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JLL beendet bald das Kapitel Kurzarbeit

Im Sono West, dem deutschen Hauptsitz von JLL in Frankfurt (Bockenheimer Landstraße 55), arbeiten demnächst wieder sämtliche Kollegen von Personalchefin Anita Thelen Vollzeit. Allerdings reicht der Platz aufgrund der Abstandsregeln nicht mehr für alle.

Im Sono West, dem deutschen Hauptsitz von JLL in Frankfurt (Bockenheimer Landstraße 55), arbeiten demnächst wieder sämtliche Kollegen von Personalchefin Anita Thelen Vollzeit. Allerdings reicht der Platz aufgrund der Abstandsregeln nicht mehr für alle.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies

Karriere 03.07.2020
Der Immobilienberater und -dienstleister JLL wird das Kapitel Kurzarbeit Ende Juli komplett schließen. Ursprünglich hatte das Unternehmen bis Ende September an seinem Kurzarbeitssystem ... 

Der Immobilienberater und -dienstleister JLL wird das Kapitel Kurzarbeit Ende Juli komplett schließen. Ursprünglich hatte das Unternehmen bis Ende September an seinem Kurzarbeitssystem festhalten wollen. Bei Neueinstellungen will sich die neue Personalchefin Anita Thelen aufgrund der Unwägbarkeiten der Corona-Krise weiterhin zurückhalten.

"Wir werden zum 1. August aus der Kurzarbeit rausgehen", sagt Anita Thelen, seit Mai 2020 Head of Human Resources Central Europe bei JLL und damit auch für das Personal in Deutschland zuständig. "Die Lage hat sich zwar nicht entspannt, aber wir sehen, dass der Motor in der deutschen Wirtschaft wieder anspringt, und haben daher festgestellt, dass wir mit den Zeitbudgets nicht mehr auskommen."

Schon jetzt arbeiten viele Kollegen wieder normal

JLL habe bereits zum Juli große Teile des Unternehmens, darunter die Kapitalmarktbereiche, Valuation und Teile des Leasingbereichs, aus dem gewählten "unternehmerischen Kurzarbeitssystem" wieder herausgenommen. Zum 1. August sollen dann alle rund 1.050 Mitarbeiter hierzulande wieder ihre vertraglich festgelegte Arbeitszeit aufnehmen. Das Unternehmen beende die Kurzarbeit damit zwei Monate früher als ursprünglich geplant.

Dem Vernehmen nach soll die Arbeitszeit der deutschen Belegschaft teilweise um bis zu 50% reduziert worden sein. Je nach Gehaltsklasse soll das Unternehmen das Kurzarbeitergeld unterschiedlich stark aufgefüllt haben: auf 100% (bei den unteren Gehaltsklassen), 80% (im Mittelfeld) - oder gar nicht (bei den oberen Gehaltsklassen).

JLL erklärt, man habe bei der Umsetzung der Kurzarbeit "mehrere Gruppen gebildet, um den Mitarbeitern in deren individueller Situation die größtmögliche finanzielle Sicherheit zu bieten". Einige Bereiche seien in den vergangenen Monaten komplett von der Kurzarbeit ausgenommen gewesen, und bei vielen Mitarbeitern sei die Arbeitszeit nur um 20% reduziert gewesen. Auch viele andere Maklerhäuser hatten im Zuge der Corona-Krise Kurzarbeit eingeführt.

"Wir genehmigen Stellen, aber sehr reduziert"

Neueinstellungen hat JLL in Deutschland aufgrund der Corona-Krise bis auf Weiteres stark reduziert. An dieser selektiven Personalpolitik - "Responsible Recruitment" - will Thelen nicht zuletzt mit Blick auf die bestehenden Mitarbeiter weiterhin festhalten. "Einen Einstellungsstopp haben wir nicht verhängt", betont Thelen. "Wir genehmigen jede Woche Stellen, je nach den Anfragen aus den Business-Bereichen, aber sehr reduziert und nur kritische Positionen." Gefragt sind aktuell vor allem erfahrene Kräfte. Doch auch für Nachwuchskräfte sei die Tür nicht per se verschlossen: Fünf der acht Teilnehmer des kürzlich ausgelaufenen Trainee-Programms wurden unbefristet übernommen.

Bewerbungsverfahren für Trainee-Programm ausgesetzt

Das Bewerbungsverfahren für das diesjährige Trainee-Programm hat das Unternehmen im Frühjahr abgebrochen. Verträge waren noch nicht geschlossen worden und mussten daher auch nicht gekündigt werden. Einen Neustart des Trainee-Programms noch in diesem Jahr schließt Thelen zumindest nicht aus. Generell gelte: "Wir beobachten das Marktgeschehen sehr intensiv und entscheiden agil und unternehmerisch, wo wir eventuell über Einstellungen wieder nachdenken können oder nicht."

Alle Werkstudenten und Praktikanten mussten gehen

Mit der Einführung der Kurzarbeit hatte JLL zugleich die Vertragsverhältnisse mit Werkstudenten und Praktikanten beendet, "um die Stammbelegschaft zu schützen und weil ein Regelbetrieb in unseren Büros nicht mehr aufrechtzuerhalten war", so Thelen. Eine Prognose, wann JLL Werkstudenten und Praktikanten wieder an Bord nehmen könnte, wollte die neue Personalchefin unter Verweis auf die Ungewissheiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nicht wagen. "Wir sind in jedem Fall daran interessiert, Azubis und Trainees auszubilden. Zu unseren Werkstudenten und Praktikanten halten wir engen Kontakt, und das Hochschulmarketing läuft mit digitalen Formaten und über unsere Alumni-Netzwerke weiter."

Harald Thomeczek

Unsere Männer machen auch einen Riesenjob!

v.l.n.r.: Janine Jaensch, Drees & Sommer (Urheber: Mario Hochhaus), Sabine Wieduwilt, Dentons (Quelle: Dentons Europe LLP), Maria Wolleh, kallan Rechtsanwaltsgesellschaft (Urheber: Hoffotografen in Berlin) und Johanna Friedek, DIC (Quelle: DIC Onsite GmbH, Urheber: Andi Werner).

v.l.n.r.: Janine Jaensch, Drees & Sommer (Urheber: Mario Hochhaus), Sabine Wieduwilt, Dentons (Quelle: Dentons Europe LLP), Maria Wolleh, kallan Rechtsanwaltsgesellschaft (Urheber: Hoffotografen in Berlin) und Johanna Friedek, DIC (Quelle: DIC Onsite GmbH, Urheber: Andi Werner).

Karriere 02.07.2020
An der Seite jeder erfolgreichen Immobilienfrau, die Kinder hat, steht ein Mann, der sie tatkräftig bei der Care-Arbeit unterstützt. Das gilt nicht erst seit der Corona-Krise, aber jetzt ... 

An der Seite jeder erfolgreichen Immobilienfrau, die Kinder hat, steht ein Mann, der sie tatkräftig bei der Care-Arbeit unterstützt. Das gilt nicht erst seit der Corona-Krise, aber jetzt ganz besonders. Wohl der, die sich vorher schon den richtigen Partner ausgesucht hat.

