Ulrich Höller kauft sich beim Entwickler ABG ein

Ulrich Höller geht ab 2020 einer neuen Beschäftigung nach.

Ulrich Höller geht ab 2020 einer neuen Beschäftigung nach.

Quelle: Heuer Dialog/Quo Vadis 2019; Urheber: Alexander Sell

Karriere16.05.2019
Ulrich Höller steigt Anfang 2020 beim Projektentwickler ABG-Gruppe in den Sattel. Höller kauft dem geschäftsführenden ABG-Hauptgesellschafter und Unternehmenslenker Walter Wübben nach ... 

Ulrich Höller steigt Anfang 2020 beim Projektentwickler ABG-Gruppe in den Sattel. Höller kauft dem geschäftsführenden ABG-Hauptgesellschafter und Unternehmenslenker Walter Wübben nach Informationen der Immobilien Zeitung Anteile ab und nimmt auch die operativen Zügel in die Hand. Thomas Hohwieler indes, im Sommer 2017 von Strabag Real Estate zu ABG gewechselt, hat inzwischen bei RFR angeheuert.

Wübben ist 74 Jahre alt und will sich auf die Gesellschafterrolle beschränken. Der 69-jährige ABG-Minderheitseigner Rainer Sticken gibt seine Anteile im Laufe des kommenden Jahres ab und wird sich komplett aus dem Unternehmen zurückziehen. Danach wird die ABG-Gruppe zwei Gesellschafter haben: Höller und Wübben. Wübben leitet die 1967 gegründete ABG-Gruppe seit mehr als 25 Jahren. Höller zählt 53 Lenze. In diesem Alter ist es für ihn wohl die letzte Gelegenheit, nochmal einen Neuanfang zu wagen.

Höller war vor wenigen Wochen vom Vorstandsvorsitz auf den Sessel des Aufsichtsratschefs des Projektentwicklers GEG German Estate Group gewechselt. Aktuell arbeitet er seine Nachfolger ein. Wenn er im Januar 2020 zur ABG geht, wird er sich bei der GEG auf eine klassische Aufseherrolle beschränken. Sein Aufsichtsratsvertrag läuft mehrere Jahre. Sein Vorstandsvertrag bei GEG wäre eigentlich bis Ende 2019 gelaufen. Er wurde aufgelöst.

Die ABG-Gruppe hat in den vergangenen Jahren schon einige prominente Köpfe eingesammelt. So wechselte Gordon Gorski, ehemaliger Geschäftsführer von Hochtief Projektentwicklung, im Juni 2017 als Geschäftsführer zu ABG Projektentwicklung. Auch Thomas Hohwieler, den langjährigen Geschäftsführer von Strabag Real Estate, zog es im August 2017 als Sprecher der Geschäftsführung und Gesamtverantwortlichen für das Projektentwicklungsgeschäft zur ABG. Diese Liaison hielt jedoch nach Recherchen der Immobilien Zeitung (IZ) nicht lange: Hohwieler hat die ABG längst wieder verlassen und mittlerweile bei RFR angeheuert. Er nahm im Januar 2019 die Position des Geschäftsführers bei RFR Development ein. Dies bestätigte RFR der IZ.

Die ABG-Gruppe unterhält Hauptstandorte in München, Köln und Hamburg, entwickelt aber auch in anderen deutschen Metropolen wie Berlin Wohn- und Gewerbeimmobilien. Das Unternehmen beschäftigt rund 70 Leute: Teams aus u.a. Kaufleuten, Juristen, Architekten und Bauingenieuren. ABG hat in den vergangenen zehn Jahren Projektentwicklungen für insgesamt rund 5 Mrd. Euro gewuppt. Auch die aktuelle Projektpipeline ist gut gefüllt: Derzeit ist der Entwickler in fast allen deutschen Immobilienhochburgen zugange.

Auf dem alten Osram-Gelände in München-Untergiesing etwa sehen die ABG-Pläne unter dem Projektnamen Living Isar ca. 42.000 m² BGF vor, verteilt auf rund 370 Eigentumswohnungen, um die 70 Mietwohnungen, zwei Kindertagesstätten und Gewerbeflächen. Mit den Bauarbeiten begannen ABG und die Unternehmensgruppe Büschl als Co-Investor im Januar 2019. In Berlin errichtet ABG am Alexanderplatz im Joint Venture mit Felix Gädeke das Bürogebäude Voltair mit ca. 31.000 m² BGF. Die Gründungsarbeiten begannen Ende 2018, im Februar riefen die Investoren den Start der Realisierungsphase aus. Fertig sein soll alles im Jahr 2021.

