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Mehr Ingenieur und weniger Kaufmann

Gerade beim Thema Energieeinsparung sind Facility-Manager gefragt. Neben der passenden Technik ist dafür die richtige Steuerung der Prozesse nötig.

Gerade beim Thema Energieeinsparung sind Facility-Manager gefragt. Neben der passenden Technik ist dafür die richtige Steuerung der Prozesse nötig.

Bild: Wisag Industrie Service Holding

Karriere26.03.2015
Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) hat ihren dualen Bachelorstudiengang BWL mit Vertiefungsrichtung Facility-Management durch einen dualen Studiengang Technisches ... 

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) hat ihren dualen Bachelorstudiengang BWL mit Vertiefungsrichtung Facility-Management durch einen dualen Studiengang Technisches Facility-Management ersetzt. Das neue Angebot beginnt zum Wintersemester 2015/16. Warum künftige Facility-Manager mehr technisches Know-how benötigen, erklärt die Fachleiterin Prof. Dr. Andrea Pelzeter im Interview.

Immobilien Zeitung: Frau Pelzeter, Sie haben gerade den Aufbau des dualen Bachelorstudiengangs Technisches Facility-Management entworfen. Der Berliner Senat hat Ihr Konzept vor wenigen Tagen abgesegnet. Warum haben Sie den Fokus vom kaufmännischen zu technischem Wissen verschoben?

Andrea Pelzeter: Der Wunsch wurde von unseren Praxispartnern an mich herangetragen. Sie haben größere Schwierigkeiten damit, Ingenieure zu rekrutieren als Kaufleute mit FM-Wissen.

IZ: Warum braucht die Branche wieder mehr Techniker?

Pelzeter: Bis 2050 müssen die Gebäude in Deutschland klimaneutral sein und schon ab 2019 ist die öffentliche Hand verpflichtet, nur noch Neubauten nach dem Niedrigstenergiegebäudestandard zu errichten. Wir verfügen über die Technik, um auch noch das letzte bisschen Energie beim Bewirtschaften von Gebäuden einzusparen. Doch gerade die letzten 10% sind die schwersten. Neben der Passivhaustechnik braucht es dafür auch unheimlich viel Prozesssteuerung. Das ist eine klassische FM-Aufgabe. Genau darauf habe ich meinen neuen Studiengang ausgerichtet.

IZ: Was lernen die Studenten also?

Pelzeter: Sie lernen, nachhaltig zu wirtschaften. Bei kaum einem anderen Thema sind die ökonomischen und die ökologischen Aspekte so eng verknüpft wie beim Thema Energie. Deswegen gibt es einen Schwerpunkt im Bereich Energiemanagement. Die Technik in diesem Bereich verbessert sich jedes Jahr, sodass sich regelmäßig etwa 3% Energie einsparen lassen. Energiemanager verdienen ihr Gehalt also ganz locker selbst.

IZ: Was steht noch auf dem Lehrplan?

Pelzeter: Wir wollen einen Querschnitt-Ingenieur ausbilden, der sich auch mit den Themen Heizung, Sanitär, Lüftung und Elektro auskennt. Module zur Bautechnik und zum Bauprojektmanagement gibt es ebenfalls sowie zum Betreiberkonzept. Es geht uns darum, dass z.B. bei Umbauten auch die Feinjustierung der Technik gelingt, damit sie wie geplant funktioniert. Außerdem sollen die Studenten auch Synergien zu infrastrukturellen FM-Dienstleistungen erkennen können. Insgesamt machen die ingenieurwissenschaftlichen Module etwa 60% des Lehrstoffs aus.

IZ: Und damit deutlich mehr als in dem bisherigen Studiengang. Damals zählten etwa 70% der Module zum Bereich allgemeine Betriebswirtschaft und etwa 30% zur Vertiefungsrichtung Facility-Management. Nun ist es fast umgekehrt. Der Kurswechsel lässt sich auch am Abschluss ablesen: Früher vergaben Sie einen Bachelor of Arts, künftig wird es der Bachelor of Engineering sein.

Pelzeter: Genau, doch die Betriebswirtschaftslehre spielt ebenfalls noch eine Rolle. Denn die Absolventen müssen berechnen können, ob sich beispielsweise eine Fotovoltaikanlage lohnt. Alle Ressourcen, die im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung von Gebäuden verbraucht werden, haben direkt oder indirekt mit der Arbeit von Facility-Managern zu tun. Das fängt bei der Energieversorgung und -gewinnung an und reicht bis zum Urban Mining, also der technischen Rückgewinnung von Wertstoffen beispielsweise bei der Laptopentsorgung. Facility-Manager sind die modernen Ressourcen-Dirigenten und steuern die vernetzten Prozesse im Gebäude. Die goldene Zukunft des FM hat meiner Meinung nach gerade erst begonnen.

IZ: Doch diese Entwicklung wird zumindest von der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen. Die Branche hat immer noch mit dem Stereotyp vom Hausmeister zu kämpfen.

Pelzeter: Das stimmt. Ich glaube, es müssen neue Geschichten erzählt werden, auch in der Presse. Geschichten, die erklären, wie ein Null-Energie-Haus entsteht.

"Energiemanager verdienen ihr Gehalt ganz locker selbst."
IZ: Und wie entsteht es?

Pelzeter: Ein Null-Energie-Haus ist nur durch ganz viel Kommunikation mit dem Nutzer, viele technische Innovationen und differenzierte Steuerung möglich. Oder nehmen Sie die intelligenten Stromnetze, sogenannte Smart Grids, die ganz neue Möglichkeiten zur lokalen und regionalen Selbstversorgung bieten. Künftig ziehen wir in Städten vielleicht die Tomaten auf dem Dach, wer weiß?

IZ: Das klingt noch nach Zukunftsmusik.

Pelzeter: Ich würde Smart Grids gerne mit einer Forschungskooperation untersuchen. Was bedeutet es praktisch, den Verbrauch von CO2 zu reduzieren? Und was brauchen wir dafür?

