Karriere-News

"Wir suchen den Wettbewerb mit den Universitäten"

An der DHBW Dualen Hochschule Baden-Württemberg wird mit dem Projekt InnoProDual ein Modell für die Hochschule im Jahr 2020 entwickelt. Die Hochschule will u.a. Studienzentren einführen und einen akademischen Mittelbau etablieren.

An der DHBW Dualen Hochschule Baden-Württemberg wird mit dem Projekt InnoProDual ein Modell für die Hochschule im Jahr 2020 entwickelt. Die Hochschule will u.a. Studienzentren einführen und einen akademischen Mittelbau etablieren.

Bild: DHBW Stuttgart

Karriere 08.01.2015
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat ein fünf Jahre währendes Programm aufgelegt, das ein Bild der Hochschule im Jahr 2020 entwerfen soll. Dabei geht es neben der Lehre und einem ... 

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat ein fünf Jahre währendes Programm aufgelegt, das ein Bild der Hochschule im Jahr 2020 entwerfen soll. Dabei geht es neben der Lehre und einem Umbau der Hochschulorganisation auch um den Aufbau eines akademischen Mittelbaus. Künftig könnten auch Fachhochschulen das Promotionsrecht erhalten, sagt Prof. Dr. Hanspeter Gondring von der DHBW Stuttgart.

InnoProDual heißt das aktuelle Projekt an der DHBW. Es soll "Innovationen in der Hochschulgovernance DHBW 2020" befördern, wie der Untertitel verrät. Dabei geht es konkret um die Einführung von Studienzentren, akademischen Mitarbeitern und Studiengangsmanagern. Sowohl die Studienbedingungen wie auch die Qualität der Lehre sollen durch dieses Projekt verbessert werden. Professoren würden dafür von verwaltungstechnischen Aufgaben entlastet werden, sagt Dr. Hanspeter Gondring, Professor an der DHBW Stuttgart. Alle drei Monate werden sich Qualitätszirkel, besetzt mit Studenten, externen und hauptamtlichen Lehrkräften sowie dualen Partnern, zusammensetzen und gemeinsam Veränderungen anstoßen. Warum sollte ein internes Projekt, auch wenn es an einer der größten Hochschulen Baden-Württembergs mit mehr als 30.000 Studierenden stattfindet, jemanden außerhalb dieser akademischen Welt interessieren? Weil das Projekt den Wandel an den Hochschulen fortschreibt, der mit der Bologna-Reform begonnen hat. Die Ergebnisse würden später in die gesetzlichen Rahmenbedingungen einfließen, sagt Gondring.

Im Prinzip gehe es bei dem Projekt InnoProDual darum, wie die Hochschule im Jahr 2020 aussehen wird, erklärt Gondring. Als Studiendekan des Studienzentrums Finanzwirtschaft an der DHBW Stuttgart, zu dem auch die Studienrichtung BWL-Immobilienwirtschaft gehört, ist er für die Umsetzung des Projekts in diesem Bereich zuständig. Dafür hat er ein Budget von 500.000 Euro zur Verfügung. Das Geld kommt vom Bund. Dieser stellt für das so genannte Bund-Länder-Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre zwischen 2011 und 2020 rund 2 Mrd. Euro zur Verfügung. Gefördert werden insgesamt Projekte an 186 Hochschulen in allen Bundesländern.

Herzstück des DHBW-Projekts InnoProDual sind die beiden Komponenten Wissenschaftlichkeit und Qualität der Lehre, sagt Gondring. Dabei gehe es um die Fragen, wie Lehre künftig organisiert werden kann und wie leistungsfähig Fachhochschulen sind. Können diese mit Universitäten konkurrieren? Ein umstrittenes Thema, nicht nur unter Hochschullehrern. Gondring rechnet damit, dass die Politik die Gleichstellung der verschiedenen Hochschultypen anstrebt und umsetzen wird. Das werde auf europäischer Ebene so gewollt und das gebiete die Logik der Bologna-Reform, führt der Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft/Versicherung aus.

Mit der Bologna-Reform wurden die gestuften Hochschulabschlüsse Bachelor und Master flächendeckend in Deutschland eingeführt. Die Abschlüsse werden für ein bestimmtes Kontingent an ECTS-Punkten (European Credit Transfer and Accumulation System) vergeben, und zwar unabhängig davon, an welchem Hochschultyp der Studiengang absolviert wurde. Auch die Studiendauer wurde vereinheitlicht. War früher Absolventen von Fachhochschulen der Zugang zum höheren Dienst verwehrt und nur für Universitätsabsolventen offen, erlaubt ein Masterabschluss an einer Hochschule nun ebenfalls diesen Weg, sagt Gondring. Die neue Regelvoraussetzung zur Promotion ist mit der Bologna-Reform der Masterabschluss geworden, der 300 ECTS-Punkten entspricht. Doch das Promotionsrecht liegt derzeit noch allein bei den Universitäten. Als Begründung würden dafür u.a. die Grundlagenforschung an Universitäten genannt oder der nur dort vorhandene akademische Mittelbau, sagt Gondring. Sich hinter Formalien zu verstecken, sei immer ein Zeichen von Schwäche. "Die Universitäten tragen das Promotionsrecht vor sich her wie der Priester die Monstranz", sagt Gondring. "Sie scheuen den Wettbewerb mit den Fachhochschulen."

