Karriere-News

Bautarifrunde 2020: Gewerkschaft will 6,8% mehr Lohn

Die IG Bau will bei der nächsten Tarifrunde 6,8% mehr Lohn für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe herausholen. Die Arbeitgeberseite macht da nicht mit.

Die IG Bau will bei der nächsten Tarifrunde 6,8% mehr Lohn für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe herausholen. Die Arbeitgeberseite macht da nicht mit.

Quelle: imago images, Urheber: snapshot

Karriere 21.02.2020
In knapp einem Monat, genau am 19. März, beginnt die Tarifrunde 2020 für das Bauhauptgewerbe mit rund 850.000 Beschäftigten. Dann kommen IG Bau und die Arbeitgeberseite in Berlin ... 

In knapp einem Monat, genau am 19. März, beginnt die Tarifrunde 2020 für das Bauhauptgewerbe mit rund 850.000 Beschäftigten. Dann kommen IG Bau und die Arbeitgeberseite in Berlin zusammen. Die Gewerkschafter haben mehrere Forderungen im Gepäck, die die Arbeitgeber kaum erfüllen werden wollen.

Die IG Bau und die Arbeitgeberseite des Bauhauptgewerbes laufen sich für die nächste Tarifrunde warm. Die Gewerkschaft geht mit einem Forderungspaket an den Start, das mehrere Komponenten enthält: eine Einkommenssteigerung um 6,8% (und mindestens 230 Euro), eine Entschädigung für Wegezeiten als Ausgleich für die Benachteiligung gegenüber stationär Arbeitenden, und 100 Euro monatlich mehr für Auszubildende in allen Ausbildungsjahren. "Wenn der Bau wieder Konjunkturlokomotive ist, ist es nicht zu viel verlangt, dass die Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen diese Entwicklung in ihren Portemonnaies spüren", sagt IG-Bau-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführer Carsten Burckhardt.

ZDB-Vize Uwe Nostitz: "Umsätze sind noch keine Gewinne"

Uwe Nostitz, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) und zugleich Verhandlungsführer der Arbeitgeber, also auch des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, wünscht sich derweil eine "maßvolle Tarifpolitik" - die Forderung der IG Bau gehöre nicht dazu. Sie stehe "in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Lage vieler Bauunternehmen. Denn die vermeintlich hohen Umsatzzuwächse werden durch gestiegene Kosten weitgehend aufgefressen. Umsätze sind eben noch keine Gewinne." Darüber hinaus sei die Vergütung von Wegezeiten bereits ausreichend tariflich geregelt.

Nostitz hofft auf eine zügige Tarifrunde, "die sich nicht bis in den Sommer hineinziehen darf". Denn die Unternehmen bräuchten Planungssicherheit mit einem sicheren Flächentarifvertrag.

Anke Pipke

Cushman & Wakefield geht mit Ex-JLL-Leuten in die Vollen

Gestatten, das neue deutsche Hotelteam von C&W samt Europachef (v.l.): Nora Bruskowski, Josef Filser, Christian Kirchhoff, Stefan Giesemann und Jonathan Hubbard.

Gestatten, das neue deutsche Hotelteam von C&W samt Europachef (v.l.): Nora Bruskowski, Josef Filser, Christian Kirchhoff, Stefan Giesemann und Jonathan Hubbard.

Quelle: Cushman & Wakefield

Karriere 13.02.2020
Cushman & Wakefield (C&W) dreht auf: Mit einem von JLL abgeworbenen Hotelinvestmentteam um Stefan Giesemann greift das Maklerhaus jetzt auch hierzulande mit einer eigenen ... 

Cushman & Wakefield (C&W) dreht auf: Mit einem von JLL abgeworbenen Hotelinvestmentteam um Stefan Giesemann greift das Maklerhaus jetzt auch hierzulande mit einer eigenen Hospitality-Truppe an. Die Düsseldorfer Repräsentanz, vor einem Jahr mit einem JLL-Quintett aus der Taufe gehoben, hat sich derweil zu einer Niederlassung gemausert. Mit Luisa Rotthaus an der Spitze soll auch der Investmentmarkt der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt erobert werden.

Das vierköpfige deutsche Hotelimmobilienteam, das C&W von JLL losgeeist hat, startete diesen Monat in München. Das erklärte Ziel: "ein Full-Service-Angebot für Hotels, Hostels und Extended Stay in der Dach-Region aufzubauen", mit den Puzzleteilen Transaktionen, Käuferberatung, Finanzierungs- und strategische Beratung sowie Betreiberauswahl. Den Grundstein für diese Bestrebungen hat das Unternehmen mit Stefan Giesemann (32), Josef Filser (33), Christian Kirchhoff (31) und Nora Bruskowski (27) gelegt.

Giesemann ist als Partner und Head of Hospitality Germany & Austria für Deutschland und Österreich verantwortlich. Sein direkter Vorgesetzter ist Jonathan Hubbard, Head of Hospitality Emea. Bisher bediente der Immobilienberater den Hospitality-Bereich in Deutschland aus Emea heraus. Ein deutsches Team, das sich auf Transaktionen im Hotelbereich konzentriert hätte, gab es bis dato nicht. JLL hatte Giesemanns Abschied zu Jahresbeginn bekanntgegeben. Acht Jahre lang leitete er das Münchner Hotels-&-Hospitality-Team von JLL mit einem Schwerpunkt auf Investments.

Seine alten und neuen Kollegen Filser und Kirchhoff kamen ebenfalls von JLL zu C&W. Bei JLL trugen beide den Titel Senior Vice President, nun haben sie einen Associate Director auf ihrer Visitenkarte stehen. Filser verbrachte acht Jahre bei JLL, zunächst in London, dann fünf Jahre in München. Sein Beritt: Transaktionen. Kirchhoff stieß auch vor etwa fünf Jahren zur Münchner Hotelimmobilienabteilung von JLL. Bei seinem neuen Arbeitgeber wird sich Kirchhoff mit der Auswahl von Hotelbetreibern, Vertragsverhandlungen und strategischen Beratungsthemen beschäftigen. Bruskowski komplettiert das Quartett als Senior Consultant.

Das neue Münchner Hotelteam soll mit dem bestehenden Frankfurter Bewertungsteam von C&W zusammenarbeiten, das seit 2015 von Christine Mayer geleitet wird und einen Schwerpunkt auf Hotellerie hat. Mit dem Ausbau der hiesigen Hotelsparte sieht das Unternehmen die im vergangenen Jahr in Frankreich und Spanien mit neuen Kollegen eingeläutete Europaexpansion fortgesetzt.

