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Die Jobs bei Dreso sind erst mal sicher

Steffen Szeidl sucht mit Drees & Sommer den Weg zurück zur Normalität.

Steffen Szeidl sucht mit Drees & Sommer den Weg zurück zur Normalität.

Quelle: Drees & Sommer SE, Urheber: Leif-Hendrik Piechowski

Karriere 23.04.2020
Drees & Sommer (Dreso) sieht die Arbeitsplätze seiner weltweit rund 4.000 Mitarbeiter in der Corona-Krise im Moment nicht in Gefahr. "Wenn alles bis Ende August wieder anläuft, halten ... 

Drees & Sommer (Dreso) sieht die Arbeitsplätze seiner weltweit rund 4.000 Mitarbeiter in der Corona-Krise im Moment nicht in Gefahr. "Wenn alles bis Ende August wieder anläuft, halten wir das gut durch", sagte Vorstandsmitglied Steffen Szeidl im Gespräch mit der Immobilien Zeitung. Das Planungs- und Beratungsunternehmen reagiert mit neuen Leistungsbildern, einem vorübergehenden Verzicht auf einen Teil der Bonuszahlungen und einer gedrosselten Personalpolitik auf die Krise.

Das international tätige Unternehmen aus Stuttgart spürt die Krise an vielen Stellen. Das von eh und je Marktschwankungen unterworfene Beratungsgeschäft mit Transaktionen oder im FM-Consulting hat dabei stärker gelitten als die klassischen Management- oder Planungsaufträge. Deutschen Großkunden aus der Automobilindustrie sind die Hände gebunden. Bauprojekte in China, aber auch in Europa - Spanien oder Italien, Frankreich oder Niederlande - wurden ausgebremst. In einzelnen europäischen Ländern, darunter Österreich oder die Schweiz, wo Dreso ebenfalls große Projekte am Laufen hat, wurde Kurzarbeit angemeldet. Das Kurzarbeitergeld stockt Dreso auf 80% auf.

Kurzarbeit bisher nur im Ausland

In Deutschland schickte der Mittelständler aus dem Ländle die Mitarbeiter bisher nicht in Kurzarbeit: "Die Arbeit ist ja da. 95% unserer Beratungsprojekte und Baustellen laufen", sagt Szeidl. "Und wo doch etwas gestoppt wurde, gilt es jetzt eben, die Arbeit flexibel auf die einzelnen Unternehmenseinheiten zu verteilen."

Um Liquidität zu sichern, greift Dreso zu diversen Instrumenten. Eines davon: Die Führungsmannschaft und die Mitarbeiter verzichten vorerst auf Geld. Die beiden obersten Führungsebenen, also Partner und Associate Partner (insgesamt rund 90 Personen), bekommen im April nur 40% ihres Bonus für das Jahr 2019, das sehr gut lief, fristgerecht ausgezahlt. Die restlichen 60% sollen sie im Juni erhalten, wenn alles gut geht. Praktisch alle anderen Mitarbeiter dagegen sehen 80% der Gewinnbeteiligung schon jetzt und müssen zunächst nur auf 20% verzichten. "Der andere Teil wird im Nachgang ausgeschüttet oder als Risikopuffer einbehalten", sagt Szeidl.

Sollte Dreso in Deutschland ebenfalls auf das Mittel Kurzarbeit zurückgreifen, will das Unternehmen laut Szeidl auch hier "80% des Gehalts absichern". Für die reduzierte Arbeitszeit erhalten Arbeitnehmer bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze (6.900 Euro in westlichen Bundesländern, 6.450 Euro im Osten) von der Arbeitsagentur ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 60% des Nettogehalts bzw. 67% bei Mitarbeitern mit Kindern. In Deutschland sei Kurzarbeit - wenn überhaupt - nur in vereinzelten Teileinheiten ab Mai oder Juni geplant. Derzeit kämen jedoch noch viele Aufträge rein, sodass dies nicht mit Sicherheit notwendig sein werde.

Neue Kollegen, die schon vor dem Shutdown eingestellt wurden, müssen allerdings ihren Beitrag zur Liquiditätssicherung leisten: "Wer laut Arbeitsvertrag offiziell zum 1. Mai oder zum 1. Juni anfängt, bei dem reduzieren wir die Probezeit", erklärt Szeidl. Das offizielle Startdatum bleibt, aber die Leute fangen de facto einen oder zwei Monate später an. Die Idee hinter der Sache: Vergütet wird die entgangene Arbeitszeit nicht, Geld eingespart.

