Who the f... is Daimler Real Estate?

So soll das neue Serviceterminal der Mercedes-Welt am Salzufer im Berliner Stadtteil Tiergarten aussehen.

So soll das neue Serviceterminal der Mercedes-Welt am Salzufer im Berliner Stadtteil Tiergarten aussehen.

Quelle: Daimler AG

Karriere 04.10.2018
Kein eigener Webauftritt, im Geschäftsbericht nur eine von vielen Töchtern: Daimler Real Estate ist ein eher unbekannter Player auf dem Immobilienmarkt. Dabei beträgt allein der Buchwert ... 

Kein eigener Webauftritt, im Geschäftsbericht nur eine von vielen Töchtern: Daimler Real Estate ist ein eher unbekannter Player auf dem Immobilienmarkt. Dabei beträgt allein der Buchwert der Immobiliensachanlagen des Daimler-Konzerns rund 8 Mrd. Euro. Inklusive angemieteter Flächen steuern die Immobilienprofis ein weltweites Portfolio mit 26 Mio. m² Gebäude- und 100 Mio. m² Grundstücksfläche. Um seinen Bekanntheitsgrad als Unternehmen der Immobilienbranche zu erhöhen, gibt der Immobiliendienstleister des Autobauers seine Zurückhaltung ein Stück weit auf.

Vor zwei Jahren machte sich ein Team von Daimler Real Estate (Daimler RE) auf den Weg zum Karriereforum der Immobilien Zeitung (IZ) in Frankfurt. Der Corporate-Real-Estate-Bereich des Autobauers zeigte damals zum allerersten Mal auf der von der IZ veranstalteten Jobbörse Präsenz als Aussteller. Das Interesse der Studenten, Absolventen und Young Professionals war riesig: 112 Gesprächsanfragen erhielt Daimler RE im Vorfeld des Karriereforums - mehr als klassische Immobilienunternehmen wie BNP Paribas Real Estate (97 Anfragen), JLL (79) oder die ECE (66).

Klar, jeder kennt Daimler. Vor allem die Marke Mercedes-Benz dürfte auf karriereorientierte (Immobilien-)Studenten und Absolventen eine gewisse Strahlkraft entwickeln. Die Immobilientochter des Konzerns ist dagegen für viele immer noch eine Unbekannte. Einen eigenen Webauftritt hat die GmbH, die im Konzernverbund für alle Immobilienanliegen des Konzerns weltweit zuständig ist, egal, um welche Assetklasse es geht, nicht. Und wer die Daimler Real Estate GmbH im Geschäftsbericht des Automobilkonzerns von 2017 sucht, landet einen einzigen Treffer: Im Konzernabschluss taucht die in Berlin ansässige RE-Einheit als eine unter hunderten konsolidierten Tochtergesellschaften auf. Kapitalanteil: 100%. Das war's.

Auch wer den jüngsten Geschäftsbericht nach Hinweisen auf das Immobilienportfolio und die Aktivitäten der Immobilienmannschaft umpflügt, wird kaum fündig: Der Buchwert der Immobiliensachanlagen des Daimler-Konzerns beträgt ca. 8 Mrd. Euro; der Verkauf von Immobilien in der japanischen Stadt Kawasaki brachte 267 Mio. Euro ein, und im Planvermögen für Pensionszahlungen sind Immobilien einer der nicht-börsennotierten Anlagen. Weitere Treffer, die mehr Aufschluss über die Immobilienaktivitäten des global agierenden Großkonzerns geben? Fehlanzeige.

"Im Geschäftsbericht finden Sie kaum Informationen über uns", bestätigt Sofie Todd, zuständig für das Recruiting bei Daimler Real Estate. "Unser Kunde ist der Daimler-Konzern: Wir entwickeln Standorte und beschaffen Flächen für alle Geschäftsbereiche im Daimler-Konzern weltweit, halten uns als interner Dienstleister jedoch im Hintergrund." Für die Immobilien Zeitung macht Daimler eine Ausnahme, ermuntert von der Tatsache, dass die Teilnahme am Karriereforum vor zwei Jahren Daimler Real Estate spürbar einen größeren Bekanntheitsgrad unter (künftigen) Kandidaten verschafft hat.