Finanziert wird über das Projekt InnoProDual an der DHBW auch der Aufbau eines akademischen Mittelbaus. Doch um diese Positionen attraktiv zu machen, müsse er den Lehrkräften auch die Möglichkeit zur Promotion in Aussicht stellen können, sagt Gondring. Zum Jahresanfang 2015 wurde die erste Stelle im Fach BWL-Immobilienwirtschaft besetzt. Die Promotion erfolgt über eine Kooperation mit der Universität Karlsruhe. Die für Forschungsprojekte einzuwerbenden Drittmittel würden derzeit am Studienzentrum Finanzwirtschaft der DHBW noch eine untergeordnete Rolle spielen. "Aber das soll sich ändern", sagt Gondring. "Wir suchen den Wettbewerb mit den Universitäten. Aber wenn man in den Wettbewerb zieht, dann müssen die Grundbedingungen gleich sein. Wir müssen dann institutionell gleichgestellt sein."

Sonja Smalian

Wie eine Maklerin zur Thriller-Autorin wurde

Arbeitete früher als Maklerin: die Thriller-Autorin Chevy Stevens.

Arbeitete früher als Maklerin: die Thriller-Autorin Chevy Stevens.

Bild: Fischer Verlag

Karriere 25.12.2014
Einen Moment ist die Immobilienmaklerin noch alleine. Bei einer Hausbesichtigung. Es ist ein sonniger Sommertag. Ein potenzieller Kunde kommt. Sie unterhalten sich nett. Einen Augenblick später ... 

Einen Moment ist die Immobilienmaklerin noch alleine. Bei einer Hausbesichtigung. Es ist ein sonniger Sommertag. Ein potenzieller Kunde kommt. Sie unterhalten sich nett. Einen Augenblick später findet sie sich in einem verriegelten Van wieder. Der Albtraum beginnt. Das ist der Anfang des Romans "Still Missing" der kanadischen Thriller-Autorin Chevy Stevens.

Stevens schildert darin die Entführung und Gefangenschaft einer Immobilienmaklerin - der Albtraum jeder Frau, besonders, wenn es so realistisch beschrieben wird. Die Realitätsnähe hat einen Grund: Bevor die Autorin zu schreiben begann, arbeitete die 40-Jährige selbst einige Jahre im Real Estate Business.

Es waren diese in Nordamerika durchaus üblichen Open-House-Besichtigungen, bei denen Stevens die Idee zu ihrem Thriller hatte. "Als Frau ist man in solchen Situationen sehr verletzlich", sagt Stevens auf Anfrage der Immobilien Zeitung. Schließlich ist man oft ganz alleine in einem Haus und das nächste Gebäude ist mitunter eine ganze Ecke weit entfernt, meint sie. Hilferufe? Im Zweifelsfall zwecklos. Zudem wisse man nie, mit wem man es zu tun bekommt. "So begann ich mir auszumalen, was in solchen Situationen alles passieren kann."

Einige Jahre gärte die Geschichte in der Maklerin. Dann begann sie diese aufzuschreiben – sie musste einfach beginnen, die Geschichte musste raus. Zunächst neben dem Job. Doch die Schreiberei fraß immer mehr Zeit und sie ließ sich beurlauben. "Ich musste das Schreiben natürlich erst lernen", sagt Stevens. "Anfangs schrieb ich einfach wild drauflos – ohne Absätze oder Dialoge – ein durchgehender Text." Dabei las sie jede Menge Bücher über das Schreiben. Doch so richtig glücklich machte die Kanadierin das nicht. Nach etwa drei Jahren holte sie sich die Hilfe eines Lektors.

Die Hauptfigur heißt wie der Hund der Maklerin

Als autobiografisch bezeichnet Stevens den Roman nicht. Jedoch: "Ich habe eine Menge von mir in die Hauptfigur gesteckt", verrät sie. Etwa, dass die Figur Annie einen Freund und Hund hat, ebenso wie die Autorin selbst. "Und ich habe Annie nach meinem Hund benannt."

Beim Tippen an der Geschichte durchlitt Stevens die Pein ihrer Protagonistin. "Manchmal konnte ich Tage lang nicht mehr schreiben, nachdem ich an einer heftigen Szene gearbeitet hatte. Sich in sie hineinzuversetzen, um aus ihrer Perspektive erzählen zu können, war oft erschütternd." Die teilweise geäußerte Kritik, "Still Missing" sei kein Psychokrimi, sondern – wegen der Beschreibungen von Vergewaltigungs- und Folterszenen – vor allem ein frauenfeindlicher Gewaltporno, irritieren Stevens. "Für mich ist das Buch nicht über Gewalt und ich wollte damit auch nicht schockieren", sagte sie der kanadischen Zeitung National Post. "Es ist vielmehr ein Roman über das Überleben." Schließlich sei sie in einem Alkoholikerhaushalt groß geworden und habe ihr ganzes Leben versucht, dort herauszukommen. "Und das tat ich auch bei Annie."

