Marktwert von Bauingenieuren steigt

Bau- und Projektleiter haben zurzeit gut lachen, sagen Headhunter.

Bau- und Projektleiter haben zurzeit gut lachen, sagen Headhunter.

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Karriere08.06.2017
Bauingenieure verdienen traditionell schlechter als Ingenieure anderer Fachrichtungen. Laut aktuellen Untersuchungen sind die Gehälter von Bauingenieuren auch 2016 kaum gestiegen. ... 

Bauingenieure verdienen traditionell schlechter als Ingenieure anderer Fachrichtungen. Laut aktuellen Untersuchungen sind die Gehälter von Bauingenieuren auch 2016 kaum gestiegen. Headhunter sehen aber deutlich höhere Werte.

So hat die Gehaltsstudie des Karriereportals ingenieurkarriere.de im VDI Verlag zutage gefördert, dass Ingenieure mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung 2016 im Baugewerbe bzw. in Ingenieur- und Planungsbüros im Schnitt ein Bruttojahresgehalt von 50.400 bzw. 50.500 Euro erhielten. Damit hinken Bauingenieure ihren Kollegen aus anderen Fachrichtungen hinterher: Im Durchschnitt verdient ein Ingenieur laut dieser Studie 61.600 Euro. Für die Untersuchung machten 7.341 Ingenieure zwischen Januar und Dezember 2016 Angaben zu ihrem Gehalt. Am besten bezahlen Arbeitgeber aus der Chemie- und Pharmaindustrie (83.000 Euro).

Im Vorjahresvergleich sind die Gehälter von Bauingenieuren überraschenderweise kaum gestiegen bzw. sogar gesunken: Beim Gehaltstest im vergangenen Jahr hatte ingenieurkarriere.de Ingenieure im Baugewerbe sowie in Ingenieur- und Planungsbüros bei 51.450 Euro bzw. 50.000 Euro verortet.

Zahlen der Gehaltsdatenbank Gehalt.de sprechen eine ähnliche Sprache. Auch in dieser Auswertung für den FAZ-Gehaltsatlas tragen Bauingenieure im Branchenvergleich die rote Laterne. Allerdings wurde hier ein höheres Durchschnittsgehalt von 53.750 Euro ermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dieser Wert nur einen leichten Anstieg von 1,2% (2015: 53.138 Euro). Über alle Fachbereiche und Branchen hinweg verdient ein Ingenieur laut dieser Studie 2017 im Schnitt 67.681 Euro.

Headhunter taxieren die Gehälter für Bauingenieure höher: Richard-Emanuel Goldhahn, Geschäftsführer der Firma Cobalt Recruitment, spricht von Jahresgehältern von durchschnittlich 65.000 bis 75.000 Euro - Tendenz deutlich steigend: Weil die Baubranche boomt, "sind die Unternehmen bereit, 10%ige Gehaltssteigerungen mitzugehen". Was offenbar auch nötig ist: "Erfahrene Kandidaten finden wir nicht für 50.000 Euro."

Goldhahn will diese Zahlen jedoch richtig eingeordnet wissen: Mit solchen Gehältern dürften nur gut ausgebildete Kandidaten rechnen, die fünf bis zehn Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hätten und im besten Fall auch gewisse Spezialkenntnisse vorweisen können, z.B. im Building Information Modeling (BIM). Im Einzelfall komme es immer u.a. auf die Branche, die Unternehmensgröße, die Region, die Assetklasse und die Spezialisierung des Kandidaten etc. an. Hinzu komme: "Die Qualifikation sagt noch nichts über die Funktion aus, die jemand in einem Unternehmen ausübt."

Auch Michael Harter, geschäftsführender Gesellschafter von Westwind Karriere, setzt den Wert erfahrener Bauingenieure höher an als die genannten Studien. "Wir haben 2016 und 2017 eine signifikant hohe Anzahl von Bauingenieuren mit Jahreszieleinkommen zwischen 80.000 und 300.000 Euro besetzt", berichtet Harter. Gerade in den letzten Jahren sind die Gehälter insbesondere von Bau- und Projektleitern im Schlüsselfertigbau im Allgemeinen ebenso wie im Ingenieur-, Wohnungs- oder Gewerbebau kräftig angezogen: "Realisiert wurde dies zu einem erheblichen Anteil durch Unternehmenswechsel und, ab der Hierarchiestufe Projektleiter aufwärts, durch außertarifliche Eingruppierungen." Am gefragtesten seien derzeit technische Projektleiter mit mehrjähriger Berufserfahrung im Wohnungsbau.