Vor ziemlich genau einem Jahr startete Cushman & Wakefield mit einem ebenfalls von JLL geholten Fünferteam in Düsseldorf durch, zunächst nur in der Bürovermietung. Heute zählt die Mannschaft 15 Köpfe. Nun wurde die Repräsentanz offiziell zur Niederlassung erklärt, die bisherige Büro- bzw. Bürovermietungsleiterin Luisa Rotthaus (33) mit der Niederlassungsleitung der Düsseldorfer Dependance betraut - und C&W bläst offiziell zum Angriff auf den Investmentmarkt der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

Rotthaus war im Dezember 2018 von JLL zu Cushwake gewechselt. Gleichsam mit im Gepäck hatte sie u.a. ihren Kollegen Martin Höfler (Associate) und die beiden Nachwuchskräfte Marie Plaßmeier und Marvin Mirbach, die vorher allesamt ebenfalls bei JLL in Essen in der Bürovermietung tätig waren. Bisher kümmerte sich Rotthaus bei C&W als Head of Office Agency Düsseldorf um den Aufbau der Repräsentanz und leitete den Standort interimsweise. Die frischgebackene Niederlassungsleiterin berichtet an Christian Lanfer, den Head of Office Agency Deutschland bei C&W - auch er ein Makler mit langjähriger Vergangenheit bei JLL.

C&W bietet am jüngsten seiner sechs deutschen Standorte aktuell seine Dienste in den Bereichen Global Occupier Services, Project & Development Services und Office Agency an, also auf Deutsch Dienstleistungen für internationale Unternehmenskunden, die Büroflächenvermittlung und Dienstleistungen in der Projektentwicklung sowie rund um Bauvorhaben. "Perspektivisch steht der Aufbau des Investmentbereichs und der Research-Abteilung an", kündigt das Unternehmen an. Als Nächstes steht die Capital-Markets-Einheit auf der Agenda. Deren Aufbau soll "kurzfristig" erfolgen, wie das Unternehmen bekannt gibt. Zur geplanten Mann- bzw. Fraustärke will sich das Unternehmen jedoch erst mal nicht äußern.

Bei "männerdominierten Positionen" bei gleicher Eignung Frauen bevorzugt

Die Beförderte ist die erste und einzige weibliche Niederlassungsleiterin von C&W in Deutschland. Das Unternehmen sieht in dieser Personalie einen Beweis dafür, dass "wir insbesondere bei männerdominierten Positionen bei gleicher Eignung bevorzugt Frauen einstellen beziehungsweise weibliche Mitarbeiter aus den eigenen Reihen befördern". Um in jeder Abteilung und auf jeder Führungsebene die Geschlechterverteilung und Beförderungen zu überblicken, werde in jedem Land ein sogenanntes Gender Split Tool genutzt, erklärt die deutsche Tochter des US-Konzerns. So ließen sich auch Stellschrauben für mehr Chancengleichheit identifizieren.

Mit Blick auf das deutsche Executive Committee - also das Führungsgremium unterhalb von Deutschland-Alleingeschäftsführer Yvo Postleb - habe man sich das Ziel einer "ungefähren Gleichverteilung" gesetzt. In den vergangenen vier Jahren sei der Frauenanteil in dem elfköpfigen Executive Committee, in dem strategische Entscheidungen getroffen werden, von 22% auf 36% geklettert (vier von elf Mitgliedern sind Frauen).

Die Personalien hinter diesen abstrakten Zahlen: Im September 2019 wurde Angelika Georg als Head of HR eingestellt - diese Stelle war vorher von einem Mann besetzt -, und Anfang 2020 ging Verena Saskia Bauer (37) als Head of Marketing & Communications an Bord. Sie kam von JLL, wo sie rund drei Jahre arbeitete. Zuletzt war sie dort als Emea Marketing Manager für das Business-Marketing für Unternehmenskunden in den Abteilungen Corporate Solutions, Project & Development Services und Workplace Strategy zuständig. Ihren Auftrag formuliert C&W-Deutschlandchef Postleb so: "Mit ihrer Expertise und neuen internen sowie externen Kommunikationsstrategien wird sie die Positionierung und Sichtbarkeit unserer Services und der Marke Cushman & Wakefield weiter stärken."

Auch für die beiden Führungsebenen unter dem Executive Committee - also bei Führungskräften mit größerer Teamverantwortung und ab Associate-Level - peilt das Unternehmen hierzulande ein stärkeres Gleichgewicht an. In den vergangenen drei Jahren legte der Frauenanteil hier von 26% auf 37% zu. Insgesamt arbeiten zurzeit rund 390 Menschen bei C&W in Deutschland. Die Geschlechter halten sich praktisch die Waage.

Harald Thomeczek

IZ fragt, Studenten antworten

Karriere 13.02.2020
Immobilienstudenten mitgemacht: Am 10. Februar ist der Startschuss für die Arbeitsmarktumfrage 2020 der Immobilien Zeitung (IZ) gefallen. Gefragt ist eure Meinung zu Traumjobs, Toparbeitgebern ... 

Immobilienstudenten mitgemacht: Am 10. Februar ist der Startschuss für die Arbeitsmarktumfrage 2020 der Immobilien Zeitung (IZ) gefallen. Gefragt ist eure Meinung zu Traumjobs, Toparbeitgebern oder fairen Gehältern.

JLL ist der Wunscharbeitgeber Nummer eins. Als Einstiegsgehalt schwebt der Jugend eine Summe von 50.000 Euro per annum vor. In zwei bis drei Jahren sollen es dann schon 60.000 Euro sein. Dabei liegt der schnöde Mammon vielen Studenten noch nicht mal besonders am Herzen. Am liebsten wollen sie später mal Projektentwickler werden. Und die Unterschiede der Geschlechter z.B. bei den Gehaltswünschen oder der Vergütung von Praktika sind eklatant. Das sind nur einige der Ergebnisse der Vorjahresumfrage.

Schafft es die Konkurrenz diesmal, Dauersieger JLL vom Thron zu stoßen? Klettern die Gehaltsforderungen ungebremst weiter? Und avanciert der Maklerberuf endlich zum Traumjob? Fragen wie diese beantworten die beiden IZ-Titelgeschichten zur diesjährigen Arbeitsmarktumfrage am 18. Juni und 23. Juli 2020.