Corona hat das Unmögliche möglich gemacht: Mama und Papa arbeiten komplett von zuhause, getrennt von Chefs, Kollegen und Untergebenen. Dafür sind die Kinder ständig um sie rum, weil Kitas und Schulen dicht sind. Einem solchen Szenario hätte kein Personaler vorher seinen Segen gegeben. Jetzt ist es seit drei Monaten Realität. Und es funktioniert. Aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen: Mutter, Vater - und ihre Arbeitgeber.

"Wir haben versucht, zeitgleich zu arbeiten, drei vollwertige Mahlzeiten zu kochen, den Haushalt zu schmeißen und unsere sieben Monate und drei Jahre alten Kinder zu betreuen, damit wir beide den Anforderungen, die wir selbst an uns stellen, gerecht werden. Dazu noch die unterschiedlichen Arbeitsweisen im Homeoffice, die uns so aneinander noch nicht aufgefallen waren", erzählt Janine Jaensch (31), Business Development Partner bei Drees & Sommer. Nach einer Woche kam das große Erwachen: "Das hat alles vorne und hinten nicht geklappt, und wir wurden weder den Kindern noch der Arbeit gerecht. Der Haussegen hing schief." Dabei ist Jaensch in Elternzeit und wollte nur ihre Netzwerkthemen vorantreiben.

Jaensch und ihr Mann, der international im Management tätig ist, rückten den Haussegen wieder gerade, indem sie Tag für Tag einen Stundenplan aufstellten und festlegten, wer wann arbeiten darf und mit wem wann zu rechnen ist (und wann ganz sicher nicht), und den Alltag drumherum bauten. "Überschneidungen haben wir, so gut es ging, vermieden; wir haben aus der ersten Woche viel gelernt ...", schmunzelt Jaensch.

Bei Sabine Wieduwilt (47) war das alles ein bisschen einfacher. Nicht etwa, weil Wieduwilt, Partnerin bei der Kanzlei Dentons in Frankfurt, sich jetzt komplett ums Familienmanagement kümmern würde - ganz im Gegenteil: "Ich bin dankbar dafür, dass mein Mann - wie vorher auch - zum Großteil die Kinderbetreuung übernommen hat und ich gleichzeitig die Möglichkeit hatte, meinen Kindern näher zu sein." Wieduwilts Mann arbeitet freiberuflich. In der Corona-Krise sind Aufträge dünn gesät: "Bei uns wissen alle, dass es auf meinen Job ankommt, weil ich das Geld für sechs Personen verdiene."

Und der Job einer Immobilienanwältin ist mit den Folgen eines Shutdowns für manchen Mieter und Vermieter nicht leichter geworden: Wieduwilt und ihre Kollegen mussten nicht nur das operative Geschäft aufrecht erhalten, sondern sich "parallel zügig in die rechtlichen Themen rund um Covid-19 einarbeiten und uns ständig intern abstimmen. Ich habe in dieser Zeit intensiv und sehr vernetzt gearbeitet."

Nun sind die Kinder der Familie Wieduwilt längst aus dem Kita-Alter raus. Doch vier Kinder sind auch dann noch eine Herausforderung, wenn sie elf, 13, 18 und 19 Jahre alt sind. Die Älteste ist zwar schon an der Uni - aber wegen der Corona-Pandemie und Online-Vorlesungen wieder bei ihrer Familie eingezogen.

"Ich reduziere für deine Karriere auf 80%"

Bei Johanna Friedek lief es weniger entspannt. Die 40-Jährige hat zwei Söhne: einen älteren Sohn (13), der mitten in der Pubertät steckt, und einen jüngeren (6), der "wegen der sozialen Isolation kleine Macken entwickelt hat. Er ist immer anhänglicher geworden und hat schlecht geschlafen." Die 40-Jährige leitet seit Anfang 2020 die Kölner Niederlassung von DIC Onsite. Fast ein wenig stolz erzählt sie, wie ihr Partner vor ein paar Monaten auf sie zukam und ihr von sich aus anbot: "Du, ich will auf 80% runtergehen, weil du doch noch einen Schritt nach vorne machen willst. Ich übernehme auch gern mehr vom Haushalt." Zum 1. Mai hat er sein Versprechen wahrgemacht.

Friedek trägt die Verantwortung für 17 Immobilien mit 300.000 m² Mietfläche und einem Wert von knapp 1,5 Mrd. Euro. Mit dem Lockdown bekam sie die eine oder andere Mietstundungsthematik auf den Tisch (DIC Onsite ist der Property-Manager der Gewerbeimmobilien-AG DIC Asset). Friedeks Mann ist, genau wie sie, in einer leitenden Position, ihrer beider Alltag war immer schon geprägt von Abstimmungen, Kompromissen und einem partnerschaftlichen Miteinander.

Dass berufstätige Mütter die Verlierer der Krise sind, weil die Kinderbetreuung gerade jetzt vor allem an ihnen hängen bleibt und so auch weibliche Karrieren ausgebremst werden - wie dieser Tage so oft zu lesen und zu hören ist -, das können die Immobilienfrauen so gar nicht bestätigen. Vielmehr betonen alle, was für einen tollen Familien-Job die Väter ihrer Kinder nicht erst seit gestern machen: "In unserer Kanzlei - und so auch in meiner Familie - sind die Männer in ihren Familien engagiert und haben etwa ihre Arbeitszeiten entsprechend flexibel gehandhabt, was wir auch ermöglicht haben", sagt Maria Wolleh (51), Partnerin bei der Berliner Kanzlei kallan und Vorstandsmitglied des Branchennetzwerks Frauen in der Immobilienwirtschaft.

Beziehungen, in denen die Frau in der Krise die Hauptlast trägt, hatten, vermutet Jaensch, schon vorher eine Schlagseite zuungunsten der Mutter. Ihr Mann und sie haben schon während des Studiums "ein klares Commitment getroffen: Wir wollen beide Karriere und wir wollen beide Familie". Und beide stellen auch hohe Ansprüche ans Familienleben: "Wir haben keine Kinder bekommen, um sie wegzuorganisieren. Und eine funktionierende Ehe sollte auch noch dabei rumkommen."

Wolleh fühlte sich zu Beginn des Shutdowns wie im Auge des Orkans. "Bei uns wurde es erst einmal ruhiger, weil all die Reisen und Meetings für meinen Mann und mich wegfielen, z.B. zur Immobilienmesse Mipim. Die Webinare fingen ja erst ein paar Wochen später an." Ihre Kanzlei stellte Mitte März, als auch die Schulen schlossen, auf Homeoffice um. Ein Glück auch in Corona-Zeiten war, dass die Schule, auf die ihre Tochter (16 Jahre) und ihr Sohn (11) gehen, "schon vorher über ein sehr gut funktionierendes Onlineschooling verfügten; so klappte das Homeoffice parallel zum Homeschooling gut. Die Lehrer waren ansprechbar und haben sich schnell gekümmert."

