Eine schrecklich nette Familie

Makler Thomas Kunz (obere Reihe, 2.v.l.) inmitten seiner Azubis Karina Ilaew, Jan Kampmann und Ann-Sophie Caruso (oben) sowie Veronika Zipperle (untere Reihe links) und Niklas Jahn (untere Reihe rechts). Lene Lennermann (unten, Mitte) leitet das Theaterprojekt von Kunz- Schulze Immobilien.

Makler Thomas Kunz (obere Reihe, 2.v.l.) inmitten seiner Azubis Karina Ilaew, Jan Kampmann und Ann-Sophie Caruso (oben) sowie Veronika Zipperle (untere Reihe links) und Niklas Jahn (untere Reihe rechts). Lene Lennermann (unten, Mitte) leitet das Theaterprojekt von Kunz- Schulze Immobilien.

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Karriere 12.01.2017
Thomas Kunz kitzelt nicht nur mit einem Theaterprojekt verborgene Talente aus seinen Auszubildenden heraus. Der Karlsruher Immobilienmakler sucht die Besten der Besten, und die will er bis ... 

Thomas Kunz kitzelt nicht nur mit einem Theaterprojekt verborgene Talente aus seinen Auszubildenden heraus. Der Karlsruher Immobilienmakler sucht die Besten der Besten, und die will er bis an ihre Grenzen führen - und darüber hinaus. Seine Azubis lieben ihn trotzdem. Oder gerade deswegen. Jedenfalls diejenigen unter ihnen, die ihre Ausbildung überleben.

"In dieser einen Woche habe ich mir mehr Gedanken über mein Leben gemacht als in den 25 Jahren vorher", sagt Karina Ilaew. Die 27-Jährige spricht von der Probewoche, die sie 2015 bei Kunz-Schulze Immobilien absolviert hat und an deren Ende sie - wie alle angehenden Auszubildenden bei Kunz-Schulze - ihrem künftigen Arbeitgeber einen Fünfjahresplan als Zielvereinbarung vorlegen sollte. Ilaew hatte vorher Wirtschaftsrecht studiert. "Ich dachte: Wenn man schon Abitur hat, studiert man auch." Nach einigen Semestern brach sie das Studium ab. Bei Kunz-Schulze glaubt Ilaew nun ihre wahre Bestimmung gefunden zu haben.

"Es ist extrem schwer, guten Nachwuchs zu finden", sagt ihr Chef Thomas Kunz (49). Um die wenigen Perlen aus dem Meer an Ausbildungswilligen herauszufischen, veranstaltet die Firma einen regelrechten "Ausbildungscontest", wie sie das selbst nennt. In diesem Jahr z.B. gingen mehr als 500 Bewerbungen für eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann bzw. zur -kauffrau ein. Wer die Hoffnung weckte, den hohen Ansprüchen zu genügen, wurde zu einem eintägigen Probearbeiten eingeladen. An diesem Tag musste er bzw. sie sich u.a. im Tippen mit zehn Fingern beweisen und einen Multiple-Choice-Test absolvieren, der Aufschluss über den Charakter des Bewerbers geben und sein Sprachvermögen sowie seine Kreativität messbar machen soll. Ganze zwölf Azubi-Anwärter schafften es nach insgesamt über 80 Probetagen in die engere Auswahl, sprich: durften eine Woche lang probearbeiten. Sechs qualifizierten sich schließlich für die Ausbildung, die im August 2016 begann.

An Bord sind heute noch zwei der ursprünglich sechs im Sommer gestarteten Azubis. Die anderen vier haben das Unternehmen, so heißt es, "bis auf eine Ausnahme einvernehmlich verlassen". Einer habe seine Ausbildung "auf Empfehlung" bei einem anderen Unternehmen in Karlsruhe fortsetzen können. "Hart, aber herzlich", so beschreibt sich Thomas Kunz selbst. "Eine 48-Stunden-Woche ist bei uns eine Selbstverständlichkeit. Wir müssen nicht arbeiten, sondern wir wollen arbeiten", heißt es unverblümt auf der Internetseite des Unternehmens. So müssen die Mitarbeiter etwa jeden zweiten Samstag von neun bis 14 Uhr ran.

