Die Gen Z geht auf Distanz zum Arbeitgeber

Marion Peyinghaus (links) und  Regina Zeitner.

Marion Peyinghaus (links) und Regina Zeitner.

Quelle: HTW Berlin, Urheber: Alexander Rentsch

Karriere 05.05.2022
Digitalisierung, Prozesse und Unternehmenskultur die entscheidenden Stellschrauben für den Unternehmenserfolg ? und mobiles Arbeiten bedeutet Innovationsverlust. Die Generation Z kann ... 

Digitalisierung, Prozesse und Unternehmenskultur die entscheidenden Stellschrauben für den Unternehmenserfolg ? und mobiles Arbeiten bedeutet Innovationsverlust. Die Generation Z kann nichts mit charismatischen Führungsfiguren anfangen, sondern will fair behandelt werden. Das und mehr zeigt die Studie "Sustainable Leadership ? Führung im digitalen Zeitalter" von Marion Peyinghaus vom Competence Center Process Management Real Estate und Regina Zeitner, Professorin an der HTW Berlin.

Immobilien Zeitung: Hat der schnöde Mammon als Motivationsspritze echt ausgedient?

Marion Peyinghaus: Wir haben die Wirksamkeit verschiedenster Führungsmuster untersucht. Die leistungsorientierte Belohnung weist keinen einzigen positiven Effekt auf die Unternehmensziele auf. Weder die Motivation der Mitarbeiter noch die Produktivität oder der Gewinn werden positiv beeinflusst. Nein, Boni steigern nicht die Leistung.

IZ: Das Hauptargument gegen mobiles Arbeiten lautet: Die Innovationskraft geht verloren. Sehen Sie diese These bestätigt?

Regina Zeitner: Die Studie zeigt sogar, wie groß der Innovationsverlust ist. Die fehlende Kreativität ist die Quintessenz der dezentralen Zusammenarbeit. Es fehlt an Austausch, aber auch an Raum und Motivation. Ideen werden nicht ausdiskutiert, wenn die virtuelle Sitzungszeit vorbei ist und in der Küche das Abendessen lockt.

IZ: Es heißt, dass Homeoffice auch eine Söldnermentalität fördert.

Peyinghaus: Die Bindung an das Unternehmen, der Zusammenhalt in den Teams und die Nähe zur Führungskraft haben gelitten. Das bestätigen Führungskräfte wie Mitarbeitende gleichermaßen. Die Bindung zum Unternehmen sinkt in der virtuellen Zusammenarbeit – und die Wechselbereitschaft steigt.

"Prozesse sind der wahre Erfolgsfaktor"

IZ: Die entscheidenden Stellschrauben für die Zusammenarbeit im virtuellen Raum sind laut Studie Prozesse, Digitalisierung und Unternehmenskultur. Diese drei Faktoren sollen jeweils dreimal so wichtig wie die Führungsqualitäten der Vorgesetzten sein.

Zeitner: Das Homeoffice legt unklare Prozesse schonungslos offen. Ein Mitarbeiter kann hier nicht mal schnell etwas am Nachbartisch erfragen oder die Kollegin um ein Beispiel bitten. Jede Unklarheit führt zu Reibungsverlusten. Klare Definitionen sind wichtig, die jedem zeigen, wer für was verantwortlich ist. Auch ein mangelnder Digitalisierungsgrad strapaziert im Homeoffice die Nerven der Mitarbeitenden. Wer über keine IT-Tools zur digitalen Unterschrift verfügte, konnte sich auf langwierige Postwege gefasst machen. Letztendlich kann eine Führungskraft ihre Leute noch so sehr motivieren wollen: Sind die Prozesse nicht strukturiert und digitalisiert, führt das zu Ineffizienzen und Frustration. Deswegen sind Prozesse der wahre Erfolgsfaktor des digitalen Zeitalters.

IZ: Viele Immobilienunternehmen haben das offenbar noch nicht erkannt ...

