Inhaber des Büros für Karrierecoaching. Wechselwillige oder Jobsuchende sollten auf jeden Fall vermeiden, wirklich jeden Kontakt auf der Messe mit der eigenen Jobsuche zu malträtieren, rät Körzel. Fingerspitzengefühl ist bei dem Thema gefragt.

Wer den Namen seines Ansprechpartners schon kennt oder ihn herausfindet, kann auch versuchen, vorab einen Termin direkt oder z.B. über soziale Netzwerke auszumachen. Und so quasi die Kaltakquise "im Warmen" machen, sagt Carolin Eichholz, Inhaberin von immocoach. Damit die Kontaktanbahnung leichter falle, müsse im Kopf der Schalter vom "Bittsteller" auf "Anbieter" umgestellt werden, lautet ihr Tipp. Mit MatchUp! bietet die Messe München zudem eine neue Teilnehmer-Community an, über die ebenfalls Termine vereinbart werden können.

Einseitiger Kurz-Lebenslauf am besten in Papierform und als digitales Dokument

Was die Kandidaten an Unterlagen mitnehmen sollten, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ein einseitiger Kurz-Lebenslauf mit Foto bzw. ein Leporello wird von manchen favorisiert, andere sprechen sich für eine rein digitale Variante aus. Nicht fehlen darf die "unique selling proposition", um besser im Gedächtnis zu bleiben, sagt Körzel.

"Kein Papier" will beispielsweise Bruno Bittis, Head of Human Resources bei mfi, haben. Er sei am Stand mit einem iPad unterwegs und schaue sich die Unterlagen gern nur digital an, um sie sich dann noch einmal schicken zu lassen. Bittis macht wenige Termine, um flexibel auf spontane Besuche reagieren zu können. Von Bewerbern erwartet er, dass sie sich auf Gespräche mit Unternehmensvertretern gut vorbereiten und die drei großen Themen ihrer Ziel-Unternehmen kennen.

Termine und Kontaktart vorab planen

Um sich nicht zu verzetteln, sollten Kandidaten ihre Ziele vorab festlegen. Wen will ich kennenlernen und wo gelingt mir das vermutlich am besten? Das kann am Unternehmensstand sein, aber auch beim Alumni-Treffen oder beim Vortrag. Manch ein Unternehmen hält neben dem Stand noch besondere Kontaktformate vor: Der Messe-Shuttle-Service im Doppeldecker-Bus von Corpus Sireo pendelt mehrmals täglich zwischen dem Schwabinger Hotel Pullmann und der Messe. An Bord stehen nicht nur Kaffee und Snacks bereit, sondern auch die Mitarbeiter für Gespräche. Eine gute Möglichkeit für einen Standbesuch bietet sich auch, wenn dort eine Präsentation stattfindet. Dann seien die Mitarbeiter des Unternehmens offener für Gäste, sagt Eichholz.

Basis-Werkzeug des Netzwerkens ist die Visitenkarte. Hier müssen sich Kandidaten überlegen, ob sie ihre geschäftlichen oder ihre privaten Karten verteilen. Auf den privaten Visitenkarten empfiehlt Personalberater Michael Harter ein aussagekräftiges Stichwort anstelle des Abschlusses zu vermerken, z.B. "Assetmanager Wohnimmobilien". Das bleibe besser im Gedächtnis hängen als die Abkürzung Dipl.-Ing., sagt der geschäftsführende Gesellschafter von Westwind Real Estate Executive Search.

Auch Arbeitsuchende gehören auf die Expo

Auch CEOs ohne Job sollten seiner Meinung nach mit erhobenem Haupt zur Expo fahren und ihre privaten Karten unters Volk bringen, sagt Harter. "Das ist sonst eine verpasste Vermarktungschance." Die Expo Real sei das billigste und intensivste Medium, um sich über neue potenzielle Arbeitgeber zu informieren, sagt der Westwind-Chef. Für 300 Euro bis 400 Euro kämen die Besucher hier an die Creme de la Creme der deutschen Immobilienwirtschaft heran. Ein Besuch sei zwar keine Jobgarantie, aber falsche Scham sei genauso wenig angebracht.

Das sieht auch Coach Eichholz so: "Die Expo Real ist das Branchenevent in Deutschland. Wenn man sich da nicht einbringt, dann hat man seine Zugehörigkeit selbst abgeschnitten." Arbeitssuchende müssten sich bewusst machen, dass sie Teil der Immobilienbranche sind, dass sie dahin gehören und das sie dort ihre zukünftigen Kolleginnen und Kollegen treffen, sagt Eichholz.

Bei der Kontaktanbahnung darf nicht nur das kurzfristige Ziel der Jobsuche stehen, sondern auch die langfristige Netzwerkpflege. Kandidaten sollten also nicht so sehr danach schielen, wer welche Position hat, sondern auch darauf achten, zu wem man einen guten Draht hat, sagt Karrierecoach Körzel. Diese Kontakte seien für den Aufbau eines Netzwerks mittelfristig wichtig. Auf das eigene Bauchgefühl zu achten, helfe, wenn nach der Messe die Visitenkarten sortiert werden und es zu überlegen gilt, bei wem sich ein Nachfassen lohnt.

Kurzer Erstkontakt zu Personalberatern möglich

Manch einer dürfte die Messe auch nutzen, um bei einem der zahlreichen Personalberater vorstellig zu werden, die ebenfalls auf der Messe sind. Auch hier empfiehlt es sich, vorab einen Termin für ein kurzes Erstgespräch zu vereinbaren. Denn die Personalberater selbst besuchen ihre Auftraggeber, und das sind die Unternehmen. Für umfassende Beratungsgespräche mit Kandidaten fehlt auf der Expo Real deswegen sowohl die nötige Ruhe als auch die Zeit. Solch intensive Gespräche müssten nach der Messe in einem passenden Rahmen stattfinden, sagt Richard-Emanuel Goldhahn, Geschäftsführer von Cobalt Deutschland, der zum zweiten Mal mit einem eigenen Stand vertreten ist, wo auch immer ein Ansprechpartner ist.

Die beste Zeit zum Kontakteknüpfen sind seiner Meinung nach die offiziellen Standzeiten. Kandidaten sollten zudem auch rechtzeitig ihr Netzwerk aktivieren. Denn auch die eigenen Geschäftsfreunde könnten als Türöffner zu neuen Kontakten dienen. Auch bei Xing lohne es sich vorab zu schauen, welcher der eigenen Bekannten mit welchem Zielkontakt vernetzt ist. "Planung ist das halbe Leben, auch auf der Expo", sagt Goldhahn.

Neben der Terminplanung spielt auch die äußere Erscheinung keine kleine Rolle. Wer sich bewirbt, sollte auf korrekte Business-Kleidung achten. Das betonen beide Personalberater, obwohl es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Auch zu schwere Taschen oder gar ein Rucksack gehören nicht auf die Messe und bleiben besser Zuhause oder im Hotel. Gratis-Tüten, aus denen Stofftiere oder andere Werbegeschenke lugen, vermitteln ebenfalls leicht einen unerwünschten Eindruck.

CareerDay und Jobmesse am dritten Messetag

Berufseinsteiger und Young Professionals müssen meist noch andere Wege gehen. An sie richtet sich der CareerDay am letzten Messetag. Nichtsdestotrotz sitzen auch regelmäßig Berufserfahrene, Personalberater und Personalverantwortliche im Publikum und informieren sich darüber, welche Ein- und Aufstiegschancen die Unternehmen bieten. Parallel dazu gibt es auch eine Jobmesse - das CareerCenter -, wo sich 22 Unternehmen mit einem kleinen Stand ausschließlich als Arbeitgeber präsentieren. Der Corpus-Sireo-Bus fährt an diesem Tag vom Hauptbahnhof zur Messe. An Bord geben Trainees und Personalverantwortliche während der Fahrt Auskunft zum Unternehmen.

