Womit Unternehmen Studenten erobern

"Das könnte Ihr Stuhl in fünf Jahren sein!" Arbeitgeber punkten vor allem mit dem Aufzeigen von Karriereperspektiven bei Studenten.

"Das könnte Ihr Stuhl in fünf Jahren sein!" Arbeitgeber punkten vor allem mit dem Aufzeigen von Karriereperspektiven bei Studenten.

Bild: FotoEdhar/Fotolia.com

Karriere 02.10.2014
Mein Haus, mein Auto, mein Boot - das war einmal. Beruflicher Erfolg misst sich nicht mehr nur in Statussymbolen und für ein gelungenes Berufsleben braucht es mehr als Geld. Deswegen schauen ... 

Mein Haus, mein Auto, mein Boot - das war einmal. Beruflicher Erfolg misst sich nicht mehr nur in Statussymbolen und für ein gelungenes Berufsleben braucht es mehr als Geld. Deswegen schauen junge Immobilienstudenten bei der Wahl ihres Arbeitgebers auch auf andere Faktoren als nur den Gehaltsscheck.

Wenn Unternehmen Immobilienstudenten für sich gewinnen möchten, dann sollten sie die möglichen Laufbahnen in der Firma aufzeigen können. Denn Perspektiven sind der wichtigste Faktor bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Umfrage zur IZ-Joboffensive, an der sich 446 Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge beteiligt haben. Die Befragten bewerteten 21 Kategorien hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Wahl eines Arbeitgebers mit den Noten von eins (sehr wichtig) bis sechs (unwichtig/nicht relevant). Karriere-Perspektiven liegen mit deutlichem Abstand vorn (1,58), und das nicht zum ersten Mal. Schon 2009 war den Studenten dieses Kriterium am wichtigsten. Die Unternehmen reagieren auf solche Wünsche. JLL, ECE und Hochtief beispielsweise haben neben der klassischen Führungskarriere längst Fachkarrierepfade entwickelt, um auch Spezialisten Entwicklungsoptionen zu bieten.

Weiterbildungsangebote sind den Studenten am zweitwichtigsten. Auch hier laufen sie bei den Arbeitgebern offene Türen ein. Viele Immobilienunternehmen setzen auf kontinuierliche Weiterbildung und einige haben sogar unternehmenseigene Akademien gegründet, wie z.B. Drees & Sommer.

Erst an dritter Stelle nennen die Studierenden die Höhe des Gehalts als Entscheidungsgrundlage. Das war 2009 noch ganz anders: Damals rangierte der Lohnzettel auf Rang sieben. Von der Punktzahl her fast gleichauf mit dem Gehalt bewerten die baldigen Berufseinsteiger die Kategorien "sicherer Arbeitsplatz" und "Unternehmenskultur", dicht gefolgt von Programmen für Führungskräfte und Karriereplanung, dem Unternehmensimage und dem Standort des Unternehmens (2,08).

Den Wertewandel hat auch Brigitte Adam, geschäftsführende Gesellschafterin von ENA Experts Real Estate Valuation, beobachtet. Früher sei das Thema Karriere stärker mit materiellen Statussymbolen verbunden gewesen, sagt Adam. Heute gehe es Berufseinsteigern und Young Professionals eher um die Frage: Kann ich alle meine Lebensthemen abdecken? Deswegen bietet ENA flexible Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle an. Auch bei der Wahl des Bürostandorts stehe das Team im Mittelpunkt: Fühlen sich die Mitarbeiter wohl? Lassen sich die Räumlichkeiten gut erreichen? Das seien die ausschlaggebenden Faktoren, sagt Adam. Einen Pfad für eine Junior-Partnerschaft haben sich die drei ENA-Gesellschafter überlegt. Doch das alles gibt es nicht zum Nulltarif. Adam erwartet im Gegenzug "Leidenschaft und Interesse daran, etwas zu gestalten".

