Die Wirtschaft braucht mehr Gründerinnen

Gründerinnen und Gründer sind der Motor der Immobilienwirtschaft.

Gründerinnen und Gründer sind der Motor der Immobilienwirtschaft.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Vectors

Karriere 29.02.2024
Die Wirtschaft braucht innovative Geschäftsideen, die Impulse und Lösungsansätze liefern, um ihr Fortbestehen und Wachstum zu sichern. Und Menschen, die sich zutrauen, sie umzusetzen: ... 

Die Wirtschaft braucht innovative Geschäftsideen, die Impulse und Lösungsansätze liefern, um ihr Fortbestehen und Wachstum zu sichern. Und Menschen, die sich zutrauen, sie umzusetzen: Gründer:innen. In der Immobilienbranche sind Frauen als Unternehmensgründer unterrepräsentiert – und damit auch ihre Perspektiven.

Der Immobilienbranche fehlen die Gründerinnen. Von rund 22.600 Firmen, die 2023 im Wirtschaftszweig entstanden sind, gehen weniger als 7% auf die Initiativen von Frauen zurück. Das zeigt eine Analyse des Wirtschaftsinformationsdiensts Databyte, der sich die im Handelsregister eingetragenen Neugründungen genauer angeschaut hat. Den geringsten Anteil machen die Gründerinnen mit 5,05% in der Sparte Architektur- und Ingenieurbüros aus, den höchsten bei Immobilienverwaltungen. Doch auch dort kommen sie lediglich auf rund 8%. Branchenübergreifend werden laut dem Länderbericht Deutschland des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) mit 35% immerhin etwas mehr als als Drittel aller Unternehmen von Frauen gegründet.

Die Databyte-Analyse deckt sich mit den Erfahrungen, die Christine van Tübbergen in ihrem Netzwerk macht. Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann als Unternehmerin das Maklerhaus Immo-VT, begleitet als Mentorin zudem junge Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit in unterschiedlichen Branchen. Die größte Zurückhaltung von Gründerinnen nimmt sie in der Immobilienwirtschaft wahr und erkennt hinter dem zögerlichen Verhalten häufig ein starkes Sicherheitsbedürfnis. "Frauen sehen bei großen Vorhaben wie einer Gründung immer zuerst das Risiko, Männer hingegen die Chance", bemerkt sie in Gesprächen mit Branchenakteuren in spe immer wieder.

Dabei bringe doch eine Kombination aus beiden Mentalitäten eine Firma voran. "Männer bringen im Anfangseifer viel Mut mit, Frauen durchdenken alles sehr genau. Diese Herangehensweisen ergänzen sich gut", sagt van Tübbergen.

Der GEM zeigt, dass durch den geringen Anteil von Gründerinnen Nachteile für den Gesamtmarkt entstehen. Die Studienautoren argumentieren aus betriebswirtschaftlicher Sicht damit, dass Ideen von Frauen es nicht zur Umsetzung schaffen und ihre Perspektiven dadurch nicht gesehen werden können. Aus volkswirtschaftlicher Sicht gingen zudem Fachkräfte als Ressource verloren, wenn Frauen nicht in die leitenden Positionen kommen, in denen sie gebraucht werden.

"Chefposten sollten immer mit den Besten besetzt werden", findet Alexandra Czerner. Bei ihrem Karrierestart als Architektin in einem großen Büro stellte sie fest, dass rund 50% ihrer Kollegen weiblich waren, "aber ein Aufstieg in die Partnerriege war für sie aussichtslos", erinnert sie sich. Dabei hatten viele ihrer Kolleginnen gute Ideen, wie Städte durch Gebäude lebens- und wohnenswerter gestaltet werden können. "Die meisten männlichen Vorgesetzten hielten aber an bewährten Konzepten fest, für die das Büro seit Jahren stand." Dabei habe sie von männlichen Kollegen immer wieder zu hören bekommen, "Gefühle und Wohlbefinden kann man nicht bauen". Aber das stimme nicht: "Man braucht nur Empathie und Mut, etwas Neues auszuprobieren. Letzteres fehlt vielen Frauen leider zu oft im richtigen Moment."