Tim Fior, Leiter Construction bei Westwind, siedelt das Gehalt von Projektleitern mit mehr als acht Jahren Berufserfahrung und Track-Record mit anspruchsvollen Bauvorhaben bei über 80.000 Euro an. Zum Vergleich verweist Fior auf den Rahmentarifvertrag für u.a. die Angestellten im Baugewerbe (RTV West): Projekt- und Oberbauleiter, die in der Gruppe A IX bis X eingruppiert werden, kommen auf rund 69.000 Euro bis 75.000 Euro. Bauingenieure, die als Bauleiter in mittelständischen Bauunternehmen und Baukonzernen agieren (Gruppe A VI bis IX), erhalten ca. 50.500 Euro bis 69.000 Euro brutto im Jahr.

Harald Thomeczek

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Es gibt keine Schwacke-Liste für Immobilienprofis

Michael Harter.

Michael Harter.

Quelle: Westwind Real Estate Executive Search GmbH

Karriere29.08.2019
Arbeitgeber fragen Michael Harter, Chef der Personalberatung Westwind Karriere, gelegentlich, was z.B. eine Asset-Managerin mit acht Jahren Erfahrung in Hamburg kosten darf. Eine Antwort auf ... 

Arbeitgeber fragen Michael Harter, Chef der Personalberatung Westwind Karriere, gelegentlich, was z.B. eine Asset-Managerin mit acht Jahren Erfahrung in Hamburg kosten darf. Eine Antwort auf Heller und Pfennig bleibt er dann schuldig.

Sorry, eine haarscharfe Antwort auf diese Frage ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt einfach keine Schwacke-Gebrauchtwagenliste für Immobilienprofis. Eine Asset-Managerin mit acht Jahren aufgabenspezifischer Berufserfahrung in Hamburg kann man nicht so bepreisen wie einen acht Jahre alten Mercedes SLK 300. Für eine Gehaltsverhandlung bringen die genaue Analyse des Track-Records beispielsweise eines Akquisiteurs und eine realistische und attraktive Zielvereinbarung deutlich mehr als ein bundesweiter Gehaltsdurchschnitt von, sagen wir mal, 98.725 Euro. Zahlen wie diese stellen eine akademisch wirkende Scheinwahrheit dar, denn jede Assetklasse, jede Region, jede Stadt und auch jede Unternehmenskultur etc. muss für sich genommen betrachtet werden.

Ein Projektentwickler oder ein Wohnfondsmanager kann in der gleichen Stadtregion 10.000 bis 20.000 Euro mehr verdienen als bei der Konkurrenz. Dies kann u.a. an der abweichenden Unternehmens- und Vergütungskultur liegen, die wiederum stark vom Hintergrund des Unternehmens - Bank, Baukonzern, Heuschrecke, familiengeprägtes Traditionsunternehmen - abhängt. Zudem hat jede Firma eine andere Art von Erfolgs- bzw. Unternehmenspartizipation, die nur bedingt einen Niederschlag in einer Statistik findet. Die Frage, was eine Asset-Managerin mit acht Jahren einschlägiger Erfahrung in Hamburg kosten darf, lässt sich daher nur mit einem Vergütungskorridor angemessen beantworten.

Vergütungsübersichten sind daher grundsätzlich sehr kritisch zu hinterfragen: Ist eine ausreichende Empirik pro Position gegeben? Wer wurde berücksichtigt und wer nicht? Wenn es pro A-Stadt maximal nur zwanzig Asset-Manager mit Logistikportfolio gibt, dann hinkt der Vergleich, weil es zu wenige Fälle gibt. Andererseits: Alle Asset-Manager, gleich welcher Nutzungsart, in einen großen Topf zu werfen, ist auch nicht zielführend. Im Bürosegment werden Asset-Manager schließlich anders vergütet als im Wohnsegment - und im Wohnsegment wieder anders als im Logistikbereich.