Bis August kommt Dreso Stand heute in der Heimat gut durch die Krise, ist sich Szeidl sicher. "Wir gehen in unserem Szenario davon aus, dass wir bis Ende Juni in Deutschland einen Zustand der Arbeitsfähigkeit erreicht haben: dass die Produktion in der Industrie, z.B. bei den Autobauern und ihren Zulieferern, wieder auf Hochtouren läuft, dass Restaurants, Hotels und Geschäfte wieder mit Auflagen öffnen dürfen - und dass die Baustellen weiterhin durchgängig betrieben werden dürfen."

Neueinstellungen hat Dreso nach dem behördlich verordneten Shutdown in Deutschland Mitte März sofort zu einem großen Teil zurückgestellt. Hat das Unternehmen sonst laufend um die 350 bis 400 Stellen weltweit ausgeschrieben, beschränkt es sich jetzt auf knapp 100 Positionen, die sich um die strategischen Zukunftsfelder Digitalisierung und Nachhaltigkeit ranken.

"Die meisten großen Unternehmen können diese Situation nur zwei bis maximal vier Monate stemmen, dann wird es zu Insolvenzen und existenzbedrohenden Schräglagen kommen", sagt Szeidl mit Blick auf die deutsche Wirtschaft. Für die Autoindustrie und ihre Zulieferer stehen jetzt schon Umsatzverluste von 25% bis 40% im Raum. Den Rekrutierungsstopp für das Gros der Jobs will das Dreso-Management erst aufheben, wenn sich abzeichnet, wohin die Reise für die Unternehmen geht.

Offene Stellen wurden auch aus praktischen Erwägungen auf Eis gelegt: "Wie sollen wir denn einen Planer onboarden, wenn alle im Homeoffice sind?", fragt Szeidl rhetorisch. Bei einem Bauleiter ginge das ja vielleicht noch eher, weil er mit seinen Kollegen auf der Baustelle zusammenkommt, überlegt Szeidl. Andererseits soll sich die Mannschaft lieber voll und ganz auf die Projekte konzentrieren.

Das Beratungsgeschäft, das u.a. die Bereiche Real Estate Consulting, Facility-Management-Beratung, Engineering-Beratung und User Experience umfasst, trug im Jahr 2019 ca. 80 Mio. zum Gesamtumsatz von 500 Mio. Euro bei, wie Szeidl der Immobilien Zeitung exklusiv verrät. Um Umsatzrückgänge vor allem in diesem Segment zu kompensieren, wurden in den vergangenen Wochen mehrere neue Leistungsbilder entworfen, mit denen Dreso Kunden in der Krise beispringt. Eins davon rankt sich um die kontrollierte Stilllegung von Gebäuden, das Leerstandsmanagement und die Wiederinbetriebnahme. "Zehn bis zwölf Aufträge in diesem Bereich haben wir schon erhalten", berichtet Szeidl. "Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass uns im Real Estate Consulting zwei Wochen vor Ostern die Arbeit ausgeht. Mit den neuen Aufträgen kommen wir schon viel weiter."

Dreso denkt zudem jetzt für öffentliche Bauherren über die Wiederbelebung stillgelegter Krankenhäuser oder die Umnutzung von Messe- und Sporthallen nach. "Das geht bis zu Containerlösungen beim Landarzt." Szeidl hat dabei nicht nur an die reine Gebäudehülle im Sinn, sondern auch "Modular Health Solutions", also vollständig ausgestattete Behandlungsräume für Covid19-Patienten, die kurzfristig geschaffen und "vor die Klinik gestellt" werden können.

Reaktivierung hier, drohende Deaktivierung da: Auch Baustellen, die geschlossen werden müssen, sind ein Geschäftsfeld. Wird eine Baustelle stillgelegt, drohen vor allem bei Großprojekten die Zeit- und Budgetpläne aus dem Ruder zu laufen. Schließlich entstehen auch dann Kosten, wenn die Arbeiten ruhen. Szeidl rechnet vor: "Der Abbau von zwei Kränen kostet z.B. um die 10.000 Euro. Aber wenn die nur rumstehen, ohne genutzt zu werden, verursachen sie vielleicht Kosten von 30.000 oder 40.000 Euro." Andererseits sei die günstigste Lösung nicht immer zugleich die beste für einen schnellen Neustart.

Eine starke Zunahme sieht Szeidl bei der digitalen Steuerung von Abläufen am Bau (Lean Construction Management). "Gewisse Ressourcen fehlen auf den Baustellen ja jetzt schon. Hier helfen digitale Lösungen, um besser zu koordinieren." Der Dreso-Manager denkt an Hilfskräfte aus Polen oder Tschechien und ausbleibendes Baumaterial. "Hat ein Malertrupp z.B. auf der einen Baustelle gerade nichts zu tun, weil es irgendwo hakt, könnte man ihn auf einer anderen einsetzen."