Weil sie ihre eigenen Visionen umsetzen wollte, startete Czerner in den 1990er Jahren in die Selbstständigkeit und legte den Grundstein für das heutige Büro Czerner Göttsch Architekten. Das leitet sie nach einigen Jahren der Wachstumsphase inzwischen zusammen mit einem Partner. "Doch der Anfang war eine harte Zeit. Bis zu 80 Stunden pro Woche habe ich gearbeitet, am Zeichentisch in meiner Küche", erinnert sie sich.

In genau dieser Bereitschaft, sich auf lange Arbeitstage einzulassen, liegt für Czerner der Schlüssel zum Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens. Nur so könnten sich Gründer einen Bekanntheitsgrad erarbeiten, der zu Aufträgen verhilft.

Der GEM zeigt, dass nur 40% der Frauen eine Gründung direkt in Vollzeit angehen, bei den Männern sind es hingegen 65%. Gleichzeitig gründen Frauen wesentlich häufiger im Alleingang, während Männer sich zu Gründerteams zusammenschließen und ihren potenziellen Arbeitseinsatz so vergrößern. Dabei ist es in den meisten Fällen nicht das fehlende Engagement, das die Gründerinnen zeitlich ausbremst, sondern der Wunsch nach finanzieller Sicherheit. Durch eine parallellaufende Festanstellung wollen sie sich vor geringem und schwankenden Einkommen in der Anfangszeit schützen und sicherstellen, dass genügend Startkapital vorhanden ist.

Das trifft auf die Immobilienbranche besonders zu. Denn wer in Gebäude investiert, muss schon zu Beginn einen hohen finanziellen Einsatz erbringen. Mehr als die Hälfte der Gründer:innen holen sich dafür Unterstützung, Frauen meistens von Businessangels. Zwar sammeln Männer nicht wesentlich häufiger Startkapital ein als Frauen, doch laut dem Deutschen Start-up-Monitor 2023 im Durchschnitt rund neunmal höhere Beträge.

Schnell an genug Geld für technische Ausstattung, Büromieten oder erste Mitarbeitergehälter zu kommen, sei in Deutschland in den vergangenen Jahren zunehmend schwerer geworden, weiß Birgit Rahn-Werner. Sie hat mit ihrer Indevise Group schon in mehrere Start-ups investiert und achtet vor allem auf plausible Businesspläne. Doch nicht nur die nackten Zahlen für eine mögliche Skalierung sind für sie entscheidend, um den Erfolg einer Geschäftsidee vorauszusagen. "Ich schaue mir die Gründer genau an und achte auf heterogene Teams hinter den Geschäftsideen", betont sie. Gerade beim Start brauche es sowohl einen Business-Orientierten als auch einen Innovationstreiber.

Die Vielfalt der Gründerpersönlichkeiten und ihre Herangehensweisen spielen somit eine wichtige Rolle, um Investoren und spätere Kunden zu überzeugen. Also genau das, was ein Mix aus Männern und Frauen bieten kann. Der Background kann dabei gern unterschiedlich sein. "Es kommen Leute mit Start-up-Ideen in die Branche, die erst einmal gar nichts mit Immobilien zu tun haben. Diese Ideen können aber für den Markt weiterentwickelt, und passend auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden", beschreibt Rahn-Werner ihre Erfahrungen.

Die Offenheit, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, beobachtet die Investorin bei jungen Gründern egal welchen Geschlechts. "Sie bringen Mut mit, wenn sie für ihre Ideen brennen, und sind bereit, diese weiterzudenken", sagt sie. Tatsächlich zeigen die GEM-Ergebnisse, dass der Anteil von Jungunternehmern, die sich direkt nach dem Hochschulabschluss selbstständig machen, zunimmt. 15% aller deutschen Gründer waren im vergangenen Jahr zwischen 18 und 24 Jahre alt und hatten die Familienplanung noch vor sich. Die Altersgruppe bildete den größten Anteil der Gründer.