Teilnehmen können - eine gültige Studienbescheinigung vorausgesetzt - alle Studierenden, die in den kommenden vier Semestern ihren Abschluss machen. Angesprochen fühlen sollten sich in jedem Fall Studierende der Fächer Architektur, BWL/VWL, Facility-Management/Gebäudetechnik, Geografie, Immobilienwirtschaft/-management bzw. Bau-/Projektmanagement, Ingenieurwesen und Stadtplanung/Raumplanung.

Den Teilnehmern winken etliche Preise

Das Ausfüllen des Online-Fragebogens - ob auf dem Smartphone, mit dem Tablet oder am Desktop-Rechner - sollte nicht länger als etwa zehn Minuten dauern. Als Lohn dieser kleinen Mühe winken viele Preise: u.a. ein Apple iPad Pro, eine Apple Watch Series 5, vier Business-Bags von Picard im Wert von je 250 Euro, 40 IZ-Premium-Pakete, zehn Tickets für Veranstaltungen von Heuer Dialog und 15 Eintrittskarten für die Immobilienmesse Expo Real 2020.

Die Arbeitsmarktumfrage ist Teil der IZ-Joboffensive 2020. Diese wäre nicht möglich ohne eine ganze Reihe starker Partner. Unterstützt wird die Joboffensive in diesem Jahr von Bernd Heuer Karriere, BNP Paribas Real Estate, CBRE, Colliers International, Corpus Sireo Real Estate, Drees & Sommer, ECE, Expo Real, Gegenbauer/RGM, Kaufland und Patrizia.

Harald Thomeczek

Krawinkel sieht AfD-Spende als "Zeichen des Gegengewichts"

Der von Björn Höcke geführte Thüringer Landesverband der AfD darf sich über eine Großspende über 100.000 Euro des Berliner Immobilienentwicklers Christian Krawinkel freuen.

Der von Björn Höcke geführte Thüringer Landesverband der AfD darf sich über eine Großspende über 100.000 Euro des Berliner Immobilienentwicklers Christian Krawinkel freuen.

Quelle: Imago Images, Urheber: foto2press

Karriere 12.02.2020
Der Berliner Immobilienunternehmer Christian Krawinkel hat der als rechtspopulistisch geltenden AfD 100.000 Euro gespendet. Eingegangen ist die Spende bei der Partei am 7. Februar - zwei ... 

Der Berliner Immobilienunternehmer Christian Krawinkel hat der als rechtspopulistisch geltenden AfD 100.000 Euro gespendet. Eingegangen ist die Spende bei der Partei am 7. Februar - zwei Tage, nachdem der FDP-Politiker Thomas Kemmerich sich mit Schützenhilfe von AfD und CDU zum Ministerpräsidenten Thüringens hatte wählen lassen.

Kemmerich ist inzwischen nach massiver Kritik von seinem Amt zurückgetreten und nur noch geschäftsführend als Ministerpräsident tätig. Dies hat Krawinkel zu seiner Großspende an den Thüringer Landesverband der AfD bewogen.

In einer Stellungnahme vom heutigen Tage, die der Immobilien Zeitung (IZ) vorliegt, erklärt der Chef von CKV Vermögensverwaltung: "Was sich zum Thema Thüringen abspielt, beschädigt unsere Demokratie, da die Menschen so vermittelt bekommen, dass Entscheidungen frei gewählter Abgeordneter aus den Parteizentralen in Berlin ferngesteuert werden und die Führung der Union erst zufrieden ist, wenn ein abgewählter Ministerpräsident der Linkspartei zurück ins Amt gehoben wird."

"Was sich zum Thema Thüringen abspielt, beschädigt unsere Demokratie"

Krawinkel verhehlt nicht, wem seine Empörung besonders gilt: "Eine CDU-Kanzlerin, die einen demokratisch legitimierten und von der CDU selbst mitgewählten Ministerpräsidenten der bürgerlichen Mitte wegputscht, um einen vormals vom Verfassungsschutz beobachteten Linken-Kandidaten zu installieren, hat jeden Bezug zur Demokratie und den Bürgern verloren." Seine Spende fasst Krawinkel als "Zeichen des Gegengewichts hierzu" auf.

Sowohl in der Stellungnahme wie in dem auf den 7. Februar datierten Schreiben an die Geschäftsstelle der Thüringer AfD, das der IZ ebenfalls vorliegt, betont Krawinkel, parteipolitisch ungebunden zu sein. So listet er in dem heutigen Statement Spenden an andere politische Parteien auf. Die Münchner SPD habe er z.B. einst mit 100.000 D-Mark für den Kommunalwahlkampf des ehemaligen Oberbürgermeisters Christian Ude unterstützt. Eine weitere Geldspende über 20.000 D-Mark sei an die CSU in München gegangen.

"Ich werde auch weiterhin an verschiedene politische Parteien spenden"

Krawinkels jüngste Spende soll nicht die letzte gewesen sein: "Ich werde auch weiterhin an verschiedene politische Parteien spenden, um meiner Meinung nach die fehlenden demokratischen Grundsätze in Deutschland durchzusetzen und den gezielten Lobbyismus endlich zu beseitigen", kündigt der Immobilieninvestor an.

Die finanzielle Zuwendung des Projektentwicklers ist die größte Spende an die AfD seit mehr als drei Jahren. Spenden über mehr als 50.000 Euro müssen dem Präsidenten des Deutschen Bundestages angezeigt und als Drucksache sowie auf der Internetseite des Bundestags veröffentlicht werden. Der letzte AfD-Eintrag datiert von Ende Dezember 2016: Damals hatte eine gewisse Marianne Zubrzycki-Lederhausen der Partei ebenfalls 100.000 Euro überwiesen.

Krawinkel hatte zuletzt im Sommer 2019 für Schlagzeilen gesorgt, als er für knapp 500.000 Euro bei einer Zwangsversteigerung Memorabilia von Tennisstar Boris Becker erstand. Der Immobilienunternehmer wollte Becker die Erinnerungsstücke später im Rahmen einer "geordneten Finanzplanung" zurückgeben. Zwischenzeitlich hat sich Krawinkel jedoch für eine "alternative Nutzung der Sammlung" entschieden. Ein persönlicher Kontakt zu Becker kam nie zustande, wie Krawinkel der Bild-Zeitung im November 2019 sagte. Stattdessen sollte er die Sammlung an eine Tennisakademie ausleihen, die im hessischen Hochheim entstehen soll.

Harald Thomeczek

Unialltag außerhalb des Hörsaals

Die Hochschule Fresenius liegt in Berlin zwischen dem Gendarmenmarkt und dem Auswärtigen Amt.

