TLG bläst außerordentliche Hauptversammlung ab

TLG-Aufsichtsratschef Michael Zahn hat mit Großaktionär Ouram einen Kompromiss gefunden.

TLG-Aufsichtsratschef Michael Zahn hat mit Großaktionär Ouram einen Kompromiss gefunden.

Quelle: Deutsche Wohnen SE, Urheber: Andreas Pohlmann

Karriere31.01.2019
Hin und Her bei TLG Immobilien: Erst sah Großaktionär Ouram die Handlungsfähigkeit des Aufsichtsrats gefährdet und wollte noch vor der ohnehin im Mai anstehenden Hauptversammlung Fakten ... 

Hin und Her bei TLG Immobilien: Erst sah Großaktionär Ouram die Handlungsfähigkeit des Aufsichtsrats gefährdet und wollte noch vor der ohnehin im Mai anstehenden Hauptversammlung Fakten schaffen. Jetzt übt sich der Investor in Geduld - mit einer Ausnahme.

Investor Amir Dayan und seine Ouram Holding haben jetzt offenbar doch keine Eile mehr bei der Nachbesetzung von Aufsichtsratsposten bei TLG Immobilien. Hatte Ouram den Vorstand der Berliner Gewerbeimmobilien-AG Anfang vergangener Woche noch zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung aufgefordert, zog die Gesellschaft des israelischen Investors ihr Begehren heute zurück.

Ursprünglich hatte Ouram die Handlungsfähigkeit des Aufsichtsrats bedroht gesehen - das Kontrollgremium ist zurzeit nicht vollständig besetzt, weitere Mandate laufen aus und Aufsichtsratschef Michael Zahn, der hauptberuflich CEO der Deutsche Wohnen ist, will sein Amt definitiv auf der Hauptversammlung im Mai 2019 niederlegen - und forderte ein außerplanmäßiges Aktionärstreffen im März zur Neubesetzung von insgesamt vier der sechs Aufsichtsratsposten. Die entsprechenden vier Kandidaten hatte Ouram auch schon parat.

Nolting-Posten wird sofort nachbesetzt - HV am 21. Mai

Nun gibt sich der größte Minderheitsaktionär der TLG (gut 23%) mit folgender Lösung zufrieden: Jonathan Lurie, einer der vier Wunschkandidaten von Ouram, tritt sofort in die Fußstapfen von Claus Nolting, der sein Amt Ende 2018 nach über vier Jahren aus freien Stücken niedergelegt hatte. Damit wäre das Kontrollgremium wieder komplett. Mit allen anderen rücktrittsbedingten oder von Ouram angestrebten Nach-/Neubesetzungen kann sich die TLG bis zur Hauptversammlung am 21. Mai Zeit lassen. Die Neubesetzungen sollen dabei auf der Grundlage "eines geordneten und sorgfältigen Auswahlprozesses, bei dem alle Beteiligten im Gesamtinteresse des Unternehmens mitwirken und ihre Vorschläge einbringen", erfolgen, wie die TLG in ihrer aktuellen Mitteilung ausdrücklich vermerkt. Der Vorstand der TLG, der signalisiert hatte, dem ursprünglichen Wunsch des Großinvestors nachzukommen, wird nun doch keine außerordentliche Hauptversammlung mehr einberufen.

Aufsichtsratschef Zahn hatte in einem offenen Brief an die anderen Aktionäre davor gewarnt, die TLG könnte "künftig von einem Minderheitsaktionär kontrolliert werden, ohne dass dieser den anderen Aktionären die Möglichkeit gibt, ihm Aktien im Rahmen eines Kontrollübernahmeangebots anzudienen". Denn Ouram würde selbst mit den 6% der TLG-Anteile, die sich das Unternehmen vergangenen Dezember bereits gesichert hat, unterhalb der magischen 30%-Schwelle bleiben, die die Pflicht zu einem solchen Übernahmeangebot an die anderen Anteilseigner auslöst. Aktuell ist einer der fünf TLG-Aufsichtsräte dem Ouram-Lager zuzurechnen: Intown-Chef Sascha Hettrich, der im Mai 2018 in das Gremium einzog.

Harald Thomeczek

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Höhere Zuschläge und mehr Urlaub für Gebäudereiniger

Zuletzt sollten Warnstreiks der Gebäudereiniger die Arbeitgeberseite unter Druck setzen.