In Hamburg haben im März 2019 die Abbrucharbeiten für den 300 Mio. Euro teuren Neubau des Deutschlandhauses am Gänsemarkt begonnen. Die Planungen sehen rund 40.000 m² BGF für Büros, Einzelhandel und Gastronomie sowie Wohnen vor. Den Entwurf steuerte Hadi Teherani für ABG bei. Bis September soll der oberirdische Rückbau des Gebäudes abgeschlossen sein. Der Baustart für den Neubau soll zum Jahresende erfolgen. Die Fertigstellung ist für Ende 2021 geplant.

Auch in Köln ist ABG aktiv. Das Unternehmen gab im März den Erwerb eines rund 6.900 m² großen Grundstücks im Kölner Stadtteil Ehrenfeld bekannt. Im Moment befinden sich auf der Fläche in der Oskar-Jäger-Straße 158, Ecke Weinsbergstraße ein Bestandsgebäude und ein Parkplatz. Die ABG will das Grundstück neu entwickeln und schaut, welche Konzepte am besten zum Standort passen. Für denkbar hält das Unternehmen an dieser Stelle eine Hotel- oder Büronutzung. Ein Hotel entwickelt ABG zusammen mit der Bema-Gruppe bereits in Düsseldorf. An der Toulouser Allee soll ein Haus der Marke H2 mit u.a. 250 Zimmern entstehen. Eröffnen soll es Ende 2020.

Der Mann, der ABG groß gemacht hat und das Unternehmen jetzt in Höllers Hände gibt - Walter Wübben -, tritt nicht groß in der Öffentlichkeit auf. Im vergangenen Jahr bereitete das Urban Land Institute (ULI) Germany ihm jedoch eine Bühne: Das ULI zeichnete ihn mit einem Leadership Award für sein Lebenswerk aus. Neben seiner mehr als 40-jährigen Expertise in der Immobilienprojektentwicklung seien dafür auch seine unternehmerischen Aktivitäten im Klinikbereich sowie sein Engagement im wissenschaftlichen und sozialen Stiftungswesen ausschlaggebend gewesen, wie die Jury notierte.

Harald Thomeczek

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Karriere12.09.2019
Wer etwas zu zeigen hat, tut das heutzutage gerne per Video. Auch das Employer-Branding findet zunehmend auf YouTube statt. Von Facility-Managern über Baufirmen bis hin zu ... 

Wer etwas zu zeigen hat, tut das heutzutage gerne per Video. Auch das Employer-Branding findet zunehmend auf YouTube statt. Von Facility-Managern über Baufirmen bis hin zu Beratungshäusern - alle versuchen auf unterschiedliche Weise, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Rezo - ein Name, den man selbst in der Offline-Welt seit der Europawahl kennt. Der YouTuber hat es mit seiner harten Kritik an der CDU geschafft, in die Schlagzeilen zu kommen, sogar in althergebrachten Zeitungen zum Anfassen. Während sich die Zahl der Print-Leser kaum exakt erfassen lässt, beeindruckt die Aufmerksamkeit, die Rezos Video auf YouTube erlangt hat: etwa 16 Mio. Aufrufe.

Die Reaktionen auf das Rezo-Video zeigen, dass YouTube, Videos und Bewegtbilder aus dem Alltag der Bevölkerung nicht mehr wegzudenken sind. Vor allem Männer und Frauen im Alter von 18 bis 34 Jahren gehören zur Hauptnutzergruppe des Videoportals. Aus Sicht der Personaler also meist jene, die sich im Berufsleben noch orientieren. Somit ist YouTube eine Chance, sich Berufseinsteigern und Young Professionals im Video als Arbeitgeber zu präsentieren.

Einige Unternehmen aus der Immobilienbranche nutzen bereits diese Möglichkeit. Zu den aktivsten Branchenzweigen dürfte das Facility-Management gehören. Caverion ist mit seiner mehrteiligen Weltraum-Saga noch in Erinnerung (zum Nachlesen: "Caverion schraubt am Warp-Antrieb", IZ 9/16). In ähnlichem Maßstab angelegt als große Employer-Branding-Kampagne mit Kinospot und Werbung im öffentlichen Raum ist aktuell "Blau ist wow" von Gegenbauer. Seit Februar 2019 und derzeit in Münchner Multiplex-Kinos sowie auf YouTube ist der Werbespot zu sehen. Im Videoportal zählt er inzwischen etwa 1,3 Mio. Aufrufe.

