Christian Simanek

Diesem Foto gibt Christian Simanek den Titel „Asset-Management-Bootcamp in Maising“.

Diesem Foto gibt Christian Simanek den Titel „Asset-Management-Bootcamp in Maising“.

Urheber: Christan Simanek

Karriere 03.02.2022
Seinen Weg ins Asset-Management fand Christian Simanek als Makler für Büroimmobilien bei JLL. Damals beeindruckte ihn ein Mandat für den Projektentwickler Sky Towers in Düsseldorf. Er ... 

Seinen Weg ins Asset-Management fand Christian Simanek als Makler für Büroimmobilien bei JLL. Damals beeindruckte ihn ein Mandat für den Projektentwickler Sky Towers in Düsseldorf. Er wechselte für 14 Jahre zur Schweizer Bank UBS als Executive Director Asset Management und Head of Leasing Europe und kam Anfang 2021 zum Real-Asset- und Investmentmanager Wealthcap, wo er den Titel First Vice President trägt. Zudem begleitet er Start-ups als Business-Angel. An seinem Beruf schätzt der 50-Jährige den Kontakt zu Menschen. Zum Ausgleich zieht er sich in seiner Freizeit gerne mit einem Buch oder zum Sport in die Natur zurück.

Wie und wo wohnen Sie zurzeit?
Als wir 2006 nach Bayern gezogen sind, haben wir ein kleines Häuschen im Grünen gemietet. Unsere Vermieter, die ebenfalls auf dem sehr großen Grundstück leben, sind mittlerweile zu Freunden geworden. Auch deshalb möchten wir weiterhin gerne hierbleiben. Das Haus liegt in einem Ortsteil von Pöcking (Kreis Starnberg), im wunderschönen 400-Seelen-Dorf Maising. Es ist sehr modern, energiesparend und hochwertig gebaut, hat ganz viel Licht, hohe Decken und passt sich durch viel Holz an der Außenfassade perfekt ins Grün des sehr schönen Gartens ein. Durch viele bodentiefe Glasflächen spüren wir zu jeder Jahreszeit, dass wir mitten in Bayerns schönster Natur leben. Wir besitzen allerdings auch selbst Wohneigentum, das wir vermieten.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Wohnung?
Ich habe zwei Lieblingsplätze: Der eine ist unsere Terrasse mit einem kleinen Teich darunter. Und der andere befindet sich im Obergeschoss, von dem aus wir etwas vom unserem wunderschönen Maisinger See und bei gutem Wetter sogar die Alpen mit der Zugspitze sehen können.

Haben Sie beim Bau einer Immobilie schon einmal selbst mit Hand angelegt?
Nein, leider habe ich dafür eher "zwei linke Hände".

Was muss das perfekte Haus oder die perfekte Wohnung unbedingt haben?
Eine Lage in der Natur oder zumindest die unmittelbare Nähe dazu, am allerliebsten zum Wasser. Vor allem sehr viel Licht und Luft, aber auch eine moderne Haustechnik mit geringem Energieverbrauch und aus Materialien, die unsere Umwelt schonen.

Wie und wo möchten Sie im Alter gerne wohnen?
Solange es geht, sehr gerne in unserem derzeitigen Haus. Falls das Treppensteigen im Alter zu beschwerlich würde, dann gerne in einer Erdgeschosswohnung in ähnlich schöner Lage.

Womit haben Sie als Erwachsener zum ersten Mal Geld verdient?
Das war 1990 als Banklehrling bei der Kreissparkasse Recklinghausen.

Wie haben Sie den Weg in die Immobilienbranche gefunden?
Am Ende meiner Banklehre sprach mich einer unserer Geschäftskunden, der Eigentümer eines kleinen Makler- und Bewertungssachverständigenbüros in meiner Heimatstadt Recklinghausen, an und bot mir erst ein Praktikum und später einen Studentenjob. Dass er meinen Opa von einer seiner früheren Tätigkeiten kannte, war dabei vermutlich hilfreich.

Was braucht man, um es in Ihrem Job zu etwas zu bringen?
Eine gute, fundierte Ausbildung und viel Berufserfahrung sind sicherlich die Basis. Aber vor allem sind es Neugier, Offenheit und Ausdauer. Und natürlich gehört auch immer eine Portion Glück dazu.