Nach einem Jahr Auszeit ging Stevens vorübergehend in die Maklerbranche zurück – ihr ging allmählich das Geld aus. "Außerdem habe ich meine Zulassung verlängert, aus Sicherheitsgründen", gesteht sie. Diese Zulassung behielt sie noch eine ganze Weile. Und sie gibt zu: "Im Notfall wäre ich auch in meinen alten Beruf zurückgekehrt." Doch gern hätte sie das nicht getan: "Ich mag zwar Immobilien, aber nicht so sehr als Makler."

Maklerjob schwieriger als Thriller schreiben

"Es ist viel schwieriger als Makler zu arbeiten denn als Autor", sagt sie. Das Leben als Makler sei einfach stressig: Immer die Augen offen halten müssen für den nächsten Deal, das zähe Warten bei Open-Hous-Besichtigungen an Wochenenden. Zudem habe man immer wieder mit Menschen zu tun, die sich über echt beknackte Dinge aufregen, sagt Stevens.

Doch sie hat ihrem früheren Beruf nicht im Zorn den Rücken gekehrt, "Still Missing" ist nicht als Abrechnung mit einem ungeliebten Lebenskapitel zu verstehen. Ansonsten scheint sie mit ihrem Erstlingswerk mit dem einstigen Beruf abgeschlossen zu haben. In den folgenden Thrillern spielen Immobilien oder Makler keine Rolle mehr.

In ihrem im Herbst erschienenen Thriller "That night" geht es um eine Frau, die angeklagt ist, ihre Schwester ermordet zu haben. Es ist Stevens' mittlerweile fünftes Buch. Häuser wird sie in nächster Zeit also wahrscheinlich keine mehr verkaufen müssen.

Chevy Stevens ist auf einer Ranch auf Vancouver Island aufgewachsen. Sie arbeitete im Vertrieb von Geschenkartikeln und als Immobilienmaklerin, bevor sie 2010 ihren ersten Kriminalroman "Still Missing" (dt. Still Missing – Kein Entkommen) veröffentlichte. Für diesen Roman erhielt sie 2011 den International Thriller Award für den besten Debütroman. Ebenfalls 2011 erschien ihr zweiter Roman "Never Knowing" (dt. Never Knowing – Endlose Angst). Inzwischen sind fünf Romane erschienen.

Stevens lebt mit ihrer Familie zusammen in Nanaimo auf Vancouver Island.

Die Thriller werden in Deutschland beim Frankfurter Fischer Verlag verlegt. Ihre Romane verkauften sich im deutschsprachigen Raum laut Verlag bislang rund 700.000 Mal.

Andreas Nöthen

Von der deutschen "Lindenstraße" ins kanadische Maklerbüro

Für die Liebe zog Urs Villiger nach Kanada. Weil der Schauspieler dort in seinem Beruf nicht genug Aufträge erhielt, sattelte er um auf Immobilienmakler.

Für die Liebe zog Urs Villiger nach Kanada. Weil der Schauspieler dort in seinem Beruf nicht genug Aufträge erhielt, sattelte er um auf Immobilienmakler.

Bild: Stefan Wernz

Karriere 18.12.2014
Mehr als 50 Folgen lang trat Urs Villiger in der TV-Serie Lindenstraße auf. In der Rolle des Gastronoms Julian Hagen mischte er die Langzeitserie als Schürzenjäger und Manipulator auf. Das ... 

Mehr als 50 Folgen lang trat Urs Villiger in der TV-Serie Lindenstraße auf. In der Rolle des Gastronoms Julian Hagen mischte er die Langzeitserie als Schürzenjäger und Manipulator auf. Das TV-Set hat Villiger inzwischen seit fast sechs Jahren gegen ein Maklerbüro eingetauscht. Der gebürtige Schweizer heiratete eine Kanadierin, zog nach Toronto und legte dort die entsprechenden Zulassungsprüfungen ab. Wie er den Quereinstieg in die Immobilienwirtschaft erlebt, erzählt er im Interview.

Immobilien Zeitung: Herr Villiger, warum haben Sie sich nach Ihrem Umzug nach Kanada den Beruf als Immobilienmakler ausgesucht? Was wären Alternativen gewesen?

Urs Villiger: Ich hatte damals versucht, eine Stelle als Unternehmensberater zu kriegen, einen Job, den ich bereits in Köln in Teilzeit ausgeübt hatte. Das hat aber nicht geklappt, und so habe ich nach einer neuen Herausforderung gesucht. In Kanada ist der Beruf des Immobilienmaklers sehr weit verbreitet. Ich bin immer wieder in Kontakt mit Maklern gekommen und habe mit ihnen diskutiert. Irgendwann habe ich mir gedacht, warum nicht? Den finanziellen Background hatte ich bereits, und Immobilien interessieren mich seit jeher.

IZ: War der Schritt vom darstellenden Beruf zum Makler nicht sehr gravierend? Oder hilft Ihnen Ihre schauspielerische Erfahrung sogar dabei?

Villiger: Er war ein fließender Übergang. Immobilien sind ein Beziehungsgeschäft. Es braucht sehr viel Zeit, um sich ein Netzwerk zu schaffen, welches dann zu Aufträgen führt. So gesehen war ich für eine Weile parallel in beiden Berufen tätig. Erst nach und nach habe ich gemerkt, dass ich als Schauspieler in Kanada auf keinen grünen Zweig komme. So bin ich schließlich zum Vollzeit-Makler geworden.