Die Hochschule Fresenius liegt in Berlin zwischen dem Gendarmenmarkt und dem Auswärtigen Amt.

Quelle: imago images, Urheber: Jürgen Ritter

Karriere 06.02.2020
Die Hochschule Fresenius in Berlin und Hamburg pflegt den Kontakt zur Immobilienwirtschaft. Davon sollen nicht nur die Studenten profitieren, auch Unternehmen ziehen Positives daraus. Sie ... 

Die Hochschule Fresenius in Berlin und Hamburg pflegt den Kontakt zur Immobilienwirtschaft. Davon sollen nicht nur die Studenten profitieren, auch Unternehmen ziehen Positives daraus. Sie können aus den Wünschen und Erwartungen der jungen Leute lernen.

Man könnte es einen Forward-Deal nennen, wenn sich Unternehmen der Immobilienbranche bereits Talente sichern, die noch im Werden sind. Die Firmen präsentieren sich im Audimax und kehren bei Besuchen von Studenten ihre beste Seite nach außen. "Ich merke, die Unternehmen haben Bedarf an jungen Leuten", sagt Bernd Hoepfner, Studiendekan Immobilienwirtschaft Hamburg und Berlin an der Hochschule Fresenius für Management, Wirtschaft & Medien. Inzwischen komme es sogar vor, dass die Studenten bei Firmenbesuchen von Vertretern der Personalabteilung empfangen und mit Visitenkarten versorgt werden - teils mit Erfolg. Hin und wieder legen die Studenten Hoepfner kurz nach der Exkursion Bewerbungsmappen hin mit der Bitte, er solle mal drüberschauen.

Studenten achten auf die Aufstiegschancen

In solchen Fällen haben die Unternehmen offenbar einiges richtig gemacht. Einen Anhaltspunkt, auf was es den jungen Leuten bei der Arbeitgeberwahl ankommt, liefert eine kurze Befragung, die Hoepfner unter seinen Studierenden Ende vergangenen Jahres durchgeführt hat. Sie hat ergeben, dass sie bei der Berufswahl besonders die Aufstiegschancen im Job im Blick haben. Die Erstsemester verbinden damit noch häufig eine gewisse Flexibilität im Job, die Drittsemester sehen darin höhere Verantwortung und einen sozialen Aufstieg.

Für die Studienanfänger kommt auf Platz zwei ihrer Prioritätenliste das Arbeitsumfeld, zu dem sie den Arbeitsplatz, das Team und den Aufgabenbereich zählen. "Adlershof nein, Kiez ja", fasst Hoepfner die Vorlieben bei der Standortwahl zusammen. An dritter Position stehen die Benefits, z.B. Teamevents, mögliche Auslandsaufenthalte, Fitness, Kita, Hund im Büro, Weihnachtsgeld, Aktienprogramme oder der Dienstwagen. Das ist ihnen noch wichtiger als flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, Homeoffice und eine großzügige Urlaubsregelung. Das Thema Gehalt findet bei den Erstsemestern erst auf Platz fünf statt.

Die Drittsemester messen der Vergütung derweil etwas mehr Bedeutung bei. Auf Platz drei steht ihr Wunsch nach einem monatlichen Gehalt ab 5.000 Euro, das den Druck auf die private Haushaltskasse angesichts gestiegener Mieten etwas lindern soll. Etwas wichtiger ist ihnen die Wahl des Arbeitsorts. Von Berlin, Hamburg, Düsseldorf, London, Paris, New York, Schanghai, Singapur, Tokio und Hongkong ist die Rede.

Die beim Nachwuchs generell häufig erwartete Work-Life-Balance rangiert auf der Wunschliste der Drittsemester erst auf Platz vier, gefolgt von Benefits wie Handy, Laptop, Wohnung, Auto, Kitaplatz und Fitness, sowie der Arbeitsumgebung. Das Schlusslicht bildet das Arbeitsklima in der Firma, gemeint sind damit gelebte Werte, ein Sinn für Nachhaltigkeit und ein moderner Arbeitsplatz.

Viele Assetklassen liefern Praxisbeispiele

Erwartungen sind allerdings das eine, die Praxis und der Alltag oftmals etwas anderes. Damit sich die jungen Leute ein möglichst konkretes Bild von Unternehmen, Projekten und Prozessen machen können, unternimmt Hoepfner häufiger mit einem knappen Dutzend Studenten praxisbezogene Ausflüge. Die verkehrsgünstig gelegenen Hochschulstandorte in Berlin und Hamburg unterstützen das. "Nur ein paar U-Bahn-Stationen entfernt, schon stehen wir vor interessanten Projekten." Büros, Einzelhandel, Shoppingcenter, Hotel - je nach aktuellem Inhalt der Vorlesung und Seminare werden die verschiedenen Assetklassen z.B. im praktischen Betrieb in Augenschein genommen. Nach der Rückkehr im Hörsaal wird über das Erlebte noch einmal diskutiert.

In einem ungleich größeren Rahmen kümmern sich die Studenten im vierten Semester um ein fiktives Immobilienprojekt auf einem realen Grundstück. Die Praxisarbeit beginnt mit der Lageanalyse, dem Dialog mit dem Stadtplanungsamt über das vorliegende Baurecht und dem Erstellen des Nutzungskatalogs, reicht über das Gespräch mit Maklern über die Marktlage und mit Architekten über Planungsideen bis hin zum Kontakt mit Banken zu Fragen der Finanzierung und dem Erstellen des Kaufvertrags. Im fünften Semester machen sich die Studenten zudem Gedanken über das Marketing für verschiedene Assetklassen.

Anke Pipke

Robert Patzschke

Robert Patzschke mit seiner Frau.

Robert Patzschke mit seiner Frau.

Urheber: Michael Haiser

Karriere 06.02.2020
Der Berliner Architekt Robert Patzschke (47), geschäftsführender Gesellschafter des Büros Patzschke Architekten, hat eine besondere Verbindung zu Indien. Schon seine Kindheit verbrachte er ... 

Der Berliner Architekt Robert Patzschke (47), geschäftsführender Gesellschafter des Büros Patzschke Architekten, hat eine besondere Verbindung zu Indien. Schon seine Kindheit verbrachte er teilweise dort und er besuchte das Internat an der Lawrence School Sanawa. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er beim Architekturbüro Gherzie Eastern in Bombay, anschließend im Architekturbüro Patzschke. 2005 bis 2014 baute er in Indien eine Niederlassung des Architekturbüros auf. Studiert hat Patzschke an der North London University und in Berlin an der Universität der Künste. Er ist verheiratet und Vater von Zwillingen.