Andererseits: Wer mitzieht und liefert, wird belohnt. So, berichtet Kunz, zahle er seinen Azubis höhere Gehälter als in der tariflichen Ausbildungsvergütung für Baden-Württemberg vorgesehen. Konkret: 750 Euro im ersten, 850 Euro im zweiten und 900 Euro im dritten Lehrjahr. Azubis im Innendienst steht zusätzlich eine Jahrestantieme bei erfolgter Zielerreichung der Abteilung sowie teilweise eine abschlussbezogene Beteiligung in Aussicht. Azubis im Außendienst haben die Möglichkeit, sich eine Provision obendrauf zu verdienen.

Ann-Sophie Caruso, Auszubildende im zweiten Lehrjahr, bekommt 50 Euro auf ihr Azubi-Monatsgehalt obendrauf, weil sie so schnell und sicher tippen kann. Caruso schafft 370 Anschläge in der Minute. Erwartet werden bei Kunz-Schulze 250 Anschläge, bei einer tolerierten Fehlerquote von maximal 4%. Caruso ist 28 Jahre alt. Wie Ilaew musste sie erst herausfinden, was ihr nicht liegt: Caruso hat ebenfalls zunächst ein (Lehramts-) Studium begonnen - und abgebrochen.

Ungefähr 25 jungen Menschen hat Thomas Kunz schon zu einem Abschluss als Immokaufmann/-frau verholfen. Seine Lust daran, immer neue und andere Ausbilungsmethoden auszuprobieren, hat in all den Jahren anscheinend nicht gelitten. Die aktuellen Azubis werden von einer gelernten Theaterpädagogin traktiert und ungewohnten Situationen ausgesetzt, in denen sie sich als Person, Körper, Stimme etc. neu erfahren. Und dabei werden sie so manches Mal auf eine harte Probe gestellt.

"Ich muss dir unbedingt was sagen", sagt Niklas Jahn (19) im Probenraum. Nicht einmal, sondern gefühlte hundert Mal. Doch Veronika Zipperle (20), die im August zeitgleich mit Jahn die Ausbildung bei Kunz-Schulze begonnen hat, dreht sich einfach nicht um. Jahn scheint langsam die Verzweiflung zu überkommen. Seine Augen suchen Hilfe bei der Leiterin des Theaterprojekts, Lene Lennermann. Doch die ermahnt ihn nur: "Du sagst das nur, weil ich gesagt habe, dass du das sagen sollst." - "Naja, ich habe Veronika ja auch nichts zu sagen ...", erwidert der Azubi. "Und genau deshalb hast du keine Dringlichkeit in deiner Stimme!"

Ein halbes Jahr lang treffen sich die Azubis alle zwei Wochen zu einer Theater-Session, immer freitags von 16 bis 18 Uhr. Es geht u.a. darum, die jungen Menschen für den Kundenkontakt zu schulen. Die Azubis aus unterschiedlichen Ausbildungsjahrgängen tauschen dabei auch die Rollen, die sie sonst im Betrieb spielen. Als die Immobilien Zeitung vorbeischaut, steht "Führen und Folgen" auf dem Programm (einer führt den anderen blind durch den Raum, erst an der Hand, später am kleinen Finger, am Ende nur mit der Stimme oder Klatschen). Im Job arbeitet z.B. die Innendienstlerin Caruso ihrem Kollegen Jan Kampmann (25), der bereits im dritten Lehrjahr und im Außendienst tätig ist, zu. Heute muss sie ihm zeigen, wo es langgeht. "Ihm zu folgen, fiel mir leichter - weil ich ihm ja sowieso die ganze Woche folge", sagt Caruso nach der Übung.

Kunz ist eigentlich nur stiller Beobachter. Ganz raushalten kann er sich nicht. So wünscht er sich für "Führen und Folgen" ganz bestimmte Pärchen in ganz bestimmten Konstellationen. Dem Reporter flüstert er einmal zu, die betreffende Person, die nach seinem Willen nun die Führung übernehmen soll, sei im Umgang mit Kollegen mitunter zu weich und müsse lernen, Forderungen durchzusetzen. Von Kampmann will er mal wissen, ob er bei der Übung mit Caruso auch wirklich den gewünschten "inneren Kontakt" gespürt habe.

