Weiterbildungspflicht mit Haken

Weiterbilden muss sein. In der Praxis müssen sich gerade kleine Firmen genau überlegen, wie sie ihre Pflicht erfüllen.

Weiterbilden muss sein. In der Praxis müssen sich gerade kleine Firmen genau überlegen, wie sie ihre Pflicht erfüllen.

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Karriere 04.04.2019
Makler und Verwalter von Wohnimmobilien sollten den Kalender im Blick haben. Der erste Dreijahreszeitraum, in dem 20 Stunden in die Weiterbildung investiert werden müssen, neigt sich der ... 

Makler und Verwalter von Wohnimmobilien sollten den Kalender im Blick haben. Der erste Dreijahreszeitraum, in dem 20 Stunden in die Weiterbildung investiert werden müssen, neigt sich der Halbzeit zu. In der Praxis gibt es ein paar Fallstricke zu beachten.

Für lernfaule Makler oder Wohnimmobilienverwalter wird es langsam Zeit, sich Gedanken um interessante Seminare zu machen. Die gesetzlich geregelte Weiterbildungspflicht (§15b MaBV) ist zwar noch recht jung, sie trat erst im August vergangenen Jahres in Kraft. Doch der Dreijahreszeitraum, in dem die geforderten 20 Stunden Weiterbildung abgeleistet werden müssen, läuft schon seit Anfang 2018. Das gilt übrigens auch für solche Verwalter, die sich aufgrund der neuen Regeln ihren Gewerbeschein erst innerhalb der Übergangsfrist Anfang 2019 geholt haben. Wer auf seinem Lernstundenkonto jetzt noch eine mickrige Null stehen hat, hat noch etwa 21 Monate, um daraus mindestens eine 20 zu machen. Und wer sowohl makelt als auch verwaltet, muss sogar 40 Zeitstunden anstreben.

Das Ziel ist also klar definiert. Nur bei der Umsetzung ergeben sich so manche Fragen. Eine zentrale ist: Wer muss sich überhaupt weiterbilden? Die kurze Antwort: jeder, der aktiv als Makler oder als Verwalter von WEGs oder Mietshäusern auf den ahnungslosen Bürger trifft. Diesbezüglich sitzt ein Geschäftsführer eines international tätigen Unternehmens in einem Boot mit einem Kollegen, der nur hin und wieder seine Schubladenerlaubnis hervorkramt. Ausgenommen sind die Mitarbeiter im Backoffice, z.B. in dem Sekretariat, der Buchhaltung oder der Personalabteilung. Darüber hinaus gibt es ein paar Sonderregelungen, z.B. für Beschäftigte, die Immobilienkaufleute oder Geprüfte Immobilienfachwirte sind. Sie müssen sich erst drei Jahre nach Erwerb des Abschlusses weiterbilden. Auch aktuelle Azubis können ihr wachsendes Wissen unter Umständen als Weiterbildung anrechnen lassen.

Ein weiteres Extra gibt es für einen Geschäftsführer, der nicht ins operative Geschäft eingreift. Er kann die Weiterbildungspflicht an einen Mitarbeiter übertragen, der den weiteren Beschäftigten gegenüber weisungsbefugt ist. In aller Regel ist das ein Abteilungsleiter. Diese Delegation hat dabei keine Auswirkungen auf das Stundenkonto des Mitarbeiters, für ihn gelten immer noch die 20 Stunden. Werner Merkel, Vorstandsvorsitzender beim hessischen Verwalterverband VDIVH und Präsidiumsmitglied des DDIV, weist allerdings auf ein Risiko hin, das besonders kleine Betriebe betrifft: Sollte nämlich dieser auserwählte Abteilungsleiter das Unternehmen verlassen, nimmt er seine Weiterbildungsstunden mit. Bei einer amtlichen Prüfung, die zunächst die Stunden der Chefs im Blick hat, könnte die Firma ihre Pflicht im schlimmsten Fall nicht erfüllt haben. Merkel rät daher, dass sich die Gewerbetreibenden im Zweifelsfall doch besser selbst weiterbilden sollten.

