Karriere-News

Womit Unternehmen Studenten erobern

"Das könnte Ihr Stuhl in fünf Jahren sein!" Arbeitgeber punkten vor allem mit dem Aufzeigen von Karriereperspektiven bei Studenten.

"Das könnte Ihr Stuhl in fünf Jahren sein!" Arbeitgeber punkten vor allem mit dem Aufzeigen von Karriereperspektiven bei Studenten.

Bild: FotoEdhar/Fotolia.com

Karriere 02.10.2014
Mein Haus, mein Auto, mein Boot - das war einmal. Beruflicher Erfolg misst sich nicht mehr nur in Statussymbolen und für ein gelungenes Berufsleben braucht es mehr als Geld. Deswegen schauen ... 

Mein Haus, mein Auto, mein Boot - das war einmal. Beruflicher Erfolg misst sich nicht mehr nur in Statussymbolen und für ein gelungenes Berufsleben braucht es mehr als Geld. Deswegen schauen junge Immobilienstudenten bei der Wahl ihres Arbeitgebers auch auf andere Faktoren als nur den Gehaltsscheck.

Wenn Unternehmen Immobilienstudenten für sich gewinnen möchten, dann sollten sie die möglichen Laufbahnen in der Firma aufzeigen können. Denn Perspektiven sind der wichtigste Faktor bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Umfrage zur IZ-Joboffensive, an der sich 446 Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge beteiligt haben. Die Befragten bewerteten 21 Kategorien hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Wahl eines Arbeitgebers mit den Noten von eins (sehr wichtig) bis sechs (unwichtig/nicht relevant). Karriere-Perspektiven liegen mit deutlichem Abstand vorn (1,58), und das nicht zum ersten Mal. Schon 2009 war den Studenten dieses Kriterium am wichtigsten. Die Unternehmen reagieren auf solche Wünsche. JLL, ECE und Hochtief beispielsweise haben neben der klassischen Führungskarriere längst Fachkarrierepfade entwickelt, um auch Spezialisten Entwicklungsoptionen zu bieten.

Weiterbildungsangebote sind den Studenten am zweitwichtigsten. Auch hier laufen sie bei den Arbeitgebern offene Türen ein. Viele Immobilienunternehmen setzen auf kontinuierliche Weiterbildung und einige haben sogar unternehmenseigene Akademien gegründet, wie z.B. Drees & Sommer.

Erst an dritter Stelle nennen die Studierenden die Höhe des Gehalts als Entscheidungsgrundlage. Das war 2009 noch ganz anders: Damals rangierte der Lohnzettel auf Rang sieben. Von der Punktzahl her fast gleichauf mit dem Gehalt bewerten die baldigen Berufseinsteiger die Kategorien "sicherer Arbeitsplatz" und "Unternehmenskultur", dicht gefolgt von Programmen für Führungskräfte und Karriereplanung, dem Unternehmensimage und dem Standort des Unternehmens (2,08).

Den Wertewandel hat auch Brigitte Adam, geschäftsführende Gesellschafterin von ENA Experts Real Estate Valuation, beobachtet. Früher sei das Thema Karriere stärker mit materiellen Statussymbolen verbunden gewesen, sagt Adam. Heute gehe es Berufseinsteigern und Young Professionals eher um die Frage: Kann ich alle meine Lebensthemen abdecken? Deswegen bietet ENA flexible Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle an. Auch bei der Wahl des Bürostandorts stehe das Team im Mittelpunkt: Fühlen sich die Mitarbeiter wohl? Lassen sich die Räumlichkeiten gut erreichen? Das seien die ausschlaggebenden Faktoren, sagt Adam. Einen Pfad für eine Junior-Partnerschaft haben sich die drei ENA-Gesellschafter überlegt. Doch das alles gibt es nicht zum Nulltarif. Adam erwartet im Gegenzug "Leidenschaft und Interesse daran, etwas zu gestalten".

Sonja Smalian

In der Schweiz fehlen Ingenieure

Wer macht's vor? Ein Grund für das mangelnde Interesse junger Schweizer an einem Ingenieurberuf seien die fehlenden Vorbilder, offenbart die aktuelle Studie von Swiss Engineering.

Wer macht's vor? Ein Grund für das mangelnde Interesse junger Schweizer an einem Ingenieurberuf seien die fehlenden Vorbilder, offenbart die aktuelle Studie von Swiss Engineering.

Bild: Marco Barnebeck/<a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>

Karriere 02.10.2014
Die Einstiegsgehälter für Architekten und Ingenieure in der Schweiz liegen im Median bei ca. 66.250 Euro pro Jahr. Doch das reicht nicht, um genug junge Leute für einen Ingenieurberuf zu ... 

Die Einstiegsgehälter für Architekten und Ingenieure in der Schweiz liegen im Median bei ca. 66.250 Euro pro Jahr. Doch das reicht nicht, um genug junge Leute für einen Ingenieurberuf zu begeistern. Ein Grund seien die fehlenden Vorbilder, zeigt jetzt eine aktuelle Studie von Swiss Engineering.

Die Einstiegsgehälter junger Absolventen eines Architektur- oder ingenieurwissenschaftlichen Studiums in der Schweiz betragen rund 66.000 Euro. In der Baubranche können sie mit leicht niedrigeren Basisgehältern von 64.600 Euro rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Gehaltsstudie des Schweizer Berufsverbands Swiss Engineering. An der Umfrage beteiligten sich 4.377 Mitglieder, darunter 599 Berufseinsteiger mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung.

Berufseinsteiger der Bauberufe verdienen laut Studie damit fast doppelt so viel wie in Deutschland. Wer nördlich der Alpen seinen ersten Job in der Immobilienwirtschaft antritt, erhält ein Jahresbrutto von durchschnittlich rund 35.000 Euro, wie die Umfrage zur IZ-Joboffensive 2014 gezeigt hat. Die hohen Gehälter beim südlichen Nachbarn dürften denn auch mit ein Grund dafür sein, warum die deutschen Immobilienstudenten die Schweiz zum drittbegehrtesten Auslandsziel zum Arbeiten gewählt haben.

In der Schweiz gibt es zwischen den einzelnen Fachrichtungen jedoch erhebliche Schwankungen: Architekten müssen sich im Vergleich zu den Ingenieursberufen mit Jahressalären in Höhe von 54.660 Euro zufriedengeben, während Bauingenieure den mittleren Einstiegslohn von rund 66.000 Euro erwarten können - und damit mehr als Absolventen aus den Bereichen Umwelt- sowie Geomatik- und Vermessungsingenieurwesen.

Bachelor- und Masterabsolventen werden in der Schweiz recht ähnlich vergütet. Der Unterschied beträgt im Median nur ca. 1.330 Euro jährlich, also gerade mal rund 110 Euro pro Monat. In Deutschland ist die Differenz bei den Berufseinsteigern in der Immobilienwirtschaft mit 2.910 Euro mehr als doppelt so hoch.

Mit den Einsteigergehältern ist jedoch die eine Hälfte der Schweizer Berufseinsteiger zufrieden, die andere hatte sich mehr erhofft. Jeder 20. rechnete sogar mit einem Jahresbrutto jenseits der 100.000 Franken-Grenze (etwa 82.820 Euro). Dennoch sind etwa zwei Drittel der Befragten der Ansicht, dass die Vergütung ihren Fähigkeiten und Leistungen entspreche.

Jenseits der Gehaltsfrage dürfte es für die Absolventen eine große Erleichterung sein, dass sie schnell die erste Anstellung finden: Jeder zweite hat innerhalb eines Monats eine Zusage erhalten und die meisten anderen innerhalb eines Vierteljahres. Knapp jeder Fünfte musste jedoch etwas länger suchen.

Trotz der offenbar hohen Nachfrage nach Nachwuchskräften beobachten 70% der Befragten einen Fachkräftemangel in den Ingenieurberufen. Für das Berufsbild des Architekten äußert nur rund ein Viertel diese Befürchtung. Als Ursache für den Ingenieurmangel nennen sie die zu geringe Gewichtung der naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächer in der Schule (43%) und die schlechten Verdienstmöglichkeiten (41%). Das überrascht, zeigten sie sich doch mehrheitlich zufrieden mit ihrer Vergütung. An dritter Stelle steht der Mangel an Vorbildern (39%) - den können nur die Berufsprofis selbst beheben!

Sonja Smalian

"Ich will Räume öffnen" - für Künstler und Kreative

Torsten Rommel führt in Dresden die galerie module und die Kreativraumagentur. Er ist Ansprechpartner für die Immobilien- und die Kreativwirtschaft.

Torsten Rommel führt in Dresden die galerie module und die Kreativraumagentur. Er ist Ansprechpartner für die Immobilien- und die Kreativwirtschaft.

Bild: sma

Karriere 02.10.2014
Torsten Rommel hat viele Jahre im Theater gearbeitet, ein eigenes Tanztheater aufgebaut, die Ostrale mitgegründet - und dabei immer Räume bespielt. Heute erschließt er für Künstler und ... 