Nicht zuletzt, so Rahn-Werner, helfe die Vielzahl an hochspezialisierten Studiengängen der jungen Generation, sich auf die Aufgaben und Widrigkeiten des Unternehmerseins vorzubereiten. Fast jeder zweite Gründer mit akademischem Abschluss greift bei konkreten Gründungsvorhaben auf spezielle Hilfsangebote von Hochschulen zurück. Gegenüber dem Deutschen Start-up-Monitor gaben rund drei Viertel von ihnen an, von der Unterstützung profitiert zu haben. Wer aus einer Unternehmerfamilie stammt, holt sich Hilfe hingegen meist im direkten Umfeld. Dabei prägt in Deutschland das unternehmerische Handeln von Eltern und Großeltern mehr Gründer als im internationalen Vergleich, was die GEM-Autoren auf die Vielzahl an mittelständischen Unternehmen hierzulande zurückführen.

Die häufigsten Motivationen zur Selbstständigkeit entstehen jedoch weder an den Hochschulen noch im familiären Kreis. Bei den Meisten ist es das Bestreben nach Unabhängigkeit, das sie antreibt. Während Männer deshalb oft vom Wunsch nach einem finanz- und wachstumsstarken Unternehmen beflügelt werden, konzentrieren sich viele Gründerinnen auf ihre Freiheiten als eigene Chefin. Dazu gehören neben den Inhalten ihrer Arbeit, die sie selbst anhand ihrer Werte festlegen und weiterentwickeln möchten, auch selbstbestimmte Arbeitszeiten, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten sollen.

Die Porträts der Gründerinnen:

Heike und Lena RathChristina MauerBrigitte Adam, Kirsten DahlerAnne MichaelsAnastasia und Isabelle Veser.



Janina Stadel

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Immobilienprofi im Porträt: Alexander Wietasch

Beruflich leitet Alexander Wietasch als CEO die Westminster Group. In seiner Freizeit sammelt er Oldtimer.

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Urheberin: Melissa Otto

Karriere 18.04.2024
Alexander Wietasch ist Geschäftsführer des Familiy-Offices Westminster. Der 34-Jährige ist in Salzgitter aufgewachsen und lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Berlin. Sein Weg ... 

Alexander Wietasch ist Geschäftsführer des Familiy-Offices Westminster. Der 34-Jährige ist in Salzgitter aufgewachsen und lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Berlin. Sein Weg in die Immobilienwirtschaft war eher ungewöhnlich, denn sein Berufsleben begann mit einer Ausbildung zum Mechatroniker, bevor er sich für ein Studium des Wirtschaftsrechts entschied und in die Branche wechselte. Seine Managementkenntnisse baute er in einem Auslandsjahr in Hongkong auf. In seiner Freizeit betreibt der junge Vater Kickboxen, verbringt Zeit mit seiner Familie und widmet sich seiner Oldtimer-Sammlung.

Wie und wo wohnen Sie zurzeit?

Ich wohne mit meiner Familie in einer Doppelhaushälfte in einem sehr schönen Neubaugebiet südlich von Berlin. Nach der Geburt unserer Tochter wollten wir etwas ländlicher und nicht mehr in einer Wohnung leben. Unser Wohnort liegt in der Nähe der A 10, sodass wir eine sehr gute Verkehrsanbindung haben. Momentan wohnen wir noch zur Miete, aber das soll nur eine Übergangslösung sein. Wir haben auf beiden Seiten Fensterfronten. Dadurch fällt viel Licht in die Wohnräume, was ich sehr schätze.

Was muss das perfekte Haus unbedingt haben?

Ein perfektes Haus wäre für mich eine schöne sanierte Altbauvilla in Wasserlage. Das wäre eine Immobilie, in der ich mir vorstellen könnte, alt zu werden.

Haben Sie bei einer Immobilien schon einmal selbst Hand angelegt?

Ja, erstmals als meine Eltern ihr Haus gebaut haben, da habe ich viel mitgeholfen. Im letzten Jahr sollte eine große Anzahl an Wohnungen in einem unserer Objekte umgebaut und vermietet werden. Ich bin zu Beginn des Projekts einen ganzen Tag mit unserem Monteur vor Ort gewesen und habe zusammen mit ihm angepackt. Anfangs wollte er nicht glauben, dass ich es ernst meine. Dass der Chef mit anpackt, hat bei den Mitarbeitern eine große Motivation ausgelöst und wird sehr respektiert. Handwerklich zu arbeiten, bereitet mir großen Spaß, und ich mache zu Hause viel selbst, wenn es die Zeit erlaubt.

