JLL, ECE, Hochtief sind top

Eine Auszeichnung für die drei Besten: Die IZ-Medaille für die beliebtesten Arbeitgeber.

Eine Auszeichnung für die drei Besten: Die IZ-Medaille für die beliebtesten Arbeitgeber.

Bild: IZ

Karriere18.07.2013
Mit Wissen im Kopf und Tatendrang in der Brust will der Nachwuchs bei den besten Arbeitgebern anheuern. Doch wer sind die besten? Welche Unternehmen stehen auf der Liste angehender Absolventen von ... 

Mit Wissen im Kopf und Tatendrang in der Brust will der Nachwuchs bei den besten Arbeitgebern anheuern. Doch wer sind die besten? Welche Unternehmen stehen auf der Liste angehender Absolventen von immobilienwirtschaftlichen Studiengängen ganz oben? Die Immobilien Zeitung fragte nach. Heraus kam unter anderem: Jones Lang LaSalle (JLL) konnte die 2012 errungene Spitzenposition festigen, auf Platz zwei und drei wurden ECE und Hochtief gewählt. Dicht ran ans Top-Trio hat sich Corpus Sireo gepirscht. Wirtschaftsberater und -prüfer dagegen sind in der Gunst von Studenten gesunken - Wohnungsunternehmen in der Gunst noch immer nicht gestiegen.

Durch den Online-Fragenkatalog der Immobilien Zeitung klickten sich im Frühjahr 622 Hochschüler; ihre Antworten kamen bundesweit aus mehr als 60 Universitäten, Fachhochschulen, Berufsakademien und anderen Bildungseinrichtungen. Die Studenten benannten ihre favorisierten Unternehmen frei, sprich: Es wurden keine Namen vorgegeben.

Und so kam es zu dem Ergebnis: Der Nachwuchs war aufgerufen, jeweils eine Favoriten-Firma auf die Plätze eins bis drei zu setzen. Bei der Auswertung wurde dann unterschiedlich gewichtet. Für den ersten Platz gab es drei Punkte, für den zweiten zwei, und der dritte Rang brachte einen Punkt. So wurden allen 188 genannten Unternehmen entsprechende Zahlen zugeordnet und addiert. Die 15 Gesellschaften mit den höchsten Punkt- und damit wohl auch Sympathiewerten sind in der Top-Arbeitgeber-Liste (s.u.) aufgeführt.

JLL punktet mit Internationalität

Grundsätzlich festzustellen ist, dass Studenten ihre Punkte in erster Linie an die Unternehmen vergaben, deren Tätigkeitsfelder ihnen zusagen. Hohen Wert legt der Nachwuchs zudem auf die Möglichkeit, Karriere zu machen; Standort und Image des künftigen Brötchengebers sollten ebenfalls stimmen.

JLL ist ein vertrauter Name im IZ-Ranking. Seit der ersten Umfrage im Jahr 2009 rangiert das Beratungsunternehmen Jahr für Jahr in der Riege der drei gefragtesten Arbeitgeber und lag dabei drei Mal auf Platz zwei hinter Hochtief, bis es im vergangenen Jahr den Sprung an die Spitze schaffte. Den Top-Platz festigte es in diesem Jahr mit 159 Punkten. Für die Mehrzahl der Studenten, die an JLL Punkte vergaben, war die internationale Ausrichtung ein entscheidender Grund für ihre Wahl (siehe Artikel "Stimmt die Arbeit, ist Geld nachrangig").

Hochtief lässt Federn

ECE kam auf 91 Zähler und zog damit am Hochtief-Konzern vorbei, der mit 81 Zählern auf Platz drei landete. Der Einkaufszentrenentwickler punktete sehr stark mit den Tätigkeitsfeldern, Hochtief in erster Linie mit Karriereperspektiven. Der Bau-konzern ist bislang immer unter den drei erstplatzierten Arbeitgebern im IZ-Ranking zu finden. Dennoch hat er zuletzt Federn gelassen: Im vergangenen Jahr schlug wohl die Übernahme durch den spanischen Konzern ACS aufs Umfrageergebnis durch, nun könnten es Meldungen rund um Umstrukturierung und Verkäufe sein. "Veränderung - das wissen wir alle - führt naturgemäß zunächst zu Fragen. Das spiegelt sich auch im Ranking wider", sagt Hochtief-Sprecherin Patrizia Wischerhoff. Die Zeit der Übernahmeschlacht mit den darauf folgenden Hochtief-Manager-Abgängen bezeichnet sie als abgeschlossen; der Konzern habe eine "stabile Aktionärsstruktur", die Zusammenarbeit mit den Spaniern auf Projektebene funktioniere gut.