Und was fällt konkret unter den Begriff der Weiterbildung? Darunter sind klassische Präsenzseminare eines externen Anbieters, aber auch ein begleitetes Selbststudium mit nachweisbarer Lernerfolgskontrolle wie z.B. Webinare oder E-Learning-Konzepte sowie betriebsinterne Maßnahmen zu verstehen. Sparfüchse sehen sich mit ihren Mitarbeitern schon an der Kaffeemaschine stehen und Reden über Präsentationstechniken schwingen oder sie stecken ihren Mitarbeitern im Vorbeigehen ein Buch in die Hand. So nicht, entgegnet der Gesetzgeber. Eine Weiterbildung muss bestimmte Kriterien erfüllen: Sie muss mit einem gewissen Vorlauf geplant worden sein. Es liegt dem Teilnehmer also eine schriftliche Einladung vor, in der u.a. der Inhalt der Weiterbildung beschrieben und der Umfang in Zeitstunden angegeben ist. Der Lehrende muss derweil ein gewisses, aber nicht näher beschriebenes Anforderungsprofil erfüllen, um sicherzustellen, dass es tatsächlich eine "Weiter"-bildung für die Teilnehmer ist und nicht nur die Festigung eines Status quo.

Auch zu den relevanten Themen einer Weiterbildung hat sich der Gesetzgeber Gedanken gemacht. Eine lange Liste ist in der Anlage 1 der MaBV zu finden. Generell geht es um Grundlagenwissen aus den beiden Tätigkeitsfeldern Maklerwesen und Immobilienverwaltung, u.a. auch um rechtliches und kaufmännisches Basiswissen. Hinzu kommen Themen aus den Bereichen Verbraucherschutz und Wettbewerbsrecht. Unter IVD-Mitgliedern seien vor allem Seminarthemen im Zusammenhang mit einem Haftungsrisiko, abmahnfähigen Fehlern im Wettbewerbsrecht und aktuellen rechtlichen Regelungen wie DSGVO und Geldwäsche beliebt, erklärt Christian Osthus, stellvertretender Geschäftsführer des IVD. Etwa 90% der Informationen, die in IVD-Seminaren vermittelt werden, seien seiner Meinung nach relevant im Sinne der MaBV. Der Verwalterverband DDIV will sogar versuchen, seine Weiterbildungsangebote mittels einer Zertifizierung MaBV-fest zu machen. Osthus bezeichnet das als "nette Idee", warnt allerdings davor, in die Seminarbeschreibung eine Formulierung wie "(...) wird anerkannt nach §15b MaBV" einzufügen. Die Anerkennung liege allein im Ermessen der zuständigen Behörde. Eine Zertifizierungsinstanz gibt es nicht.

Ist nun der Zeitpunkt erreicht, da der Gewerbetreibende zufrieden auf die vergangenen drei Jahre und ein gefülltes Lernstundenkonto zurückblickt, kann es ab dem Jahr 2021 sein, dass die zuständige Behörde (je nach Bundesland eine andere) bei ihm klingelt und Nachweise fordert. Die Überprüfung erfolgt in aller Regel nur vereinzelt und betrifft im Detail zunächst nur die Weiterbildung der Chefetage, Einzelnachweise für die Maßnahmen der Mitarbeiter müssen aber zumindest griffbereit sein. In Anlage 3 der MaBV ist ein Muster hinterlegt, wie die Seminare & Co. nachgewiesen werden müssen. Wichtig ist es für den Unternehmer, die Dokumentation - angefangen bei der Einladung bis hin zu den Ergebnissen der Lernerfolgskontrolle - fünf Jahre lang auf einem dauerhaften Datenträger aufzubewahren.