Wo wohnen Sie zurzeit?

Ich wohne am S-Bahnhof Grunewald in einer Wohnung im Erdgeschoss eines gründerzeitlichen Gebäudes. Leider haben auch hier die Nachkriegsentstuckungsmaßnahmen ihr Zeugnis abgelegt und so ist das ehemals reich geschmückte Gebäude nun ein schlichter Putzbau. Hier im Erdgeschoss dieses Gebäudes mit einem kleinen Garten nimmt man Teil an dem gemütlichen Treiben dieses kleinen Platzes, der das Zentrum des umliegenden urbanen Gefüges darstellt. Innerhalb der Wohnung spielt sich in der Küche das Leben ab, dort ist auch mein Lieblingsplatz. Gerade die frühen Morgenstunden von 5 bis 7 Uhr genieße ich hier sehr - es sind die einzigen Momente am Tag, die ich für mich alleine habe, bevor die Familie erwacht und der Büroalltag seinen Lauf nimmt.

Haben Sie bei dieser Immobilie oder einer anderen beim Bau schon einmal selbst mit Hand angelegt?

Aufgrund meines Berufs als Architekt und meiner Tätigkeit als Planer habe ich selbstverständlich an meiner Wohnung und an vielen Gebäuden schon selbst Hand angelegt, sowohl planerisch-zeichnerisch als auch physisch handwerklich. Das Interieur unserer eigenen Wohnung besteht aus einem eklektizistischen Sammelsurium verschiedenster Gegenstände, Möbel und Elemente. Die Küche und Einbauschränke sind aus Spolien, aus historischen Bauelementen, zusammengestellt. Gesammelte Gegenstände und herumliegendes Spielzeug der Kinder machen die Wohnung lebendig und gemütlich.

Was muss das perfekte Haus/die perfekte Wohnung unbedingt haben?

Gerade als Architekt weiß ich, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, ein schönes Gebäude, ein schönes Haus und ein schönes Wohnumfeld zu gestalten. Gerade das macht es für Architekten so schwierig, ihr eigenes Wohnhaus zu entwerfen. Man möchte dort alle über die Jahrzehnte angesammelten Ideen unterbringen und so werden gerade Architektenhäuser oft ein zusammengewürfeltes Konglomerat verschiedenster Ideen. Andererseits gibt es verschiedene grundsätzliche Erfordernisse oder Aspekte, die eine perfekte Wohnumgebung beinhalten sollte. An erster Stelle steht hier natürlich das Wohnklima. Die Behaglichkeit bezüglich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftzirkulation muss gegeben sein. Hier bin ich jedoch der Meinung, dass diese nicht unbedingt mit technischen Mitteln herbeigeführt werden sollte. Das Haus, so wie es bei Altbauten häufig der Fall ist, sollte passiv in der Lage sein, diesen Aspekt zu unterstützen.

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist für mich die Himmelsausrichtung. Der Blick nach Osten zum Sonnenaufgang wird für mich mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Genauso schön und wünschenswert ist der Blick nach Westen, um gemeinsam mit Familie und Freunden im Abendlicht den Tag ausklingen zu lassen. Ein perfektes Haus sollte sowohl Räumlichkeiten für ein geselliges Beisammensein anbieten als auch den einzelnen Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten bieten. Aber auch die Praktikabilität der Wohnung sollte nicht unterschätzt werden und so würde ich in meiner nächsten Wohnung großflächige Abstellmöglichkeiten planen und mir meine eigene persönliche Ankleide wünschen.

Wo möchten Sie im Alter wohnen?

Früher bestand der Wunsch, in Indien zu wohnen. Nach zehn Jahren Wohnen und Arbeiten in Indien bin ich froh, wieder in Deutschland zu sein. Ein Leben im Alter auf dem Lande in Italien wäre eine durchaus denkbare Variante.

Haben Sie eine Lieblingsimmobilie?

Das Schinkelsche Kasino an der Havel am Schloss Glienicke ist für mich ein perfektes Ensemble. Die Lage am Wasser mit dem Park im Hintergrund, das kleine Gebäude mit seiner ausgewogenen klassizistischen Gliederung und die langen Pergola-bekrönten Kolonnaden sind an ausgewogener Schönheit kaum zu übertreffen.

Und welches Gebäude in Deutschland würden Sie gerne abreißen und warum?

Gerade in Berlin gibt es unzählige Gebäude, die man gerne abreißen sollte. Die Kriegszerstörung hat ihre großen Narben hinterlassen, jedoch muss man auch dazusagen, dass die gleiche Zahl an Gebäuden, die im Krieg zerstört wurde, etwa noch einmal in den Nachkriegsjahren zerstört wurde. Ein Erneuerungs- und Modernisierungswahn hat in Deutschland und in Berlin dazu geführt, dass noch nach dem Krieg unzählige Gebäude abgetragen wurden, die nur leichte Kriegsschäden aufwiesen. Wir freuen uns heute über die alte Berliner Mitte. Wir können von Glück reden, dass in der DDR die Modernisierungswut vielleicht aufgrund fehlender wirtschaftlicher Mittel nicht ganz so stark ausgeprägt war wie im Westen der Stadt. Hätte man die Gebäude wieder aufgebaut, hätten wir womöglich ein in der Nachkriegszeit entstandenes UNESCO-Weltkulturerbe wie heute die Innenstadt von Warschau, die ebenfalls weitestgehend nach dem Krieg wiederaufgebaut wurde. Die entsprechenden Narben der 50er-, 60er- und 70er-Jahre gilt es peu à peu zu heilen, damit Berlin wieder eine schöne europäische Stadt werden kann.

Wann, wo und womit haben Sie als Erwachsener zum ersten Mal Geld verdient?

Parallel zum Studium fing ich an, mir eine Einnahmequelle aufzubauen. Zur damaligen Zeit Anfang/Mitte der 90er-Jahre war die CAD-gestützte Illustration von Gebäudeentwürfen noch nicht fortgeschritten bzw. ganz am Anfang. Aufgrund meiner Fingerfertigkeit im Malen und Zeichnen, vor allem von Architekturen, habe ich parallel zum Studium Architektur-Visualisierungen, Renderings und Illustrationen handzeichnerisch erarbeitet. Aufgrund des normalerweise in der Immobilienbranche zur Verfügung stehenden recht auskömmlichen Werbeetats waren diese Bilder, diese Auftragsmalerei gut bezahlt und so hatte ich das Glück, dass ich schon als Student ein gutes Leben führen konnte. Ein Großteil dieser Einnahmen floss in Reisen in verschiedenste Länder der Welt.