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Quelle: IG Bau

Karriere18.10.2019
Der Streit um einen neuen Rahmentarifvertrag für die bundesweit 650.000 Gebäudereiniger ist beigelegt. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereinigerhandwerks (BIV) und die ... 

Der Streit um einen neuen Rahmentarifvertrag für die bundesweit 650.000 Gebäudereiniger ist beigelegt. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereinigerhandwerks (BIV) und die Industriegewerkschaft IG Bau haben sich geeinigt. Für etliche Arbeitnehmer soll es mehr Geld und für alle mehr Urlaub geben, heißt es in dem ausgehandelten Vorschlag. Dem müssen noch Gremien auf beiden Seiten der Interessensvertretung zustimmen. Anschließend werden IG Bau und BIV die Allgemeinverbindlichkeit des Vertrags anstreben.

Die Verhandlungen seien festgefahren, so beschrieben etliche Medien zuletzt die Situation im Streit um einen Rahmentarifvertrag für das Gebäudereinigerhandwerk. Die sechste Gesprächsrunde zwischen den Interessensvertretern war Anfang Oktober ergebnislos abgebrochen worden. Doch jetzt gibt es wieder Licht am Ende des Tunnels. "Der Knoten ist durch", sagt IG-Bau-Chef Robert Feiger. Die IG Bau und der BIV haben sich in ihrem jüngsten, 13 Stunden dauernden Gespräch auf einige Neuerungen geeinigt, die nun nach Zustimmung involvierter Gremien auf beiden Seiten zu einem allgemeinverbindlichen Rahmentarifvertrag führen sollen.

Auch Teilzeitkräfte bekommen mehr Geld für mehr Arbeit

Nicht zuletzt für den Umgang mit Mehrarbeitszuschlägen bei Überstunden von Teilzeitbeschäftigten gibt es nun eine einvernehmliche Regelung. Diese Zuschläge werden sowohl für Voll- als auch für Teilzeitmitarbeiter ab der neunten Arbeitsstunde am Tag in Höhe von 25% vom Stundenlohn gezahlt. Auch Teilzeitler mit kürzeren Tagen haben Aussicht auf mehr Geld: So sollen solche Mitarbeiter, die kontinuierlich über fünf Monate hinweg ein Überstundenpensum von mindestens 15% leisten, Anspruch auf einen neuen Vertrag mit angepasster Wochenstundenzahl bekommen.

Zum Hintergrund: Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur Gleichstellung von Voll- und Teilzeitkräften bei Mehrarbeitszuschlägen war im Frühjahr dieses Jahres der Auslöser dafür, dass die Arbeitgeberseite den im Jahr 2012 gefassten Rahmentarifvertrag zum Juli 2019 gekündigt hat. Das Urteil wurde zwar zu einem Fall aus der Systemgastronomie gefällt, hätte aber große Auswirkungen auf die Gebäudereinigerbranche, die laut BIV zu etwa 75% aus Teilzeitkräften besteht. Unter diesen neuen Voraussetzungen sei der Rahmentarifvertrag nicht mehr fortzuführen, argumentierte der BIV. "Diese Regelung ist bestens geeignet dafür, Unfrieden in die Betriebe zu tragen." Denn nach diesem Urteil müsste, so ein Beispiel des BIV, ein Teilzeitler mit zwei Arbeitsstunden pro Tag bereits für die dritte Stunde einen Mehrarbeitszuschlag von 25% (zusätzlich zur Überstunde an sich) erhalten, der Vollzeit arbeitende Kollege aber erst nach 39 Wochenstunden. Mit dem nun ausgehandelten Zuschlag erst ab der neunten Arbeitsstunde am Tag setzte sich der BIV durch.

Gratifikation zum Jahresende

Ein weitaus stärker öffentlich ausgetragener Konfliktpunkt betraf in den vergangenen Monaten die Forderung der IG Bau nach einem Weihnachtsgeld bzw. 13. Monatsgehalt. Der BIV beharrte darauf, dass diese Diskussion in die nächste Verhandlung des Lohntarifvertrags 2020 gehöre, aber mit dem aktuell zu verhandelnden Rahmentarifvertrag nichts zu tun hat. Dabei bleibt es auch in dem nun vorliegenden Vorschlag. Darüber hinaus hat die IG Bau allerdings eine Übergangslösung für die Feiertage in diesem und im nächsten Jahr ausgehandelt. Demnach bekommen die Beschäftigten wahlweise Heiligabend oder Silvester als bezahlten Arbeitstag frei. Wer hingegen arbeiten möchte, dem wird eine Weihnachtsprämie für diesen Tag in Höhe eines 150%igen Lohnzuschlags gewährt.

