Flexibel sein, um Chancen beim Schopf zu packen

Jörg Banzhaf vor einem 1967er Ford Mustang GT Fastback. Das frisch umgebaute und restaurierte Auto dürfte seinerzeit weniger als 10.000 USD gekostet haben. Jetzt hat Banzhaf es für einen sechsstelligen Betrag verkauft.

Jörg Banzhaf vor einem 1967er Ford Mustang GT Fastback. Das frisch umgebaute und restaurierte Auto dürfte seinerzeit weniger als 10.000 USD gekostet haben. Jetzt hat Banzhaf es für einen sechsstelligen Betrag verkauft.

Bild: Christian Dietz

Karriere 28.05.2015
Fast 25 Jahre hat Jörg Banzhaf in der Bau- und Immobilienwirtschaft gearbeitet. Er führte die Geschäfte von Projektentwicklern und Investmentgesellschaften, bevor er mit 53 Jahren aus der ... 

Fast 25 Jahre hat Jörg Banzhaf in der Bau- und Immobilienwirtschaft gearbeitet. Er führte die Geschäfte von Projektentwicklern und Investmentgesellschaften, bevor er mit 53 Jahren aus der Branche ausstieg und heute mit Oldtimern handelt. Ob Karriere planbar ist, welche Fragen sich angehende Führungskrafte stellen sollten und was Erfolg ausmacht, erzählt er im Interview.

Immobilien Zeitung: Herr Banzhaf, wer mit 40 Jahren keine Karriere gemacht hat, der macht auch keine mehr. Stimmt das?

Jörg Banzhaf: Da ist etwas dran. Wer zu lange nur Befehlsempfänger war, hat irgendwann Schwierigkeiten, selbst Entscheidungen zu fällen. Wer Karriere machen möchte, muss sich immer wieder sagen "Ich will" und "Ich bin bereit zu persönlichen Opfern."

IZ: Sie traten sechs Jahre nach Ihrem Berufseinstieg Ihren ersten Geschäftsführerposten an. Ist Karriere planbar?

Banzhaf: Nein. Man sollte sich Ziele setzen und flexibel genug sein, um Chancen beim Schopf zu packen.

IZ: Strebten Sie eine Führungsposition an?

Banzhaf: Ja. Als ich ins Berufsleben einstieg, wusste ich, dass ich Karriere machen möchte. Ich wusste aber noch nicht wie.

IZ: Haben Sie Managerbiografien gelesen?

Banzhaf: Nein. Das hat mich nie besonders interessiert. Ich glaube, man muss vor allem authentisch sein, um Erfolg und Spaß zu vereinen.

IZ: Wie lautet nach 24 Jahren in der Immobilienbranche, davon rund die Hälfte als Geschäftsführer, Ihr persönliches Erfolgsrezept?

Banzhaf: Ich habe mich immer für den Job entschieden, bei dem ich am meisten lernen konnte, und nicht für den schönsten Titel auf der Visitenkarte. Dafür habe ich auch hierarchische Rückschritte in Kauf genommen. In professioneller Hinsicht habe ich diese Vorgehensweise nie bereut.

IZ: Für Ihren Berufseinstieg setzten Sie auf einen bekannten Namen.

Banzhaf: Ich wollte nach dem Studium Deutschland von außen sehen. Philipp Holzmann bot mir eine Stelle in der Auslandsabteilung an - Ziel noch unbekannt. Es wurde dann Libyen, nicht gerade das Land meiner Träume, aber eine wertvolle Erfahrung. Als ich zurückkam, waren mir die Entscheidungswege bei Holzmann zu lang. Außerdem hatte ich gelernt, dass sich ein Baukonzern am unteren Ende der Nahrungskette bewegt. Mein Karriereziel war klar: Ich wollte näher an die Organisation von Bauprojekten und die Motivation für die Errichtung von Immobilien heran.

IZ: Sie wechselten zum Projektmanager Arcadis Homola und wurden Geschäftsführer. Später gingen Sie zur ECE und waren dort u.a. als Geschäftsführer für Projektentwicklungen in Ost- und Südosteuropa verantwortlich. Eine Fachkarriere kam für Sie nicht infrage?