Wie feiern Sie Ihre Erfolge?
Sehr gerne bei einem schönen Essen und einer guten Flasche Wein, am liebsten gemeinsam mit Freund:innen und Kolleg:innen.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?
Erst einmal ärgere ich mich. Aber ein gewisses Maß an Emotionalität gehört aus meiner Sicht dazu, wenn man seinen Job mit Leidenschaft macht. Dann schlafe ich eine Nacht darüber und versuche, am nächsten Tag einen objektiven Blick darauf zu werfen. Denn aus jedem Misserfolg lernt man auch etwas.

Baulöwe, Miethai, Heuschrecke: Leute, die mit Immobilien Geld verdienen (wollen), haben nicht immer den besten Ruf. Zu Recht?
Geld zu verdienen ist erst einmal nichts Schlechtes. Es ist das Tauschmittel der Menschheit, mit dem man auch viel bewegen und viel Gutes tun kann. Geldverdienen muss auch nicht zum Nachteil anderer geschehen.

Was stört Sie in der Immobilienbranche?
Mich stört eigentlich an unserer Branche nichts Spezielles. Wie überall arbeiten auch in der Immobilienwirtschaft sowohl wundervolle Menschen als auch weniger nette Zeitgenossen. Die meisten in unserer Branche sind aber tolle Leute, die ich wirklich schätze.

Und was finden Sie besonders gut?
Die Diversität, auch wenn das mittlerweile schon etwas abgedroschen klingt. Aber es gibt in der Immobilienwirtschaft ganz viel Raum für Jung und Alt, gleich welchen Geschlechts, für Leute aller möglichen Fachrichtungen, für Nerds und auch für "positive Spinner". Ich glaube, dass sie alle in unserer Branche willkommen sind und dass wir nur gemeinsam die großen Herausforderungen unserer Zeit – gerade auch beim Thema Nachhaltigkeit – meistern können.

Eine Karriere in der Immobilienwirtschaft lohnt sich für junge Leute, weil ...
... es unglaublich viel zu lernen und große Herausforderungen gibt. Gerade junge Menschen sollten sich nicht die Chance entgehen lassen, ihre eigenen Lebens- und Arbeitsräume der Zukunft mitzugestalten. Und es gibt auch nur wenige andere Branchen, in denen man gerade im Bereich der Nachhaltigkeit so viel bewirken kann.

Was wären Sie heute gerne, wenn nicht Immobilienprofi?
Wenn ich das Talent dazu hätte, dann wäre ich gerne Schriftsteller geworden.

Haben Sie eine Lieblingsimmobilie?
Das Hotel „Chalet Mirabell“ in Hafling, Südtirol.

Und welches Gebäude in Deutschland würden Sie gerne abreißen und warum?
Alte Kernkraftwerke wie das „Neckarwestheim II“ im Kreis Heilbronn. Das ist mehr als 30 Jahre alt und namhafte Gutachter warnen zu Recht vor den großen Gefahren für Menschen und Umwelt.

Was bringt Sie privat auf die Palme? Und was beruflich?
Bei rund zehn Milliarden Euro Assets under Management und mehreren Tausend Mietern gibt es natürlich immer wieder Herausforderungen, die meine Kolleg:innen und ich lösen müssen. Dies gehört aber zu unseren Aufgaben und bringt mich normalerweise nicht auf die Palme. Als Privatperson machen mich große Ungerechtigkeiten, gerade auch in der Weltpolitik, eher traurig.

Wo oder wie können Sie sich besonders gut entspannen oder abschalten?
In der Natur, am liebsten in einer mediterranen Landschaft, am Wasser oder in den Bergen. Und in netter Gesellschaft von Freunden, Familie und unseren Katzen.

Für welches private Vergnügen haben Sie zu wenig Zeit?
Ich hätte gerne mehr Zeit, um Freunde und Familie öfter zu besuchen und um Hobbys aus meiner Kindheit und Jugend, zum Beispiel das Fischen, wiederzuentdecken. Auch würde ich gerne wieder mehr Live-Musik genießen.