Die Überprüfung findet zudem nicht zu einem bestimmten Stichtag statt. Das birgt ein Problem, auf das der Deutsche Dachverband der Immobilienverwalter (DDIV) aufmerksam macht. Die Verordnung könne derzeit so ausgelegt werden, dass eine "gleitende" Prüfung möglich ist. Ein Beispiel: Angenommen Verwalter Hans hat im Jahr 2018 schon seine 20 Stunden Fortbildung absolviert, lehnt sich die nächsten beiden Jahre zurück und macht nichts. Er hat ja sein Soll erfüllt. Im Jahr 2021 besucht er ein Seminar mit fünf Stunden, die ihm anerkannt werden. Er denkt sich, den Rest werde er irgendwann später absolvieren, er hat ja noch Zeit, bis sein zweiter Dreijahreszeitraum vorbei ist. Im Jahr 2022 klingelt allerdings die Behörde und schaut sich die Weiterbildung von Verwalter Hans in den vergangenen drei Jahren an. Der große Brocken aus dem Jahr 2018 fällt dabei raus. Auf seiner Rechnung stehen lediglich 2019 und 2020 mit jeweils 0 Stunden und 2021 mit 5 Stunden. Hat Hans sich dann zu wenig weitergebildet? Die Antwort darauf kann selbst das Bundeswirtschaftsministerium derzeit nicht geben, nur so viel: In der Regelung "sind keine festen Dreijahreszeiträume festgelegt". Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es zu zeitlichen Überschneidungen hinsichtlich des Weiterbildungszeitraums und der Überprüfung kommt. "Hier sollte jedoch zunächst abgewartet werden, wie die Regelung im Vollzug angewandt wird." Bis zur Klärung ist es wohl ratsam, jedes Jahr mindestens sieben Stunden Weiterbildung zu absolvieren. Dann kann die Behörde prüfen, wann sie will.

20 Stunden: Mal zu viel, mal zu wenig

20 Zeitstunden müssen Makler und Verwalter in drei Jahren auf ihrem Weiterbildungskonto sammeln. Für große Unternehmen ist das meist keine Herausforderung. "Wir bilden ohnehin weiter", sagt Heinz Colligs, Prokurist bei Treureal. Seit Jahren gebe es zwei Veranstaltungen pro Jahr mit verpflichtender Teilnahme für die Mitarbeiter von Treureal PM. Darüber hinaus werden individuelle Fortbildungen angeboten. Neu sei lediglich, dass die Nachweise aufwändiger archiviert werden.

Eine ähnliche Reaktion ist aus dem Maklerhaus Aengevelt zu hören. Die Chefs legten seit jeher großen Wert auf Weiterbildung. Selbst Pressesprecher Thomas Glodek und weitere Mitarbeiter außerhalb des operativen Geschäfts absolvieren regelmäßig u.a. E-Learning-Programme zu aktuellen Themen aus dem Maklerwesen. Und auch für die Immobiliendienstleister von JLL ändert sich - abgesehen von mehr Bürokratie - nichts. "Bereits seit fünf Jahren hat JLL das hausinterne Weiterbildungsprogramm MyDevelopment mit mehreren Dutzend Weiterbildungsseminaren und -webinaren etabliert. Die Novellierung bestätigt somit das Konzept", sagt Sophie Motisi, Team Leader Talent Management.

Für kleinere Firmen sieht die Lage anders aus. Dort wirbeln Weiterbildungstage das Alltagsgeschäft durcheinander. Es sei fraglich, wie sich gerade Ein- oder Zwei-Mann-Betriebe unter diesen Vorzeichen entwickelten, gibt DDIV-Vertreter Werner Merkel zu bedenken. Dennoch hat sich der Verband eine weitergehende Selbstverpflichtung auferlegt. Denn die 20 Stunden in drei Jahren, "das ist eine Farce", sagt Merkel. Der DDIV fordert von seinen Mitgliedern 45 Stunden im gleichen Zeitraum.