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Mit 14 habe ich schon viele Sachen auf Ebay verkauft. Als ich dann 18 wurde und noch zur Schule ging, habe ich gebrauchte Autos gekauft, sie hergerichtet und wieder verkauft.

Wie haben Sie den Weg in die Immobilienwirtschaft gefunden?

Das war eher Zufall. Ich habe immer in Bereichen mit technischem Bezug gearbeitet. Für mich war klar, dass ich nach meinem MBA in Hongkong im Management arbeiten möchte. Durch Zufall wurde ich auf eine Stelle als Geschäftsführer eines Projektentwicklers in Berlin aufmerksam. Ich habe mich direkt beworben, denn die Stelle passte einfach zu meinem Profil, gefragt waren technische, kaufmännische und juristische Kenntnisse. Mit dem Gesellschafter habe ich mich auf Anhieb sehr gut verstanden, so dass ich bereits von Hongkong aus meinen Arbeitsvertrag unterschreiben und mit der Arbeit beginnen konnte.

Was braucht man Ihrer Einschätzung nach, um es in Ihrem Job zu etwas zu bringen?

Man darf sich von schlechten Nachrichten nicht verunsichern lassen. Ich glaube, dass es wichtig ist, an der eigenen Strategie festzuhalten – unabhängig davon, was die Masse sagt. Man sollte das tun, was man kann und womit man erfolgreich ist. Und wenn man glaubt, dass die Zeit reif ist für einen Schritt, dann sollte man ihn auch gehen, unabhängig davon, wie der Markt gerade tickt. Meiner Erfahrung nach sind schlechte Prognosen oft Übertreibungen. Man malt den Markt für die nächsten zehn Jahre schwarz und später stellt sich heraus, dass es zwar schwierig war, aber nicht so schlimm wie vorhergesagt.

Wie feiern Sie Ihre Erfolge?

Wir feiern eher im kleinen Kreis oder veranstalten kleinere Events im Unternehmen. Außerdem laden wir unsere Mitarbeiter und Geschäftsfreunde regelmäßig zu den von uns gesponserten Sportevents ein.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?

Misserfolge gehören genauso zum Geschäft wie Erfolge. Ich lasse mich davon nicht unterkriegen, mache einfach weiter und versuche es so lange, bis es klappt – das ist meine Strategie. Zudem versuche ich aus meinen Fehlern zu lernen, um es beim nächsten Anlauf besser zu machen.

Was wären Sie heute gerne, wenn nicht Immobilienprofi?

Ich war schon früh unternehmerisch tätig und mir macht es Spaß, Unternehmen aufzubauen und weiterzuentwickeln. Ich würde in einem anderen Unternehmen die gleiche Position besetzen.

Was finden Sie an der Immobilienbranche besonders gut?

Die Vielseitigkeit! In der Projektentwicklung und im Bestandsmanagement arbeitet man mit ganz unterschiedlichen Partnern zusammen, zum Beispiel aus dem kaufmännischen und dem technischen Bereich. Mir macht es Spaß, mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen, vom Mieter über den Architekten bis hin zum Ingenieur. Das macht meinen Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich.

Und was stört Sie an der Branche?

Was mich etwas stört, ist, dass in den Boomjahren einige unprofessionelle Akteure auf den Markt gekommen sind, was dem Ruf der Branche geschadet hat. Aufgrund der niedrigen Zinsen dachten viele, dass sich damit leicht Geld verdienen ließe. Jetzt sehen wir aber das Gegenteil, der Markt konsolidiert sich wieder.

Baulöwe, Miethai, Heuschrecke: Leute, die mit Immobilien Geld verdienen (wollen), haben nicht immer den besten Ruf. Zurecht?

Wenn ich im privaten Umfeld erzähle, dass ich in der Immobilienbranche tätig bin, bekomme ich manchmal die scherzhafte Antwort „Bis vor Kurzem warst du mir noch sympathisch“ oder „Ach, ein Immobilienhai“. Das ist nicht ernst gemeint, aber es spiegelt doch wider, was die Leute oft über Vertreter der Branche denken. Und ja, ich glaube, die Immobilienbranche hat einen zu schlechten Ruf. Das Problem ist, dass dies von einzelnen schwarzen Schafen herrührt, über die jedoch sehr medienwirksam berichtet wird. Die meisten Branchenvertreter bieten gute Immobilien zu fairen Preisen an und bemühen sich um ein gutes Verhältnis zu allen Beteiligten. So ist auch unser Selbstbild.