Torsten Rommel hat viele Jahre im Theater gearbeitet, ein eigenes Tanztheater aufgebaut, die Ostrale mitgegründet - und dabei immer Räume bespielt. Heute erschließt er für Künstler und Kreative ungenutzte Räume in Dresden mit der galerie module und der Kreativraumagentur. Der Wirtschaftsmathematiker übersetzt dabei zwischen der Immobilienwirtschaft und den Kulturschaffenden und gibt sein Verhandlungswissen weiter.

Im sonnendurchfluteten Buga-Glaspavillon neben der Handwerkskammer Koblenz soll Torsten Rommel sein Rezept verraten. Wie können Kreativunternehmer besser verhandeln? Auf den Wirtschaftsmathematiker warten u.a. Schriftsteller, Kunstmaler und Grafiker. 2012 wurde er zusammen mit Verena Andreas für ihre Agentur galerie module zum Kultur- und Kreativpiloten Deutschlands ausgezeichnet. Auch deswegen lud ihn das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes zur Diskussion an den Rhein. Als Künstler versteht sich Rommel jedoch nicht. "Ich selbst bin nicht künstlerisch tätig, aber ich schließe gerne Räume auf für Leute, die das können", sagt Rommel. In Dresden verhilft er Kreativen über Zwischennutzungen zu Ausstellungsräumen, berät sie bei ihren Konzepten und der Suche nach Ateliers und Werkstätten. Und der Grenzgänger zwischen Markt- und Kulturwirtschaft will ihnen auch die Scheu vor dem ungeliebten Verhandeln nehmen. Es gebe nicht "die" Verhandlungsstrategie, sagt Rommel. Seine Philosophie lautet: "Seien Sie hart in der Sache und sanft zu den Menschen."

Rommel versteht, warum Kreativunternehmern das Verhandeln so schwer fällt. Sie wollten einfach das tun, was sie machen - und das sei für viele eben schon ein Teil des Lohns. Dadurch geraten sie leicht in die Rolle des Bittstellers. Sein Gegenmittel ist eine gute Vorbereitung, und zwar zu den eigenen Zielen - und denen des Verhandlungspartners. Wichtig sei außerdem: Welche finanzielle Ausstattung ist vorhanden? Ist mein Verhandlungspartner der Entscheider? Wie ist sein Wissensstand über das Produkt oder das Projekt? "Je mehr ich weiß, desto sicherer bin ich", sagt Rommel, "und desto genauere Fragen kann ich stellen."

Es helfe auch, sich ein Entscheidungskreuz mit den Ängsten und Wünschen des potenziellen Kunden aufzumalen. Denn Kaufentscheidungen würden oft von Ängsten und Befürchtungen gesteuert, hat Rommel die Erfahrung gemacht. Es sei daher sinnvoll, diese schon in der Verhandlung zu thematisieren.

Er empfiehlt auch, die Gesprächspartner in zwei Cluster einzuordnen: den erfolgsorientierten und den misserfolgsorientierten Typ. Erstere seien die "Macher", also diejenigen, die loslegen wollen, die dabei sein wollen. Sie ließen sich eher durch die "große Vision" überzeugen. Die andere Gruppe hingegen kalkuliere und berechne stärker. Ihnen müsste anders entgegengekommen werden. Zumal die Verhandlungspartner die Sache oft anders sähen. "Sie sprechen mit Menschen, also programmieren Sie sich auf Empathie", lautet Rommels Rat.

"Aktiv zuhören" ist ein wichtiger Schlüssel für gute Verhandlungen, konzentrierte Aufmerksamkeit und Nachfragen gehören dazu: "Habe ich Sie richtig verstanden?" "Meinten Sie XY?" Wer die Sichtweise des anderen nachvollzogen hat, kann dann auf die eigene zu sprechen kommen. Doch Vorsicht, der Mensch kann meist nur mit zwei, drei Argumenten gleichzeitig im Kopf arbeiten.

Einwände vom Gegenüber sollten als Chance begriffen werden, sagt Rommel. Denn offenbar setzt sich der Gesprächspartner mit der Thematik auseinander. Von Gegenargumenten zur Entkräftung hält Rommel nichts. Der Verhandlungspartner sei kein Kontrahent. Beide müssen eine Lösung finden, um das Geschäft zu machen.

Die abschließende Zusammenfassung sollte man nach Möglichkeit selber vornehmen und dann fragen, ob noch etwas fehle. "Denken Sie daran, dass ein Verhandlungsgespräch allen Beteiligten Spaß machen soll", mahnt Rommel, der als Hockey-Nationalspieler viele Wettkämpfe bestritten hat.

Umwege führten ihn zu der Schnittstelle von Kultur, Raum und Immobilien, an der er jetzt tätig ist. Während des Studiums entdeckte er seine Liebe zum Theater und leitete jahrelang die Abteilung Service im Vorderhaus der Komödie Winterhuder Fährhaus, eines privatwirtschaftlichen Theaters. Dort verinnerlichte er eine Maxime: Projekte müssen sich selbst finanzieren. Denn wer von Fördergeldern abhängig ist, ist eben nicht unabhängig in seinem Handeln. Dass Kultur und Zahlen kein Gegensatz sein müssen, zeigte er in seiner Diplomarbeit. Er modellierte mathematisch die Spielplanproblematik im öffentlich finanzierten Theater und berechnete, wie sich die Umbaukosten durch eine Spielplanänderung reduzieren lassen.

In Dresden gründete Rommel das Traumtheater und wurde so auf den Schlachthof aufmerksam. Nur 15% des Areals wurden damals genutzt, der Rest stand leer -"vergessen und verloren". Rommel sah leere Orte, große und kleine Halle, Ställe und Sozialtrakte und wusste sofort: Das ist der ideale Raum für eine Kunstausstellung. Drei Tage lang präsentierten sich 120 Künstler auf rund 3.000 m2 - die Ostrale war geboren. 2009 erhielten die drei Initiatoren dafür den Förderpreis der Stadt.

Später stieg Rommel aus dem Projekt aus und bei galerie module ein. Über die Stadtentwicklung bekamen sie die ersten beiden Kontakte zur privaten Immobilienwirtschaft, die ihnen sofort vier Objekte vorstellten. Das Konzept: Zwischennutzungen organisieren. Diese verlaufen immer nach demselben Muster: je eine Woche für Auf- und Abbau sowie sechs Wochen Nutzung. Es ging ihnen um die Synergie zwischen Kunst und Raum und sie wollten neue Nutzungspotenziale aufzeigen. Vor drei Jahren präsentierten sie sich auf der Expo Real. Inzwischen gehören das Fraunhofer Institut und das Medienkulturzentrum zu ihren Stammkunden. Doch es kamen auch immer mehr Künstler auf sie zu, um sich zu ihrem Konzept beraten zu lassen, viele suchten auch nach günstigen Arbeitsräumen. Nutzungskonzepte für Leerstandsimmobilien wurden entwickelt. Rommel kann sich vorstellen mit der Agentur auch ein ganzes Objekt zu mieten, um dann Einzel-Arbeitsplätze anzubieten. "Die Immobilienwirtschaft und die Kreativwirtschaft sprechen zwei verschiedene Sprachen", sagt er. Sein Team ist zweisprachig.

Sonja Smalian

Was macht eigentlich ein ...

Nicht nur Verbände und Unternehmen, sondern auch die Arbeitsagentur informiert zu Immo-Berufsbildern, u.a. auf www.berufenet.arbeitsagentur.de/ berufe sowie in kurzen Filmen auf www.berufe.tv.

Nicht nur Verbände und Unternehmen, sondern auch die Arbeitsagentur informiert zu Immo-Berufsbildern, u.a. auf www.berufenet.arbeitsagentur.de/ berufe sowie in kurzen Filmen auf www.berufe.tv.

Bild: BilderBox.com

Karriere 02.10.2014
... Facility-Manager oder ein Center-Manager? Die Verbände und Unternehmen der Immobilienwirtschaft haben ihre Karriere-Kommunikation in den vergangenen Jahren ausgebaut. Bewerber sind nicht die ... 

... Facility-Manager oder ein Center-Manager? Die Verbände und Unternehmen der Immobilienwirtschaft haben ihre Karriere-Kommunikation in den vergangenen Jahren ausgebaut. Bewerber sind nicht die einzigen, die sie dabei im Blick haben.

Die Berliner Dussmann Group hat ge-rade ihre Arbeitgebermarkenkampagne "Working Heroes" gestartet. Anzeigen und Plakate sollen die Aufmerksamkeit auf das Unternehmen lenken, das sein Bewerberportal auf der Internetseite für Einsteiger und Berufserfahrene neu gestaltet hat. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, könnte man denken, doch tatsächlich haben nur gut ein Viertel der Immobilienunternehmen ein eigenes Bewerberportal zum Rekrutieren. Das zeigt die jüngste Umfrage zur IZ-Joboffensive unter 115 Branchenunternehmen. Dussmann stellt in kurzen Filmen seine Mitarbeiter vor, und zwar auch bei der Arbeit. Damit ist das Unternehmen das jüngste Beispiel dafür, wie die Branche ihre oft unsichtbaren Berufe ans Licht holt und Bewerbern erklärt.