Und als die Lehrerin den 19-jährigen Jahn fragt, wie er eine Übung fand, und dieser etwas unsicher antwortet: "Ich fand das interessant", bohrt Kunz sofort nach: "Was war denn so interessant daran?"

Unterhält man sich mit den Azubis in Abwesenheit ihres Chefs über denselbigen, fällt die hohe Loyalität auf, die insbesondere die höheren Semester ihm offenbar entgegenbringen. Man hat das Gefühl, dass Kunz für sie eine Art Vaterrolle spielt. "Herr Kunz bringt einen schon krass an seine Grenzen. Aber ist doch besser, ich arbeite 50 Stunden mit Leidenschaft, als dass ich woanders 40 Stunden absitze", sagt Ilaew. Caruso erzählt, Kunz habe ihr und Kampmann einen wichtigen Teil der Personalarbeit übertragen: "Er lässt uns machen, und guckt nur am Ende nochmal drüber." Und sie betont: "Wir sind keine Arbeitskollegen, wir sind ein Team." Teamwork heißt bei Kunz-Schulze auch: Alle Mitarbeiter, auch die bestehenden Azubis, haben bei der Auswahl der neuen Azubis und auch später, wenn die Frage nach einer Übernahme ansteht, ein Vetorecht.

Ilaew geht noch einen Schritt weiter: Sie will 2018 als Mitgesellschafterin in die Firma einsteigen. Für den Erwerb von Gesellschafteranteilen parkt sie die Hälfte jeder Provision. Kampmann, der in seinem früheren Leben bei der Bundeswehr gedient hat, will diesen Weg schon in diesem Jahr beschreiten. Ein ehemaliger Azubi hat diesen Sprung schon gewagt. Die Familie wächst. hat

Harald Thomeczek

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Baumindestlohn: Arbeitgeber stimmen Schlichterspruch zu

Die neuen Mindestlöhne auf dem Bau sind endlich sicher gelandet.

Die neuen Mindestlöhne auf dem Bau sind endlich sicher gelandet.

Quelle: imago images, Urheber: Jochen Tack

Karriere 17.01.2020
Bis zum heutigen 17. Januar 2020 hatten die Arbeitgeber aus der Bauindustrie und dem Bauhandwerk Zeit, sich zum Schlichterspruch für die Mindestlöhne auf dem Bau zu verhalten. ... 

Bis zum heutigen 17. Januar 2020 hatten die Arbeitgeber aus der Bauindustrie und dem Bauhandwerk Zeit, sich zum Schlichterspruch für die Mindestlöhne auf dem Bau zu verhalten. "Buchstäblich in letzter Minute" haben sie sich nun, wie die Gewerkschaft IG Bau formuliert, "noch richtig entschieden", sprich: Die Arbeitgeber haben den Schlichterspruch angenommen. Damit liegt die unterste Lohngrenze nun bei 12,55 Euro.

Den von den Arbeitgebern angepeilten einheitlichen Branchenmindestlohn wird es bis auf Weiteres nicht geben. Statt dessen bleibt es bei einer Zweiteilung in Mindestlohn 1 - die Lohnuntergrenze für Hilfsarbeiten auf dem Bau - und Mindestlohn 2 für qualifiziertere Arbeiten in den alten Bundesländern und Berlin.

Konkret: Der Mindestlohn 1 steigt bundesweit ab dem 1. April 2020 um 2,9% auf 12,55 Euro pro Stunde. Der Mindestlohn 2 bleibt erhalten und klettert im April um jeweils 1,3% auf 15,40 Euro im Westen bzw. 15,25 Euro in Berlin. Die neuen Mindestlöhne gelten nur bis Ende 2020.

Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung

Die Arbeitgeber sehen schon in der zweiten Jahreshälfte 2020 einer Fortsetzung des Ringens um die vermeintlich richtige Branchenmindestlohnstruktur entgegen. Sie wollen einen einheitlichen Mindestlohn, weil der Zoll es dann leichter habe zu kontrollieren, ob die Mindestlohngrenzen in der Lohngruppe 2 tatsächlich eingehalten werden. Nach früheren Angaben der IG Bau von Ende Oktober 2019 schwebte der Arbeitgeberseite ein einheitlicher Mindestlohn in Höhe von 12,40 Euro die Stunde vor.