Sie würden jungen Leuten raten, den Weg in die Immobilienwirtschaft einzuschlagen, weil…

… weil man in dieser Branche vorankommt, wenn man ehrgeizig ist und zeigt, was in einem steckt. Wichtig ist, dass man seine Leistungsbereitschaft zeigt. Man sagt den jungen Leuten heute nach, dass sie mehr auf ihre Work-Life-Balance achten und nicht mehr so leistungsfähig sind. Dieser Ruf haftet ihnen vielleicht zu Unrecht an, aber ich würde ihnen empfehlen, sich davon abzuheben, indem sie zeigen, was in ihnen steckt.

Haben Sie eine Lieblingsimmobilie?

Ich mag schöne alte Häuser. In Potsdam gibt es viele schöne Altbauten, die mir sehr gut gefallen. Wenn ich mir dort eine Immobilie aussuchen müsste, würde es mir nicht schwerfallen.

Und welches Gebäude in Deutschland würden Sie gerne abreißen und warum?

Was in den 70er Jahren gebaut wurde, finde ich nicht besonders schön. Aber es gibt kein Gebäude, das ich abreißen möchte. Ich finde, alles gehört irgendwie dazu, schließlich können beispielsweise auch DDR-Bauten ihren Reiz haben. Es kommt auf den Kontext an.

Was bringt Sie privat auf die Palme? Und was beruflich?

Ich weiß, dass es nichts bringt sich aufzuregen, also versuche ich, privat und beruflich in jeder Situation ruhig zu bleiben. Wenn Leute ignorant sind, kann ich mich schon mal aufregen, aber das kommt wirklich selten vor.

Wo oder wie können Sie sich besonders gut entspannen oder abschalten?

Daheim in meinem Garten oder im Urlaub in der Sonne.

Wenn Sie an Ihren letzten Urlaub denken, denken Sie an was …?

… an eine schöne Bucht in Ägypten mit sehr warmen Badetemperaturen im Dezember. Es war herrlich, wir hatten strahlenden Sonnenschein und konnten einfach nur entspannen.

Homeoffice, Büro oder mobil in der Bahn? Wo arbeiten Sie am häufigsten, wo am liebsten und warum?

Ich finde, dass sowohl das Büro als auch das Homeoffice Vorteile haben. Zuhause kann ich in Ruhe Dinge abarbeiten, im Büro bekommt man aber auch Dinge mit, die einem daheim entgehen würden. Deshalb finde ich beides wichtig und nutze auch beides. Wenn ich Termine habe, fahre ich lieber mit dem Auto als mit dem Zug.

Und für welches rein private Vergnügen haben Sie zu wenig Zeit?

Für den Sport. Ich versuche, ihn regelmäßig in meinen Alltag zu integrieren, aber zwischen Beruf und Familie kommt er oft zu kurz. Wenn man sich wie ich in einer Kampfsportart verbessern will, muss man sehr regelmäßig trainieren.

Wie und wo gehen Sie gerne aus?

Ich gehe gerne in Potsdam oder in Charlottenburg gut essen oder besuche kulturelle Veranstaltungen, aus dem Club-Alter bin ich mittlerweile raus.

Mit welcher berühmten Persönlichkeit würden Sie gerne mal einen Abend verbringen?

Ich würde Richard Branson gerne einmal treffen, weil ich finde, dass er ein interessanter Unternehmer ist. Ich finde es spannend, wie er seine Unternehmen aufgebaut hat, und denke, dass er mir spannende Anregungen für meine Arbeit geben könnte. Mit ihm würde ich auch gerne einmal für einen Tag tauschen, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte.

Verraten Sie uns auch noch Ihr Lieblingsgericht?

Ich mag die mediterrane Küche sehr. Da ich schwedische Wurzeln habe, mag ich auch die schwedische Küche sehr gern – da gibt es sehr viel Spannendes mehr als nur Köttbullar. Außerdem habe ich durch meine Frau die osteuropäische Küche für mich entdeckt.

