Karriere-News

Keine Angst vor dem Berufseinstieg

Munteren Schrittes geht der Nachwuchs auf die Branche zu: 86% der
Studenten im Erststudium haben keine Angst vor dem Berufsanfang und
schätzen ihre Chancen auf direkten Einstieg nach dem Studium als gut bzw.
sehr gut ein.

Munteren Schrittes geht der Nachwuchs auf die Branche zu: 86% der Studenten im Erststudium haben keine Angst vor dem Berufsanfang und schätzen ihre Chancen auf direkten Einstieg nach dem Studium als gut bzw. sehr gut ein.

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Karriere 30.08.2012
Angst vor der Zukunft haben die Studenten nicht, wie die Umfrage zur diesjährigen Joboffensive zeigt. Mit Schwierigkeiten beim Übergang in den Beruf rechnen nur 2% der Befragten im ... 

Angst vor der Zukunft haben die Studenten nicht, wie die Umfrage zur diesjährigen Joboffensive zeigt. Mit Schwierigkeiten beim Übergang in den Beruf rechnen nur 2% der Befragten im Erststudium. Und auch die Mehrheit der Studenten im Aufbaustudium erwartet eine positive Entwicklung der Karriere. Die Zuversicht der Studenten könnte auch darin begründet sein, dass die Branche für sie keine Blackbox ist, denn sie haben bereits während des Studiums zahlreiche Kontakte geknüpft - und jeder Dritte hat bereits eine feste Jobzusage in der Tasche.

Wie der Einstieg in die Arbeitswelt im Einzelfall gelingt, kann niemand vorhersagen. Doch bange machen lassen sich die Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Fächer vor diesem großen Schritt noch lange nicht. Sie blicken positiv in die Zukunft, wie die diesjährige Umfrage zur Joboffensive zeigt: 86% der 436 Studenten im Erststudium bewerten ihre Chancen auf einen direkten Einstieg in den Beruf nach dem Studium als sehr gut bzw. gut - und damit noch mehr als im Vorjahr (82%). Als eher schlecht oder schlecht sehen sie hingegen nur 2% an.

Auch die 278 Studenten im Aufbaustudium glauben an einen Karriere- bzw. Gehaltssprung nach dem Abschluss ihres jetzigen Studiums: Jeder Fünfte rechnet damit, dass sich sein Gehalt innerhalb der nächsten 24 Monate durch die Weiterbildung sehr stark verbessern wird, und 65% rechnen immerhin mit einer (leichten) Verbesserung. Fast identisch, aber um einen Prozentpunkt schwächer ausgeprägt, ist die Einschätzung der Funktionsverbesserung. Auch hier glauben die Studenten an den Erfolg ihres Aufbaustudiums. Dies könnte auch erklären, warum zwei Drittel der befragten Studenten ihr Aufbaustudium aus der eigenen Tasche bezahlen. Nur bei jedem Zehnten finanziert der Arbeitgeber die Weiterbildung vollständig und bei jedem Fünften beteiligt er sich zumindest an den Kosten.

Immo-Studenten positiver eingestellt als andere Studenten

Mit der Einschätzung zu ihrer Zukunft sind die Studenten der Immobilienwirtschaft deutlich positiver eingestellt als der bundesdeutsche Durchschnitt: "Nur" 71% von ihnen bewerten ihre Chancen für den eigenen Berufseinstieg als gut oder sehr gut, und jeder Fünfte äußert sich skeptisch, wie eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt.

Dass die Studenten der Immobilienwirtschaft keine Angst vor dem Berufseinstieg haben, dürfte auch den zahlreichen Branchenkontakten während der Studienzeit geschuldet sein: 38% der Studenten sind bereits von einem potenziellen Arbeitgeber angesprochen worden. Und zu knapp jeder fünften Nachwuchskraft haben bereits Personalberater Kontakt gesucht.

Frauen haben beim professionellen Netzwerken noch Nachholbedarf und müssen sich stärker engagieren. Denn während Unternehmen bereits auf 42% der Studenten aufmerksam geworden und auf diese zugegangen sind, berichten davon nur 34% der Studentinnen. Noch deutlicher ist der Unterschied beim Kontakt zu Personalberatern: 21% der Studenten wurden bereits angesprochen, aber nur 13% der Studentinnen.

Ein Drittel der Studenten hat bereits eine feste Jobzusage

Die positive Einschätzung ihrer beruflichen Einstiegschancen kommt nicht von ungefähr: Auffällig viele Immo-Studenten haben vor ihrem Abschluss schon eine feste Jobzusage in der Tasche, und zwar jeder Dritte (34%). Eine Zahl, die in den vergangenen Jahren erfreulich konstant geblieben ist. Als besonders erfolgreich erweisen sich auf dem Weg zum Arbeitsvertrag dabei Vereinbarungen mit dem aktuellen Arbeitgeber, z.B. bei berufsbegleitend Studierenden oder über Werkstudententätigkeiten, Praktika etc. In weiteren 9% der Fälle waren es ebenfalls die Arbeitgeber, die aktiv auf die Studenten zugekommen sind. Bei den Männern ist diese Quote mit 12% doppelt so hoch wie bei den Frauen, die hier ihren männlichen Kommilitonen hinterherhinken. Auch der Klassiker, die Bewerbung, ist nach wie vor ein erfolgversprechendes Mittel: In 9% der Fälle hat sie zum Job geführt.

Jedes zweite Unternehmen erhält zu wenige gute Bewerbungen

Und Bewerbungen kann die Wirtschaft brauchen: 42% der deutschen Unternehmen haben Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden. Damit liegen die deutschen Arbeitgeber acht Prozentpunkte über dem weltweiten Durchschnitt. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie Fachkräftemangel 2012 des Personalberatungsunternehmens ManpowerGroup.

Auch die 86 bei der Joboffensive befragten Immobilienunternehmen zeigen sich nicht zufrieden mit der Bewerbersituation: Jedes zweite Unternehmen ist unzufrieden mit der quantitativen Resonanz auf seine ausgeschriebenen Stellen. Auch bei den Initiativbewerbungen würden sich 50% der Unternehmen über mehr Bewerbungseingänge freuen, jedem zehnten sind es jedoch jetzt schon zu viele. Viel Raum, um positiv zu überzeugen, gibt es in puncto Qualität, denn 39% der eingehenden Unterlagen überzeugen nicht. Besonders unzufrieden zeigen sich die Personaler aus den beiden Segmenten Asset-Management/Vermögensverwaltung sowie Immobilienmanagement/-verwaltung. Dort fällt jede zweite Bewerbung qualitativ durch.

TIPP

Sie sind auf der Suche nach dem ersten, zweiten oder dritten Job, einem Praktikum, einer Werkstudententätigkeit oder einem praxisrelevanten Thema für die Abschlussarbeit? Auf dem IZ-Karriereforum für die Immobilienwirtschaft können Studenten, Absolventen und Young Professionals direkt Kontakte zu Personalverantwortlichen und Fachkräften von mehr als 30 Immobilienunternehmen knüpfen. Zahlreiche Unternehmenspräsentationen und ein umfangreiches Vortragsprogramm zu Karrieremöglichkeiten in der Immobilienwirtschaft ergänzen die Jobmesse. Integriert in die Job- und Karrieremesse ist der RICS-Hochschultag. Das nächste IZ-Karriereforum findet voraussichtlich am Samstag, 15. Juni 2013 in Frankfurt am Main statt. Infos zu der Veranstaltung unter www.iz-jobs.de/Karriereforum.