Ein anderes Beispiel: Remote Desktop Due Diligence. Darunter verbirgt sich die Ankaufsprüfung ohne eine Vor-Ort-Begehung oder maximal mit einer Schnellbegehung durch Dreso. Das geht natürlich nur, räumt Szeidl ein, "wenn die Daten vorhanden sind". Selbst dann ist das Risiko für den Käufer einen Tick größer - aber die Chancen auch.

Mit einem "Ideathon" zu neuen Geschäftsideen

Die neuen Businessmodelle sind zum Teil von der eigenen Belegschaft erdacht worden. Das Dreso-Management bat die Mitarbeiter zum digitalen "Ideathon". Sinn der Übung: konkrete, direkt umsetzbare Krisenlösungen für die Kunden entwickeln. "Es gab über 50 Einreichungen, und es wurden fünf Sieger gekürt", erzählt Szeidl. "Teils sind das interne Effizienzthemen, teils gehen wir mit externen Partnern Geschäftsmodelle an."

Während die Pandemie Europa voll im Griff hat, befindet sich Dreso in China mit knapp 60 Mitarbeitern im Restart-Modus. "Es geht jetzt nicht nur darum, Projekte hochzufahren, sondern auch darum, den Stillstand aufzuholen, soweit es geht. Außerdem müssen wir die Verträge mit unseren Kunden anpassen, z.B. neue Fertigstellungstermine vereinbaren - das ist nahezu die doppelte Arbeit beim Wiederhochfahren der Baustelle."

Harald Thomeczek

Kurzarbeit bei BNPPRE

Auf der Mipim in Cannes - hier das Carlton-Hotel - konnte BNPPRE heuer keine Mandate einsammeln.

Auf der Mipim in Cannes - hier das Carlton-Hotel - konnte BNPPRE heuer keine Mandate einsammeln.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Peter Dietz

Karriere 23.04.2020
Die Kurzarbeit unter deutschen Maklerhäusern greift offenbar weiter um sich. Auch BNP Paribas Real Estate (BNPPRE) soll davon Gebrauch machen. ... 

Die Kurzarbeit unter deutschen Maklerhäusern greift offenbar weiter um sich. Auch BNP Paribas Real Estate (BNPPRE) soll davon Gebrauch machen.

JLL, NAI apollo - und jetzt auch BNPPRE? Eine für gewöhnlich gut unterrichtete Quelle erzählt, dass praktisch alle Mitarbeiter des Maklerhauses von der Maßnahme der Kurzarbeit betroffen sein sollen. Wie stark die Kürzung ausfällt, darüber liegen keine genauen Informationen vor. Die Mitarbeiter von BNPPRE erleiden in jedem Fall Gehaltseinbußen. Die Arbeitsagentur übernimmt - bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 6.900 Euro (im Osten: 6.450 Euro) - nur 60% des entgangenen Nettogehalts bzw. 67% für Mitarbeiter mit mindestens einem Kind. Arbeitgeber können das Kurzarbeitergeld jedoch aufstocken. BNPPRE mache nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch, ist zu hören.

Ein Direktor bei BNPPRE z.B. soll rund 3.500 Euro brutto im Monat verdienen. Hinzu kommt in normalen Zeiten eine Provisionsvorauszahlung über weitere 3.500 Euro. Provisionen zahlt BNPPRE auch noch aus - allerdings geht auf den Investment- und Vermietungsmärkten aktuell nicht mehr viel.

Zum Vergleich: NAI apollo hatte erklärt, Kurzarbeitergeld auf 100% des Grundgehalts aufzufüllen. JLL soll Gehälter dagegen laut Marktkreisen nicht aufstocken.

Entlassungen sollen bei BNPPRE in Deutschland kein Thema sein, das Unternehmen wolle alle Mitarbeiter durch die Krise mitnehmen, heißt es. Für Kollegen mit befristeten Verträgen, also z.B. solche in Probezeit, soll dies allerdings nicht unbedingt gelten. BNPPRE wollte die Informationen auf Anfrage der Immobilien Zeitung weder bestätigen noch dementieren.

Harald Thomeczek

"Wenn alles bis August wieder anläuft, halten wir das durch"

Steffen Szeidl, Vorstandsmitglied von Drees & Sommer.

Steffen Szeidl, Vorstandsmitglied von Drees & Sommer.