Und, auch dies ein Glück: Viele Mitarbeiter konnten zumindest nach einigen Wochen die Notbetreuung für ihre Kinder in Anspruch nehmen, weil Anwälte seitdem zu den systemrelevanten Berufen zählen. Trotzdem, versichert Wolleh, war es kein Problem, wenn eine Kollege oder eine Kollegin nicht immer erreichbar war, wenn bei einem Video-Call mal ein Kind durchs Bild lief oder wenn ein Mitarbeiter ein Gespräch unterbrechen musste, um kurz mit dem Nachwuchs etwas zu regeln.

So viel von der Partnerwahl abhängt, so wichtig ist ein Arbeitgeber, der seine Leute nicht hängen lässt. "Unsere CEO Sonja Wärntges hat sofort auf den Shutdown reagiert", erzählt Friedek. Wärntges sorgte dafür, dass alle Mitarbeiter schnell mobile Arbeitsgeräte erhielten. Sie ließ Rechnungs- und Genehmigungsläufe digitalisieren, erlaubte individuelle Arbeitszeitmodelle und gewährte ihren Leuten einen Homeoffice-Zuschuss: "Video-Calls sind mittlerweile fester Bestandteil unseres Alltags und nicht mehr wegzudenken." Zudem stellte Wärntges, wo erforderlich, den Kollegen eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung für die Notbetreuung aus.

Harald Thomeczek

Drees & Sommer investiert ins Homeoffice

Karriere 02.07.2020
Bürofläche und damit Miete sparen und dafür in die persönliche Arbeitsumgebung der Mitarbeiter investieren: Corona & Co. geben Drees & Sommer (Dreso) Gelegenheit, sich zu fragen, ob ... 

Bürofläche und damit Miete sparen und dafür in die persönliche Arbeitsumgebung der Mitarbeiter investieren: Corona & Co. geben Drees & Sommer (Dreso) Gelegenheit, sich zu fragen, ob die eine oder andere Fläche nicht verzichtbar ist.

Nach Ansicht von Martin Becker, Partner bei Dreso, bietet die intensive Nutzung des Homeoffice die Chance nachzudenken: "Wie viel Platz brauchen wir eigentlich?", Und zu überlegen, gesparte Miete für Büroflächen in die Qualität von Arbeitsplätzen zu stecken, also etwa in die technische Ausstattung der Mitarbeiter oder in die persönliche Arbeitsumgebung zu investieren. Dreso hat laut Becker im Zuge der Corona-Krise schon einen sechsstelligen Betrag in die Verfügbarkeit von Rechner- und Leitungskapazitäten für seine Leute investiert. "Wir können für die Ressourcen sorgen, weil sich Homeoffice als ein Element der Arbeitswelt etablieren wird." Becker ist sich sicher, dass solche Investitionen nicht verloren sein werden, wenn das Schreckgespenst Corona sich irgendwann wieder verzogen haben sollte.

Dreso beschäftigte sich auch mit den rechtlichen Themen des Homeoffice. Dazu zählt die Frage, wer für die DIN-gerechte Ausstattung (Verkabelung, E-Prüfung der Geräte, Ergonomie) des heimischen Arbeitsplatzes zuständig sein wird. Das ist allerdings nicht neu, sondern bereits seit der Einführung der ersten sogenannten "Tele-Arbeitsplätze" vor über 20 Jahren in der Diskussion (Stichworte: Datenschutz, Arbeitssicherheit, Versicherung usw.).

Unter den jetzigen Bedingungen können bei Dreso nur noch 50% bis 70% der Arbeitsplätze belegt werden. Je nach Zuschnitt der Flächen im Gebäude sogar nur ein Drittel. Wo der Schutz der Mitarbeiter nur schwer gewährleistet werden kann, geht die Tendenz dahin, "nach Möglichkeit das Homeoffice weiter zu nutzen, wo immer es geht", sagt Becker.

Wie viel Bürofläche an welchem Standort bis auf weiteres nicht mehr genutzt werden kann, das hängt sehr vom jeweiligen Gebäude ab. Wo der Anteil kleiner Räume (Einzelzimmer, kleine Besprechungsräume etc.) groß ist, liegt der Prozentsatz höher. In dicht besiedelten Open-Space-Flächen werden dagegen - wegen der Überschneidung von Verkehrs- und Erschließungsflächen mit den erforderlichen Abständen der Corona-Prävention - mehr Arbeitsplätze nicht nutzbar sein, führt Becker aus. Es geht aber nicht nur um Arbeitsplätze: Mitzubedenken sind auch Begegnungsflächen wie Treppenhäuser und Flure oder Infrastrukturflächen wie Nassräume und die Cafeteria, die wegen der Sicherheitsabstände nicht mehr so viele Leute aufnehmen können.

Harald Thomeczek

Die Spaßfabrik läuft auch im Homeoffice

Katze am Schreibtisch: ein Siegermotiv beim internen Fotowettbewerb der HIH-Gruppe.

Katze am Schreibtisch: ein Siegermotiv beim internen Fotowettbewerb der HIH-Gruppe.

Quelle: Intreal

Karriere 25.06.2020
Lachen macht bekanntlich locker, lässt die Kollegen zusammenrücken und steigert die Produktivität. Gerade in Zeiten der Corona-Krise und sozialer Distanzierung kommt dem Humor eine ... 

Lachen macht bekanntlich locker, lässt die Kollegen zusammenrücken und steigert die Produktivität. Gerade in Zeiten der Corona-Krise und sozialer Distanzierung kommt dem Humor eine bedeutende Rolle zu. Die HIH-Gruppe und Architrave liefern Beispiele, wie man Kollegen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

Na klar, die Katze hat gewonnen! Was in sozialen Medien ein Garant für eine Flut an Likes ist, funktioniert auch beim Fotowettbewerb unter den Kollegen von Investmentmanager HIH. Die Katze ist das schmückende Beiwerk eines heimischen Arbeitsplatzes einer Mitarbeiterin, die das Foto davon beim Wettbewerb im Intranet eingereicht hatte. In der intensiven Homeoffice-Zeit wurden die Kollegen alle zwei Wochen aufgerufen, ihre Lieblingsmotive zu unterschiedlichen Themen einzureichen. Dabei ging es etwa ums Homeoffice, das Frühstück oder die schönste Atemschutzmaske.

Susanne Edelmann, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der HIH-Gruppe, ist mit der Aktion "durchweg zufrieden". Die Aktion sei sehr gut angekommen und wurde von vielen genutzt. "Es waren auch nicht immer dieselben, die mitgemacht haben", erzählt Edelmann. Mit dem Wettbewerb hat die HIH-Gruppe gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Kollegen wurden beim Fotografieren kreativ, beim Betrachten unterhalten und animiert, den Kontakt untereinander zu pflegen.