Enttäuscht von dem aus seiner Sicht mickrigen Umfang der MaBV-Novellierung zeigt sich auch der IVD. Er arbeite weiter an seiner Forderung nach einem qualifizierten Sachkundenachweis. Der sei immer noch Thema in Hintergrundgesprächen mit den Abgeordneten, erklärt Christian Osthus, stellvertretender IVD-Geschäftsführer. api

Anke Pipke

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"Kurzarbeit würden wir nur im Notfall in Anspruch nehmen!"

Landmarken-Vorstand Jens Kreiterling.

Landmarken-Vorstand Jens Kreiterling.

Quelle: Landmarken AG, Urheber: Rainer Holz

Karriere 22.05.2020
Das eine oder andere Maklerhaus greift in der Corona-Krise auf Staatshilfe bei den Personalkosten zurück. Viel zu schnell und ohne echte Not, findet Jens Kreiterling, Vorstand des ... 

Das eine oder andere Maklerhaus greift in der Corona-Krise auf Staatshilfe bei den Personalkosten zurück. Viel zu schnell und ohne echte Not, findet Jens Kreiterling, Vorstand des Projektentwicklers Landmarken. Zumal sich die Unternehmen die hohen Personalkosten zuvor selbst eingebrockt hätten.

Immobilien Zeitung: Herr Kreiterling, Sie sind auf LinkedIn ganz schön hart mit Maklerhäusern ins Gericht gegangen, die Kurzarbeit machen. Ist das nicht ein bisschen billig, sich auf Kosten anderer zu profilieren?

Jens Kreiterling: Schauen Sie sich bitte die historisch hohen Abschlussquoten und Volumen der letzten Jahre an! Da hat es mich schon sehr überrascht, wie schnell einzelne große Maklerunternehmen Staatshilfe beantragt haben. Und wenn ich dann noch lese, dass ein Unternehmen sich dafür feiert, dass es die unter staatlich geförderter Kurzarbeit gekürzten Gehälter wieder aufstockt, habe ich ein Störgefühl.

IZ: Maklerhäuser haben aber auch extrem hohe Personalkosten. Da tut ein bisschen staatliche Unterstützung doch ganz gut, wenn die Abschlüsse plötzlich ausbleiben.

Kreiterling: So schnell ist der Markt nun wirklich nicht eingebrochen! Wir arbeiten viel und gerne mit verschiedenen Makler- und Beratungshäusern zusammen - und wir tun das auch weiterhin. Gerade jetzt ist es doch wichtig, den Kontakt zu den Kunden aufrecht zu erhalten und an Rahmenbedingungen für die nächsten Verkäufe oder Vermietungen mitzuwirken. Logisch, die Reaktionen sind verhaltener, nicht mehr alle sind gerade so dringend auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten und sondieren die Situation und die Marktentwicklung. Aber der Markt läuft doch weiter. Auch die, die jetzt abwarten, wollen beraten werden: Wo gehen die Preise hin? Gibt es Opportunitäten? Informationen und der Kundenkontakt sind doch ein wesentliches Asset eines Beraters.

IZ: Gut und schön, wenn die Makler mit Beratung beschäftigt sind - aber ohne Abschlüsse kein Umsatz. Und die nicht ganz unwesentlichen Personalkosten lösen sich ja nicht in Luft auf, bloß weil die Deals ausbleiben.

Kreiterling: Entschuldigung, aber an der Gehaltsspirale haben die Unternehmen, die jetzt Kurzarbeit eingeführt haben, doch selbst gedreht. Sie haben aus anderen Teilen der Branche mit extrem hohen Gehaltsaussichten Leute abgezogen und Personal angehäuft. Dabei war klar, dass es über kurz oder lang auch mal runtergehen würde, mit oder ohne Corona. Es war doch absehbar, dass der Markt irgendwann eine Delle bekommt. Und für genau den Fall, könnte man annehmen, hätten die Unternehmen in guten Zeiten Rücklagen bilden und vorausschauend wirtschaften können.