Sonja Smalian

Mehr Geld gibt es nicht, aber auch nicht weniger

Ist das Gehaltssäckchen in diesem Jahr genauso schwer wie das aus dem
letzten? Stimmt genau! Das durchschnittliche Einstiegsgehalt hat sich
gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Lediglich in einzelnen Segmenten
gibt es Gehaltszuwächse zu verzeichnen.

Ist das Gehaltssäckchen in diesem Jahr genauso schwer wie das aus dem letzten? Stimmt genau! Das durchschnittliche Einstiegsgehalt hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Lediglich in einzelnen Segmenten gibt es Gehaltszuwächse zu verzeichnen.

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Karriere 30.08.2012
Mehr Geld gibt es in diesem Jahr für Berufseinsteiger in der Immobilienbranche nicht, so lautet die schlechte Nachricht für den Nachwuchs aus der diesjährigen IZ-Umfrage im Rahmen der ... 

Mehr Geld gibt es in diesem Jahr für Berufseinsteiger in der Immobilienbranche nicht, so lautet die schlechte Nachricht für den Nachwuchs aus der diesjährigen IZ-Umfrage im Rahmen der Joboffensive. Die Studenten erhalten aber auch nicht weniger, heißt die gute Nachricht. Im Schnitt sind die Gehälter also unverändert geblieben, auch wenn in bestimmten Segmenten die Unternehmen vereinzelt etwas draufgelegt haben. Obwohl die Berufseinsteiger mit einem immobilienwirtschaftlichen Abschluss nach wie vor ein echtes Pfund in den Händen halten, haben sie ihre Gehaltswünsche leicht nach unten korrigiert.

Die Gehälter für Berufseinsteiger sind gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben. Der Durchschnittswert stieg lediglich um ein Viertelprozent auf 33.831 Euro. Das entspricht einem Plus von 86 Euro - zu wenig, um in Freude auszubrechen. Damit haben sich die Gehälter nach der Krise nun auf einem niedrigeren Level konsolidiert. Das diesjährige Durchschnittsgehalt liegt nur 471 Euro über dem des Krisenjahres 2009 (33.360 Euro) und weiterhin 1.580 Euro unter dem bislang höchsten Wert aus dem Jahr 2003. Das zeigen die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage im Rahmen der Joboffensive, an der sich 86 Immobilienunternehmen beteiligt haben. 91% von ihnen haben Angaben zu ihren Gehaltsofferten für Berufseinsteiger gemacht.

Die verschiedenen Branchensegmente rufen unterschiedliche Einstiegsvergütungen auf, die insgesamt zwischen rund 31.800 Euro und 39.500 Euro schwanken. Am wenigsten gibt es in diesem Jahr bei den Facility-Managern bzw. Gebäudetechnikern. Sie offerieren im Schnitt nur 31.804 Euro. Etwas mehr legen die Immobilienmanager und -verwalter hin und zahlen im Schnitt 32.964 Euro. Die höchsten Gehälter werden jedoch im Investment geboten: 39.540 Euro. Das zweitattraktivste Einstiegsgehalt rufen die Asset-Manager/Vermögensverwalter auf (36.964 Euro).

Ordentliche Gehaltszuwächse im Segment Entwicklung/Planung/Bau

Auch wenn sich das Durchschnittsgehalt in diesem Jahr nur unmerklich verändert hat, ein Blick auf die verschiedenen Segmente offenbart doch deutliche Veränderungen, nach oben und nach unten. So haben Projektentwickler und -steuerer, Bauunternehmen, Bauträger sowie Architektur- und Ingenieurbüros in diesem Jahr eine große Schippe Geld draufgelegt: Fast 20% mehr gibt es in diesem Jahr für Einsteiger im Schnitt; das sind 36.538 Euro. Besonders gesucht sind offenbar Bachelor-Absolventen sowie Master-/Diplom-Absolventen mit Immobilienspezialisierung. Denn ihre Gehälter wurden um 25% bzw. 21% auf 39.157 Euro bzw. 43.364 Euro angehoben.

Ein anderes Bild zeigt sich in diesem Jahr bei den Immobilien-Dienstleistern, die leicht auf die Gehaltsbremse getreten sind. Die Immobilienberater, Researcher und Gutachter haben ihre Einstiegsgehälter um knapp 3% nach unten korrigiert. Von dieser Entwicklung sind besonders die Auszubildenden sowie Bachelor-Absolventen mit Immobilienspezialisierung betroffen. Sie erhalten im Schnitt noch 26.922 Euro bzw. 34.755 Euro.

Wie auch schon in den Jahren zuvor, lassen sich in den Gehaltsofferten bestimmte Muster erkennen: Höhere akademische Abschlüsse, die im Schnitt auch mit einer längeren Ausbildungsdauer einhergehen, werden besser vergütet. Je nach Ausbildungsgrad der Berufseinsteiger liegt die Vergütung zwischen rund 27.700 Euro für eine immobilienspezifische Berufsausbildung und 39.000 Euro für einen immobilienspezifischen Masterabschluss. Unterschieden wird in der Umfrage zur Joboffensive zwischen sechs Abschlüssen: immobilienspezifische Berufsausbildung (Lehre), Abschluss an einer Berufsakademie (duales Studium), allgemeiner bzw. immobilienspezifischer Bachelor-Abschluss von einer Hochschule bzw. Universität sowie allgemeiner/s bzw. immobilienspezifischer/s Master/Diplom einer Hochschule bzw. Universität.

Je höher der Abschluss, desto mehr Geld gibt es

Die Gehaltssprünge zwischen den einzelnen Abschlussarten sind mitunter erheblich: So erhält der Absolvent einer Berufsakademie rund 13% (3.729 Euro) mehr als ein ausgebildeter Lehrling. Wer einen allgemeinen Bachelor von einer Hochschule oder Universität in der Tasche hat, bekommt im Schnitt ca. 6% mehr Einstiegsgehalt angeboten als der Absolvent einer Berufsakademie, obwohl dieser formell in den meisten Fällen auch einen Bachelor-Abschluss erworben hat. Einen Sonderfall stellen hier die ehemaligen Berufsakademien in Baden-Württemberg dar: Mit der Namensänderung in Duale Hochschule Baden-Württemberg haben sie auch den Rang einer Hochschule erworben. Im Unterschied zu Fachhochschulen bilden sie aber weiterhin nach dem dualen System aus.

Die Gehaltsdifferenz zwischen einem allgemeinen Bachelorabschluss und einem allgemeinen Masterabschluss beträgt etwa 11% (3.481 Euro). Die zwei zusätzlichen Jahre im Hörsaal werden von den Unternehmen der Immobilienwirtschaft also honoriert. Das ist jedoch branchenübergreifend nicht so. Zwei Drittel der deutschen Unternehmen nehmen diese Unterscheidung nicht vor, wie eine Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft zeigt.