800 Mitarbeiter hatten die Möglichkeit, an dem Wettbewerb teilzunehmen, sei es als Einsender eines Fotos oder auch als Jury-Mitglied. Denn die Mitarbeiter selbst haben per Klick das beliebteste Motiv ausgewählt. Mit 325 Mal "Gefällt mir" setzte sich in der ersten Wettbewerbsrunde das Katzen-Homeoffice gegen etwa 20 weitere Motiven durch. Die fünf Bestplatzierten erhielten jeweils einen Gutschein für örtliche Lokale im Wert von 25 Euro.

Der Aufwand für den internen Spaß hielt sich Edelmanns Beschreibungen zufolge in Grenzen. Die eigene IT habe die Webseite programmiert, sodass innerhalb von zwei, drei Tagen das Formular online war. Hinzu kam ein kleines Erklärvideo, wie das Hochladen und Abstimmen funktioniert.

Wer es hingegen deutlich aktiver mag und den unmittelbaren Austausch und gemeinsamen Spaß mit den Kollegen sucht, könnte an der Idee von Architrave Gefallen finden, ein Pub-Quiz digital zu veranstalten. Die Spielregeln sind schnell erklärt: Verschiedene Teams treten gegeneinander an und müssen Fragen lösen, die sich ein Quizmaster zuvor ausgedacht hat. Wer die Fragen richtig beantwortet und am meisten Punkte sammelt, hat das Quiz gewonnen.

Agile-Coach überlegt sich Pub-Quiz-Fragen

Das Pub-Quiz hat - wie der Name schon vermuten lässt - seinen Ursprung in irischen und britischen Kneipen. Architrave hat es nun ins Digitale übersetzt, indem es die Teilnehmer in einen virtuellen Raum per Google Hangouts setzt. Die vier, fünf Teams haben zudem parallel jeweils eigene Schalten. Das Quiz geht über mehrere Runden und dauert etwa 50 Minuten. "Da machen etwa 40 Leute mit", sagt Architrave-Geschäftsführer Maurice Grassau, der etwa 110 Mitarbeiter führt.

Was sich vom Spielprinzip her so einfach anhört, entpuppt sich als etwas aufwändig in der Vorbereitung. Bei Architrave ist die Agile Coach damit beschäftigt, sich geeignete Fragen auszudenken. Die dürfen nicht zu einfach, nicht zu schwer sein und müssen Raum für witzige Diskussionen innerhalb der Teams lassen. "Das sind teils Fragen zu Architrave, teils zum Allgemeinwissen und teils sehr lustige Fragen", erzählt Grassau.

Das Pub-Quiz ist nur eine von vielen solcher Aktionen von Architrave. Das Freitagabend-Bier unter Kollegen mit spielerischen Elementen wie eine Malspaß-Partie Scribbl gehört ebenfalls dazu. Das Datenmanagement-Unternehmen setzt ganz gezielt darauf, sein Arbeitgeber-Image auch in Zeiten intensiven Homeoffices zu pflegen. "Der humorvolle Umgang gehört bei uns zum guten Ton", sagt Grassau.

Anke Pipke

Vom Energieberater zum DGNB Consultant

Karriere 22.06.2020
Harald Thomeczek

Traumjobs in der Immobilienwelt: Studenten behalten Ziele im Blick

Was wohl die Zukunft bringt? Studenten sind da optimistisch. Manche rechnen wieder ab Herbst mit mehr offenen Stellen.

Was wohl die Zukunft bringt? Studenten sind da optimistisch. Manche rechnen wieder ab Herbst mit mehr offenen Stellen.

Quelle: imago images, Urheber: Shotshop

Karriere 18.06.2020
Der Traumjob der meisten Studierenden in der Immobilienbranche ist weiterhin der des Projektentwicklers. Das hat die Arbeitsmarktbefragung der Immobilien Zeitung ergeben. Auf den weiteren ... 

Der Traumjob der meisten Studierenden in der Immobilienbranche ist weiterhin der des Projektentwicklers. Das hat die Arbeitsmarktbefragung der Immobilien Zeitung ergeben. Auf den weiteren Plätzen folgen Tätigkeiten im Asset-, Investment- und Projektmanagement.

Es ist kein Nine-to-five-Job und ein direktes Studium dafür ist bislang an Deutschlands Universitäten und Hochschulen selten. Dennoch zieht es auch in diesem Jahr die meisten Studierenden, die an der Arbeitsmarktbefragung der Immobilien Zeitung teilgenommen haben, in die Projektentwicklung. 41% der 419 Befragten nannten diesen Berufswunsch. "Besonders interessant finde ich die Mischung aus technischem Verständnis, kaufmännischen Aufgaben und Kreativität", sagt die 26-jährige Chantal Bonnöhr, die im siebten Semester an der Bochumer EBZ Immobilienwirtschaft, Bau- und Projektmanagement studiert. "Schon nach der Ausbildung zur Immobilienkauffrau wusste ich, dass ich im Bereich der Projektentwicklung arbeiten möchte." Der 23-jährige Lukas Lohmann, der an der TH Mittelhessen im sechsten Semester studiert, schwärmt in den höchsten Tönen von seinem Traumjob: "Die Vorstellung, einmal Teil von prägenden Bauprojekten zu werden, reizt mich sehr." Dabei hat er besonders die Entwicklung von Büros und Wohnungen im Blick. Ein 27-jähriger Student der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Biberach im dritten Semester hat schon als Werkstudent von 2017 bis 2020 in der Projektentwicklung Erfahrungen gesammelt: "Vor allem die Vielseitigkeit hat mich überzeugt." Und noch etwas ist ihm wichtig: Er möchte nicht nur im Büro sitzen, sondern auch draußen seinen Dienst tun.

Die Silbermedaille bei den Traumberufen erhält auch in diesem Jahr das Asset-Management. 28% der Studenten haben ein Faible für diesen Job. 2019 waren es etwa 25%. Bronze geht an das Investmentmanagement. Fast jeder Fünfte machte hier das Kreuz (2019: 22%). Ein 24-jähriger Student im fünften Semester an der Irebs-Immobilienakademie beispielsweise plant im Investmentmanagement seinen Einstieg, weil er in diesem Feld speziell "für Berufseinsteiger großes Entwicklungspotenzial" sieht. Im Berufsalltag lerne er die Märkte verschiedener Assetklassen und je nach Objekt auch weitere Wertschöpfungsphasen wie Projektentwicklung oder Refurbishment kennen.

Platz vier belegen mit 16% Projektmanagement und -steuerung. Romy Schwenkert gehört zu den Befragten, die hier ihre Zukunft sehen. Sie beendet voraussichtlich 2021 ihr Studium an der Universität Regensburg. Die 23-Jährige arbeitet gerne mit Zahlen, plant und organisiert. Andererseits zieht es sie aber auch in eine "kreativere Richtung".