Die IZ-Joboffensive 2014

Die Joboffensive für die Immobilienwirtschaft, eine Initiative der Immobilien Zeitung (IZ), fördert seit 2001 den Austausch zwischen Arbeitgebern der Immobilienwirtschaft und Berufseinsteigern. Orientierung für den Übergang vom Studium in den Beruf bietet u.a. eine Gehalts- und Arbeitsmarktumfrage, an der sich in diesem Jahr 115 Immobilienunternehmen und 446 Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge beteiligt haben. Die Ergebnisse der Umfragen wurden im IZ-Karriereführer 2014/15 für die Immobilienwirtschaft veröffentlicht. Der rund 500 Seiten starke Ratgeber ist über den IZ-Shop für 29 Euro erhältlich. Mehr als 130 Arbeitgeber präsentieren sich im IZ-Karriereführer und auf der Internetseite IZ-Jobs.de. Ansprechpartnerin für die Porträts ist Martina Walker (E-Mail: walker@iz.de). Unterstützt wird die IZ-Joboffensive 2014 von: Aareal Bank, Bernd Heuer & Partner Human Resources, BNP Paribas Real Estate, CBRE, Corpus Sireo, DTZ, ECE, Irebs Immobilienakademie, Kaufland, Messe München/Expo Real, mfi management für immobilien, Patrizia Immobilien und RGM. sma

Sonja Smalian

Weitere Nachrichten aus der Rubrik Karriere

Diese Jobs warten auf der Karrierewoche

Bereit? Am 26. Oktober geht die digitale IZ-Karrierewoche los.

Bereit? Am 26. Oktober geht die digitale IZ-Karrierewoche los.

Quelle: imago images, Urheber: Panthermedia

Karriere 22.10.2020
Mit Hilfe der digitalen Karrierewoche der IZ kommende Woche möchten die virtuellen Aussteller jede Menge Jobs besetzen. Sie erwarten eine größere Vielfalt von Bewerbern als sonst beim ... 

Mit Hilfe der digitalen Karrierewoche der IZ kommende Woche möchten die virtuellen Aussteller jede Menge Jobs besetzen. Sie erwarten eine größere Vielfalt von Bewerbern als sonst beim Karriereforum.

In diesem pandemiegeprägten Jahr laden Immobilien Zeitung (IZ) und Heuer Dialog Arbeitgeber aus der Immobilienwirtschaft und Bewerber zur digitalen Karrierewoche statt zum Karriereforum in Frankfurt ein. Vom 26. bis 30. Oktober tauschen sich Firmenvertreter digital mit ihren potenziellen neuen Mitarbeitern aus.

Gesprächsstoff dürfte es genug geben. 25 Unternehmen haben sich für das Event angemeldet. Sie haben etliche Jobangebote dabei. Meistens wird die ganze Bandbreite vom Praktikanten bis zum Berufserfahrenen gesucht. Die erste Einstiegshürde ist häufig ein laufendes oder abgeschlossenes immobilienwirtschaftliches Studium und/oder eine entsprechende Ausbildung.

Die zahlreichen Maklerhäuser, die auf der Karrierewoche vertreten sind, rollen ihr Angebot in vielfältigen Einsatzgebieten aus. Savills bietet vor allem Stellen in der Vermietung von Büros oder Logistikimmobilien an, im Bereich Bewertung, im Property- und Facility-Management sowie in der Assistenz. JLL geht es ähnlich. Das Unternehmen bringt rund ein Dutzend Ausschreibungen mit. Sie beziehen sich unter anderem auf Posten aus den Bereichen Valuation & Transaction Advisory, Office Investment und Residential Development. Ein Schwerpunkt liege auf der Bewertungsabteilung. Auch CBRE sucht verstärkt im Segment Valuation nach Neuzugängen, ebenso wie im Property-Management. Trainee-Plätze sind ebenfalls noch zu vergeben.

Vor allem um das Kerngeschäft, die Immobilienberatung und -vermittlung, geht es indes bei Aengevelt Immobilien. Das Familienunternehmen bringt vier offene Positionen für Young Professionals oder langjährig Erfahrene mit. Wer sich mit der Anwendung branchenbekannter IT-Systeme auskennt, sammelt damit weitere Pluspunkte.

Eine besonders große Vielfalt offener Stellen bietet BNP Paribas Real Estate an. Die Liste umfasse "alle unsere Geschäftsbereiche von Transaction, Consulting und Valuation, Property-Management sowie Investmentmanagement bis hin zu unseren Central Functions", teilt das Unternehmen mit.

ECE setzt darauf, über die Karrierewoche Berufseinsteiger beispielsweise für die Wohnprojektentwicklung oder Berufserfahrene für das Asset-, Facility- oder Vermietungsmanagement zu finden. Neue Führungskräfte im Segment Work & Live sind auch willkommen.