Quelle: Drees & Sommer SE, Urheber: Leif Piechowski

Karriere 21.04.2020
Für Drees & Sommer (Dreso) war 2019 mal wieder ein Spitzenjahr. Der Umsatz legte um rund 18% auf ca. 500 Mio. Euro zu (2018: plus 12% auf 424,9 Mio. Euro). Das verriet ... 

Für Drees & Sommer (Dreso) war 2019 mal wieder ein Spitzenjahr. Der Umsatz legte um rund 18% auf ca. 500 Mio. Euro zu (2018: plus 12% auf 424,9 Mio. Euro). Das verriet Vorstandsmitglied Steffen Szeidl der Immobilien Zeitung exklusiv und vorab. Dann kamen das Coronavirus und in seinem Gefolge der Shutdown in vielen Ländern. Das Planungs- und Beratungsunternehmen aus Stuttgart reagiert u.a. mit neuen Leistungsbildern, einer gedrosselten Personalpolitik und einem vorübergehenden Verzicht auf einen Teil der Bonuszahlungen auf die Krise.

Das rund um den Globus tätige Unternehmen spürt die Krise an vielen Stellen. Das von eh und je Marktschwankungen unterworfene Beratungsgeschäft, das 2019 noch ca. 80 Mio. Euro (16%) zum Gesamtumsatz beisteuerte, leidet stärker als die klassischen Management- oder Planungsaufträge. Doch auch Bauprojekte in China sowie in Europa – Spanien oder Italien, Frankreich oder Niederlande – wurden ausgebremst.

In einzelnen europäischen Ländern macht Dreso Kurzarbeit, aber bis dato nicht in Deutschland: "Die Arbeit ist ja da. 95% unserer Beratungsprojekte und Baustellen laufen", sagte Vorstandsmitglied Steffen Szeidl der Immobilien Zeitung.

Die Arbeit im Beratungsgeschäft geht erstmal nicht aus

Um Umsatzrückgänge zu kompensieren, hat Dreso in den vergangenen Wochen mehrere neue Leistungsbilder entworfen. Eines davon dreht sich um das Herunterfahren von Gebäuden, Leerstandsmanagement und Wiederinbetriebnahme. "Zehn bis zwölf Aufträge in diesem Bereich haben wir schon erhalten", berichtet Szeidl. "Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass uns im Real Estate Consulting zwei Wochen vor Ostern die Arbeit ausgeht. Mit den neuen Aufträgen kommen wir schon viel weiter."

Eine andere neue Geschäftsmöglichkeit: Speziell für öffentliche Bauherren denkt Dreso jetzt über die Wiederbelebung stillgelegter Krankenhäuser oder die Umnutzung von z.B. Sporthallen nach. "Das geht bis zu Containerlösungen beim Landarzt." Szeidl hat dabei nicht nur an die reine Gebäudehülle im Sinn, sondern auch vollständig ausgestattete Behandlungsräume für Covid-19-Patienten, die kurzfristig geschaffen und "vor die Klinik gestellt" werden können.

Alle leisten ihren Beitrag zur Liquiditätssicherung

Dreso reagiert zudem mit der Sicherung von Liquidität auf die Krise: Partner und Associate Partner bekommen im April nur 40% ihres Bonus für 2019 ausgezahlt. Die restlichen 60% sollen sie im Juni erhalten. Praktisch alle anderen Mitarbeiter müssen zunächst auf 20% der Gewinnbeteiligung verzichten. "Der andere Teil wird im Nachgang ausgeschüttet oder als Risikopuffer einbehalten", erklärt Szeidl.

Auch neue Kollegen, die schon vor dem Shutdown eingestellt wurden, leisten ihren Beitrag zur Liquiditätssicherung: "Wer offiziell zum 1. Mai oder zum 1. Juni anfängt, bei dem reduzieren wir die Probezeit", sagt Szeidl. Das offizielle Startdatum bleibt, aber die Leute fangen de facto einen oder zwei Monate später an. Vergütet wird die entgangene Arbeitszeit nicht, Geld wird so eingespart.

Jobs auf Eis - aber vorerst nicht auf der Kippe

Neueinstellungen hat Dreso nach dem behördlich verordneten Shutdown in Deutschland Mitte März sofort zu einem großen Teil zurückgestellt. Hat das Unternehmen sonst laufend um die 350 bis 400 Stellen weltweit in der Ausschreibung, beschränkt es sich jetzt auf knapp 100 Positionen, die sich um strategische Zukunftsfelder ranken.