Wie haben Sie den Weg in die Immobilienbranche gefunden?

Mein Weg in die Immobilienbranche war quasi vorgezeichnet. Als Sohn des Architekturbüros Rüdiger und Jürgen Patzschke ist schon früh mein Wunsch aufgeflammt, selber Architekt zu werden und so ging mein Weg immer mit dem Ziel der Architektur vor Augen mit größeren und kleineren Umwegen und Abstechern doch geradewegs in die Immobilienbranche.

Was braucht man Ihrer Einschätzung nach, um es in Ihrem Job zu etwas zu bringen?

Die Arbeit als Architekt bzw. als Inhaber eines Architekturbüros ist durchaus facettenreich. Man muss sicherlich einige Kommunikationsfertigkeiten mit sich bringen, um sowohl mit potentiellen und tatsächlichen Bauherren und auch mit den eigenen Mitarbeitern und anderen Fachplanern angenehm kommunizieren zu können. Man braucht natürlich auch ein Vorstellungsvermögen und eine gewisse Entwurfsqualität, um die Bauherren für sich gewinnen zu können und muss natürlich vor allem strebsam sein und die Projekte zur vollsten Zufriedenheit abarbeiten. Der aktuelle Boom in der Immobilienbranche hilft natürlich dabei, sich auch mit eigenen Projekten auf eigene Beine stellen zu können. Aber eine kontinuierliche gute Arbeit ist von äußerster Wichtigkeit und so konnte unser Büro auch durch mehrere Immobilienkrisen über die vergangenen 50 Jahre hinweg bestehen.

Wie feiern Sie Ihre Erfolge?

Im Büro teilen wir unsere Erfolge mit Familienmitgliedern und unseren Mitarbeitern. In speziellen Fällen wird auch mal eine Flasche Champagner geöffnet. Persönlich belohne ich mich gerne mit einer privaten Auszeit. Ein Tag, ein Wochenende, eine Exkursion.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?

Über Misserfolge wird mit stoischer Weiterarbeit hinweggegangen.

Was stört Sie in der Immobilienbranche? Und was finden Sie besonders gut?

Die Berliner Immobilienbranche boomt. Das ist für Architekten natürlich grundsätzlich von Vorteil. Andererseits erhöht sich dadurch auch die Konkurrenz. Gesellschaftlich kritisch ist natürlich die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt. Auch für mittelständige Unternehmen und Personen wird es zunehmend schwierig, sich eigene Immobilien leisten zu können. In der Tat ist es aus diesem Grund auch erforderlich, gewisse politische Instrumentarien zu entwickeln, die dem entgegenwirken. Ich bin jedoch stark am Zweifeln, ob die Strategien des aktuellen Berliner Senats hierfür die richtigen sind. Vielmehr habe ich aufgrund dieser Entwicklungen eher die Befürchtung, dass die Instandsetzung bestehender und der Bau neuer Wohnungen extrem stark zurückgehen wird. Dies werden nicht nur die Wohnungssuchenden zu spüren bekommen, sondern vor allem auch die kleinen Architekturbüros und Handwerksunternehmen.

Baulöwe, Miethai, Heuschrecke: Leute, die mit Immobilien Geld verdienen (wollen), haben nicht immer den besten Ruf. Zu Recht?

Als Architekt habe ich das Glück, dass ich zwar zum einen der Immobilienbranche zugeordnet werden kann, jedoch die negativen Konnotationen im Allgemeinen nicht an das Berufsbild des Architekten gebunden sind. Sollte man den Umfragen Glauben schenken, so gehört der Architekt mit zu den beliebtesten Berufsbildern.

Sie würden jungen Leuten raten, den Weg in die Immobilienwirtschaft einzuschlagen, weil...

Ein Dach über dem Kopf ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Insofern wird es auch bei jeder Krise den Bedarf nach Wohnraum geben. Wir haben zwar auch schon Phasen erlebt, wo es ein Überangebot an Wohnraum gab und entsprechend die Immobilienwirtschaft krankte. Grundsätzlich halte ich die Immobilienbranche jedoch für verhältnismäßig stabil.

Was wären Sie heute gerne, wenn nicht Immobilienprofi?

Bei Architekten spricht man oft nicht nur von einem Beruf, sondern von Berufung und so war auch bei mir der Wille, Architekt zu werden, so groß, dass es nie wirklich eine Alternative gegeben hat. Für die Zukunft kann ich mir jedoch vorstellen, mehr Zeit auf dem Lande zu verbringen. Ob nur als Gast am Wochenende oder in irgendeiner Form als Landwirt soll die Zukunft zeigen.

Was bringt Sie auf die Palme?

Grundsätzlich bin ich ein eher ausgeglichenes Gemüt. Ich suche immer nach Lösungsmöglichkeiten und versuche, auch die Gegenseite zu reflektieren. Was mich privat nervt, ist Entscheidungsunfreudigkeit, und was ich in meinem Team fordere, ist pünktliche und gute Arbeit.

Wie können Sie besonders gut abschalten?

Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie im Freien, in der Natur, am See, im Wald, im Garten. Am besten abschalten von allem - von der Arbeit, von anderen Anspannungen - kann ich jedoch beim Reiten.

Welche kürzlich besuchte Veranstaltung hat Ihnen besonders gut gefallen und warum?

Ein Besuch in der Staatsoper mit Ballettaufführungen von S. Eyal und A. Ekman hat mich besonders beeindruckt. Dies ist kein klassisches Ballett, sondern eine Art Techno-Inszenierung in Ballettform. Diese gerade in den frisch hergerichteten Räumlichkeiten der Staatsoper zu sehen, fand ich außerordentlich spannend. Dementsprechend war auch das Berliner Szene-Publikum in diesen doch sehr traditionsreichen Räumlichkeiten vertreten und gerade dieses Spannungsverhältnis macht Berlin aus.

In welcher Bar/Restaurant/Diskothek kann man Sie häufiger antreffen?

Vor 20 Jahren hätte ich Ihnen noch eine Lokalität nennen können, wo ich regelmäßig bin. Damals wäre es wahrscheinlich das "90 Grad" gewesen. Zwischendurch haben mich zehn Jahre Auslandsaufenthalt in Indien etwas aus dem Leben in Berlin herausgenommen. Seit meiner Rückkehr sind auch meine Kinder Teil der Familie und so bin ich meistens Zuhause oder im Büro anzutreffen und nur sporadisch gibt es einen kulinarischen Ausflug in die Stadt zu unterschiedlichen Orten.