Gibt es etwas im Ausland, was Sie in Deutschland vermissen?

Mit Blick auf Hongkong vermisse ich in Deutschland die Effizienz. Wenn ich die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin mit denen in Hongkong vergleiche, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Als ich von Hongkong nach Berlin kam und in die U-Bahn gestiegen bin, fiel mir auf, dass wir keinen Internetempfang in der U-Bahn und immer noch Fenster zum Aufklappen haben. Das war ein Gefühl, als sei ich 30 Jahre in die Vergangenheit gereist. In Hongkong ist jede U-Bahn klimatisiert und man hat überall in der U-Bahn einen top Empfang, man kann sich von dort aus problemlos Filme auf dem Handy anschauen.

Sie haben 100.000 Euro zur freien Verfügung und müssen das Geld komplett ausgeben – welchen Traum erfüllen Sie sich?

Ich würde das Geld lieber spenden, weil es Menschen gibt, die es dringender brauchen als ich.

Die Fragen stellte Janina Stadel.

Janina Stadel

Reuter soll C&W in Deutschland führen

Tina Reuter ist schon jetzt Mitglied des EMEA Strategic Leadership Teams von C&W.

Tina Reuter ist schon jetzt Mitglied des EMEA Strategic Leadership Teams von C&W.

Quelle: Cushman & Wakefield

Karriere 18.04.2024
Tina Reuter soll Insidern zufolge Deutschlandchefin von Cushman & Wakefield (C&W) werden. Damit würde sie Yvo Postleb nachfolgen, der im Winter sang- und klanglos das Maklerhaus ... 

Tina Reuter soll Insidern zufolge Deutschlandchefin von Cushman & Wakefield (C&W) werden. Damit würde sie Yvo Postleb nachfolgen, der im Winter sang- und klanglos das Maklerhaus verlassen hat.

Seit Anfang Dezember lässt C&W offen, wer die deutsche Tochter künftig führen wird. Im Winter hieß es auf Anfrage lediglich, Postleb werde "für einen längeren Zeitraum abwesend sein"; Tina Reuter, Head of Asset Services für Europa, solle "in seiner Abwesenheit vorübergehend die Verantwortung für Deutschland übernehmen".

Wie lange Postleb abwesend sein soll und ob er überhaupt wiederkommen wird bzw. wer ihm folgen soll – das sind Fragen, die C&W seit mehr als vier Monaten offen lässt. Ein Vakuum an der Spitze des Unternehmens mit 350 Beschäftigten. Noch wird Postleb auf der Internetseite von C&W als Managing Director Germany und Head of Germany geführt.

Jetzt aber ist aus gut unterrichteten Kreisen zu hören: Reuter wird den Chefposten übernehmen. Noch im April soll der Vertrag mit ihr unterschrieben werden. C&W bleibt dabei wortkarg. "Ich kann dies aktuell nicht kommentieren", sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Immobilien Zeitung (IZ). Auch Reuter selbst wollte gegenüber der IZ keinen Kommentar abgeben.

Reuter ist derzeit als Executive Partner verantwortlich für die Leitung und Entwicklung des Asset-Services-Geschäfts in Europa, über das rund 32 Mio. qm Gewerbefläche verwaltet wird, das 14 Länder abdeckt und mehr als 1.350 Mitarbeiter beschäftigt. Als Mitglied des EMEA Strategic Leadership Teams von C&W ist sie zudem mitverantwortlich für die strategische Ausrichtung des Gesamtunternehmens in Europa. Reuter verfügt über mehr als 20 Jahre internationale, bereichsübergreifende Führungserfahrung in der Immobilienbranche. Seit 2013 ist sie für C&W tätig.

Im Februar hatte Reuter der IZ erklärt, sie wolle die Dienste bei C&W bündeln sowie das Angebot breiter und diverser aufstellen. "Neben unserem bisherigen Office-Fokus stärken wir auch die Bereiche Residential, Healthcare und Logistik", sagte sie. "Unser Fokus liegt – als Teil unserer globalen Strategie – auf drei Prioritäten: Stärkung des Kerngeschäfts, effiziente Arbeit und Beratung sowie nachhaltiges, organisches Wachstum." C&W sehe den mittel- und langfristigen Erfolg nicht in der Konzentration auf wenige Bereiche, sondern "in gesamtheitlichen Lösungen".