Doch damit hören die Veranstaltungen noch nicht auf. Partys außerhalb des Messegeländes haben oft eher Freizeitcharakter. Bei dröhnenden Bässen mit einem Gin-Tonic in der Hand den Bogen zu möglichen Jobchancen im Unternehmen eines neuen Kontakts zu spannen, dürfte selbst Small-Talk-Profis schwer fallen. Vielversprechender, auch im Hinblick auf langfristiges Netzwerken, sind da Empfänge und Abendessen im kleineren Kreis, die vor und während der Messe stattfinden, sagt Karrierecoach Körzel. Wer dazu keine Einladung erhalten hat, kann trotzdem auch nach dem offiziellen Messeschluss um 18 Uhr Kontakte auf einer der vielen Standpartys knüpfen. Zumindest zu Beginn des Abends dürfte dort noch das eine oder andere Gespräch möglich sein.

Neben den direkten Gesprächen am Stand eignen sich sicherlich auch die zahlreichen Veranstaltungen mitunter für das eigene Netzwerk-Ziel. 190 Termine zählt das Konferenzprogramm der Expo Real derzeit – vom Alumni-Treffen über die Diskussionsrunde bis zur Standparty. Bis zum Messebeginn dürften es noch einige mehr werden. Wer nicht allein auf ein spontanes Kennenlernen setzen will, kann Termine vorab direkt, über soziale Netzwerke oder die neue Teilnehmercommunity MatchUp! der Messe München verabreden. MatchUp! steht nur Messeteilnehmern mit Eintrittskarte zur Verfügung. Mehr als 1.300 Teilnehmer haben sich schon registriert, und dort sind aktuell auch 76 Stellenangebote hinterlegt.

Auch zahlreiche Vereine haben einen Stand auf der Messe und bieten damit eine Plattform für Kontakte. Neben Fachvorträgen organisieren sie auch Netzwerk-Events. Der rund 650 Mitglieder zählende Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft lädt beispielsweise montags auch Nicht-Mitglieder um 17:15 Uhr zum Sektempfang an den Stand des Freistaats Sachsen ein. Am Gemeinschaftsstand der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung (gif) sind mehrere Aus- und Weiterbildungsanbieter vertreten, die während der Messe Alumni- bzw. Netzwerktreffen organisieren. Die ADI Akademie der Immobilienwirtschaft lädt ihre Absolventen beispielsweise am Montag um 17 Uhr zum Umtrunk.

Am dritten Messetag findet ab 9:30 Uhr traditionell der CareerDay mit Vorträgen zum Ein- und Aufstieg in der Immobilienbranche im Planning-&-Partnerships-Forum (Halle A2.040) statt. Vor dem Forum präsentieren sich 22 Arbeitgeber der Branche im CareerCenter und sind mit ihren Personalverantwortlichen vor Ort.

Sonja Smalian

Stefan Zimmermann - Sprinter oder Marathonmann?

Stefan Zimmermann rechnet fest damit, das Wiesbadener Problem-Center in Kürze verkauft zu haben. Derzeit befinde man sich mit einem Investor in Endverhandlungen. Die Umbaupläne der Acrest sollen mehr als 22 Mio. Euro kosten und deutlich machen, wie Acrest dem dahinsiechenden Center wieder Leben einhauchen will.

Stefan Zimmermann rechnet fest damit, das Wiesbadener Problem-Center in Kürze verkauft zu haben. Derzeit befinde man sich mit einem Investor in Endverhandlungen. Die Umbaupläne der Acrest sollen mehr als 22 Mio. Euro kosten und deutlich machen, wie Acrest dem dahinsiechenden Center wieder Leben einhauchen will.

Bild: ma

Karriere11.09.2014
Stefan Zimmermann, Jahrgang 78, weiß, was er will: nach ganz oben, und zwar auf schnellstem Weg. Mit seinem Fernstudium der Wirtschaft hat er sich nicht lange aufgehalten und 2006 mit Acrest sein ... 

Stefan Zimmermann, Jahrgang 78, weiß, was er will: nach ganz oben, und zwar auf schnellstem Weg. Mit seinem Fernstudium der Wirtschaft hat er sich nicht lange aufgehalten und 2006 mit Acrest sein eigenes Unternehmen gegründet. Jetzt beschäftigt er mehr als 130 Mitarbeiter, die Gebäude im Wert von 4,4 Mrd. Euro managen. Er hat sich Projekte ans Bein gebunden, die nicht nur Sprinter-, sondern Marathonqualitäten erfordern.

Sich mit Stefan Zimmermann zu verabreden, ist nicht ganz einfach. Wir könnten ihn am frühen Morgen in Frankfurt treffen, vor dem ersten Termin, schlägt seine Assistentin vor. Er komme am Vorabend aus London und habe eine Stunde Zeit. Eine Stunde? Zu wenig für ein Porträt, finden wir und kontaktieren ihn direkt. Er bietet ein neues Zeitfenster an. "Ich kann schnell sprechen", sagt Zimmermann und man ahnt, in welchem Tempo dieser Mann durchs Leben geht.

Schließlich treffen wir ihn in Wiesbaden. Er sitzt in einem fensterlosen Raum des Centermanagements im Einkaufszentrum Lilien-Carré, für dessen Umbau Acrest seit zwei Jahren zuständig ist. Breitbeinig wie auf einer Bierkiste hockt der Zweimetermann vor seinem Laptop. Über dem weiß bekragten Nadelstreifenhemd mit Manschettenknöpfen trägt er weiße Hosenträger, unter der Anzughose leuchten quietschbunte teure Socken. Das Jackett mit Einstecktuch hat er abgeworfen. Wieder kommt er aus London. Fast alle seine Aufträge akquiriert er dort. "Selbst wenn die Deutsche Bank einen Auftrag zu vergeben hat, tut sie das aus London heraus", sagt Zimmermann und gibt zu, nur einen deutschen Kunden zu haben, nämlich einen Privatmann aus München.

Schon als Acrest im Juli 2012 das Centermanagement übernommen hatte, fragte sich mancher: Was will der mit dem Ding? Doch für Zimmermann war es ein wichtiger Auftrag, um sich neben den Großaufträgen von Cerberus weitere Standbeine aufzubauen.

Zimmermann kann in der Tat schnell sprechen. An diesem schwülen Vormittag auch auf Englisch. Hinter den verschlossenen Türen eines Acrest-Konferenzraums im 13. Stock des Berliner Europa-Centers präsentiert er die Umbaupläne seines Unternehmens für das Wiesbadener Problem-Center vor angelsächsischen Investoren.

Der 36-Jährige beschäftigt mehr als 130 Menschen, die Immobilien im Wert von 4,4 Mrd. Euro betreuen. Das Portfolio besteht aus Geschäftshäusern wie rund 80 Woolworth-Standorten genauso wie aus 42 Metro-Cash-&-Carry-Großmärkten oder notleidenden bis dahinsiechenden Einkaufszentren wie dem Atrium Bamberg. Neben dem Management befasst sich Acrest auch mit der Entwicklung etwa des Opel-Forums in Rüsselsheim oder der Staufengalerie in Göppingen, die Acrest zusammen mit der Familie Schenavsky entwickelt. Der Firmenname steht für "a crest", was so viel bedeutet wie "ein Gipfel".

Nun ist es so weit, dass zwei Jahre harte Entwicklerarbeit des Wiesbadener Lilien-Carrés präsentiert werden sollen. Zimmermann steht am Beamer und tut, was er am besten kann: verkaufen. Er trägt eine zerschlissene Dieseljeans ohne Gürtel und ein schwarzes Hemd, dessen Ärmel er bis über die Ellenbogen hochgekrempelt hat. Die Investorenvertreter auf der anderen Seite sind in schicken Chinos, engen Hemden und Krawatte erschienen, die Verhandlungsführer im dunklen Zwirn mit Schlips.

Eine hybride Mall mit großem Foodcourt will Acrest aus dem eigenwilligen elliptischen Bau des Wiesbadener Centers machen, das 2007 eröffnet und nur drei Jahre später insolvent wurde. Künftig soll das Einkaufszentrum schwerpunktmäßig der Nahversorgung dienen und durch einen 1.600 m2 großen Foodcourt in den Mittags- und Abendstunden zu einer interessanten Location werden.