Die Top-Arbeitgeber 2013

Von Außenstehenden werde nun vor allem der Veränderungsprozess "hin zum größten Infrastrukturanbieter der Welt" wahrgenommen, der damit einhergehe, dass nicht mehr zum Kerngeschäft gezählte Bereiche verkauft oder künftig mit Partnern weiterbetrieben werden sollen, so Wischerhoff. "Wir sind aber zuversichtlich, dass sehr bald die Erfolge unserer neuen Strategie sichtbar werden."

Negativmeldungen mögen Hochschulabsolventen in der Vergabe ihrer Gunst beeinflussen - vom Anheuern scheinen sie nicht abzusehen. "Die Anzahl der Bewerbungen ist in den letzten Jahren gleich geblieben, die Zahl der qualifizierten Bewerber ist stets sehr hoch", sagt die Hochtief-Sprecherin und verweist auf die 1.180 Schreiben, die im vergangenen Jahr von Hochschulabsolventen quer durch alle Studiengänge eingegangen sein sollen.

Corpus Sireo nah am Top-Trio

Tatsächlich haben die im IZ-Ranking bestplatzierten Unternehmen JLL, ECE und Hochtief eine große Sogwirkung. Allein JLL erhielt 10,6% der gewichteten Punkte, zusammen vereinen die drei Konzerne 23% auf sich. Dem Trio nah auf den Fersen ist der Kölner Entwickler und Dienstleister Corpus Sireo, der sich in den vergangenen Jahren immer weiter nach vorne geschoben hat: Von Platz 13 im Jahr 2011 auf Rang fünf und nun weiter auf den vierten Platz. Auch hier mag das breite Leistungsspektrum ein gewichtiger Grund für die Beliebtheit sein: Corpus Sireo ist Makler, Projektentwickler, Investment-Manager und Asset-Manager für Wohn- und Gewerbeimmobilien.

Im Grunde sind alle Unternehmen in der Top-15-Liste breit aufgestellt. Schaut man auf deren einzelne Sparten, fällt auf, dass das Maklergeschäft sowie der Bereich Entwicklung und Bau dominieren. Maklerdienste bieten JLL, Corpus Sireo, CBRE, BNP Paribas Real Estate, Engel & Völkers sowie Cushman & Wakefield und damit sechs Unternehmen an. Ebenso viele werkeln auf Baustellen, und zwar ECE, Hochtief, Corpus Sireo, Bilfinger, Strabag und im kleineren Rahmen auch die Augsburger Patrizia. IVG ließe sich noch dazuzählen, allerdings hat die Gesellschaft den Rückzug aus dem Geschäft angetreten.

E&Y und Deutsche Bank draußen

Banken mitsamt der mit ihnen verbundenen Gesellschaften werden weniger unter den Top 15. In diesem Jahr ist die Deutsche Bank von Platz 10 auf Platz 25 abgerutscht, es verbleibt die DekaBank. Von Wirtschaftsberatungen und -prüfern ist mittlerweile keine Spur mehr zu sehen. Als letzter Verbliebener aus dem Jahr 2012 hat jetzt auch Ernst & Young zu stark an Absolventen-Gunst verloren - und belegt nun Rang 19. Pricewaterhouse Coopers folgt auf Platz 24.

Unter ferner liefen rangiert auch die Konkurrenz von ECE. Der nächstplatzierte Entwickler und Betreiber von Einkaufstempeln ist mfi auf Platz 27. Sonae Sierra und Multi Development wurden von keinem einzigen angehenden Absolventen bepunktet und tauchen folglich unter den insgesamt 188 genannten Unternehmen gar nicht auf.

Wohnungsunternehmen sucht man unter den Top 15 vergeblich. Und das nicht erst in diesem Jahr. Bislang haben es Deutsche Annington, Gagfah & Co. noch in keinem Jahr in die Liste geschafft. Wer diesmal die Excel-Tabelle mit allen Unternehmen und vergebenen Punkten mit dem Finger nach unten fährt, bleibt an TAG Immobilien als erstem Wohnungsanbieter auf Platz 37 hängen. Weiter unten folgen die kommunalen Gesellschaften GWG (München) und degewo (Berlin).