IZ: Sie sind studierte Architektin und wurden für Ihre Doktorarbeit zu den Lebenszykluskosten von Immobilien mit einem der Gefma-Förderpreise ausgezeichnet, die jetzt gerade auf der FM-Messe wieder verliehen wurden. Was raten Sie jungen Menschen, die ein Thema für ihre Abschlussarbeit suchen?

Pelzeter: Ich vermisse bisweilen das Innovative. Ich finde, die Studenten könnten häufiger noch kreativer sein. Kreativität ist nicht bunt, sondern frei von Kastendenken. In unserem neuen Studiengang versuchen wir, die Studenten durch zwei Studienprojekte, die so umfangreich wie die Bachelorarbeit sind, an eine vernetzte und ingenieurwissenschaftliche Herangehensweise heranzuführen. Wir wollen ihnen den Impuls geben, vom Preisdrücker innerhalb eines Unternehmens zum Nachhaltigkeitstreiber zu avancieren.

IZ: Frau Pelzeter, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

Sonja Smalian

Ständige Erreichbarkeit kann der Arbeitgeber nicht verlangen

Müssen Angestellte ständig erreichbar sein? Die Antwort lautet nein, denn sie haben ein Anrecht auf Pausen und Ruhezeiten. Sind sie krank, sind sie auch nicht verpflichtet, den Anruf des Chefs auf dem Firmenhandy entgegenzunehmen.

Müssen Angestellte ständig erreichbar sein? Die Antwort lautet nein, denn sie haben ein Anrecht auf Pausen und Ruhezeiten. Sind sie krank, sind sie auch nicht verpflichtet, den Anruf des Chefs auf dem Firmenhandy entgegenzunehmen.

Bild: BilderBox.com

Karriere19.03.2015
Gute Erreichbarkeit - in der Immobilienbranche ist das einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren. Für Angestellte heißt das freilich nicht, dass sie an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden täglich ... 

Gute Erreichbarkeit - in der Immobilienbranche ist das einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren. Für Angestellte heißt das freilich nicht, dass sie an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden täglich verfügbar sein müssen, weder für den Chef noch für die Kunden. Christina Mitsch, Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei Thümmel Schütze & Partner, Berlin, erklärt, ob zum Beispiel abendliche Telefonate zur Arbeitszeit gehören.

Immobilien Zeitung: Das Bundesverwaltungsgericht hat im vergangenen Jahr die Sonn- und Feiertagsarbeit unter anderem in Videotheken und Callcentern verboten. Ist es Angestellten in der Immobilienbranche rechtlich noch erlaubt, am Wochenende und an Feiertagen zu arbeiten?

Christina Mitsch: Der Samstag ist unproblematisch, er gilt als Werktag im Sinne des Arbeitszeitgesetzes. Sonn- und Feiertagsarbeit hingegen ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Neben den gesetzlichen Ausnahmen u.a. für das Rettungswesen dürfen jedoch die Landesregierungen Verbotsausnahmen in solchen Bereichen zulassen, in denen eine "Beschäftigung zur Befriedigung täglicher oder an diesen Tagen besonders hervortretender Bedürfnisse der Bevölkerung erforderlich ist". Auf dem Prüfstand des Bundesverwaltungsgerichts stand die hessische Bedarfsgewerbeverordnung, die das Gericht in Teilen für nichtig erklärte. Nicht beanstandet hat das Gericht die in der Verordnung vorgesehene Ausnahme für das Immobiliengewerbe, die "für die Begleitung und Beratung von Kunden bei Besichtigung von Häusern und Wohnungen" gilt. Damit dürften auch inhaltlich entsprechende Regelungen in den Bedarfsgewerbeverordnungen der meisten Bundesländer in Zukunft Bestand haben.

IZ: Was müssen Arbeitgeber auch bei zulässiger Wochenend- und Feiertagsarbeit beachten?

Mitsch: Von der Ausnahme zur Sonn- und Feiertagsarbeit in der Immobilienbranche erfasst werden nur die Einsätze von Arbeitnehmern bei Objektbesichtigungen, nicht aber sonstige Tätigkeiten wie etwa in der Buchhaltung. Je nach Bundesland erlauben die Bedarfsgewerbeverordnungen, dass die Begleitung und Beratung an Sonn- und Feiertagen zwischen vier und sechs Stunden umfassen darf. Ausdrücklich in den Verordnungen benannte Feiertage wie Ostern, Karfreitag oder Weihnachten sind zudem von der Ausnahmeregelung ausgenommen. Generell ist auch bei erlaubter Wochenend- und Feiertagsarbeit zu beachten, dass die nach dem Arbeitszeitgesetz vorgegebene Höchstarbeitszeit sowie das mit den Mitarbeitern (tarif-)vertraglich Vereinbarte, etwa zur Anzahl der Wochenstunden sowie zur Anordnung von Überstunden, eingehalten werden. Ist vertraglich nichts Anderweitiges geregelt, kann der Chef im Rahmen der vereinbarten Arbeitszeit kraft Direktionsrecht bestimmen, wann die Arbeit täglich beginnt und endet und wie sie auf die Wochentage verteilt wird. Dabei hat er zwingend auch die Interessen seines Mitarbeiters angemessen zu berücksichtigen.

IZ: Gehört die Teilnahme an Messen zur Arbeitszeit? Was ist mit den Fahrten dorthin?