Einen Beleg hierfür liefert das diesjährige Wunscharbeitgeber-Ranking der Immobilien Zeitung, für das die IZ jedes Jahr hunderte von Studierenden immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge befragt. Daimler hat 2018 einen ansehnlichen Platz im Verfolgerfeld erreicht: Die Immobilientochter des Autoherstellers teilt sich überraschend Rang 21 mit Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, und dem Baukonzern und Projektentwickler Strabag. Namhafte Immobilienunternehmen wie der Fonds- und Asset-Manager Commerz Real, Bonava oder die CG-Gruppe, Deutschlands zweit- und größter Projektentwickler, oder Shoppingcentergigant Unibail-Rodamco-Westfield haben in der Studentenbefragung schlechter abgeschnitten.

Der Hauptgrund, weshalb Daimler Real Estate nicht länger das Licht der Öffentlichkeit scheut, liegt darin, dass die Beschaffung von Immobilienspezialisten eine immer größere Herausforderung darstellt. Das gilt zwar für alle Unternehmen, die Immobilienfachleute suchen - aber für einen Player, der lieber im Hintergrund agiert, eben in besonderem Maße. "Den Studenten ist nicht immer die Existenz und das umfangreiche Tätigkeitsfeld unseres Corporate-Real-Estate-Bereichs bekannt. Das ist für uns eine zusätzliche Herausforderung, geeignete Mitarbeiter zu finden", sagt Todd. Bewerber informieren sich heute bekanntlich erst online über ein Unternehmen. Da ist es sicher nicht förderlich, wenn man über einen potenziellen Arbeitgeber nur spärliche Informationen findet.

Das Team von Daimler Real Estate intensiviert die Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, z.B. für neugierige Studenten auf Unternehmensrundlauf: Als ein Immobilienprofessor einer Hochschule, an der man u.a. Immobilienwirtschaft und -management, Baumanagement und Bauingenieurwesen sowie Architektur studieren kann, unlängst fragte, ob er bei einer Hauptstadt-Exkursion mit seinen Studenten zu Immobilienunternehmen auch bei Daimler Station machen dürfe, sagte der Corporate-Real-Estate-Manager des Daimler-Konzerns nicht nein. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Klassische Immobilienunternehmen drängen sich den Studierenden an den Hochschulen, Karrieremessen oder an Tagen der offenen Tür förmlich auf.

Wer also ist Daimler Real Estate? Im Konzernverbund gehört die Immobilieneinheit zum Ressort Finance & Controlling. Das betreute Portfolio umfasst alle im Konzern erforderlichen Nutzungstypen und damit alle wesentlichen Assetklassen der Immobilienbranche: Einzelhandel, Büro, Logistik, Forschungs- und Entwicklungszentren, Produktionsimmobilien sowie diverse Sonderthemen wie z.B. Teststrecken oder besondere Vertriebsformaten wie die mercedes-me-Stores (eine Mischung aus Autohaus, Café und Event-Location in City-Lage). Daimler RE ist für alle Geschäftsbereiche rund um den Globus der exklusive Flächenbeschaffer. Und das sind ziemlich viele: In über 50 Ländern nutzt der Automobilhersteller Grundstück- und Gebäudeflächen, sei es im Eigentum oder zur Miete.

Das Real-Estate-Team ist also global aktiv und bespielt alle möglichen Assetklassen - und dies in den unterschiedlichsten Projektdimensionen vom Mietvertragsmanagement bis hin zur kompletten Standortentwicklung. Das Spannende an einer Tätigkeit für einen Corporate ist, dass sich Veränderungen im Kerngeschäft sofort in den Anforderungen an die Immobilienmannschaft niederschlagen: "Der Daimler-Konzern entwickelt sich vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister. Das hat alles direkte Auswirkungen auf unser Geschäft." (Anm. d. Red.: In diesem Jahr haben Daimler und BMW die Absicht, ein Joint Venture für Mobilitätsdienstleistungen gründen zu wollen, bekannt gegeben.) "Neue Geschäftsbereiche fokussieren auf neue, urbane Standorte. Elektrofahrzeuge brauchen Strom, dies hat unmittelbaren Einfluss auf Gebäudetypen und Gebäudeinfrastruktur", berichtet Todd. "Auch die Anforderungen an Logistikflächen und -standorte unterliegen einem Wandel, und der Bürobedarf verändert sich sowieso laufend."