IZ: Klingt so, als wären Sie sauer auf die Makler, weil sie Ihnen Leute abgeworben haben.

Kreiterling: Natürlich geht es nicht spurlos an mir vorüber, wenn ein Mitarbeiter ein Vorstellungsgespräch bei einem Immobilienberater hatte und begeistert ist von den hohen in Aussicht gestellten Gehältern. Auch wenn ich keinen dadurch verliere, profitiere ich nicht von der - in der Vergangenheit angewandten - Personaltaktik der Maklerhäuser. Wir bieten unseren Mitarbeitern dafür einen sicheren und inspirierenden Job mit dem Anspruch, Städte lebenswerter zu gestalten. Landmarken zahlt faire Gehälter, und auch andere Aspekte spielen eine Rolle für die Motivation der Mitarbeiter: Wir haben einen tollen Teamspirit und entwickeln attraktive Landmarken und gut funktionierende, spannende Immobilienkonzepte. Als Landmarken haben wir den Anspruch, mit unseren Projekten auch einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen!

"Bei Adidas war der Aufschrei groß"

IZ: Sie haben ja schon nach der Mipim 2019 einen kritischen Kommentar dazu abgesetzt, welches Bild manche Teilnehmer des Immobilienmarkts in der Öffentlichkeit abgeben. Verstehen Sie sich als das schlechte Gewissen der Branche?

Kreiterling: Nein, Nonsens. Aber ich vermisse ein Korrektiv in der Immobilienwirtschaft. Als Adidas wegen der Corona-Krise die Mieten einbehalten wollte, war der Aufschrei groß. Aber wenn ein Maklerhaus nach dem anderen staatliche Hilfen in Form von Kurzarbeit beantragt, die eigentlich für Gastronomen und Hoteliers gedacht sind, die wirklich kalt erwischt wurden, und wo es um Existenzen geht, sagt keiner was. Wie sollen wir als Branche denn voneinander lernen und an unserer Reputation arbeiten, wenn niemand sich traut, dem anderen ein offenes Feedback zu geben? Sorry, aber die Immobilienbranche hat eben nicht durchweg ein positives Image: Renditegier, Spekulantentum - das sind die Attribute, mit denen unsere Branche zum Teil konfrontiert wird. Das gipfelt dann darin, dass man uns in Berlin mit Enteignung droht.

IZ: Stichwort Rendite: Ein börsennotiertes Unternehmen kann doch gar nicht anders, als zuerst an seine Anteilseigner zu denken.

Kreiterling: Aus Renditesicht ist es nachvollziehbar, dass sich das Management nicht im Nachhinein Vorwürfe von den Shareholdern machen lassen möchte. In meinem täglichen Geschäft kenne ich aber sonst kein Immobilienunternehmen, das jetzt Staatshilfe bei den Personalkosten in Anspruch nimmt. Bevor ein Mittelständler das tut, müsste er schon echte Existenzangst haben oder die Jobs seiner Mitarbeiter gefährdet sehen. Wer nur an den Shareholder und nicht auch an den Stakeholder Value denkt, wird seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht.

IZ: Als Chef eines Unternehmens, das sich in Familienhand befindet und ein Family-Office zur Schwester hat, lässt sich das leicht sagen.

Kreiterling: Mag sein. Ich empfinde das aber auch als eine Herausforderung und große Verantwortung. Es geht um Haltung, um Reputation, die auf die Unternehmerfamilie ein Licht werfen, aber auch durch diese geprägt werden. Einige Kollegen - vor allem Kolleginnen - von uns können in dieser Zeit z.B. nur 25% für den Job leisten, weil Schulen und Kitas dicht sind und die Großeltern geschützt werden sollen. Wir zahlen das volle Gehalt und auch den von uns gewährten Kindergartenzuschuss weiter.