Auch der Shoppingcenterentwickler ECE beschreibt auf seiner Internetseite typische Berufe (www.ece-karriere.de; Menü: ECE als Arbeitgeber - Einstiegsmöglichkeiten - Berufsbilder). In wenigen Sätzen werden z.B. die Aufgaben eines Leasing-Managers skizziert und welche Qualifikation dieser braucht.

Der ZIA Zentrale Immobilien Ausschuss hat eine Karriere-Seite für die Branche unter www.gestalte-unsere-zukunft.de ins Netz gestellt. Berufsbilder werden inklusive Anforderungsprofil erläutert und Immobilienprofis erzählen, was sie den ganzen Tag lang machen. Ergänzt wird die Seite durch eine Übersicht über Unternehmen und weiterführende Informationen.

Längst nicht nur Berufseinsteiger will die Seite www.fm-die-moeglichmacher.de ansprechen. Die Initiative von 13 Facility-Management-Unternehmen informiert vom Schüler bis zum Professional jeden über die Berufswege im FM sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Sie unterrichtet zudem Unternehmen darüber, wie FM-Dienstleister ihr Kerngeschäft unterstützen können. Als Nebeneffekt erfährt der potenzielle Bewerber mehr über die Breite der FM-Aufgaben.

Ebenfalls eher die Unternehmen, dieses Mal jedoch die HR-Verantwortlichen, will die Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung (gif) erreichen. Ihr Arbeitskreis Human Resources hat rund 20 Berufsbilder der Branche inklusive Qualifikationsanforderungen verbindlich definiert, z.B. den Asset-Manager. Sie sind kostenlos als PDF erhältlich (www.gif-ev.de - Menü: Publikationen - Berufsbilder). Auch für Bewerber lohnt sich ein Blick auf die Auflistungen.

Sonja Smalian

"Die beste Expo"

Elke Buhl hat die Expo Real für ihre Jobsuche genutzt. Nach einer Interimstätigkeit leitet sie heute die Frankfurter Niederlassung von FA|KT Valuation.

Elke Buhl hat die Expo Real für ihre Jobsuche genutzt. Nach einer Interimstätigkeit leitet sie heute die Frankfurter Niederlassung von FA|KT Valuation.

Bild: sma

Karriere 25.09.2014
Die Kündigung aus betriebsbedingten Gründen überraschte Bewerterin Elke Buhl kalt und die sofortige Freistellung war ein Schock. Während der Auszeit definierte die studierte Diplom-Ingenieurin ... 

Die Kündigung aus betriebsbedingten Gründen überraschte Bewerterin Elke Buhl kalt und die sofortige Freistellung war ein Schock. Während der Auszeit definierte die studierte Diplom-Ingenieurin der Architektur ihre beruflichen Ziele neu, bildete sich weiter - und fuhr dann zur Expo Real, um sich zu bewerben. Im Interview verrät die Leiterin des Frankfurter Büros von FA|KT Valuation mit Sitz in Hamburg und Büro in Berlin, wie Arbeitssuchende die Messe für sich am besten nutzen können.

Immobilien Zeitung: Frau Buhl, Sie waren dreieinhalb Jahre lang als Director Valuation Germany bei einem internationalen Beratungsunternehmen tätig gewesen, als Sie gekündigt und freigestellt wurden.

Elke Buhl: Für mich war die Freistellung dramatisch, weil von jetzt auf gleich die gewohnte Struktur wegfiel. Der Knacks saß tief. Plötzlich konnte ich nicht mehr sagen "Ich mache das und das". Es war wie ein Makel. Ich hatte mir Urlaub genommen, um mich auf die Re-Zertifizierungs-Prüfung von HypZert vorzubereiten. Und plötzlich hatte ich den Kopf dafür gar nicht mehr frei, weil ich nicht wusste, wie es danach weitergehen würde. Nach dem Kündigungsgespräch bin ich erst einmal ins Fleming's gegangen und habe auf der Dachterrasse einen Cappuccino getrunken um mich zu sammeln.

IZ: Sind Sie dann doch zur HypZert-Prüfung gegangen?

Buhl: Ja, meine Freunde hatten mich motiviert. Nach der Prüfung habe ich mich dann einem der Prüfer anvertraut und ihm erzählt, dass ich auf Jobsuche bin.

IZ: Wie hat er reagiert?

Buhl: Sehr hilfsbereit, wie alle anderen übrigens in der Zeit auch. Den Schritt nach vorne zu machen und offensiv mit der Situation umzugehen, bietet viele Chancen. Dazu kann ich jedem in einer solchen Situation nur raten. Eine Freundin empfahl mir: "Du musst jetzt erreichbar sein". Also habe ich mir ein Design überlegt und private Visitenkarten mit Titel und Zertifizierungen gedruckt.

IZ: Wie sind Sie das Projekt Jobsuche dann weiter angegangen?

Buhl: Nachdem ich mich bei zwei Internet-Jobbörsen angemeldet hatte, kontaktierte ich auch Headhunter und bewarb mich auf Stellenausschreibungen. Es lohnt sich, auch mal auf eine Anzeige zu antworten, die streng genommen nicht ganz dem eigenen, engen Suchraster entspricht. Dann kann man versuchen, dem Unternehmen ein Add-on anzubieten. Doch sehr wichtig ist meiner Meinung nach, sich selbst kritisch zu befragen "Was kann ich?", "Was kann ich anbieten?" und "Was habe ich vielleicht auch falsch gemacht?". Jeder, der einmal ausgebremst wurde, sollte sich für diese Fragen Zeit nehmen. Das hilft, um sich ein Bild von sich selbst zu machen und sich ein eigenes Produkt zu überlegen, mit dem man wieder auf den Markt geht.

IZ: In Ihrem Fall war das die Expo Real.

Buhl: Ja, für mich war klar, dass ich auf die Expo gehen würde, um aktiv auf Unternehmen zuzugehen.

IZ: Wie haben Sie sich vorbereitet?

Buhl: Ich habe ausgewählte Personen in Schlüsselpositionen aus meinem Netzwerk zuvor angerufen oder ihnen ein individuelles Bewerbungsanschreiben geschickt.

IZ: Und, haben Sie darauf Rückmeldung bekommen?

Buhl: Auf alle - da kam immer ein Feedback! Und dann war ich auf der Expo. Ich war hochmotiviert und freute mich auf interessante Gespräche. Zum ersten Mal hatte ich auch Zeit, mir die Messe einfach mal anzuschauen. Ich habe so viele Leute getroffen und bin vielen neuen Kontakten durch Bekannte vorgestellt worden, dass ich mit einem ganzen Stapel Visitenkarten wieder nach Hause gefahren bin. Das war die beste Expo, die ich je hatte.

IZ: Was hat sich Ihrer Meinung nach bewährt?

Buhl: Es hilft, auf der Messe einen Stand als Anlaufstelle zu haben. Bei mir war das der Frankfurt-Stand, wo auch u.a. der Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft beheimatet war. Dort konnten Visitenkarten für mich abgegeben werden. Es eignen sich aber auch Stände anderer Institutionen wie RICS oder HypZert. Man kann sich auch überlegen, dort mal einen Standdienst zu übernehmen. Wichtig ist auch, nicht zu viele Termine zu vereinbaren: Drei bis vier pro Tag reichen, damit genug Zeit für die spontanen Treffen auf der Messe bleibt.

IZ: Sind Sie mit einer Jobzusage von München nach Hause gefahren?

Buhl: Nein, obwohl ich viele sehr gute Gespräche hatte. Aber sechs Wochen später bekam ich ein Angebot von einer regionalen Sparkasse, bei der ich meine Visitenkarte hinterlegt hatte, für eine sechsmonatige Interims-Aufgabe.

IZ: Und haben Sie zugesagt?

Buhl: Ja, und das war der Anfang vom Ende meiner Arbeitslosigkeit. Dort konnte ich meine bisherigen vielfältigen Berufserfahrungen einbringen. Der Einsatz war zeitlich überschaubar. Ich habe gemerkt, wie flexibel ich bin. Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit, weiter nach einer unbefristeten Stelle zu suchen - nach einer, die zu mir passt.

IZ: Sie haben die Auszeit auch für Weiterbildungen genutzt.

Buhl: Ja. Die Zeit sollte unbedingt aktiv genutzt werden, also habe ich den Chartered Surveyor gemacht, den wollte ich schon immer machen. Und ich habe mir einen Englisch-Crashkurs und ein Coaching gegönnt. Aber ich habe nicht meinen Kleiderschrank, nicht mein Bücherregal und nicht meinen Keller aufgeräumt!

IZ: Frau Buhl, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

Sonja Smalian

95.100 Euro gibt's für Schweizer Architekten und Ingenieure

Der beliebteste Bonus der Schweizer sind zusätzliche Urlaubstage.