Mit dem wachsenden und sich verändernden Flächenbedarf des Autokonzerns wächst auch der Personalbedarf von Daimler Real Estate: "Vor drei Jahren haben wir uns im Real-Estate-Bereich neu aufgestellt und im Zuge dessen unsere Mannschaft vergrößert", erzählt Todd. Der Großteil der Mitarbeiter sitzt in Berlin sowie am Konzernsitz in Stuttgart und betreut von dort die deutschen und internationalen Transaktions- und Bauprojekte. Weitere Standorte befinden sich in den USA, China und Japan.

"Bedarf an engagierten und qualifizierten Mitarbeitern haben wir immer wieder", sagt Todd und zählt auf: "Architekten, Bauingenieure, Betriebswirte, Kaufleute und Juristen suchen wir insbesondere, um die komplette Bandbreite von immobilienbezogenen Aufgaben durchzuführen, aber auch um Analysen zu strategischen Fragestellungen vorzunehmen, Marktforschung in den Immobilienmärkten im Allgemeinen zu betreiben oder Digitalisierungsprozesse voranzubringen. Unsere Wunschkandidaten besitzen in der Regel mindestens einen Bachelor-Abschluss mit Immobilienbezug, haben erste praktische Erfahrungen gesammelt und englische Sprachkenntnisse." Berufserfahrung - drei bis fünf Jahre - ist kein Fehler, "wir stellen aber auch direkt von der Uni sowie Praktikanten oder Werkstudenten ein. Außerdem betreuen wir Bachelor- und Master-Arbeiten", wirbt Todd um Nachwuchskräfte.

Wer sich fragt, ob er bei Daimler Real Estate genau richtig wäre oder eher nicht, kann sein eigenes Profil mit folgender Beschreibung abgleichen: "Wir suchen Teamplayer, da jedes Projekt eine enge Partnerschaft mit den jeweiligen Geschäftsbereichen erfordert. Selbstorganisation und eine strukturierte Arbeitsweise sind essenziell, und man sollte viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten können."

Harald Thomeczek

Weitere Nachrichten aus der Rubrik Karriere

REaL und EBS bieten interdisziplinären Austausch für Masterstudenten an

Karriere 23.09.2022
Im Master-Studiengang Real Estate arbeitet das Real Estate Management Institute (REMI) der EBS Universität mit dem Verein Real Estate and Leadership Foundation (REaL) zusammen. Im dritten ... 

Im Master-Studiengang Real Estate arbeitet das Real Estate Management Institute (REMI) der EBS Universität mit dem Verein Real Estate and Leadership Foundation (REaL) zusammen. Im dritten Semester soll so ein interdisziplinärer Austausch geschaffen werden.

Nach einem Pilotprojekt im Wintersemester 2021/2022 setzen REaL und REMI das gemeinsame Programm Interdisciplinary Track fort. Das Programm wird in Hamburg durchgeführt und als drittes Semester im Rahmen des Master-Studiengangs Real Estate angeboten. REaL bildet dabei ein Scharnier zwischen Wissenschaft und Praxis.

Das Programm besteht aus mehreren Modulen, die Themen wie Architecture & Building Technologies, Buildung Sustainability, ESG und Digital Transformation in the Real Estate Industry behandeln. Der Schwerpunkt soll in diesem Jahr zum einen auf hierarchie- und disziplinübergreifenden Leadershipansätzen für die Optimierung bei der Umsetzung von ESG-Kriterien und zum anderen auf der interdisziplinären Analyse von Lösungsoptionen für eine nachhaltige Innenstadtentwicklung liegen. Darüber hinaus können Studierende am REaL Practice Partnership Programme teilnehmen, das sie mit Mitgliedern und des Vereins in Form einer Werkstudententätigkeit zusammenbringt.
Janina Stadel

Talentsucher nutzen soziale Netzwerke

In einer Online-Kampagne gab Apleona Einblicke in den Berufsalltag von Mitarbeitern in Rom.