Reine Wohnungsbauträger scheinen ebenfalls keine bevorzugte Anlaufstelle für angehende Hochschulabsolventen zu sein - gleichwohl sich gerade in diesem Segment vielerorts die Kräne drehen und es bundesweit wie auch lokal agierende Schwergewichte gibt. Es mögen einige Punkte, die Hochtief gegeben wurden, auf die Wohnungsbausparte des Konzerns entfallen. Die erste den Wohnungsbau fokussierende Gesellschaft allerdings ist mit dem Schweizer Unternehmen Peach Property in der Mitte der Gesamtliste zu finden.

Schwach vertreten sind auch die Facility-Manager. Nun sind ein paar Punkte, die Bilfinger und Strabag erhielten, für deren FM-Töchter abgegeben worden. Angesichts dessen jedoch, dass 93 FM-Studenten an der diesjährigen Umfrage teilgenommen haben, stellt sich aber die Frage: Möchten die gar nicht ins Facility-Management-Fach?

Bima knapp jenseits der Top 15

Positiv fällt Patrizia Immobilien, ein in Augsburg ansässiger Konzern mit Wurzeln in der Wohnungswirtschaft, auf. Die Augsburger sind 2011 das erste Mal in die Top-15-Liste gewählt worden, damals noch auf Platz 15. Im vergangenen Jahr ging es hoch auf Rang 12, jetzt belegen sie den achten Platz.

Das mag am Wachstum des Unternehmens liegen, das als Wohnungsprivatisierer startete und sich nun "als Investor und Dienstleister, der die komplette Wertschöpfungskette und alle Immobilienbereiche abdeckt", versteht. Gut möglich aber auch, dass der Kauf der beiden großvolumigsten Wohnungsportfolios, die in den vergangenen beiden Jahren angeboten wurden (LBBW Immobilien, GBW), nachhaltigen Eindruck bei den Nachwuchskräften hinterließ. Patrizia stand dabei beide Male an der Spitze eines Investorenkonsortiums.

Es sei noch ein potenzieller Arbeitgeber erwähnt, der die Top-15-Liste zuletzt immer knapp verfehlt hat: die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Sie bekommt in den kommenden Jahren einiges zu tun: Amerikanische und britische Streitkräfte sowie die Bundeswehr geben insgesamt knapp 40.000 ha für die zivile Nutzung frei. Womöglich braucht sie deshalb mehr Personal. Derzeit sind jedenfalls 17 Stellen ausgeschrieben, darunter in den Sparten Portfoliomanagement, Baumanagement und Wertermittlung.

Was wir wollen

#B2V5R#

"Ich wünsche mir Sicherheit und Perspektive, sprich einen krisensicheren Job mit guten Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie einer betrieblichen Altersvorsorge. Sehr wichtig ist mir, dass das Unternehmen floriert und auch positive Zukunftsaussichten hat."

Thea Martin, 33

Hochschule Mittweida, Immobilienmanagement und Facilities Management

"Ich suche ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Aufgabenspektrum, gepaart mit Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen. Von kleineren Unternehmen habe ich einen sehr positiven Eindruck. Allerdings ist der Reiz sehr groß, sich in einem Top-Unternehmen beweisen zu können."

#B3V5R#

Thorben Breitkopf, 25

Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Immobilienwirtschaft und -management

"Die Vergütung sollte immer meiner Qualifikation angemessen sein. Allerdings sind mir Perspektiven, verantwortungsvolle Aufgaben und die Möglichkeit, im Job etwas zu bewirken und zu erreichen, wichtiger. Geld allein motiviert mich nicht."

Britta Eckert, 24

#B4V5R#

Hochschule Aschaffenburg, Internationales Immobilienmanagement

"Ob ich bei einem kleinen XY-Unternehmen oder bei einem Marktriesen arbeite - mir ist das einerlei. Das Wichtigste ist die Freude am Job. Den für mich perfekten Arbeitsplatz zu finden ist wie Glück in der Liebe zu haben."

Enno Peters, 27

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Immobilienwirtschaft

Christine Rose

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"Die Familienstory hilft bei Hochinstitutionellen"

Bärbel Schomberg umringt von ihren Söhnen Tim (links) und Philipp (rechts).

Bärbel Schomberg umringt von ihren Söhnen Tim (links) und Philipp (rechts).