Etwas abgeschlagen auf dem fünften Platz rangiert das Fondsmanagement mit nur noch knapp 10% Interessenten. Ähnlich groß wie bei den anderen ist allerdings ihre Vorfreude auf die spätere Tätigkeit. Die makroökonomische Betrachtung der Assets findet die 26-jährige IZ-Stipendiatin Katharina Gerdes besonders spannend. Sie studiert an der Hamburg School of Business Administration und macht voraussichtlich im kommenden Jahr ihren Master-Abschluss. "Auch der internationale Fokus spricht mich an", sagt sie. Das Fondsmanagement sei eine vielfältige Tätigkeit, findet zudem Nico Rosen, der an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim seinen Bachelor-Abschluss in Immobilienwirtschaft macht. "Es geht darum, Mietverträge zu optimieren, wertrelevante Instandhaltungen und Modernisierungen zu steuern und Investitions- sowie Dienstleistungsprozesse zu begleiten", sagt der 22-Jährige. Julius Pfennig, ebenfalls 22, der sein Studium im dritten Semester an der bbw Hochschule absolviert, hat schon zwei Jahre in der Immobilienbranche gearbeitet. "In erster Linie hat mich die große Verantwortung gereizt." Die strategischen Entscheidungen, in welche Assetklassen investiert wird, hält er für "außerordentlich spannend".

Asset-Manager sind bescheidener geworden

Innerhalb der verschiedenen Tätigkeitsfelder kristallisieren sich derweil Unterschiede bei den Gehaltsforderungen heraus. Der Spitzenreiter bei der Beliebtheit hat beim Geld jedenfalls nicht die Nase vorn: Wer in die Projektentwicklung strebt, möchte im Schnitt etwa 50.900 Euro im Jahr in seiner Kasse sehen. Das waren 2019 noch 1.000 Euro weniger. Auf der Jahresabrechnung der künftigen Asset-Manager sollten aktuell gut 50.000 Euro stehen. Damit sind die Studenten etwas bescheidener geworden, denn im Vorjahr wünschten sie sich noch 50.700 Euro auf ihrem Konto. Im Investmentmanagement blieb das Wunschgehalt mit 54.200 Euro weitgehend stabil (2019: 54.000 Euro).

Dem Selbstbewusstsein der Studenten können die Einschläge, die die Corona-Krise seit Mitte März auf dem Immobilienmarkt hinterlassen hat, offenbar kaum schaden. Viele der von der Immobilien Zeitung Anfang Juni im Nachgang zur Studie Befragten bleiben felsenfest bei ihren Lohnvorstellungen. "Ich denke, dass die Unternehmen, die trotz der Krise noch einstellen, weiterhin wie bisher vergüten", vermutet etwa der 22-jährige Max William Schiller, der im fünften Semester an der bbw Hochschule in Berlin studiert und schon ein Jahr in der Immobilienbranche gearbeitet hat. Nichtsdestotrotz sieht er gerade jetzt eher bescheidene Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Chantal Bonnöhr hat von Mitstudenten erfahren, dass sich die Bewerbungsprozesse dieser Tage länger hinziehen. "Ich denke jedoch, dass sich die Situation schnell wieder normalisiert." Vor allem das Wohnsegment ist für sie der treibende Motor aus dem Tal nach oben. Einen Job in der Projektentwicklung hat die 26-Jährige jedenfalls schon in der Tasche. Ähnlich gut ist die Lage bei Lukas Lohmann, der momentan neben dem Studium bei einer jungen Projektentwicklungsfirma arbeitet. Hier stehe ihm auch nach dem Studium die Tür offen, freut er sich. "Aber festgelegt habe ich mich noch nicht."

Ein Student der Hochschule Biberach, der ebenfalls in die Projektentwicklung strebt, hat gerade weniger Glück: Vor einem Jahr habe die Lage noch ganz anders ausgesehen, sagt er. "Headhunter kontaktierten mich und viele Stellen waren ausgeschrieben." Obwohl er einer der wenigen ist, die bereits ihre Gehaltsvorstellung um 5.000 Euro nach unten korrigiert haben, liegt ihm noch kein Angebot vor. Mit einem Unternehmen führt er derzeit Gespräche, einige andere haben nach den ersten Terminen wegen der Krise abgesagt.

Ein 24-jähriger Irebs-Student, den es in das Investmentmanagement zieht, hat die Chance beim Schopfe gepackt und trotz der Viruskrise schon einen festen Job im Akquisitionsbereich angenommen. Er habe auch Signale von Kommilitonen und Unternehmen vernommen, dass weiterhin viele Stellen am Markt verfügbar sein werden. Die Betonung liegt auf der Zukunft. "Die sollen erst ab Herbst besetzt werden."

Der künftige Fondsmanager Pfennig rechnet ebenfalls mit keinen langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise. Er plant ohnehin, nach seinem Bachelorabschluss noch drei Jahre für den Master anzuhängen. Sein Pflichtpraktikum bei einem Projektentwickler und Asset-Manager im Sommer kann er allerdings nicht antreten. Das bremst seinen Optimismus aber keinesfalls: "Selbst wenn man von einem pessimistischen Szenario ausgeht, wird sich die Wirtschaft bis dahin von der Krise erholt haben." Da ist er sich sicher. Katharina Gerdes, die auch fest bei ihren Gehaltsvorstellungen bleibt, arbeitet derzeit als Werkstudentin bei Union Investment. Erst im ersten Quartal 2022 stößt sie auf den Arbeitsmarkt. "Ich kann mir gut vorstellen, auch nach meinem Studium noch dort tätig zu sein."

Von einer Corona-Panik oder sonstigen Ängsten sind die befragten Studierenden, die es in die verschiedenen Berufsfelder der Immobilienbranche treibt, somit meist weit entfernt. Viele geben sich trotz der Corona-Krise selbstbewusst und halten an ihren Traumjobs fest.

Daniel Rohrig

Lieber etwas weniger Geld als gar keinen Job

Studenten schauen in Corona-Zeiten in eine nicht mehr ganz so gewisse Zukunft.

Studenten schauen in Corona-Zeiten in eine nicht mehr ganz so gewisse Zukunft.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Ranta Images

Karriere 18.06.2020
Die Gehaltsvorstellungen von Bachelorstudenten sind 2020 um 8% gestiegen. Das zeigt die aktuelle Arbeitsmarktumfrage im Rahmen der Joboffensive der Immobilien Zeitung. Die Befragung fand ... 

Die Gehaltsvorstellungen von Bachelorstudenten sind 2020 um 8% gestiegen. Das zeigt die aktuelle Arbeitsmarktumfrage im Rahmen der Joboffensive der Immobilien Zeitung. Die Befragung fand allerdings größtenteils vor dem Corona-Shutdown statt. Inzwischen gehen viele Studierende von sinkenden Einstiegsgehältern aus - und schrauben ihre eigenen Gehaltsvorstellungen herunter. Arbeitslos will schließlich niemand am Beginn seiner Karriere sein.

Wer rar ist, ist beliebt - und wertvoll: Bachelorstudenten, die ihren Marktwert auf 70.000 Euro brutto im Jahr taxieren. Und sich zwei bis drei Jahre nach dem Berufseinstieg schon bei 100.000 Euro sehen. Okay, das sind Ausnahmen - aber die Regel bestätigen sie allemal. Die Studenten wissen von Praktika und aus Werkstudentenjobs, von ihren Professoren und Gastdozenten aus den Unternehmen, von Kaminabenden und Exkursionen ziemlich genau, welche Gehälter in der Branche gezahlt werden - und packen noch ein paar Prozente obendrauf, um am Ende bei ihrem Wunschgehalt zu landen.

