Der Standort bestimmt das Grundgehalt

Karriere 04.07.2024
Bis zu ein Drittel mehr verdienen Immobilienprofis an manchen Standorten im Vergleich zu Kollegen in gleicher Position und Funktion an anderen Orten. Das hängt mit regionalen Unterschieden beim ... 

Bis zu ein Drittel mehr verdienen Immobilienprofis an manchen Standorten im Vergleich zu Kollegen in gleicher Position und Funktion an anderen Orten. Das hängt mit regionalen Unterschieden beim Personalbedarf zusammen, aber auch mit unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in den Regionen. Vor allem im Osten und Norden der Republik fallen einige Fixgehälter deutlich niedriger aus als in Süddeutschland.

In Bayern und Baden-Württemberg verdienen Immobilienprofis im Durchschnitt am meisten. Um das herauszufinden, hat die Personalberatung Cobalt für die Immobilien Zeitung (IZ) mehr als 1.000 Gehälter von Arbeitnehmern analysiert, die ihren Job gewechselt haben. Dabei zeigten sich Unterschiede zwischen den Fixgehältern, die je nach Arbeitsort bis zu einem Drittel auseinanderlagen.

Einen Großteil der Gehaltsunterschiede innerhalb der Bundesrepublik zieht Cobalt-Geschäftsführerin Doreen von Bodecker auf die Verteilung der Firmenstandorte zurück. "Die sieben Top-Städte der Immobilienwirtschaft nach Büroflächenbestand sind Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart", zählt sie auf und zieht den Schluss: "Nur eine Stadt davon, nämlich Hamburg, liegt im Norden, und mit Berlin nur eine im Osten. Alle weiteren verteilen sich auf den Westen und den Süden. Hier wird also mehr Personal benötigt." Das führe bei Stellenbesetzungen zu mehr Wettbewerb um geeignete Kandidaten. Um sie zu sich zu locken, bieten Unternehmen ihnen höhere Gehälter an.

So zahlen Arbeitgeber in Norddeutschland ihren Property-Managern mit technischem Schwerpunkt Jahresgehälter um die 63.000 Euro, während im Süden für die gleiche Position im Durchschnitt 72.000 Euro möglich sind. Für Immobilienprofis mit Finanzfunktionen liegen die Durchschnittsgehälter im Westen bei bis zu 90.000 Euro, im Osten nur bei bis zu 70.000 Euro.

Ähnliche Unterschiede gibt es laut Personalexpertin und Cobalt-Geschäftsführerin Nicole Schwan selbst bei Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft, die an den Tarifvertrag der Gewerkschaft Verdi gebunden sind. Dieser weise nämlich je nach Bundesland verschiedene Tariftabellen auf, in die die Mitarbeiter eingruppiert werden. Das führt dazu, dass Unternehmen ihren Angestellten zum Teil unterschiedliche Gehälter für die gleichen Aufgaben in der identischen Position bezahlen, wenn sie an unterschiedlichen Standorten tätig sind.

Laut den Personalberatern machen sich einige Arbeitgeber die regionalen Gehaltsunterschiede zunutze. "Wir beobachten, dass Unternehmen immer wieder Abteilungen, deren Sitz unabhängig vom Geschäftszweck ist, an bestimmte Standorte verlagern, um Gehaltskosten einzusparen beziehungsweise zu reduzieren", sagt von Bodecker, und ihre Kollegin ergänzt: "Eine inflationsbedingte Gehaltsanpassung wird vorrangig in Regionen mit starkem Kandidatenwettbewerb durchgeführt, wodurch im Süden und Westen höhere Gehälter abgeleitet werden können. So ergibt es sich, dass gerade bei Stellen in Ostdeutschland das Gehalt teilweise den gestiegenen Lebenshaltungskosten hinterherhinkt", sagt Schwan.

Nicht nur für den Osten prognostiziert von Bodecker noch eine weitere Gehaltsfalle. "Auflagen der Bundesregierung zur Umsetzung des Heizungsgesetzes erfordern bauliche Investitionen. Es kann angenommen werden, dass in strukturschwachen Regionen diese Investitionen zulasten der Gehälter gehen, da es einen höheren Investitionsbedarf in den Beständen gibt", nennt sie eine Besonderheit der Branche.