Den Durchschnitt aus bundesweit z.B. fünfzig Werten auszurechnen, ist - unabhängig von der Methodik - aufgrund der Heterogenität und Pluralität der deutschen Immobilienwirtschaft irreführend. Zwar ist ein Großteil der relevantesten Arbeitgeber an den sieben bis zehn wichtigsten Standorten zu finden. Doch die Masse beispielsweise der Hausverwalter und Makler arbeitet gerade in den C- und D-Städten, und dort werden deutlich niedrigere Gehälter bezahlt als in den A-Städten.

Lesen Sie auch die aktuelle Titelgeschichte "Lukrative Gehaltspakete".

Michael Harter

Lukrative Gehaltspakete

Die Gehaltspakete in der Immobilienbranche sind zwar unterschiedlich groß - ganz kleine gibt es allerdings nicht.

Die Gehaltspakete in der Immobilienbranche sind zwar unterschiedlich groß - ganz kleine gibt es allerdings nicht.

Quelle: Fotolia.com, Urheber: yang; IZ-Montage

Karriere29.08.2019
Der Höhenflug der Immobilienwirtschaft dauert an. Das lässt sich an den Gehältern ablesen, die Fachkräfte und Führungspersonal verdienen. Eine Studie von Kienbaum und dem Zentralen ... 

Der Höhenflug der Immobilienwirtschaft dauert an. Das lässt sich an den Gehältern ablesen, die Fachkräfte und Führungspersonal verdienen. Eine Studie von Kienbaum und dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), die der Immobilien Zeitung exklusiv vorliegt, gibt Aufschluss über branchenübliche Vergütungen.

Die historischen Niedrigzinsen haben die Immobilienmärkte beflügelt und Investoren rund um den Globus nach Deutschland gelockt. Mit der künstlich angekurbelten Nachfrage nach Immobilienprodukten ist auch die Nachfrage nach den Leistungen von Projektentwicklern, Vermögensverwaltern oder Fondsmanagern gestiegen. Und mit ihr der Preis für Personen, die diese Leistungen erbringen.

"Die Branche befindet sich in einem enormen Aufschwung. Das schlägt sich in den Gehältern nieder, insbesondere in den variablen Anteilen. Viele Unternehmen befinden sich in einem extremen Wachstum, gerade in der Projektentwicklung", sagt Philipp Fank, Vergütungsexperte bei Kienbaum. Die Personal- und Managementberatung hat in den vergangenen Monaten zusammen mit dem ZIA eine Umfrage unter Immobilienunternehmen zum Themenkomplex Vergütung durchgeführt. Rund 20 Unternehmen haben 8.207 Datensätze für 88 abgefragte Positionen beigesteuert.

Laut der Kienbaum-Studie sind die Gehälter in der Immobilienbranche von 2018 auf 2019 im Durchschnitt um 3,4% gestiegen. "Das ist ein realistischer Wert, der leicht über anderen Branchen liegt", sagt Kienbaum-Berater Fank. Er spricht von gutem, aber nicht übertriebenem Wachstum: "Die Unternehmen warten nicht mit überproportional hohen Gehaltserhöhungen auf."

Allerdings, räumt Fank ein, sei nicht auszuschließen, dass die teilnehmenden Unternehmen sich an dieser Stelle nur auf die Entwicklung der Grundgehälter beziehen und die variablen Vergütungsanteile ausklammern - die in der Immobilienbranche traditionell jedoch eine große Rolle spielen, insbesondere bei sehr erfahrenen Spezialisten, z.B. in der Projektentwicklung oder im Investment-Management. Und in Zeiten wie diesen, wo viele Immobilienunternehmen gute Geschäfte machen, dürften die Boni deutlich stärker zulegen als die Grundgehälter. Fast alle Personen auf Leiterebene und ca. drei Viertel der Spezialisten erhalten der Studie zufolge eine kurzfristige variable Vergütung, die eine einjährige Bemessungsgrundlage hat bzw. zu einer einjährigen Auszahlung führt.

Die leistungsabhängigen Gehaltsanteile machen ein nicht zu vernachlässigendes Stück vom Kuchen aus. Bei Führungskräften entfällt laut der Erhebung mehr als ein Viertel (27%) vom Gesamtgehalt auf die variable Vergütung. Bei Fachkräften bzw. Spezialisten sind es ebenfalls nicht unerhebliche 15%. Diese Prozentangaben zur variablen Vergütung sind Durchschnittswerte. Im Einzelfall können die Boni-Anteile deutlich höher liegen. "In der Branche geht viel über Boni", stellt Fank fest.