Banzhaf: Es hat sich so ergeben und ich habe es nicht bereut. Ich habe aber viele andere getroffen, die in Führungspositionen ganz offensichtlich unglücklich waren, ohne es sich selbst einzugestehen. Jeder sollte sich beizeiten fragen: Bin ich geeignet zur Führungskraft und möchte ich das auch wirklich - nicht nur weil es schmeichelt? Als Führungskraft müssen Sie Menschen einschätzen können, respektvoll und trotzdem klar sein. Sie müssen es aushalten, dass Ihre Mitarbeiter Dinge anders angehen als Sie selbst. Sie dürfen nicht dem Fehler erliegen, eine Sache schnell mal selber für den Kollegen zu erledigen, auch wenn es Spaß macht und schneller geht. Gerade im Mittelmanagement müssen Sie häufig Positionen vertreten, die nicht Ihre eigenen sind. Kurzum, das Leben als Fachkraft ist in vielerlei Hinsicht einfacher und klarer.

IZ: Führungspositionen können auch ein Schleudersitz sein. Bei Atrium European Real Estate und bei Corio Deutschland waren Sie anderthalb bzw. zwei Jahre CIO bzw. CEO.

Banzhaf: Jede Führungskraft muss sich im Klaren sein, dass ihr Job von einem Tag auf den anderen zu Ende sein kann, aus den unterschiedlichsten Gründen. Wer damit nicht umgehen kann, sollte eine solche Position nicht anstreben. Zumal die große Zeit der autokratischen Führungsfiguren vorbei ist. Entscheidungsprozesse sind viel komplexer geworden und deswegen arbeiten heute alle viel teamorientierter.

IZ: Wie wählten Sie Ihre Mitarbeiter aus?

Banzhaf: Fachkräfte müssen fachlich etwas drauf haben. Bei Führungskräften wird es aus den genannten Gründen komplexer. Für mich war es aber auch immer sehr wichtig, dass jemand lernwillig und lernfähig ist. Und gegenseitiger Respekt und Sympathie ist einfach unverzichtbar.

IZ: Erfolg ist für Sie ...?

Banzhaf: ... ein hohes Maß an Entscheidungsfreiheit und Verantwortung. Außerdem brauche ich das Gefühl, angemessen entlohnt zu werden. Ich glaube, eine erfolgreiche Karriere ist für jeden etwas anderes.

IZ: Auf welche Weichenstellungen sollte man bei der Berufsplanung noch achten?

Banzhaf: Ich möchte nicht mehr in großen börsennotierten Unternehmen arbeiten, weil dort selbst auf der höchsten Hierarchieebene das Wohl des Unternehmens und das der handelnden Personen auseinanderklaffen. In meinem Berufsleben habe ich dadurch bizarre Situationen erlebt. Das brauche ich nicht mehr. Außerdem trifft man dort gerne den typischen Konzernfuzzi - unangenehm.

IZ: Heute sind Sie mit einem Partner selbstständig und haben die Branche gewechselt - zu den Mobilien. Was hat sich verändert?

Banzhaf: Den Geschäften, die ich jetzt mache, fehlen hinten manchmal zwei, manchmal drei Nullen, dafür sind es meine Nullen. Die Mechanismen sind sonst ähnlich.

IZ: Sind Oldtimer eine bessere Kapitalanlage als Immobilien?

Banzhaf: Sie sind auf jeden Fall eine gute Assetklasse und sie machen mir Spaß. Aber wie bei Immobilien sollte man sich mit der Materie auskennen. Bei Youngtimern an der Schwelle zu Oldtimern sind Renditen von 10% und mehr drin. Das finden auch Immobilienprofis unter meinen Kunden interessant.

IZ: Herr Banzhaf, Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

Sonja Smalian

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Mehr Nachhaltigkeit für Energieberater

DGNB-Chef Johannes Kreißig erhofft sich durch die Krise einen neuen Blick auf die Gebäudenachhaltigkeit.

DGNB-Chef Johannes Kreißig erhofft sich durch die Krise einen neuen Blick auf die Gebäudenachhaltigkeit.

Quelle: DGNB

Karriere 30.07.2020
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und der Energieberaterverband GIH haben einen Kompakt-Fortbildungskurs gestartet, bei dem sich Energieberater zum DGNB-Consultant ... 

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und der Energieberaterverband GIH haben einen Kompakt-Fortbildungskurs gestartet, bei dem sich Energieberater zum DGNB-Consultant qualifizieren können. Der geschäftsführende DGNB-Vorstand Johannes Kreißig erklärt die Inhalte des Schnellkurses. Er will beispielsweise die Energieberater fit machen für die geplanten Nachhaltigkeits-Förderprogramme der Bundesregierung.

