Das Beste aus zwei Welten

Wiesbaden, Raiffeisenplatz: Heimat der R+V Versicherung.

Wiesbaden, Raiffeisenplatz: Heimat der R+V Versicherung.

Quelle: R+V Versicherung

Karriere05.07.2018
Die R+V ist eine der größten Versicherungen Deutschlands. Im gesamten 105 Mrd. Euro weiten Kapitalanlageuniversum ist die Assetklasse Immobilie, in der aktuell 5,2 Mrd. Euro stecken, zwar ... 

Die R+V ist eine der größten Versicherungen Deutschlands. Im gesamten 105 Mrd. Euro weiten Kapitalanlageuniversum ist die Assetklasse Immobilie, in der aktuell 5,2 Mrd. Euro stecken, zwar nur eine Nische - aber eine wachsende, weil sie immer noch eine relativ hohe Verzinsung bietet. Die 70-köpfige Immobilienmannschaft im R+V-Konzern wächst mit. Geführt wird die Immobilienabteilung um Leiter Markus Königstein trotz Konzernstrukturen wie ein eigenes kleines Unternehmen mit eigenen Spielregeln.

Wer Markus Königstein, den Chef der Immobilienabteilung der R+V, besucht, merkt schnell, dass er es mit einem Konzern zu tun hat. Einem Versicherungskonzern: acht Millionen Kunden, 15 Milliarden Euro Beiträge, 24 Millionen versicherte Risiken. Platz zwei unter den Lebensversicherern, Platz zwei in der Kategorie Schaden/Unfall und Dritter unter den Kfz-Versicherern. Der R+V-Konzern beschäftigt deutschlandweit mehr als 15.000 Mitarbeiter, Hauptsitz ist Wiesbaden.

Markus Königstein kann Zahlen wie diese quasi auswendig. Er ist eben nicht nur der Lenker der hauseigenen Immobilientruppe, sondern eben auch Teil eines Großkonzerns. Schon das 105 Mrd. Euro große Kapitalanlageuniversum der R+V ist im Konzern eine Welt für sich. Und die rund 70-köpfige Immobilieneinheit, Hüterin des 5,2 Mrd. Euro schweren Immobilienanlageportfolios, bewegt sich in diesem Universum auf einem besonderen Planeten.

Natürlich profitieren auch die Immobilienexperten von allen Vorteilen, die ein Job in einem Versicherungskonzern so mit sich bringt: „Zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, eine betriebliche Altersversorgung, Mitarbeiterbeteiligungen, vermögenswirksame Leistungen, Mitarbeiterkredite oder ein Lebensarbeitszeitkonto“, zählt Königstein wie aus der Pistole geschossen auf. Der Immobilienbereich wird im R+V-Konzern jedoch wie ein kleines eigenes Unternehmen geführt. „Wir orientieren uns an Marktstandards, haben eigene Dienstanweisungen und Kompetenzregelungen und insgesamt viele Gestaltungsspielräume.“

Die Immobilienexperten, die in Königsteins R+V-Team arbeiten, sind in drei Abteilungen tätig: im Transaktionsmanagement, in der Immobilienverwaltung in Deutschland und im Qualitätsmanagement. Die Transaktionsmanager kümmern sich nicht nur um den Direktbestand in Deutschland, wie etwa Fachmarktzentren, Geschäftshäuser und Bürogebäude, sondern auch um Beteiligungen: zum Beispiel an Immobilienfonds, die im Ausland (Brasilien, Kanada, USA etc.) investieren. Oder an Vehikeln, die deutsche Objekte aus Assetklassen halten, die das R+V-Team nicht selbst verwalten kann (etwa Shoppingcenter).

Die Abteilung Immobilienverwaltung gliedert sich ins Asset-Management der fremdgenutzten Anlageimmobilien einerseits und das Corporate Real Estate Management (CREM) der eigengenutzten Immobilien in ganz Deutschland (bzw. die Steuerung beauftragter Dienstleister) andererseits. Um alles rund ums Wohnen kümmert sich die Wohnungsgesellschaft GWG-Gruppe in Stuttgart, die die R+V vor ein paar Jahren zur Erweiterung des Portfolios gekauft hat. Die Qualitätsmanager sind für das immobilienwirtschaftliche Steuerungsreporting und dergleichen zuständig.