Die Jobs seiner weltweit rund 4.000 Mitarbeiter sieht Szeidl im Moment nicht in Gefahr, mit Entlassungen will er sich vorerst nicht beschäftigen: "Wenn alles bis Ende August wieder anläuft, halten wir das gut durch."

Die ganze Geschichte lesen Sie in IZ 17/2020, die diesen Donnerstag erscheint.

Harald Thomeczek

C&W-Bosse verzichten für Mitarbeiter auf Geld

Karriere 18.04.2020
Die Chefs des Immobiliendienstleisters Cushman & Wakefield (C&W) verzichten auf einen Teil ihres Gehalts. Das eingesparte Geld fließt in einen Hilfsfonds für Mitarbeiter, die von der ... 

Die Chefs des Immobiliendienstleisters Cushman & Wakefield (C&W) verzichten auf einen Teil ihres Gehalts. Das eingesparte Geld fließt in einen Hilfsfonds für Mitarbeiter, die von der Pandemie betroffen sind.

CEO Brett White verzichtet ab dem kommenden Montag (20. April 2020) freiwillig auf 25% seines Grundgehalts. CFO Duncan Palmer und COO Michelle MacKay verzichten auf jeweils 20% Gehalt. Zum 1. Mai 2020 schließt sich President John Forrester dem Vorstandstrio an. Auch er akzeptiert ein Minus von 20%.

Das Geld, das C&W so einspart, soll den Mitarbeitern des Konzerns zugute kommen, die gleichsam an vorderster Front kämpfen und daher am stärksten von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind. Dafür hat C&W einen globalen Hilfsfonds (Global Employee Assistance Fund) eingerichtet.

"Wir haben die Verantwortung, uns mit der gleichen Hingabe um unsere Mitarbeiter zu kümmern, mit der sie gerade jetzt für unsere Kunden da sind", wird CEO White in einer Mitteilung zitiert. "Tausende unserer Hausmeister, Handwerker und Hausverwalter verlassen jeden Tag die Sicherheit ihres Zuhauses, um sicherzustellen, dass unverzichtbare Gebäude in dieser Pandemie sauber, sicher und betriebsbereit sind."

Mitarbeiter weltweit sind zu einer Spende aufgerufen

Auch alle anderen der weltweit 53.000 Kollegen, die es sich leisten können, sind zu einer Spende an den Fonds aufgerufen. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen rund 400 Menschen.

Der Gehaltsverzicht der obersten Führungsriege gilt bis zum 31. Dezember 2020, wenn das Board of Directors kein früheres Ende der Maßnahme beschließt.

Harald Thomeczek

BNPPRE macht Kurzarbeit

Karriere 16.04.2020
BNP Paribas Real Estate (BNPPRE) soll Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit geschickt haben. ... 

BNP Paribas Real Estate (BNPPRE) soll Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit geschickt haben.

Von der Maßnahme betroffen sollen praktisch alle Mitarbeiter hierzulande sein. Dies verlautet aus für gewöhnlich gut unterrichteter Quelle.

Über den Umfang der Kurzarbeit bei BNPPRE liegen keine genauen Informationen vor. Beim Maklerhaus NAI apollo z.B. befinden sich mangels Aufträgen derzeit auch viele Mitarbeiter in Kurzarbeit: Dort geht es um ca. 60% der Arbeitszeit. Auch JLL hatte "Arbeitszeitverkürzungen in ausgewählten Teilen des Unternehmens" angekündigt. Je nach Business Line gibt es unterschiedliche Regelungen. Detaillierte Angaben wollte JLL nicht machen.

BNPPRE stockt Gehälter angeblich nicht auf

Für die Mitarbeiter von BNPPRE bedeutet die Maßnahme in jedem Fall Gehaltseinbußen. Die Arbeitsagentur übernimmt - bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 6.900 Euro (im Osten: 6.450 Euro) - nur 60% des entgangenen Nettogehalts bzw. 67% für Mitarbeiter mit mindestens einem Kind. Arbeitgeber können das Kurzarbeitergeld jedoch aufstocken. BNPPRE mache nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch, ist zu hören. Ein Direktor bei BNPPRE soll beispielsweise rund 3.500 Euro brutto im Monat verdienen. Hinzu kommt in normalen Zeiten eine Provisionsvorauszahlung über weitere 3.500 Euro. Provisionen zahlt BNPPRE auch noch aus – allerdings geht auf den Investment- und Vermietungsmärkten aktuell nicht mehr viel.

NAI apollo hatte erklärt, das Kurzarbeitergeld auf 100% des Grundgehalts aufzufüllen. JLL soll die Gehälter dagegen laut Marktkreisen nicht aufstocken.