"Blau ist doch eigentlich nur ne Farbe, oder? Falsch. Blau ist viel mehr." So startet der 50-Sekünder, in dem der Zuschauer in Kombination mit blaudominierten und dynamischen Bildern samt fetziger Musik erfährt: "Blau ist der Himmel, das Wasser, blau ist Deine Zunge." Aber auch: "Blau ist der Gang durch Deine alte Schule, der gemähte Rasen, die warme Heizung, das saubere Büro, der fette Bass beim Konzert. Blau ist hoch über der Stadt (Bild: Fensterputzer am Hochhaus) und tief unter der Erde (Bild: Prüfung der Gebäudetechnik). Blau ist Vielfalt und Zusammenhalt. (...) Blau ist unsere Farbe und unser Stolz. Blau ist Dein Style. Blau ist unser Style. Blau ist wow - Gegenbauer."

Mit diesem Spot will der Facility-Manager gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: sowohl nach innen als auch nach außen wirken, junge wie erfahrene Arbeitskräfte, Vertreter unterer wie höherer Hierarchien erreichen. Es gehe darum, die Werte des fast 100-jährigen Unternehmens zu präsentieren, Stolz und Identifikation auszulösen, berichtet Tom Kalányos, Leiter Digitale Medien bei Gegenbauer. Damit soll sich die Mitarbeiterbindung erhöhen - abseits vom sonst vielerorts üblichen Mittel der Lohnerhöhungen, die in dieser Branche wegen der knappen Margen nur schwer umsetzbar sind. Dazu trägt auch bei, dass etwa ein Dutzend der Personen, die im Spot zu sehen sind, Original-Mitarbeiter Gegenbauers sind.

Dass die Kampagne "Blau ist wow" zieht, macht Kalányos nicht nur an den vielen Aufrufen auf YouTube fest, sondern auch an den Besucherzahlen der unternehmenseigenen Corporate- und Karriere-Webseite. Seit der Spot zu sehen ist, gebe es dort ein Wachstum von 20% bis 25%. Zudem werde Kalányos bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter oft auf die Kampagne und den Kurzfilm angesprochen. Mindestens so stolz macht es ihn, wenn Kollegen den Spot z.B. bei Pitches zur Präsentation des Unternehmens vor (potenziellen) Kunden einsetzen.

Der personelle, zeitliche wie finanzielle Einsatz für diese Kampagne ist beträchtlich. Das dreiköpfige Team Digitale Medien hat sie zusammen mit der Agentur mc-Quadrat realisiert, die Planung reicht bis ins Jahr 2025 - bis zur Feier der 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Nächstes Jahr werde eine weitere Stufe der Kampagne gezündet, berichtet Kalányos. Er will noch nicht zu viel verraten, nur das: "Dann wird es darum gehen, weitere Kollegen zu aktivieren und sie zu Botschaftern für die Marke Gegenbauer zu machen."

Genau das macht gerade Wettbewerber Piepenbrock. Der Facility-Manager stellt in kurzen Zwei-Minuten-Spots seine Mitarbeiter als "Piepenbrocker" vor. Mit dabei ist z.B. Daniel Erdmann, Objektleiter für die Niederlassung Göttingen. Er berichtet frei von der Leber weg, wie vielfältig seine Arbeit sei, was er an seinem Berufsalltag schätze, dass das Geld immer pünktlich komme und er sich auf seinen Meisterbrief im Gebäudereinigerhandwerk freue. Erdmann ist seit 20 Jahren bei Piepenbrock, ein Neuzugang im Vergleich dazu ist derweil Jonas Vetter, Implementierungsmanager des Technischen Managements für Großkunden. Er erzählt vom Einstieg ins Großunternehmen und dem Teamspirit.

Dieses Format, im Video engagierte und zufriedene Mitarbeiter zu Wort kommen zu lassen, ist weit verbreitet und bietet sich auch für kleinere und mittelständische Unternehmen und Firmen aus anderen Branchenzweigen an. Die Limburger Bauunternehmung Albert Weil zum Beispiel ließ einen Azubi, einen Polier und einen Bauleiter erzählen, wie es auf einer Baustelle zugeht. In einem anderen Spot berichten drei Mitarbeiter, auf welchen unterschiedlichen Wegen sie nach dem Studium allesamt bei Albert Weil gelandet sind. Damit will die Baufirma nicht nur die Vielfalt möglicher Einsatzgebiete zeigen, sondern auch einen möglichst authentischen Einblick in die Unternehmenskultur bieten. Der Zuschauer bekommt einen Eindruck, welche Stimmung im Team herrscht, mit welchen Geräten auf der Baustelle gearbeitet wird und wie die Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter sind. Künftig will Albert Weil nach eigenen Angaben noch mehr Videos à la "Ein Tag mit ..." initiieren.