Über die höchsten Gehaltssteigerungen mit einem Plus von fast 4% können sich in diesem Jahr die Absolventen von Berufsakademien freuen: Sie bekommen im Schnitt 31.471 Euro. Die Einstiegsgehälter dieser Absolventengruppe hatten in den vergangenen Jahren stark geschwankt. Am zweitstärksten sind in diesem Jahr die Gehälter von Absolventen eines allgemeinen Master- oder Diplom-Studiengangs gestiegen. Sie erhalten rund 3% mehr und damit im Schnitt 36.732 Euro.

Auch wenn die diesjährigen Ergebnisse sicherlich keinen großen Grund zum Jubeln geben, sie bieten auch keinen zum Weinen. Denn ein Vergleich der Durchschnittsgehälter für die sechs verschiedenen Abschlussarten offenbart zumindest keine Gehaltsabstriche. Am wenigsten zugelegt haben die Einstiegsgehälter von Absolventen einer immobilienspezifischen Lehre (0,6%), dicht gefolgt von Absolventen eines allgemeinen Bachelor-Studiums (0,7%) wie z.B. Betriebswirtschaftslehre.

Mehr Geld gibt es für immobilienspezifisches Fachwissen

Ein echtes Pfund haben die Absolventen immobilienspezifischer Studiengänge in der Hand. Denn Immobilien-Know-how wird von den Arbeitgebern der Branche finanziell honoriert. Von diesem Trend können Bachelor-Absolventen besonders stark profitieren. Sie erhalten im Jahr für ihr fachspezifisches Wissen rund 8% (2.580 Euro) mehr Gehalt als ihre Kommilitonen mit einem allgemeinen Abschluss. Diese Differenz hat sich gegenüber dem Vorjahr um rund 380 Euro vergrößert.

Wer sein Master- oder Diplom-Studium mit Immobilienspezialisierung absolviert hat, darf sich immerhin noch über ein rund 6% höheres Einstiegsgehalt (+2.238 Euro) als Absolventen ohne Immobilienspezialisierung freuen. Nachdem in den vergangenen beiden Befragungen die Differenz kontinuierlich auf knapp 3.000 Euro gestiegen war, fällt sie nun in diesem Jahr wieder geringer aus.

Fast sieht es so aus, als hätten die Studenten die Konsolidierung der Gehaltsangebote vorhergesehen - und schon vorausschauend ihre Gehaltswünsche diesem Trend angepasst. Um 2% haben Studenten im Erststudium ihre Gehaltsvorstellungen gegenüber dem Vorjahr nach unten geschraubt, und um sogar 7% die Studenten im Aufbaustudium. Sie glauben, dass sie bei realisticher Einschätzung durchschnittlich 37.009 Euro bzw. 46.648 Euro erzielen können. Damit liegen die Studenten im Erststudium deutlich über den durchschnittlichen Gehaltsangeboten für einen immobilienspezifischen Bachelor-Abschluss.

Studentinnen wollen weniger Geld als Studenten

Wie auch schon in den Vorjahren liegen die Studentinnen weit hinter den Gehaltsvorstellungen ihrer männlichen Kommilitonen zurück, und zwar um 12% im Erststudium und um 19% im Aufbaustudium. Damit hat sich die Schere gegenüber dem Vorjahr sogar noch vergrößert (9% bzw. 18%).

Warum backen Studentinnen so viel kleinere Brötchen, dass sie bei der Frage nach dem realistisch erzielbaren Gehalt auf ganz andere Werte als die Männer kommen? Zumal die Diskussion um die Frauenquote und "Equal Pay" aktuell geführt wird. Es kann sein, dass das traditionelle Rollenbild von Frauen immer noch so tief in den Köpfen verankert sei und auch die jungen Frauen unbewusst beeinflusse, sagt Carolin Eichholz. Sie ist seit mehr als zehn Jahren als Coach in der Immobilienwirtschaft beratend tätig, und kennt Kniffe, wie die mentalen Schranken beim Bewerbungsgespräch hochgeklappt werden können (siehe "3 Fragen an Carolin Eichholz" auf dieser Seite links).

Denn eines ist klar, wer sich "billiger" verkauft - die Differenz macht immerhin im Erststudium 4.810 Euro und im Aufbaustudium 9.855 Euro aus -, ist nicht unbedingt begehrenswerter. Das kennt der mündige Konsument von seinem eigenen Einkaufsverhalten. Wer sein Wissen zu einem niedrigen Wert verkauft, schadet im Zweifelsfall nur sich selbst und kommt aus der Nummer auch nicht so schnell wieder raus. Denn so etwas merken sich Chefs - zu ihren eigenen Gunsten.

3 Fragen an Carolin Eichholz

#B2V4L#

Frau Eichholz, warum äußern Studentinnen niedrigere Gehaltswünsche als ihre männlichen Kommilitonen?

Ich vermute, dass kollektiv in unserer Gesellschaft ein niedrigerer Wert für Frauenarbeit gespeichert ist als für Männerarbeit. Es ist sozusagen das "schwerer zu vermarktende Produkt". Das traditionelle Rollenbild von Frauen ist offensichtlich immer noch tief verankert und beeinflusst Menschen unbewusst, auch die jungen Frauen. Wer der Befragungsteilnehmerinnen hat schon eine Karrierefrau als Mutter?

Wie können Studentinnen vielleicht ihre mentalen Schranken überwinden, bevor sie ins Bewerbungsgespräch gehen?

Sie müssen vor allem lernen, einzig ihre Leistungen und ihre Fähigkeiten zu vermarkten und das Wissen um geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gehaltsforderungen ignorieren. Eine sehr effektive Methode dafür ist die Tresor-Übung. Emotionen und Gedanken, die bei einem Gehaltsgespräch stören könnten, schließt man vorher in einem mentalen Tresor ein. Nach dem Gespräch holt man sie dann wieder hervor und kann diese bearbeiten.

Wie wirken zu niedrige oder zu hohe Gehaltsforderungen auf den Personaler?

Als ich noch Personalerin war, sind Bewerber bei mir nicht gescheitert, weil sie zu hohe oder zu niedrige Gehaltsforderungen aufgerufen haben. Dennoch kann ich nur jedem raten, zunächst seine Einstellung zum Geld zu klären und sich dann genau über die Gehaltsspannen für die Position, die ihn interessiert, zu informieren. Im dritten Schritt sollte man mit einem gesunden Selbstwertgefühl den eigenen Gehaltswert bestimmen. Dabei müssen Studentinnen lernen, sich wie ihre männlichen Mitbewerber nur auf die relevanten Fakten eines Gehaltsgesprächs zu konzentrieren. (sma)

Carolin Eichholz arbeitet seit 2001 als Coach und ist Inhaberin von immocoach.

Sonja Smalian

Die Personalsuche geht weiter

Bewerbungsgespräche werden die Immobilienunternehmen auch künftig viele
führen, denn jedes zweite Unternehmen will sich bis zum Frühjahr 2013
personell vergrößern.

Bewerbungsgespräche werden die Immobilienunternehmen auch künftig viele führen, denn jedes zweite Unternehmen will sich bis zum Frühjahr 2013 personell vergrößern.

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Karriere 30.08.2012
Jedes zweite Immobilienunternehmen sucht neue Mitarbeiter. Diese Nachricht dürfte viele Studenten und Young Professionals freuen. Dennoch sind die Zahlen ein wenig verhaltener als noch in den ... 