Nennen Sie einen Ihrer Lieblingssongs
„Josephine“ von „Yellow Umbrella“ (Ska).

Wenn Sie an Ihren letzten Urlaub denken, denken Sie an was?
Ich denke an Bella Italia.

Wo arbeiten Sie am liebsten?
Ich arbeite überall gleich gerne. Der persönliche Austausch mit meinen Kolleg:innen ist nicht nur extrem wichtig, sondern macht mir auch großen Spaß. Aber ich genieße ebenso das ruhige, strategische oder konzeptionelle Arbeiten im Homeoffice und freue mich über die Zeitersparnis, wenn an manchen Tagen das Pendeln nach München wegfällt. Für geschäftliche und private Reisen innerhalb Deutschlands nehme ich in der Regel die Bahn und kann dort wunderbar arbeiten, aber auch entspannen.

Wie gehen Sie am liebsten aus?
Corona- und altersbedingt ist Tanzen in einem Club zu einem seltenen Event geworden. Nach der Pandemie würde ich das aber sehr gerne mal wieder machen. Sonst zieht es mich eher in den sehr schönen Biergarten und das gemütliche Restaurant unserer Dorf-Gastwirtschaft "Georg Ludwig" in Maising. Gerne besuche ich aber auch die tollen Restaurants, die München zu bieten hat – z.B. meine Lieblingslocation, das "Ristorante Galleria". Oder ich genieße Live-Musik oder coole DJs, in der "Kongress Bar" auf der Theresienhöhe.

Und mit welcher noch lebenden Persönlichkeit würden Sie dort gerne einmal einen Abend verbringen? Warum?
Mit Barack Obama, den ich sehr verehre, da er selbst auf dem Höhepunkt seiner Macht so normal, freundlich und offen – auch für Andersdenkende – geblieben ist.

Verraten Sie uns auch noch Ihr Lieblingsgericht?
Pasta in jeglicher Art – natürlich am liebsten in Italien.

Mit wem würden Sie gerne mal für einen Tag das Leben tauschen? Warum?
Ich würde gerne für einen Tag mit einem meiner besten Freunde, der Arzt in einer Klinik ist, das Leben tauschen. Es muss toll sein, wenn man Menschen so unmittelbar und beim Wichtigsten, nämlich ihrer Gesundheit, helfen kann.

Gibt es etwas im Ausland, das Sie in Deutschland vermissen?
Ich habe auf meinen geschäftlichen und privaten Reisen, gerade in Südeuropa, viel mehr Leichtigkeit und Lebensfreude gespürt. Davon sollten wir uns in Deutschland auch etwas mehr gönnen.

Sie haben 100.000 Euro zur freien Verfügung und müssen das Geld komplett ausgeben – welchen Traum erfüllen Sie sich?
Ich würde sicherlich einen Großteil des Geldes in die sozialen Projekte investieren, die ich gemeinsam mit lieben Freunden seit vielen Jahren unterstütze. Und dann gäbe es noch eine richtig große Post-Corona-Party.

Immobilien Zeitung

Weitere Nachrichten aus der Rubrik Karriere

REaL und EBS bieten interdisziplinären Austausch für Masterstudenten an

Karriere 23.09.2022
Im Master-Studiengang Real Estate arbeitet das Real Estate Management Institute (REMI) der EBS Universität mit dem Verein Real Estate and Leadership Foundation (REaL) zusammen. Im dritten ... 

Im Master-Studiengang Real Estate arbeitet das Real Estate Management Institute (REMI) der EBS Universität mit dem Verein Real Estate and Leadership Foundation (REaL) zusammen. Im dritten Semester soll so ein interdisziplinärer Austausch geschaffen werden.

Nach einem Pilotprojekt im Wintersemester 2021/2022 setzen REaL und REMI das gemeinsame Programm Interdisciplinary Track fort. Das Programm wird in Hamburg durchgeführt und als drittes Semester im Rahmen des Master-Studiengangs Real Estate angeboten. REaL bildet dabei ein Scharnier zwischen Wissenschaft und Praxis.

