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IVD kritisiert Maklerstreik

Artikel vom 30.10.2014, 12:24

Hier gehts zur "Urabstimmung". Bildschirmfoto von der Internetseite des BVFI.

Bild: IZ

Der Immobilienverband Deutschland IVD hält den geplanten Maklerstreik für "absurd". Die Vorstände des BVFI hätten wohl zu viel Nachrichten von streikenden Lokführern und Piloten gehört, sagt IVD-Sprecher Jürgen Michael Schick. "Ein Maklerstreik ist Unsinn und führt nur zu Kopfschütteln in der Branche." Der BVFI weist die Kritik zurück, spricht von überwiegend positiven Reaktionen auf die Streikaktion und glaubt weiterhin an einen "großen Erfolg".

Laut Schick komme es jetzt darauf an, auf Ebene des Bundestags und des Bundesrats "das vorgelegte falsche Bestellerprinzip als Mogelpackung zu entlarven". "Mehrere Bundesländer sehen den Gesetzentwurf ebenso kritisch wie wir", sagte Schick weiter. Dass quasi immer der Vermieter für die Maklergebühr aufkommen soll, sei eben kein echtes Bestellerprinzip. "Jetzt braucht die Immobilienbranche eine fundierte inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Gesetzentwurf und keine Streikfantasien." Mit rund 6.000 Mitgliedsunternehmen ist der IVD nach eigenen Angaben der zahlenma?ßig stärkste Unternehmensverband der Immobilienwirtschaft.

Die Befürchtung, der geplante Streik könnte dem Image des gesamten Berufsstandes schaden, scheint nicht unbegründet. Überregionale Medien nehmen den Vorschlag des Bundesverbands für die Immobilienwirtschaft BVFI zum Anlass, die Arbeit der Vermittler infrage zu stellen. Unter der Überschrift "Ein schlechter Witz" kommentiert die Tageszeitung taz in ihrer Online-Ausgabe: "Der Makler ist einer der überbezahltesten und überflüssigsten Berufsstände im Land. Ein Wegfall von Stellen wäre prima." Zum Thema Streik schreibt das Blatt: "Die Piloten, die Bahn, die Amazon-Mitarbeiter - jetzt wollen auch noch die Makler streiken. Schön! Endlich ein Ausstand, der niemanden stört. Denn: Wenn die Immobilienvermittler nichts tun, bleibt vielerorts trotzdem wenig liegen."

Schicke Karre, Gewinnergrinsen und Kaschmir-Schal

Die linke Tageszeitung Junge Welt nimmt den geplanten Streik zum Anlass, um nahezu alle Klischees über Makler zu bedienen: "Er fährt mit schicker Karre vor, sperrt die Tür auf, erzählt mit Gewinnergrinsen etwas vom Pferd und kassiert dafür zwei Monatsmieten - so sieht kurzgefasst die Tätigkeit eines Maklers aus. Leicht verdiente Kohle, dem Immobilienbesitzer selbst ist diese Schleimerei allerdings zu dröge. Er muss den Mittelsmann ja auch nicht bezahlen, das obliegt dem künftigen Mieter. Doch das wird sich wohl ändern."

Den geplanten Streik kommentiert der Autor mit den Sätzen: "Am 7. November sollen die Immobilienmakler streiken. Die Porsches bleiben in der Garage, den Kaschmir-Schal bedeckt dann eine neonfarbene Warnweste. Lautstarkes Trillern dringt aus Mündern, die sonst mit wohlfeilen Worten das Laminat preisen. Bitte, bitte, liebe Makler, stimmt in der Urabstimmung für Streik und hört so schnell nicht wieder auf damit! Während dieser Auszeit lässt sich auch trefflichst über einen sinnvolleren Job nachdenken."

Am 7. November berät der Bundesrat über das Bestellerprinzip. Wie berichtet, hat der BVFI seine rund 11.000 Mitglieder angeschrieben und sie aufgefordert, für einen bundesweiten Streik der Makler als Zeichen des Protests gegen das geplante Bestellerprinzip zu votieren. Sollten bis zum morgigen Freitag mehr als zwei Drittel der abstimmenden Mitglieder des BVFI dem Streikaufruf zustimmen, sollen am 7. November die Büros geschlossen bleiben und keine Wohnungen vermittelt werden. Bisher hätten etwa 80% für den Streik gestimmt, hieß es am Donnerstag. Das Ergebnis der "Urabstimmung" soll am kommenden Dienstag veröffentlicht werden.

Symbolische Aktion gegen die Politik

BVFI-Vorstand Jürgen Engelberth bezeichnete die Aktion am heutigen Donnerstag trotz der Kritik als "großen Erfolg". Er habe mehr positive als negative Reaktionen registriert. Viele Stimmen würden sagen: Endlich tut jemand mal was, endlich bewegt jemand mal was. Engelberth betonte, dass es nicht um einen Arbeitsstreik, sondern um eine symbolische Aktion gegen die Politik gehe. Einen zusätzlichen Schaden für das Image des Maklers durch die Streikaktion mag er nicht erkennen. "Wie kommt das denn, dass der Makler so ein schlechtes Image hat?", fragt er und schiebt die Antwort gleich hinterher: "Das liegt doch daran, dass es Jahrzehnte lang versäumt wurde, etwas gegen die Verunglimpfung des Berufsstandes zu tun." Und genau das wolle der BVFI nun nachholen.