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Harald Thomeczek

Karriere15.08.2019
Bärbel Schomberg ist eine der ganz wenigen Immobilienfrauen, die so gut wie jeder aus der Branche kennt. Sie ist das einzige weibliche Vorstandsmitglied des ZIA. Sie war Vorsitzende der ... 

Bärbel Schomberg ist eine der ganz wenigen Immobilienfrauen, die so gut wie jeder aus der Branche kennt. Sie ist das einzige weibliche Vorstandsmitglied des ZIA. Sie war Vorsitzende der Geschäftsführung von Aberdeen Immobilien - Schrägstrich: Degi - und Geschäftsführerin von Allianz Immobilien, Commerz Grundbesitz und SEB Immobilien-Investment. Vergangenes Jahr hat die heute 68-Jährige ein ganz besonderes Kapitel aufschlagen: Sie ist mit ihren beiden Söhnen Tim (37) und Philipp (34) unter die Familienunternehmer gegangen - und fühlt sich frei wie nie.

"Familie Schomberg wird Investmentmanager", titelte die Immobilien Zeitung (IZ) im Oktober 2018. Da gingen Mutter und Söhne, pünktlich zur Immobilienmesse Expo Real in München, als Kingstone Investment Management an den Start. Ein knappes Jahr später sitzt Bärbel Schomberg, die satte "40 Jahre Erfahrung in der Immobilienbranche" auf die Waage bringt, wie Sohn Philipp respektvoll anmerkt, in Wiesbaden mit ihren Filii mit der IZ am Tisch.

Es sei schon lange ihr innigster Wunsch gewesen, versichern die drei Schombergs, gemeinsame Sache zu machen. Zuvor wollten die Söhne jedoch, sagen sie, sich ihre "ersten Sporen außerhalb des Familienverbunds" respektive "außerhalb der Gesellschaften, in denen unsere Mutter tätig war", verdienen.

Philipp ging für drei Jahre nach London (Helaba, PGIM) und danach für sechs Jahre in den Nahen Osten, wo er für den Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi Immobilieninvestments in Europa auslotete. "Das war ein toller Zugang zu Investmentmöglichkeiten. Ich saß buchstäblich an der Ölquelle."

"Nach der Rückkehr von Philipp aus der Wüste", wie sein Bruder scherzhaft formuliert, sahen die Drei den rechten Moment gekommen, das längst durchskizzierte Kapitel in ihrem Familienbuch in die Wirklichkeit zu übersetzen und aus der "fremden Konzernwelt" mit ihren "Angestelltenverhältnissen" ins "originäre Familiengeschäft" überzusetzen. "Das war immer schon unser Plan", betont Philipp.

Wer glaubt, den Schomberg-Brüdern liege die Immobilie im Blut, liegt - nicht ganz falsch. "Wir waren mit unserer Mutter von Tag eins an live dabei", erinnert sich Tim. "Am Abendbrottisch verfolgten wir die verschiedenen Fondsgesellschaften mit", und in den Ferien ging es zu "Objektbesichtigungen nach Rom, Mailand oder London".

Die Mutter habe die beiden Sprösslinge "nie in die Immobilienrichtung gepusht", versichert Philipp. Eine gewisse Lenkungswirkung entfaltete der Beruf der Mutter gleichwohl: Philipp machte schon als Schüler ein Praktikum beim Vorgängerunternehmen von Cushman & Wakefield. Und erwarb später an der Cass Business School in London seinen Masterabschluss in Real Estate.

Tim studierte Jura und fand als "Quereinsteiger" in die Immobilienwirtschaft. Auch er wurde nicht im Frankfurter Dunstkreis seiner Mutter tätig, sondern ging nach seinem Studium in Bonn nach München zu Catella Real Estate. Nicht, dass der Eindruck entsteht, die Mutter habe ihre Kinder mit Vitamin B beflügelt: "Wir waren im Alltag völlig autark", betont Tim, der sechseinhalb Jahre in Diensten von Catella stand, erst als Fondsmanager, dann als Leiter Business Development Institutionals. Und im Ehrenamt Meriten als Chair des Young Leaders Committee von ULI (Urban Land Institute) Germany sammelte.