Der beliebteste Bonus der Schweizer sind zusätzliche Urlaubstage.

Bild: <a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a> / Reto Fetz

Karriere 18.09.2014
Um weniger als 1% sind die Gehälter von Architekten und Ingenieuren in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Rund 95.100 Euro gibt es als Grundgehalt, variable Vergütungsanteile jedoch ... 

Um weniger als 1% sind die Gehälter von Architekten und Ingenieuren in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Rund 95.100 Euro gibt es als Grundgehalt, variable Vergütungsanteile jedoch nur in geringem Umfang, wie eine aktuelle Studie von Swiss Engineering zeigt.

Die Gehälter der Architekten und Ingenieure in der Schweiz sind im Schnitt kaum merklich gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Nur durch eine leichte Deflation im selben Zeitraum ergebe sich auch ein kleines Plus für diejenigen, auf deren Gehaltszettel alles beim Alten geblieben sei. Zu diesen Ergebnissen kommt die jährliche Salärumfrage des Schweizer Berufsverbands Swiss Engineering. 4.377 Architekten und Ingenieure aus verschiedenen Branchen beteiligten sich an der aktuellen Studie.

In der Baubranche gibt es für Architekten und Ingenieure vergleichsweise niedrige Jahresvergütungen: Mitarbeiter ohne Führungsfunktion erhalten rund 69.400 Euro und Fachkräfte ohne Personalverantwortung rund 76.800 Euro. Teamleiter hingegen sprengen die 100.000-Franken-Grenze - das entspricht etwa 82.600 Euro. Abteilungs- und Bereichsleiter können sich über ca. 93.400 Euro freuen und für Unternehmenslenker gibt es rund 112.400 Euro.

Die Bau-Chefs zählen im Vergleich mit dem Führungspersonal anderer Branchen mit Abstand zu den Geringverdienern. Am meisten erhalten Architekten und Ingenieure als Geschäftsführer in der Finanzwirtschaft (ca. 157.000 Euro). Auch in der öffentlichen Verwaltung (ca. 148.700 Euro) und in Lehre und Forschung (ca.133.900 Euro) wird mehr gezahlt als in der Baubranche.

Variable Vergütungsbestandteile erhöhen die Grundgehälter nur wenig, denn sie fallen mit durchschnittlich etwa 2.900 Euro insgesamt recht dürftig aus. Geschäftsführer erhalten einen Aufschlag von knapp 11.000 Euro. Bei Mitarbeitern ohne Führungsfunktion sinkt diese Zugabe auf im Schnitt 830 Euro.

Häufiger profitieren die Schweizer Architekten und Ingenieure von Zusatzleistungen, wie Essenssubventionen, Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr, zusätzliche Sozialleistungen oder einen Parkplatz. Durchschnittlich drei davon erhält jeder Befragungsteilnehmer. Am beliebtesten sind jedoch zusätzliche Urlaubstage als Extra-Vergütung, die von mehr als der Hälfte in Anspruch genommen werden.

Bau-Chefs verdienen im Branchenvergleich am wenigsten

Die Höhe der Vergütung wird neben der Hierarchiestufe, der Branchenzugehörigkeit und der variablen Anteile auch durch andere Faktoren beeinflusst, beispielsweise die Unternehmensgröße, den Ausbildungsgrad und das Alter der Umfrageteilnehmer. So gilt die Regel: Je größer das Unternehmen, desto höher sind auch die Grundgehälter. Die Differenz liegt rund 4.100 Euro oberhalb des mittleren Jahresgehalts bei Betrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten.

Die zweite Regel besagt: Je länger die Ausbildung dauert, desto höher ist das Gehalt. Das gilt zumindest für die Abschlüsse Bachelor (etwa 68.200 Euro) und Master (ca. 74.400 Euro) sowie für den Doktortitel (ca. 83.400 Euro) bei Young Professionals, die nicht älter als 34 Jahre sind. Die Differenz zwischen Masterabschluss und Promotion beträgt also in jungen Jahren nicht einmal 10.000 Euro, wird aber mit einem zeitlichen Einsatz von zwei, drei Jahren Forschungsarbeit erkauft. In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen ist die Gehaltsdifferenz zwischen Berufserfahrenen mit Masterabschluss auf der einen und mit Promotion auf der anderen Seite schon auf ca. 6.400 Euro zusammengschmolzen. Vielversprechender wirkt sich auf der Vergütungsseite ein Master-Aufbaustudium aus. Eine solche Weiterbildung wird in der Altersgruppe bis 44 Jahre mit einem höheren Jahresgrundgehalt belohnt als eine Promotion!

Die dritte Regel lautet: Die Vergütung steigt mit dem Alter und der Erfahrung. Doch die höchsten Gehaltszuwächse werden nur in dem Zeitfenster zwischen 30 und 45 Jahren erzielt. Danach flache die Lohnkurve merklich ab. Die höchste Gehaltsstufe werde im Alter von 60 Jahren erreicht, zeigt die Studie.

Die Gehaltsumfrage offenbart auch große Unterschiede innerhalb der beiden Berufsgruppen: Während ein junger Architekt bis 34 Jahre mit einem Basisgehalt von etwa 59.500 Euro rechnen kann, sind es bei einem gleichaltrigen Bauingenieur schon gut 10.000 Euro mehr (ca. 70.200 Euro). Diese Differenz steigt zunächst an, bevor sie sich in der Altersgruppe 55+ auf rund 6.200 Euro verringert.

Für die Mehrheit der Architekten und Ingenieure entspricht der Lohn dennoch "ziemlich" und für 18% sogar "sehr" ihren Fähigkeiten. Mit höheren Positionen und zunehmendem Alter zeigen sich die Befragten zufriedener mit ihrer Vergütungssituation. Angesichts dieser Zahlen überrascht es nicht, dass sich 90% der Befragten wieder für ihre Laufbahn entscheiden würden. Doch 70% der Ingenieure glauben, einen Fachkräftemangel in ihrem Bereich zu beobachten. Unter den Architekten teilen nur 40% diese Ansicht für ihr Gebiet. Deutsche, die sich nach einem Job in der Schweiz umschauen wollen, können beruhigt sein. Die Einwanderungsinitiative, über die im Februar dieses Jahres abgestimmt wurde, habe derzeit noch keine Auswirkungen, sagt Swiss-Engineering-Generalsekretär Stefan Arquint. Er rechnet erst mit einer Umsetzung in zwei bis drei Jahren. Im Moment gebe es noch keine Beschränkungen.

Sonja Smalian

Jobsuche und Netzwerken auf der Expo Real vorab planen

36.000 Teilnehmer zählte die Expo Real im vergangenen Jahr. Wer die drei Messetage auch zur Jobsuche nutzen will, sollte sich vorher genau überlegen, wen er wann treffen möchte. Nicht immer gelingt es, sich vorab einen festen Termin zu sichern. Doch auch "zufälliges Aufeinandertreffen" kann frühzeitig geplant werden.

36.000 Teilnehmer zählte die Expo Real im vergangenen Jahr. Wer die drei Messetage auch zur Jobsuche nutzen will, sollte sich vorher genau überlegen, wen er wann treffen möchte. Nicht immer gelingt es, sich vorab einen festen Termin zu sichern. Doch auch "zufälliges Aufeinandertreffen" kann frühzeitig geplant werden.

Bild: Messe München

Karriere 11.09.2014
Auf dem Branchentreffen Expo Real geht es nicht nur um Projekte, sondern immer häufiger auch um Jobs. Wie Berufseinsteiger und Wechselwillige die drei Tage optimal für ihre Ziele nutzen können, ... 

Auf dem Branchentreffen Expo Real geht es nicht nur um Projekte, sondern immer häufiger auch um Jobs. Wie Berufseinsteiger und Wechselwillige die drei Tage optimal für ihre Ziele nutzen können, verraten fünf Personalprofis. Auch für Arbeitsuchende sollte die Messe ein Pflichttermin sein.

Rund 36.000 Teilnehmer wälzten sich während der Expo Real 2013 durch die sechs Messehallen in München. Wer da den richtigen Ansprechpartner treffen will, um seiner Karriere einen Schub zu geben, der sollte seine Route rechtzeitig planen. Kontaktmöglichkeiten gibt es während der Fachmesse auf und außerhalb des Messegeländes genug, doch nicht jede ist für die Anbahnung eines Wechsels oder das strategische Netzwerken gleich gut geeignet.

Der Klassiker ist der direkte Besuch am Stand. Viele Unternehmen haben ihre Personalverantwortlichen zumindest an einigen, wenn nicht sogar an allen Tagen mit an Bord. Ist das nicht der Fall, sollten Wechselwillige oder Jobsuchende versuchen, zu jemandem aus dem passenden Fachbereich Kontakt zu knüpfen. Wie offen das Thema Jobsuche dabei angesprochen wird, hängt von der jeweiligen Situation am Stand und vom Kandidaten ab. Wer noch in Lohn und Brot steht, formuliert vielleicht lieber etwas vager. Kandidaten ohne Beschäftigung können offener mit dem Thema umgehen.