Verraten Sie uns auch noch Ihr Lieblingsgericht?

Natürlich gibt es viele leckere Sachen, die ich gerne esse: einen guten Fisch, ein paar Scampis, einen hausgemachten Braten und knackiges Gemüse. Wenn ich aber daran denke, was ich am häufigsten esse und auch immer wieder essen kann, dann ist es Ei mit Brot in seinen verschiedensten Darreichungsformen.

Wenn Sie an Ihren letzten Urlaub denken, denken Sie an …?

Mein letzter Urlaub war ein außerordentlich spannender. Meine Mutter arbeitet seit über 25 Jahren als Archäologin an einer Ausgrabung einer Pyramide im südamerikanischen Peru. Sie hat dort die älteste Hochkultur Südamerikas von 3800 v. Chr. nachweisen können. Damit meine Kinder mit eigenen Augen diese spannende abenteuerliche Arbeit ihrer Großmutter wahrnehmen können und in Erinnerung behalten, bin ich mit meinen Zwillingen nach Peru gereist und habe dort zusammen mit meinem Vater und meiner Nichte meine Mutter auf ihrer Grabung besucht.

Mit welcher noch lebenden Persönlichkeit würden Sie gerne einen Abend verbringen?

Gerne würde ich einen Abend zu Hause mit Papst Franziskus zusammensitzen und mich mit ihm über seine persönlichen Ansichten unterhalten. Vor allem sein Streben nach "Tenderness", also nach Zärtlichkeit der Menschen untereinander, konfessionsunabhängig, halte ich für ausgesprochen schön und achtenswert. Obwohl ich mich der europäischen und der christlichen Kultur zugehörig fühle, sehe ich die christliche Kirche aber auch sehr kritisch. Gerade die Bibel als wegweisendes Dokument halte ich für äußerst fragwürdig.

Mit wem würden Sie gerne mal für einen Tag das Leben tauschen? Warum?

So wie ich mir auch ein Gespräch mit Papst Franziskus vorstellen könnte, würde ich auch gern einen Einblick in sein Leben und seinen Tagesablauf sowie das Leben im Vatikan nehmen. Als Architekt würden mich natürlich die Schichten, Einzelheiten und verborgenen Ecken dieses jahrhundertealten Gebäudekomplexes interessieren und faszinieren. Als Mensch hingegen, denke ich, gibt es nur wenige Lebensformen, die so andersartig als das normale profane Leben eines arbeitenden Familienvaters sind. Wie viel dieses Lebens Strategie und harte Arbeit ist und wie viel davon tatsächlich geistiger Kontemplation - das würde mich interessieren.

Gibt es etwas im Ausland, was Sie in Deutschland vermissen?

Grundsätzlich zieht einen das Interesse an der Andersartigkeit ins Ausland. Dabei ist zunächst einmal unwichtig, ob diese Andersartigkeit besser oder schlechter ist. Das Interesse an anderen Lebensformen, Kulturen sowie Flora und Fauna motiviert mich zum Reisen. Dabei wird abgeglichen, was davon besser ist als das, was man zu Hause vorfindet. Aufgrund meiner diversen Reisen, aber vor allem auch aufgrund meines langjährigen Aufenthaltes in Indien, habe ich jedoch festgestellt, dass nicht alles auf der anderen Seite des Zaunes grüner ist. Ich bin ausgesprochen glücklich in Berlin und in Brandenburg und genieße das Glück und Privileg, in diesem Land aufgewachsen zu sein und leben zu dürfen.

Sie haben 100.000 Euro zur freien Verfügung und müssen das Geld komplett ausgeben – welchen Traum erfüllen Sie sich?

Wenn ich 100.000 Euro zur Verfügung und vor allem mehr Zeit hätte, dann würde ich sicherlich noch mehr reisen und weitere Länder anschauen, vielleicht findet sich ja doch ein Ort, der auch langfristig lebenswerter ist.

IZ

Ferdinand Rock und die Laubs verbünden sich

Holger Lahm (links) und Ferdinand Rock führen Tristone.

Holger Lahm (links) und Ferdinand Rock führen Tristone.

Quelle: Tristone Real Estate, Urheber: Severin Schweiger / Das Kraftbild

Karriere 30.01.2020
Ferdinand Rock, lange Jahre München-Chef von JLL und zuletzt Geschäftsführer Development bei Investa, und Optima Aegidius bündeln ihre Kräfte. Ulf und Jens Laub, die Chefs des ... 

Ferdinand Rock, lange Jahre München-Chef von JLL und zuletzt Geschäftsführer Development bei Investa, und Optima Aegidius bündeln ihre Kräfte. Ulf und Jens Laub, die Chefs des Münchner Projektentwicklers, haben zusammen mit Rock und Holger Lahm, der ebenfalls von Investa kommt, die Gesellschaft Tristone Real Estate gegründet. Tristone soll "Nischen bedienen", in denen sich Optima Aegidius bisher nicht tummelte.

Die Laub-Brüder halten über Optima Aegidius 50% an Tristone. Die restlichen 50% teilen sich Lahm und Rock. Gehalten werden die Anteile der beiden Managing Partner Rock und Lahm, der bei der Investa Holding Head of Underwriting war, über je eigene Beteiligungsvehikel. Im Falle von Rock heißt das Vehikel, das nur zu diesem Zweck gegründet wurde, Real Estate 5 Rocks.

Ins Beuteschema von Tristone passen gewerbliche Projektentwicklungen und Value-add-Objekte - und zwar nicht nur in München, wo Tristone seinen Sitz hat, sondern auch in Berlin sowie in den Speckgürteln der beiden Metropolen. Was die Assetklassen angeht, schlägt Rocks Prägung auf Büroimmobilien durch. Rock leitete früher den Bereich Bürovermietung bei JLL. Doch auch Industrieobjekte kommen infrage.

"Wir freuen uns, mit Ferdinand Rock und Holger Lahm zwei ausgewiesene Experten mit hervorragenden Referenzen für unsere Firmengruppe gewonnen zu haben. Die erste Entwicklung für 50 Mio. Euro steht schon kurz vor Abschluss, weitere sollen folgen. Unsere Marktbreite wird mit Tristone nochmals an Fahrt aufnehmen, da wir jetzt auch die Nischen bedienen, die wir bisher vernachlässigt haben", lassen Jens und Ulf Laub als Inhaber und Vorstände von Optima Aegidius ausrichten. Den erwähnten ersten gemeinsamen Streich wollen die Partner in München landen, so viel verrät Rock.