Verglichen mit den zielgerichteten Berufswegen ihrer Söhne war die Karriere von Bärbel Schomberg "nicht wirklich geplant. Es gab viele glückliche Zufälle." Schomberg Senior ist eigentlich ausgebildete und diplomierte Rechtspflegerin und hat in diesem Job auch auf dem Notariat und Grundbuchamt gearbeitet - aber nur zwei Jahre. Dann gab sie ihre Beamtenurkunde wieder zurück, nicht zur Freude ihrer Eltern. Die Begründung: "Als Beamter muss man seinem Dienstherrn zur Verfügung stehen und mal hier- und mal dorthin wechseln." Sich kommandieren und versetzen lassen - das passte ihr nicht.

So kam sie Ende der 70er Jahre in die Immobilienbranche, genauer: zur Dresdner-Bank-Tochter Degi, der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds. Dann bekam ihre Karriere den entscheidenden Schubser: Bärbel Schomberg wurde die Stelle als Geschäftsführerin bei SEB Immobilien-Investment angetragen. Obwohl ihr ältester Sohn damals erst zehn Jahre alt war, habe sie nicht lange überlegt: "Hopp oder topp, sonst ist die Chance weg." Aus dieser ersten Geschäftsführerposition hätten sich alle weiteren gewissermaßen ergeben.

Jetzt sind Mutter und Söhne wieder vereint. Auf ihre ehemaligen Arbeitgeber wollen sie nichts kommen lassen. Sie machen aber auch keinen Hehl daraus, dass sie die Tätigkeit im Familienunternehmen als Befreiung erleben. Für die "innovativen Fondskonzepte", die ihnen vorschwebten, seien Konzernstrukturen - so nötig sie im streng regulierten Investment- und Fondsgeschäft auch seien - mit ihren "langwierigen Entscheidungsprozessen" einfach "Hemmschuhe".

Schombergs formulieren diplomatisch: Sie kämen aus "sehr geschätzten Prozessen". Die Leitplanken, die sie in ihren alten Jobs verinnerlichten, seien ein "gutes Gerüst" für einen streng regulierten Investmentmanager. Doch innerhalb des unverrückbaren Rahmens könnten sie nun "frei agieren" und Ideen umsetzen, wo sie früher an Grenzen gestoßen seien. Die Entscheidung für oder gegen ein Konzept oder einen Ankauf, ergänzt Mutter Bärbel, ergebe sich aus der wirtschaftlichen Berechnung - und einem Schuss Bauchgefühl. "Einen Dissens hatten wir bisher nicht", beteuert sie.

Das ist keine Selbstverständlichkeit: "In jeder Firma geht es viel um Politik", drückt sich Philipp vorsichtig aus. Als Staatsbediensteter im Emirat Abu Dhabi lernte er extrem starre Strukturen und Hierarchien kennen - und machte nicht immer angenehme Bekanntschaft mit kulturellen Differenzen. Jetzt hat Philipp nach eigenem Bekunden zwar noch mehr zu tun als früher - und nicht etwa weniger -, kann aber "direkt die Ergebnisse sehen, wenn ich etwas anpacke". Und sich mittags auch mal um seine Kinder kümmern und/oder von zuhause arbeiten. Dafür hängt er abends zwar das eine oder andere Stündchen dran, besser fürs Familienleben sei es aber allemal, sein eigener Chef zu sein.

Vorteile bietet das Familienunternehmertum auch in der Vermarktung. Auf der Website von Kingstone Investment Management (IM) steht zu lesen: "Wir verstehen uns mit unserer erstklassigen Marktkenntnis in Sachen Immobilien-Investments für alle Investment-Stile als Ihr vertrauenswürdiger und professioneller Ansprechpartner in Deutschland. Dafür stehen wir als Familie Schomberg mit unserem Namen." Das erinnert an den Spruch des Babykostherstellers Claus Hipp, der in seinen Werbespots die Bioqualität seiner Breie betonte und am Ende jedes Werbespots in die Kamera sagte: "Dafür stehe ich mit meinem Namen."

Bei der Zielkundschaft scheint dieses Argument auch zu ziehen: "Die Familienstory hilft bei hochinstitutionellen Investoren. Die wissen, dass wir noch in fünf oder zehn Jahren da sein werden", sagt Philipp. Speziell Investoren aus dem Nahen Osten vertrauten "erst mal gar keinem, weil sie in der Vergangenheit schon so oft über den Tisch gezogen wurden".