Mitsch: Die Stunden, die ein Mitarbeiter im Auftrag des Arbeitgebers auf Messen verbringt, gehören grundsätzlich zur Arbeitszeit. Das gilt auch, wenn er die ganze Zeit am Stand steht und kein einziger Kunde kommt. Für die Anreise ist unter anderem maßgeblich, wie der Weg zurücklegt wird. Ordnet der Chef zum Beispiel an, dass der Dienstwagen benutzt werden muss, wird die Fahrt wohl als Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes zu werten sein. Auch wenn dies vom Bundesarbeitsgericht noch nicht ausdrücklich entschieden wurde. Das Gleiche gilt, wenn dem Mitarbeiter die Wahl des Verkehrsmittels zwar freisteht, aber erwartet wird, dass er unterwegs etwa im Flieger oder Zug arbeitet. Kann es sich der Angestellte aber aussuchen, ob er während der Zugreise schläft oder döst, zählt die Fahrtzeit nicht zur Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes. Von Bedeutung ist dies für die Einhaltung der täglich zulässigen Höchstarbeitszeit, die bei der Berücksichtigung gesetzlicher Ausgleichszeiten bei zehn Stunden pro Tag liegt. Manchmal dürften die Arbeitnehmer schon nicht mehr von der Messe nach Hause fahren, weil sie den Dienstwagen benutzen müssen und schon zehn Stunden gearbeitet haben.

IZ: Zählen am Abend oder am Wochenende geführte dienstliche Telefonate ebenfalls zur Arbeitszeit?

Mitsch: Wenn der Arbeitgeber verlangt, dass sich der Angestellte während einer vereinbarten Telefonbereitschaft außerhalb der üblichen Arbeitszeit an einem bestimmten Ort aufhalten muss - z.B. im Maklerbüro oder zuhause -, handelt es sich um sogenannten Bereitschaftsdienst, der in vollem Umfang zur Arbeitszeit zählt. Ist es dem Mitarbeiter freigestellt, wo er sich in der Bereitschaftszeit aufhält, ist dies rechtlich Rufbereitschaft, die so lange keine Arbeitszeit darstellt, bis kein konkreter Arbeitseinsatz erfolgt. Die Rufbereitschaft ist - beispielweise mit einer Pauschale - grundsätzlich angemessen zu vergüten, wenn dies auch in geringerer Höhe erfolgen kann als die Arbeitszeit. Sobald allerdings ein Anruf kommt oder Mails beantwortet werden, handelt es sich um voll vergütungspflichtige Arbeitszeit.

IZ: Darf der Chef verlangen, dass der Mitarbeiter sein Privattelefon oder seinen privaten E-Mail-Account für dienstliche Zwecke zur Verfügung stellt?

Mitsch: Nein, ohne Einverständnis des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber eine solche Nutzung der privaten technischen Ausstattung des Arbeitnehmers, egal ob Privathandy, -telefon oder privaten E-Mail-Account, nicht einfordern. Wünscht der Arbeitgeber die mobile Erreichbarkeit seines Mitarbeiters, so muss er notfalls ein Firmenhandy und/oder einen Firmen-PC mit entsprechender E-Mail-Erreichbarkeit zur Verfügung stellen.

IZ: Muss man immer rangehen, wenn der Chef auf dem Firmenhandy anruft?

Mitsch: Ja, wenn der Anruf innerhalb der üblichen Arbeitszeit eingeht. Will der Arbeitgeber außerhalb dieser Zeiten telefonieren, ist der Mitarbeiter nicht verpflichtet abzunehmen - es sei denn, es war anders vereinbart. Ist der Arbeitnehmer krank, dann muss er grundsätzlich keine Anrufe oder Mails beantworten.

IZ: Frau Mitsch, danke für das Gespräch.

Das Interview führte Julia Frisch, Journalistin aus Berlin.

Nicht immer auf Empfang

Ob im Büro, Biergarten oder auf der Toilette: Dank Handy, Tablet und Co. sind Firmenmitarbeiter überall erreichbar. Manche Angestellte "schalten" tatsächlich auf dauerhaften Stand-by-Modus - auch wenn sie rein rechtlich gar nicht dazu verpflichtet sind und auch nicht dazu verdonnert werden können. "Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tag sollst du ruhen", heißt es im Alten Testament. Doch viele Arbeitnehmer finden weder an einem Sonntag noch am Abend richtig Ruhe vor beruflicher Mail-Korrespondenz. Selbst im Urlaub schaffen es manche nicht, die Finger vom Handy oder Computer zu lassen. Vor zwei Jahren vereinbarte deswegen der Autohersteller Daimler (recht medienwirksam) mit dem Betriebsrat, dass die Mitarbeiter während der Urlaubszeit alle eingehenden Mails löschen lassen können. Die Angestellten sollen sich während der Ferien erholen und nicht arbeiten, lautete die Begründung des Konzerns. Ähnliches, allerdings im kleineren Format, wagte im vergangenen Jahr der Immobilienkonzern Corpus Sireo: Über das Osterwochenende wurde die Push-Funktion des E-Mail-Servers abgeschaltet, "um ein Zeichen zu setzen", so Bernd Wieberneit, Chief Administrative Officer bei Corpus Sireo und verantwortlich für Human Resources und Legal Affairs. "Von Karfreitag bis Ostersonntag wurden keine E-Mails zugestellt. Geschadet hat dies keinesfalls", sagt Wieberneit. Für dieses Jahr ist eine solche Aktion allerdings noch nicht vorgesehen. Der Konzern "ermutigt" nach eigenen Angaben seine Mitarbeiter zu einer gesunden Work-Life-Balance. "Die Erreichbarkeit nach Ende der Kernarbeitszeit wird per se nicht erwartet", betont Wieberneit. Letztlich entscheide aber jeder Mitarbeiter selbst, ob er nach Feierabend noch E-Mails liest und hierauf reagiert. Ähnlich handhaben andere Unternehmen in der Immobilienbranche das Problem der ständigen Erreichbarkeit. Bei Dr. Lübke & Kelber etwa ist man sich bewusst, dass die digitalen Möglichkeiten die Erwartungshaltung erhöht haben, "wann man eine Reaktion auf eine Anfrage erhalten möchte". Innerhalb der regulären Arbeitszeit sollen die Mitarbeiter möglichst am gleichen Tag antworten. Ansonsten "überlassen wir es den Mitarbeitern generell eigenverantwortlich, ob sie ihre Mails auch am Abend oder Wochenende lesen und beantworten möchten", sagt Prokuristin Sabine Erlemann. Um die Bedeutung einer gesunden Work-Life-Balance wissen auch die Verantwortlichen bei JLL. Die Mehrheit der Mitarbeiter besitzt ein Firmenhandy. Gerade deshalb "legen wir aber großen Wert darauf, dass sich keinesfalls eine grundsätzliche Erwartungshaltung durchsetzt, die eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit vorsehen könnte", sagt Izabela Danner, Head of Human Resources bei JLL. In der Tat ist es manchmal die unterschwellige Erwartungshaltung des Chefs, die dazu führt, dass Arbeitnehmer abends oder am Wochenende nicht abschalten können. Freilich gibt es auch übereifrige Mitarbeiter, die von sich aus ständig die beruflichen Mails checken. Was solche Angestellten für Arbeitgeber bedeuten, erklärt Christina Mitsch, Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei Thümmel Schütze & Partner in Berlin: "Wenn der Arbeitgeber nicht weiß, dass sein Mitarbeiter am Sonntagabend nach dem Kinobesuch die Mails kontrolliert, um seine Freundin von seiner beruflichen Unersetzlichkeit zu überzeugen, und hat er ihm dies auch nicht vorgegeben, dann fällt das nicht unter Arbeitszeit. Hat er aber Kenntnis vom Eifer, weil er zum Beispiel in "cc" gesetzt wird, und duldet er dies nachhaltig oder erwartet es nach einiger Zeit sogar, dann gehört das Mail-Checken zur Arbeitszeit mit der Folge, dass eine Vergütung gezahlt werden muss." Die Autorin: Julia Frisch ist Journalistin in Berlin.