IZ: Haben Sie die Entscheidung jemals bereut?

Villinger: Nein, es gibt nichts zu bereuen. Eine neue Herausforderung bedeutet immer eine Bereicherung des Lebens.

IZ: Arbeiten Sie freiberuflich oder in einem Maklerbüro?

Villiger: In Kanada ist das üblicherweise ein Mix. Rechtlich gesehen muss jeder Makler an einer so genannten Brokerage angeschlossen sein. Meine Arbeit ist aber vergleichbar mit einem Freiberufler, ich habe komplette Entscheidungsfreiheit.

IZ: Sie haben anfangs bei ReMax gearbeitet, arbeiten jetzt für ein anderes Unternehmen. Funktioniert das Maklersystem in Kanada über Franchise bzw. Ketten, oder gibt es auch Familienbetriebe wie in Deutschland?

Villiger: Wir haben hier ein rechtlich reguliertes System. Alle Brokerages und Makler sind registriert. Brokerages sind meist Franchises, es gibt aber lokal auch einige sehr erfolgreiche Familienbetriebe.

IZ: Was muss man tun, um in Kanada als Makler arbeiten zu dürfen? Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?

Villiger: Es sind Prüfungen abzulegen, was ungefähr sechs Monate bis ein Jahr dauert. Bei erfolgreichem Abschluss erhält man die Maklerlizenz. Um diese zu behalten, muss man regelmäßig alle zwei Jahre weitere Schulungen durchlaufen.

IZ: Welche Schritte bis zur Maklerlizenz sind nötig?

Villiger: Drei bis vier Prüfungen zu diversen Themen des Immobiliengeschäfts.

IZ: Was ist Ihnen besonders schwer gefallen?

Villiger: Der Anfang war schwierig: ein Neuling zu sein, ohne großes Beziehungsnetz. Das verlangt viel Ausdauer.

IZ: Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie? Müssen Sie auch an Wochenenden arbeiten?

Villiger: Immobilien sind hier ein 24/7-Business. Ich muss immer bereit sein für die Kunden. Da gehören Wochenenden dazu.

IZ: Welche Verdienstmöglichkeiten hat man als Makler?

Villiger: Kommt etwas darauf an, auf welchen Bereich man sich spezialisiert. Bei Wohnimmobilien kann ein Kauf bzw. Verkauf rasch zu einer Provision von 20.000 CAD bis 30.000 CAD führen, bei einer Miete sind es eher um die 2.000 CAD. Spezialisiert man sich auf Gewerbeimmobilien, kann eine Provision gerne bei 200.000 CAD liegen. Die Frage ist, wie gut ist mein Netzwerk von Freunden und Bekannten und welche Art und Anzahl von Aufträgen kann ich damit generieren. Die Aussichten sind generell sehr gut. Allerdings gibt es in Toronto mehr als 20.000 Makler. Die Konkurrenz ist damit sehr groß.

IZ: In Deutschland ist das Image des Immobilienmaklers nicht das beste. Wie wird der Beruf in Kanada wahrgenommen?

Villiger: Ist hier genau gleich.

IZ: Herr Villiger, vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellte Andreas Nöthen.

Andreas Nöthen

Energieeffizienz studieren

25 Studienplätze gibt es in dem berufsbegleitenden Masterstudiengang Energieeffizienz-Management, der sich eng an den Praxisfragen der Studierenden orientiert.

25 Studienplätze gibt es in dem berufsbegleitenden Masterstudiengang Energieeffizienz-Management, der sich eng an den Praxisfragen der Studierenden orientiert.

Bild: BilderBox.com

Karriere 11.12.2014
Der Klimawandel, die Energiewende und neue technische Entwicklungen fordern von der Immobilienwirtschaft und den Bestandshaltern neue Strategien im Umgang mit Energie. Die Technische Hochschule ... 

Der Klimawandel, die Energiewende und neue technische Entwicklungen fordern von der Immobilienwirtschaft und den Bestandshaltern neue Strategien im Umgang mit Energie. Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM), ehemals Fachhochschule Gießen-Friedberg, hat nun zwei neue Studienangebote zu diesem Thema konzipiert: das Masterstudium Energieeffizienz-Management sowie die Weiterbildung zum Nachhaltigkeitsmanager Immobilien.

In Deutschland entfallen 40% des Gesamtenergieverbrauchs auf öffentliche und private Gebäude für Heizung, Warmwasser und Beleuchtung. Damit sind sie für fast 20% des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich, besagen Zahlen der Bundesregierung. Etwa 10% des deutschen Energieverbrauchs verbucht der Bereich Corporate Real Estate für sich, heißt es in einer Studie, die u.a. im Auftrag von CoreNet Global entstanden ist. Unternehmen wenden demnach ungefähr ein Fünftel ihres Energieverbrauchs für den Betrieb ihrer Gebäude auf. In dem Bereich bestehe noch ein hohes Reduktionspotenzial. Den wichtigen Themen Energieeffizienz und Energiemanagement hat sich nun die THM Technische Hochschule Mittelhessen angenommen. Voraussichtlich zum Sommersemester kommenden Jahres sollen die beiden berufsbegleitenden Angebote - das Masterstudium Energieeffizienz-Management und die Weiterbildung zum Nachhaltigkeitsmanager Immobilien - beginnen.