Das Programm besteht aus mehreren Modulen, die Themen wie Architecture & Building Technologies, Buildung Sustainability, ESG und Digital Transformation in the Real Estate Industry behandeln. Der Schwerpunkt soll in diesem Jahr zum einen auf hierarchie- und disziplinübergreifenden Leadershipansätzen für die Optimierung bei der Umsetzung von ESG-Kriterien und zum anderen auf der interdisziplinären Analyse von Lösungsoptionen für eine nachhaltige Innenstadtentwicklung liegen. Darüber hinaus können Studierende am REaL Practice Partnership Programme teilnehmen, das sie mit Mitgliedern und des Vereins in Form einer Werkstudententätigkeit zusammenbringt.
Janina Stadel

Talentsucher nutzen soziale Netzwerke

In einer Online-Kampagne gab Apleona Einblicke in den Berufsalltag von Mitarbeitern in Rom.

In einer Online-Kampagne gab Apleona Einblicke in den Berufsalltag von Mitarbeitern in Rom.

Quelle: Apleona

Karriere 22.09.2022
Auf der Suche nach Kandidaten für offene Stellen bewegen sich viele Personaler online. Sie klinken sich etwa in Facebook-Gruppen ein, um Kontakt zu Technikern aufzunehmen, posten ... 

Auf der Suche nach Kandidaten für offene Stellen bewegen sich viele Personaler online. Sie klinken sich etwa in Facebook-Gruppen ein, um Kontakt zu Technikern aufzunehmen, posten Azubi-Storys bei Instagram oder schreiben potenzielle Kandidaten für Chefposten bei Linkedin persönlich an. Dahinter stecken oft ganze Recruiting-Teams, die sich passende Inhalte für die Beiträge im Web überlegen.

Um Stellen zu besetzen, sind Recruiter in sozialen Netzwerken unterwegs, denn mit einfachen Stellenausschreibungen auf der eigenen Webseite oder Karriereportalen wie Stepstone und Indeed ist es aufgrund des andauernden Fachkräftemangels längst nicht mehr getan. Dass Wohnungsunternehmen und Verwalter händeringend neue Mitarbeiter suchen, bestätigte jüngst der EBZ-HR-Monitor 2022. 88% der befragten Immobilienunternehmen gaben an, dass die Rekrutierung von technischen Fachkräften immer schwieriger wird. Auch im kaufmännischen Bereich wird dringend Nachwuchs gesucht. Allein der Immobiliendienstleister Apleona hat 600 offene Stellen, quer durch alle Bereiche. Potenzielle Kandidaten auf Social Media gezielt anzuschreiben, erscheint im heutigen Arbeitnehmermarkt Erfolg versprechend. Während manche Firmen noch damit beschäftigt sind, sich überhaupt Präsenzen auf Xing oder Facebook einzurichten, haben andere schon ausgefeilte Recruiting-Strategien im Social Web entwickelt.

Stellenanzeigen alleine reichen nicht mehr

Zur zweiten Kategorie gehört Apleona. Findige HR-Mitarbeiter des Unternehmens nutzten im Juli zum Beispiel ein großes Pop-Konzert als Anlass, um für ihren Arbeitgeber zu werben. Im Frankfurter Waldstadion fand die ausverkaufte Show der britischen Band Coldplay statt. Die Recruiter hatten sich direkt vor dem Eingang positioniert, um Konzertgänger über freie Stellen zu informieren. In den sozialen Netzwerken wies das Unternehmen auf die Aktion hin, lud Interessierte zum Info-Stand, was diesem großen Zulauf bescherte. "Social Media ist für die Suche nach Talenten unverzichtbar geworden", sagt Apleona-Personalchefin Catharina Lenz.

Viele andere haben im Social-Media-Recruiting noch Luft nach oben. Das Berliner Wohnungsbauunternehmen Degewo beispielsweise will nach eigener Aussage in Sachen Social Media aktiver werden. Aktuell werden die Stellenanzeigen hauptsächlich auf der Degewo-Karrierepage und bei Portalen wie Stepstone und Indeed veröffentlicht, künftig wollen die HRler Xing und Linkedin stärker einbinden. Dort ist die Konkurrenz groß, denn die meisten Unternehmen setzen bei der Personalsuche auf diese klassischen Karrierenetzwerke. So auch der Immobiliendienstleister BNP Paribas Real Estate (BNPPRE), der Linkedin vor allem dafür verwendet, offene Stellen in den Geschäftsbereichen Transaction, Consulting, Valuation und Investmentmanagement zu besetzen. Auf Xing versucht das Unternehmen technische Property-Manager für sich zu gewinnen.