Im Durchschnitt haben die Bachelorstudenten in der diesjährigen Arbeitsmarktumfrage im Rahmen der Joboffensive der Immobilien Zeitung ein Wunschgehalt von 48.600 Euro aufgerufen. Im Vergleich zur Vorjahresumfrage entspricht das einer "Gehaltserhöhung" von immerhin 8%. Masterstudenten wollen zwar nur 1,5% mehr - allerdings von einem deutlich höheren Niveau aus: 53.300 Euro beträgt die aktuelle durchschnittliche Gehaltsvorstellung in dieser Gruppe.

70.000 zum Einstieg, 100.000 nach drei Jahren - in Corona-Zeiten sind Zahlen wie diese für diejenigen, die sie vor dem Shutdown zu Papier gebracht haben, nicht mehr haltbar. Schon allein aus Respekt vor Kumpels und Kommilitonen, die die Krise schon am eigenen Leib zu spüren bekommen haben: kassierte Jobzusagen, Kurzarbeit, Kündigungen in der Probezeit, nur selektive Neueinstellungen, Einstellungsstopps.

Nicht nur die besonders ambitionierten Studenten schrauben ihre Erwartungen herunter, sondern das Gros der Studenten passt sich dem Marktgeschehen an. Teilt man die Antworten auf die IZ-Arbeitsmarktumfrage 2020 in zwei Gruppen - vor und nach dem Lockdown Mitte März -, zeigt sich: Die Gehaltsvorstellungen sind im Schrumpfen begriffen. Im Durchschnitt nicht sehr stark (minus 3%, bei Studentinnen minus 5%), aber die Ausreißer werden seltener, und so mancher Student stellt seine Angaben unter einen Vorbehalt: "Covid-19-Unsicherheit".

Ein BWL-Student, der gerade on the job seinen Master macht und mit einem Wechsel liebäugelt, rechnet mit einem geringeren Jobangebot und räumt ein: "Um konkurrenzfähig zu anderen Bewerbern zu sein, würde ich flexibler auf Gehaltsvorstellungen reagieren." Ein anderer Student sieht eine neue "Verhandlungsbasis" gegeben, denn "die Unternehmen versuchen, generell Personalkosten zu sparen". Und eine Absolventin sagt klipp und klar: "Wenn es hart auf hart kommt, muss man letztlich nehmen, was man bekommt." Angst vor Arbeitslosigkeit - das hat es bei Immobilienabsolventen lange nicht gegeben.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Anspruchsvoll sind die Youngster immer noch, und manche rücken von ihren Gehaltserwartungen auch nicht ab. Denn sie sind guter Dinge, dass das Corona-Tief nur vorübergehend ist und die Immobilienbranche schnell wieder in den Normalmodus zurückfindet. Wo es ums Bauen und Entwickeln von Immobilien, vor allem Wohnungen, oder ums Verwalten von Gebäuden geht, sind die Sorgenfalten kleiner. Aber in einer Branche, in der es fast zehn Jahre lang nur bergauf ging und die Gehälter mitkletterten, fällt es halt schon auf, wenn auf einmal leisere Töne anklingen.

"Viele Studenten waren schon recht verwöhnt"

Personaler sehen das positiv. Jana Heijenga, Personalleiterin beim Beratungsunternehmen Robert C. Spies, rechnet mit einer "Entspannung der Situation: Es wird bei objektiv betrachtet guten Gehältern bleiben, aber sie werden nicht mehr so unverhältnismäßig hoch sein. Wenn man ehrlich ist, waren viele Studenten schon recht verwöhnt."

Tobias Just, wissenschaftlicher Leiter der Irebs Immobilienakademie, hat eine gute Botschaft parat: Krisen bieten die Chance, die Erfahrung zu machen, dass man Krisen überstehen kann; dass schwere Entscheidungen fair getroffen werden können und man sich auf Menschen verlassen kann (oder eben nicht). "Das klingt wie ein schwacher Trost - und das ist er monetär zunächst auch. Aber wir haben im Laufe unseres Berufslebens vielleicht drei oder vier Krisen zu bewältigen."

Wer sich nicht unter Wert verkaufen möchte, der kann sich ja erst einmal gar nicht verkaufen. So wie Yannik Huschka. Weil er nicht riskieren möchte, den Arbeitsmarkt in einer Phase sinkender Einstiegsgehälter zu betreten, "werde ich meine unternehmerischen Tätigkeiten weiter ausbauen", sagt der selbstbewusste 21-Jährige, der schon im BWL-Studium Wohnungen in Koblenz gekauft, saniert und vermietet hat.

Harald Thomeczek

Objektreiniger wollen mehr

Karriere 18.06.2020
Mit der Forderung nach einem Stundenlohnplus von 11% für die meisten Gebäudereiniger ist die IG Bau in die nächste Lohntarifrunde gegangen. ... 

Mit der Forderung nach einem Stundenlohnplus von 11% für die meisten Gebäudereiniger ist die IG Bau in die nächste Lohntarifrunde gegangen.

Genau 12 Euro statt bisher 10,80 Euro pro Stunde für Gebäudereiniger der Lohngruppe 1: So lautet die Kernforderung der IG Bau, mit der sie am vergangenen Dienstag in die Verhandlungen um den nächsten Lohntarifvertrag gegangen ist. Fenster- und Fassadenreiniger (Lohngruppe 6) sollen nach dem Willen der Bundestarifkommission Gebäudereinigung der IG Bau ab dem 1. Januar 2021 ebenfalls 1,20 Euro mehr pro Stunde verdienen. Ihre Löhne sollen von 14,10 auf 15,30 Euro (plus 8,5%) steigen. Für alle anderen der insgesamt neun Lohngruppen in der Gebäudereinigung sieht der Forderungskatalog der Arbeitnehmervertreter ein Plus von 6,5% vor. Azubis sollen über alle Ausbildungsjahre 100 Euro mehr pro Monat bekommen.

Die IG will damit die Kunden stärker zur Kasse bitten. "Durch die Corona-Pandemie sind auch die Kunden aufgewacht. Alle sehen, wie wichtig Reinigungsstandards sind", sagt IG-Bau-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführerin Ulrike Laux.

Das Thema 13. Monatsgeld hat die IG Bau hintangestellt, hält aber laut Laux an einem "Einstieg ins Weihnachtsgeld" fest. Dieser soll in Gestalt von 80 Stundenlöhnen für Vollzeitkräfte vollzogen werden. Teilzeitbeschäftigte sollen ein entsprechend geringeres Weihnachtsgeld erhalten.

Harald Thomeczek

Vertreibung aus dem Zuckerwatteland

Berufseinsteiger machen gerade die Erfahrung, dass der Immobilienmarkt zyklisch ist: Es geht rauf - und irgendwann auch wieder runter.