Der Masterstudiengang sei ein Studium für Generalisten, sagt Prof. Dr. Frank Ehrenheim von der THM. Spezialisten gebe es zuhauf, aber Generalisten bislang noch wenig. Es fehle an Fachkräften, die den Überblick über die Komplexität des Gesamtthemas haben. Das Angebot richtet sich an Berufstätige mit energie- und immobilienrelevanten Aufgaben in Wirtschaft, Industrie und öffentlicher Verwaltung. Auf dem Lehrplan stehen u.a. die gegenwärtigen und künftigen Verfahren zur Energiewandlung sowie die Möglichkeiten zur Energieverteilung und zur Speicherung. Aber auch das Thema Ethik wird besprochen. Es werde aufgezeigt, welche weltweiten Verwerfungen und welche Machtpotenziale durch Energiethemen hervorgerufen werden, sagt Ehrenheim. Im zweiten Semester stehe die Optimierung im Betrieb im Vordergrund. Die Studierenden sollen sich Gedanken machen, was sie in ihrem Unternehmen verbessern können und wie sie sich für die Zukunft aufstellen sollten.

Im dritten Semester geht es u.a. um die Funktionsweise des Energiemarkts. Auch ein kommendes Aufgabengebiet für Facility-Manager, wie Prof. Dr. Johannes Kals von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein im Interview Anfang dieses Jahres sagte ("Energiewende bringt neue Aufgaben für Facility-Manager", IZ 2/14). Im Masterstudium an der THM werde auch analysiert, welche Fördermittel das Unternehmen eventuell beantragen könnte, sagt Ehrenheim, und wie das Energie- und Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen integriert werden könne. Im Soft-Skills-Training lernen die Studenten den Umgang mit Bürgerinitiativen genauso wie die Motivation von Kollegen für Energiethemen. Die Masterarbeit wird in enger Zusammenarbeit mit einer aktuellen Fragestellung des Unternehmens geschrieben.

Vorausgesetzt wird bei Studieninteressenten ein ingenieurwissenschaftliches Erststudium mit Energie- und Immobilienbezug sowie mindestens ein Jahr Berufserfahrung. In vier Semestern erwerben die Studierenden 90 ECTS-Punkte und den Abschluss Master of Science. Bewerbungsschluss für die ca. 25 Studienplätze ist im Februar 2015. Die Studiengebühren betragen ca. 14.800 Euro.

Der Zertifikatskurs "Hochschulzertifizierter Nachhaltigkeitsmanager - Immobilien" richtet sich u.a. an Facility-, Gebäude- und Objektmanager, die in ihrem Unternehmen für den Bereich Nachhaltigkeit zuständig sind. Bewerber müs-sen über eine Hochschulzugangsberechtigung und mindestens ein Jahr Berufserfahrung oder eine berufsqualifizierende Ausbildung und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung verfügen.

Obwohl einige Inhalte deckungsgleich mit dem Masterstudium seien, liege der Schwerpunkt stärker auf der Optimierung, sagt Ehrenheim. Das Nachhaltigkeitsmanagement im Immobilienbetrieb und die Optimierung im Betrieb machen dann auch acht der insgesamt auf 19 Tage veranschlagten Weiterbildung (inkl. Prüfungsvorbereitung und Prüfung) aus. Ein Überblick über die verschiedenen Nachhaltigkeitszertifikate und ein Soft-Skills-Training runden das Programm ab, das ca. 2.750 Euro kosten wird. Geplanter Beginn ist, wie beim Master, im April 2015.

Weitere Informationen zu den Studiengängen gibt es unter www.thm.de/hzw (Suche verwenden). Ansprechpartner ist Prof. Dr. Frank Ehrenheim (E-Mail: frank.ehrenheim@wi.thm.de).

Sonja Smalian

HafenCity Universität plant Immobilien-Master

Die Lage stimmt. Eines der größten aktuellen Stadtentwicklungsprojekte Europas gab der Universität ihren Namen - die Hafencity. In diesem Jahr bezog die Hochschule ihren Neubau am Kaiufer.

Die Lage stimmt. Eines der größten aktuellen Stadtentwicklungsprojekte Europas gab der Universität ihren Namen - die Hafencity. In diesem Jahr bezog die Hochschule ihren Neubau am Kaiufer.

Bild: David Roether

Karriere 08.12.2014
Seit Jahren wird über die Einführung eines Immobilien-Studiengangs an der HafenCity Universität (HCU) geredet. Nun soll es endlich so weit sein: Ein Konzept für einen ... 

Seit Jahren wird über die Einführung eines Immobilien-Studiengangs an der HafenCity Universität (HCU) geredet. Nun soll es endlich so weit sein: Ein Konzept für einen Vollzeit-Masterstudiengang steht, und es gibt die ersten festen Kooperations- und Förderpartner aus der Privatwirtschaft.