Hilfreich ist im Erstkontakt mit Anlegern, die von einer hierarchischen Denkweise geprägt sind, zudem die Seniorität von Bärbel Schomberg: Wenn sie und Tim sich als Geschäftsführer von Kingstone IM vorstellen, legt sie dem institutionellen Zielkunden aus Nah und Fern als erstes ihren geballten Erfahrungsschatz dar: Commerzbank, Dresdner Bank, Allianz, SEB, selbstständige Beraterin. "Auch das schafft Vertrauen", weiß Philipp. Später werden die Rollen getauscht: Sohn Tim rückt in die Lead-Position, Mutter Bärbel schlüpft zurück in ihre Hauptrolle, nämlich die der "Innenministerin". So kümmerte sie sich gemeinsam mit der beauftragten Service-KVG Universal-Investment um die Auflegung des ersten Spezialfonds.

Die erste Beurkundung eines Bürogebäudes in Deutschland für den Mitte Mai aufgelegten Fonds, den Kingstone IM als Gemeinschaftsunternehmen der Familie Schomberg (Mehrheitsanteil) und Pegasus Capital Partners (Minderheitsgesellschafter) mit dem Geld von Sparkassen und Genossenschaftsbanken befüllt, ging am Tag nach dem Besuch bei der IZ über die Bühne. Insgesamt soll sich Kingstone schon drei Objekte für zusammen rund 90 Mio. Euro gesichert haben.

Was die Schombergs noch vorhaben? "Eine Patrizia wollen wir nicht werden", lacht Mutter Schomberg. Heute zählt das Unternehmen neben den drei Gründern fünf Vollzeit- und weitere Teilzeitkräfte, Freelancer und Werkstudenten nicht miteingerechnet. Auf Dauer werde sich eine Mitarbeiterzahl "zwischen 15 bis 17" wohl "nicht vermeiden lassen". Nämlich dann, wenn weitere Kapitalzusagen für Fonds und Individualmandate hereinflattern. Investoren aus dem Nahen Osten oder Korea an Land zu ziehen, darum bemüht sich speziell Philipp mit seiner einschlägigen Erfahrung. Anlegern wie diesen wolle man, sagt er, als "Abkürzung" dienen. Sonst investierten diese über den Umweg Londoner Private-Equity-Fonds in Deutschland.

Der Name Kingstone Investment Management ist international sicher salonfähig. Namensgeber ist das reiche Taunusstädtchen Königstein im Frankfurter Speckgürtel, zugleich Familiensitz der Schombergs. Wer sich spätestens jetzt an Kingstone Capital Partners erinnert fühlt, dem sei bestätigt: Das ist der Venture-Capital-Geber aus dem Hause Schomberg. Proptechs aufzuspüren, in die zu investieren sich lohnt, ist der Beritt von Philipp. Was man ihm, der mit seinem Vollbart und ohne Krawatte optisch das Gegenstück zu seinem glattrasierten und mit einer Krawatte bestückten Bruder bildet, irgendwie ansieht.

Befürchtungen, unterschiedliche geschäftliche Auffassungen könnten irgendwann die Familie entzweien, können Schombergs nicht teilen: "Man kann sich als Familie direkter die Meinung sagen und schneller zu einem Ergebnis kommen", hält Tim dagegen. "Mit einem Freund wäre das Risiko viel größer, sich auseinanderzudividieren." Und, springt Bruder Philipp bei, bei Schombergs gebe es auch "keine Agitation im Hintergrund".

Harald Thomeczek

Frauen machen Immobilienvertrieb oft besser und auf jeden Fall anders

Immobilienverkäuferinnen verkaufen das Produkt Wohnung oder Büro häufig empathischer und emotionaler.

Immobilienverkäuferinnen verkaufen das Produkt Wohnung oder Büro häufig empathischer und emotionaler.

Quelle: Fotolia.com, Urheber: Kzenon

Karriere13.08.2019
Noch immer ist der Immobilienvertrieb eine Männerdomäne. Der Fertighaushersteller Bien-Zenker hat nun eine Initiative für mehr Frauen in diesem Bereich gestartet. Denn offenbar scheuen ... 

Noch immer ist der Immobilienvertrieb eine Männerdomäne. Der Fertighaushersteller Bien-Zenker hat nun eine Initiative für mehr Frauen in diesem Bereich gestartet. Denn offenbar scheuen viele Damen eine Bewerbung als Verkäuferin. Dabei suchen Maklerhäuser händeringend nach neuen Mitarbeitern und eben Mitarbeiterinnen.