Boni spielen eine große Rolle in der Immobilienbranche

"Variable Vergütungsmodelle sind in den Bereichen Leasing und Transaktion ausgeprägter als in den Bereichen Asset-Management oder Controlling", berichtet Michael Harter, geschäftsführender Gesellschafter von Westwind Real Estate Executive Search. Kämen in den beiden erstgenannten Bereichen 30% bis 40% des Fixgehalts als Bonus obendrauf, seien in den beiden anderen Sparten eher 10 bis 25% üblich. Nicht zu vergessen: "Mit einer steigenden Führungs- bzw. Leitungsverantwortung steigt auch der variable Anteil." Auf der Geschäftsführungsebene betrage er nicht selten sogar 60 bis 100%.

Die von Kienbaum und ZIA ermittelten Zahlen zeigen auch: Studierte Immobilienexperten können schon in jungen Jahren gutes Geld in Bereichen wie der Projektentwicklung oder dem Fondsmanagement verdienen. In wenigen Jahren sind eminente Gehaltssprünge möglich. Und die Bandbreite der Gehälter ist gewaltig.

Fondsmanager verdienen schon in jungen Jahren ziemlich gut

Zu den besonders lukrativen Jobs unter Fachkräften (ohne Leitungsfunktion) zählt die Tätigkeit des Fondsmanagers. Schon Nachwuchskräfte mit maximal zwei Jahren Berufserfahrung verdienen laut der Kienbaum-Untersuchung im Fondsmanagement im Median 73.600 Euro. Diese Summe gibt das jährliche Bruttojahresgehalt inklusive möglicher variabler Anteile wieder. Fondsmanager, die zwischen zwei und fünf Jahren Berufserfahrung angehäuft haben, kommen im Mittel auf 86.400 Euro. Bei Fondsmanagern, die mehr als fünf Jahre Erfahrung in die Waagschale werfen können, kratzt der Median mit 98.500 Euro an der Sechsstelligkeit.

Der Median ist nicht zu verwechseln mit dem arithmetischen Durchschnitt. Er ist vielmehr der Wert, der das Teilnehmerfeld in zwei Hälften teilt. Heißt hier: Die eine Hälfte der sehr erfahrenen Fondsmanager verdient mehr als 98.500 Euro, die andere weniger. Ausreißer fallen auf diese Weise - anders als beim mathematischen Mittelwert - nicht so sehr ins Gewicht.

Die Immobilienwirtschaft ist ein weites Feld, die Bezahlung fällt sehr unterschiedlich aus. So verdienen Hausmeister im Median 37.000 Euro im Jahr. Sachbearbeiter kommen auf 42.400 Euro. Property- bzw. Facility-Manager liegen deutlich darüber, gehören mit 57.700 Euro aber noch lange nicht zu den Tops of the Pops. In diese Gefilde stoßen schon eher die Developer vor: Die Gruppe der Projektentwickler, -manager und -leiter erzielt inklusive Boni im Median ein Gesamtgehalt von 64.300 Euro. Bauleiter, Bauprojektleiter und Baumanager liegen mit 66.000 Euro auf Augenhöhe. Für Asset-Manager müssen Firmen schon ein paar Schippen drauflegen: 76.000 Euro. Und Fondsmanager sind, wie die Mediane zeigen, deutlich teurer.

Leitende Positionen sind der Studie zufolge deutlich höher dotiert: Mit der Verantwortung für Personal und Budget wächst im Allgemeinen auch die Bezahlung. So kommen (Team-)Leiter im Baumanagement bzw. Oberbauleiter auf 113.900 Euro, Leiter im Asset-Management verdienen 123.500 Euro, Leiter Finanzen & Rechnungswesen bringen es auf 131.400 Euro. Zu den Topverdienern gehören der Untersuchung zufolge Leiter im Vermietungsmanagement mit 151.400 Euro.