Immobilien Zeitung: Gewinnt durch die Corona-Krise das Thema Nachhaltigkeit am Bau im Alltag an Bedeutung?

Johannes Kreißig: Unser Blick auf Gebäude hat sich durch Corona ganz klar verändert. Wer bisher nur zum Schlafen daheim war, nutzt die Wohnung jetzt plötzlich auch tagsüber als Homeoffice. Damit werden wir uns der gebauten Umwelt, in der wir uns aufhalten, bewusster und wir entwickeln andere Ansprüche hinsichtlich Aufenthaltsqualität, Komfort und Gesundheit. Was das letztlich für die Immobilienwirtschaft heißt, lässt sich noch nicht absehen. Klar ist nur: Das Ganze stärkt eher die Bedeutung von Nachhaltigkeit.

IZ: Sind Energieberater vor der Weiterbildung genug in Nachhaltigkeit geschult?

Kreißig: Nein. Über ihren Energiefokus bringen sie sehr gute Grundlagen mit, aber das nachhaltige Bauen umfasst deutlich mehr Themen, die über Energie und die Gebäudehülle hinausgehen. Beispielsweise Schadstoffthemen, Circular Economy und Ressourcenschutz oder planerische Aspekte. Auch Klimaschutz und ESG spielen eine wichtige Rolle.

IZ: Im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets ist ab Herbst auch eine Förderung für effiziente Gebäude (BEG) geplant. Wird es durch das Förderprogramm einen Mehrbedarf an Energieberatern mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt geben?

Kreißig: Ja, ganz klar. Die Bauherren wollen wissen, wie sie die Förderung bekommen. Und das bedarf einer fachlichen Beratung. Dafür ist der Energieberater oft ihr Hauptansprechpartner. Dies wird auch bei der erweiterten Perspektive so sein.

Kluge Energieberater werden gefragter

IZ: Bietet der neue Kompaktkurs mit dem GIH hier eine gezielte Vorbereitung?

Kreißig: Ja. Das ist auch eine zentrale Motivation, warum wir den Kompaktkurs jetzt anbieten. Nachhaltigkeit ist mehr als Energie und Gebäudehülle, und darauf wollen wir sie vorbereiten. Besonders interessant sein wird die Förderung im Geschosswohnungsbau, weil hier die Käufer für jede einzelne Einheit eine Förderung in Anspruch werden nehmen können.

IZ: Was sind die Lerninhalte des Kurses?

Kreißig: Im Grunde geht es um 360 Grad Nachhaltigkeit. Gewissermaßen um eine Transformation von der Energie- zur Nachhaltigkeitsberatung. Im Fokus stehen alle Kriterien des DGNB-Zertifizierungssystems und ihrer Anwendung an Projekten - nur eben ausgenommen Energie- und Gebäudehüllenthemen. Die inhaltliche Bandbreite reicht vom gesunden Bauen oder dem Ressourcenschutz bis hin zu Planungsabläufen vom Beginn der Planung an bis zur Qualitätssicherung.

IZ: Wer kann sich eigentlich zum Energieberater ausbilden lassen?

Kreißig: Die Ausbildung zum Energieberater ist Zusatzqualifikation für Ingenieure und Architekten sowie für praxiserfahrene Handwerker. Hinzu kommt eine Fortbildungspflicht. Die Ausbildung selbst wird von verschiedenen Anbietern durchgeführt. In der Energieeffizienz-Expertenliste der dena sind über 13.000 Experten gelistet. Davon arbeiten nicht alle hauptberuflich als Energieberater, aber es gibt mehrere tausend in Deutschland.

IZ: Wer nimmt derzeit die Dienste von Energieberatern in Anspruch?

Kreißig: Professionelle Energieberatung durch Experten, die bei der dena gelistet sind, benötigt man für bestimmte KfW-Darlehen und -Förderungen. Daher sind Energieberater insbesondere bei Wohnimmobilien gefragt. Das kann der Einfamilienhaus-Eigentümer sein, aber auch Wohnbaugesellschaften. Aber Energieberater sind auch im Bereich der Gewerbeimmobilien tätig.

IZ: Seit wann bieten Sie reguläre Kurse für Energieberater zum DGNB-Consultant an?