Entlassungen sollen bei BNPPRE kein Thema sein, das Unternehmen wolle alle Mitarbeiter durch die Krise mitnehmen, heißt es. Für Mitarbeiter mit befristeten Verträgen, also z.B. solche in Probezeit, soll dies allerdings nicht unbedingt gelten. BNPPRE wollte die Informationen auf Anfrage der Immobilien Zeitung weder bestätigen noch dementieren.

Harald Thomeczek

Die mutigen Personaler trotzen dem Sturm

Solide Arbeitgeber knicken auch bei Gegenwind nicht so schnell ein.

Solide Arbeitgeber knicken auch bei Gegenwind nicht so schnell ein.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Nomad_Soul

Karriere 16.04.2020
Die Jobmaschine in der Immobilienbranche lief auf Hochtouren, als der Corona-Shutdown in vielen Unternehmen für eine Vollbremsung sorgte. Mancher hat den ersten Schock offenbar ... 

Die Jobmaschine in der Immobilienbranche lief auf Hochtouren, als der Corona-Shutdown in vielen Unternehmen für eine Vollbremsung sorgte. Mancher hat den ersten Schock offenbar überwunden: Die besonnenen, aber mutigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sehen Chancen - und wollen sie beim Schopfe packen.

Die Corona-Krise traf den Jobmarkt der Immobilienwirtschaft in voller Fahrt und warf ihn aus der Bahn. Die Immobilienunternehmen arbeiteten an ihren Kapazitätsgrenzen und fanden nicht so schnell Mitarbeiter, wie sie Aufträge an Land zogen. "Das erste Quartal 2020 war das stärkste, das wir bei Bernd Heuer Karriere je hatten", sagt Inga Beyler, Managing Partner der Düsseldorfer Personalberatung. Das Unternehmen besetzt schon seit rund 45 Jahren Jobs in der Branche.

Als die Kontakteinschränkung das öffentliche und geschäftliche Leben in Deutschland Mitte März praktisch zum Erliegen brachte, fielen etliche Unternehmen, vor allem aus der Gewerbeimmobilienwelt, in eine Schockstarre. Die Absicherung des Status quo hatte plötzlich oberste Priorität. Maklerhäuser schickten ihre Leute nicht nur in Kurzarbeit, sondern kündigten zudem Entlassungen an.

"Aus der Finanzkrise gelernt, sofort auf die Bremse zu treten"

Wer nicht die Notbremse zog, drückte im Recruiting zumindest die Stopptaste. So hielten es Schwergewichte wie ECE und Drees & Sommer, die umgehend ankündigten, nahezu alle Neueinstellungen auf später verschieben zu wollen. "Viele haben noch die Finanzkrise vor Augen. Aus dieser Erfahrung haben sie gelernt, nicht zu zögern, sondern sofort auf die Bremse zu treten", analysiert Personalberaterin Sabine Märten.

In die Eisen gestiegen ist auch so mancher Fonds-, Asset- oder Investmentmanager, der in seinen Entscheidungen vom Plazet institutioneller Investoren abhängig ist - und von denen üben sich nicht wenige in Zurückhaltung. Käufer wie Verkäufer spielen lieber auf Zeit. Die einen, weil sie auf Preisnachlässe spitzen, die anderen, weil sie darauf hoffen, dass es doch nicht ganz so schlimm kommt. Auf dem Büro- und dem Coworkingmarkt geht nur noch wenig, von Handel und Hotellerie ganz zu schweigen.

"Auftragseingang kaum abzuschätzen"

Die Assetklasse Healthcare wird zu den Krisengewinnern gezählt. Schließlich sollte die gewachsene Bedeutung des Gesundheitswesens auf die Cashflows von Gesundheitsimmobilien durchschlagen. Trotzdem regiert auch hier die Vorsicht: "Solange der weitere Verlauf der Krise und insbesondere des Shutdowns nicht abzusehen ist, macht es aus unserer Sicht keinen Sinn, neue Jobs auszuschreiben", sagt Jochen Zeeh, Geschäftsführer der auf Sozialimmobilien spezialisierten Firma ImmoTiss care. Der Auftragseingang der nächsten Wochen und Monate sei ja kaum abzuschätzen.