"Ist das Parkhaus nicht zu groß?", fragt der Kaufinteressent, der gleich abcheckt, ob man auf einem Teil der Fläche nicht noch einen Discounter unterbringen könnte. "Nein, nein", sagt Zimmermann. "Als das Center gebaut wurde, sind direkt alle Parkplätze mit errichtet worden. Auch die, die erst bei der Realisierung der Entwicklungsreserve notwendig geworden wären", führt er aus und fügt hinzu: "Außerdem kann man den ganzen Tag für nur vier Euro parken, das gibt es sonst nirgends in der Stadt." Der Investor schaut kritisch, als wisse er genau, dass die Deutschen nicht bereit sind, beim Einkauf von Lebensmitteln auch nur einen Cent fürs Parken auszugeben.

"Was ist mit der Erweiterungsfläche da hinten, könnte da nicht ein Aldi hin?", fragt plötzlich einer der Briten, der sich im bisherigen Gespräch bislang zurückgehalten hatte. "Nein", bremst Zimmermann ab, "dazwischen ist die Laderampe, man kann diese Fläche nicht vernünftig anbinden." Der Brite regt an, der Supermarktbetreiber könne doch einen Teil seiner Fläche für einen Discounter aus dem eigenen Hause abtreten. "Nein", pariert Zimmermann, "die eigene Discount-Schiene wollen die nicht als Nachbarn, Aldi oder Lidl bringen mehr Frequenz." Mehr als 22 Mio. Euro soll der Umbau des Centers im laufenden Betrieb kosten. Die Investoren bleiben zurückhaltend, zeigen sich nicht zur Gänze überzeugt.

Zimmermann hat fast vier Stunden geredet, Fragen beantwortet und keine Ermüdungserscheinungen gezeigt. Einmal unterbricht er kurz, nachdem ihm eine Mitarbeiterin eine Nachricht überbringt. Er bittet um eine kurze Pause, die Familie seines Geschäftspartners sei zu Besuch. "Familie ist wichtig", sagt Zimmermann noch im Hinausgehen. Die Investoren nutzen die kurze Pause, um sich auszutauschen. Kurz darauf ist Zimmermann zurück und redet weiter. Er ist offenbar im Training. Schon dreimal hat Zimmermann das Center in dieser Woche Interessenten präsentiert. Er beweist einen langen Atem - eher unüblich für jemanden, der sonst eher sprintet.

Nach Abitur und Wehrdienst ging er 1998 zur Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft GWG. Seine Mutter war dort Justitiarin, sodass er von Azubi-Anfangsaufgaben weitestgehend verschont blieb und eine verkürzte Ausbildung zum Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft machen konnte. Als er ausgelernt hatte, wollte er nicht in die Hausverwaltung und befasste sich bei der GWG mit dem Aufbau einer Controlling-Abteilung, die damals noch nicht bestanden habe. Parallel begann er ein Fernstudium der Wirtschaftswissenschaften.

Im Jahr 2000 zog seine damalige Freundin von Cottbus nach Potsdam zum Jura-Studium und Zimmermann beschloss, ihr zu folgen. Doch die Arbeitslosigkeit bekam ihm nicht. Die ersten vier Wochen in Potsdam, in denen er keinen Job hatte, beschreibt er heute als die schlimmste Zeit seines Lebens.

Nach drei Jahren bei Tishman Speyer in Berlin, wo er sich vom Junior Assistant zum Senior Controller hocharbeitete, landete er schließlich bei Tenkhoff Properties. Dort entwickelte er mit anfangs vier Mann drei Shoppingcenter. "Das Schlossstraßen Center und das Kröpeliner Tor Center haben wir damals parallel durch die Entwicklung getrieben", erinnert sich Zimmermann. Die meisten Wochenenden fielen der Arbeit zum Opfer. Doch er war fasziniert von seinem Mentor Joachim Tenkhoff, für ihn einer "der Top 3 der talentiertesten Akquisiteure". Besonders imponierte Zimmermann, dass Tenkhoff imstande war, schnell loszulassen und ihm von Beginn an viel Verantwortung zu übertragen. "Er hat mich bald schon Generalunternehmerverträge selbst verhandeln lassen." Zimmermann war gerade 25.

Das Fernstudium hing er an den Nagel, es sollte jetzt schneller gehen. 2006 gründete er mit 28 Jahren in Berlin ein Unternehmen namens HBDS, was für Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart stand. Seit 2008 firmiert es unter Acrest Property Group. Sein erstes Mandat war die externe Leitung des Bereichs Retail-Akquisitionen und Development der apellasbauwert Property Group und der Bauwert Property Group, was er bis 2009 ausführte.

Zudem wollte Zimmermann schon kurz nach der Gründung durchstarten und mit einem Joint-Venture-Partner 109 Woolworth-Immobilien übernehmen. "Wir haben damals ein paar Leute gehired und gepitched", erinnert sich Zimmermann. Er unterlag jedoch US-Finanzinvestor Cerberus, der Acrest wiederum zwei Jahre später mit dem Asset-Management des Portfolios beauftragte. Lange war Cerberus Acrests größter Auftraggeber. Mancher Marktbeobachter glaubte gar, Acrest sei der Asset-Management-Arm von Cerberus. Mittlerweile sorgen die Amerikaner nur noch für weniger als 50% der Aufträge, die Acrest erhält.

Acrest wuchs schnell, das Unternehmen brauchte klarere Strukturen - eine langwierige Aufgabe, die Zimmermann nicht lag. 2010 holte er Matthias Schmitz als Managing Partner mit ins Boot. Schmitz und Zimmermann waren sich 2004 über den Weg gelaufen, als Zimmermann für Tenkhoff einen Mietvertrag mit Fitness First aushandelte. Schmitz war damals für die Expansion der Studiokette zuständig. Dieses Zusammentreffen bezeichnet Zimmermann heute als "sehr, sehr großes Glück. Matthias ist charmant, eloquent, extrem gebildet und in vielen Punkten talentierter als ich." Vor allen Dingen das Talent, einer Firma feste Strukturen zu geben, habe sehr zum Aufbau des Unternehmens beigetragen. "Es gibt unglaublich wenige Doppelspitzen, die so gut funktionieren", ist Zimmermann überzeugt. Dabei sind die Aufgaben klar verteilt.

Zimmermann ist ein begnadeter Verkäufer. Diesen Part übernimmt er mit Verve. Er grillt für seine Gäste genauso wie er sich auf Abendveranstaltungen von Kongressen die Schürze umbindet und selbst kreierte Drinks namens "Retailer" serviert. Sein Geschäftspartner Matthias Schmitz ist für den mutmaßlich härteren Part zuständig: nämlich Zimmermanns Versprechen einzulösen. Und das klappt nicht immer wie geplant.

"Acrest liefert einfach nicht", sagt einer, der auf den Entwickler nicht gut zu sprechen ist. "Die kriegen es nicht gebacken", ist ein anderer Vorwurf, der auf die Baustelle in Rüsselsheim abzielt. Dort ist Acrest seit vier Jahren an der Entwicklung des Opel-Forums tätig. Zimmermann selbst ist sogar schon länger damit befasst, weil er den vorherigen Entwickler apellasbauwert beraten hat. Ein Einkaufszentrum mit 21.000 m2 Verkaufsfläche und Platz für 100 Läden auf zwei Ebenen ist geplant. Doch Vollzug wird nicht gemeldet.