Das Format der Karrierewoche findet gleich Zuspruch unter den Firmen. Savills hofft, "dass gegebenenfalls sogar mehr Kandidaten an der IZ-Karrierewoche teilnehmen als zuvor, da das virtuelle Format es für Kandidaten deutschlandweit einfach, kosten- und zeitsparender ermöglicht teilzunehmen". Auch Edge sieht einen Pluspunkt: Durch die Ausdehnung auf eine Woche hätten Teilnehmer mehr Zeit für den Kontakt zu den Unternehmen. Ein weiteres Novum, von dem sich die Unternehmen Erfolg versprechen: Sie treffen bei der Karrierewoche anders als zuvor mehr Berufserfahrene. CBRE begrüßt diese Vorteile, weiß aber, dass "dies nicht den direkten persönlichen Austausch ersetzt, der es Bewerbern noch einfacher macht, ein Gefühl für CBRE zu bekommen".

Anke Pipke

Lasst die andere Hälfte der Menschheit auch mitreden!

Anne Tischer.

Anne Tischer.

Quelle: Karma she said... Kommunikation für Diversity & werteorientiertes Management, Urheberin: Farideh Diehl

Karriere 22.10.2020
Die Diskussion um zukunftsfähige Konzepte für die Branche braucht dringend mehr Frauen, sagt Anne Tischer, Gründerin von Karma she said und der Initiative Frauen in Führung. Sie fordert 50% ... 

Die Diskussion um zukunftsfähige Konzepte für die Branche braucht dringend mehr Frauen, sagt Anne Tischer, Gründerin von Karma she said und der Initiative Frauen in Führung. Sie fordert 50% Rednerinnen auf den Podien und Panels der Immobilienwirtschaft.

"Neustart der Immobilienbranche", "Wir bauen auf Mut" oder "Machen wir die Zukunft daraus" - seit dem Ausbruch von Corona titelt nahezu jedes Branchenevent mit Bezug auf die Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft. Immer geht dabei der Blick in die Zukunft und auf die Frage, welche Lösungen und Konzepte die richtigen sind, für die verödenden Innenstädte, für Büros, Einzelhandel und Hotels oder die Digitalisierung.

Was alle Events eint: Die Ideen und Konzepte werden fast ausschließlich von Männern diskutiert. Das Programm für die Hybrid Expo in München hatte 15% Frauen auf den Messepanels vermeldet. Auch die Kongresse der Verbände und Veranstalter*innen setzen auf denselben Rednertypus: männlich, weiß, zwischen 50 und 60, Geschäftsführer oder Vorstand, Branchengewächs. Doch zukunftsfähige Lösungen brauchen vor allem eines, mehr Frauen, die sich einbringen und mitdiskutieren.

Hier fünf Gründe für mehr Frauen auf den Panels: Erstens, sie sind die Hälfte der Menschen, die Immobilien nutzen, die darin wohnen, arbeiten, einkaufen, leben. Wenn die Zukunft der Branche diskutiert wird, gehören Frauen mit an den Tisch und auf die Bühne, zu 50%!

Zweitens, Frauen sind die Hälfte der klügsten Köpfe in der Branche. Auf sie zu verzichten, wenn neue Ideen vorgestellt und entwickelt werden, ist eine riesige vertane Chance, auch mit Blick auf die junge Generation - 64% der Immobilienstudierenden an der TH Aschaffenburg sind weiblich, an der EBS sind es 41% und an der Uni Regensburg 42%.

Drittens: Das größte Problem für die Zukunftsfähigkeit der Branche ist nicht Corona, die Mietpreisbremse oder die Enteignung von Wohnraumbesitzern, sondern die fehlende Diversität in den Führungsebenen. Sie macht Unternehmen innovationsträge, starr und unattraktiv für Talente. Der nötige Kulturwandel gelingt nur, wenn Frauen sichtbarer werden, als Chefinnen in den Unternehmen und als Expertinnen auf den Podien.

Viertens, spannendere Events. Je bunter die Diskussionsrunde, desto interessanter ist sie, das freut sowohl das Publikum als auch Teilnehmer*innen und Veranstalter*in.

Und fünftens, Frauen auf den Panels ziehen andere Frauen nach, indem sie sie mit ihrem Vorbild dazu ermutigen, sich einzubringen, im Job und auf der Bühne.

Anne Tischer