Zeitner: Die Immobilienwirtschaft hat ein goldenes Jahrzehnt erlebt. Über den Erfolgen wurden die Hausaufgaben vernachlässigt, die Prozesse ließen in ihrer Qualität erheblich nach. Unternehmen leiden unter unstrukturierten Arbeitsabläufen, unklaren Verantwortlichkeiten oder fehlenden Prozessdokumenten wie Checklisten.

IZ: Sollten sich Führungskräfte also vor allem als Möglichmacher digitaler Transformation, optimierter Prozesse und einer motivierenden Unternehmenskultur verstehen?

Peyinghaus: In der Tat. Führungskräfte sind in erster Linie Wegbereiter für die Bedürfnisse ihrer Teams. Dazu zählen eben strukturierte Prozesse, leistungsfähige IT-Systeme und eine motivationsfördernde Kultur. Ohnehin wird die Entscheidungsgewalt der Führungskräfte abnehmen. Analysen und Entscheidungen werden zunehmend an IT-Tools wie z.B. KI-Systeme verlagert. Daher brauchen Führungskräfte ein erweitertes Kompetenzportfolio. Dazu gehören vor allem soziale Kompetenzen, um individuelle Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erfassen und zwischen allen Anspruchsgruppen zu vermitteln.

Aufgabenverteilung in "Twitter-Schritten"

IZ: Die Generation Z – also diejenigen, die ab Mitte der 90er Jahre geboren sind – wollen offenbar anders geführt werden als die sogenannten Babyboomer und die Generationen X und Y. Das Ergebnis: Schillernde Führungsfiguren sind nicht mehr gefragt. "Dabei gilt eine charismatische Führung bisher als ein Erfolgsgarant für effektive Führung", wie Sie in der Studie schreiben. Warum tickt die Gen Z anders?

Peyinghaus: Die Generation Z hat bereits einige Krisen erlebt: die Immobilienkrise, die Corona-Pandemie, den Klimawandel und jetzt den Ukraine-Krieg. Negativzinsen und Inflation zeigen, wie schwer es ist, eigenen Wohlstand aufzubauen. Das Prinzip Wachstum gilt nicht mehr.

Zeitner: Außerdem glaubt die Generation Z nicht mehr an die Mogelpackung Work-Life-Blending. Das haben sie bei ihren Eltern erlebt. Was als Flexibilität verkauft wird, resultiert in nicht endenden Arbeitstagen und permanenter Erreichbarkeit. Die Jugend fragt sich zwangsläufig: Wofür lohnt sich die Arbeit? Daher geht die Generation Z emotional auf Distanz zu ihrem Arbeitgeber und wiegt objektiv die eigenen Vorteile ab. Die Aufopferung für einen Job passt nicht mehr in ihr Weltbild.

IZ: Besonders ausgeprägt ist laut Studie das Gerechtigkeitsempfinden, und hier sieht die Gen Z anscheinend das größte Optimierungspotenzial bei den Führungskräften. Drückt sich im Wunsch nach einer fairen Aufgabenverteilung und einer angemessenen Entlohnung die Sorge aus, zu kurz zu kommen?

Peyinghaus: Der Wunsch nach Gerechtigkeit ist ein zentrales und konstantes Anliegen. Letztlich harmoniert dies mit der globalen Diversity-Bewegung. Die Generation Z weiß, wie wichtig es ist, im Unternehmen für faire und gleichberechtigte Arbeitsbedingungen für alle zu sorgen. In den neuen Arbeitsmodellen z.B. bilden sich Schlupflöcher: Wer oft im Büro ist, wird zur Telefonzentrale und übernimmt für alle anderen die Postverteilung. Das erzeugt Frust.

Zeitner: Genau: Wenn alle fair behandelt werden, gilt das natürlich auch für mich selbst. Für die Generation Z ist es vor allem wichtig, welche Chancen die Führungskraft für sie persönlich eröffnet.

IZ: Studierende wünschen sich zudem eine stärkere offene Sanktionierung von Fehlverhalten der Kollegen. Was steckt hinter dem Ruf nach Sanktionen?