Jedes zweite Immobilienunternehmen sucht neue Mitarbeiter. Diese Nachricht dürfte viele Studenten und Young Professionals freuen. Dennoch sind die Zahlen ein wenig verhaltener als noch in den beiden Vorjahren. Für die Branche insgesamt prognostizieren noch 37% der Personaler einen weiteren Stellenaufbau.

Jedes zweite Immobilienunternehmen will bis zum Frühjahr 2013 neues Personal einstellen. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Umfrage zur Joboffensive, an der 86 Unternehmen der Immobilienwirtschaft teilgenommen haben. Seit zwölf Jahren führt die Immobilien Zeitung diese Arbeitsmarkt- und Gehaltsanalyse durch. Auch wenn 48% der befragten Unternehmen Personal einstellen wollen, so bleibt der Wert doch hinter den Ergebnissen aus den beiden Vorjahren zurück: 2011 wollten noch 55% der Befragungsteilnehmer den Personalbestand erhöhen und 2010 waren es 49%.

Diese etwas verhaltenere Einschätzung spiegelt sich auch in den Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) wider. Dieses meldete im ersten Quartal 2012 auf dem ersten Arbeitsmarkt insgesamt 965.000 offene Stellen und damit rund 90.000 Stellen weniger als im Vorjahr. "Die durch die europäische Schuldenkrise ausgelöste Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung führt in nicht wenigen Betrieben zu einem eher kurzfristigen Planungshorizont bei Stellenbesetzungen", erklärte die IAB-Arbeitsmarktexpertin Anja Kettner. Für die kommenden zwölf Monate waren die Erwartungen der Arbeitgeber über ihre Beschäftigungsentwicklung insgesamt aber weiterhin optimistisch. So rechnen 20% aller vom IAB befragten Unternehmen für diesen Zeitraum mit einem Beschäftigungszuwachs im eigenen Betrieb und nur 5% mit einem Personalabbau.

In der Immobilienbranche hingegen planen mehr als doppelt so viele Immobilienunternehmen eine Vergrößerung ihrer Teams, und beim Status quo wollen es 42% belassen, zeigt die IZ-Umfrage. Bei der Interpretation der Daten sollte bedacht werden, dass sich an der Umfrage zur Joboffensive wahrscheinlich eher Unternehmen beteiligen, die Personal suchen, als solche, die abbauen. Doch auch die gibt es: Wie im Vorjahr plant jedes zehnte Immobilienunternehmen Personalabbau und damit doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Mit Personalabbau rechnen u.a. Unternehmen aus dem Bereich Investment.

Das muss jedoch nicht in jedem Fall Entlassungen bedeuten. 13% der befragten Unternehmen hatten in den vergangenen zwölf Monaten ihre Beschäftigtenzahl verringert, und zwar vor allem über natürliche Fluktuation (91%) und Vorruhestands-/Altersteilzeit-Regelungen (64%). Aufhebungsverträge (36%) und Entlassungen (18%) werden erst an dritter und vierter Stelle als Maßnahmen genannt. Insgesamt wechselten in Deutschland jährlich rund 5% der etwa 40 Mio. Arbeitnehmer ihre Stelle, heißt es in einer Studie von Roland Berger.

37% der Personaler rechnen mit Personalaufbau in der Branche

Was die Entwicklung in der Immobilienbranche insgesamt angeht, ist die Einschätzung der Personalverantwortlichen deutlich zurückhaltender als für das eigene Unternehmen. 37% rechnen damit, dass die Branche in den kommenden zwölf Monaten bis zum Frühjahr 2013 ihren Personalstand erhöhen wird. Knapp die Hälfte (48%) geht davon aus, dass der Personalstand unverändert bleibt, und jeder Sechste glaubt, dass Personal abgebaut werden wird. Damit fällt die Prognose der Personalexperten zum Personalaufbau in diesem Jahr deutlich negativer aus und liegt 19 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2011: Damals gingen noch 56% der Personalverantwortlichen von einem Personalaufbau der Branche aus. Je nach Segment unterscheiden sich die Einschätzungen der HR-Experten mitunter deutlich. Personalaufbau prognostizieren vor allem Personaler von FM- bzw. Gebäudetechnik-Unternehmen, während ihre Kollegen bei Projektentwicklern, Projektsteuerern und Bauträgern (Segment: Entwicklung/Planung/Bau) sowie bei Immobilienmanagern und -verwaltern eher mit einem gleichbleibenden Personalbestand rechnen. Einzig die Unternehmen aus dem Bereich Investment sind pessimistisch und gehen überwiegend von Personalabbau in der Branche aus.

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern sind vor allem Unternehmen aus den vier Segmenten Entwicklung/Planung/Bau, Asset-Management/Vermögensverwaltung, Facility-Management/Gebäudetechnik sowie Immobilien-Dienstleister. Am stärksten suchen Unternehmen aus dem Segment Entwicklung/Planung/Bau Personal: 71% von ihnen wollen sich in den kommenden zwölf Monaten verstärken. Im vergangenen Jahr war der Personalbedarf des Segments allerdings noch höher gewesen (86%). An zweiter Stelle kommen die Asset-Manager/Vermögensverwalter, von denen 70% auf Mitarbeitersuche sind. Etwas gedeckelt sieht es in diesem Jahr bei den Facility-Managern und Gebäudetechnikern aus: Hier will sich nur jedes zweite Unternehmen personell verstärken (Vorjahr 78%). Auch unter den Immobilien-Dienstleistern - dazu zählen Marktforscher, Berater und Gutachter - stehen die Zeichen auf Personalaufbau.

Für jede vierte offene Stelle werden Berufseinsteiger gesucht

Berufseinsteiger dürfen sich freuen: Jede vierte offene Stelle ist für sie reserviert. Das sind allein bei den 86 befragten Unternehmen 547 Stellen, also rechnerisch 6,3 Stellen je Unternehmen. Insgesamt prognostizieren die Personaler einen Personalbedarf von 2.061 Stellen in den nächsten sechs Monaten, davon 1.350 für Berufserfahrene und 164 für Führungskräfte. Die meisten offenen Stellen gibt es bei den FM-Unternehmen: 120 davon meldet jedes Unternehmen im Schnitt, doch darunter dürften nicht nur welche für Akademiker sein. Einen durchschnittlichen Personalbedarf von vier Stellen je Unternehmen melden die Asset-Manager und die Immobilien-Dienstleister.

Über verschiedene Kanäle parallel suchen Immobilienunternehmen ihren Nachwuchs: Am häufigsten setzen sie dabei auf die Vergabe von Praktikumsplätzen, d.h. sie schaffen die Möglichkeit, aus einem Pool von ihnen bereits bekannten Studenten zu rekrutieren. Am zweithäufigsten findet jedoch der Klassiker Anwendung, die Stellenanzeige. Zudem sind drei Trends auffällig. Erstens gehen Unternehmen viel stärker aktiv auf den Nachwuchs zu.