Bauhandwerk und Bauindustrie hätten sich mit der Annahme des Schlichterspruchs kurz vor Ablauf der Frist "buchstäblich in letzter Minute noch richtig entschieden", atmet die Baugewerkschaft erleichtert auf. Die Arbeitnehmervertreter hatten für den Fall der Fälle ein Absacken der Lohnuntergrenze auf das Niveau des gesetzlichen Mindestlohns (9,35 Euro) befürchtet. Ein solcher "Lockruf für Dumping-Firmen aus dem In- und Ausland" könne, so das vergangene Woche gezeichnete Worst-Case-Szenario der Gewerkschaft, dazu führen, "die Unternehmen des Bauhandwerks und der Bauindustrie wirtschaftlich abzudrängen, die Tariflöhne zahlen, ordentliche Arbeit leisten und Qualität liefern".

Die Sozialpartner wollen jetzt umgehend beim Bundesarbeitsministerium beantragen, dass die neuen Mindestlöhne für alle im Bauhauptgewerbe in Deutschland tätigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gelten. Laut IG Bau sind das auf Arbeitnehmerseite mehr als 200.000 Bauarbeiter.

Harald Thomeczek

Es muss ja nicht gleich ein Studium sein

Vermessungsingenieure demonstrieren beim Praxistag auf der Alea-Baustelle in Bad Vilbel die Arbeit per Drohne.

Vermessungsingenieure demonstrieren beim Praxistag auf der Alea-Baustelle in Bad Vilbel die Arbeit per Drohne.

Karriere 16.01.2020
Bauarbeiter oder Polier gehören selten zu den Berufen, die Eltern ihren Kindern wünschen. An diesem Punkt müsse die Bauwirtschaft ansetzen und über die attraktiven Jobchancen ... 

Bauarbeiter oder Polier gehören selten zu den Berufen, die Eltern ihren Kindern wünschen. An diesem Punkt müsse die Bauwirtschaft ansetzen und über die attraktiven Jobchancen aufklären, sagt Thomas M. Reimann, CEO des Bauunternehmens Alea. In Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Baumeister bringt er Schüler auf die Baustelle. Da geht es um Handfestes: Werkzeuge, Karriere und Geld.

In der Grundschule fängt es oft schon an. Eltern arbeiten an der Karriere ihrer Kinder. Ihr Ziel: Der Nachwuchs soll später mit einem Abschluss "Summa cum laude" ins Berufsleben starten. Nur so würden ihm ein hohes Gehalt, Anerkennung und ein sorgenfreies Leben ermöglicht, meinen sie.

Die Realität sieht allerdings genauso oft anders aus. Im Ingenieurstudiengang gebe es mancherorts im zweiten Semester eine Abbrecherquote von 50%, berichtet Thomas M. Reimann, CEO des Bad Vilbeler Bauunternehmens Alea Hoch- und Industriebau. Viele Studierende fühlten sich angesichts der hohen Anforderungen im Fach Mathematik überfordert und kehrten der Baubranche den Rücken. "Dabei sind viele prädestiniert für den Bau", ist Reimann überzeugt. Nur die Form des Studiums sei dann eben nichts für sie.

Der Alea-Chef will nun über die verschiedenen Berufsbilder am Bau aufklären - sowohl junge Leute als auch Eltern und Lehrkräfte. Und das nicht nur bei Berufsinformationsabenden an den Schulen. "Die laufen doch immer alle gleich ab", sagt er und denkt an Power-Point-Präsentationen und Theorie. Reimann will eher das nutzen, was den Bau ausmacht: Anpacken unter freiem Himmel.

Seit Herbst vergangenen Jahres lädt er in Zusammenarbeit mit der Initiative Zukunft Fachkraft des Bunds Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure Hessen Frankfurt, zu dessen Vorstand Reimann gehört, Schülergruppen in der beruflichen Orientierungsphase auf eine seiner Baustellen ein. Dabei lässt er sich nicht lumpen, Schüler aus Hanau hat er per Shuttle-Service nach Bad Vilbel gebracht. Insgesamt haben bisher 50 Schüler an der Baustellenaktion teilgenommen. In einer drei- bis vierstündigen Führung geben ihnen Vertreter verschiedener Gewerke Einblicke in ihren Alltag. Da kann dann auch mal eine zierliche Schülerin Steine mauern - dank der Unterstützung mit hydraulischem Hebewerkzeug ist das kein Hexenwerk. Poliere berichten über die Abläufe und Anforderungen, Betonbauer und Facharbeiter präsentieren ihre Arbeit.