Etwa jeder Zweite der R+V-Immobilienexperten hat eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann bzw. zur -kauffrau oder eine andere immobilienspezifische Ausbildung gemacht. Die andere Hälfte hat ein FH- oder Unistudium absolviert. Zu Königsteins Team gehören Wirtschafts- und Bauingenieure, aber auch Architekten, Volks- und Betriebswirte und Juristen. Einige Kollegen haben on the job eine Zusatzqualifikation erworben. Im Schnitt halten Mitarbeiter dem R+V-Konzern seit 14 Jahren die Treue - eine für Immobilienunternehmen ungewöhnlich hohe durchschnittliche Betriebszugehörigkeit. Und der Bereich wächst weiter. Ganz aktuell ist Königstein auf der Suche nach zwei neuen Mitarbeitern. Denn: „Die Immobilie als Assetklasse ist bei Versicherungsunternehmen eine Nische, die wächst, da sie einen relativ hohen Kupon bietet, eine reale Anlage und teilweise wenig korreliert zu anderen Assetklassen ist“, erklärt Königstein.

„In aller Regel suchen wir Mitarbeiter mit etwas Berufserfahrung“, sagt Königstein und erklärt: „Im Transaktionsmanagement wird Projektmanagement gemacht, da bedarf es einer gewissen Führungserfahrung in Projektleitungen, kombiniert mit Fachwissen.“ Für Berufseinsteiger seien am ehesten die Bereiche Asset-Management, inklusive CREM und Qualitätsmanagement, geeignet, um hier weitere Erfahrungen zu sammeln. Absolventen können auch ein Trainee-Programm in der Immobilienanlagenwelt der R+V absolvieren - dabei bewegen sie sich allerdings nicht nur im R+V-Immobilienkosmos, sondern lernen den gesamten Konzern kennen.

Was Soft Skills betrifft, sucht Königstein durchaus unterschiedliche Typen. „Teamfähig sollten alle sein, und im Transaktionsmanagement ist zudem Durchsetzungsvermögen gefragt, da Transaktionsmanager Projekte steuern und über die Ziellinie bringen müssen.“ Ausdrücklich erwünscht seien Menschen, die querdenken und selbstbewusst sind. Immobilien kaufen und verkaufen oder sie zu managen ist kein Job von der Stange. „Leistung und Ergebnisse zählen! Ist die Arbeit erledigt, kann man auch mal früher heimgehen“, sagt Königstein.

Nicht ganz unbedeutend bei der Wahl des Arbeitgebers ist natürlich auch die Frage, was man bei dieser oder jener Adresse verdienen kann. Schließlich verrät er Königstein auch Zahlen. Doch weil die R+V ein Konzern ist, schreiben und streichen bei der späteren Autorisierung seiner Zitate die Personal-, Marketing- und Presseabteilungen mit. Was ein Glück, dass Königstein auch auf dem IZ-Karriereforum vor wenigen Wochen auf offener Bühne über die Verdienstmöglichkeiten in der Immobilienabteilung der R+V Auskunft gegeben hatte.

Auch die Frage, wie sich die im Tarifvertrag für die Versicherungsbranche vorgesehene wöchentliche Arbeitszeit von 37,5 Stunden - jedenfalls für all jene, die keine Prokura haben - mit den zum Beispiel für Immobilientransaktionsmanager in heißen Phasen üblichen knackigen Arbeitszeiten verträgt, und ob und wie Überstunden vergolten werden, ist ein Thema, das lieber nicht zur Sprache kommen soll. Besuchern des IZ-Karriereforums kam allerdings der Ausspruch zu Ohren: „Wer 80 Stunden die Woche arbeiten will, so wie ich das als Berufseinsteiger gemacht habe, ist bei einem Konzern wie der R+V falsch ...“

Harald Thomeczek

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Der richtige Dreh für die Kollegensuche

Der Mann mit der Pferdemaske ist ein Hingucker, Blau ist ein Hingucker. "Blau ist wow", sagt Gegenbauer, und rückt seine Unternehmensfarbe in den Fokus der Kampagne.

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Quelle: mc-quadrat im Auftrag von Gegenbauer

Karriere12.09.2019
Wer etwas zu zeigen hat, tut das heutzutage gerne per Video. Auch das Employer-Branding findet zunehmend auf YouTube statt. Von Facility-Managern über Baufirmen bis hin zu ... 