Im beschaulichen Schlüchtern in der Nähe von Fulda liegt der Sitz des Fertighausherstellers Bien-Zenker. Dem Unternehmen geht es gut, die Produkte finden großen Absatz. Doch was fehlt, sind neue Mitarbeiter im Vertrieb. Oder auch Mitarbeiterinnen. Gerade Letztere zu finden, sei aber gar nicht so einfach, klagt Friedemann Born, Geschäftsbereichsleiter des Vertriebs bei Bien-Zenker. Eines der Hindernisse: "Frauen gehen seltener den Schritt in die Selbstständigkeit als ihre männlichen Kollegen." Diese Zurückhaltung sei allerdings nicht nur ein spezielles Problem der Immobilienbranche, sondern auch in anderen Bereichen. "Dabei sind einige unserer erfolgreichsten Verkäufer Frauen", freut sich Born. Nicht zuletzt deshalb hat das Unternehmen bereits im März seine erste Initiative für mehr Frauen im Fertighausvertrieb gestartet. Vor einigen Wochen folgte der zweite Teil der Aktion. "Wir wollen möglichst vielen Interessentinnen Mut machen, den Einstieg zu wagen." Allein für die erste Veranstaltung habe es über 40 Anmeldungen gegeben, freut sich Thomas Berger, der den Bien-Zenker-Campus leitet und auch die Moderation der interaktiven Frage-und-Antwort-Runde übernahm. Für die zweite Runde meldeten sich dann 60 Damen.

Die Informations- und Frageaktion lief interaktiv, zwei Mitarbeiterinnen aus dem Vertrieb waren Online zugeschaltet. Es sei in erster Linie darum gegangen, vorhandene Bedenken auszuräumen, sagt Berger. Und die Aktion sei natürlich auch dazu gedacht gewesen, auf das umfangreiche hauseigene Schulungssystem mit Präsenzveranstaltungen und E-Learning-Komponenten hinzuweisen. "Niemand muss Angst haben, nur weil sie oder er noch nie etwas mit der Hausbaubranche zu tun hatte."

Insgesamt knapp 150 Hausverkäufer sind derzeit für Bien-Zenker tätig, darunter rund 25 Frauen. Das sind folglich unter 20% der als Selbstständige tätigen Mitarbeiter. "Unser Unternehmensziel ist es, diesen Prozentanteil zu steigern", sagt Born. Denn es zeigt sich beim Unternehmen, dass die Damen im Vertrieb im Schnitt die besseren Ergebnisse bringen: "Bei den jährlichen Auszeichnungen der Topverkäufer lag der Anteil der Frauen in den vergangenen Jahren konstant überproportional hoch zwischen 30% und 40%." Rund drei Monate nach dem Start der Initiative sei aber noch keine Veränderung in der Personalstruktur erkennbar. Es habe aber eine ganze Reihe vielversprechender Bewerbungen gegeben, bei denen die Gespräche noch andauerten, erklärt Born. Konkrete Zahlen dazu nennt Bien-Zenker deshalb lieber noch nicht.

Detaillierte Angaben zum Anteil der Immobilienverkäuferinnen in Deutschland gibt es derweil nicht. Eine Statistik zum Thema fehlt offenbar. Auffällig zurückhaltend wird das Thema auch bei vielen Marktakteuren behandelt, vermutlich nicht zuletzt wegen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Eines der Unternehmen, das namentlich nicht genannt werden will, bringt es auf den Punkt: Mit genauen Zahlen über den Frauenanteil könne man sich angreifbar machen. Der Männeranteil scheint noch sehr hoch zu sein.

Und sogar Wirtschaftspsychologen und Marktbeobachter geben sich, angesprochen auf dieses Thema, überraschend zurückhaltend. So sagt es beispielsweise Florian Becker, Experte für Personalpsychologie und an sich mit dem Thema durchaus vertraut, offen heraus, warum er sich nicht zum Thema äußern möchte: "Wir haben dazu zu wenige spezifische belastbare Daten, die freigegeben sind."