"Wir sind damals zu früh an die Öffentlichkeit gegangen", sagt Zimmermann heute. Die Eröffnung der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Nach einem Urteil des Hessischen Oberverwaltungsgerichts muss jetzt wegen der neuen Flugrouten das B-Plan-Verfahren komplett neu aufgesetzt werden, da Wohnbebauung aus bestimmten Zonen auszuschließen ist", erläutert Zimmermann und man ist geneigt, ihm zu glauben, dass es sich bei der Verzögerung von zwölf bis 18 Monaten um eine Art höhere Gewalt handelt. Doch seine Gegner sagen: "An diesem Projekt werden sie zeigen müssen, dass sie es drauf haben und liefern können." Doch dies wird immer ungewisser: "Am Freitag hat mich überraschend der Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim angerufen und mir gesagt, dass er das Projekt nicht mehr weiter unterstützen kann", sagt Zimmermann, nachdem die Lokalzeitung Main-Spitze am vergangenen Wochenende gemeldet hatte, das Opel-Forum stehe vor dem Aus. Die endgültige Entscheidung werden die Stadtverordneten am 16. Oktober treffen. Bis dahin braucht Zimmermann viel Geduld und Spucke.

Ausdauer ist auch beim Lilien-Carré in Wiesbaden gefragt. Bislang hat noch niemand angebissen, obwohl sich Zimmermann nach den Investorengesprächen im Juli zuversichtlich gab, den Käufer bis September im Sack zu haben. Nun sagt er, nächste Woche sei es so weit. Zimmermann ist ein hurtiger Schreiter, zuweilen offenbar einen Schritt zu schnell für seine Mitstreiter. (Anm. der Redaktion: Der Verkauf ist mittlerweile erfolgt.)

Bei der Akquisition, sagt er, halte er immer viele Angeln in den Teich. Ein Bild, das ihm seit Kindertagen vertraut ist. Zimmermanns Vater betrieb in der DDR sieben Angelgeschäfte. Dort verkaufte Zimmermann schon als Schüler lieber Angelbedarf, als zur Schule zu gehen. Das Angeln erdet ihn noch heute. Kürzlich war er mit seinen zwei und vier Jahre alten Jungs, Frau und Eltern zum Campen am Schwanensee. Dort, wo er schon als Dreijähriger die Rute übers Wasser gehalten hat.

Montags und freitags, wenn er in Berlin ist, sagt er, bringt er seine Jungs in die Kita und abends auch ins Bett. Er erzählt ihnen erfundene Gutenachtgeschichten. Damit die Jungs nicht auf die Fortsetzung seiner Geschichte verzichten müssen, wenn er unter der Woche auf Reisen ist, schickt er ihnen Voicemails mit der aktuellen Fortsetzung. Und dabei spricht Zimmermann einmal am Tag ausnahmsweise gaaanz langsam.

Melanie Agne

"Ich finde den Namen Berufsakademie sehr, sehr unglücklich"

Stabwechsel an der Berufsakademie Sachsen: Prof. Dr. Kerry-U. Brauer (links) übernahm als Direktorin die Leitung der Akademie. Prof. Dr. Bettina Lange trat ihre Nachfolge als Leiterin der Studienrichtung Immobilienwirtschaft an.

Stabwechsel an der Berufsakademie Sachsen: Prof. Dr. Kerry-U. Brauer (links) übernahm als Direktorin die Leitung der Akademie. Prof. Dr. Bettina Lange trat ihre Nachfolge als Leiterin der Studienrichtung Immobilienwirtschaft an.

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Karriere04.09.2014
Prof. Dr. Kerry-U. Brauer führt die Staatliche Studienakademie Leipzig der Berufsakademie Sachsen nun als Direktorin und hat nach 18 Jahren die Leitung der Studienrichtung Immobilienwirtschaft an ... 

Prof. Dr. Kerry-U. Brauer führt die Staatliche Studienakademie Leipzig der Berufsakademie Sachsen nun als Direktorin und hat nach 18 Jahren die Leitung der Studienrichtung Immobilienwirtschaft an Prof. Dr. Bettina Lange übergeben. Ein Gespräch über die Besonderheiten des dualen Studiums, die künftige Ausrichtung der Studienrichtung und Karrierechancen für Frauen in der Immobilienwirtschaft.

Immobilien Zeitung: Die Zahl der dualen Studiengänge hat sich in den fünf Jahren von 2007 bis 2012 um etwa 700 auf rund 1.380 erhöht. Mehr als 64.000 Studenten absolvieren ein solches Studium in Kooperation mit ca. 45.600 Unternehmen. Verspüren Sie auch einen solch starken Druck auf die Studienrichtung Immobilienwirtschaft?

Kerry-U. Brauer: Unsere Zahlen sind stabil geblieben. 1997 haben wir 61 Studenten aufgenommen, 2013 waren es 72. Damit stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenze. Deswegen werden wir die Studienrichtung ausbauen.

IZ: Warum ist das Modell so erfolgreich?

Bettina Lange: Das duale Studium hat große Vorteile: Das von den Studenten erworbene akademische Wissen kann unmittelbar in der Praxis getestet werden. Beides schult die soziale Kompetenz im Umgang mit Kollegen und Kunden.

Brauer: Die Praxispartner schätzen, dass die Absolventen schon nach sehr kurzer Zeit voll einsatzfähig sind. Große Unternehmen müssen Hochschulabsolventen oft erst ein Traineeship anbieten. Wie effizient ist das?

Lange: Häufig hören wir von unseren rund 130 Praxispartnern, dass sie gern mehr duale Studenten im Studium begleiten würden, aber nicht immer die richtigen Kandidaten finden.

IZ: Woran liegt das?

Lange: Einerseits sind die Anforderungen der Praxispartner sehr hoch, andererseits haben die heutigen Gymnasiasten viele Möglichkeiten. Da ist es wichtig, früh und viel zu informieren. Wir organisieren deswegen Tage der offenen Tür und präsentieren uns auf Bildungsmessen.

Brauer: Ich schreibe mich erst einmal ein und schaue dann, ob das Studienfach zu mir passt - diese Methode funktioniert an einer Berufsakademie nicht. Unsere Studenten müssen sich vor dem Studium stärker mit den Inhalten auseinandersetzen, um dann einen Praxispartner von sich zu überzeugen, der mit ihnen einen Vertrag über drei Jahre abschließt. Das ist eine wesentlich größere Hürde, als sich nur an einer Hochschule einzuschreiben.

IZ: Wer die aber genommen hat, der bleibt?

Lange: Ja. Unsere Abbrecherquote, d.h. die aus persönlichen Gründen das Studium abbrechen, liegt bei unter 1%.

IZ: In der aktuellen Umfrage zur IZ-Joboffensive sind die Einstiegsgehälter von Berufsakademie-Absolventen 12% niedriger als von Absolventen einer Universität oder Hochschule, obwohl beide einen immobilienspezifischen Bachelorabschluss mitbringen. Wie erklären Sie sich diese Differenz?

Brauer: So etwas ärgert uns auch. Von der Öffentlichkeit wird den Berufsakademien vorgeworfen, zu wenig Theorie und zu viel Praxis zu vermitteln. Dabei schreiben unsere Studenten Bachelorarbeiten im Umfang von 50 bis 70 Seiten und nicht wenige absolvieren erfolgreich ein Masterstudium an einer Hochschule oder Universität. Außerdem ist der theoretische Studienanteil in Qualität und Quantität adäquat und entspricht anderer Hochschulen, da unsere Studenten keine Semesterferien haben. Ich finde den Namen Berufsakademie sehr, sehr unglücklich. Auch wir streben das Modell einer dualen Hochschule wie in Baden-Württemberg an. Durch diese Weiterentwicklung würde sich der Status der Studenten ändern.

IZ: Zumal sich hinter dem Stichwort duales Studium inzwischen verschiedene Varianten verbergen.

Brauer: Genau. Manchmal ähnelt der Praxisanteil eher einem verlängerten Praktikum. Bei uns ist jedes der sechs Semester in eine dreimonatige Praxisphase im Unternehmen und eine dreimonatige Studienphase an der Berufsakademie geteilt. Beide sind aufeinander abgestimmt, theoretische und praktische Studienmodule miteinander verzahnt. Die Studienrichtung Immobilienwirtschaft gibt es seit 1993. Wir hatten also Zeit, um das Know-how zu erwerben, Praxispartner in die Lehre einzubinden. Ich glaube, das müssen viele andere Anbieter erst noch entwickeln.