So viel Vorsicht allerorten auch waltet, vor allem bei denen, deren Geschäftsmodelle gerade wackeln: Es kehrt langsam etwas Leben in den Jobmarkt zurück. Die Mutigen und die, die es sich leisten können, sehen Chancen und wollen sie nutzen. "Die Schockstarre löst sich langsam", sagt Beyler. Die Headhunterin freut sich über Neugeschäft, beispielsweise einen großen Auftrag im Bereich Wohnen. "Da geht es um acht Positionen inklusive zwei Geschäftsführern. Das Unternehmen will weiter ankaufen und seine Bestände ausbauen", berichtet Beyler. Neue Mandate kamen auch von institutionellen Investoren. "Wegen der Volatilität am Aktienmarkt bauen sie verstärkt eigene Immobilienteams auf, weil sie Immobilien als sicherer betrachten."

Wer es sich leisten kann, geht wieder auf Köpfejagd

Märten fallen noch ein paar weitere Kundentypen ein, die sich vom Coronavirus keinen Strich durch die Rechnung machen lassen wollen. "Ich habe diese Woche einen Anruf von einem Family-Office mit Besetzungsbedarf erhalten", erzählt Märten. Freiere Hand hätten auch inhabergeführte Bestandshalter, die über viel Liquidität verfügen. Die müssen sich nämlich, wenn der Ausnahmezustand länger dauert, in einem halben Jahr nicht gegenüber einem Aufsichtsrat oder Gesellschaftern rechtfertigen, warum sie mitten in der Krise noch eingestellt haben.

Märten und ihre Kunden haben schon seit dem 15. März keine Kandidaten-Interviews mehr von Angesicht zu Angesicht geführt. "Aber jetzt ist bei dem ersten Unternehmen wieder ein persönliches Treffen geplant", erzählt die Personalberaterin. Auch Aylin Tufan geht in kleinen Schritten vom Krisenmanagement zur Offensive über. Tufan ist seit Februar Director Human Resources bei Consus Real Estate in Berlin. Eigentlich wollte sie einfach nur HR-Strukturen bei dem Projektentwickler schaffen und um die 200 zusätzliche Leute für die milliardenschwere Pipeline von Consus an Bord holen. Doch zu den ersten Amtshandlungen der 44-Jährigen gehörte der Aufbau einer "durchgängigen Alarmkette für den Fall, dass eine komplette Ausgangssperre verhängt worden wäre".

Tufan telefoniert von ihrer Berliner Wohnung aus mit der Immobilien Zeitung (IZ). Sie ist in freiwilliger Quarantäne: Kollegen hatten Kontakt mit einem Coronavirus-Infizierten. Im Homeoffice hängt Tufan praktisch von morgens bis abends am Telefon, bis ihr die Ohren bluten: "Bei Videokonferenzen ist die Qualität in der WLAN-Wüste Deutschland oft sehr unbefriedigend." Eine mühselige Angelegenheit ist auch Teamwork auf Distanz: "Ich bekomme praktisch im Minutentakt E-Mails", stöhnt sie.

Kandidaten hält sich Tufan ebenfalls übers Telefon warm. Sie denkt gar nicht daran, die Personalbeschaffung einzufrieren: "Auf gar keinen Fall! Die Bedarfe haben wir ja immer noch." Sie spielt mit dem Gedanken, auch ohne persönliches Gespräch eine Vertragszusage auszusprechen, wenn ihre Vorgesetzten mitziehen und die Bewerber das Angebot annehmen.

Homeoffice als Onboarding-Hürde - aber probieren kann man es ja mal!

Bei Consus läuft der Lackmustest für berufliche Fernbeziehungen schon. Anfang des Monats haben acht neue Kollegen bei Consus angefangen, die noch vor der Corona-Zäsur verpflichtet wurden. Die Kontaktsperre erschwert das Onboarding natürlich, das weiß auch Tufan. Aber irgendwie muss es jetzt halt per Telefon, Videokonferenz und Mails funktionieren, denkt die HR-Frau.

Ein Indiz dafür, dass sich auf dem Jobmarkt der Immobilienwirtschaft so langsam wieder etwas bewegt, bietet das Stellenportal der Immobilien Zeitung: Die Anzahl der Angebote auf IZ Jobs war in der dritten Woche nach dem Corona-Cut so hoch wie im Durchschnitt der Wochen vor der Kontaktsperre. Stornierungen verbuchte Martina Walker, Leiterin Stellenanzeigen bei der IZ, nicht. Im Gegenteil: "Wir erhalten täglich mehrere Jobbuchungen", sagt Walker.

Beispiel Patrizia: Offiziell möchte sich der Investment-Manager nicht äußern, ob und - wenn ja - welche Auswirkungen die Corona-Krise auf das eigene Recruiting hat. Ein Blick auf IZ Jobs zeigt aber: Die Augsburger schalten weiter Stellenanzeigen, als wäre nichts gewesen.