Jedes dritte Unternehmen hat ein eigenes Bewerberportal

Und zweitens versuchen sie, durch Employer-Branding in der für sie interessanten Zielgruppe rechtzeitig vor der Bewerbungsphase präsent zu sein. So wirbt inzwischen jedes zweite Unternehmen auf Messen und anderen Veranstaltungen aktiv für sich. Und die Unternehmen präsentieren sich im Netz häufiger mit einem eigenen Bewerberportal (35%; Vorjahr: 22%). Der dritte Trend macht deutlich, dass die Immobilienfirmen viele Chancen nutzen, ihre Kandidaten in der Praxis besser kennenzulernen, bevor sie diese an Bord holen. Neben Praktika zählen dazu die Beschäftigung von Werkstudenten, die klassische Berufsausbildung sowie die Unterstützung von Abschlussarbeiten. Immer mehr Unternehmen bieten zudem ein duales Studium (36%) und ein Traineeship an (27%; Vorjahr: 17%). Damit kommen sie der Nachfrage entgegen, denn 94% der deutschen Hochschulabsolventen insgesamt können sich den Berufseinstieg über eine Traineestelle vorstellen.

Auch das duale Studium ist auf dem Vormarsch! Allein im Jahr 2011 betrug die Steigerungsrate bei den dualen Studiengängen rund 20% nach ca. 12% im Jahr davor, wie Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigen. Besonders deutlich gestiegen ist 2011 die Zahl der Kooperationen von Unternehmen, die gemeinsam mit einer Hochschule duale Studienplätze anbieten (+46%). Der Vorteil für die Studenten bei diesem Rekrutierungstrend: Wer schon einmal ein Unternehmen "von innen" erlebt hat, weiß bereits, wie ihm das Team, der Aufgabenbereich und die Unternehmenskultur gefallen- und kann sich somit leichter für oder gegen ein Jobangebot entscheiden.

Die Joboffensive 2012

Die Joboffensive ist eine Initiative der Immobilien Zeitung und wurde 2001 aus der Taufe gehoben. Ein wichtiges Element der Joboffensive ist die jährliche Arbeitsmarkt- und Gehaltsumfrage unter Unternehmen der Immobilienwirtschaft und Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge. Gefragt wird nach Personalbedarf der Unternehmen und Berufsplänen der Studenten sowie Anforderungen und Qualifikationen, Gehaltsangeboten und -wünschen. Schirmherrin der Joboffensive ist seit 2010 Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan. Alle Ergebnisse sind im aktuellen IZ-Karriereführer 2012/13 für die Immobilienwirtschaft aufgeführt, der soeben erschienen ist. Sponsoren der diesjährigen Joboffensive sind Aareal Bank, Bernd Heuer & Partner Human Resources, BNP Paribas Real Estate, DTZ, ECE, Gefma/Die Möglichmacher, Irebs Immobilienakademie, IVG Immobilien, KPMG, Messe München/Expo Real, mfi management für immobilien, Patrizia Immobilien und RGM. (sma) Info: www.izjobs.de/joboffensive.

Kurzsteckbrief Unternehmen

86 Unternehmen der Immobilienwirtschaft haben an der diesjährigen Umfrage zur Joboffensive teilgenommen. Jedes dritte Unternehmen gehört zum Bereich Immobilienmanagement/-verwaltung (36%). Damit ist dieses Segment deutlich stärker vertreten als im Vorjahr (25%). 14% sind den Immobilien- Dienstleistern zugeordnet, deren Anteil sich in diesem Jahr verringert hat (2011: 24%). Jeweils etwa jedes zehnte Unternehmen zählt zu einem der beiden Segmente Facility-Management/Gebäudetechnik bzw. Asset-Management/Vermögensverwaltung.

Auch bei den Größenverhältnissen hat sich die Zusammensetzung des Panels in diesem Jahr verändert: Die kleinen und mittelständischen Unternehmen stellen in diesem Jahr 55% der Befragungsteilnehmer. Im Vorjahr betrug ihr Anteil 67%. Die Gruppe der Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten hat anteilsmäßig zugelegt und jedes dritte Unternehmen fällt in diese Kategorie (2011: 13%). Insgesamt beschäftigen die befragten Unternehmen rund 84.000 Mitarbeiter. (sma)

Sonja Smalian

Trotz Krise noch expansiv

Bewerbungsmappen sind auch weiterhin willkommen: Jedes zweite deutsche Immobilienunternehmen will Personal einstellen.

Bewerbungsmappen sind auch weiterhin willkommen: Jedes zweite deutsche Immobilienunternehmen will Personal einstellen.

Bild: Fotolia.de/Robert Kneschke

Karriere 30.08.2012
Die Krise im Euroraum holt die deutsche Wirtschaft ein, so lautete die Prognose des DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Ende Juli dieses Jahres. Die Schuldenprobleme ... 

Die Krise im Euroraum holt die deutsche Wirtschaft ein, so lautete die Prognose des DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Ende Juli dieses Jahres. Die Schuldenprobleme vieler europäischer Länder und die Unsicherheit an den Finanzmärkten würden das Wirtschaftswachstum in Deutschland belasten. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hingegen bleibe robust, so die Einschätzung der Forscher. Das bestätigen auch die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage zur Joboffensive: Jedes zweite Immobilienunternehmen will bis zum Frühjahr 2013 weiteres Personal einstellen.

Trotz Krise bleibt die Personalpolitik der deutschen Immobilienbranche expansiv. Jedes zweite Immobilienunternehmen will bis zum Frühjahr 2013 neues Personal einstellen. Ihre Mitarbeiterzahl halten wollen 42% der befragten Personalverantwortlichen. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Umfrage zur Joboffensive, an der 86 Unternehmen der Immobilienwirtschaft teilgenommen haben. Seit zwölf Jahren führt die Immobilien Zeitung diese Arbeitsmarkt- und Gehaltsanalyse durch und befragt einmal jährlich neben den Unternehmen auch Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge zur Personalnachfrage, Einstiegsgehältern und Anforderungs- und Qualifikationsprofilen. Schirmherrin der Initiative ist Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan.

Die Gehälter für Berufseinsteiger stagnieren

Besonders expansiv zeigen sich Unternehmen aus den Segmenten Entwicklung/Planung/Bau, Asset-Management/Vermögensverwaltung, Facility-Management/Gebäudetechnik und Immobilien-Dienstleister. Auch die in Deutschland aktiven Maklerhäuser hegen große Expansionspläne und wollen sich dafür personell verstärken (siehe Artikel "Makler legen kräftig zu", IZ 34/12).

Auch wenn die aktuellen Ergebnisse sicherlich vielen künftigen Berufseinsteigern Mut machen, zeigt der Vergleich mit den Vorjahresergebnissen bessere Werte für 2011. Im vergangenen Jahr wollten noch 55% der Befragungsteilnehmer die Mitarbeiterzahl im eigenen Unternehmen erhöhen.

Auch die Personalnachfrage in der Immobilienwirtschaft insgesamt schätzen die Personaler in diesem Jahr verhaltener ein als noch 2011: Damals prognostizierten 56% einen weiteren Personalaufbau in der Branche, in diesem Jahr sind es nur noch 37%. Immerhin rechnen weitere 48% mit einer unveränderten Beschäftigungssituation (Vorjahr: 38%).

Unverändert sind auch die Gehaltsofferten der Unternehmen geblieben: 33.831 Euro gibt es im Durchschnitt für Berufseinsteiger, das sind nur 86 Euro mehr als 2011. Doch die verschiedenen Teilsegmente bieten je nach Qualifizierungsgrad mehr - und immobilienspezifisches Fachwissen zahlt sich für den Nachwuchs weiterhin aus.