Keine zu hohen Erwartungen haben

Doch die Erwartungen dürfen nicht zu hoch gesteckt werden. Der Besuch ist nur eine erste Kontaktanbahnung. Ziel sollte sein, trotz des kurzen Zeitfensters von maximal 15 Minuten in Erinnerung zu bleiben. "Alle weiteren Schritte erfolgen dann nach der Messe", sagt Thomas Körzel, Inhaber des Büros für Karrierecoaching. Wechselwillige oder Jobsuchende sollten auf jeden Fall vermeiden, wirklich jeden Kontakt auf der Messe mit der eigenen Jobsuche zu malträtieren, rät Körzel. Fingerspitzengefühl ist bei dem Thema gefragt.

Wer den Namen seines Ansprechpartners schon kennt oder ihn herausfindet, kann auch versuchen, vorab einen Termin direkt oder z.B. über soziale Netzwerke auszumachen. Und so quasi die Kaltakquise "im Warmen" machen, sagt Carolin Eichholz, Inhaberin von immocoach. Damit die Kontaktanbahnung leichter falle, müsse im Kopf der Schalter vom "Bittsteller" auf "Anbieter" umgestellt werden, lautet ihr Tipp. Mit MatchUp! bietet die Messe München zudem eine neue Teilnehmer-Community an, über die ebenfalls Termine vereinbart werden können.

Einseitiger Kurz-Lebenslauf am besten in Papierform und als digitales Dokument

Was die Kandidaten an Unterlagen mitnehmen sollten, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ein einseitiger Kurz-Lebenslauf mit Foto bzw. ein Leporello wird von manchen favorisiert, andere sprechen sich für eine rein digitale Variante aus. Nicht fehlen darf die "unique selling proposition", um besser im Gedächtnis zu bleiben, sagt Körzel.

"Kein Papier" will beispielsweise Bruno Bittis, Head of Human Resources bei mfi, haben. Er sei am Stand mit einem iPad unterwegs und schaue sich die Unterlagen gern nur digital an, um sie sich dann noch einmal schicken zu lassen. Bittis macht wenige Termine, um flexibel auf spontane Besuche reagieren zu können. Von Bewerbern erwartet er, dass sie sich auf Gespräche mit Unternehmensvertretern gut vorbereiten und die drei großen Themen ihrer Ziel-Unternehmen kennen.

Termine und Kontaktart vorab planen

Um sich nicht zu verzetteln, sollten Kandidaten ihre Ziele vorab festlegen. Wen will ich kennenlernen und wo gelingt mir das vermutlich am besten? Das kann am Unternehmensstand sein, aber auch beim Alumni-Treffen oder beim Vortrag. Manch ein Unternehmen hält neben dem Stand noch besondere Kontaktformate vor: Der Messe-Shuttle-Service im Doppeldecker-Bus von Corpus Sireo pendelt mehrmals täglich zwischen dem Schwabinger Hotel Pullmann und der Messe. An Bord stehen nicht nur Kaffee und Snacks bereit, sondern auch die Mitarbeiter für Gespräche. Eine gute Möglichkeit für einen Standbesuch bietet sich auch, wenn dort eine Präsentation stattfindet. Dann seien die Mitarbeiter des Unternehmens offener für Gäste, sagt Eichholz.

Basis-Werkzeug des Netzwerkens ist die Visitenkarte. Hier müssen sich Kandidaten überlegen, ob sie ihre geschäftlichen oder ihre privaten Karten verteilen. Auf den privaten Visitenkarten empfiehlt Personalberater Michael Harter ein aussagekräftiges Stichwort anstelle des Abschlusses zu vermerken, z.B. "Assetmanager Wohnimmobilien". Das bleibe besser im Gedächtnis hängen als die Abkürzung Dipl.-Ing., sagt der geschäftsführende Gesellschafter von Westwind Real Estate Executive Search.

Auch Arbeitsuchende gehören auf die Expo

Auch CEOs ohne Job sollten seiner Meinung nach mit erhobenem Haupt zur Expo fahren und ihre privaten Karten unters Volk bringen, sagt Harter. "Das ist sonst eine verpasste Vermarktungschance." Die Expo Real sei das billigste und intensivste Medium, um sich über neue potenzielle Arbeitgeber zu informieren, sagt der Westwind-Chef. Für 300 Euro bis 400 Euro kämen die Besucher hier an die Creme de la Creme der deutschen Immobilienwirtschaft heran. Ein Besuch sei zwar keine Jobgarantie, aber falsche Scham sei genauso wenig angebracht.

Das sieht auch Coach Eichholz so: "Die Expo Real ist das Branchenevent in Deutschland. Wenn man sich da nicht einbringt, dann hat man seine Zugehörigkeit selbst abgeschnitten." Arbeitssuchende müssten sich bewusst machen, dass sie Teil der Immobilienbranche sind, dass sie dahin gehören und das sie dort ihre zukünftigen Kolleginnen und Kollegen treffen, sagt Eichholz.

Bei der Kontaktanbahnung darf nicht nur das kurzfristige Ziel der Jobsuche stehen, sondern auch die langfristige Netzwerkpflege. Kandidaten sollten also nicht so sehr danach schielen, wer welche Position hat, sondern auch darauf achten, zu wem man einen guten Draht hat, sagt Karrierecoach Körzel. Diese Kontakte seien für den Aufbau eines Netzwerks mittelfristig wichtig. Auf das eigene Bauchgefühl zu achten, helfe, wenn nach der Messe die Visitenkarten sortiert werden und es zu überlegen gilt, bei wem sich ein Nachfassen lohnt.

Kurzer Erstkontakt zu Personalberatern möglich

Manch einer dürfte die Messe auch nutzen, um bei einem der zahlreichen Personalberater vorstellig zu werden, die ebenfalls auf der Messe sind. Auch hier empfiehlt es sich, vorab einen Termin für ein kurzes Erstgespräch zu vereinbaren. Denn die Personalberater selbst besuchen ihre Auftraggeber, und das sind die Unternehmen. Für umfassende Beratungsgespräche mit Kandidaten fehlt auf der Expo Real deswegen sowohl die nötige Ruhe als auch die Zeit. Solch intensive Gespräche müssten nach der Messe in einem passenden Rahmen stattfinden, sagt Richard-Emanuel Goldhahn, Geschäftsführer von Cobalt Deutschland, der zum zweiten Mal mit einem eigenen Stand vertreten ist, wo auch immer ein Ansprechpartner ist.

Die beste Zeit zum Kontakteknüpfen sind seiner Meinung nach die offiziellen Standzeiten. Kandidaten sollten zudem auch rechtzeitig ihr Netzwerk aktivieren. Denn auch die eigenen Geschäftsfreunde könnten als Türöffner zu neuen Kontakten dienen. Auch bei Xing lohne es sich vorab zu schauen, welcher der eigenen Bekannten mit welchem Zielkontakt vernetzt ist. "Planung ist das halbe Leben, auch auf der Expo", sagt Goldhahn.

Neben der Terminplanung spielt auch die äußere Erscheinung keine kleine Rolle. Wer sich bewirbt, sollte auf korrekte Business-Kleidung achten. Das betonen beide Personalberater, obwohl es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Auch zu schwere Taschen oder gar ein Rucksack gehören nicht auf die Messe und bleiben besser Zuhause oder im Hotel. Gratis-Tüten, aus denen Stofftiere oder andere Werbegeschenke lugen, vermitteln ebenfalls leicht einen unerwünschten Eindruck.

CareerDay und Jobmesse am dritten Messetag

Berufseinsteiger und Young Professionals müssen meist noch andere Wege gehen. An sie richtet sich der CareerDay am letzten Messetag. Nichtsdestotrotz sitzen auch regelmäßig Berufserfahrene, Personalberater und Personalverantwortliche im Publikum und informieren sich darüber, welche Ein- und Aufstiegschancen die Unternehmen bieten. Parallel dazu gibt es auch eine Jobmesse - das CareerCenter -, wo sich 22 Unternehmen mit einem kleinen Stand ausschließlich als Arbeitgeber präsentieren. Der Corpus-Sireo-Bus fährt an diesem Tag vom Hauptbahnhof zur Messe. An Bord geben Trainees und Personalverantwortliche während der Fahrt Auskunft zum Unternehmen.

Doch damit hören die Veranstaltungen noch nicht auf. Partys außerhalb des Messegeländes haben oft eher Freizeitcharakter. Bei dröhnenden Bässen mit einem Gin-Tonic in der Hand den Bogen zu möglichen Jobchancen im Unternehmen eines neuen Kontakts zu spannen, dürfte selbst Small-Talk-Profis schwer fallen. Vielversprechender, auch im Hinblick auf langfristiges Netzwerken, sind da Empfänge und Abendessen im kleineren Kreis, die vor und während der Messe stattfinden, sagt Karrierecoach Körzel. Wer dazu keine Einladung erhalten hat, kann trotzdem auch nach dem offiziellen Messeschluss um 18 Uhr Kontakte auf einer der vielen Standpartys knüpfen. Zumindest zu Beginn des Abends dürfte dort noch das eine oder andere Gespräch möglich sein.