Zeitner: Das wurzelt im starken Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Zu Recht! Wenn Fehlverhalten nicht sanktioniert wird, fragt sich die Arbeitskraft, wieso sie sich anstrengen soll. Daher ist es wichtig, gute Leistungen zu loben, aber auch bei Zuwiderhandlungen klare Grenzen aufzuzeigen.

Peyinghaus: Defensives Führungsverhalten – die Führungskraft greift nur ein, wenn Probleme bereits schwerwiegend sind – ist destruktiv. Laissez-faire, Unentschlossenheit, Konsequenzlosigkeit: Das sind absolute No-Gos. Das alles führt zu Demotivation, Leistungsabfällen und Enttäuschung – und erhöht letztendlich das Risiko zur Kündigung.

IZ: Gestandene Mitarbeiter wollen keine minutiösen Arbeitsvorgaben und wissen großen Handlungsspielraum für vorgegebene Ziele zu schätzen. Die Jungen dagegen freuen sich über kleinteilige Arbeitsaufträge und fordern Kontrollen ein. Führungskräfte müssten sich auf eine Aufgabenerteilung in "Twitter-Schritten" einstellen, heißt es.

Zeitner: Die Dynamik unseres Alltags hat stark zugenommen: Spielfilme weisen immer rasantere Schnitte auf, Musikvideos werden zunehmend kürzer. Diese Schnelllebigkeit hat ihren Preis: Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt und der Betreuungsbedarf steigt. Die Generation Z braucht daher mehr und detaillierteren Input als ihre Vorgängergeneration.

IZ: Besten Dank für das Gespräch!

Harald Thomeczek

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Tarifkonflikt am Bau ist beendet

Karriere 14.06.2024
Nach den Gewerkschaftsvertretern haben die Arbeitgeber dem Tarif-Kompromiss im Bauhauptgewerbe zugestimmt. Damit ist der von Streiks begleitete Konflikt beendet. ... 

Nach den Gewerkschaftsvertretern haben die Arbeitgeber dem Tarif-Kompromiss im Bauhauptgewerbe zugestimmt. Damit ist der von Streiks begleitete Konflikt beendet.

Die Tarifgemeinschaft der Arbeitgeber teilte am Freitag mit, eine Mehrheit für den wenige Wochen zuvor ausgehandelten Kompromiss erzielt zu haben. Die Gewerkschaft IG Bau hat der Einigung zuvor zugestimmt. Von Baugewerbeverband und Bauindustrie heißt es, man sei froh über die gewonnene Planungssicherheit.

Der neue Tarifvertrag sieht eine Laufzeit von drei Jahren vor. Demzufolge sollen in einer ersten Stufe sämtliche Monatsgehälter pauschal um 230 Euro sowie um 1,2% im Westen und 2,2% im Osten steigen. Phase zwei sieht zum 1. April des kommenden Jahres noch einmal 4,2% mehr im Westen und 5,0% im Osten vor. Im Jahr darauf erfolgt noch einmal ein Schritt um 3,9% im Westen. Im Osten sollen die Löhne dann entsprechend an das Westniveau angeglichen werden.

Um die Attraktivität der Ausbildung auf dem Bau zu steigern, haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darauf geeinigt, dass die Vergütung für das erste Ausbildungsjahr für alle Ausbildungsberufe bundeseinheitlich ab dem 1. Mai 2024 auf 1.080 Euro erhöht werden soll. Für die weiteren Ausbildungsjahre sind ebenfalls Erhöhungen vorgesehen. Ziel ist zudem eine stärkere Annäherung der Ausbildungsvergütung der technisch-kaufmännischen Ausbildungen an jene der gewerblichen Ausbildungen. Zum 1. April 2026 sollen die Ausbildungsvergütungen im Westen erneut um 3,9% angehoben und die Ost-West-Angleichung vollzogen werden.

Kristina Pezzei

Die Assetklasse ist zweitrangig

Längst nicht alle Bewerber sind auf eine Immobilienart festgelegt.

Längst nicht alle Bewerber sind auf eine Immobilienart festgelegt.