Kreißig: Wir bieten seit unserer Gründung und der Einführung der DGNB-Zertifizierung vor zwölf Jahren Fort- und Weiterbildungsangebote an. Jetzt kommt ein Kompaktkurs hinzu, der nochmals gezielter dem Vorwissen von Energieberatern Rechnung trägt und im Vergleich zur regulären Ausbildung zum DGNB-Consultant verkürzt ist. Hier arbeiten wir mit dem GIH zusammen.

IZ: Herr Kreißig, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Daniel Rohrig.

Daniel Rohrig

IZ-Stipendium: Campus und Corona (7)

Karriere 29.07.2020
Wieder liegt eine Vorlesungswoche hinter uns. Wieder fand sie ausschließlich online statt. Dies ist die letzte Blockwoche vor den Semesterferien bzw. der vorlesungsfreien Zeit gewesen. Die ... 

Wieder liegt eine Vorlesungswoche hinter uns. Wieder fand sie ausschließlich online statt. Dies ist die letzte Blockwoche vor den Semesterferien bzw. der vorlesungsfreien Zeit gewesen. Die nächsten Veranstaltungen sind erst für den kommenden September geplant. In der Zwischenzeit gilt es mehrere Projekte zu bearbeiten.

Wir Studierenden sind froh, dass die Online-Vorlesungen nun fürs Erste hinter uns liegen. Über insgesamt vier Monate haben wir die Lerninhalte des Masterstudiums „Real Estate & Leadership" via Microsoft Teams vermittelt bekommen. Dazu gehörten neben den Modulen „Law & Tax", „Communications & Marketing" sowie „Project Development" die semesterübergreifend stattfindenden Module „Sustainability" und „Leadership".

Leider hat jedes Modul unter der nicht vermeidbaren Online-Lösung gelitten. Vor allem die allseits beliebten Gruppendiskussionen und Workshops sowie die Baustellenbesichtigungen und Vor-Ort-Termine haben wir schmerzlich vermisst. Auch die Präsentationsleistungen der einzelnen Studierenden gestalteten sich weitaus weniger aussagekräftig, da Mimik und Gestik in den Online-Meetings nicht vermittelt werden können.

Neben den universitären Veranstaltungen sind die monatlichen „Real Estate & Leadership Lounge" – Veranstaltungen entfallen, welche uns vor Corona nicht nur die Möglichkeit gaben, den aktuellen Impulsen der Immobilienbranche zu lauschen, sondern auch wichtige Networking-Gelegenheiten darstellten.

Auch wenn die Digitalisierung zunehmend Teil unseres Lebens wird, so hat uns Studierenden der persönliche Kontakt zu unseren Dozenten und zu einander stark gefehlt. Im Großen und Ganzen bleibt also festzuhalten, dass die Digitalisierung im Bildungsbereich viele Chancen bietet, gleichwohl die Folgen für das soziale Miteinander nicht außer Acht gelassen werden sollten. Schließlich ist auch die Vermittlung von Sozialkompetenz entscheidend für unsere berufliche Zukunft.

Mirko Tinz

Die Absolventen bleiben bei der Jobwahl selbstbewusst

Studierende auf Jobsuche achten bei möglichen Arbeitgebern wegen der Corona-Krise nun auf andere Details.

Studierende auf Jobsuche achten bei möglichen Arbeitgebern wegen der Corona-Krise nun auf andere Details.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Artem

Karriere 23.07.2020
Die Immobilienbranche ist in der Corona-Krise - im Vergleich zu anderen Branchen - bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Studierende immobilienwirtschaftlicher Fachrichtungen bereuen ... 

Die Immobilienbranche ist in der Corona-Krise - im Vergleich zu anderen Branchen - bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Studierende immobilienwirtschaftlicher Fachrichtungen bereuen jedenfalls nicht, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Die eine oder andere Assetklasse ist in der Gunst des Nachwuchses allerdings gesunken.

Das Angebot für Absolventen ist nicht mehr ganz so üppig. So manche Firma hat Stellenausschreibungen auf Eis gelegt und besetzt nur nach, was unbedingt nötig ist. Trainee-Programme wurden im Frühjahr mitunter gestoppt oder, sofern erst für den Herbst geplant, zumindest mit einem dicken Fragezeichen versehen. Der Grund ist noch nicht mal unbedingt, dass es so schlecht läuft. Es ist vielmehr die große Ungewissheit, der sich vor allem Handelsimmobilien ohne Lebensmittelanker, Hotels und Bürogebäude ausgesetzt sehen. Und mit ihnen die Unternehmen, die sie bauen, managen und vermitteln. Maklerhäuser wie Avison Young, NAI apollo, Colliers, Savills, JLL oder BNP Paribas Real Estate führten Kurzarbeit ein. Erzählungen von nicht verlängerten Probezeiten oder gar Kündigungswellen, abgebrochenen Assessment-Centern und gekündigten Werkstudenten machen die Runde.