Wer etwas zu zeigen hat, tut das heutzutage gerne per Video. Auch das Employer-Branding findet zunehmend auf YouTube statt. Von Facility-Managern über Baufirmen bis hin zu Beratungshäusern - alle versuchen auf unterschiedliche Weise, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Rezo - ein Name, den man selbst in der Offline-Welt seit der Europawahl kennt. Der YouTuber hat es mit seiner harten Kritik an der CDU geschafft, in die Schlagzeilen zu kommen, sogar in althergebrachten Zeitungen zum Anfassen. Während sich die Zahl der Print-Leser kaum exakt erfassen lässt, beeindruckt die Aufmerksamkeit, die Rezos Video auf YouTube erlangt hat: etwa 16 Mio. Aufrufe.

Die Reaktionen auf das Rezo-Video zeigen, dass YouTube, Videos und Bewegtbilder aus dem Alltag der Bevölkerung nicht mehr wegzudenken sind. Vor allem Männer und Frauen im Alter von 18 bis 34 Jahren gehören zur Hauptnutzergruppe des Videoportals. Aus Sicht der Personaler also meist jene, die sich im Berufsleben noch orientieren. Somit ist YouTube eine Chance, sich Berufseinsteigern und Young Professionals im Video als Arbeitgeber zu präsentieren.

Einige Unternehmen aus der Immobilienbranche nutzen bereits diese Möglichkeit. Zu den aktivsten Branchenzweigen dürfte das Facility-Management gehören. Caverion ist mit seiner mehrteiligen Weltraum-Saga noch in Erinnerung (zum Nachlesen: "Caverion schraubt am Warp-Antrieb", IZ 9/16). In ähnlichem Maßstab angelegt als große Employer-Branding-Kampagne mit Kinospot und Werbung im öffentlichen Raum ist aktuell "Blau ist wow" von Gegenbauer. Seit Februar 2019 und derzeit in Münchner Multiplex-Kinos sowie auf YouTube ist der Werbespot zu sehen. Im Videoportal zählt er inzwischen etwa 1,3 Mio. Aufrufe.

"Blau ist doch eigentlich nur ne Farbe, oder? Falsch. Blau ist viel mehr." So startet der 50-Sekünder, in dem der Zuschauer in Kombination mit blaudominierten und dynamischen Bildern samt fetziger Musik erfährt: "Blau ist der Himmel, das Wasser, blau ist Deine Zunge." Aber auch: "Blau ist der Gang durch Deine alte Schule, der gemähte Rasen, die warme Heizung, das saubere Büro, der fette Bass beim Konzert. Blau ist hoch über der Stadt (Bild: Fensterputzer am Hochhaus) und tief unter der Erde (Bild: Prüfung der Gebäudetechnik). Blau ist Vielfalt und Zusammenhalt. (...) Blau ist unsere Farbe und unser Stolz. Blau ist Dein Style. Blau ist unser Style. Blau ist wow - Gegenbauer."

Mit diesem Spot will der Facility-Manager gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: sowohl nach innen als auch nach außen wirken, junge wie erfahrene Arbeitskräfte, Vertreter unterer wie höherer Hierarchien erreichen. Es gehe darum, die Werte des fast 100-jährigen Unternehmens zu präsentieren, Stolz und Identifikation auszulösen, berichtet Tom Kalányos, Leiter Digitale Medien bei Gegenbauer. Damit soll sich die Mitarbeiterbindung erhöhen - abseits vom sonst vielerorts üblichen Mittel der Lohnerhöhungen, die in dieser Branche wegen der knappen Margen nur schwer umsetzbar sind. Dazu trägt auch bei, dass etwa ein Dutzend der Personen, die im Spot zu sehen sind, Original-Mitarbeiter Gegenbauers sind.

Dass die Kampagne "Blau ist wow" zieht, macht Kalányos nicht nur an den vielen Aufrufen auf YouTube fest, sondern auch an den Besucherzahlen der unternehmenseigenen Corporate- und Karriere-Webseite. Seit der Spot zu sehen ist, gebe es dort ein Wachstum von 20% bis 25%. Zudem werde Kalányos bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter oft auf die Kampagne und den Kurzfilm angesprochen. Mindestens so stolz macht es ihn, wenn Kollegen den Spot z.B. bei Pitches zur Präsentation des Unternehmens vor (potenziellen) Kunden einsetzen.

Der personelle, zeitliche wie finanzielle Einsatz für diese Kampagne ist beträchtlich. Das dreiköpfige Team Digitale Medien hat sie zusammen mit der Agentur mc-Quadrat realisiert, die Planung reicht bis ins Jahr 2025 - bis zur Feier der 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Nächstes Jahr werde eine weitere Stufe der Kampagne gezündet, berichtet Kalányos. Er will noch nicht zu viel verraten, nur das: "Dann wird es darum gehen, weitere Kollegen zu aktivieren und sie zu Botschaftern für die Marke Gegenbauer zu machen."