Die Studie hat nicht nur Median-Gehälter zu bieten. Die beiden Felder, die durch die Bildung eines Medianwerts entstehen, lassen sich durch sogenannte Quartile ebenfalls in zwei gleich große Felder unterteilen. So zeigt sich die Bandbreite der Gehälter, die sich je nach Tätigkeit, Erfahrungsstufe, Unternehmen etc. auffächern.

Breite Vergütungskorridore innerhalb der Berufsgruppen

Beispiel Fondsmanager mit über fünf Jahren Berufserfahrung: Die Bestverdiener - die oberen 25% also - streichen mehr als 102.200 Euro ein, während die unteren 25% sich mit weniger als 73.100 Euro zufriedengeben müssen. Bei Bauleitern mit einem mittleren Erfahrungshorizont (zwei bis fünf Berufsjahre) beträgt das untere Quartil 63.200 Euro - das obere Quartil liegt mit 89.500 Euro fast 50% höher. Und bei den Projektentwicklern liegen die weniger gut dotierten Youngster (keine bis zwei Jahre Berufserfahrung) unter 46.100 Euro, während für Nachwuchskräfte in der Spitze mehr als 61.100 Euro möglich sind.

Dieses Beispiel zeigt: Berufseinsteiger und Young Professionals verdienen in der Immobilienbranche ziemlich gut, aber nicht übertrieben üppig. Über alle Positionen bzw. Tätigkeitsfelder hinweg erhalten Junior-Mitarbeiter im Median 51.800 Euro. Die Studenten, die sich an der diesjährigen Arbeitsmarktumfrage der Immobilien Zeitung (IZ) beteiligt haben, liegen mit ihren Gehaltserwartungen also nicht so falsch ("Der Nachwuchs will mehr vom Kuchen", IZ 21/2019). Sie wollen nach dem Studienabschluss im Schnitt rund 49.900 Euro von ihrem künftigen Arbeitgeber fordern.

Studenten wissen, was sie wert sind

Da die Kienbaum-Kategorie der Junioren in der aktuellen Gehaltsanalyse nicht nur Einsteiger, sondern auch Young Professionals mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung umfasst, dürften die in der IZ-Umfrage geäußerten Erwartungen des studierenden Nachwuchses allenfalls leicht überzogen sein. Die Bandbreite der Juniorengehälter reicht im Wesentlichen von ca. 45.000 bis 55.000 Euro, "mit Boni sind vielleicht 60.000 möglich", verrät Kienbaum-Berater Fank. "Einstiegsgehälter von mehr als 60.000 Euro sind uns nicht aufgefallen", die Gehälter für Einsteiger seien "lukrativ", bewegten sich aber "nicht in einem extrem hohen Bereich".

Mit der Berufserfahrung und den Aufgaben wächst auch das Gehalt. Spezialisten, die bis zu fünf Jahre Erfahrung angehäuft haben, kommen laut Kienbaum-Studie über alle Bereiche hinweg im Median auf 62.100 Euro. Kollegen aus allen Berufsgruppen mit mindestens fünf Jahren einschlägiger Erfahrung bringen es im Median auf 85.100 Euro.

Pauschalwerte sind jedoch im Einzelfall nicht allzu aussagekräftig: Die Gehälter in der Immobilienbranche differieren stark nach Faktoren wie dem Tätigkeitsfeld, dem Erfahrungs- sowie dem Verantwortungsgrad, den konkreten Aufgaben, der wirtschaftlichen Lage, dem Unternehmen (Umsatzgröße, Mitarbeiteranzahl usw.) oder dem Standort des Unternehmens etc.

"Riesenanstieg" bei technischen Positionen

"Die Gehälter in der Immobilienbranche steigen grundsätzlich an", sagt Inga Beyler, Managing Partner von Bernd Heuer Karriere. Vor allem bei technischen Positionen rund um die Realisierung von Baumaßnahmen, nimmt Beyler einen "Riesenanstieg" wahr. In den vergangenen zwei, drei Jahren seien die Gehälter in diesem Bereich "gefühlt um die 15%" geklettert. Insbesondere "die Forderung nach höheren Fixgehältern" sei "lauter" geworden.

Beylers Beispiel sind Bauleiter. Vor zwei bis drei Jahren verdienten diese noch um die 60.000 Euro im Jahr. Seitdem ein Run auf technische Positionen ausgebrochen ist, sind 70.000 Euro normal - und in der Spitze sogar 80.000 bis 85.000 Euro drin.