BNPPRE ist in den sozialen Netzwerken generell sehr aktiv, teilt dort beispielsweise regelmäßig den eigens produzierten Podcast. Auch in diesem Format spielte das Thema Karriereoptionen schon eine Rolle. Personalchef Philipp Benseler informierte beispielsweise in einer Folge im Frühjahr 2022 über Einstiegs- und Weiterentwicklungschancen in der Immobilienbranche.

Die Immobilienvermittlung Heimstaden Deutschland teilt auf Linkedin Jobinserate und verlinkt auf die eigenen Karriereseiten. Zudem versieht Manuel Kiep, Head of People & Culture, gepostete Stellenausschreibungen mit einem persönlichen Aufruf. Apleona-Personalchefin Lenz und ihr 16-köpfiges Recruiting-Team schreiben passende Kandidaten via Xing und Linkedin direkt an. "Wir fügen in der persönlichen Nachricht gern unsere E-Mail-Adresse und Handynummer an", sagt sie. "Dann können die Kandidaten mit dem jeweiligen Recruiter über Whatsapp in Kontakt treten." Es soll möglichst unkompliziert sein, sich zurückzumelden – je niedriger die Hemmschwelle, desto größer der Erfolg. Auch nutzt das Unternehmen die jeweiligen kostenpflichtigen Recruitingtools, wie den Xing-Talentmanager, der Arbeitgebern beispielsweise Kandidatenempfehlungen anhand festgelegter Suchkriterien liefert. Weil die Profile passgenau ausgewählt werden können, sei die Erfolgsquote über eine Direktansprache hoch, sagt das Unternehmen.

Auf Instagram sieht Apleonas Strategie dagegen anders aus: Hier gibt der Immobiliendienstleister Einblicke in den Arbeitsalltag, um Auszubildende für sich zu gewinnen und Junior-Positionen zu besetzen. Während Lenz und ihr Recruiting-Team Kandidaten eigentlich siezen, machen sie bei Instagram eine Ausnahme. "Eine formale Ansprache würde überhaupt nicht zur Zielgruppe passen", sagt die HR-Expertin. Stattdessen präsentiert Apleona Testimonials aus den eigenen Reihen, sogenannte Corporate-Influencer, die selbst Inhalte produzieren. Geht es zum Beispiel um offene Ausbildungsstellen für Bürokaufleute, dann berichten Azubis aus dem Unternehmen von ihrem Alltag, meist in einer multimedialen Instagram-Story.

Netzwerke schaffen Kontaktmöglichkeiten

Auch Apleona-Mitarbeiter von Auslandsstandorten zeigen sich auf dem Kanal: In einer aktuellen Corporate-Influencer-Kampagne präsentieren sich zum Beispiel italienische Apleona-Mitarbeiter in ihrer Berufskleidung vor den Wahrzeichen Roms und Venedigs. Da passiert es schon mal, dass die Techniker vor der Kamera Jeans zur Arbeitsjacke tragen – in der Realität aus Sicherheitsgründen ein No-Go. Apleona-Konzernsprecher Oliver Stumm zuckt dann schon mal zusammen, wie er sagt, "wenn wir sehen, dass jemand auf einem Bild Jeans trägt statt der vorgeschriebenen Arbeitshose". Aber solche kleinen Schönheitsfehler seien für das Recruiting zu verschmerzen. Hinzu kommt: Engagierte Mitarbeiter in den Dienst der Arbeitgebermarke zu stellen, ist eine gleichermaßen wirksame wie kostengünstige Option.