Genau das macht gerade Wettbewerber Piepenbrock. Der Facility-Manager stellt in kurzen Zwei-Minuten-Spots seine Mitarbeiter als "Piepenbrocker" vor. Mit dabei ist z.B. Daniel Erdmann, Objektleiter für die Niederlassung Göttingen. Er berichtet frei von der Leber weg, wie vielfältig seine Arbeit sei, was er an seinem Berufsalltag schätze, dass das Geld immer pünktlich komme und er sich auf seinen Meisterbrief im Gebäudereinigerhandwerk freue. Erdmann ist seit 20 Jahren bei Piepenbrock, ein Neuzugang im Vergleich dazu ist derweil Jonas Vetter, Implementierungsmanager des Technischen Managements für Großkunden. Er erzählt vom Einstieg ins Großunternehmen und dem Teamspirit.

Dieses Format, im Video engagierte und zufriedene Mitarbeiter zu Wort kommen zu lassen, ist weit verbreitet und bietet sich auch für kleinere und mittelständische Unternehmen und Firmen aus anderen Branchenzweigen an. Die Limburger Bauunternehmung Albert Weil zum Beispiel ließ einen Azubi, einen Polier und einen Bauleiter erzählen, wie es auf einer Baustelle zugeht. In einem anderen Spot berichten drei Mitarbeiter, auf welchen unterschiedlichen Wegen sie nach dem Studium allesamt bei Albert Weil gelandet sind. Damit will die Baufirma nicht nur die Vielfalt möglicher Einsatzgebiete zeigen, sondern auch einen möglichst authentischen Einblick in die Unternehmenskultur bieten. Der Zuschauer bekommt einen Eindruck, welche Stimmung im Team herrscht, mit welchen Geräten auf der Baustelle gearbeitet wird und wie die Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter sind. Künftig will Albert Weil nach eigenen Angaben noch mehr Videos à la "Ein Tag mit ..." initiieren.

Einen komplett anderen Weg, Nachwuchskräfte und Young Professionals für sich als Mitarbeiter zu gewinnen, geht aktuell BNP Paribas Real Estate (BNPPRE). Der Immobilienberater hat seine vierteilige Videoreihe "The Secret to" veröffentlicht. Die ersten drei Titel suggerieren, dass es auf den ersten Blick um praktische Tipps für den Business-Alltag geht: "Keine Angst vor Smalltalk", "Beim Geschäftsessen punkten" und "Auf Geschäftsreisen bestens vorbereitet". Im letzten Teil kommt BNPPRE dann zum wesentlichen Punkt: "Wann es Zeit wird, den Job zu wechseln". Die Videos sind keine dröge Anleitung, in welcher Reihenfolge z.B. das Hemd zu falten, der Ärmel in welchem Winkel zu legen ist. Vielmehr sind es humorige Episoden, in denen auch ein Teil des echten BNPPRE-Teams zu sehen ist. "Wir wollen damit zeigen, wie wir ticken", erzählt Philipp Benseler, Head of Human Resources bei BNPPRE. Er erinnert sich, dass zu früheren Zeiten in Videos eher die Informationen im Vordergrund standen, heutzutage gehe es mehr ums Storytelling. Informationen auf unterhaltsame Art und Weise und Unternehmenswerte eher implizit zu vermitteln, steht dabei im Fokus.

Während die kurzen Spots von "The Secret to" aktuell auf etwa 3.000 bis 4.000 Aufrufe kommen, hat das Video vom jüngsten Event Adventure@BNPPRE mit angehenden Nachwuchskräften eine deutlich größere Resonanz erzeugt (siehe "Recruiting mit dem Extra-Kick", IZ 4/19). Satte 315.000 Aufrufe wurden bis jetzt gezählt. Junge Menschen in lockerer Atmosphäre, Abenteuer und Adrenalin sind offenbar gute Zutaten für ein aufmerksamkeitsstarkes Video.