Berufseinsteiger machen gerade die Erfahrung, dass der Immobilienmarkt zyklisch ist: Es geht rauf - und irgendwann auch wieder runter.

Quelle: iStock.com, Urheber: martin-dm

Karriere 18.06.2020
Studierenden von immobilienwirtschaftlichen Fachrichtungen lachte in der Branche jahrelang die Sonne. Mit dem Corona-Lockdown dieses Jahr machen die Jungen ihre erste Krisenerfahrung. Um ... 

Studierenden von immobilienwirtschaftlichen Fachrichtungen lachte in der Branche jahrelang die Sonne. Mit dem Corona-Lockdown dieses Jahr machen die Jungen ihre erste Krisenerfahrung. Um den Sturm abzuwettern, wird der eine oder die andere Abstriche machen müssen. Das zeigt die Arbeitsmarktumfrage 2020 der Immobilien Zeitung (IZ).

Die kamen mit fünf Verträgen zu mir und wollten, dass ich ihnen sage, welcher der beste ist", erzählt ein Professor, der Immobilienstudenten unterrichtet. Denn es ist noch nicht lange her, da rollten Immobilienunternehmen dem Nachwuchs sozusagen den roten Teppich aus. Die Branche im Endlos-Boom, die Auftragsbücher voll, die Firmen auf Wachstumskurs und Köpfejagd. Wer sein Studium abschloss, konnte aus einem ganzen Katalog von Jobangeboten wählen.

Wie gut es in der Immobilienwirtschaft lange lief, erfuhr der Nachwuchs besonders einprägsam auf dem wichtigsten Branchentreff hierzulande. "Die Expo Real 2019 war für uns alle wie ein Zuckerwatteland", erzählt Lisa Miosga, 28 Jahre, die Anfang des Jahres ihr Masterstudium an der Universität Regensburg abgeschlossen hat. "Der Immobilienmarkt ist zyklisch. Es gibt Hochphasen, die geprägt sind von hoher Liquidität, viel Enthusiasmus und einer entsprechenden Risikobereitschaft. Genau das war letztes Jahr auf der Expo Real zu spüren."

Jobaussichten sind nicht mehr ganz so rosig

Die Arbeitsmarktumfrage 2020 der IZ zeugt von dieser Hochphase. Die Befragung begann allerdings lange vor dem Lockdown Mitte März. Gut drei Viertel der 419 Studenten füllten den Fragenkatalog aus, bevor große Teile des Wirtschaftslebens in den coronabedingten Dornröschenschlaf fielen. Von diesen Vor-Corona-Teilnehmern beurteilten 82% ihre Chancen auf einen direkten Berufseinstieg auf einer Skala von eins (schlecht) bis sechs (sehr gut) mit einer Fünf oder Sechs (siehe dazu die Grafik "Corona-Krise trübt die Jobaussichten"). In der Nach-Corona-Gruppe bewerten nur noch 69% ihre Einstiegschancen als sehr gut oder gut.

Miosga könnte entspannt in die Zukunft schauen: "Mein Arbeitsverhältnis ist unbefristet und ich werde überdurchschnittlich gut bezahlt." Die Masterabsolventin wurde vom Essener Projektentwickler Greyfield, bei dem sie als Werkstudentin jobbte, in eine Festanstellung übernommen. Auch unter ihren (Ex-)Kommilitonen fällt ihr kein einziger ein, "der nicht etwas bekommen oder wo das Unternehmen einen Rückzieher gemacht hätte". Doch die junge Frau ist sich sicher: "Ein geringer Abschwung ist definitiv nicht aufzuhalten."

Maklerhäuser und Berater hat es schwer getroffen

In Teilen der Branche ist der Abschwung schon da - und bei den Nachwuchskräften angekommen. Mit kolportierten Umsatzeinbrüchen von bis zu 60% sollen vor allem Maklerhäuser und Beratungsgesellschaften schwer getroffen sein. Young Professionals mit ein, zwei Jahren Berufserfahrung in einem Beratungshaus berichten von Bonuskürzungen und verschobenen Gehaltserhöhungen. Urlaubsbestände und Überstunden müssen auf Geheiß von oben abgebaut werden.

Andere hat es schlimmer erwischt: "Bei mehreren bekannten Unternehmen wurden aufgrund der Corona-Krise Kündigungen von Absolventen während der Probezeit oder von Young Professionals vorgenommen", berichtet Stefanie Saß. Saß kennt viele Nachwuchskräfte für die Bau- und Immobilienwirtschaft: Sie ist Geschäftsführerin der Personalberatung engagingtalents, die sich auf Talente für genau diese Branchen spezialisiert hat.

Erste Einschläge - und die Verunsicherung nimmt zu

Thomas Beyerle kennt ebenfalls den einen oder anderen Leidtragenden persönlich. "Aktuell lassen sich bei meinen Absolventen aus dem letzten Jahrgang in der Tat die ersten Einschläge dokumentieren: in der Probezeit gekündigt oder in Kurzarbeit", berichtet der Geschäftsführer von Catella Property Valuation, der an der Hochschule Biberach Immobilienresearch lehrt. "Nach Lehman war die Lage am Anfang entspannter; es dauerte länger, bis Einschläge sichtbar wurden. Die Verunsicherung nimmt zu."

Nicht, dass bereits die ganze Branche im Krisenmodus steckt. Aber vor ein paar Monaten hätte wohl niemand geglaubt, dass Immobilienberatungsunternehmen oder Investmentmanager ihre Belegschaft plötzlich nach Sparpotenzialen durchforsten. Dass Neueinstellungen komplett gestoppt oder auf ein Minimum reduziert werden und dass befristete Verträge plötzlich ein Thema werden. Und dass Werkstudenten nach Hause geschickt oder gleich ganz gekündigt werden.

Letzteres ist gerade deshalb bitter, weil der Weg zu einer Festanstellung nach dem Studium nicht selten über einen Werkstudentenjob führt. Eine Absolventin fragt sich, ob das mündliche Jobangebot, das sie als Werkstudentin bei einer der großen vier Beratungsgesellschaften im Januar bekommen hat, jetzt noch steht. Doch in der Krise stellt der Mann, der ihr dieses Angebot unterbreitet hat, sich tot. "Selbst nach mehrmaliger Kontaktaufnahme in neutralem Ton meinerseits wurde darauf verzichtet, mir zu antworten. Ich hätte vollstes Verständnis gehabt für ein: Bitte abwarten - wir wissen es selbst nicht."

Die bittere Erkenntnis, die die junge Frau mitnimmt: "Auch nach der Krise möchte ich nicht für ein Unternehmen arbeiten, das in solch einer Situation sein Gesicht verliert." Ihre Enttäuschung ist deshalb so groß, weil sie den Herrn bzw. das Unternehmen und ihre alten Kollegen schon "so lange kennt und an verschiedenen Projekten erfolgreich mit ihnen zusammengearbeitet hat, stundenlang bis in die Nacht".