IZ: Fürchten Sie den Wettbewerb durch neue Angebote?

Brauer: Natürlich gibt es einen gewissen Wettbewerb um die besten Köpfe. Aus meiner Sicht dominiert aber eher die Vielfalt sowohl für potenzielle Studenten als auch für Unternehmen. Universitäten, Fachhochschulen und die Berufsakademie haben jeweils einen anderen Fokus. Natürlich werden wir an der Berufsakademie keine Grundlagenforschung machen, dafür sind die Universitäten zuständig und diese Arbeitsteilung ist gut. Praxisbezogene angewandte Forschung passt dagegen sehr gut. So bearbeiten wir aktuell zum Beispiel ein Forschungsprojekt im Controlling, das von der IHK unterstützt wird. Solche Engagements werden wir ausbauen.

IZ: Wenn Sie das Studienangebot ausbauen, woher sollen dann die ganzen Studenten und Praxispartner kommen?

Brauer: Schon jetzt haben wir Studenten und Praxispartner aus dem ganzen Bundesgebiet. Die Mehrheit der Studenten kommt aber aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

IZ: Neue Studiengänge werden allerorten entwickelt und auch Sie planen, ihr Angebot auszubauen.

Brauer: Mit dem Ausbau soll Rechnung getragen werden, dass wir in der Branche gleichermaßen Generalisten benötigen, die das facettenreiche Gebiet der Immobilienwirtschaft überblicken und parallel aber auch über Spezialistenwissen verfügen. So entwickelt sich hier neben den speziellen Managementbereichen in Abhängigkeit der Nutzungsart der Immobilie einerseits der Trend in Richtung Kapitalmarktorientierung, andererseits werden aber auch zunehmend technische Kenntnisse insbesondere im Bereich Energie und Gebäudeausrüstung gefordert.

IZ: Würden Sie Ihren Absolventen eine Hochschulkarriere empfehlen?

Brauer: Ehrlich gesagt, eher nicht. Es gibt kaum neue Stellen. Sachsen und auch andere Bundesländer sind dem Sparwahn verfallen und im Hochschulbereich müssen allein in Sachsen ca. 1.200 Stellen abgebaut werden. Ich halte das für eine völlig falsche Politik.

IZ: 62% Ihrer Studenten sind inzwischen weiblich. Wie haben sich die Karrierechancen für Frauen in der Branche entwickelt?

Brauer: Ich glaube, sie haben sich verbessert. Zum einen sind die Kommunikationsanforderungen in der Branche gestiegen, ein eher weiblich besetzter Aufgabenbereich. Zum anderen ist die Immobilienwirtschaft klein- und mittelständisch geprägt. Diese Strukturen bieten für Frauen bessere Entwicklungsmöglichkeiten als Konzerne.

IZ: Frau Lange, Sie waren bislang für die Studienrichtung Bankwirtschaft zuständig. Was sind Ihre Pläne für das neue Aufgabengebiet Immobilienwirtschaft?

Lange: Wir wollen noch flexibler auf die Anforderungen der Praxispartner und der Studenten eingehen. Dazu besteht die Möglichkeit, innerhalb des Studiengangs Vermögensmanagement Module individuell auszuwählen und damit Finanz-, Steuer- und Controllingkompetenz zu vertiefen. Außerdem soll mehr technisches Fachwissen aus dem Studiengang Service Engineering den Studenten und Praxispartnern zugängig gemacht werden. Geplant ist darüber hinaus, in Kooperation mit anderen Hochschulen einen berufsbegleitenden Master zu entwickeln.

IZ: Frau Brauer, Frau Lange, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

Sonja Smalian

Und ewig lockt die Projektentwicklung

Die Projektentwicklung bleibt das beliebteste Tätigkeitsfeld der Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer. Jeder vierte Befragungsteilnehmer würde nach dem Abschluss dort gerne anfangen.

Die Projektentwicklung bleibt das beliebteste Tätigkeitsfeld der Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer. Jeder vierte Befragungsteilnehmer würde nach dem Abschluss dort gerne anfangen.

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Karriere28.08.2014
Das beliebteste Segment unter Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer ist nach wie vor die Projektentwicklung. Doch was Unternehmenstyp und -größe angehen, sind die Nachwuchskräfte noch ... 

Das beliebteste Segment unter Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer ist nach wie vor die Projektentwicklung. Doch was Unternehmenstyp und -größe angehen, sind die Nachwuchskräfte noch sehr flexibel, wie die Umfrage zur IZ-Joboffensive zeigt.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es für die Befragungsteilnehmer ein Teilsegment, das sie in besonders hohem Maße anzieht: die Projektentwicklung. Jeder vierte würde gerne in der Königsklasse der Immobilienwirtschaft anheuern. Mit zehn Prozentpunkten Abstand landet das Fondsmanagement/Investment auf Rang zwei. Das ist das Segment, in dem die höchsten Einstiegsgehälter aufgerufen werden. Deutlich mehr Studentinnen als Studenten interessieren sich für die Männerdomänen Projektentwicklung und Projektsteuerung. Umgekehrt sieht es beim Fondsmanagement/Investment aus. Dorthin zieht es vor allem die männlichen Befragten. Zu diesen Ergebnissen kommt die diesjährige Umfrage zur IZ-Joboffensive. Dafür wurden 446 Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge zu ihren Berufswünschen, Qualifikationen und Gehaltsvorstellungen befragt.

Auch das Asset- und Property-Management rangiert in der Gunst der Studenten weit oben und an vierter Stelle wird das Projektmanagement bzw. die Projektsteuerung genannt. Rang fünf teilen sich die Immobilienberater mit den Facility-Managern. Das Ergebnis überrascht ein wenig, denn unter den diesjährigen Top-10-Arbeitgebern befinden sich mit JLL, CBRE und BNP Paribas Real Estate immerhin drei Beratungshäuser (siehe "JLL, die Superfirma", IZ 28/14). Doch die Segmente Vermittlung von Wohn- bzw. Gewerbeimmobilien reizen nur jeweils 2% der Befragten.

Unterschiedliche Präferenzen unter den Studenten treten je nach besuchtem Hochschultyp zutage: Für die klassische Hausverwaltung kann sich zwar jeder sechste Student an einer sonstigen Weiterbildungseinrichtung, wie z.B. die ADI Akademie der Immobilienwirtschaft, begeistern, aber bei Studenten an Universitäten, Hochschulen oder Berufsakademien fällt das Tätigkeitsfeld durch. Das Facility-Management wirkt besonders verlockend auf Studenten an Berufsakademien. Dafür lassen sie das Fondsmanagement/Investment häufiger links liegen. Das Projektmanagement bzw. die Projektsteuerung reizt jeden achten Uni-Studenten. Bei den anderen Bildungsinstitutionen liegt die (Begeisterungs-) Rate dafür deutlich niedriger.

Die Befragungsteilnehmer sind noch jung: Knapp zwei Drittel sind 25 Jahre alt oder jünger. Jeder Zweite strebt einen Bachelorabschluss an und das mehrheitlich (59%) an einer Fachhochschule. Doch trotz des Alters dürften die meisten wissen, warum sie sich für eines der aufgeführten Segmente entschieden haben. Denn viele bringen schon fachspezifisches Vorwissen mit, wenn sie sich für ein immobilienwirtschaftliches Studium entscheiden: Knapp die Hälfte der Befragungsteilnehmer erwarb vor ihrem aktuellen Studium bereits einen ersten akademischen Grad, in den allermeisten Fällen den Bachelorabschluss. Dieser wurde mehrheitlich in den Fachbereichen Immobilienwirtschaft und -management, Facility-Management, Architektur, Geografie, oder Ingenieurwissenschaften erworben. Etwa jeder Dritte bringt einen anderen, nicht-akademischen Abschluss mit, oft eine Ausbildung zum/r Immobilienkaufmann/-frau.