Neben den direkten Gesprächen am Stand eignen sich sicherlich auch die zahlreichen Veranstaltungen mitunter für das eigene Netzwerk-Ziel. 190 Termine zählt das Konferenzprogramm der Expo Real derzeit – vom Alumni-Treffen über die Diskussionsrunde bis zur Standparty. Bis zum Messebeginn dürften es noch einige mehr werden. Wer nicht allein auf ein spontanes Kennenlernen setzen will, kann Termine vorab direkt, über soziale Netzwerke oder die neue Teilnehmercommunity MatchUp! der Messe München verabreden. MatchUp! steht nur Messeteilnehmern mit Eintrittskarte zur Verfügung. Mehr als 1.300 Teilnehmer haben sich schon registriert, und dort sind aktuell auch 76 Stellenangebote hinterlegt.

Auch zahlreiche Vereine haben einen Stand auf der Messe und bieten damit eine Plattform für Kontakte. Neben Fachvorträgen organisieren sie auch Netzwerk-Events. Der rund 650 Mitglieder zählende Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft lädt beispielsweise montags auch Nicht-Mitglieder um 17:15 Uhr zum Sektempfang an den Stand des Freistaats Sachsen ein. Am Gemeinschaftsstand der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung (gif) sind mehrere Aus- und Weiterbildungsanbieter vertreten, die während der Messe Alumni- bzw. Netzwerktreffen organisieren. Die ADI Akademie der Immobilienwirtschaft lädt ihre Absolventen beispielsweise am Montag um 17 Uhr zum Umtrunk.

Am dritten Messetag findet ab 9:30 Uhr traditionell der CareerDay mit Vorträgen zum Ein- und Aufstieg in der Immobilienbranche im Planning-&-Partnerships-Forum (Halle A2.040) statt. Vor dem Forum präsentieren sich 22 Arbeitgeber der Branche im CareerCenter und sind mit ihren Personalverantwortlichen vor Ort.

Sonja Smalian

Stefan Zimmermann - Sprinter oder Marathonmann?

Stefan Zimmermann rechnet fest damit, das Wiesbadener Problem-Center in Kürze verkauft zu haben. Derzeit befinde man sich mit einem Investor in Endverhandlungen. Die Umbaupläne der Acrest sollen mehr als 22 Mio. Euro kosten und deutlich machen, wie Acrest dem dahinsiechenden Center wieder Leben einhauchen will.

Stefan Zimmermann rechnet fest damit, das Wiesbadener Problem-Center in Kürze verkauft zu haben. Derzeit befinde man sich mit einem Investor in Endverhandlungen. Die Umbaupläne der Acrest sollen mehr als 22 Mio. Euro kosten und deutlich machen, wie Acrest dem dahinsiechenden Center wieder Leben einhauchen will.

Bild: ma

Karriere 11.09.2014
Stefan Zimmermann, Jahrgang 78, weiß, was er will: nach ganz oben, und zwar auf schnellstem Weg. Mit seinem Fernstudium der Wirtschaft hat er sich nicht lange aufgehalten und 2006 mit Acrest sein ... 

Stefan Zimmermann, Jahrgang 78, weiß, was er will: nach ganz oben, und zwar auf schnellstem Weg. Mit seinem Fernstudium der Wirtschaft hat er sich nicht lange aufgehalten und 2006 mit Acrest sein eigenes Unternehmen gegründet. Jetzt beschäftigt er mehr als 130 Mitarbeiter, die Gebäude im Wert von 4,4 Mrd. Euro managen. Er hat sich Projekte ans Bein gebunden, die nicht nur Sprinter-, sondern Marathonqualitäten erfordern.

Sich mit Stefan Zimmermann zu verabreden, ist nicht ganz einfach. Wir könnten ihn am frühen Morgen in Frankfurt treffen, vor dem ersten Termin, schlägt seine Assistentin vor. Er komme am Vorabend aus London und habe eine Stunde Zeit. Eine Stunde? Zu wenig für ein Porträt, finden wir und kontaktieren ihn direkt. Er bietet ein neues Zeitfenster an. "Ich kann schnell sprechen", sagt Zimmermann und man ahnt, in welchem Tempo dieser Mann durchs Leben geht.

Schließlich treffen wir ihn in Wiesbaden. Er sitzt in einem fensterlosen Raum des Centermanagements im Einkaufszentrum Lilien-Carré, für dessen Umbau Acrest seit zwei Jahren zuständig ist. Breitbeinig wie auf einer Bierkiste hockt der Zweimetermann vor seinem Laptop. Über dem weiß bekragten Nadelstreifenhemd mit Manschettenknöpfen trägt er weiße Hosenträger, unter der Anzughose leuchten quietschbunte teure Socken. Das Jackett mit Einstecktuch hat er abgeworfen. Wieder kommt er aus London. Fast alle seine Aufträge akquiriert er dort. "Selbst wenn die Deutsche Bank einen Auftrag zu vergeben hat, tut sie das aus London heraus", sagt Zimmermann und gibt zu, nur einen deutschen Kunden zu haben, nämlich einen Privatmann aus München.

Schon als Acrest im Juli 2012 das Centermanagement übernommen hatte, fragte sich mancher: Was will der mit dem Ding? Doch für Zimmermann war es ein wichtiger Auftrag, um sich neben den Großaufträgen von Cerberus weitere Standbeine aufzubauen.

Zimmermann kann in der Tat schnell sprechen. An diesem schwülen Vormittag auch auf Englisch. Hinter den verschlossenen Türen eines Acrest-Konferenzraums im 13. Stock des Berliner Europa-Centers präsentiert er die Umbaupläne seines Unternehmens für das Wiesbadener Problem-Center vor angelsächsischen Investoren.

Der 36-Jährige beschäftigt mehr als 130 Menschen, die Immobilien im Wert von 4,4 Mrd. Euro betreuen. Das Portfolio besteht aus Geschäftshäusern wie rund 80 Woolworth-Standorten genauso wie aus 42 Metro-Cash-&-Carry-Großmärkten oder notleidenden bis dahinsiechenden Einkaufszentren wie dem Atrium Bamberg. Neben dem Management befasst sich Acrest auch mit der Entwicklung etwa des Opel-Forums in Rüsselsheim oder der Staufengalerie in Göppingen, die Acrest zusammen mit der Familie Schenavsky entwickelt. Der Firmenname steht für "a crest", was so viel bedeutet wie "ein Gipfel".

Nun ist es so weit, dass zwei Jahre harte Entwicklerarbeit des Wiesbadener Lilien-Carrés präsentiert werden sollen. Zimmermann steht am Beamer und tut, was er am besten kann: verkaufen. Er trägt eine zerschlissene Dieseljeans ohne Gürtel und ein schwarzes Hemd, dessen Ärmel er bis über die Ellenbogen hochgekrempelt hat. Die Investorenvertreter auf der anderen Seite sind in schicken Chinos, engen Hemden und Krawatte erschienen, die Verhandlungsführer im dunklen Zwirn mit Schlips.

Eine hybride Mall mit großem Foodcourt will Acrest aus dem eigenwilligen elliptischen Bau des Wiesbadener Centers machen, das 2007 eröffnet und nur drei Jahre später insolvent wurde. Künftig soll das Einkaufszentrum schwerpunktmäßig der Nahversorgung dienen und durch einen 1.600 m2 großen Foodcourt in den Mittags- und Abendstunden zu einer interessanten Location werden.

"Ist das Parkhaus nicht zu groß?", fragt der Kaufinteressent, der gleich abcheckt, ob man auf einem Teil der Fläche nicht noch einen Discounter unterbringen könnte. "Nein, nein", sagt Zimmermann. "Als das Center gebaut wurde, sind direkt alle Parkplätze mit errichtet worden. Auch die, die erst bei der Realisierung der Entwicklungsreserve notwendig geworden wären", führt er aus und fügt hinzu: "Außerdem kann man den ganzen Tag für nur vier Euro parken, das gibt es sonst nirgends in der Stadt." Der Investor schaut kritisch, als wisse er genau, dass die Deutschen nicht bereit sind, beim Einkauf von Lebensmitteln auch nur einen Cent fürs Parken auszugeben.

"Was ist mit der Erweiterungsfläche da hinten, könnte da nicht ein Aldi hin?", fragt plötzlich einer der Briten, der sich im bisherigen Gespräch bislang zurückgehalten hatte. "Nein", bremst Zimmermann ab, "dazwischen ist die Laderampe, man kann diese Fläche nicht vernünftig anbinden." Der Brite regt an, der Supermarktbetreiber könne doch einen Teil seiner Fläche für einen Discounter aus dem eigenen Hause abtreten. "Nein", pariert Zimmermann, "die eigene Discount-Schiene wollen die nicht als Nachbarn, Aldi oder Lidl bringen mehr Frequenz." Mehr als 22 Mio. Euro soll der Umbau des Centers im laufenden Betrieb kosten. Die Investoren bleiben zurückhaltend, zeigen sich nicht zur Gänze überzeugt.