Er selbst habe bei Linkedin zur Kampagne einen "staatstragenden Post" geschrieben, sagt Stumm und lacht. Die HR-Kollegen setzen indessen auf lockere Formulierungen. Mit dem Marketing gibt es in Sachen Social Media natürlich Überschneidungen, schließlich möchte der Konzern ein einheitliches Bild bieten. Aber für die Recruiting-Kanäle sind HR-Chefin Lenz und ihr Team verantwortlich. Sie posten nicht nur Storys und Bilder aus dem Unternehmen – meist in Verbindung mit dem Link zur eigenen Karriere-Website –, sondern gehen gezielt auf die Suche nach potenziellen Talenten.

Facebook steht bei Lenz ebenfalls hoch im Kurs: vor allem für die Ansprache von Menschen mittleren Alters, beispielsweise Techniker und Handwerker, die sich in entsprechenden Gruppen austauschen. In diese geschlossenen Gruppen versucht sich die Apleona-HR einzuklinken. Gelingt das, ist es besonders vielversprechend, Direktnachrichten an Gruppenmitglieder zu senden, denn dort ist genau die gewünschte Zielgruppe vertreten. Gerade bei Facebook ist es zudem gängige Praxis, über kostenpflichtige Tools Posts abzusetzen, die dann beispielsweise an Nutzer aus einer bestimmten Region oder eines bestimmten Alters ausgespielt werden. Apleona nutzt dafür sein Werbebudget. Die Höhe sei abhängig von der Dauer und Region der Anzeige. Für vier Wochen müsse man mit rund 3.000 Euro für einen solchen Post rechnen.

Das Wohnungsunternehmen Heimstaden setzt bei der dringlichen Suche nach Handwerkern und Hausmeistern auf klassische Rekrutierung abseits des Netzes: zum Beispiel über regionale Aushänge in Supermärkten. Hier gilt die goldene Regel: Recruiter sollten dort sein, wo die Talente sind. Deswegen überlegt Apleona-Personalerin Lenz, die Aktivitäten weiter auszubauen. "Der Ruf bei uns wird lauter, auch einen Tiktok-Kanal im Recruiting einzusetzen", erzählt sie. "Da sind so viele junge Leute unterwegs – es wäre schade, sie zu verpassen."

#/ZZ#

Die Autorin: Anne Hünninghaus ist Journalistin bei der Wirtschaftsredaktion Wortwert.

Anne Hünninghaus

Arbeitskräfte sind in der Logistik ein Standortfaktor

In Logistikzentren müssen oft mehrere Hundert Stellen schnell besetzt werden.

In Logistikzentren müssen oft mehrere Hundert Stellen schnell besetzt werden.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Gorodenkoff

Karriere 15.09.2022
Damit ein Logistikzentrum den Betrieb aufnehmen kann, müssen viele Posten besetzt werden. Um an einem Standort genügend Mitarbeiter zu finden, starten Unternehmen die Suche mit viel ... 

Damit ein Logistikzentrum den Betrieb aufnehmen kann, müssen viele Posten besetzt werden. Um an einem Standort genügend Mitarbeiter zu finden, starten Unternehmen die Suche mit viel Vorlauf vor der Eröffnung und haben dafür verschiedene Strategien entwickelt. Sie reichen von Kooperationen mit Jobcentern bis zum Abwerben von der Konkurrenz.

Wenn Kommunen dem Bau eines Logistikzentrums vor den Toren der eigenen Stadt skeptisch gegenüberstehen, können sie mit Zahlen zu möglichen wirtschaftlichen Profiten oft umgestimmt werden. Das weiß Andreas Preußer, geschäftsführender Gesellschafter von Complemus. Das Unternehmen aus Aachen entwickelt Unternehmensimmobilien für Nutzer in ganz Deutschland und übernimmt teilweise auch die Grundstückssuche für seine Auftraggeber. Zu seinen Argumenten zählen dabei nicht nur das zu erwartende, vielleicht gar nicht so große Verkehrsaufkommen und Angaben zur energetischen Nachhaltigkeit der Gebäude, sondern auch zu Arbeits- und Ausbildungsplätzen, die entstehen. Das gelte besonders an Standorten, an denen Flächen von alteingesessenen Produktionsstätten nach deren Schließung übernommen werden, weil durch die gleichzeitige Übernahme der Arbeitskräfte die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben können.