IZ: Ihr Kommentar erfuhr viel Zustimmung.

Kreiterling: Inzwischen gab es auf LinkedIn fast 18.000 Ansichten und über 200 Reaktionen. Das ist mein persönlicher Rekord!

IZ: Gab es sonst noch Reaktionen?

Kreiterling: Oh ja, die gab es. Durchweg positive. Sogar von einer Führungskraft aus einem Maklerhaus. Der Makler sah das Ganze allerdings auch mit einem weinenden Auge: Er hatte am Tag vorher seine Kündigung erhalten, obwohl das Haus Kurzarbeit angemeldet hatte! Verwunderlich!

IZ: Man munkelt, dass nicht jeder Mitarbeiter eines Maklerhauses, der offiziell in Kurzarbeit geschickt wurde, auch tatsächlich weniger arbeitet …

Kreiterling: Gerade bei einem Makler kann ich mir nur schwer vorstellen, dass er nicht ans Telefon geht, weil sein zeitliches Limit schon überschritten ist. Wer von Abschlüssen und dem Kundenkontakt lebt, bleibt erreichbar.

IZ: Niemand weiß, wie sich die Corona-Krise weiterentwickelt - und wie heftig sie die Immobilienmärkte treffen wird. Schließen Sie Kurzarbeit bei Landmarken komplett aus?

Kreiterling: Unsere Mitarbeiter sollen auch während und nach der Krise eine hohe Meinung von uns als Unternehmen haben. Sollte die Auslastung nicht immer gegeben sein, nutzen wir die Kapazität für Dinge, die sonst liegen geblieben sind, um Innovationen zu forcieren und Optimierungen unserer Prozesse voranzutreiben. Kurzarbeit würden wir nur im Notfall in Anspruch nehmen.

IZ: Spüren Sie denn Beeinträchtigungen?

Kreiterling: Kurzfristig wenige. Die Banken prüfen das Risikoprofil eines Projekts und der Kreditnehmer noch einmal anders, das schon. Wir bekommen aber weiterhin Finanzierungen zu guten Konditionen. Was jedoch daran liegen könnte, dass wir viel mit Volksbanken und Sparkassen im Geschäft sind. Verkäufe laufen auch noch, wenngleich die jüngsten Reaktionen durchaus verhaltener und abwartender ausgefallen sind. Vor drei Wochen haben wir noch eine Projektentwicklung in Aachen verkauft. Das hat weitestgehend reibungslos geklappt - zu den ursprünglich besprochenen Konditionen. Auf der Mieterseite sind uns allerdings schon drei große Unternehmen wegen Corona abgesprungen bzw. die Verhandlungen wurden auf Eis gelegt. Hinzu kommen noch einige Außenstände bei den Mieten.

IZ: Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Harald Thomeczek.

Harald Thomeczek

Was die Corona-Angst mit Firmen und Investoren macht

Karriere 22.05.2020
Die Pandemie und ihre Folgen für das wirtschaftliche und persönliche Leben verunsichern viele Menschen. Wie Manager mit diesen Ängsten umgehen können und sich das auf die Wirtschaft auswirkt, ... 

Die Pandemie und ihre Folgen für das wirtschaftliche und persönliche Leben verunsichern viele Menschen. Wie Manager mit diesen Ängsten umgehen können und sich das auf die Wirtschaft auswirkt, fragte Savills-Deutschlandchef Marcus Lemli zwei Psychologen.

Führungskräfte-Coaching via Zoom hat in der Corona-Krise zugenommen", weiß Mathias Lohmer, Diplompsychologe und Mitglied der M19-Manufaktur für Organisationsberatung. Da sich Strukturen auf beruflicher wie privater Ebene veränderten, steige in den Chefetagen der Bedarf an Orientierung. Manche Führungskräfte reagierten nach Lohmers Beobachtung auf die Situation mit typischen Angstsymptomen wie Erstarrung, Passivität oder Verstummen. "Es gibt aber auch den Typus des informierenden Führers, der die Emotionen seiner Mitarbeiter ernst nimmt." Ausnahmesituationen wie die die aktuelle Pandemie könnten erfahrungsgemäß das Funktionieren von Organisationen sogar verbessern, weiß Lohmer. "Es kommt zu einem Community-Building, und viele Teams können das Arbeiten im ungewohnten Krisenmodus sogar genießen - es bringt das Beste in ihnen zum Vorschein."