Sonja Smalian

Auf Führungskräfte wartet der "heiße Stuhl"

Ca. Vier Wochen nach Antritt müssen sich die Führungskräfte von Patrizia Immobilien den Fragen ihrer Mitarbeiter stellen. Beim "heißen Stuhl" bleibt die Identität der Fragensteller verborgen.

Ca. Vier Wochen nach Antritt müssen sich die Führungskräfte von Patrizia Immobilien den Fragen ihrer Mitarbeiter stellen. Beim "heißen Stuhl" bleibt die Identität der Fragensteller verborgen.

Bild: Fotolia.de/Lom

Karriere 23.08.2012
Die Wirtschaft steht nicht still und auch nicht ihre Akteure, die Unternehmen. Sie verändern sich kontinuierlich. Erhöht sich das Tempo der Veränderungsprozesse jedoch, ist das eine ... 

Die Wirtschaft steht nicht still und auch nicht ihre Akteure, die Unternehmen. Sie verändern sich kontinuierlich. Erhöht sich das Tempo der Veränderungsprozesse jedoch, ist das eine Herausforderung nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Personalabteilung. Mit welchen zahlreichen Methoden Patrizia Immobilien seinen Wachstumsprozess intern begleitet, erläutert Personalleiter Peter Jaksch. Dabei setzt er auch auf so ungewöhnliche Methoden wie den "heißen Stuhl".

Patrizia Immobilien wächst: Neue Geschäftsfelder, neue Produkte, neue Investoren, neue Unternehmen und neue Auslandsmärkte sind in den letzten Jahren dazugekommen. Ursprünglich hatte das 1984 von Wolfgang Egger in Augsburg gegründete Unternehmen als Wohnungsprivatisierer angefangen, heute ist es auch im Gewerbebereich und im Fondsgeschäft tätig und ist vom Investment über die Projektentwicklung bis zum Asset-Management in vielen Geschäftsfeldern aktiv. Allein die Zahl der Assets under Management hat sich von einer halben Milliarde Euro im Jahr 2005 auf 7 Mrd. Euro in diesem Jahr erhöht. Doch nicht nur das Geschäftsvolumen ist gewachsen, sondern auch die Zahl der Mitarbeiter: 2002 zählte Patrizia 159 Beschäftigte, 2012 waren es dann schon 536. Wie werden die Mitarbeiter bei diesem Veränderungsprozess "mitgenommen"? Patrizia hat dafür auf mehrere organisatorische und kulturelle Bausteine gesetzt.

Begonnen wurde mit der Personalabteilung, die neue Kompetenzen zugesprochen bekam und damit zum aktiven Gestalter des Veränderungsprozesses wurde. Der Personalbedarf ist hoch und so wurde das Personalmarketing aktiv aufgebaut, denn allein im Frühsommer hatte das Unternehmen 70 Stellen ausgeschrieben.

Feuerprobe für Führungskräfte ist der "heiße Stuhl"

Für alle neuen Mitarbeiter gibt es einmal im Monat einen Einführungstag. Mit dabei ist auch ein Vertreter der Geschäftsführung. Wer eine Führungsrolle übernimmt - egal ob er intern oder von außen ins Unternehmen gewechselt ist -, auf den wartet nicht nur ein individueller Einarbeitungsplan, sondern auch der "heiße Stuhl". Vier bis sechs Wochen nach seinem Arbeitsbeginn muss sich die Führungskraft seinem Team noch einmal vorstellen und dabei auch preisgeben, was für ein Typ er oder sie eigentlich ist. Auch sein Team stellt sich ihm vor, dann geht es um Fach- und Sachthemen. Der Manager befragt sein Team, was aus deren Sicht gerade aktuell anliegt, und dann geht es für ihn auch schon auf den "heißen Stuhl". Das Werkzeug könnte auch heißen, "Was Sie schon immer über Ihre Führungskraft wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten". Alle Mitarbeiter schreiben ihre Fragen an den neuen Chef völlig anonym auf Karteikarten. Ein Moderator, meist jemand aus der Personalabteilung, sammelt die Karten mit den Fragen ein und stellt sie dann der Führungskraft im Beisein des Teams. Es gibt nur zwei Regeln: Erstens dürfen die Mitarbeiter alles fragen, was sie wollen. Und zweitens, darf die Führungskraft antworten, wie sie will. Wenn sie sagt, "das geht euch gar nix an", dann kommt die nächste Frage dran. Rückfragen sind nicht erlaubt. "Das ist schon immer ein Highlight, und es positioniert die Führungskraft in der Regel richtig gut", sagt Jaksch. Allerdings bereitet seine Abteilung die Chefs auch gut darauf vor, was für Fragen kommen könnten. Das reicht von der Erkundigung nach den Urlaubsgewohnheiten bis hin zu der Frage, welchen drei Mitarbeitern die Führungskraft eine Gehaltserhöhung geben würde. Witz, Charme und Schlagfertigkeit sind dann gefragt, um das Team auf sich einzuschwören. Das Schlimmste, was passieren kann, ist wenn die Führungskraft rumdruckst und rote Ohren bekommt. Jaksch sorgt dafür, dass die Manager vorher auch einmal über Themen nachdenken, die nur sie kennen. Die schwierigsten Kandidaten sind die, die sagen, "kein Problem, das mach' ich schon" (siehe Artikel "Onboarding auch für Profis").

Das ist nur eine von vielen Maßnahmen, die darauf zielen, die Unternehmenskultur während des Veränderungsprozesses weiterzuentwickeln und die Mitarbeiter zu integrieren. Die interne Kommunikation spielt dabei eine sehr große Rolle: Nach der Prozesssteuerung (26%) wird Kommunikation als zweitwichtigster Faktor genannt, der über Erfolg oder Misserfolg eines Veränderungsprozesses entscheidet. Das sagen 22% der Befragten der aktuellen Mutaree-Umfrage. An der Untersuchung nahmen 119 Unternehmen verschiedener Branchen bundesweit teil. Der Faktor Führung belegte Rang drei (15%), dicht gefolgt von dem Bereich Kultur und Werte (14%).

Jährliche Mitarbeiterbefragungen werden durchgeführt

Diesem Einfluss der Kommunikation ist sich Patrizia offenbar bewusst und setzt ein ganzes Bündel an Kommunikationsmitteln und -kanälen ein: Massiv ausgebaut wurde das Intranet, es gibt eine Mitarbeiterzeitung sowie regelmäßige Fachvorträge von Mitarbeitern und informellere Treffen, bei denen gekickert wird oder eine Motorradtour geplant ist. Auch die Geschäftsleitung hat solch einen jour fixe.