Doch die Studierenden verfügen auch sehr häufig schon über Berufserfahrung: 30% haben vor ihrem aktuellen Studium bereits in der Immobilienbranche gearbeitet, und zwar im Schnitt knapp drei Jahre lang. Doch auch neben ihrem aktuellen Studium sind die Studenten fleißig: Gut die Hälfte arbeitet parallel zum Studium und sammelt so Praxiserfahrung. Im Schnitt addiert sich dieses Engagement auf zwei Jahre. Das ist kein Pappenstiel, bedenkt man, dass immerhin zwei Drittel der Befragten in Vollzeit studieren. Auch Praktika gehören zur Ausbildung von Studenten dazu, nicht selten sind sie in der Studienordnung vorgeschrieben. Fast drei Viertel der Befragten können ein solches schon vorweisen. Hier tun sich die FH-Studenten hervor, von denen 80% schon einmal in einem Immobilienunternehmen hospitiert haben.

Die Studenten wissen also, was sie in der Praxis erwartet. Eine so klare Präferenz wie bei den Segmenten haben sie bei der Unternehmensstruktur jedoch nicht. 53% der Befragten ist es egal, ob ihr künftiger Arbeitgeber beispielsweise ein Konzern oder ein Familienunternehmen ist. Große Summen und Projekte werden in der Immobilienbranche durchaus von kleinen Spezialistenteams bewegt. Um ordentlich mitzumischen, müssen Absolventen also nicht unbedingt bei einem Konzern anheuern. 38% zeigen sich bei der Unternehmensgröße ihres künftigen Arbeitgebers völlig flexibel.

Fast zwei Drittel planen, sich direkt nach dem aktuellen Abschluss im Berufsleben zu bewähren. Mit Problemen dabei rechnet kaum einer der Befragten. Mehr als vier Fünftel schätzen ihre Chancen auf einen direkten Berufseinstieg als sehr gut oder gut ein. Wer berufsbegleitend studiert, erwartet Verbesserungen beim Gehalt und der Position. Jeder vierte hat schon eine feste Jobzusage in der Tasche.

Sonja Smalian

Fertig ... und los!

Besonders die Bachelor-Studierenden zeigen sich reiselustig: Zwei Drittel von ihnen würden nach ihrem Abschluss gern im Ausland arbeiten. Von den etwas älteren Masterstudierenden sagt das nur jeder Zweite.

Besonders die Bachelor-Studierenden zeigen sich reiselustig: Zwei Drittel von ihnen würden nach ihrem Abschluss gern im Ausland arbeiten. Von den etwas älteren Masterstudierenden sagt das nur jeder Zweite.

Bild: Andrey Kiselev/Fotolia.com

Karriere21.08.2014
Die Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer sind mobil. Ein Praktikum, ein Job oder ein Auslandssemester haben schon fast jeden Dritten einmal jenseits der deutschen Grenze geführt, ... 

Die Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer sind mobil. Ein Praktikum, ein Job oder ein Auslandssemester haben schon fast jeden Dritten einmal jenseits der deutschen Grenze geführt, wie die diesjährige Umfrage zur IZ-Joboffensive zeigt. Auch nach dem Abschluss würden gerne knapp zwei Drittel im Ausland arbeiten.

Im Ausland den Beruf ausüben, das würden 61% der Immobilienstudenten in Deutschland gern einmal ausprobieren. Das Fernweh kennt keine Geschlechtergrenzen, sondern packt sowohl Männer wie auch Frauen gleichermaßen. Das zeigt die diesjährige Umfrage zur IZ-Joboffensive, an der sich 446 Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Fächer beteiligt haben (siehe "Die IZ-Joboffensive" auf dieser Seite unten).

Dem Lockruf der Fremde würden zwei Drittel der Eingeschriebenen an Universitäten und Berufsakademien gern nachgeben. An Fachhochschulen liegt der Anteil der reiselustigen Studenten mit 58% etwas niedriger. Ähnliche Differenzen lassen sich zwischen Bachelor- und Masterstudenten ausmachen. Von den meist jüngeren Bachelorstudenten würden ebenfalls zwei Drittel gern außerhalb Deutschlands einen Job antreten, bei den etwas älteren Masterstudenten ist es hingegen nur jeder Zweite.

Damit zeigen sich die Immobilienstudenten mobiler als der durchschnittliche Berufstätige. Nach einer Umfrage des sozialen Netzwerks Xing unter seinen Mitgliedern würden nur 41% der Xing-Nutzer für ihren Traumjob weltweit umziehen. Unter den jungen Berufstätigen zwischen 18 und 29 Jahren liegt der Anteil mit 47% etwas höher.

Wohin zieht es die angehenden Immobilienprofis? Auf der Wunschliste der 271 Studenten, die gern im Ausland arbeiten würden, stehen gleich vier englischsprachige Länder: Rang eins belegen wie auch schon in den Jahren zuvor die USA. Jeder Vierte würde gerne dort mal ins Berufsleben reinschnuppern. Großbritannien kann, wenn auch mit deutlichem Abstand, ebenfalls punkten (15%). Rang fünf belegen Australien und Neuseeland, wohin es immerhin 7% zieht. Mit der Schweiz ist ebenfalls ein Land in den Top 5, in dem es zumindest im deutschsprachigen Teil wenig sprachliche Hürden geben dürfte. Noch völlig offen und flexibel zeigt sich jeder zehnte Student bei der Länderwahl: Diese Gruppe würde "überall" hingehen für den Job. Das dürfte die Arbeitgeber freuen.

Zumal der Sprung über die Grenze gar nicht für jeden Neuland ist. Denn knapp ein Drittel der 446 Befragten hat schon immobilienspezifische Auslandserfahrung gesammelt, zumeist durch ein Auslandssemester oder ein Praktikum. Manch einer verfügt sogar schon über Berufserfahrung. In dieser Kategorie haben die Männer die Nase leicht vorn im Vergleich zu ihren Kommilitoninnen. Doch beim Thema Auslandspraktika liegen beide Geschlechter gleichauf. Abermals gehören englischsprachige Länder wie Großbritannien (31%), USA (18%) und Australien/Neuseeland (8%) zu den Favoriten der Studenten für ihren Auslandstrip. Aber auch die europäischen Nachbarländer Deutschlands, wie die Niederlande oder die Schweiz, standen in der Gunst der Studenten ganz weit oben (jeweils 6%).

Die Vorliebe für englischsprachige Länder hat ihren Grund. Quasi jeder der befragten 446 Studenten - mit einer Ausnahme - gibt an, Englisch zu sprechen. Knapp ein Viertel würde seine Kenntnisse als verhandlungssicher bezeichnen, jeder Zweite als fließend. Kein Wunder also, dass es die Studenten vor allem in Länder zieht, in denen die globale Wirtschaftssprache beheimatet ist - zumal London das Wirtschaftszentrum Europas ist und die USA zu den größten Märkten der Welt zählt und als Ursprungsland der Subprime-Krise eine weltweite Finanzkrise auslösen konnte. Diese Märkte näher kennenzulernen, dürfte für einen Berufseinsteiger in der Branche sicherlich interessant sein. Neben Englisch parliert noch knapp jeder Dritte auf Französisch und knapp jeder Siebte auf Spanisch. Auch über italienische und russische Sprachkenntnisse verfügen 4% bzw. 7% der Befragten. 29 Fremdsprachen von Afrikaans bis Zulu umfasst der Sprachenschatz der Befragungsteilnehmer.

Die Studierenden haben auch klare Vorstellungen davon, wo sie in Deutschland am liebsten arbeiten würden: Auf dem ersten Rang steht wieder einmal Frankfurt mit dem Rhein-Main-Gebiet (17%). Mainhatten lockt nicht nur mit einer für Deutschland ungewöhnlichen Skyline aus Wolkenkratzern, sondern ist auch Sitz zahlreicher Immobilienunternehmen und Finanzierer. Auf den Rängen zwei bis fünf finden sich mit München (15%), Berlin (13%), Stuttgart (12%) und Hamburg (11%) die größten deutschen Städte wieder. Auf Platz 6 - allerdings mit sechs Prozentpunkten Abstand - hat es mit Leipzig sogar eine ostdeutsche Stadt auf einen der vorderen Plätze geschafft. Die Stadt teilt sich Rang sechs mit der Kategorie "deutschlandweit". Jeder 20. Student ist geografisch noch nicht festgelegt - und bereit, dem besten Angebot zu folgen.