Einen komplett anderen Weg, Nachwuchskräfte und Young Professionals für sich als Mitarbeiter zu gewinnen, geht aktuell BNP Paribas Real Estate (BNPPRE). Der Immobilienberater hat seine vierteilige Videoreihe "The Secret to" veröffentlicht. Die ersten drei Titel suggerieren, dass es auf den ersten Blick um praktische Tipps für den Business-Alltag geht: "Keine Angst vor Smalltalk", "Beim Geschäftsessen punkten" und "Auf Geschäftsreisen bestens vorbereitet". Im letzten Teil kommt BNPPRE dann zum wesentlichen Punkt: "Wann es Zeit wird, den Job zu wechseln". Die Videos sind keine dröge Anleitung, in welcher Reihenfolge z.B. das Hemd zu falten, der Ärmel in welchem Winkel zu legen ist. Vielmehr sind es humorige Episoden, in denen auch ein Teil des echten BNPPRE-Teams zu sehen ist. "Wir wollen damit zeigen, wie wir ticken", erzählt Philipp Benseler, Head of Human Resources bei BNPPRE. Er erinnert sich, dass zu früheren Zeiten in Videos eher die Informationen im Vordergrund standen, heutzutage gehe es mehr ums Storytelling. Informationen auf unterhaltsame Art und Weise und Unternehmenswerte eher implizit zu vermitteln, steht dabei im Fokus.

Während die kurzen Spots von "The Secret to" aktuell auf etwa 3.000 bis 4.000 Aufrufe kommen, hat das Video vom jüngsten Event Adventure@BNPPRE mit angehenden Nachwuchskräften eine deutlich größere Resonanz erzeugt (siehe "Recruiting mit dem Extra-Kick", IZ 4/19). Satte 315.000 Aufrufe wurden bis jetzt gezählt. Junge Menschen in lockerer Atmosphäre, Abenteuer und Adrenalin sind offenbar gute Zutaten für ein aufmerksamkeitsstarkes Video.

YouTube erreicht Milliarden Menschen

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Rückkehr der Meisterpflicht für Fliesenleger & Co.

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Quelle: iStock.com, Urheber: Petko Ninov

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Die schwarz-rote Koalition im Bund hat sich im Prinzip auf eine Wiedereinführung der Meisterpflicht für unter anderem Bauberufe geeinigt, die seit 2004 zulassungsfrei sind. Die Änderung der Handwerksordnung soll schon ab Anfang 2020 in Kraft treten. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, erhalten Bestandsschutz.

"Wir werden bei einigen Handwerksberufen die Meisterpflicht wieder einführen", teilen der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Carsten Linnemann, und der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Sören Bartol, unisono mit. Sie sind davon überzeugt, dass der Meisterbrief "die beste Garantie" unter anderem für "Qualitätsarbeit" und "Verbraucherschutz" ist. Außerdem soll die Rückvermeisterung zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses beitragen.

Für insgesamt zwölf Gewerke wird die 2004 weggefallene Meisterpflicht wieder eingeführt. Darunter befinden sich auch einige Bauberufe: Fliesen-, Platten und Mosaikleger, Estrichleger, Betonstein- und Terrazzohersteller sowie Parkettleger. Den Laden dicht machen soll niemand müssen: Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen ihr Handwerk auch ohne Meisterbrief weiterhin selbstständig ausüben. Sie erhalten Bestandsschutz.

Fahrplan steht

Linnemann und Bartol werden einer Koalitionsarbeitsgruppe die skizzierte Rückkehr zur Meisterpflicht am morgigen 10. September vorschlagen. Dann wollen sie das Bundeswirtschaftsministerium bitten, zügig einen Gesetzentwurf auf den Weg zu bringen. Nach dem Beschluss durch die Bundesregierung folgen Beratungen im Bundesrat und Bundestag. Erklärtes Ziel ist, dass die Änderung der Handwerksordnung Anfang 2020 in Kraft tritt. Nach fünf Jahren soll eine Evaluierung zeigen, was die Neuregelung gebracht hat.

Baugewerbe jubelt

Das organisierte Baugewerbe lässt schon jetzt die Korken knallen: "Wir sind sehr erfreut darüber, dass das Bundeswirtschaftsministerium nach gründlicher Prüfung der verfassungs- und europapolitischen Aspekte auch und gerade in den Bauberufen die Notwendigkeit anerkannt hat, diese in die Anlage A (In Anlage A der Handwerksordnung sind die zulassungspflichtigen Handwerke aufgelistet; Anm. d. Red.) zurückzuführen", jubelt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe. Gerade im Baubereich komme es auf die Verlässlichkeit der ausführenden Unternehmen im Hinblick auf Sicherheit und Verbraucherschutz an - "das war bei den meisterfreien Gewerken in großen Teil nicht mehr der Fall". Die Branche klagt schon lange über die (illegale) Billigkonkurrenz durch den Wegfall der Meisterpflicht im Ausbaugewerbe.

Harald Thomeczek