2010 wurde zudem zum ersten Mal eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt, um alle Beschäftigten in die Unternehmensentwicklung einzubeziehen. Die Ergebnisse, auch die kritischen, wurden offen und schnell kommuniziert - und die Befragung jährlich wiederholt. Die Ergebnisse verbesserten sich und bestätigten Jaksch in seinem Kurs. Aus der ersten Befragung kamen auch Anstöße für die neuen Unternehmens-Leitlinien, die dann von der Geschäftsleitung rund sechs Monate später in ihre Endfassung gegossen wurden. "Das waren lange Sitzungen", erinnert sich Jaksch. Teilweise sei um jedes Wort gerungen worden. Fünf Führungsgrundsätze und fünf Regeln der Zusammenarbeit bilden nun die Leitplanken, an denen sich alle orientieren müssen. Sie stehen auf jedem Schreibtisch und sind Teil des jährlichen Mitarbeitergesprächs. Durch die Leitsätze hätten sich alle auch ein bisschen angreifbarer und damit auch kritikzugänglicher gemacht. Vorgestellt wurden sie von der Geschäftsleitung auf dem ersten Mitarbeitertag - und von den Führungskräften auf ihr eigenes Handeln bezogen dargestellt. "Das war sehr spannend und sehr kulturstiftend", sagt Jaksch. Doch Jaksch weiß, dass ein Kulturwandel Zeit braucht. Nicht jeder ist damit einverstanden und zwei, drei Führungskräfte haben das Unternehmen verlassen. Doch die Führungsmannschaft steht stabil hinter dem neuen Kurs und seit Jahren gab es im Vorstand keinen Wechsel mehr.

Für die Patrizianer, wie sich die Mitarbeiter nennen, bietet das Wachstum auch neue Chancen. Zum jährlichen Mitarbeitergespräch gehört dann auch die Frage "wo willst du hin?" Bereits im Gespräch werden dann mögliche Entwicklungsmaßnahmen angedacht. "Mitarbeiter wollen am Wachstum teilhaben, vor allem über neue Entfaltungsmöglichkeiten", ist sich der Personalleiter sicher.

"Mitarbeiter wollen am Wachstum teilhaben, vor allem über neue Entfaltungsmöglichkeiten."

Entwickelt wurde auch ein neuer interner Wechselprozess, der zunächst verdeckt in Kooperation mit der Personalabteilung läuft, damit der künftige Ex-Chef davon nichts erfährt. So soll verhindert werden, dass Mitarbeiter, die sich intern bewerben, bei nicht erfolgreichem Wechsel beschädigt werden. Erst wenn die feste Zusage der neuen Abteilung vorliegt, wird auch der bisherige Vorgesetzte mit einbezogen und muss seinen Mitarbeiter dann auch ziehen lassen.

Für die Mitarbeiter bietet der interne Wechsel einen weiteren Vorteil: Sie können inhaltlich einen kompletten Kurswechsel machen, also z.B. als Property- oder Asset- Manager ins Controlling gehen. "Das schaffen sie durch einen externen Wechsel meist nicht", sagt Jaksch.

Führungs- und Immobilienkompetenz, Sprachfertigkeiten sowie persönliche und soziale Kompetenzen (Rhetorik, Präsentation, Feedbacktraining) werden an der unternehmenseigenen Patrizia Akademie gelehrt. Dort findet auch die Ausbildung für die Führungskräfte statt, denn zwei Drittel der vakanten Führungspositionen werden intern besetzt. Für alle 75 Führungskräfte gibt es jährlich ein Frühjahrstraining und auch eine Führungskräftetagung sowie ein einjähriges Programm für junge Führungskräfte.

Dort werden auch die Azubi-Ausbilder ausgebildet. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Auszubildenden auf 6% der Mitarbeiter insgesamt verdoppelt. 7% ist die Zielmarke, die Jaksch erreichen will. "Wir glauben, dass wir die auch problemlos im Unternehmen unterbekommen können."

Für die Besetzung der akademischen Berufe sucht Patrizia aktiv den Kontakt zu Hochschulen und präsentiert sich auf Hochschulmessen und dem IZ-Karriereforum für die Immobilienwirtschaft. "Da gehen wir dann auch kontinuierlich hin", betont Jaksch. "Wir glauben, dass die Arbeitgeberattraktivität auch über Kontinuität erreicht wird, wenn die Studenten immer wieder auf Patrizia-Mitarbeiter treffen." Neben den Personalverantwortlichen sind auch immer Vertreter der Fachabteilungen mit dabei. Die Präsenz hat sich ausgezahlt. War Patrizia Immobilien beim ersten Top-Arbeitgeberranking der Immobilien Zeitung nicht vertreten, sind sie seit 2011 mit dabei (Rang 15) und erreichten in diesem Jahr Rang 12. Doch das ist für Jaksch nur eine Zwischenetappe: "Unser Ziel ist es, dass jeder Student in der Bewerbungsphase uns auf dem Zettel hat."

Sonja Smalian

Onboarding auch für Profis

Karriere 23.08.2012
Die Wechselbereitschaft in der Immobilienwirtschaft ist hoch und viele haben innerhalb weniger Jahre mehrere Arbeitgeber. Gerade bei teuer eingekauften Führungskräften ist es wichtig, dass sie ... 

Die Wechselbereitschaft in der Immobilienwirtschaft ist hoch und viele haben innerhalb weniger Jahre mehrere Arbeitgeber. Gerade bei teuer eingekauften Führungskräften ist es wichtig, dass sie im Unternehmen ankommen. Denn auch gestandene Führungskräfte haben beim Eintritt in eine neue Firma mitunter Startschwierigkeiten. Der Prozess des Onboardings, das Einstellen und Integrieren von neuen Mitarbeitern, sollte deswegen aktiv begleitet werden.

Bevor ein Pilot auf einem neuen Flugzeugtyp eingesetzt wird, muss er erst wieder ein paar Flugstunden im Simulator üben. Auch wenn er viel Erfahrung mitbringt und die Bedienungsknöpfe ähnlich sind, wird er zunächst im geschützten Raum ein paar Starts und Landungen trainieren. Es gibt wohl keinen Fluggast, der dafür nicht Verständnis aufbrächte. Doch was der Sicherheit von Mensch und Maschine in der Luft dient, wird am Boden vernachlässigt. Von den Managern in der Business-Welt wird ein "allzeit startklar" als Betriebsmodus vorausgesetzt. Dabei erleben auch Manager nach einem Wechsel in ein neues Unternehmen nicht selten eine Bruchlandung.

Die Gefahr zu scheitern steigt, je mehr sich die alte Stelle von der neuen Position unterscheidet. Dazu zählen z.B. Wechsel der Hierarchieebene, des Landes, der Industrie und der Unternehmenskultur. Gibt es Unterschiede bei drei Faktoren, beträgt die Gefahr, binnen der ersten 24 Monate zu scheitern, 50%. bei mehr als fünf Faktoren sind es sogar schon 80%, wie eine Studie von Heidrick & Struggles zeigt. Dabei muss ein Scheitern gar nichts mit der Qualifikation der Führungskräfte zu tun haben, wie Dr. Wolfgang Walter, Partner bei Heidrick & Struggles, Düsseldorf, betont. Ursache seien vielmehr häufig Missverständnisse über Anforderungen, Ziele und Erwartungen. Auch Defizite in der Kommunikations- und der Informationspolitik können zum frühen Fall führen.

Abhilfe kann ein gelenkter Onboarding- Prozess bringen, der den Neuzugang unterstützt, im Unternehmen anzukommen. 90% der 21 von Heidrick & Struggles befragten HR-Manager halten einen solchen Prozess für sinnvoll. Doch im Programm haben es nur 40% der Unternehmen. Auch von den Führungskräften glauben 90%, dass sie ein Onboarding brauchen könnten. Die Onboarding-Begleitung unterscheidet sich stark in den Unternehmen. Sie reicht von internen Programmen der Personalabteilung bis zu externen Coachings und kann von zwei Wochen bis zu sechs Monaten dauern.