Julia Frisch

Mandate statt Köpfe - Personalberater auf der Mipim

Auch ungeplant ergeben sich auf der Mipim interessante Kontakte. Aber viele Personalberater steuern ganz gezielt Cannes an.

Auch ungeplant ergeben sich auf der Mipim interessante Kontakte. Aber viele Personalberater steuern ganz gezielt Cannes an.

Bild: Reed Midem

Karriere12.03.2015
Sie haben keinen eigenen Stand, aber auch sie sind auf der Immobilienmesse in Cannes präsent: die Personalberater. Sie treffen sich dort mit ihren Auftraggebern, den Unternehmen. ... 

Sie haben keinen eigenen Stand, aber auch sie sind auf der Immobilienmesse in Cannes präsent: die Personalberater. Sie treffen sich dort mit ihren Auftraggebern, den Unternehmen. Gespräche mit Kandidaten führen sie nur in Ausnahmefällen.

Auf der Messe am Mittelmeer suchen die Personalberater nicht nach Köpfen, sondern nach Mandaten. Vorstände, Geschäftsführer, Firmengründer und Abteilungsleiter sind dann vor allem ihre Gesprächspartner. Die entspannte Atmosphäre führe zu produktiveren Meetings, sagt Daniel M. Bauer, Associate Director von Cobalt Recruitment Deutschland. Die Gesprächspartner würden sich dort mehr Zeit nehmen. Der Leiter der Frankfurter Cobalt-Niederlassung fährt seit 2009 regelmäßig zur Mipim. Auf dem Branchenevent kann er sich einen Überblick verschaffen, welche Unternehmen ein Engagement in Deutschland planen, wie die verschiedenen Akteure den Markt beurteilen und welche Qualifikationen künftig wahrscheinlich nachgefragt werden.

Auch Sabine Märten nutzt die Messe für einen Austausch über die künftige Marktentwicklung und die Besetzungsnöte der Unternehmen. Seit zehn Jahren ist sie in Cannes präsent. Sie schätzt an der Messe, dass sich dort auch ungeplant immer wieder interessante Kontakte ergeben.

"Die Mipim ist eine intimere und komprimiertere Messe als die Expo Real", sagt Thomas Flohr, Geschäftsführer von Bernd Heuer & Partner Human Resources. Der Personalberater kann fast schon als Mipim-Veteran bezeichnet werden. Er ist in diesem Jahr zum 18. Mal dabei. Zur Mipim fährt Flohr, um dort deutsche, aber auch internationale Entscheider zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen. In den Gesprächen geht es nur um Positionen der ersten Führungsebene, also Geschäftsführer- oder Vorstandsposten. Flohr trifft sich auch mit einigen wenigen Kandidaten, die für solche Positionen infrage kommen. Doch die Gespräche sind im Voraus vereinbart und der Fokus liegt vor allem auf Akquisition und Kontaktpflege.

Für Kandidatengespräche nehmen sich die Personalberater in Deutschland wieder Zeit. Denn während der Messe gibt es für sie kaum Verschnaufpausen. Jeder Cobalt-Berater, so Bauer, habe zehn Meetings pro Tag.

Sonja Smalian

Donnerstag ist Karrieretag

Der FM-Karrieretag bietet von 10 bis 13 Uhr Informationen zu Berufschancen.

Der FM-Karrieretag bietet von 10 bis 13 Uhr Informationen zu Berufschancen.

Bild: sma

Karriere12.03.2015
Am dritten Messetag dreht sich auf der Bühne alles um das Thema Karriere im FM. Qualifikationsmöglichkeiten, Tipps für den Berufsweg, die Verleihung der Gefma-Förderpreise und ein Ausblick auf ... 

Am dritten Messetag dreht sich auf der Bühne alles um das Thema Karriere im FM. Qualifikationsmöglichkeiten, Tipps für den Berufsweg, die Verleihung der Gefma-Förderpreise und ein Ausblick auf die Trends in der Arbeitswelt stehen dann auf dem Programm.

Jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland macht "irgendwas mit FM". Diese Zahl könnte sich sogar noch erhöhen, denn die Unternehmen suchen Mitarbeiter: 60% der befragten FM-Unternehmen planten, ihren Personalbestand bis zum Frühjahr 2015 zu erhöhen. Das ergab die Umfrage zur IZ-Joboffensive im vergangenen Jahr.

Die Ein- und Aufstiegschancen im FM haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich entwickelt. Von der Servicekraft über den Fachwirt bis zu Zertifikatsstudiengängen sowie fachspezifischen Bachelor- und Masterstudiengängen reichen die Qualifikationsmöglichkeiten, wie Gefma-Vorstand für Bildung und Wissen, Markus Lehmann, anhand der Gefma-Bildungspyramide auf dem Karrieretag zeigen wird. Neu hinzukommen soll noch ein eigenständiger FM-Ausbildungsberuf.

Dass für ein solches Angebot ein Bedarf in der Branche besteht, zeigt eine aktuelle Umfrage der Gefma: 83% der insgesamt 198 Befragungsteilnehmer bewerten die Einführung eines eigenen Ausbildungsberufs für die Branche als sehr wichtig bzw. wichtig. Dabei legen die Unternehmen neben grundlegenden FM-Kenntnissen besonderen Wert auf Serviceorientierung und Kommunikationsfähigkeiten, auf Kenntnisse zum fachübergreifenden und lebenszyklusorientierten Objektbetrieb sowie kaufmännisches Wissen. Die Arbeitsgruppe sei seit dem vergangenen Jahr gut vorangekommen, sagt Lehmann. Derzeit würden u.a. Gespräche mit der IHK und Verbänden geführt. Im Idealfall könnten die ersten jungen Menschen 2017 mit der Ausbildung beginnen

Der FM-Karrieretag demonstriert auch, wie vielfältig die Themen und Aufgaben der Branche sind: Drei FM-Profis, die in der Beratung, der Objektleitung und der Industriedienstleistung tätig sind, gewähren Einblicke in ihren Berufsalltag.

Gerade in der deutschen Hochschullandschaft hat sich in den vergangenen 15 Jahren viel getan: Elf Bachelor- und acht Masterstudiengänge FM, die rund 2.500 Studienplätze zählen, werden von 15 Hochschulen angeboten. Absolventen dieser und verwandter Studiengänge können sich mit ihren Abschlussarbeiten für die Gefma-Förderpreise bewerben, die in sechs Kategorien vergeben werden. Von nachhaltigem Immobilien-Portfoliomanagement bis hin zu Einsatzmöglichkeiten von Augmented Reality im Instandhaltungsmanagement reichte die Bandbreite der ausgezeichneten Themen 2014.

Einen Ausblick in die Zukunft wagt auch Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability der Hochschule Ludwigshafen. Unverändert sei die demografische Entwicklung ein Megatrend in der Arbeitswelt. "Deutschland hat die größte Alterungsgeschwindigkeit auf der ganzen Welt", sagt Rump. Bis zum Jahr 2030 würden viele der geburtenstarken Jahrgänge, also der sogenannten Baby-Boomer-Generation, in den Ruhestand gehen. Angesichts dieser Entwicklung prophezeit die Forscherin künftig eine längere Lebensarbeitszeit.

Sonja Smalian

Reale Projekte, reale Menschen

Karriere12.03.2015
Nachhaltigkeitsmanagement lernen die FM-Studenten der htw Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin "on the job". Professorin Regina Zeitner führt mit ihnen seit 2011 Non-Profit-Projekte ... 

Nachhaltigkeitsmanagement lernen die FM-Studenten der htw Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin "on the job". Professorin Regina Zeitner führt mit ihnen seit 2011 Non-Profit-Projekte durch.

Immobilien Zeitung: Frau Zeitner, seit 2011 arbeiten Sie mit Ihren Masterstudenten im Fach Facility-Management in Non-Profit-Projekten mit. Warum haben Sie sich für das Ehrenamt als Lehrform entschieden?

Regina Zeitner: Weil ich etwas positiv verändern wollte. Zudem möchte ich mit meinen Studenten etwas realisieren und nicht nur Konzepte entwickeln, die vielleicht nie umgesetzt werden.

IZ: Zu ihren Projektpartnern zählten bislang der Kinderbauernhof Pinke-Panke, die Moabiter Grundschule, das Quartiersmanagement Moabit-Ost und die Berliner Stadtmission. Wie wurden Sie auf die Einrichtungen aufmerksam?

Zeitner: Bislang haben uns persönliche Kontakte oder Interessen zu unseren Kooperationspartnern geführt. Inzwischen entwickeln sich durch die vollendeten Projekte weitere Optionen.

IZ: Was sind das für welche?

Zeitner: Ein Projektpartner setzt bereits Werkstudenten von uns ein und die ersten gemeinsamen Masterarbeiten laufen. Die Studenten führen die Non-Profit-Arbeit auch im zweiten Semester in der Vorlesung Pilotprojekte eigenständig weiter.

IZ: Ihre Studenten haben bei den Projektpartnern Gründächer bepflanzt, Betriebskosten optimiert, Prozesshandbücher erstellt, den Umgang mit Leerstand thematisiert und einen Baum gepflanzt. Das klingt nach viel Arbeit.

Zeitner: Ist es auch, aber die Ergebnisse machen das wett. Die Studenten müssen in realen Projekten mit realen Menschen umgehen lernen. Das zeigt ihnen, wo sie stehen und dass sie selbst etwas verändern können.

IZ: Frau Zeitner, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

Sonja Smalian

Wenn der liebe Kollege am Schreibtisch gegenüber nervt

Laute Privatgespräche zählen zu den zehn am häufigsten genannten Sünden im Büro und können die Arbeit ganz schön vermiesen.

Laute Privatgespräche zählen zu den zehn am häufigsten genannten Sünden im Büro und können die Arbeit ganz schön vermiesen.