Zimmermann hat fast vier Stunden geredet, Fragen beantwortet und keine Ermüdungserscheinungen gezeigt. Einmal unterbricht er kurz, nachdem ihm eine Mitarbeiterin eine Nachricht überbringt. Er bittet um eine kurze Pause, die Familie seines Geschäftspartners sei zu Besuch. "Familie ist wichtig", sagt Zimmermann noch im Hinausgehen. Die Investoren nutzen die kurze Pause, um sich auszutauschen. Kurz darauf ist Zimmermann zurück und redet weiter. Er ist offenbar im Training. Schon dreimal hat Zimmermann das Center in dieser Woche Interessenten präsentiert. Er beweist einen langen Atem - eher unüblich für jemanden, der sonst eher sprintet.

Nach Abitur und Wehrdienst ging er 1998 zur Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft GWG. Seine Mutter war dort Justitiarin, sodass er von Azubi-Anfangsaufgaben weitestgehend verschont blieb und eine verkürzte Ausbildung zum Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft machen konnte. Als er ausgelernt hatte, wollte er nicht in die Hausverwaltung und befasste sich bei der GWG mit dem Aufbau einer Controlling-Abteilung, die damals noch nicht bestanden habe. Parallel begann er ein Fernstudium der Wirtschaftswissenschaften.

Im Jahr 2000 zog seine damalige Freundin von Cottbus nach Potsdam zum Jura-Studium und Zimmermann beschloss, ihr zu folgen. Doch die Arbeitslosigkeit bekam ihm nicht. Die ersten vier Wochen in Potsdam, in denen er keinen Job hatte, beschreibt er heute als die schlimmste Zeit seines Lebens.

Nach drei Jahren bei Tishman Speyer in Berlin, wo er sich vom Junior Assistant zum Senior Controller hocharbeitete, landete er schließlich bei Tenkhoff Properties. Dort entwickelte er mit anfangs vier Mann drei Shoppingcenter. "Das Schlossstraßen Center und das Kröpeliner Tor Center haben wir damals parallel durch die Entwicklung getrieben", erinnert sich Zimmermann. Die meisten Wochenenden fielen der Arbeit zum Opfer. Doch er war fasziniert von seinem Mentor Joachim Tenkhoff, für ihn einer "der Top 3 der talentiertesten Akquisiteure". Besonders imponierte Zimmermann, dass Tenkhoff imstande war, schnell loszulassen und ihm von Beginn an viel Verantwortung zu übertragen. "Er hat mich bald schon Generalunternehmerverträge selbst verhandeln lassen." Zimmermann war gerade 25.

Das Fernstudium hing er an den Nagel, es sollte jetzt schneller gehen. 2006 gründete er mit 28 Jahren in Berlin ein Unternehmen namens HBDS, was für Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart stand. Seit 2008 firmiert es unter Acrest Property Group. Sein erstes Mandat war die externe Leitung des Bereichs Retail-Akquisitionen und Development der apellasbauwert Property Group und der Bauwert Property Group, was er bis 2009 ausführte.

Zudem wollte Zimmermann schon kurz nach der Gründung durchstarten und mit einem Joint-Venture-Partner 109 Woolworth-Immobilien übernehmen. "Wir haben damals ein paar Leute gehired und gepitched", erinnert sich Zimmermann. Er unterlag jedoch US-Finanzinvestor Cerberus, der Acrest wiederum zwei Jahre später mit dem Asset-Management des Portfolios beauftragte. Lange war Cerberus Acrests größter Auftraggeber. Mancher Marktbeobachter glaubte gar, Acrest sei der Asset-Management-Arm von Cerberus. Mittlerweile sorgen die Amerikaner nur noch für weniger als 50% der Aufträge, die Acrest erhält.

Acrest wuchs schnell, das Unternehmen brauchte klarere Strukturen - eine langwierige Aufgabe, die Zimmermann nicht lag. 2010 holte er Matthias Schmitz als Managing Partner mit ins Boot. Schmitz und Zimmermann waren sich 2004 über den Weg gelaufen, als Zimmermann für Tenkhoff einen Mietvertrag mit Fitness First aushandelte. Schmitz war damals für die Expansion der Studiokette zuständig. Dieses Zusammentreffen bezeichnet Zimmermann heute als "sehr, sehr großes Glück. Matthias ist charmant, eloquent, extrem gebildet und in vielen Punkten talentierter als ich." Vor allen Dingen das Talent, einer Firma feste Strukturen zu geben, habe sehr zum Aufbau des Unternehmens beigetragen. "Es gibt unglaublich wenige Doppelspitzen, die so gut funktionieren", ist Zimmermann überzeugt. Dabei sind die Aufgaben klar verteilt.

Zimmermann ist ein begnadeter Verkäufer. Diesen Part übernimmt er mit Verve. Er grillt für seine Gäste genauso wie er sich auf Abendveranstaltungen von Kongressen die Schürze umbindet und selbst kreierte Drinks namens "Retailer" serviert. Sein Geschäftspartner Matthias Schmitz ist für den mutmaßlich härteren Part zuständig: nämlich Zimmermanns Versprechen einzulösen. Und das klappt nicht immer wie geplant.

"Acrest liefert einfach nicht", sagt einer, der auf den Entwickler nicht gut zu sprechen ist. "Die kriegen es nicht gebacken", ist ein anderer Vorwurf, der auf die Baustelle in Rüsselsheim abzielt. Dort ist Acrest seit vier Jahren an der Entwicklung des Opel-Forums tätig. Zimmermann selbst ist sogar schon länger damit befasst, weil er den vorherigen Entwickler apellasbauwert beraten hat. Ein Einkaufszentrum mit 21.000 m2 Verkaufsfläche und Platz für 100 Läden auf zwei Ebenen ist geplant. Doch Vollzug wird nicht gemeldet.

"Wir sind damals zu früh an die Öffentlichkeit gegangen", sagt Zimmermann heute. Die Eröffnung der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Nach einem Urteil des Hessischen Oberverwaltungsgerichts muss jetzt wegen der neuen Flugrouten das B-Plan-Verfahren komplett neu aufgesetzt werden, da Wohnbebauung aus bestimmten Zonen auszuschließen ist", erläutert Zimmermann und man ist geneigt, ihm zu glauben, dass es sich bei der Verzögerung von zwölf bis 18 Monaten um eine Art höhere Gewalt handelt. Doch seine Gegner sagen: "An diesem Projekt werden sie zeigen müssen, dass sie es drauf haben und liefern können." Doch dies wird immer ungewisser: "Am Freitag hat mich überraschend der Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim angerufen und mir gesagt, dass er das Projekt nicht mehr weiter unterstützen kann", sagt Zimmermann, nachdem die Lokalzeitung Main-Spitze am vergangenen Wochenende gemeldet hatte, das Opel-Forum stehe vor dem Aus. Die endgültige Entscheidung werden die Stadtverordneten am 16. Oktober treffen. Bis dahin braucht Zimmermann viel Geduld und Spucke.

Ausdauer ist auch beim Lilien-Carré in Wiesbaden gefragt. Bislang hat noch niemand angebissen, obwohl sich Zimmermann nach den Investorengesprächen im Juli zuversichtlich gab, den Käufer bis September im Sack zu haben. Nun sagt er, nächste Woche sei es so weit. Zimmermann ist ein hurtiger Schreiter, zuweilen offenbar einen Schritt zu schnell für seine Mitstreiter. (Anm. der Redaktion: Der Verkauf ist mittlerweile erfolgt.)

Bei der Akquisition, sagt er, halte er immer viele Angeln in den Teich. Ein Bild, das ihm seit Kindertagen vertraut ist. Zimmermanns Vater betrieb in der DDR sieben Angelgeschäfte. Dort verkaufte Zimmermann schon als Schüler lieber Angelbedarf, als zur Schule zu gehen. Das Angeln erdet ihn noch heute. Kürzlich war er mit seinen zwei und vier Jahre alten Jungs, Frau und Eltern zum Campen am Schwanensee. Dort, wo er schon als Dreijähriger die Rute übers Wasser gehalten hat.

Montags und freitags, wenn er in Berlin ist, sagt er, bringt er seine Jungs in die Kita und abends auch ins Bett. Er erzählt ihnen erfundene Gutenachtgeschichten. Damit die Jungs nicht auf die Fortsetzung seiner Geschichte verzichten müssen, wenn er unter der Woche auf Reisen ist, schickt er ihnen Voicemails mit der aktuellen Fortsetzung. Und dabei spricht Zimmermann einmal am Tag ausnahmsweise gaaanz langsam.

Melanie Agne

"Ich finde den Namen Berufsakademie sehr, sehr unglücklich"

Stabwechsel an der Berufsakademie Sachsen: Prof. Dr. Kerry-U. Brauer (links) übernahm als Direktorin die Leitung der Akademie. Prof. Dr. Bettina Lange trat ihre Nachfolge als Leiterin der Studienrichtung Immobilienwirtschaft an.