Aus den Zahlen liest von Bodecker noch eine weitere Differenz heraus: Über alle untersuchten Berufsfelder hinweg verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen. Je senioriger die Position jedoch ist, desto weiter gleichen sich die Gehälter an. Während im technischen Property-Management das durchschnittliche Einstiegsgehalt von Frauen über ganz Deutschland hinweg 2023 bei 31.000 Euro lag, verdienten Männer zum Berufsstart im Schnitt schon 46.000 Euro. Auf Senior-Ebene lagen die Gehälter mit 69.000 und 70.000 Euro übers Jahr gerechnet aber nur noch 1.000 Euro voneinander entfernt. Gleiches galt für Experten-Positionen, für die mehr als 15 Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt wurden. Auf dieser Ebene verdienten die Frauen mit 77.000 Euro sogar etwas mehr als ihre männlichen Kollegen.

Von Bodecker erklärt sich das durch den starken Wettbewerb. "Frauen sind traditionell in technischen Funktionen weniger zu finden als Männer", sagt sie und gibt an, dass dies besonders für höhere Positionen gelte. "Unternehmen, die Frauen für Leitungsfunktionen in der Technik gewinnen wollen, sind bereit, ein höheres Gehalt zu zahlen", weiß die Personalberaterin aus ihrer Erfahrung.

Die geringsten Unterscheide zwischen den Gehältern zeigten sich in der Studie bei den Immobilienanwälten. Ihr Jahreseinkommen bewegt sich in ganz Deutschland zwischen 88.000 und 107.000 Euro. Auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern fallen bei den Juristen am geringsten aus. Jedoch kommt es für sie laut Schwan auf den exakten Standort an. "Kanzleien veröffentlichen Gehälter, die sie zum dritten oder vierten Jahr der Beschäftigung für Berufseinsteiger zahlen", erklärt Schwan. "In Städten wie Düsseldorf erhält jemand zum Beispiel ein höheres Gehalt als in Ratingen, obwohl beide Städte nebeneinander liegen", ist ihr aufgefallen. In den vergangenen Jahren haben die Kanzleien diese Unterscheide oft durch unterschiedlich hohe Lebenshaltungskosten an den Standorten begründet. "Dies trifft teilweise aber heutzutage nicht mehr zu. Wir gehen davon aus, dass in höheren Positionen die Schere weiter aufgeht und es daher regional starke Schwankungen gibt."

Bei Berufen, die in jedem Unternehmen gebraucht werden, liegen die Gehälter am engsten zusammen. Das gilt vor allem in der Buchhaltung von Immobilienunternehmen. Die Gehälter bewegen sich zwischen 50.000 und 60.000 Euro, wobei auch hier Arbeitgeber aus dem Süden und dem Westen am besten bezahlen. Ähnlich verhält es sich bei den Property-Managern mit kaufmännischem Hintergrund. Hier wiegt vor allem die Spanne zwischen den Geschlechtern nur wenig. Frauen kommen in dieser Sparte im Osten auf durchschnittlich 49.000 Euro, Männer auf 50.000 Euro. Am meisten verdienen sie im Süden. Dort lag das Durchschnittsgehalt der Frauen bei 57.000 Euro, das der Männer bei bis zu 60.000 Euro.

Das könnte laut von Bodecker auch noch eine Zeit lang so bleiben. "Gegenwärtig sind bei Gehältern in klassischen Fachkraftfunktionen keinerlei Gehaltssteigerungen zu verzeichnen." Sie spricht von einer "wirtschaftlich sensiblen Grundsituation" in vielen Unternehmen, die dazu führt, dass mehr Arbeit eher auf bestehende Mitarbeiter verteilt wird, als dass sie zu Neueinstellungen führt. Dabei seien die Schmerzgrenzen, was die finanzielle Entlohnung angeht, bei vielen Bewerbern in den vergangenen Jahren gesunken. "Kurze Arbeitswege, mobile Arbeitsmöglichkeiten, Anzahl der Urlaubstage und ein gutes Teamgefüge haben bei vielen Bewerbern den Wunsch nach mehr Gehalt relativiert", sagt von Bodecker.

Bei seniorigen Funktion bis hin zur Geschäftsführerebene sei der Wechselwille der Immobilienexperten im Moment in einigen Regionen besonders hoch, wodurch die Zahl der möglichen Kandidaten für eine vakante Stelle steigt. "Das wiederum schlägt sich teilweise sogar in sinkenden Gehältern nieder", sagt von Bodecker.

Janina Stadel

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