Jetzt zeigt sich, auf wen man sich verlassen kann

Auf seinen Arbeitgeber verlassen kann sich dagegen anscheinend Carl Christof Korb. Der angehende Bauingenieur musste seine Tätigkeit als Werkstudent im Property-Management bei BNP Paribas Real Estate in Leipzig im März unfreiwillig einstellen. Und er hat dafür Verständnis: "Es ist eine schwierige wirtschaftliche Situation, wo Entscheidungen zum Besten des Unternehmens getroffen werden müssen. Mein Fall ist nicht einzigartig, alle Werkstudenten meiner Firma in Deutschland durften nicht mehr zur Arbeit kommen." Naturgemäß hat sich Korb in den vergangenen Wochen deshalb die Frage gestellt, ob er für das Unternehmen nach diesem Erlebnis noch arbeiten möchte. Die Antwort gab die Firma: "Mein Arbeitsvertrag ist bis Mitte Juni datiert, wird jedoch aufgrund meiner Anfrage nach einer Verlängerung bis zum Ende meines Studiums im September verlängert. Das wurde vereinbart, und nach mündlicher Absprache rechne ich dann mit einem Angebot zur Festanstellung."

Laut IZ-Arbeitsmarktumfrage haben fast zwei Drittel (62%) aller 419 Teilnehmer noch keinen Job in der Tasche. Selbst von denjenigen, die dieses Jahr auf den Arbeitsmarkt kommen (237 Studierende), waren 54% zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht vergeben. Manch einem der Absolventinnen und Absolventen dürfte die Corona-Krise einen Strich durch die Karriereplanung gemacht haben.

Selbst wer sich seiner Sache sicher zu sein glaubte, kann dieser Tage plötzlich mit leeren Händen dastehen: "Bei einem Kommilitonen von mir wurde der Arbeitsvertrag noch vor Antritt aufgehoben", erzählt Yannik Huschka, der dieses Jahr seinen Abschluss macht, aber "keine gute Ausgangssituation" mehr vorfindet. "Kurzfristig haben viele Unternehmen Stellenanzeigen zurückgenommen und Assessment-Center abgesagt. Führungskräfte sind vorsichtig mit Neueinstellungen geworden." Huschka, der BWL in Mannheim studiert, hat sich deshalb dafür entschieden, seine unternehmerische Ader auszuleben.

"In einer Krisenphase steigt die Bildungsnachfrage"

Eine andere Alternative: einfach weiterstudieren. Nur eine verschwindend geringe Minderheit der Befragten gab in der IZ-Umfrage zu Protokoll, nach dem laufenden Studium genau das vorzuhaben. Der eine oder andere hat sich inzwischen offenbar umentschieden. Hanspeter Gondring, wissenschaftlicher Leiter der ADI Akademie der Immobilienwirtschaft, weiß: "In einer Krisenphase steigt die Bildungsnachfrage." Verena Rock, Immobilienprofessorin an der Hochschule Aschaffenburg, pflichtet bei: "Wir beobachten deutlich steigende Bewerberzahlen für unseren Master Immobilienmanagement und auch eine sehr gute Erstnachfrage für den Bachelor Digitales Immobilienmanagement." Rocks Analyse: Viele setzen in der Krise auf gute Aus- und Weiterbildung, zum Teil zur Überbrückung, aber vor allem für einen besseren Karrierestart danach.

Sicher, es gibt viele Firmen, die einstellen, manche gerade wegen der Krise mehr als zuvor. Die Assetklassen Wohnen und Logistik gelten als ziemlich krisenresistent, und lebensmittelgeankerte Handelsimmobilien ebenso. Bewerter sind in der Krise besonders gefragt, und bestehende Gebäude müssen auch in Corona-Zeiten noch verwaltet und instand gehalten werden - von Facility- und Property-Managern. Auch die Projektentwicklung gilt als sicherer Hafen.

"Wir können nur auf Sicht fahren"

Doch eine Prognose trauen sich die wenigsten Arbeitgeber zu. "Unsere Produkte und Investments entwickeln sich stabil; trotzdem können auch wir nur auf Sicht fahren und schauen, wie sich der Markt entwickelt", sagt Sandra Scholz, im Vorstand der Commerz Real u.a. für Personalthemen verantwortlich. Alle Programme runterfahren und komplett am Nachwuchs sparen - "das wäre wirklich nur die Ultima Ratio". Die Zusagen für ihre Trainees, die am 1. April anfingen, hielt die Commerz Real daher ein. Ebenso wie die Commerzbank-Tochter bei Nachwuchskräften, die zu Beginn des Lockdowns zur unbefristeten Übernahme anstanden, Wort hielt. Die Gretchenfrage ist, wie es weitergeht: Die zweite Trainee-Tranche startet bei dem Asset- und Fondsmanager normalerweise Anfang Oktober: "Wir haben noch nicht abschließend entschieden, wie wir damit umgehen", sagt Scholz ehrlich.

Jobs gibt es noch genug - nur nicht mehr überall

Es kommt also nicht von ungefähr, dass sich die Erwartungshaltung der Studenten durch die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus spürbar verändert hat. Sicherheit steht auf einmal hoch im Kurs (siehe dazu die Grafik "Covid-19 verändert die Ansprüche"). Ein Mitzwanziger, der gerade berufsbegleitend seinen Master macht und danach eigentlich den Arbeitgeber wechseln wollte, verrät: "Bedingt durch den wirtschaftlichen Abschwung werde ich vorsichtiger bei einem Wechsel sein." Wie gut, dass der junge Mann schon einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat.

Mag das Zuckerwatteland auch geschlossen haben, Immobilienspezialisten haben immer noch gute Jobkarten. "Alle können in diesem Land morgen einen Job in der Immobilienwirtschaft bekommen - vielleicht nicht mehr um die Ecke, aber in Frankfurt, München oder London allemal", macht Beyerle Mut. Beim Traumjob, konstatiert Headhunterin Saß, wird ein Teil der Absolventen allerdings Abstriche machen müssen. Professorin Rock rät: "Steckt nicht den Kopf in den Sand, sondern bewerbt euch aktiv - auch wenn offiziell Einstellungsstopp an der Tür steht. Sucht eher einen Nischenplayer. Ihr müsst nicht unbedingt als erstes einen großen Namen auf dem CV stehen haben."

Praktika sind eine gute Alternative

Vielleicht braucht, wer seine hohen Ansprüche verwirklichen will, nur etwas mehr Geduld als früher. Die frischgebackene Bachelorabsolventin Vanessa Hummer will noch einen berufsbegleitenden MBA an der Irebs draufsatteln. Den richtigen Arbeitgeber, der ihr den MBA möglichst finanziert, sucht die ehrgeizige und anspruchsvolle 24-Jährige noch. Dass der Zeitpunkt nicht gerade günstig ist, ist ihr bewusst. Sie lässt die Partnersuche darum lieber langsam angehen: "In der derzeitigen Situation ist ein Praktikum eine sehr gute Alternative - für beide Seiten -, um sich unverbindlich kennenzulernen und den Sturm auszusitzen."

Harald Thomeczek