Stabwechsel an der Berufsakademie Sachsen: Prof. Dr. Kerry-U. Brauer (links) übernahm als Direktorin die Leitung der Akademie. Prof. Dr. Bettina Lange trat ihre Nachfolge als Leiterin der Studienrichtung Immobilienwirtschaft an.

Bild: sma

Karriere 04.09.2014
Prof. Dr. Kerry-U. Brauer führt die Staatliche Studienakademie Leipzig der Berufsakademie Sachsen nun als Direktorin und hat nach 18 Jahren die Leitung der Studienrichtung Immobilienwirtschaft an ... 

Prof. Dr. Kerry-U. Brauer führt die Staatliche Studienakademie Leipzig der Berufsakademie Sachsen nun als Direktorin und hat nach 18 Jahren die Leitung der Studienrichtung Immobilienwirtschaft an Prof. Dr. Bettina Lange übergeben. Ein Gespräch über die Besonderheiten des dualen Studiums, die künftige Ausrichtung der Studienrichtung und Karrierechancen für Frauen in der Immobilienwirtschaft.

Immobilien Zeitung: Die Zahl der dualen Studiengänge hat sich in den fünf Jahren von 2007 bis 2012 um etwa 700 auf rund 1.380 erhöht. Mehr als 64.000 Studenten absolvieren ein solches Studium in Kooperation mit ca. 45.600 Unternehmen. Verspüren Sie auch einen solch starken Druck auf die Studienrichtung Immobilienwirtschaft?

Kerry-U. Brauer: Unsere Zahlen sind stabil geblieben. 1997 haben wir 61 Studenten aufgenommen, 2013 waren es 72. Damit stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenze. Deswegen werden wir die Studienrichtung ausbauen.

IZ: Warum ist das Modell so erfolgreich?

Bettina Lange: Das duale Studium hat große Vorteile: Das von den Studenten erworbene akademische Wissen kann unmittelbar in der Praxis getestet werden. Beides schult die soziale Kompetenz im Umgang mit Kollegen und Kunden.

Brauer: Die Praxispartner schätzen, dass die Absolventen schon nach sehr kurzer Zeit voll einsatzfähig sind. Große Unternehmen müssen Hochschulabsolventen oft erst ein Traineeship anbieten. Wie effizient ist das?

Lange: Häufig hören wir von unseren rund 130 Praxispartnern, dass sie gern mehr duale Studenten im Studium begleiten würden, aber nicht immer die richtigen Kandidaten finden.

IZ: Woran liegt das?

Lange: Einerseits sind die Anforderungen der Praxispartner sehr hoch, andererseits haben die heutigen Gymnasiasten viele Möglichkeiten. Da ist es wichtig, früh und viel zu informieren. Wir organisieren deswegen Tage der offenen Tür und präsentieren uns auf Bildungsmessen.

Brauer: Ich schreibe mich erst einmal ein und schaue dann, ob das Studienfach zu mir passt - diese Methode funktioniert an einer Berufsakademie nicht. Unsere Studenten müssen sich vor dem Studium stärker mit den Inhalten auseinandersetzen, um dann einen Praxispartner von sich zu überzeugen, der mit ihnen einen Vertrag über drei Jahre abschließt. Das ist eine wesentlich größere Hürde, als sich nur an einer Hochschule einzuschreiben.

IZ: Wer die aber genommen hat, der bleibt?

Lange: Ja. Unsere Abbrecherquote, d.h. die aus persönlichen Gründen das Studium abbrechen, liegt bei unter 1%.

IZ: In der aktuellen Umfrage zur IZ-Joboffensive sind die Einstiegsgehälter von Berufsakademie-Absolventen 12% niedriger als von Absolventen einer Universität oder Hochschule, obwohl beide einen immobilienspezifischen Bachelorabschluss mitbringen. Wie erklären Sie sich diese Differenz?

Brauer: So etwas ärgert uns auch. Von der Öffentlichkeit wird den Berufsakademien vorgeworfen, zu wenig Theorie und zu viel Praxis zu vermitteln. Dabei schreiben unsere Studenten Bachelorarbeiten im Umfang von 50 bis 70 Seiten und nicht wenige absolvieren erfolgreich ein Masterstudium an einer Hochschule oder Universität. Außerdem ist der theoretische Studienanteil in Qualität und Quantität adäquat und entspricht anderer Hochschulen, da unsere Studenten keine Semesterferien haben. Ich finde den Namen Berufsakademie sehr, sehr unglücklich. Auch wir streben das Modell einer dualen Hochschule wie in Baden-Württemberg an. Durch diese Weiterentwicklung würde sich der Status der Studenten ändern.

IZ: Zumal sich hinter dem Stichwort duales Studium inzwischen verschiedene Varianten verbergen.

Brauer: Genau. Manchmal ähnelt der Praxisanteil eher einem verlängerten Praktikum. Bei uns ist jedes der sechs Semester in eine dreimonatige Praxisphase im Unternehmen und eine dreimonatige Studienphase an der Berufsakademie geteilt. Beide sind aufeinander abgestimmt, theoretische und praktische Studienmodule miteinander verzahnt. Die Studienrichtung Immobilienwirtschaft gibt es seit 1993. Wir hatten also Zeit, um das Know-how zu erwerben, Praxispartner in die Lehre einzubinden. Ich glaube, das müssen viele andere Anbieter erst noch entwickeln.

IZ: Fürchten Sie den Wettbewerb durch neue Angebote?

Brauer: Natürlich gibt es einen gewissen Wettbewerb um die besten Köpfe. Aus meiner Sicht dominiert aber eher die Vielfalt sowohl für potenzielle Studenten als auch für Unternehmen. Universitäten, Fachhochschulen und die Berufsakademie haben jeweils einen anderen Fokus. Natürlich werden wir an der Berufsakademie keine Grundlagenforschung machen, dafür sind die Universitäten zuständig und diese Arbeitsteilung ist gut. Praxisbezogene angewandte Forschung passt dagegen sehr gut. So bearbeiten wir aktuell zum Beispiel ein Forschungsprojekt im Controlling, das von der IHK unterstützt wird. Solche Engagements werden wir ausbauen.

IZ: Wenn Sie das Studienangebot ausbauen, woher sollen dann die ganzen Studenten und Praxispartner kommen?

Brauer: Schon jetzt haben wir Studenten und Praxispartner aus dem ganzen Bundesgebiet. Die Mehrheit der Studenten kommt aber aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

IZ: Neue Studiengänge werden allerorten entwickelt und auch Sie planen, ihr Angebot auszubauen.

Brauer: Mit dem Ausbau soll Rechnung getragen werden, dass wir in der Branche gleichermaßen Generalisten benötigen, die das facettenreiche Gebiet der Immobilienwirtschaft überblicken und parallel aber auch über Spezialistenwissen verfügen. So entwickelt sich hier neben den speziellen Managementbereichen in Abhängigkeit der Nutzungsart der Immobilie einerseits der Trend in Richtung Kapitalmarktorientierung, andererseits werden aber auch zunehmend technische Kenntnisse insbesondere im Bereich Energie und Gebäudeausrüstung gefordert.

IZ: Würden Sie Ihren Absolventen eine Hochschulkarriere empfehlen?

Brauer: Ehrlich gesagt, eher nicht. Es gibt kaum neue Stellen. Sachsen und auch andere Bundesländer sind dem Sparwahn verfallen und im Hochschulbereich müssen allein in Sachsen ca. 1.200 Stellen abgebaut werden. Ich halte das für eine völlig falsche Politik.

IZ: 62% Ihrer Studenten sind inzwischen weiblich. Wie haben sich die Karrierechancen für Frauen in der Branche entwickelt?

Brauer: Ich glaube, sie haben sich verbessert. Zum einen sind die Kommunikationsanforderungen in der Branche gestiegen, ein eher weiblich besetzter Aufgabenbereich. Zum anderen ist die Immobilienwirtschaft klein- und mittelständisch geprägt. Diese Strukturen bieten für Frauen bessere Entwicklungsmöglichkeiten als Konzerne.

IZ: Frau Lange, Sie waren bislang für die Studienrichtung Bankwirtschaft zuständig. Was sind Ihre Pläne für das neue Aufgabengebiet Immobilienwirtschaft?

Lange: Wir wollen noch flexibler auf die Anforderungen der Praxispartner und der Studenten eingehen. Dazu besteht die Möglichkeit, innerhalb des Studiengangs Vermögensmanagement Module individuell auszuwählen und damit Finanz-, Steuer- und Controllingkompetenz zu vertiefen. Außerdem soll mehr technisches Fachwissen aus dem Studiengang Service Engineering den Studenten und Praxispartnern zugängig gemacht werden. Geplant ist darüber hinaus, in Kooperation mit anderen Hochschulen einen berufsbegleitenden Master zu entwickeln.

IZ: Frau Brauer, Frau Lange, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

Sonja Smalian