Quelle: Career Pioneer GmbH & Co. KG, Urheber: Alexander Sell

Karriere 13.06.2024
Inhalte aus dem Studium und erste Erfahrungen in Praktika bringen Nachwuchskräften die Eigenheiten verschiedener Gebäudetypen nahe. Doch gerade in ersten Karrierejahren bleibt es nicht ... 

Inhalte aus dem Studium und erste Erfahrungen in Praktika bringen Nachwuchskräften die Eigenheiten verschiedener Gebäudetypen nahe. Doch gerade in ersten Karrierejahren bleibt es nicht immer bei den Favoriten.

Durch den eigenen Bezug im Alltag, bleibt das Segment Wohnen die beliebteste Assetklasse der Berufseinsteiger. Mehr als drei Viertel der 516 Hochschulabsolventen, die an der diesjährigen Arbeitsmarktumfrage der Immobilien Zeitung (IZ) teilgenommen haben, können sich vorstellen, sich beruflich mit der Gebäudeart zu befassen. Doch nur die wenigsten geben eine einzige Immobilienart als Wunsch an. So können sich mehr als 60% auch die Arbeit mit Büros und jeder dritte Teilnehmer mit Handelsimmobilien vorstellen. Fast genauso viele interessieren sich für Logistikgebäude.

Dass Berufseinsteiger nur selten nach einer Arbeit mit einer bestimmten Assetklasse suchen, merken die Mitarbeiter von Office First an ihrem Ausstellerstand beim IZ Karriereforum. "Obwohl wir das Wort Büro im Namen tragen, bedienen wir auch andere Assetklassen, wie zum Beispiel Wohnen", erklären sie den Besuchern immer wieder. Für viele ist das ein Grund, sich genauer über Einstiegsmöglichkeiten im Unternehmen zu informieren. "Letzten Endes müssen die Aufgaben passen und der Standort", sagt ein Student, der einen Praktikumsplatz sucht.

Bei Savills zeigen Nachwuchsmakler in diesem Jahr verstärkt Interesse an Logistikimmobilien, weil sie die Größe reizt. Doch im Gespräch mit den Mitarbeitern wird vielen klar, dass durch niedrigere Mietpreise pro Quadratmeter auch Gewerbe- oder Büroflächen zu guten Boni und Provisionen führen können. Diese Aussicht sorgt bei manchem schnell für Interesse in diesem Segment.

Einen Wechsel zwischen den Assetklassen hat Celine Lee bereits hinter sich. "Viele steigen erst einmal im Feld Wohnen ein, weil man dazu in der Ausbildung und im Studium oft den meisten Input bekommt", sagt sie. Auch sie sei diesen Weg gegangen, bis sie sich vor vier Monaten umentschieden hat und ins Property-Management von CEV Handelsimmobilien wechselte. "Ausschlaggebend waren für mich der Umgang mit den Mietern und die Möglichkeit, individuellere Mietverträge zu gestalten", sagt sie. In Gesprächen mit Berufseinsteigern auf dem Karriereforum merkt sie, dass die meisten klar zwischen Wohn-, Gewerbe- und Handelsimmobilien unterscheiden. Gerade, wer in einem Praktikum schon Erfahrungen mit einer Assetklasse gesammelt hat, steuere bei der Jobsuche häufig die passenden Unternehmen an. Dabei ist für die Young Professional nach ihrem eigenen Wechsel klar: "Eine gute Ausbildung liefert die Grundlagen, die auf jede Gebäudeart anzuwenden sind. Erst im Laufe der Jahre zeigen sich die Eigenheiten der verschiedenen Immobilientypen. Wer für einen Wechsel bereit bleibt, hält sich mehr Auswahlmöglichkeiten in den ersten Berufsjahren offen."

Janina Stadel

Der Berufseinstieg soll flexibel sein

Mareike Rathmann (Mitte) informierte die Besucher des Karriereforums über Traineeprogramme.

Mareike Rathmann (Mitte) informierte die Besucher des Karriereforums über Traineeprogramme.