Mark Spangenberg, COO bei CBRE in Deutschland, beteuert jedoch: "Einen klassischen Einstellungsstopp hatten wir nicht." Und Personalchef Mike Schrottke ergänzt: "Wir haben uns mit dem Thema Kurzarbeit beschäftigt. Es steht aber nicht im Vordergrund. Sowohl das Management als auch unsere Mitarbeiter in den betroffenen Bereichen haben freiwillig auf Gehalt verzichtet und zusätzlich ihren Resturlaub, größtenteils auch ihre Überstunden abgebaut."

Spuren hinterließ das Coronavirus dennoch auch bei CBRE. "Wir schauen noch etwas genauer hin, wo die Bedarfe im Unternehmen sind", gibt Spangenberg zu. Er präzisiert: "Wir sehen in einigen Bereichen Rückgänge, etwa im Retail Leasing und im Hotelsegment gibt es negative Einflüsse. Dort sind wir zurzeit mit Neueinstellungen vorsichtiger." Dafür läuft es beispielsweise im Bereich Industrial & Logistics weiter sehr gut. "Dort gewinnen wir aktuell Marktanteile und haben zuletzt auch verstärkt eingestellt", berichtet Spangenberg. Im Bürobereich laufen alle großen Mandate weiter, heißt es. Das Fazit der Führungskräfte für CBRE Germany: "Im europäischen Vergleich mit anderen Ländergesellschaften kommen wir wohl glimpflich davon." Mangels Glaskugel müssen Spangenberg und Schrottke beim Blick in die Zukunft allerdings orakeln: "Fraglich sind allerdings die Auswirkungen der Rezession und der Entwicklung im Jahr 2021."

Den Studierenden sind die kleinen und großen Einschläge in bestimmten Assetklassen und bei bestimmten Geschäftsmodellen nicht verborgen geblieben. Das gilt auch für die selektivere Einstellungspolitik einiger Unternehmen. Sie sind aber fest davon überzeugt, dass sich die Corona-Pandemie langfristig nicht negativ auf ihre berufliche Laufbahn auswirken wird - und würden sich, wenn sie wieder vor der Wahl stünden, noch einmal für die Immobilienwirtschaft entscheiden.

"Selbstverständlich tangiert die Corona-Krise auch die Immobilienbranche, einige Bereiche durchaus mehr als andere, und es bestehen gewisse Risiken", sagt Farina Lutz, die als selbstständige Immobilienmaklerin tätig ist und an der Hochschule Biberach studiert. "Dennoch hat diese Branche meiner Meinung nach Zukunft und ein enormes Potenzial, weshalb ich meine Entscheidung, diesen Weg eingeschlagen zu haben, nicht bereue", meint sie stellvertretend für viele andere.

Im Branchenvergleich ist die Immobilienwirtschaft in der Corona-Zeit in der Gunst des Nachwuchses sogar gestiegen. Auch weil der Anlagedruck der Investoren sich nicht einfach in Luft aufgelöst hat. Immobilien gelten jetzt noch mehr als sicherer Hafen. Selbst coronabedingte schlechte Nachrichten lassen meist keine Zweifel aufkommen. Ein Beispiel: Der Wohnungsentwickler Instone kassierte die Prognose für 2020 und stellte den Vertrieb eines Projekts in Augsburg aufgrund stockender Nachfrage ein. Schon abgeschlossene Kaufverträge hat er rückabgewickelt. Ein Bachelorstudent von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Holzminden, der Instone in der Arbeitsmarktumfrage 2020 der Immobilien Zeitung (IZ) als Wunscharbeitgeber Nummer eins angegeben hat, bleibt bei seiner Wahl: "Instone hat die Entscheidungen in meinen Augen plausibel begründet, weswegen sich meine Wahrnehmung auf das Unternehmen nicht geändert hat."