Ein Plus bei Zuschlägen und mehr Urlaubstage für alle

Weitere Punkte in der Einigung beider Tarifparteien betreffen die Zuschläge, die erhöht worden sind: für die Arbeit in der Nacht von 25% auf 30%, an Sonn- und Feiertagen von 75% auf 80%. "Für die Arbeit am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag, an Neujahr und am 1. Mai wird es, so sieht es die neue Vereinbarung vor, sogar Zuschläge von 200% des Lohns geben", teilt die IG Bau mit. Darüber hinaus gibt es für Industrie- und Maschinenreiniger nun 75 Cent pro Stunde extra.

Auch an der Urlaubsregelung wurde geschraubt. Ab 2021 soll es für alle Beschäftigten einen einheitlichen Urlaubsanspruch auf 30 Tage auf Vollzeitbasis geben - unabhängig davon, wie lange sie bereits in der Branche arbeiten. Neueinstellungen haben schon 2020 Anspruch auf 29 Urlaubstage.

Zufriedenheit auf beiden Seiten

Ulrike Laux, die im Bundesvorstand der IG Bau für die Gebäudereinigung zuständig ist, rechnet mit zeitnahen Zustimmungen aus der Tarifkommission und der Branchenfachgruppe. Außerdem fehlt noch das Ja des Bundesvorstands. Auch der BIV muss noch seinen Gremien den Vorschlag zur Abstimmung vorlegen. "Mit diesem Tarifabschluss haben die Arbeitgeber einen zukunftsfähigen Kompromiss mit dem Tarifpartner IG BAU erzielt, der die Attraktivität der beschäftigungsstärksten deutschen Handwerksbranche weiter stärkt", kommentiert Christian Kloevekorn, Verhandlungsführer der Bundestarifkommission des BIV.

Anke Pipke

ISS verliert zwei Chefs

Karriere17.10.2019
Die Geschäftsführung des Facility-Managers ISS Deutschland will jungen Kräften Platz machen. Das Unternehmen sucht jetzt Nachfolger. ... 

Die Geschäftsführung des Facility-Managers ISS Deutschland will jungen Kräften Platz machen. Das Unternehmen sucht jetzt Nachfolger.

Alexander Granderath (54), Country Manager und Sprecher der Geschäftsführung, und Chief Financial Officer Martin Geisel (59) sind auf dem Sprung, ISS Deutschland zu verlassen. Sie wollten damit einen Generationenwechsel in der Chefetage unterstützen, teilt ISS auf Anfrage der Immobilien Zeitung mit. Der Düsseldorfer Facility-Manager ist jetzt auf der Suche nach Nachfolgern. So lange werden die beiden Chefs noch ihre Aufgaben und Positionen behalten.

Mit diesem Abschied gehen gleichzeitig zwei Chefs, die über jahrelange Erfahrung in dem Konzern verfügen. Granderath kam zum 1. Oktober 2010 als Branchenneuling zu ISS. Der Nuklearphysiker hielt sich lange an der Führungsposition. Ihm zur Seite stand von Anfang an Geisel, der etwa ein Jahr zuvor zum Düsseldorfer Team hinzugestoßen war.

In die Zeit Granderaths fällt u.a. der Großauftrag der Telekom, den ISS vor zwei Jahren von Strabag PFS loseisen und an Land ziehen konnte. Das stellte die Düsseldorfer vor eine große Herausforderung. Unter anderem wurde eine neue Tochter gegründet, die ISS Communication Services. Granderath und Geisel sind auch dort noch Geschäftsführer. Seit Juli 2019 läuft nun die praktische Umsetzung des Auftrags.

Abgegeben hat ISS derweil vor kurzem ihre auf Reinigungsarbeiten fokussierte Tochter ISS Facility Services. Sie wurde an die Klüh-Gruppe verkauft.

Anke Pipke