"Wir sehen unmittelbare Auswirkungen der momentanen Stimmung auf die Marktaktivität", beobachtet Savills-CEO Lemli. "Verunsicherung führt zur Zurückhaltung, die Aktivitäten am Investment- und Vermietungsmarkt sind derzeit sehr niedrig und Entscheidungsprozesse werden langsamer."

Im Dialog mit den Kunden ging es nun darum, sich möglichst kreativ auf die neuen Gegebenheiten einzustellen anstatt passiv darauf zu warten, dass der Spuk vorbeigehe. "Wir sprechen mit Eigentümern über Off-market-Ansätze beim Immobilienverkauf und mit Mietern über die Restrukturierung ihrer Verträge. Die Offenheit für Beratung ist derzeit groß." Auch unter den internationalen Investoren spüre man nun mehr Furcht als vor der Krise. "Davon wird Deutschland längerfristig profitieren. Das Land steht im Vergleich zu den europäischen Nachbarn gut da, das wird den Status eines sicheren Hafens stärken."

Corona als ein unterm Strich wohltuender Innovations- und Investitionstreiber für Deutschland also? Nicht ganz, schränkt Bert te Wildt ein. Der Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen rechnet mit einer Zunahme psychischer Krankheiten und von Suchtproblemen, verursacht durch vielfache persönliche Ängste, die die Pandemie ausgelöst bzw. ans Licht gebracht hat. Er rät daher dazu, die Angst-Emotion als Chance für Brüche und Veränderungen zu nutzen. "In die Enge getrieben, sind wir dazu gezwungen, umzudenken und das Bestehende zu hinterfragen."

Monika Leykam

RICS fördert das Lernen

Karriere 22.05.2020
Die Berufsorganisation RICS stellt für Mitglieder und Kandidaten bis Ende Juli alle Lerninhalte kostenfrei bereit. ... 

Die Berufsorganisation RICS stellt für Mitglieder und Kandidaten bis Ende Juli alle Lerninhalte kostenfrei bereit.

Dass viele Beschäftigte in der Immobilienbranche die Zeit des weit verbreiteten Homeoffice zur persönlichen Weiterbildung nutzen, spürt auch die Berufsorganisation RICS. Sie bietet seit Mitte März alle ihre Inhalte zum Lernen und Weiterbilden nicht nur für ihre Mitglieder, sondern auch für die Anwärter auf eine Mitgliedschaft kostenlos im Internet an. Dazu zählen nicht nur Kurse zur Prüfungsvorbereitung oder für Zertifikate, die berufsbegleitend erworben werden können, auch zahlreiche Webinare sind seit dem Corona-Lockdown for free. "Wir erfahren darauf ein größeres Echo als erwartet", sagt Sabine Georgi, Country Managerin der RICS in Deutschland. Das Angebot ist zunächst bis Ende Juli beschränkt.

Die RICS hat darüber hinaus die Prüfungen zum MRICS auf ein Online-Verfahren umgestellt. "Das war schon zuvor global erprobt", erzählt Georgi. So konnte RICS Deutschland das Verfahren aus den anderen Ländern schneller adaptieren. Wie bereits zuvor üblich reichen die Prüflinge ihre Unterlagen, die für die Zulassung zur Prüfung benötigt werden, digital ein. Die Prüfung an sich findet dann in einem Videocall statt, zu dem der Kandidat und die Prüfer zugeschaltet werden.

Anke Pipke