"Logistikimmobilien hatte ich vor Corona nur latent auf dem Schirm"

Das mag an der Assetklasse liegen: Wohnen steht mehr denn je für Sicherheit. Andere Nutzungsarten haben einen schwereren Stand: "Vor allem die Assetklassen Retail und Hotel würde ich definitiv als kritischer ansehen, da diese durch die Corona-Krise stark gelitten haben bzw. immer noch stark leiden", sagt Amira Hollweg, die Immobilienmanagement im Master an der HAWK studiert. Handel ist natürlich nicht gleich Handel: "Vor Probleme gestellt werden vor allem Einzelhandelsimmobilien abseits der Ia-Lagen und Shoppingcenter", weiß Masterstudent Mario Sterl von der Universität Regensburg (Irebs). Für Sarah Schwarz ist klar: "Für mich kommt der Lebensmitteleinzelhandel an erster Stelle, da er grundsätzlich systemrelevant war und als Gewinner aus der Krise gehen wird." In der IZ-Umfrage hatte die junge Frau, die im vierten Mastersemester Humangeographie mit dem Schwerpunkt Raumplanung, Raumentwicklung und Raumkonflikte an der WWU in Münster studiert, noch CBRE als ihren Favoriten angegeben. Doch mit der Krise hat sich ihr vorheriger Zweitkandidat Lidl vor den Immobiliendienstleister geschoben.

"Bei Hotels mitzumischen, stelle ich mir äußerst spannend vor"

Hotels haben weiter ihre Fans. Obgleich die Hotellerie wegen des Lockdowns schwer zu kämpfen hat - für Immobilienspezialisten eröffnen sich durch die Umwälzungen, die dem Hotelmarkt prophezeit werden, Chancen. Da ist sich Julius Range, der ebenfalls an der Irebs studiert, sicher: "Hier wird es Insolvenzen geben, die den Markt mit Hotelimmobilien fluten könnten. Die Markenhotellerie wird noch mehr an Einfluss gewinnen. Die Bewertung von Hotelimmobilien wird höhere Risiken einkalkulieren, und die Pachtverträge werden an Krisen angepasst werden müssen. Dort mitzumischen, stelle ich mir äußerst spannend vor." Ein anderer Regensburger Irebs-Student hat gar eine neue Immobilienart für sich entdeckt: "Mich reizen Einblicke in Logistikimmobilien, die ich vor der Corona-Krise nur sehr latent auf dem Schirm hatte."

Und dann ist da noch der Büromarkt, dem viele einen gewaltigen Wandel voraussagen: "Der Bereich Office wird sich bestimmt durch die neuen Möglichkeiten des Homeoffice stark verändern, und ich bin gespannt, wie sich diese Entwicklung weiter fortsetzen wird. Deswegen schaue ich auch auf Investmentunternehmen und hinterfrage deren Strategien seit Corona intensiver", erzählt Hollweg. Bei vielen der Studierenden wecken die möglichen Umwälzungen im Bereich Büro besonderes Interesse. Masterstudent Sterl ist sich sicher: "Die Büroimmobilie wird neu gedacht werden, und digitale Lösungen bekommen einen Schub, sodass sich Smart-Office-Solutions schneller am Markt etablieren könnten." Sterl sollte es wissen: Seine Masterarbeit schreibt er über die Wirtschaftlichkeit intelligenter Büroobjekte.

"Wer schlagartig viele Studierende vor die Tür setzt, verliert an Ansehen"

Bei den Nachwuchskräften verloren haben vor allem Unternehmen außerhalb der Immobilienbranche - die durch den Shutdown oft heftigere Einschnitte zu verkraften hatten als die meisten Immobilienunternehmen. "Automobilhersteller fallen aktuell als Arbeitgeber für mich weg. Vor Corona konnte ich mir das gut vorstellen", sagt Tim Hackenberg, der dieses Jahr seinen Bachelorabschluss in Immobilienwirtschaft an der HfWU Nürtingen-Geislingen macht. Bei Range hat der Umgang mit dem Lockdown die Sicht auf zuvor favorisierte Arbeitgeber negativ beeinflusst. "Bosch und Daimler, die ich zusammen mit Art-Invest angegeben habe, haben auf einen Schlag eine große Anzahl an Praktikanten und Werkstudenten vor die Tür gesetzt. Das halte ich nicht für nachhaltig. Diese Unternehmen haben bei mir an Ansehen verloren." In der Gunst von Alexandra Hell sind insbesondere Unternehmen gesunken, die sich gegenüber ihren Vermietern nicht korrekt verhalten haben: "Es kursierten ja Schlagzeilen, dass manche Großfirmen in der Corona-Krise keine Miete mehr zahlen wollten. Das finde ich überhaupt nicht gut."

Harald Thomeczek