In einer Online-Kampagne gab Apleona Einblicke in den Berufsalltag von Mitarbeitern in Rom.

Quelle: Apleona

Karriere 22.09.2022
Auf der Suche nach Kandidaten für offene Stellen bewegen sich viele Personaler online. Sie klinken sich etwa in Facebook-Gruppen ein, um Kontakt zu Technikern aufzunehmen, posten ... 

Auf der Suche nach Kandidaten für offene Stellen bewegen sich viele Personaler online. Sie klinken sich etwa in Facebook-Gruppen ein, um Kontakt zu Technikern aufzunehmen, posten Azubi-Storys bei Instagram oder schreiben potenzielle Kandidaten für Chefposten bei Linkedin persönlich an. Dahinter stecken oft ganze Recruiting-Teams, die sich passende Inhalte für die Beiträge im Web überlegen.

Um Stellen zu besetzen, sind Recruiter in sozialen Netzwerken unterwegs, denn mit einfachen Stellenausschreibungen auf der eigenen Webseite oder Karriereportalen wie Stepstone und Indeed ist es aufgrund des andauernden Fachkräftemangels längst nicht mehr getan. Dass Wohnungsunternehmen und Verwalter händeringend neue Mitarbeiter suchen, bestätigte jüngst der EBZ-HR-Monitor 2022. 88% der befragten Immobilienunternehmen gaben an, dass die Rekrutierung von technischen Fachkräften immer schwieriger wird. Auch im kaufmännischen Bereich wird dringend Nachwuchs gesucht. Allein der Immobiliendienstleister Apleona hat 600 offene Stellen, quer durch alle Bereiche. Potenzielle Kandidaten auf Social Media gezielt anzuschreiben, erscheint im heutigen Arbeitnehmermarkt Erfolg versprechend. Während manche Firmen noch damit beschäftigt sind, sich überhaupt Präsenzen auf Xing oder Facebook einzurichten, haben andere schon ausgefeilte Recruiting-Strategien im Social Web entwickelt.

Stellenanzeigen alleine reichen nicht mehr

Zur zweiten Kategorie gehört Apleona. Findige HR-Mitarbeiter des Unternehmens nutzten im Juli zum Beispiel ein großes Pop-Konzert als Anlass, um für ihren Arbeitgeber zu werben. Im Frankfurter Waldstadion fand die ausverkaufte Show der britischen Band Coldplay statt. Die Recruiter hatten sich direkt vor dem Eingang positioniert, um Konzertgänger über freie Stellen zu informieren. In den sozialen Netzwerken wies das Unternehmen auf die Aktion hin, lud Interessierte zum Info-Stand, was diesem großen Zulauf bescherte. "Social Media ist für die Suche nach Talenten unverzichtbar geworden", sagt Apleona-Personalchefin Catharina Lenz.

Viele andere haben im Social-Media-Recruiting noch Luft nach oben. Das Berliner Wohnungsbauunternehmen Degewo beispielsweise will nach eigener Aussage in Sachen Social Media aktiver werden. Aktuell werden die Stellenanzeigen hauptsächlich auf der Degewo-Karrierepage und bei Portalen wie Stepstone und Indeed veröffentlicht, künftig wollen die HRler Xing und Linkedin stärker einbinden. Dort ist die Konkurrenz groß, denn die meisten Unternehmen setzen bei der Personalsuche auf diese klassischen Karrierenetzwerke. So auch der Immobiliendienstleister BNP Paribas Real Estate (BNPPRE), der Linkedin vor allem dafür verwendet, offene Stellen in den Geschäftsbereichen Transaction, Consulting, Valuation und Investmentmanagement zu besetzen. Auf Xing versucht das Unternehmen technische Property-Manager für sich zu gewinnen.