Vier Semester umfasst der geplante Studiengang an der HCU, der den Arbeitstitel Real Estate and Leadership trägt und zum Wintersemester 2015/16 beginnen soll. Das interdisziplinäre Studium legt seine Schwerpunkte sowohl auf kaufmännischen als auch die technisch-ingenieurwissenschaftlichen Aspekte der Immobilienwirtschaft. Zudem werden Kommunikations-, Management- und Führungsfähigkeiten vermittelt. "In unserer Branche braucht jeder jeden Tag Leadership-Skills", sagt Prof. Dr. Annette Kämpf-Dern. Denn jeder in der Immobilienwirtschaft habe Team- oder Projektverantwortung. Zudem müssten die Mitarbeiter Visionen vermitteln und zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen "übersetzen" können. Den Studierenden soll ein ganzheitlicher Blick vermittelt werden. Kämpf-Dern hat das Konzept für den Studiengang entwickelt und koordiniert nun die Umsetzung.

30 Studienplätze gibt es für High Potentials, die einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss in den Fächern Architektur, Bauingenieurwesen, Betriebswirtschaft, Geografie, Immobilienmanagement, Stadtplanung oder einem verwandten Fach erworben haben. Zudem müssen die Bewerber mindestens ein Jahr Berufserfahrung in der Bau- bzw. Immobilienbranche gesammelt haben und gute Englischkenntnisse vorweisen können. Denn etwa 80% der Lehrinhalte werden auf Englisch vermittelt. Die Module heißen dementsprechend auch Building Physics & Materials, Real Estate Economics & Business Administration oder Stakeholder Management & Communication. Die Studenten erarbeiten sich 120 ECTS-Punkte und erhalten den Abschluss Master of Science. Eine Akkreditierung durch die Royal Institution of Chartered Surveyors werde angestrebt, sagt Kämpf-Dern.

Die Idee, einen eigenständigen Immobilien-Studiengang an der HCU einzurichten, ist nicht neu. Schon 2007 berichtete die Immobilien Zeitung (IZ) über entsprechende Pläne (vgl. Artikel "Mehr immobilienökonomisches Know-how", IZ 13/07). Auch in den anderen Studiengängen spielt die Immobilie eine Rolle, denn die HCU - Universität für Baukunst und Metropolentwicklung, wie ihr vollständiger Name lautet - vereint unter ihrem Dach alle im Bereich der "gebauten Umwelt" angesiedelten Studien- und Forschungsbereiche. Entstanden war die HCU 2006 durch die Zusammenführung von vier Fachbereichen aus drei Hamburger Hochschulen. Seitdem wurden die Studienangebote in den Bereichen Ingenieur- und Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Gestaltung und Entwurf weiter ausgebaut. Der neue Masterstudiengang wird in diese interdisziplinäre Infrastruktur voll integriert und dementsprechend thematisch breit angelegt sein.

"Inhaltlich stoßen wir mit dem Studiengang auf großes Interesse", sagt Kämpf-Dern, die schon rund 80 Gespräche mit Unternehmen geführt hat. Denn das Angebot muss zu einem großen Teil über die Privatwirtschaft finanziert werden. Kämpf-Dern hat dafür ein Kooperationsmodell entwickelt, das Förderbeiträge von 5.000 Euro bis zu 100.000 Euro jährlich vorsieht, sodass sich sowohl kleinere wie auch große Unternehmen beteiligen können. Die ersten Kooperations- und Förder- partner hat sie schon an Bord geholt: Union Investment Real Estate, ECE, Wentzel Dr., Ernst & Young Real Estate sowie die Hamburger Sparkasse und die Sutor-Stiftung.

Frank Billand, Mitglied der Geschäftsführung von Union Investment Real Estate, sieht künftig einen Bedarf an Generalisten. Denn durch die Auffächerung der Berufe in der Immobilienbranche und die Trennung zwischen den technischen und den kaufmännischen Bereichen brauche es Leute, die den Gesamtüberblick über ein Projekt haben. Ihn überzeugt auch, dass der Bereich Leadership und Kommunikation einen großen Raum einnimmt, denn sein Unternehmen ist in 23 Ländern aktiv. Er könnte sich vorstellen, HCU-Absolventen als An- und Verkaufsexperten oder als Asset-Manager einzusetzen. Auch die Möglichkeit, Masterarbeits- oder Forschungsthemen an die Hochschule heranzutragen und durch die räumliche Nähe den fachlichen Austausch aktiv pflegen zu können, findet Billand interessant.

Lothar Kappich, Geschäftsführer der Hamburger ECE, überzeugte vor allem die Interdisziplinarität und die Verknüpfung mit Führungsthemen. Als Hamburger Unternehmen gehört es für ECE auch zum gesellschaftlichen Engagement, den Studiengang zu unterstützen. Zumal im Norden ein derartiges universitäres Angebot für die Branche noch fehlt. Auch deswegen sieht Kappich das Einzugsgebiet des Studiengangs "viel breiter als nur in Hamburg".

Ansprechpartnerin für interessierte Kooperationspartner und Studenten ist Prof. Dr. Annette Kämpf-Dern (E-Mail: annette.kaempf-dern@hcu-hamburg.de).

Sonja Smalian

Wie die Deutschen arbeiten (wollen)

JLL prognostiziert in Deutschland noch große Effizienzsteigerungen beim Büroflächenverbrauch. Kein Wunder, dennn 29% der Büroangestellten haben ein Einzelbüro.

JLL prognostiziert in Deutschland noch große Effizienzsteigerungen beim Büroflächenverbrauch. Kein Wunder, dennn 29% der Büroangestellten haben ein Einzelbüro.