Bild: DragonImages/Fotolia.com

Karriere12.03.2015
Durchschnittlich mehr als 1.800 Stunden verbringen Angestellte pro Jahr im Büro. Da kann es schon mal zu Konflikten um die Sitzordnung kommen. Bevor der Nachbarschaftsstreit eskaliert, sollten ... 

Durchschnittlich mehr als 1.800 Stunden verbringen Angestellte pro Jahr im Büro. Da kann es schon mal zu Konflikten um die Sitzordnung kommen. Bevor der Nachbarschaftsstreit eskaliert, sollten die Betroffenen das offene Gespräch suchen. Denn prinzipiell bestimmt der Arbeitgeber, wer mit wem Schreibtisch an Schreibtisch sitzt.

Nach rund einem halben Jahr im neuen Großraumbüro platzte Verena Schmidt (Name von der Redaktion geändert) der Kragen: Sie stürmte zu ihrem Bereichsleiter und schleuderte ihm ein entnervtes "Ich verklage euch!" an den Kopf. Grund für den Gefühlsausbruch der Endfünfzigerin war ihre neue Sitzplatzsituation. Nach einem Umzug in ein neues Gebäude fand sich Schmidt im Großraumbüro wieder, obwohl die Anwältin bislang immer in einem Einzelbüro gesessen hatte. Konzentriertes Arbeiten an Anträgen war für sie kaum mehr möglich. Ihre Schreibtischnachbarin, mit Reiseplanung beschäftigt, telefonierte den ganzen Tag. Schmidt besorgte sich Ohrstöpsel. Sie selbst sprach fast nur noch im Flüsterton am Telefon. Öffnete jemand ein Fenster des Büros, schaltete sich automatisch die Heizung ab. Schmidt stellte einen Heizlüfter neben ihrem Schreibtisch auf, bevor sie endlich mit dem Bereichsleiter sprach. Der ließ sofort einige Besprechungsräume zu Zweierbüros umbauen - Schmidt saß fortan etwas geschützter.

"Das Zuweisen eines Arbeitsplatzes gehört zu den Weisungsbefugnissen des Arbeitgebers", erklärt Heike Kroll, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Geschäftsführerin des Verbands Die Führungskräfte. Theoretisch ließen sich Angaben zu Größe, Art und Lage des Arbeitsplatzes im Arbeitsvertrag festhalten. Dann wäre das Weisungsrecht durch diese vertragliche Konkretisierung stark eingeschränkt. Doch weniger als 1% der Arbeitsverträge würden entsprechende Klauseln enthalten, sagt Kroll. Weist der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern neue Plätze zu, ist er dabei nicht völlig frei. "Der Arbeitgeber darf gleichwertige Umsetzungen vornehmen", sagt Kroll, "also von einem Einzelbüro in ein anderes Einzelbüro." Bei der Versetzung von einem Einzelbüro in ein Großraumbüro sehe es hingegen schon anders aus. Hierfür müssten betriebsbedingte oder organisatorische Gründe vorliegen. Dazu zähle, dass der Vertrieb komplett in einem Großraumbüro zusammengefasst werden soll. Oder, dass der Nachfolger des Geschäftsführers übergangsweise ein Einzelbüro braucht, bis er das seines Vorgängers beziehen kann. Sind alle Büros besetzt, dann könne ein Mitarbeiter angewiesen werden, seines für den designierten Nachfolger zu räumen, sagt Kroll.

Unzulässig sind hingegen Mobbing und Willkür bei der Arbeitsplatzvergabe. Haben beispielsweise alle Abteilungsleiter eine Sekretärin und ein Einzelbüro, dann gehöre diese Ausstattung zum sogenannten "Umfeld der Position", erläutert Anwältin Kroll. "Wird der Abteilungsleiter plötzlich vom Einzelbüro in ein Zweierbüro umgesetzt, ohne dass es einen nachvollziehbaren arbeitsorganisatorischen Grund dafür gibt, dann ist das nicht mehr durch das Weisungsrecht abgedeckt", sagt sie.

Wie wichtig eine gute Büroatmosphäre ist, um Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, zeigt auch eine Umfrage des Karriereportals Monster. 45% der Deutschen nennen eine gute Büroatmosphäre als attraktivsten Punkt für einen Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber. Eine innovative Bürogestaltung hingegen ist der am wenigsten wichtige Anziehungsfaktor, um sich nach einer neuen Arbeitsstelle umzuschauen.

Welche Mitarbeiter in welcher Form zusammensitzen, ist im beruflichen Alltag vor allem durch die Aufgaben bestimmt. Einige Funktionen eignen sich allein aus Gründen der Geheimhaltungspflicht nicht für ein Großraumbüro, wie z.B. die Personalabteilung. Bei DIC Asset hat eine Projektgruppe den Umzug in die neuen Büroräume im MainTor Primus ein Jahr lang vorbereitet. Das Unternehmen mit rund 130 Mitarbeitern setzt ganz auf Einzel-, Zweier- und Gruppenbüros mit bis zu vier Personen. Bei den Gruppenbüros stehen u.a. die Funktionen Abstimmung im Team, gute Koordination der Arbeiten und eine einfache Organisation der Vertretung im Vordergrund. "Welche Mitarbeiter zusammensitzen, haben die Vorgesetzten gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeitern festgelegt", berichtet Birgit Rüdiger, Leiterin Human Resources. Damit sich die Mitarbeiter in dem neuen Gebäude sofort zurechtfanden und schnell heimisch fühlten, gab es für jeden eine Willkommensbroschüre zum ersten Arbeitstag. Dort fanden sich u.a. Informationen zum Standort mit seinen Angeboten, aber auch zum Umgang mit der neuen Telefonanlage.