Der Polier erklärt, die Drohne steigt auf

Um die Bandbreite der Berufe noch vielfältiger werden zu lassen, will Reimann künftig verstärkt mit Partnern zusammenarbeiten. Den Anfang hat er mit dem Vermessungsbüro TPI aus Dreieich gemacht. Sie präsentierten den Schülern ihre Arbeit mit einer Drohne. Der Einsatz moderner Technik gilt für Reimann als ein Schlüssel, um junge Leute von der Arbeit am Bau zu überzeugen.

Der Aktionstag auf der Baustelle endet traditionell mit einem gemeinsamen Essen von Schülern und Arbeitern, bei dem Alea-Chef Reimann höchstpersönlich z.B. Eintopf mit Würstchen verteilt.

Fünf weitere Klassen aus dem Rhein-Main-Gebiet haben sich bereits angekündigt, in den nächsten drei Monaten rechnet Reimann mit etwa 120 Schülern auf seinen Baustellen. Koordiniert wird die Aktion von Erich Schleßmann, ehemaliger schulfachlicher Dezernent im Staatlichen Schulamt in Hanau. Der Ruheständler ist ehrenamtlich aktiv, hält den Kontakt zum Kultusministerium, koordiniert Termine und pflegt sein Netzwerk, um die Initiative Zukunft Fachkraft mit Leben zu füllen.

Ein Netzwerk soll es auch sein, das künftig die Schulaktionstage finanziell mittragen soll. Dafür sucht Reimann weitere Partner. "Ein Tag kostet etwa 3.000 bis 3.500 Euro", schätzt er. Der größte Kostentreiber sind dabei die Filmaufnahmen des Medienpartners 100places. In den Clips, die auch auf YouTube abrufbar sind, erzählen die Jugendlichen von ihren Erfahrungen, die sie auf der Baustelle gesammelt haben. Ein Schüler sagt z.B. sinngemäß: "Ich wollte eigentlich studieren, doch jetzt glaube ich, eine Ausbildung ist eher etwas für mich." Ein wichtiger Aha-Moment für junge Leute in der Entscheidungsphase, wohin sie ihre berufliche Reise führen soll, könnte auch die Information sein, wie die Verdienstaussichten auf der Baustelle sind. Reimann vergleicht dazu gerne ein Bauingenieurstudium und den Werdegang bis zum Werkpolier. Bis der Student erst nach etwa sieben Jahren als Berufseinsteiger ein Bruttogehalt von etwa 3.500 bis 3.800 Euro verdiene, habe der Azubi schon Geld auf die Seite legen können. In den ersten Jahren bekomme er monatlich etwa 1.000 Euro, anschließend rund 3.000 Euro brutto. Nach fünf bis sechs Jahren und einer Weiterbildung zum Werkpolier stehen laut Reimann 4.000 bis 4.300 Euro brutto auf dem Gehaltsscheck - Tendenz nach oben. Denn die Perspektiven in der Bauwirtschaft seien gut, bis 2040 rechnet Reimann mit nachhaltigen Bauaktivitäten. Das Fazit des Frankfurter Bauunternehmers: "Der Verdienst in der Bauwirtschaft kann höher sein als nach einem Bauingenieurstudium."

Das Engagement Reimanns und Schleßmanns trägt bereits erste Früchte. Alea liegen drei Anfragen für ein Praktikum und zwei Anfragen für eine Ausbildung vor. Die Eltern will Reimann künftig stärker mit ins Boot nehmen. Sie sollen zum Beispiel in einer Broschüre über die Attraktivität von Berufen am Bau informiert werden.

Handwerkstag fordert Werkunterricht

Der Hessische Handwerkstag (HHT) will das Unterrichtsfach Werken und Technik in die Klassenzimmer zurückbringen. "Den Werkunterricht nicht mehr haben zu wollen, war ein schulpolitischer Fehler", sagt HHT-Präsident Bernd Ehinger. So gingen nicht nur Fähigkeiten verloren, die ein jeder im Alltag brauche. "Ich bin davon überzeugt, so ein Unterrichtsfach trägt dazu bei, dass Schüler später auch die Idee einer Ausbildung im Handwerk entwickeln." Das neue Fach soll in allen Schulformen in der Sekundarstufe I und II eingeführt und Lehrkräfte entsprechend aus- und weitergebildet werden. Zudem seien Investitionen in Werkräume, Materialien und Werkzeuge nötig.