Bild: BilderBox.com

Karriere 04.12.2014
Welche Aspekte sind deutschen Büroangestellten bei dem Thema Arbeit besonders wichtig? Flexiblere Arbeitszeiten, kurze Wege ins Büro und eine Kinderbetreuung in der Nähe sind nur einige ... 

Welche Aspekte sind deutschen Büroangestellten bei dem Thema Arbeit besonders wichtig? Flexiblere Arbeitszeiten, kurze Wege ins Büro und eine Kinderbetreuung in der Nähe sind nur einige Schlagworte, die bei der repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag von JLL abgefragt wurden. Die Ergebnisse haben auch Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft.

Die Büroangestellten in Deutschland haben vergleichsweise viel Platz: 29% sitzen in einem Einzelbüro. Mit einer anderen Person teilen, müssen es sich 31% der Befragten. In einem Großraumbüro mit drei bis acht Kollegen verbringen 29% ihre Arbeitszeit, zeigt die Umfrage. Damit verbrauchen Einzel- und Zweier-Büros den größten Anteil an Bürofläche. Das sollte Immobilienunternehmen aufhorchen lassen. Verglichen mit internationalen Gepflogenheiten, gebe es noch enorme Effizienzpotenziale in Deutschlands Büroräumen, sagt Helge Scheunemann, JLL Head of Research Germany.

Das Büro ist wichtig, aber auch die tägliche Pendelei muss der Arbeitnehmer bewältigen können. Deswegen wollten die Interviewer auch wissen, wie die Befragten zur Arbeit gelangen. 78% setzen dabei auf das Auto.

Am schnellsten erreichen sie ihr Ziel in Kleinstädten sowie in Städten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern, nämlich im Schnitt nach 25 Minuten. "Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen B-Städte-Diskussionen unter Investoren können kleinere Metropolen bei den Arbeitswegen bei den Bürobeschäftigten punkten. Sie sind groß genug, um ausreichend Arbeitsplätze anzubieten, aber kompakt genug um den Arbeitsweg kurz zu halten. Offensichtlich entsprechen die kleineren Metropolen in Deutschland damit einem idealen Bürostandort für die Arbeitnehmer", lautet Scheunemanns Analyse.

Gastronomie in der Nähe ist wichtig

Wegezeiten wollen Arbeitnehmer auch mittags sparen. Deswegen hält jeder Zweite gastronomische Angebote in der Mittagspause für wichtig. Besonders die jüngeren Befragten unter 35 Jahren legen Wert auf Kantinen, Restaurants oder Cafés. Auch die Wege zur Kinderbetreuung sollten möglichst kurz sein: Ein Viertel der Befragten und mehr als 30% der ostdeutschen Arbeitnehmer erwarten Kindergärten oder Kinderkrippen in der Nähe ihres Arbeitsortes. Das sei besonders für Arbeitnehmer im Familiengründungsalter bis 34 Jahre ein wichtiges Standortkriterium, heißt es in der Pressemitteilung zur Umfrage. "Für die Zukunft des Arbeitens werden Zeit und Familie diejenigen Kriterien sein, die einen Mitarbeiter verstärkt dazu bewegen, im Unternehmen zu bleiben. Unternehmen, die auf der Suche nach motivierten und zufriedenen Mitarbeitern sind, sollten bei potenziellen Standortverlagerungen diese Kriterien unbedingt berücksichtigen", sagt Scheunemann.

Der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten werde für viele Unternehmen künftig ebenfalls eine zentrale Herausforderung sein, sagt Scheunemann. Denn schon jetzt glauben 74% der Befragten, dass sich dadurch ihre Work-Life-Balance verbessern ließe. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer wünsche sich aus diesem Grund kürzere Wege zur Arbeit. Doch zu einem Umzug sind dafür nur wenige bereit: Zwei Drittel der befragten Bürobeschäftigten würden aktuell keinerlei Interesse zeigen in eine Großstadtregion umzuziehen, sagt Scheunemann. "Das ist umso ausgeprägter, wenn Kinder im Haushalt leben, hier steigt die Nicht-Umzugsbereitschaft auf 77%."

Sonja Smalian

Umfrage zur FM-Ausbildung

Karriere 27.11.2014
Sonja Smalian

Herr Professor, ist der Stoff klausurrelevant?

Wissen ist wichtig. Doch die Studienzeit sollte auch für Aktivitäten jenseits von Hörsaal und Bibliothek genutzt werden, dazu raten selbst die Hochschullehrer und Akademieleiter.

Wissen ist wichtig. Doch die Studienzeit sollte auch für Aktivitäten jenseits von Hörsaal und Bibliothek genutzt werden, dazu raten selbst die Hochschullehrer und Akademieleiter.

Bild: Robert Kneschke/Fotolia.com

Karriere 27.11.2014
Gute Noten und ein Studienabschluss innerhalb der Regelstudienzeit sind die Zielmarken, an denen sich viele Studenten orientieren. Doch zu einem erfolgreichen Studium gehört viel mehr. Wie die ... 