BNPPRE ist in den sozialen Netzwerken generell sehr aktiv, teilt dort beispielsweise regelmäßig den eigens produzierten Podcast. Auch in diesem Format spielte das Thema Karriereoptionen schon eine Rolle. Personalchef Philipp Benseler informierte beispielsweise in einer Folge im Frühjahr 2022 über Einstiegs- und Weiterentwicklungschancen in der Immobilienbranche.

Die Immobilienvermittlung Heimstaden Deutschland teilt auf Linkedin Jobinserate und verlinkt auf die eigenen Karriereseiten. Zudem versieht Manuel Kiep, Head of People & Culture, gepostete Stellenausschreibungen mit einem persönlichen Aufruf. Apleona-Personalchefin Lenz und ihr 16-köpfiges Recruiting-Team schreiben passende Kandidaten via Xing und Linkedin direkt an. "Wir fügen in der persönlichen Nachricht gern unsere E-Mail-Adresse und Handynummer an", sagt sie. "Dann können die Kandidaten mit dem jeweiligen Recruiter über Whatsapp in Kontakt treten." Es soll möglichst unkompliziert sein, sich zurückzumelden – je niedriger die Hemmschwelle, desto größer der Erfolg. Auch nutzt das Unternehmen die jeweiligen kostenpflichtigen Recruitingtools, wie den Xing-Talentmanager, der Arbeitgebern beispielsweise Kandidatenempfehlungen anhand festgelegter Suchkriterien liefert. Weil die Profile passgenau ausgewählt werden können, sei die Erfolgsquote über eine Direktansprache hoch, sagt das Unternehmen.

Auf Instagram sieht Apleonas Strategie dagegen anders aus: Hier gibt der Immobiliendienstleister Einblicke in den Arbeitsalltag, um Auszubildende für sich zu gewinnen und Junior-Positionen zu besetzen. Während Lenz und ihr Recruiting-Team Kandidaten eigentlich siezen, machen sie bei Instagram eine Ausnahme. "Eine formale Ansprache würde überhaupt nicht zur Zielgruppe passen", sagt die HR-Expertin. Stattdessen präsentiert Apleona Testimonials aus den eigenen Reihen, sogenannte Corporate-Influencer, die selbst Inhalte produzieren. Geht es zum Beispiel um offene Ausbildungsstellen für Bürokaufleute, dann berichten Azubis aus dem Unternehmen von ihrem Alltag, meist in einer multimedialen Instagram-Story.

Netzwerke schaffen Kontaktmöglichkeiten

Auch Apleona-Mitarbeiter von Auslandsstandorten zeigen sich auf dem Kanal: In einer aktuellen Corporate-Influencer-Kampagne präsentieren sich zum Beispiel italienische Apleona-Mitarbeiter in ihrer Berufskleidung vor den Wahrzeichen Roms und Venedigs. Da passiert es schon mal, dass die Techniker vor der Kamera Jeans zur Arbeitsjacke tragen – in der Realität aus Sicherheitsgründen ein No-Go. Apleona-Konzernsprecher Oliver Stumm zuckt dann schon mal zusammen, wie er sagt, "wenn wir sehen, dass jemand auf einem Bild Jeans trägt statt der vorgeschriebenen Arbeitshose". Aber solche kleinen Schönheitsfehler seien für das Recruiting zu verschmerzen. Hinzu kommt: Engagierte Mitarbeiter in den Dienst der Arbeitgebermarke zu stellen, ist eine gleichermaßen wirksame wie kostengünstige Option.

Er selbst habe bei Linkedin zur Kampagne einen "staatstragenden Post" geschrieben, sagt Stumm und lacht. Die HR-Kollegen setzen indessen auf lockere Formulierungen. Mit dem Marketing gibt es in Sachen Social Media natürlich Überschneidungen, schließlich möchte der Konzern ein einheitliches Bild bieten. Aber für die Recruiting-Kanäle sind HR-Chefin Lenz und ihr Team verantwortlich. Sie posten nicht nur Storys und Bilder aus dem Unternehmen – meist in Verbindung mit dem Link zur eigenen Karriere-Website –, sondern gehen gezielt auf die Suche nach potenziellen Talenten.