Bei Drees & Sommer hingegen ist das Arbeitsplatzkonzept je nach Standort verschieden. Während in Frankfurt Einzelbüros vorherrschten, gebe es auch Gebäude ohne feste Arbeitsplätze - außer für die Assistentinnen. Denn die müssten zuverlässig gefunden werden, sagt Friederike Schammann-Vogel, Leiterin Human Resources bei Drees & Sommer. Bei Konflikten um die Arbeitsplatzsituation gehe es meist um die Art der zu verrichtenden Arbeiten. Dabei müsse beachtet werden, dass sich die Bedürfnisse nicht zu stark unterscheiden. Betroffene Mitarbeiter sollten einander Feedback geben, beispielsweise zur Lautstärke beim Telefonieren. Manchmal könnten vielleicht auch technische Lösungen Abhilfe schaffen. Bei Problemen sollten Mitarbeiter ihre Führungskraft ansprechen, der eine wichtige Rolle zukommt. Denn nicht selten könnten Konflikte eine Rolle spielen, die mit der Sitzplatzanordnung gar nichts zu tun haben, sagt Schammann-Vogel. Lasse sich im Gespräch keine Lösung finden, müssten Kollegen auseinandergesetzt werden.

Auch Anwältin Kroll empfiehlt, den Schreibtischnachbarn zuerst persönlich anzusprechen. Wenn das nicht fruchtet, dann sollte ein sachliches Gespräch mit dem Vorgesetzten oder dem Betriebsrat geführt werden. Rauchende und trinkende Kollegen, unangenehme Gerüche, laute Privattelefonate oder gar Selbstgespräche zählen zu den zehn größten Sünden im Büro, wie eine Umfrage von Regus, dem Anbieter von Arbeitsplatzlösungen, zeigt. Um sich dagegen zu wehren, könnten Angestellte "über Bande spielen", sagt Kroll. Denn der Arbeitgeber ist laut § 618 des Bürgerlichen Gesetzbuchs dazu verpflichtet, Arbeitsräume so bereitzustellen, dass der Angestellte "gegen Gefahr für Leben und Gesundheit so weit geschützt ist, als die Natur der Dienstleistung es gestattet". Bei Querelen mit dem Schreibtischnachbarn könnte der Mitarbeiter also behaupten, dass er sich psychisch beeinträchtigt fühlt. Wie auch Verena Schmidt reichen die wenigsten tatsächlich Klage ein. Meistens würden Probleme "auf dem kleinen Dienstweg" geregelt, meint Kroll. "Ein kluger Arbeitgeber wird es sicherlich nicht auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen."

Sonja Smalian

Do you speak Denglisch?

Auch wer nicht in der City von London arbeitet - ohne Englischkenntnisse geht es im internationalen Immobiliengeschäft nicht.

Auch wer nicht in der City von London arbeitet - ohne Englischkenntnisse geht es im internationalen Immobiliengeschäft nicht.

Bild: BilderBox.com

Karriere05.03.2015
Wer um Millionenprojekte auf internationalen Märkten verhandelt, sollte nicht zu schnell an seine sprachlichen Grenzen geraten. Ob die eigenen Englischkenntnisse für die nächste Telko, Messe ... 

Wer um Millionenprojekte auf internationalen Märkten verhandelt, sollte nicht zu schnell an seine sprachlichen Grenzen geraten. Ob die eigenen Englischkenntnisse für die nächste Telko, Messe oder Vertragsverhandlung ausreichend sind, müssen sich die Akteure selbst kritisch fragen. Denn regelmäßige Tests führen die Unternehmen meist nicht durch, dafür unterstützen sie mitunter beim Nachbessern.

Einer der schönsten Dialoge zu den Tücken der englischen Sprache stammt aus dem Filmklassiker Casablanca. Zur Vorbereitung auf ihre gemeinsame bevorstehende Auswanderung nach Amerika spricht Herr Leuchtag mit seiner Frau nur noch Englisch: "Liebchen, sweetness, what watch?" "Ten watch", antwortet sie. Worauf ihm entfährt: "Such much?" Nach dieser überraschenden Demonstration ihres Könnens sinniert der Kellner "You will get along beautifully in America." Doch fürs Sinnieren bleibt im Berufsalltag wenig Zeit. Wer sich also nicht sicher ist, ob sein Englisch für die nächste Telefonkonferenz mit Investoren, den Small Talk während der Mipim in Cannes oder aber das Akquisitionsgespräch genügt, der sollte rechtzeitig qualifiziertes Feedback einholen.

Es biete sich beispielsweise an, ein typisches Akquisitionsgespräch im Unternehmen im Vorhinein zu üben, sagt Alice Jovy, Englisch-Sprachtrainerin für Unternehmenskommunikation. Hierbei komme es nicht nur auf die richtigen fachspezifischen Vokabeln an, sondern auch auf ein überzeugendes und selbstsicheres Auftreten. Zudem seien die Gesprächspartner häufig selbst keine Muttersprachler, deswegen müssten die richtigen "real estate phrases" stimmen, sagt Jovy, die mehrere Sprachlehrbücher zu Real Estate Englisch verfasst hat.

Wie gut das Hörverständnis ist, lässt sich ganz einfach testen. Schauen Sie sich auf YouTube englischsprachige Filme von der Hauptversammlung eines Immobilienunternehmens an. Verstehen Sie alles? Im Netz finden sich zudem viele kostenlose Sprachtests. Doch deren Aussagekraft ist begrenzt. Was nütze es einem Mitarbeiter, wenn er als Ergebnis "B2" des europäischen Referenzrahmens erhalte, gibt Sprachtrainerin Gisela Vogt zu bedenken. Vogt ist Autorin der IZ-Kolumne Immobilien-Englisch (siehe "Emerging Trends 2015 - London, München oder Athen?"). Ihr Tipp lautete daher: Um in einer konkreten Situation zu reüssieren, sollten sich Gesprächspartner inhaltlich noch gründlicher auf das Gespräch vorbereiten als auf ein Gespräch auf Deutsch. Denn nur wer die Inhalte zu 150% parat habe, könne sich dann ganz auf die Sprache konzentrieren.