YouTube erreicht Milliarden Menschen

Das Online-Videoportal YouTube, das ein Tochterunternehmen von Google ist, zählte Anfang 2019 monatlich rund 1,9 Mrd. Nutzer weltweit. In der Onlinestudie von ARD und ZDF für das Jahr 2018 gaben 83% der befragten 14- bis 29-Jährigen an, ein Videoportal mindestens einmal wöchentlich zu nutzen, 47% schauten sich die Videos mindestens ebenso oft auf Facebook an. Das Statista-Ranking der beliebtesten YouTube-Channels weltweit führt dato das indische Musiklabel T-series mit 110,47 Mio. Abonnenten an, gefolgt von der Einzelperson Pewdiepie mit 100,8 Mio. Abos. Das meistgesehene Video ist laut Statista derweil der Spot zum Song Despacito von Luis Fonsi feat. Daddy Yankee mit 6,4 Mrd. Aufrufen. Es führt sogar die Liste der beliebtesten Videos an, wenn man auf die vergebenen Likes schaut. Da kommt das Video auf 34 Mio. Daumen nach oben. Nach unten zeigen nur 4,2 Mio. Kommentiert wurde es 3 Mio. Mal. api

Anke Pipke

Rückkehr der Meisterpflicht für Fliesenleger & Co.

Die schwarz-rote Koalition will für Fliesenleger und andere seit 2004 zulassungsfreie Bauberufe wieder die Meisterpflicht einführen.

Die schwarz-rote Koalition will für Fliesenleger und andere seit 2004 zulassungsfreie Bauberufe wieder die Meisterpflicht einführen.

Quelle: iStock.com, Urheber: Petko Ninov

Karriere10.09.2019
Die schwarz-rote Koalition im Bund hat sich im Prinzip auf eine Wiedereinführung der Meisterpflicht für unter anderem Bauberufe geeinigt, die seit 2004 zulassungsfrei sind. Die Änderung ... 

Die schwarz-rote Koalition im Bund hat sich im Prinzip auf eine Wiedereinführung der Meisterpflicht für unter anderem Bauberufe geeinigt, die seit 2004 zulassungsfrei sind. Die Änderung der Handwerksordnung soll schon ab Anfang 2020 in Kraft treten. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, erhalten Bestandsschutz.

"Wir werden bei einigen Handwerksberufen die Meisterpflicht wieder einführen", teilen der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Carsten Linnemann, und der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Sören Bartol, unisono mit. Sie sind davon überzeugt, dass der Meisterbrief "die beste Garantie" unter anderem für "Qualitätsarbeit" und "Verbraucherschutz" ist. Außerdem soll die Rückvermeisterung zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses beitragen.

Für insgesamt zwölf Gewerke wird die 2004 weggefallene Meisterpflicht wieder eingeführt. Darunter befinden sich auch einige Bauberufe: Fliesen-, Platten und Mosaikleger, Estrichleger, Betonstein- und Terrazzohersteller sowie Parkettleger. Den Laden dicht machen soll niemand müssen: Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen ihr Handwerk auch ohne Meisterbrief weiterhin selbstständig ausüben. Sie erhalten Bestandsschutz.

Fahrplan steht

Linnemann und Bartol werden einer Koalitionsarbeitsgruppe die skizzierte Rückkehr zur Meisterpflicht am morgigen 10. September vorschlagen. Dann wollen sie das Bundeswirtschaftsministerium bitten, zügig einen Gesetzentwurf auf den Weg zu bringen. Nach dem Beschluss durch die Bundesregierung folgen Beratungen im Bundesrat und Bundestag. Erklärtes Ziel ist, dass die Änderung der Handwerksordnung Anfang 2020 in Kraft tritt. Nach fünf Jahren soll eine Evaluierung zeigen, was die Neuregelung gebracht hat.

Baugewerbe jubelt

Das organisierte Baugewerbe lässt schon jetzt die Korken knallen: "Wir sind sehr erfreut darüber, dass das Bundeswirtschaftsministerium nach gründlicher Prüfung der verfassungs- und europapolitischen Aspekte auch und gerade in den Bauberufen die Notwendigkeit anerkannt hat, diese in die Anlage A (In Anlage A der Handwerksordnung sind die zulassungspflichtigen Handwerke aufgelistet; Anm. d. Red.) zurückzuführen", jubelt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe. Gerade im Baubereich komme es auf die Verlässlichkeit der ausführenden Unternehmen im Hinblick auf Sicherheit und Verbraucherschutz an - "das war bei den meisterfreien Gewerken in großen Teil nicht mehr der Fall". Die Branche klagt schon lange über die (illegale) Billigkonkurrenz durch den Wegfall der Meisterpflicht im Ausbaugewerbe.

Harald Thomeczek