An zwei Dingen scheiterten die Führungskräfte häufig, wie Studien zeigen: mangelnde Systemkompetenz und Schwierigkeiten beim Einschwören auf gemeinsame Ziele. Oft wüssten die Führungskräfte nicht, welche Knöpfe sie in der neuen Organisation drücken müssten. Findet in dem Unternehmen viel Austausch über E-Mail-Verkehr statt oder erwarten die Mitarbeiter, dass Wichtiges in Besprechungen geklärt wird? Wie schnell werden Chef-Handlungen erwartet? "Schneidigkeit kann eine neue Führungskraft nach oben spülen oder rauskegeln", sagt Walter, der rund 120 Onboardingprozesse als externer Coach begleitet hat. Walter hat auch schon den Fall erlebt, bei dem sich ein Manager aus der Immobilienwirtschaft beim Wechsel aus Asien nach Deutschland ein Onboarding-Coaching vertraglich zusichern ließ - und seinen eigenen Coach gleich mitbrachte.

Sonja Smalian

Dem Bau fehlt der qualifizierte Nachwuchs

Trotz gefüllter Auftragsbücher bricht jeder fünfte Bau-Azubi seine
Ausbildung vorzeitig ab. Auch bei den Studenten des Bauingenieurwesen gibt
es viele Abbrecher. Die Branche spürt den Fachkräftemangel bereits.

Trotz gefüllter Auftragsbücher bricht jeder fünfte Bau-Azubi seine Ausbildung vorzeitig ab. Auch bei den Studenten des Bauingenieurwesen gibt es viele Abbrecher. Die Branche spürt den Fachkräftemangel bereits.

Bild: BilderBox.com

Karriere 16.08.2012
Der demografische Wandel hat längst auch die Bauwirtschaft erreicht. Seit Jahren scheiden altersbedingt mehr Fachkräfte aus, als junge nachkommen. Zudem gibt es hohe Abbrecherquoten bei ... 

Der demografische Wandel hat längst auch die Bauwirtschaft erreicht. Seit Jahren scheiden altersbedingt mehr Fachkräfte aus, als junge nachkommen. Zudem gibt es hohe Abbrecherquoten bei Auszubildenden in den Bauberufen und Studenten des Bauingenieurswesens. Dabei ist die Lage am Bau-Arbeitsmarkt durchaus wieder im Aufwind, wie der zweite Branchenbericht zeigt.

2012 sei ein sehr positives Jahr für die Bauwirtschaft, sagte Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. In den ersten fünf Monaten beliefen sich die Auftragsbestände auf 22,1 Mrd. Euro. Das sei das höchste Auftragsvolumen seit mehr als 20 Jahren, so Knipper bei der Vorstellung des zweiten Branchenberichts zum Bau-Arbeitsmarkt, den die Bundesagentur für Arbeit und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gemeinsam mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie herausgeben haben. "Die Branche steht wirklich gut da", betonte Knipper. Und das sei kein Strohfeuer. Er rechnet mit einem realen Wachstum von 1% bis 2% jährlich in den kommenden zehn Jahren, sofern die Euro-Krise nicht eskaliert.

Hohe Ausbildungsleistung

Die Konjunkturdaten geben Grund zur Hoffnung. Das war in den vergangenen zehn Jahren nicht immer so. Von 2001 bis 2006 hat die Bauwirtschaft ihre Beschäftigtenzahl von 2 Mio. auf 1,5 Mio. reduziert. Inzwischen hat sich die Zahl auf dem niedrigen Niveau stabilisiert. Ende Juni 2011 zählte das Baugewerbe zusammen mit dem Bauhauptgewerbe 1.637.000 Beschäftigte sowie zusätzlich 436.000 Beschäftigte in Architektur- und Ingenieurbüros. Der Bedarf an Fachkräften sei hoch, sagte Knipper. "Seit Jahren jedoch übersteigen die altersbedingten Abgänge die Zugänge an Nachwuchskräften deutlich. Hier bekommt unsere Branche die Auswirkungen des demografischen Wandels zu spüren."

Dabei liegt die Ausbildungsleistung der Bauunternehmen mit 41% deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 32%. Doch die Bauwirtschaft hat Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Allein im vergangenen Jahr konnte jede dritte Bauunternehmung die angebotenen Plätze nicht vergeben. Während im Berichtsjahr 2010/11 etwa 1.400 der gemeldeten Ausbildungsstellen für Bauberufe unbesetzt blieben, waren es im Vorjahr noch weniger als 1.000 gewesen. Mit einer Quote der unbesetzten Lehrstellen von 4,9% liegt die Baubranche immer noch unterhalb der Quote aller Ausbildungsberufe von 5,7%.

Zu kämpfen hat die Branche auch mit hohen Abbrecherquoten von rund 20% bei den Auszubildenden. So lösen im Schnitt 26% der Azubis in den Hochbauberufen vorzeitig ihren Ausbildungsvertrag. Bei den Auszubildenden im Tiefbau ist die Zahl mit 19% am niedrigsten und am häufigsten werfen die angehenden Maler und Lackierer während der Ausbildungszeit vorzeitig das Handtuch (35%).

Die Ursachen hierfür reichen von der falschen Berufswahl über Schwierigkeiten mit den theoretischen Anforderungen bis hin zu persönlichen Problemen mit dem Chef. Die Abbrecherquoten zu reduzieren, sieht Knipper denn auch als wichtige Aufgabe an. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, den Sozialpartnern und den Unternehmen will er Strategien entwickeln, um mehr Nachwuchs zu gewinnen und zu halten, betonte Knipper.

Viele Studienabbrecher

Auch am akademischen Nachwuchs mangelt es. Zwar ist die Zahl der Studienanfänger im Fach Bauingenieurwesen seit 2007 stark gestiegen auf 14.500 im Jahr 2010, doch die Zahl der Absolventen liegt deutlich darunter. Sie betrug 2010 bei den Bauingenieuren 5.400. Pro Jahr habe die Branche jedoch einen Personalbedarf von mindestens 4.500 Nachwuchskräften, sagte Knipper. In den letzten Jahren hätten sich aber nur 3.500 der jungen Bauingenieure für einen Job in der Baubranche entschieden.

Sorgen bereiten Knipper auch die hohen Abbrecherquoten: So verlässt jeder zweite Bachelor-Student im Fach Bauingenieurwesen vorzeitig die Universität. An den Fachhochschulen ist es immerhin noch jeder dritte (36%). Niedriger sind die Abbruchquoten bei Universitätsstudenten in einem Diplom- oder Magisterstudium (20%). An Fachhochschulen führen 30% der Diplom-Studenten das Studium nicht zu Ende. Knipper hat dafür eine Erklärung. Viele scheiterten im Grundstudium an der hohen Mathematik des konstruktiven Ingenieurbaus. Er plädiert deswegen dafür, diese Aspekte eher ins Hauptstudium zur verlagern. "Uns ist es wichtig, dass Bauingenieure nicht zu früh spezialisiert werden", sagt Knipper. In Anbetracht der hohen Abbrecherquoten gibt er zu bedenken: "Da muss man sich schon fragen, was wir da vergeuden."

Sonja Smalian