Quelle: Career Pioneer GmbH & Co. KG, Urheber: Alexander Sell

Karriere 13.06.2024
Zwar wünscht sich die Mehrheit der Absolventen einen Direkteinstieg über eine Junior-Position als ersten Job, doch auf Karrieremessen wie dem IZ Karriereforum vergangene Woche rühren ... 

Zwar wünscht sich die Mehrheit der Absolventen einen Direkteinstieg über eine Junior-Position als ersten Job, doch auf Karrieremessen wie dem IZ Karriereforum vergangene Woche rühren Arbeitgeber die Werbetrommel für ihre Traineeprogramme. Damit wollen sie die Nachwuchskräfte passend zu ihren Bedarfen ausbilden. Den jungen Bewerbern hingegen bieten die Konzepte eine Chance, sich in der Berufswelt zu orientieren, bevor sie sich auf ein Tätigkeitsfeld festlegen.

Mit dem Studienabschluss in der Tasche ist die endgültige Berufsorientierung von Nachwuchskräften noch lange nicht abgeschlossen. "Bei der Entscheidung für einen Studiengang mit Bezug zur Immobilienwirtschaft wissen nur die wenigsten genau, wo es später einmal hingehen soll", berichtet Mareike Rathmann. Sie hat als Employer Branding Managerin der HIH-Gruppe mit vielen Besuchern des IZ Karriereforums gesprochen und weiß, dass Unternehmen aus der Branche derzeit vor allem Bewerber suchen, die für ihr Fach brennen. "Deshalb ist es unsere Aufgabe als Arbeitgeber, den Nachwuchskräften aufzuzeigen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, damit jeder sein Feuer auch finden kann", sagt sie. Rathmann rät den Berufseinsteigern deshalb, sich zu Beginn ihrer Karriere erst einmal über ihre möglichen zukünftigen Aufgaben im Berufsleben zu informieren, und weiß: "In den ersten Jahren sollte die fachliche Karriere im Vordergrund stehen. Erst dann kann man eine Führungskarriere anstreben."

Maximilian Helm hat das über ein Traineeprogramm geschafft. "Ich war mir beim Berufseinstieg sicher, in der Immobilienbewertung Fuß fassen zu wollen. Doch nach kurzer Zeit in der Praxis musste ich feststellen, dass das Gebiet doch nicht ganz für mich passt", sagt er. Inzwischen ist er Head of Institutional Clients, Client Relations & Capital Funding bei Real I.S., dem auf Immobilieninvestments spezialisierten Fondsdienstleister der Bayern LB. Und er gibt seine Erfahrung auf Karrieremessen an junge Bewerber weiter. "Ich höre immer wieder, dass Absolventen sich nach dem Studium erst einmal Zeit für eine Orientierung wünschen. Das gilt in der Immobilienwirtschaft deshalb so stark, weil es so viele unterschiedliche Tätigkeitsfelder gibt, für die ein Hochschulstudium qualifiziert. Aber erst in der Praxis wird sichtbar, wie der Alltag im Beruf tatsächlich aussieht."

Bei seinem Arbeitgeber Real I.S. müssen Trainees deshalb mehrere Pflichtstationen wie im Investment, im Fonds- und Asset-Management und im Vertrieb durchlaufen, bevor sie eine finale Entscheidung für ihre Zielrichtung treffen. Auch Auslandsaufenthalte gehören im Unternehmen dazu. "Nicht zuletzt lernen Trainees auf diese Weise Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen und von verschiedenen Standorten kennen", sagt Helm. Denn der Team-Fit gehöre auch zur Entscheidung.

Bei IPH Handelsimmobilien ist das Traineeprogramm inzwischen der klassische Einstieg. "Was wir jetzt suchen, sind Centermanager für die Zukunft", sagt Heiner Ganz, Regionalleiter Center Management Süd. Den fertigen Centermanager gebe es dabei nicht. "Wir stellen gerne Nachwuchskräfte ein, die Immobilienwirtschaft studiert haben. Doch für das Berufsbild braucht es neben einem Grundverständnis für Immobilien auch viel Kommunikationstalent", sagt er. Den Umgang mit Mietern und Unterschiede zwischen verschiedenen Centern, Standorten und Center-Konzepten lernen Nachwuchskräfte im zwölfmonatigen Programm kennen, bevor sie langfristig ein eigenes Shoppingcenter leiten können.