Was mit "Nischen" gemeint ist, erläutert Rock im Gespräch mit der Immobilien Zeitung: "Tristone macht kleinere Projekte als Optima Aegidius, aber - zusammen mit anderen Kapitalquellen aus dem Inland und Ausland - auch größere." Heißt Pi mal Daumen in Zahlen ausgedrückt: Tristone schaut sich Projekte in der Größenordnung unter 50 Mio. Euro an sowie größere mit Volumina von über 100 Mio. Euro.

Die schiere Projektgröße ist aber beileibe nicht das einzige Merkmal der Unterscheidung: So nehmen Rock und Lahm außerdem auch Bestände in Augenschein - während die Laubs sich klassischerweise auf den Neubau konzentrieren. Zudem zieht Tristone die Großräume rings um die Standorte München und Berlin in Betracht, die sich das Team von Optima Aegidius vielleicht nicht anschauen würde.

Bei kleinen und mittelgroßen Projekten investiert Tristone auf die eigene Bilanz. "Für größere Volumina beziehen wir ausgewählte Kapitalsammelstellen ein", so Rock. Als Teil der Optima-Aegidius-Firmengruppe hofft Rock, mit seiner jungen Firma "von den Stärken eines renommierten Projektentwicklers mit rund 3 Mrd. Euro Projektentwicklungserfahrung und einem aktuellen Track von 200.000 m² alleine in Berlin und München" profitieren zu können.

Harald Thomeczek

IZ-Stipendium: 1. Semester – Raumplanung und Märkte (4)

Der aktuelle Studiengang mit Katharina Gerdes

Der aktuelle Studiengang mit Katharina Gerdes

Katharina Gerdes

Karriere 28.01.2020
Mittlerweile sind die ersten Wochen und die erste Klausurenphase vorbei und das erste Semester neigt sich dem Ende entgegen. Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen. ... 

Mittlerweile sind die ersten Wochen und die erste Klausurenphase vorbei und das erste Semester neigt sich dem Ende entgegen. Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen.

Semesterorganisation
Der Studiengang "Real Estate & Leadership" ist in vier bzw. fünf Semester gegliedert. So umfasst der sogenannte "Fast-Track" insgesamt 24 Monate und der "Regular-Track" 30 Monate. Der Beginn des Studiums erfolgt immer zum Oktober eines jeden Jahres. Ich habe mich vor Studienbeginn für den Regular-Track entschieden, um die Studieninhalte und eine Werkstudententätigkeit in einem angemessenen Verhältnis kombinieren zu können. Dies scheint mir im Rückblick auf die vergangenen Monate auch die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Neben dem theoretischen Studium kann ich so einzigartige praktische Erfahrungen in den Top-Unternehmen der Branche sammeln. Die theoretischen Inhalte lassen sich so in der Praxis direkt anwenden. So kann ich neu Erlerntes nicht nur vertiefen, sondern auch direkt einsetzen.

Die Vorlesungen an der Hochschule erfolgen in Blockwochen, welche einmal pro Monat stattfinden. Eine Blockwoche findet dabei in der Regel von montags bis samstags statt und umfasst im Durchschnitt acht Stunden pro Tag. Die übrigen Wochen können für berufliche Tätigkeiten genutzt werden, um gleichzeitig gezielt praktische Erfahrungen sammeln zu können. Dieses Angebot nutzen alle Studierenden, wobei der Umfang und die Art der Beschäftigung sich stark unterscheiden. Während einige Studierende ihre zuvor bestehende Vollzeittätigkeit stundenmäßig reduzieren, gehen andere Studierende einer Werkstudententätigkeit nach. Meine persönliche Entscheidung für Letztere habe ich bisher aufgrund des hohen Lernpensums nicht bereut.

Modulinhalte
Im Allgemeinen werden die Module vollständig auf Englisch gehalten, welches meiner Ansicht nach ein entscheidender Vorteil der HSBA ist. Im ersten Semester sind die Module "Asset Classes & Markets", "Housing, Urban & Spatial and Development" sowie "Architecture" thematisiert worden. Gleichzeitig werden mit "Leadership" und "Sustainability" zwei interdisziplinäre Module unterrichtet, die sich über alle Semester erstrecken. Externe Dozenten, Professoren ausländischer Universitäten und zahlreiche Exkursionen beleben den Unterricht. Generell kann an der HSBA nicht von einer klassischen Vermittlung von Lerninhalten "Typ Vorlesung" - einer liest, alle schlafen - gesprochen werden. Vielmehr handelt es sich um spannende Diskussionen und ein dynamisches, interaktives Miteinander, welches durch die unterschiedlichen beruflichen Hintergründe der Studierenden entsteht. Ein sowohl bei Studierenden als auch bei Lehrenden beliebtes Tool zur Gestaltung der Vorlesungen sind Präsentationen. Sowohl in Gruppen als auch einzeln werden regelmäßig in den verschiedenen Modulen Präsentationen erstellt, gehalten und besprochen. Durch die regen Gruppenarbeiten zur Erstellung der Präsentationsleistungen kommen sich die Studierenden viel näher als im klassischen Frontalunterricht. So profitieren wir als Studierende gegenseitig von den individuellen Hintergründen und Erfahrungen. Ein weiterer, unterschätzter Vorteil von Präsentationsleistungen ist meines Erachtens das stetige Trainieren von wichtigen Softskills. Souverän vor Gruppen sprechen, Diskussionen führen und mit Kritik konfrontiert zu werden und diese auch auszuhalten, sind wichtige Fähigkeiten für den späteren (Wieder-)Einstieg in das Berufsleben.

Klausurenphase
Die erste Klausurenphase an der HSBA habe ich ebenfalls weniger traditionell wahrgenommen. Überwiegend wurden schriftliche Ausarbeitungen, Projekte und Präsentationen sowie mündliche Prüfungen durch die Studierenden abgegeben. Klassische schriftliche Prüfungen gab es weniger. Der Aufwand sollte jedoch nicht unterschätzt werden. So hatten wir beispielsweise die Aufgabe, im Modul "Asset Classes & Markets" innerhalb von vier Wochen eine Investment-Strategie für einen Pensionsfonds zu entwickeln. Andere würden eine klassische schriftliche Prüfung hier bevorzugen. Ich finde eine Prüfungsleistung dieser Art durch die aktive Auseinandersetzung mit aktuellen Trends und den Marktentwicklungen in der Immobilienbranche deutlich spannender.

Mirko Tinz