Unternehmen hingegen testen das Englisch ihrer Mitarbeiter nur bedingt. "Tests werden bei uns nicht flächendeckend oder regelmäßig vorgenommen", sagt Gabriele Rappensperger, Leiterin Personal bei der pbb Deutsche Pfandbriefbank. Doch das Unternehmen legt Wert darauf, dass die Mitarbeiter entsprechend ihres Aufgabengebiets neben allgemeinen Englischkenntnissen auch über Kenntnisse der immobilienspezifischen Fachsprache verfügen.

In 24 Ländermärkten agiert Union Investment Real Estate. Von Mitarbeitern in immobiliennahen Funktionen wie Fonds- oder Asset-Managern, Juristen oder Transaktionsmanagern werden ebenfalls immobilienspezifische Sprachkenntnisse erwartet und dass sie Vertragsverhandlungen auf Englisch führen können. Einen flächendeckenden Englischtest gibt es auch hier nicht. Teile des Vorstellungsgesprächs würden durchaus auf Englisch geführt, um das Sprachniveau zu prüfen, sagt Kai Johnson, Leiter Personal Hamburg bei Union Investment.

Bei jungen Berufseinsteigern und Young Professionals legen jedoch drei Viertel der Unternehmen großen Wert auf Englischkenntnisse, wie die Umfrage zur IZ-Joboffensive aus dem vergangenen Jahr zeigt. Nach Berufserfahrung, guten Abschlussnoten, Praktika belegen die Englischkenntnisse zusammen mit einem Hochschulabschluss Rang vier auf der Wunschliste der Arbeitgeber. Die Studenten ihrerseits sehen sich gut gerüstet: Quasi jeder der befragten 446 Studenten - mit einer Ausnahme - gibt an, Englisch zu sprechen. Jeder Zweite würde seine Kenntnisse als fließend bezeichnen, jeder Vierte sogar als verhandlungssicher.

Wer schon im Job steht und mehr Sprachsicherheit erwerben möchte, der sollte sich an seinen Arbeitgeber wenden. Die pbb bietet bedarfsabhängig Gruppen- und Einzelunterricht inhouse für ihre Mitarbeiter an. Die Kosten dafür trägt die Bank. Von den gut 800 Angestellten nahmen im vergangenen Jahr rund 80 an einer Sprachschulung teil, mitunter auch in anderen Fremdsprachen als in Englisch. Darüber hinaus gebe es auch Übungen "on-the-job" in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen, die englische Muttersprachler sind, sagt Personalleiterin Rappensperger.

Bei Union Investment sei der Vorgesetzte der erste Entwicklungscoach und damit Ansprechpartner für den Mitarbeiter, sagt Johnson. Das Unternehmen schult sehr bedarfsorientiert, ebenfalls im Einzel- oder Gruppenunterricht. Es gab auch schon Sprachreisen, die Mitarbeiter während ihres Bildungsurlaubs gemacht haben. Ein weiteres Element sind u.a. ein-, zweitägige Hospitanzen bei ausländischen Dienstleistern. In einigen Fällen haben Mitarbeiter auch schon in den englischsprachigen Auslandsbüros des Unternehmens sechs Monate hospitiert, doch dabei war die Sprachkompetenz meist nur ein willkommener Nebenaspekt. In erster Linie sei es darum gegangen, dass die Hospitanten mit den unterschiedlichen Geschäftsabläufen vertraut werden. Johnson schätzt, dass ca. 30% bis 40% der rund 320 Mitarbeiter von Union Investment Real Estate an einer Sprachmaßnahme teilgenommen haben.

Bei den Weiterbildungsmaßnahmen arbeiten die beiden Unternehmen mit verschiedenen Partnern zusammen, darunter u.a. Kensington Language Services, Linguarama, Inlingua, Berlitz, Wall Street Institute, Target Language sowie Privatlehrern. Wer speziell sein Fachvokabular für die Immobilienwirtschaft verbessern möchte, der kann sich auch an spezialisierte Trainer wenden: Sowohl Jovy wie auch Vogt machen Immobilienprofis fit im Englischen, und zwar u.a. an der Real Estate Language Academy (Rela) der HfWU Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Das Weiterbildungsinstitut bietet neben Firmen-, Gruppen- und Einzeltrainings diesen September auch zwei Mal den Kurs Real Estate English Training in Großbritannien an. Der Trip führt die Teilnehmer zur University of Cambridge.

Wem die Reise zu weit ist, der kann es sich auch zuhause gemütlich machen: Denn im zweiten Quartal 2015 beginnt ein neues Kursangebot für Immobilienprofis. Der Online-Kurs Immobilienenglisch wurde von Vogt entwickelt (www.scyo.com). Dass es nicht leicht ist, in einem deutschsprachigen Umfeld und neben dem Job Vokabeln zu lernen, weiß auch die Sprachtrainerin. Sie gibt deswegen in ihren Kursen keine Hausaufgaben mehr auf. Um zumindest die allgemeinen Sprachkenntnisse nicht zu verlieren, empfiehlt sie, einfach das auf Englisch zu machen, was der Kandidat sonst auf Deutsch machen würde: Krimis lesen, Filme schauen ...

Wer seine immobilienspezifischen Englischkenntnisse verbessern möchte, kann auf einige Hilfsmittel zurückgreifen: Alice Jovy hat das Buch "English Correspondance and Report Writing for Real Estate Professionals" verfasst mit zahlreichen Beispielen und Fachvokablen. In der IZ edition ist auch das deutsch-englische Wörterbuch Immobilienwirtschaft erschienen, von dem es auch eine Online-Version gibt. Gisela Vogts Kolumnen sind online unter www.iz.de/immobilien-englisch auffindbar und auch gesammelt als Buch erschienen mit dem Titel "Do you speak Immobilienenglisch?" Alle Artikel sind über den iz-shop.de bestellbar. sma

Sonja Smalian