Die Bewerber stehen den Einstiegsprogrammen offen gegenüber. Eine Studentin, die kurz vor ihrem Bachelorabschluss steht, informiert sich am Ausstellerstand von ECE auf der Karrieremesse ganz gezielt nach Möglichkeiten, als Trainee einen Fuß ins Unternehmen zu bekommen. Sie erhofft sich durch eine solche Ausbildung nicht nur für sich selbst herauszufinden, welche Aufgaben ihr in Zukunft am besten zusagen, sondern auch ihren zukünftigen Arbeitgeber von sich überzeugen zu können. "Direkteinstiege werden im Moment nur wenig angeboten", weiß sie aus Recherchen auf Karrierewebseiten und durch Gespräche innerhalb ihres Netzwerks und mit Kommilitonen. "Als Trainee kann man zeigen, wie vielfältig man ist", sagt sie. Zwei Praktika habe sie während des Studiums schon absolviert. Aber in den kurzen Zeiträumen von drei und vier Monaten habe sie fest in Abteilungen gearbeitet und somit nur Erfahrungen in begrenzten Bereichen sammeln können. "Ich würde gerne noch mehr Einblicke bekommen, aber ich kann nicht unendlich viele Praktika aneinanderreihen", sagt sie.

Traineeprogramme als Orientierungszeit

Die Arbeitgeber sehen in den Programmen die Möglichkeit, ihre Nachwuchskräfte genau in die Richtungen hin auszubilden, in denen die meisten Kapazitäten sind. Mit einer Übernahme nach dem Programm rechnen die meisten. Bei Kaufland gibt es deshalb für Einsteiger über das zwölfmonatige Traineeprogramm von Anfang an einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Vier Mal im Jahr entscheidet das Unternehmen, wie viele Stellen zum nächsten Quartal vergeben werden. Zum IZ Karriereforum hat Kaufland zwei offene Traineepositionen mitgebracht. Sie werden mit 51.000 Euro vergütet. Für die Interessenten bedeutet diese Information, dass sie wissen, worauf sie sich finanziell im ersten Jahr einlassen. Eine Offenheit, die viele zum Berufseinstieg schätzen.

Bei der diesjährigen Arbeitsmarktumfrage der Immobilien Zeitung (IZ) haben fast 100 von 516 Studenten, die kurz vor ihrem Hochschulabschluss stehen, angegeben, am liebsten als Trainee ihre Karriere starten zu wollen. Sie schätzen vor allem den Orientierungscharakter und die Möglichkeit, intern im Unternehmen noch einmal die Abteilung oder das Aufgabenfeld wechseln zu können. Einen Direkteinstieg strebt dennoch die Mehrheit an. 363 Umfrageteilnehmer würden am liebsten direkt nach dem Studium eine Junior-Position antreten. Doch auch sie wissen, dass eine Veränderung nach dem ersten Job nicht ausgeschlossen ist. Rund zwei Drittel von ihnen rechnen damit, nur höchsten drei Jahre lang für ihren ersten Arbeitgeber tätig zu sein.

Die Aussteller des IZ Karriereforums klären ihre Standbesucher in die entgegengesetzte Richtung auf. "Wenn wir uns für einen guten Kandidaten entscheiden, ist es natürlich unser Ziel, ihn auch langfristig im Unternehmen zu halten", betont Rathmann am Stand der HIH-Gruppe gegenüber den Messebesuchern immer wieder. Wer als Trainee Know-how in unterschiedlichen Geschäftsbereichen aufbaut, halte sich langfristig die Option offen, innerhalb des Unternehmens noch einmal zu wechseln.

Janina Stadel