Facebook steht bei Lenz ebenfalls hoch im Kurs: vor allem für die Ansprache von Menschen mittleren Alters, beispielsweise Techniker und Handwerker, die sich in entsprechenden Gruppen austauschen. In diese geschlossenen Gruppen versucht sich die Apleona-HR einzuklinken. Gelingt das, ist es besonders vielversprechend, Direktnachrichten an Gruppenmitglieder zu senden, denn dort ist genau die gewünschte Zielgruppe vertreten. Gerade bei Facebook ist es zudem gängige Praxis, über kostenpflichtige Tools Posts abzusetzen, die dann beispielsweise an Nutzer aus einer bestimmten Region oder eines bestimmten Alters ausgespielt werden. Apleona nutzt dafür sein Werbebudget. Die Höhe sei abhängig von der Dauer und Region der Anzeige. Für vier Wochen müsse man mit rund 3.000 Euro für einen solchen Post rechnen.

Das Wohnungsunternehmen Heimstaden setzt bei der dringlichen Suche nach Handwerkern und Hausmeistern auf klassische Rekrutierung abseits des Netzes: zum Beispiel über regionale Aushänge in Supermärkten. Hier gilt die goldene Regel: Recruiter sollten dort sein, wo die Talente sind. Deswegen überlegt Apleona-Personalerin Lenz, die Aktivitäten weiter auszubauen. "Der Ruf bei uns wird lauter, auch einen Tiktok-Kanal im Recruiting einzusetzen", erzählt sie. "Da sind so viele junge Leute unterwegs – es wäre schade, sie zu verpassen."

#/ZZ#

Die Autorin: Anne Hünninghaus ist Journalistin bei der Wirtschaftsredaktion Wortwert.

Anne Hünninghaus

Arbeitskräfte sind in der Logistik ein Standortfaktor

In Logistikzentren müssen oft mehrere Hundert Stellen schnell besetzt werden.

In Logistikzentren müssen oft mehrere Hundert Stellen schnell besetzt werden.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: Gorodenkoff

Karriere 15.09.2022
Damit ein Logistikzentrum den Betrieb aufnehmen kann, müssen viele Posten besetzt werden. Um an einem Standort genügend Mitarbeiter zu finden, starten Unternehmen die Suche mit viel ... 

Damit ein Logistikzentrum den Betrieb aufnehmen kann, müssen viele Posten besetzt werden. Um an einem Standort genügend Mitarbeiter zu finden, starten Unternehmen die Suche mit viel Vorlauf vor der Eröffnung und haben dafür verschiedene Strategien entwickelt. Sie reichen von Kooperationen mit Jobcentern bis zum Abwerben von der Konkurrenz.

Wenn Kommunen dem Bau eines Logistikzentrums vor den Toren der eigenen Stadt skeptisch gegenüberstehen, können sie mit Zahlen zu möglichen wirtschaftlichen Profiten oft umgestimmt werden. Das weiß Andreas Preußer, geschäftsführender Gesellschafter von Complemus. Das Unternehmen aus Aachen entwickelt Unternehmensimmobilien für Nutzer in ganz Deutschland und übernimmt teilweise auch die Grundstückssuche für seine Auftraggeber. Zu seinen Argumenten zählen dabei nicht nur das zu erwartende, vielleicht gar nicht so große Verkehrsaufkommen und Angaben zur energetischen Nachhaltigkeit der Gebäude, sondern auch zu Arbeits- und Ausbildungsplätzen, die entstehen. Das gelte besonders an Standorten, an denen Flächen von alteingesessenen Produktionsstätten nach deren Schließung übernommen werden, weil durch die gleichzeitige Übernahme der Arbeitskräfte die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben können.