Denn um den Betrieb aufnehmen zu können, müssen in den Lager- und Umschlagshallen unterschiedliche Posten besetzt werden. Das gilt laut Preußer vor allem für Servicelogistiker, die Kontraktlogistik für andere Unternehmen betreiben. "Wir sprechen dabei meist von Logistikzentren mit einer Fläche von 10.000 bis 15.000 qm", sagt Preußer und rechnet vor: "In zwei Schichten arbeiten dort meist um die 80 Lageristen, also 160 am Tag."

Knapp 6.000 sozialversicherungspflichtige Stellen mussten deshalb in den vergangenen Jahren in und um Mönchengladbach besetzt werden. Dort sind insgesamt neun Immobilienentwicklungen aus dem Logistiksektor entstanden, vor allem im Regiopark Mönchengladbach, wo sich u.a. Zalando, DHL, Primark und Esprit angesiedelt haben, und im Industriegebiet Mönchengladbach-Rheindahlen. Dort haben u.a. Reuter und Amazon Logistikzentren bezogen. Sie fungieren inzwischen als wichtige Arbeitgeber in der Stadt und haben dazu geführt, dass der Sektor zu einem festen Wirtschaftsstandbein in der Region wurde, wie Daniel Dieker, Projektmanager bei der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG), erklärt.

Um die Belegschaften aufzubauen, haben die Betreiber der Zentren in den vergangenen Jahren eng mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit zusammengearbeitet und profitierten von einer vergleichsweise hohen Quote von Arbeitslosengeld-I- und -II-Beziehern in der Region. "Diese stellten ein Arbeitnehmerpotenzial dar", sagt Dieker. Bis heute handle es sich bei den wenigsten Mitarbeitern in den Logistikzentren um Pendler, die meisten Stellen werden von Bewohnern der Stadt besetzt.

Hat sich ein Standort als Logistikhotspot etabliert, greifen viele Unternehmen bei der Suche nach Mitarbeitern auf eine weitere Strategie zurück. Sie werben das Personal innerhalb der Branche ab, weiß Preußer und ergänzt, dass dadurch "häufig ein Kampf um die Löhne entfacht".

Abwerben entfacht einen Kampf um die Löhne

Diese Erfahrung teilt Dieker mit Blick auf Mönchengladbach. "Es besteht sicherlich ein Wettbewerb der Betriebe untereinander, der sich darin äußert, dass attraktive Arbeitsbedingungen geboten werden müssen, um Mitarbeiter langfristig an das jeweilige Unternehmen zu binden." Einstiegsgehälter für ungelernte Kräfte liegen laut WFMG in der Region mit zwölf bis 13 Euro pro Stunde inzwischen über dem Mindestlohn.

Denn bei den meisten Stellen geht es um Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor. Die Arbeiter werden in den Hallen zum Beispiel als sogenannte Picker eingesetzt, die Waren aus den Lagerbeständen zusammenstellen. Weitere Kräfte helfen an den Laderampen Waren ein- und auszuladen. "Sie kommen meistens ungelernt in das Unternehmen und werden dann geschult, wie sie mit Waren umgehen und sie im Warenwirtschaftssystem erfassen", erklärt Preußer das Profil. Wenn für Positionen weitere Qualifikationen wie zum Beispiel ein Gabelstaplerschein notwendig sind, bilden die Unternehmen die Kräfte oft selbst auf eigene Kosten weiter.

Zusätzlich müssen in den Logistikzentren noch Positionen in der technischen Wartung, der Unternehmensführung und dem Management sowie in der kaufmännischen Steuerung und Standortleitung besetzt werden. Preußer schätzt, dass für diese qualifizierten Arbeiten in einem durchschnittlichen Logistikzentrum etwa 30 bis 80 Positionen besetzt werden, was meist einem Viertel bis einem Drittel der Gesamtbelegschaft entspricht.