In puncto Boni kann Beyler die große Bedeutung variabler Vergütungsbestandteile nur unterstreichen: "Je verantwortungsvoller die Position und je ausgeprägter der unternehmerische Ansatz sind, desto höher wird der variable Anteil." Nach ihrer Erfahrung kann er bis zu einem Drittel oder mehr des Gesamtsalärs ausmachen.

Fürstliche Gehälter in der Königsdisziplin

Bei einem Projektentwickler, der mindestens fünf Jahre dabei ist und seine Rolle komplett eigenständig ausfüllt, kann sich zum Fixgehalt, das Beyler zwischen 85.000 und 120.000 Euro verortet, ein Bonus von 30.000 bis 60.000 Euro gesellen. "Die Projektentwicklung gilt nicht umsonst als Königsdisziplin der Immobilienwirtschaft. Wenn der Projektentwickler in den ersten Leistungsphasen einen Fehler macht, kann es der Projektleiter in der Realisierung nur noch schwerlich auffangen. Die Annahmen des Projektentwicklers entscheiden maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg der Entwicklung - die Wertschöpfung in dieser Position ist immens."

Auch bei Investment-Managern kann der variable Anteil kräftig zu Buche schlagen. Beyler hält hier 100.000 bis 130.000 Euro fix plus - je nach Erfolg - einen Bonus von 40.000 bis 60.000 Euro für realistisch. Investment-Manager, die über das für eine gelungene Transaktion ausschlaggebende Kontaktnetzwerk verfügen und Offmarketdeals beschaffen, seien zurzeit sehr gefragt am Markt.

Nicht ganz so ausgeprägt sind Boni laut Beyler im Fondsmanagement. Hier reiche die übliche Bandbreite der Jahresfestgehälter nach Beylers Erfahrung von etwa 80.000 bis 110.000, 120.000 Euro. Variabel kämen vielleicht noch 20.000 Euro hinzu. Im Asset-Management sieht sie die Spanne bei "Professionals, die ihren Beruf vollends ausfüllen", bei 80.000 bis 100.000 Euro fix und 20.000 bis 40.000 Euro variabel.

"Eigentlich müsste man für jede Firma eine eigene Benchmark durchdeklinieren"

Wer sich nun fragt, ob sein eigenes Gehalt angemessen ist, sei gewarnt: Aggregierte Gehaltszahlen für die Immobilienwirtschaft sind stets mit Vorsicht zu genießen. "Positionsbezeichnungen sind in der Immobilienbranche nicht geschützt. Hinter einem bestimmten Schlagwort wie Asset-Manager verbirgt sich eine ganze Bandbreite an Verantwortungsgraden, Tätigkeitsbereichen und konkreten Aufgaben", erklärt Beyler. "Es gibt zwar ein Grundverständnis in der Branche, aber die Unternehmen haben unterschiedliche Vorstellungen von Positionsbezeichnungen, und am Ende stellt da jedes Unternehmen seine eigenen Regeln auf. Der Asset-Manager z.B. kann mal in Richtung Property-Management, mal in Richtung Portfoliomanagement ausschlagen. Eigentlich müsste man für jedes Unternehmen eine eigene Benchmark durchdeklinieren."

Großzügige Firmenwagenregelung

So sehr die Saläre von Profession zu Profession, von Position zu Position und von Firma zu Firma abweichen mögen, festzuhalten bleibt: Der gute Lauf der Immobilienbranche hält an, und davon profitieren die Beschäftigten, wie die Kienbaum-Studie belegt. Das zeigt sich auch an der, so Fank, "sehr großzügigen Firmenwagenregelung in vielen Häusern". So kommen nicht nur neun von zehn leitenden Angestellten und mehr als die Hälfte der Spezialisten in den Genuss eines Firmenwagens, auch beim Anschaffungsbudget lassen sich die Firmen nicht lumpen. Spezialisten fahren im Median einen Dienstwagen für 46.000 Euro, und auf Führungsebene sind die vom Arbeitgeber bezuschussten Automobile im Median 55.000 Euro wert.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar "Es gibt keine Schwacke-Liste für Immobilienprofis".