Denn um den Betrieb aufnehmen zu können, müssen in den Lager- und Umschlagshallen unterschiedliche Posten besetzt werden. Das gilt laut Preußer vor allem für Servicelogistiker, die Kontraktlogistik für andere Unternehmen betreiben. "Wir sprechen dabei meist von Logistikzentren mit einer Fläche von 10.000 bis 15.000 qm", sagt Preußer und rechnet vor: "In zwei Schichten arbeiten dort meist um die 80 Lageristen, also 160 am Tag."

Knapp 6.000 sozialversicherungspflichtige Stellen mussten deshalb in den vergangenen Jahren in und um Mönchengladbach besetzt werden. Dort sind insgesamt neun Immobilienentwicklungen aus dem Logistiksektor entstanden, vor allem im Regiopark Mönchengladbach, wo sich u.a. Zalando, DHL, Primark und Esprit angesiedelt haben, und im Industriegebiet Mönchengladbach-Rheindahlen. Dort haben u.a. Reuter und Amazon Logistikzentren bezogen. Sie fungieren inzwischen als wichtige Arbeitgeber in der Stadt und haben dazu geführt, dass der Sektor zu einem festen Wirtschaftsstandbein in der Region wurde, wie Daniel Dieker, Projektmanager bei der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG), erklärt.

Um die Belegschaften aufzubauen, haben die Betreiber der Zentren in den vergangenen Jahren eng mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit zusammengearbeitet und profitierten von einer vergleichsweise hohen Quote von Arbeitslosengeld-I- und -II-Beziehern in der Region. "Diese stellten ein Arbeitnehmerpotenzial dar", sagt Dieker. Bis heute handle es sich bei den wenigsten Mitarbeitern in den Logistikzentren um Pendler, die meisten Stellen werden von Bewohnern der Stadt besetzt.

Hat sich ein Standort als Logistikhotspot etabliert, greifen viele Unternehmen bei der Suche nach Mitarbeitern auf eine weitere Strategie zurück. Sie werben das Personal innerhalb der Branche ab, weiß Preußer und ergänzt, dass dadurch "häufig ein Kampf um die Löhne entfacht".

Abwerben entfacht einen Kampf um die Löhne

Diese Erfahrung teilt Dieker mit Blick auf Mönchengladbach. "Es besteht sicherlich ein Wettbewerb der Betriebe untereinander, der sich darin äußert, dass attraktive Arbeitsbedingungen geboten werden müssen, um Mitarbeiter langfristig an das jeweilige Unternehmen zu binden." Einstiegsgehälter für ungelernte Kräfte liegen laut WFMG in der Region mit zwölf bis 13 Euro pro Stunde inzwischen über dem Mindestlohn.

Denn bei den meisten Stellen geht es um Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor. Die Arbeiter werden in den Hallen zum Beispiel als sogenannte Picker eingesetzt, die Waren aus den Lagerbeständen zusammenstellen. Weitere Kräfte helfen an den Laderampen Waren ein- und auszuladen. "Sie kommen meistens ungelernt in das Unternehmen und werden dann geschult, wie sie mit Waren umgehen und sie im Warenwirtschaftssystem erfassen", erklärt Preußer das Profil. Wenn für Positionen weitere Qualifikationen wie zum Beispiel ein Gabelstaplerschein notwendig sind, bilden die Unternehmen die Kräfte oft selbst auf eigene Kosten weiter.

Zusätzlich müssen in den Logistikzentren noch Positionen in der technischen Wartung, der Unternehmensführung und dem Management sowie in der kaufmännischen Steuerung und Standortleitung besetzt werden. Preußer schätzt, dass für diese qualifizierten Arbeiten in einem durchschnittlichen Logistikzentrum etwa 30 bis 80 Positionen besetzt werden, was meist einem Viertel bis einem Drittel der Gesamtbelegschaft entspricht.