Unternehmen, die Berufseinsteiger auf sich aufmerksam machen wollen, müssen vor allem Aufstiegsmöglichkeiten aufzeigen und mit einem Weiterbildungsangebot aufwarten können. Die Höhe des Gehalts, ein zumindest bei der Entscheidungsfindung offenbar sicherer Arbeitsplatz, eine ansprechende Unternehmenskultur und ein Karriereplanungsprogramm sind ebenfalls wichtige Auswahlfaktoren. Auch wenn die Nachwuchskräfte sich eine Auslandstätigkeit vorstellen können: Bei der Arbeitgeberwahl spielt der Faktor "Möglichkeit einer Auslandsentsendung" nur eine untergeordnete Rolle.

Die IZ-Joboffensive

Die Joboffensive für die Immobilienwirtschaft, eine Initiative der Immobilien Zeitung, fördert seit 2001 den Austausch zwischen Arbeitgebern der Immobilienwirtschaft und Berufseinsteigern. Orientierung für den Übergang vom Studium in den Beruf bietet u.a. eine Gehalts- und Arbeitsmarktumfrage, an der sich in diesem Jahr 115 Immobilienunternehmen und 446 Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge beteiligt haben. Die Ergebnisse der Umfragen werden im IZ-Karriereführer 2014/15 für die Immobilienwirtschaft (Erscheinungstag: 1. September) veröffentlicht. Unterstützt wird die IZ-Joboffensive 2014 von: Aareal Bank, Bernd Heuer & Partner Human Resources, BNP Paribas Real Estate, CBRE, Corpus Sireo, DTZ, ECE, Irebs Immobilienakademie, Kaufland, Messe München/Expo Real, mfi management für immobilien, Patrizia Immobilien und RGM. sma

Sonja Smalian

Weiterbildung für jedermann an der Hochschule Biberach

Künftig sollen mehr Berufstätige und Berufsrückkehrer, aber auch Studienabbrecher und Berufstätige ohne Hochschulzugangsberechtigung durch modulare Weiterbildungen vom Know-how der Hochschule Biberach profitieren. Das neue Zentrum soll eine Informations- und Anlaufstelle für jedermann sein.

Künftig sollen mehr Berufstätige und Berufsrückkehrer, aber auch Studienabbrecher und Berufstätige ohne Hochschulzugangsberechtigung durch modulare Weiterbildungen vom Know-how der Hochschule Biberach profitieren. Das neue Zentrum soll eine Informations- und Anlaufstelle für jedermann sein.

Bild: HOBC/Stefan Sättele

Karriere14.08.2014
Die Hochschule Biberach hat bei einem Hochschulwettbewerb 650.000 Euro Fördergelder bekommen. Damit will sie nun ihre Weiterbildung und die Promotionsmöglichkeiten ausbauen. Geplant ist ... 

Die Hochschule Biberach hat bei einem Hochschulwettbewerb 650.000 Euro Fördergelder bekommen. Damit will sie nun ihre Weiterbildung und die Promotionsmöglichkeiten ausbauen. Geplant ist auch ein Fernstudiengang zum Bau-, Immobilien- und Energierecht.

Beim Bund-Länder-Wettbewerb "Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen" hat sich die Hochschule Biberach (HBC) mit ihrem Antrag durchgesetzt. 650.000 Euro Fördergelder erhält sie verteilt auf einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren, um "strukturierte Weiterbildungsmaßnahmen im ländlichen Raum" umzusetzen. Konkret bedeutet das die Gründung eines Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung, kurz ZenWissWeit.

"Wir haben gesehen, dass wir zu wenig tun, um dem Fachkräftemangel in der Region entgegenzuwirken", sagt Prof. Dr. Annette Schafmeister, Prorektorin für Forschung und Weiterbildung an der HBC. Das neue Zentrum wird die Angebote an der Hochschule und der Akademie der Hochschule weiter verzahnen und erweitern. Schon jetzt gibt es an beiden Einrichtungen mehrere bau- und immobilienwirtschaftliche Studiengänge (siehe Artikel rechts "Großer Bau- und Immo-Schwerpunkt") sowie die Fachgebiete Biotechnologie und Energie. Auch wenn die Biotechnologie auf den ersten Blick aus dem Rahmen zu fallen scheint, sei das mitnichten so. Beim Thema "weiße Energie", produziert durch Mikroorganismen, gebe es Synergien zwischen den drei Schwerpunktbereichen. Die Energiewirtschaft ist das Bindeglied zwischen Backstein und Bakterium.

Zwei dieser Schwerpunktbereiche werden künftig mit einem neuen Fernstudiengang zum Bau-, Immobilien- und Energierecht verbunden, der mit dem Bachelor of Laws abschließt. Analog zu dem schon bestehenden kooperativen Bachelorstudiengang Bauingenieur Plus, der eine gewerbliche Ausbildung mit einem Studium des Bauingenieurwesens verknüpft, soll demnächst der Baubetriebswirt Plus aus der Taufe gehoben werden. Auch das Thema Promotion steht auf der Agenda. Im Bereich Biotechnologie bestehe schon eine Kooperation mit einer Universität, um gemeinsam Studenten zum Doktor zu führen, sagt Schafmeister. Etwas Ähnliches sei für die anderen Bereiche geplant.

Doch auch die Weiterbildung soll sich verändern. Geplant sind einzelne Module, für die es ECTS-Leistungspunkte gibt. Dadurch können sich die Teilnehmer ihre Leistungen auf andere Programme "anrechnen" lassen. Ein akademischer Grad kann so Schritt für Schritt berufsbegleitend erworben werden. Für das neue Zentrum wird auf die bestehenden Mitarbeiter gesetzt. Auch die Akademie wird eine große Rolle spielen. Gesucht werden dennoch eine geschäftsführende Leitung sowie eine wissenschaftliche Assistenz. Klappt mit ZenWissWeit alles wie geplant, stehen weitere 430.000 Euro Fördergelder für einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren in Aussicht.

Großer Bau- und Immo-Schwerpunkt

Die Hochschule Biberach und die Akademie der Hochschule Biberach (ehemals Bauakademie Biberach) bieten gemeinsam schon jetzt eine große Auswahl an bau- und immobilienwirtschaftlichen Studiengängen an. An der Hochschule gibt es neben Bachelor- und Masterstudiengängen in Architektur und Bauingenieurwesen auch spezialisierte Studiengänge wie Betriebswirtschaft (Bau und Immobilien), Energie-Ingenieurwesen, Projektmanagement (Bau), jeweils mit den Abschlüssen Bachelor und Master. Bei ihren Studierenden konnte die Hochschule punkten: Beim IZ-Hochschulranking 2012 bewerteten die Studenten ihre Alma Mater mit der Schulnote 1,61. Mit dem Studium Bauingenieur Plus gibt es ein besonderes duales Studienangebot: Neben einem Abschluss als Bachelor of Engineering im Fach Bauingenieurwesen erhalten die Studierenden auch eine gewerbliche Ausbildung z.B. zum Beton- und Stahlbetonbauer oder zum Maurer. Die Studium-Ausbildungskombination dauert fünf Jahre. An der Akademie der Hochschule Biberach werden zwei berufsbegleitende Studiengänge angeboten, die mit dem MBA abschließen. Die Prüfung wird von der staatlichen Hochschule Biberach abgenommen. Der MBA-Studiengang Internationales Immobilienmanagement zählt inzwischen mehr als 300 Absolventen. Wer zwei zusätzliche Module in England absolviert, kann zusätzlich den Abschluss Master of Science von der London South Bank University erwerben. Zudem kann an der Akademie der Titel Internationaler Immobilienökonom erworben werden. sma

Sonja Smalian

Der Geselle als Mentor

Um die Ausbildungsqualität im Baugewerbe und -handwerk zu verbessern, soll ein Geselle als Azubi-Mentor benannt werden.