Annegret Möllersheim vom Lübecker Unternehmen Möllersheim Immobilien, spricht ihren Wunsch dennoch direkt auf ihrer Netzseite an: "Wir hätten gerne noch mehr Frauen als Makler bei uns, jedoch bewerben sich überwiegend Herren bei uns - was, wie wir vermuten, an dem falschen Jobbild des Maklers in Deutschland liegt." Dabei könnten Frauen oft die Leidenschaft und die Emotion des Immobilienverkaufs und -kaufs leichter transportieren. Denn nur wer auch begeistert von der zu verkaufenden Immobilie sei, könne diese auch erfolgreich verkaufen. "Aktuell haben wir zwei neue Mitarbeiterinnen eingestellt und hoffen noch auf viele weitere Bewerbungen."

Ein Grund für die Zögerlichkeit bei der Bewerbung von Frauen im Hausvertrieb könnte auch die in den meisten Fällen von den Unternehmen präferierte Selbstständigkeit sein. Viele Häuser setzen auf Freelancer. "Sie können dadurch beweglicher auf Auftragsschwankungen reagieren und haben geringere fixe Personalausgaben", schrieb Peter Schürrer, Chef der Schürrer & Fleischer Immobilien, jüngst in einem Kommentar in der Immobilien Zeitung (siehe "Angestellte sind bessere Makler", IZ 8/19). Er plädiert trotz der genannten Vorteile für mehr feste Angestelltenverhältnisse in diesem Bereich. Darin liege auch die Chance, mehr Frauen für Vertriebstätigkeiten zu gewinnen. "Sie sind häufig die erfolgreicheren Immobilienverkäufer und ziehen meistens ein Angestelltenverhältnis mit mehr Sicherheit einer freiberuflichen Tätigkeit vor."

Doch sind Frauen eigentlich für diesen vermeintlichen Männerjob geeignet, vielleicht sogar besser gerüstet? Die Handelsberaterin Maria Azzarone aus Stuttgart schreibt Frauen einen sehr viel persönlicheren und emotionaleren Charakter zu. Hürden beim Einstieg in die Immobilienvertriebswelt sieht sie nicht. Sie könnten sich besser auf das Gegenüber einlassen. Auch das Einfühlungsvermögen und die Intuition seien viel ausgeprägter. "Empathie ist ein starkes Merkmal von Frauen. Durch aktives Zuhören können sie Kunden besser verstehen und auf die jeweiligen Bedürfnisse eingehen." Männer arbeiteten mehr mit rationalen Fakten und detaillierten Produktmerkmalen. "Immobilien sind etwas Emotionales", findet Azzarone, ein solches Objekt könne man mit Leben füllen. Sätze wie: "Eine wunderschöne Dachwohnung, in der Sie sich zu Hause fühlen", könnten hier Tore öffnen. Ob Frauen die besseren Immobilienvertrieblerinnen sind, möchte die Handelsfachwirtin aber dann doch nicht pauschal beantworten. "Ein Mix aus männlichen und weiblichen Verkäufern ist sinnvoll." Wichtig sei auch der Austausch mit anderen erfolgreichen Berufskollegen innerhalb und außerhalb des Unternehmens. "Der Dialog untereinander ist wichtig - auch das Knüpfen von Netzwerken." Azzarone hat aber auch Schwächen von Damen im Vertrieb ausgemacht: "Frauen haben häufig Selbstzweifel und nehmen alles viel zu persönlich." Klappe etwas nicht, werde viel reflektiert und an sich gezweifelt. Hier sei die emotionale Ebene weniger hilfreich.

"Frauen müssen oft einfach selbstbewusster und konsequenter sein", fordert die Geschäftsführerin des Karlsruher Maklerunternehmens Immowenk, Vanessa Wenk, in einem Interview beim Frankfurter Unternehmensberater Xenagos. "Frauen denken häufig, dass ihnen die entsprechenden Kompetenzen fehlen." Männer dagegen könnten mögliche Defizite besser durch markantes Auftreten überspielen. Damen müssten professionell - auch was die Kleidung angeht - auftreten, um in der Männerdomäne Immobilienvertrieb klarzukommen. Aber auch sie sieht in Frauen nicht pauschal die besseren Vertriebler: "Es geht doch letztlich nicht um Männlein oder Weiblein, sondern um Erfolg."

Wenk schätzt übrigens den Frauenanteil im Immobilienvertrieb in Deutschland auf derzeit etwa 15%. Sollte das so sein, schlummert in Zeiten des Fachkräftemangels noch ein großes Potenzial. Die Informationsveranstaltung von Bien-Zenker könnte also durchaus Schule machen.

Daniel Rohrig