Mehr als 8.000 Gehaltsdatensätze

Für den "Real Estate Compensation Benchmark 2019" von Kienbaum und ZIA haben rund 20 Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft 8.207 Datensätze für 88 abgefragte Positionen beigesteuert: Führungskräfte, Spezialisten und Sachbearbeiter. Die Gehaltsdaten wurden allesamt auf Individualebene erhoben. Es handelt sich also nicht um Durchschnittswerte, sondern um aktuelle Ist-Gehälter.

Vier von fünf (81%) der teilnehmenden Unternehmen verdienen ihr Geld mit Gewerbeimmobilien. Ebenfalls 81% mischen bei Wohnimmobilien mit. Mit Einzelhandelsimmobilien, einer Unterkategorie der Gewerbeimmobilien beschäftigen sich knapp zwei Drittel (63%). Bei 13% der Teilnehmer handelt es sich um "Non Property Companies", also Konzerne mit einem großen Immobilienportfolio (Miete/Eigentum).

Das Teilnehmerfeld setzt sich aus unterschiedlich großen und unterschiedlich umsatzstarken Firmen zusammen: So zählen 28% der Unternehmen über 400 Mitarbeiter, 44% fallen in die Kategorie 100 bis 400 Mitarbeiter, und 28% haben weniger als 100 Leute. Was den Umsatz angeht, liegen 22% im Bereich 100 Mio. bis 250 Mio. Euro. Weitere 28% landen unter der 100-Mio.-Euro-Schwelle, dafür knacken 33% die 250-Mio.-Euro-Marke. Eine Minderheit (17%) macht keine Umsatzangabe. hat

Harald Thomeczek

Personalberatung Westwind segelt auf Rekordkurs

Karriere25.09.2017
Die auf die Immobilienbranche spezialisierte Berliner Personalberatung Westwind Real Estate Executive Search zieht vor der Expo Real eine Jahreszwischenbilanz. In puncto Vergütung wird ... 

Die auf die Immobilienbranche spezialisierte Berliner Personalberatung Westwind Real Estate Executive Search zieht vor der Expo Real eine Jahreszwischenbilanz. In puncto Vergütung wird Westwind-Chef Michael Harter nicht müde, Arbeitgebern unter bestimmten Umständen zu etwas mehr Großzügigkeit zu raten.

Westwind hat das Vorjahresergebnis mit "mindestens 75 besetzten Positionen" bereits im September erreicht und befindet sich damit "auf dem Weg zu einem neuen Rekordergebnis", heißt es. Spätestens 2019, also im übernächsten Jahr, will das Unternehmen von Michael Harter die "magische Zielmarke von 100 Platzierungen" knacken. Neuerdings zeigt Westwind wie berichtet auch in Hamburg Flagge.

Technische Projektleiter wollen vorne "mindestens eine Acht" sehen

Die größten Personalengpässe nimmt Westwind wie schon im Vorjahr in der Projektentwicklung und in der Bauwirtschaft wahr. Besonders begehrt seien technische Projektleiter für die Planung und Realisierung von Wohn- und Gewerbeprojekten. "Ohne mindestens eine Acht vor dem Jahreszieleinkommen - Fixum plus Bonus - wird die Luft bei dieser Zielgruppe in den Top-Sieben-Metropolregionen sehr dünn", konstatiert Westwind-Chef Harter.

Übertriebene Sparsamkeit oder Konfliktvermeidung?

"Für viele Unternehmen und Projekte würde es sich auszahlen, Projektleiter auch zu minimal höheren Gehältern einzustellen. Trotzdem sind ihre Angebote an den favorisierten Kandidaten für einen Wechsel häufig nicht attraktiv genug. Manchmal geht es nur um nur wenige Tausend Euro bezogen auf das Jahresgehalt, also um nicht einmal um ein Promille des von einem Projektleiter üblicherweise verantworteten Projektvolumens", schüttelt Harter gleichsam den Kopf. Zeigt andererseits aber auch Verständnis für die Situation der Arbeitgeber: "In der Regel liegt es nicht an übertriebener Sparsamkeit, sondern eher an dem sich nun deutlicher spreizenden Gehaltsgefüge im Team und den daraus früher oder später resultierenden Konflikten im Unternehmen."

Harald Thomeczek