Auch in den Reihen der Makler stehen manche schon in den Startlöchern. "Wir können das Recruiting sofort hochfahren, wenn es wieder losgeht", sagt Andreas Wende, Managing Partner von NAI apollo in Frankfurt. Er ist überzeugt davon, dass gerade direkt nach dem Shutdown der Zeitpunkt perfekt dafür ist, Mitarbeiter einzustellen: "Wenn z.B. in Berlin ein Team von den Großen sagt: Könnt ihr uns helfen, selbstständig zu werden?, sind wir sofort dabei. Und wenn in unseren Büros in Frankfurt, Hamburg oder München zwei neue Leute bei uns anheuern wollen, sagen wir auch nicht nein."

Ein gemischtes Bild zeigt eine Blitzumfrage der Immobilien Zeitung in der vergangenen Woche: Bei exakt jedem dritten teilnehmenden Unternehmen beeinflusst die Corona-Krise die Personalplanung gar nicht. Jedes sechste Unternehmen wirbt sogar verstärkt um Mitarbeiter. Gut jedes Fünfte stellt noch ein - aber nur, wenn die Stelle bereits ausgeschrieben war. Die schlechte Nachricht: Ein knappes Drittel der Teilnehmer hat nicht nur geplante, sondern zudem laufende Stellenausschreibungen komplett gestrichen.

Von denen, die einstellen, führen immerhin knapp 40% trotz Kontaktbeschränkungen persönliche Vorstellungsgespräche durch, wie die IZ-Umfrage ebenfalls zeigt. Die Mehrheit ersetzt diese allerdings durch Videokonferenzen (44%) oder Telefonate (17%).

Und plötzlich sind "viele gute Leute am Markt"

Die Krise hat auch ihr Gutes: "In der gegenwärtigen Situation kommen wir an Leute, die sonst von größeren Unternehmen in Beschlag genommen werden", freut sich Personalerin Tufan von Consus. Sie denkt dabei an Immobilienspezialisten, die derzeit z.B. im Einzelhandel oder der Autoindustrie zuhause sind, und die angesichts der Verwerfungen dort eher zu einem Wechsel zu einem mittelständisch geprägten Wohnungsentwickler bereit sein könnten.

Die Personalberaterinnen bestätigen: Gerade jetzt ist für solide, langfristig orientierte Unternehmen eine Spitzenzeit, um Führungskräfte und Spezialisten einzusammeln und aufs Employer Branding einzuzahlen. Die Auswahl ist groß. "Es sind viele gute Profile am Markt. Da sind einige tolle Werdegänge dabei", sagt Beyler. Um kurzfristig die Kosten zu senken, haben einige Firmen Mitarbeiter rausgeschmissen, vor allem Leute in der Probezeit bzw. mit befristeten Verträgen. So gehen nicht nur die Maklerhäuser vor: "Das ist bunt gemischt", so Beyler.

Der sichere Arbeitsplatz ist mehr wert als ein Bonus

Sogar Immobilienprofis, die selbst noch fest im Sattel sitzen, schauen sich nach Alternativen um. "Führungskräfte und Mitarbeiter in instabil gewordenen Unternehmen nehmen eine Neubewertung vor", erklärt Märten. "Sie schätzen - wieder - die Werte von Markenstärke und bewährten Geschäftsmodellen, verbunden mit einem sicheren Arbeitsplatz, sowie den Tausch absurd hohe Boni gegen ein verlässlichen Fixgehalt."

Einem Realitätscheck unterzogen werden jetzt auch die Führungsqualitäten der Vorgesetzten: "Klar sichtbar sind die entschieden Tatkräftigen, die die richtigen Maßnahmen treffen, Ruhe sowie Zuversicht kommunizieren und interessante Geschäftsmöglichkeiten erkennen", bringt es Märten auf den Punkt. Außerdem hätten die Leute gerade viel Zeit, entspannt zu telefonieren und über Offerten nachzudenken, weil sie nicht wirklich ausgelastet sind und im Homeoffice sitzen.

Wie lange der Lockdown auch anhält und welche Folgen er für die Immobilienmärkte zeitigen wird, so viel steht fest: Viele Führungskräfte und Spezialisten aus der Branche werden ihre Jobs verlieren, und so manches Unternehmen seine Existenzgrundlage. Die Überlebenden werden am Ende aber mit besseren Karten dastehen. Damit sie die sich bietenden Gelegenheiten auch beim Schopfe packen, rät Headhunter Josef Homola: "Streicht Probezeiten! Nach der Corona-Krise brauchen wir noch bessere Leute, die den schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen gewachsen sind."

Harald Thomeczek