Um sicherzugehen, dass ein Standort genügend Kandidaten aus allen Segmenten hergibt, empfiehlt er deshalb Baugrundstücke in der Nähe zu Städten mit mindestens 50.000 Einwohnern. Die Stadtnähe sei auch wichtig für die Anbindung der Mitarbeiter aus dem Schichtbetrieb, die oft keinen eigenen Pkw besitzen und somit auf öffentliche Verkehrsmittel wie Busse oder S-Bahnen angewiesen sind. Weitere Voraussetzungen im näheren Umfeld brauchen Fulfillmentzentren. Als Beispiel nennt Preußer Versanddienstleister, die saisonal auf Verstärkung angewiesen sind. "Spitzen gibt es dann zum Beispiel in der Weihnachtszeit." Weil die zusätzlichen Kräfte in der Regel nur für einen festgelegten Zeitraum im Logistikzentrum arbeiten, werden sie zum Teil für begrenzte Zeit als Aushilfen oder über Zeitarbeitsfirmen aus anderen Regionen oder dem Ausland hergeholt. "Und sie müssen in dieser Zeit auch untergebracht werden", sagt Preußer. Dafür beauftragen die Betreiber der Logistikzentren spezielle Dienstleister, die Unterbringungen und Hotels in der Nähe des Arbeitsplatzes für die Mitarbeiter auf Zeit bereitstellen.

Betreiber von Logistikzentren, die an bestehende Produktionsstandorte angebunden werden, sollten hingegen auf möglichst kurze Wege – sowohl zwischen den Immobilien als auch in Bezug auf Arbeitswege von Angestellten – achten. Denn an diesen Standorten werden meist mehr spezialisierte Kräfte eingesetzt, die lange Fahrten bei der Jobwahl abschrecken könnten.

Die Suche nach Mitarbeitern startet bei den meisten Logistikprojekten mit viel Vorlauf. Bis zu einem Jahr lassen sich die Unternehmen Zeit, um alle Stellen bis zur Eröffnung besetzt zu haben. Dabei tun sich selbst etablierte Arbeitgeber mit langjähriger Erfahrung immer schwerer, Kandidaten für sich zu gewinnen.

"Die Zahl der geeigneten Bewerbungen geht Jahr für Jahr weiter zurück", heißt es von Rossmann. Die Drogeriekette beschäftigt aktuell rund 3.700 Mitarbeiter an neun Verteilzentren und einigen Standorten für Online- und Importlogistik sowie in Eigenbedarfslagern. Allein 500 von ihnen sind im Regionallager in Burgwedel in Niedersachsen angestellt, das an die Unternehmenszentrale angeschlossen ist. Dort soll bis Ende März 2024 das bestehende Logistikzentrum durch einen 42.000 qm großen Neubau in der unmittelbaren Nachbarschaft ersetzt werden. Zwar ziehen die bestehenden Mitarbeiter aus dem jetzigen Gebäude mit um, doch rund 50 weitere Kräfte will Rossmann bis zur Eröffnung noch aufstocken.

Dafür sucht das Unternehmen gezielt auf Jobbörsen, mit Social-Media-Kampagnen und über die Agentur für Arbeit nach Mitarbeitern. Als bekannter Arbeitgeber in der Region hat Rossmann zudem ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm ins Leben gerufen, etwa ein Jahr vor der Grundsteinlegung des neuen Zentrums. Dabei setzt das Unternehmen auch auf ein ganzheitliches Employer-Branding und wirbt beispielsweise mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld, einer betrieblichen Rente und regelmäßigen Warengutscheinen. Weitere beliebte Benefits, die Logistikmitarbeitern angeboten werden, sind ein Wäschereiservice für Arbeitskleidung und Verpflegung in den hauseigenen Kantinen.

Gerade Wechsler aus ehemaligen Produktionshallen, werden zudem oft mit den besseren Arbeitsbedingungen in die Logistik gelockt. Im Neubau geht Rossmann noch einen Schritt weiter und betont die moderne technische Ausstattung, bei der Pakete an Packplätzen automatisch und ohne zusätzlichen Muskeleinsatz gehoben werden. Davon verspricht sich Rossmann eine Produktivitätssteigerung von rund 20% entlang der gesamten Lieferkette, was gleichzeitig bedeutet, dass für den vergrößerten Neubau verhältnismäßig wenig zusätzliche Mitarbeiter gebraucht werden.

Janina Stadel