Um sicherzugehen, dass ein Standort genügend Kandidaten aus allen Segmenten hergibt, empfiehlt er deshalb Baugrundstücke in der Nähe zu Städten mit mindestens 50.000 Einwohnern. Die Stadtnähe sei auch wichtig für die Anbindung der Mitarbeiter aus dem Schichtbetrieb, die oft keinen eigenen Pkw besitzen und somit auf öffentliche Verkehrsmittel wie Busse oder S-Bahnen angewiesen sind. Weitere Voraussetzungen im näheren Umfeld brauchen Fulfillmentzentren. Als Beispiel nennt Preußer Versanddienstleister, die saisonal auf Verstärkung angewiesen sind. "Spitzen gibt es dann zum Beispiel in der Weihnachtszeit." Weil die zusätzlichen Kräfte in der Regel nur für einen festgelegten Zeitraum im Logistikzentrum arbeiten, werden sie zum Teil für begrenzte Zeit als Aushilfen oder über Zeitarbeitsfirmen aus anderen Regionen oder dem Ausland hergeholt. "Und sie müssen in dieser Zeit auch untergebracht werden", sagt Preußer. Dafür beauftragen die Betreiber der Logistikzentren spezielle Dienstleister, die Unterbringungen und Hotels in der Nähe des Arbeitsplatzes für die Mitarbeiter auf Zeit bereitstellen.

Betreiber von Logistikzentren, die an bestehende Produktionsstandorte angebunden werden, sollten hingegen auf möglichst kurze Wege – sowohl zwischen den Immobilien als auch in Bezug auf Arbeitswege von Angestellten – achten. Denn an diesen Standorten werden meist mehr spezialisierte Kräfte eingesetzt, die lange Fahrten bei der Jobwahl abschrecken könnten.

Die Suche nach Mitarbeitern startet bei den meisten Logistikprojekten mit viel Vorlauf. Bis zu einem Jahr lassen sich die Unternehmen Zeit, um alle Stellen bis zur Eröffnung besetzt zu haben. Dabei tun sich selbst etablierte Arbeitgeber mit langjähriger Erfahrung immer schwerer, Kandidaten für sich zu gewinnen.

"Die Zahl der geeigneten Bewerbungen geht Jahr für Jahr weiter zurück", heißt es von Rossmann. Die Drogeriekette beschäftigt aktuell rund 3.700 Mitarbeiter an neun Verteilzentren und einigen Standorten für Online- und Importlogistik sowie in Eigenbedarfslagern. Allein 500 von ihnen sind im Regionallager in Burgwedel in Niedersachsen angestellt, das an die Unternehmenszentrale angeschlossen ist. Dort soll bis Ende März 2024 das bestehende Logistikzentrum durch einen 42.000 qm großen Neubau in der unmittelbaren Nachbarschaft ersetzt werden. Zwar ziehen die bestehenden Mitarbeiter aus dem jetzigen Gebäude mit um, doch rund 50 weitere Kräfte will Rossmann bis zur Eröffnung noch aufstocken.

Dafür sucht das Unternehmen gezielt auf Jobbörsen, mit Social-Media-Kampagnen und über die Agentur für Arbeit nach Mitarbeitern. Als bekannter Arbeitgeber in der Region hat Rossmann zudem ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm ins Leben gerufen, etwa ein Jahr vor der Grundsteinlegung des neuen Zentrums. Dabei setzt das Unternehmen auch auf ein ganzheitliches Employer-Branding und wirbt beispielsweise mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld, einer betrieblichen Rente und regelmäßigen Warengutscheinen. Weitere beliebte Benefits, die Logistikmitarbeitern angeboten werden, sind ein Wäschereiservice für Arbeitskleidung und Verpflegung in den hauseigenen Kantinen.

Gerade Wechsler aus ehemaligen Produktionshallen, werden zudem oft mit den besseren Arbeitsbedingungen in die Logistik gelockt. Im Neubau geht Rossmann noch einen Schritt weiter und betont die moderne technische Ausstattung, bei der Pakete an Packplätzen automatisch und ohne zusätzlichen Muskeleinsatz gehoben werden. Davon verspricht sich Rossmann eine Produktivitätssteigerung von rund 20% entlang der gesamten Lieferkette, was gleichzeitig bedeutet, dass für den vergrößerten Neubau verhältnismäßig wenig zusätzliche Mitarbeiter gebraucht werden.

Janina Stadel