Die Resolution kann online unter www.handwerk-hessen.de abgerufen werden. Anke Pipke

Anke Pipke

Bei JLL herrscht weiterhin Kommen und Gehen

Karriere 16.01.2020
Ein Investmentteam geht, aus der Doppelspitze der Hotelsparte wird ein Solokonzert, und ins Frankfurter Büro kehrt ein Bekannter zurück: JLL lieferte wieder ein paar Personalmeldungen. ... 

Ein Investmentteam geht, aus der Doppelspitze der Hotelsparte wird ein Solokonzert, und ins Frankfurter Büro kehrt ein Bekannter zurück: JLL lieferte wieder ein paar Personalmeldungen.

Das Personalkarussel dreht sich auch im neuen Jahr bei JLL weiter. Besonders getroffen hat es diesmal das Team Central Office Investment. Dort wechselte u.a. mit Matthias Kromer (Senior Team Leader), Laura Wenk (Co-Team-Leaderin) und Simon Vogelgesang (Senior Consultant) gleich ein kleines Team, bestätigt JLL auf Anfrage. Ihr Ziel ist der US-amerikanische Investmentberater Eastdil Secured, der offensichtlich sein Know-how zum deutschen Investmentmarkt ausweiten will.

Das ist nicht der erste Anlauf von Eastdil, Kräfte von JLL abzuwerben. Mit Christian Kadel, damals noch Leiter des Investmentteams Büro bei JLL Frankfurt, hatte Eastdil im Frühjahr 2017 versucht, seine Frankfurter Dependance aufzubauen. Kadel verabschiedete sich allerdings recht zügig gen Colliers.

Kromer, seit etwa neuneinhalb Jahren Teil der JLL-Crew, hatte zuletzt mit dem Weggang von Christian Lanfer Ende September 2019 kommissarisch die Position des Senior Team Leader Office Investment Frankfurt übernommen. Für diese Position hat JLL inzwischen einen Nachfolger gefunden: Manuel Backfisch, der im April 2020 einsteigt. Er ist ein alter Bekannter im Hause JLL. Bereits von 2012 bis Anfang 2018 gehörte er zur JLL-Mannschaft. Damals hatte er das Graduate-Trainee-Programm absolviert, als Consultant im Segment Immobilienbewertung und als Principal Consultant im Central Investment Team gearbeitet. Der 34-Jährige kommt im Frühjahr von CBRE, wo er seit Februar 2018 als Team Leader Capital Markets aktiv ist.

Von JLL Abschied nehmen wird derweil Stefan Giesemann, Leiter des Investmentbereichs in der JLL Hotels & Hospitality Goup in Deutschland. Er verlässt das Unternehmen Ende Januar. JLL hat daraufhin entschieden, Heidi Schmidtke, seit Februar 2017 als Executive Vice President und Leiterin des Bereichs Advisory in diesem Segment, zum Jahresbeginn die Gesamtführung der Hotelsparte zu übergeben. Nun trägt die 40-Jährige den Titel Managing Director. Schmidtke kam 2007 zu der JLL Hotels & Hospitality Group, verließ sie für zwei Jahre, um von 2015 bis 2017 für Art-Invest Real Estate tätig zu sein, und kehrte dann 2017 zu JLL zurück.

Eine Stelle weg, eine hinzu: Neu geschaffen wurde indes die Position des Teamleiters Industrial Investment in Hamburg. Dort will der Immobilienberater seine Präsenz ausweiten. Besetzt wird der Posten durch Philipp Roll (31), der 2014 seine berufliche Laufbahn bereits bei JLL gestartet hatte. Den Anfang machte er in der Abteilung Valuation & Transaction Advisory in Frankfurt und blieb dort vier Jahre, bevor er ab Anfang 2018 im Team Industrial Investment in Hamburg bei Transaktionen von Industrie- und Logistikimmobilien beriet.

Anke Pipke