Um die Ausbildungsqualität im Baugewerbe und -handwerk zu verbessern, soll ein Geselle als Azubi-Mentor benannt werden.

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Karriere07.08.2014
Kleine und mittelständische Unternehmen tun sich bei der Ausbildung manchmal schwer. Doch der Mangel an Nachwuchskräften, hohe Abbrecherquoten und die baldige Verrentung vieler Fachkräfte ... 

Kleine und mittelständische Unternehmen tun sich bei der Ausbildung manchmal schwer. Doch der Mangel an Nachwuchskräften, hohe Abbrecherquoten und die baldige Verrentung vieler Fachkräfte erhöhen den Druck auf die Unternehmen, mehr in ihre Personalarbeit zu investieren. Damit die betriebliche Ausbildung besser gelingt, hat ein Forschungsprojekt an der Bergischen Universität Wuppertal kostenlose Handlungshilfen für ein Mentoringprogramm entwickelt.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre, sagt der Volksmund. Doch wenn es während der Ausbildung knirscht, dann sollten die Betroffenen doch einmal genauer auf die Ursachen schauen. Ein häufiger Beschwerdegrund von Lehrlingen sei, dass sie von verschiedenen Gesellen eines Unternehmens betreut werden und dann Dinge unterschiedlich erklärt bekommen, sagt Melanie Hainz. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bergischen Universität Wuppertal kann sich gut in die Lage der jungen Leute hineinversetzen, denn sie hat einst selbst eine Ausbildung zur Malerin und Lackiererin absolviert. Ebenso wenig wie der ständige Betreuerwechsel hilfreich sei, bringe es etwas, wenn die Azubis nur die ungeliebten Vorarbeiten auf der Baustelle erledigten, wie z.B. das Abreißen der Tapeten. Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, müssten sie auch mal von Anfang bis Ende des Auftrags auf einer Baustelle eingesetzt werden.

Damit solche Probleme das Betriebsklima nicht unnötig belasten, hat Hainz ein Mentorenprogramm zur Verbesserung der Ausbildungsqualität entwickelt. Ein Geselle ist Hauptbetreuer des Lehrlings. Neben dem Wissens- und Erfahrungstransfer will das Programm auch die Kommunikation und Motivation erhöhen. Eingebettet war das Projekt in ein dreijähriges Forschungsvorhaben zur Verbesserung im gelebten Arbeitsschutz auf Baustellen (VegAB), das seinen Fokus auf Jugendliche und ältere Beschäftigte legte. Denn schon bei Berufsanfängern sollte ein Bewusstsein für den Arbeitsschutz vorhanden sein, damit der ausgewählte Beruf auch noch im Alter ausgeübt und so dem drohenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden kann, heißt es auf der Homepage des Projekts (www.vegab.uni-wuppertal.de).

Der drohende Fachkräftemangel am Bau ist schon 2012 in einer gemeinsamen Studie des F.A.Z.-Instituts für Management-, Markt- und Medieninformationen und Soka-Bau, der Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft und der Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes, berechnet worden: Rund 136.000 gewerblichen Arbeitnehmern im Alter von 45 bis 54 Jahren stehen nur rund 52.000 Auszubildende und Gesellen im Alter zwischen 15 bis 24 Jahren gegenüber. Die Branche kann es sich also nicht leisten, junge Menschen zu verlieren.

Tatsächlich werden in Deutschland - über alle Berufe gesehen - zwischen 20% und 25% der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst, wie eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Jahr 2012 zeigt. Bei 70% gab es betriebliche Gründe, wie Konflikte mit Ausbildern oder Betriebsinhabern oder der schlechten Vermittlung von Ausbildungsinhalten, brachte eine BIBB-Umfrage 2002 ans Licht. Das Lösen des Vertrags ist jedoch nicht mit einem kompletten Abbruch gleichzusetzen: Die Hälfte der Befragten schloss einen neuen Ausbildungsvertrag ab und weitere 12% wechselten auf (Berufs-) Schulen oder an die Hochschule.

Positiv wirke es hingegen, wenn sich Azubis und ihre Betriebe schon vor Ausbildungsbeginn kennenlernen würden. Der frühzeitige Kontakt und der Abgleich der Erwartungen der Bewerber mit der Realität scheinen somit wesentliche Faktoren für den Ausbildungserfolg und den Branchenverbleib zu sein, folgert die Studie von F.A.Z./Soka-Bau.

Auch hierfür hat das Forschungsprojekt Handlungshilfen entwickelt, die kostenlos auf der Homepage von VegAB zur Verfügung gestellt werden. Die Broschüre "Fit für die Zukunft" gibt Unternehmen einen Fragen- und Ideenkatalog an die Hand, wie sie sich frühzeitig als Arbeitgeber präsentieren und ihre jungen Mitarbeiter halten können. Das reicht vom Facebook-Auftritt bis zum Austausch mit anderen Bauunternehmen.

Die Handlungshilfe "Mentoring zur Verbesserung der Ausbildungsqualität" liefert zudem Checklisten für die Auswahl des passenden Mentoren-Gesellen und bietet Ideen und Ablaufpläne für die Einführungs- und Feedbackgespräche. Zwei kurze Flyer (Tipps und Tricks für Mentorinnen und Mentoren sowie für Auszubildende) geben auf einen Blick Auskunft zu den Themen. Alle acht Handwerksunternehmen, die sich während der Projektphase als Partner zur Verfügung gestellt hatten, führen das Mentoringprogramm fort.

Berufe am Bau - im Netz

Wer sich über die verschiedenen Berufsbilder der Bauwirtschaft informieren möchte, trifft im Netz auf ein immenses Angebot.

  • www.bau-ausbildung.de: Die Ausbildungsplatzbörse von Soka-Bau im Netz bietet auch Informationen für Arbeitgeber.
  • www.bauberufe.net: Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes stellt die verschiedenen Bauberufe vor. Ein Filtern nach Interessen ist möglich.
  • www.berufsinfo.org: Das Berufsinformationsportal der Handwerkskammer zu Köln informiert über die Berufe in den Bereichen Bau + Ausbau, weist Lehrstellen nach und verrät, welche Berufe sich ähneln.
  • www.bzb.de: Die Bildungszentren des Baugewerbes bieten Inhalte für Berufseinsteiger bis zu Führungskräften.
  • www.bau-dein-ding.de: Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg informiert über sämtliche Einstiegsmöglichkeiten am Bau, vom Praktikum bis zum Studium. Berufsmessen, Berufsbilder und Ausbildungsberufe werden ebenfalls dargestellt.
  • www.grosses-anpacken.de: Das Berufsförderungswerk der Bauindustrie NRW informiert Jugendliche über Berufe in der Branche.
  • www.bdb-campus.de: Die Studenten des Bunds Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure organisieren u.a. Baustellenbesichtigungen und haben einen Newsticker auf ihrer Seite.
  • www.weiterbildung-bauwirtschaft.de: Die IG Bauen-Agrar-Umwelt, der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie wollen das lebenslange Lernen fördern und informieren über bundesweite Aufstiegsfortbildungen.
  • www.deutschland-baut.de: Die gemeinsame Initiative mehrerer Bauunternehmen informiert u.a. über Traineeprogramme und Weiterbildungsmöglichkeiten in der eigenen Akademie.
  • www.werde-bauingenieur.de: Welche Studiengänge, Hochschulen und Abschlüsse es gibt, wird ebenso erläutert, wie der mögliche Arbeitsplatz nach dem Studium.sma

Der Kongress Zukunft Bauen - Wege aus der Nachwuchsfalle findet am 27. August 2014 auf dem Campus Freudenberg der Bergischen Universität Wuppertal statt. Dort stellt auch Melanie Hainz ihre Handlungshilfen vor. Anmeldeschluss ist am 12. August 2014. Ansprechpartner: Frau Alexandra Liesert (Tel.: 0202-439-4225, E-Mail: info@baubetrieb.de).

Sonja Smalian