Gute Noten und ein Studienabschluss innerhalb der Regelstudienzeit sind die Zielmarken, an denen sich viele Studenten orientieren. Doch zu einem erfolgreichen Studium gehört viel mehr. Wie die Zeit an der Hochschule am besten genutzt werden sollte und was erfolgreiche Studenten auszeichnet, verraten sechs Experten. Sie nehmen auch die Unternehmen in die Pflicht.

Fachwissen wird nach dem Abschluss eines Studiums vorausgesetzt. Aber es ist nicht das Entscheidende. Wer hingegen aus der Masse positiv herausstechen möchte, der sollte während der Studienzeit auch mal über den Tellerrand hinausschauen. Hinter diesem Schlagwort verstecken sich ganz unterschiedliche Aktivitäten, die von der Organisation einer Hochschulveranstaltung über ein Ehrenamt bis zum Auslandsaufenthalt reichen können. Die Studierenden beweisen damit ihr Engagement und ihre intrinsische Motivation - und schärfen nebenbei auch ihre Persönlichkeit.

Wer eine gute Idee habe und Hilfestellung bei der Umsetzung brauche, der dürfe seinen Hochschullehrer auch von sich aus ansprechen und nach Unterstützung fragen, sagt Dr. Susanne Ertle-Straub, Professorin an der HAWK Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Holzminden. Denn neben dem Lehrplan lassen sich an Hochschulen auch andere Kompetenzen erlernen, beispielsweise wie ein Unternehmen angeschrieben werden muss, um es für eine Aktion zu gewinnen.

"Das Studium hat heute einen Tauschwert", sagt Prof. Dr. Hanspeter Gondring von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Stuttgart. "Ich tausche Zeugnis gegen Jahresgehalt." Doch die Basis eines Studiums sollte der Spaß an der Wissensaufnahme sein. Auch eine gute Allgemeinbildung hält Gondring für wichtig - und ausbaubar. Gute Studenten zeichnet neben Interesse am Fach und Spaß am Lernen auch die Beteiligung in den Veranstaltungen aus. So ein Verhalten lässt auch die Herzen der Hochschullehrer höher schlagen. "Wir bieten kein Online-Studium, sondern ein Kontaktstudium", sagt Prof. Dr. Regina Zeitner von der HTW Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sie wünscht sich mehr Studenten, die mitdenken, mitmachen und die Diskussion anregen, statt sich einfach nur "bedienen" zu lassen. Zumal kaum etwas so demotivierend auf Hochschullehrer wirkt wie die Frage, ob der soeben vorgestellte Lehrstoff denn klausurrelevant sei. Auch wenn diese Selektion vonseiten der Studenten angesichts großer Stofffülle und kontinuierlicher Prüfungen durchaus nachvollziehbar ist.

Um den Stoff zu bewältigen, empfehlen die Hochschullehrer jedoch ein anderes Mittel: die Lerngruppe. Zum einen könnte in der Gruppe die Arbeit gut aufgeteilt und Aufgaben gemeinsam gelöst werden. Wenn in der Vorlesung nur die Folien abgelesen werden, muss vielleicht nicht jeder aus der Arbeitsgruppe anwesend sein. Zum anderen können etwaige Motivationsschwächen im Team besser bewältigt werden. Außerdem bekomme ein Team einfach mehr mit, betont Prof. Dr. Manfred Helmus von der Bergischen Universität Wuppertal. Eine Lerngruppe ist auch bei einem berufsbegleitenden Studium wichtig. Deswegen klärt Dr. Hans-Michael Brey, geschäftsführender Vorstand der BBA - Akademie der Immobilienwirtschaft, Berlin, schon vor Beginn des berufsbegleitenden MBA-Studiums, ob die Teilnehmer dazu bereit sind. Denn das Team hilft auch dabei, im Zeitplan zu bleiben und die Prüfungen kontinuierlich abzulegen. Ein typischer Fehler sei, die Dinge auflaufen zu lassen, sagt Brey. Termintreue beschwört auch Zeitner als unabdingbar, denn es gebe nur wenig Raum, versäumte Prüfungen in späteren Semestern nachzuholen.

Auch die Finanzierung raubt vielen Studenten wertvolle Lernzeit. Die Such nach Stipendien lohnt sich aber. Das Deutschlandstipendium werde gar nicht genug in Anspruch genommen, sagt Helmus. Wer während des Studiums arbeiten muss, der sollte sich einen Job suchen, der zum Fach passt, rät Helmus. Denn dann erhöhe der Nebenjob auch die Motivation und erweitere das eigene Netzwerk. Wer nichts Passendes findet, der sollte seinen Hochschullehrer ansprechen.

Die Unternehmen spielen bei berufsbegleitenden und dualen Studiengängen ebenfalls eine wichtige Rolle für den Studienerfolg. Von ihnen wünscht sich Brey, dass sie ihren Angestellten mehr zeitliche Flexibilität zugestehen. Insbesondere während der Prüfungsphasen.

Das eigene Engagement kann die jungen Menschen auch auf falsche Pfade lenken. "Die guten Leute sind die, die Fehler korrigieren", sagt Dr. Nico B. Rottke, Professor an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. Dazu gehöre u.a. auch ein Wechsel des Studienschwerpunkts, wenn dem Studenten das gewählte Thema doch nicht liegt. Das sei auch eine wichtige Lernerfahrung, die sich der Student eingestehen muss.

Sonja Smalian