Mit Alexander von Erdély bei CBRE und Matthias Leube bei Colliers hatten neben Postleb im vergangenen Winter auch zwei andere Topmanager von großen Gewerbemaklern ihre Posten abgegeben.

Peter Dietz

Reingehört: Eine eigene Zone für berufliche Werdegänge

Karriere 18.04.2024
Netzwerken gehört für Alexander Schmid zum Alltag. Nun hat er seine Real Estate Lounge Interview Zone in ein Podcast-Format gepackt. Darin stellt er in jeder Folge einen Gesprächspartner mit ... 

Netzwerken gehört für Alexander Schmid zum Alltag. Nun hat er seine Real Estate Lounge Interview Zone in ein Podcast-Format gepackt. Darin stellt er in jeder Folge einen Gesprächspartner mit seinem Berufsweg näher vor.

Im Februar 2024 ging der Podcast Real Estate Lounge Interview Zone an den Start. Dahinter steckt der Gründer der Real Estate Lounge Alexander Schmid, der sich in diesem Format mit seinen Interviewpartnern unterhält über Werdegänge, Stolpersteine und Best-Practice-Beispiele im Berufsleben in der Immobilienwirtschaft. In jeder der bislang vier Folgen bespricht Schmid mit einem Gast neben dessen Lebenslauf auch ein Fokusthema.

So zeichnet sich Gesprächspartner von Folge 1, der Unternehmensberater Robert Hoffmann, dadurch aus, dass er auf Instagram erfolgreich aktiv ist. Er hat innerhalb von knapp sechs Monaten mit seinen Videos 50.000 Follower gewinnen können. Sein Erfolgsrezept: Liefere kontinuierlich Inhalte, die authentisch sind und den Followern einen Mehrwert bieten. Jeden zweiten Tag kreiert Hoffmann nach diesem Rezept einen 90-Sekunden-Spot mit Einblicken in seine Erlebnisse aus der Unternehmensberatung.

In Folge 2 ist Oliver Ritschel zu Gast. Vor etwa vier Jahren hat sich der gelernte Elektroinstallateur mit dem Buero Oliver selbstständig gemacht. Inzwischen hat er drei Mitarbeiter, Tendenz steigend. Aus seiner Zeit als Angestellter weiß Ritschel, dass besonders für Sonderprojekte meist die Zeit fehlt, um das technische Property- und Asset-Management zu koordinieren. Diese Lücke kann er mit seinem Unternehmenskonzept füllen. Mit Schmid spricht er über seinen Weg in die Selbstständigkeit.

Marketingspezialisten, Ingenieurgeologen und als nächstes Sie?

Weitere Gäste in den Folgen 3 und 4 sind Felix Hilt von Brand Estates und Lukas Krödel von HPC. Hilt gibt Auskunft über erfolgreiches Immobilienmarketing, das er mit seiner Agentur betreibt: von der Namensfindung für ein Projekt bis hin zu Influencer-Engagements. Krödel ist für die Umwelt tätig und seines Zeichens mit nur 28 Jahren einer der jüngsten Standortleiter Deutschlands. HPC ist auf Umweltberatung, Infrastrukturplanung und Bodenrecycling spezialisiert. Der studierte Ingenieurgeologe begann vor knapp vier Jahren als Werkstudent bei dem Unternehmen und leitet nun ein eigenes Team in München.

Man darf gespannt sein, wer noch in der Interview Zone zu Gast sein wird. Mit den bisherigen Interviewpartnern stand Schmid durch sein Netzwerkevent-Format Real Estate Lounge bereits in Kontakt. In den Shownotes besteht die Möglichkeit, sich als Gast zu bewerben.

Die Folgen haben mit 30 bis 40 Minuten eine angenehme Länge. Lediglich Intro und Outro wirken leicht überzogen, wenn auch professionell umgesetzt. Angesichts der interessanten Gespräche lässt sich darüber hinweghören. Ein fester Turnus, in dem die Folgen erscheinen, ist anhand der bisherigen Veröffentlichungsdaten noch nicht ablesbar.

Alexandra Stiehl