ESG-Experten dringend gesucht

Um die Transformation der Branche voranzutreiben, braucht es Experten mit echtem Interesse am Thema.

Um die Transformation der Branche voranzutreiben, braucht es Experten mit echtem Interesse am Thema.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Janina Stadel

Karriere 30.11.2023
Auf der Suche nach ESG-Managern stoßen Arbeitgeber auf viele Hürden. Die Kandidatenlage ist genauso unübersichtlich wie die Qualifikationen von Bewerbern. Weil auch die Erwartungen der ... 

Auf der Suche nach ESG-Managern stoßen Arbeitgeber auf viele Hürden. Die Kandidatenlage ist genauso unübersichtlich wie die Qualifikationen von Bewerbern. Weil auch die Erwartungen der einstellenden Unternehmen oft voneinander abweichen, müssen Headhunter Interessenten genau unter die Lupe nehmen.

Die Nachfrage nach Experten für Environmental Social Governance (ESG) in allen Sparten der Immobilienwirtschaft reißt nicht ab. Das zeigt sich an den Auftragszahlen von Headhuntern. Während die Personalberatung Cobalt Recruitment im gesamten Jahr 2022 nur eine einzige Funktion mit dem Schwerpunkt vermittelt hat, waren es allein im ersten Halbjahr 2023 schon acht. "Die Herausforderung für die gesamte Branche besteht darin, dass es kein genaues Bild von einem ESG-Experten gibt", sagt Cobalt-Geschäftsführerin Doreen von Bodecker. "Genauso neu wie der Berufsschwerpunkt sind die Zertifizierungen, die bisher angeboten werden", erläutert sie weiter. Diese Weiterbildungen gibt es zum Beispiel bei der IHK Münster unter dem Titel "ESG: Chancen für den Mittelstand", bei der IHK München in Form einer Ausbildung zum Transformation-Manager oder als Webinare zu EU-Taxonomien. Bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) kann man sich in zwei bis drei Monaten zum ESG-Manager weiterbilden lassen. In der Schulung wird Wissen zu Zertifizierungen und EU-Taxonomien ebenso vermittelt wie Kenntnisse von den Anforderungen für einen nachhaltigen Gebäudebetrieb und von den Methoden, eine Immobilie ESG-konform zu managen. Weil sich die Inhalte der Schulungen aber unterscheiden, können Arbeitgeber die Zertifikate oft nicht richtig einordnen. Als Headhunterin fragt von Bodecker bei Kandidaten deshalb genau nach, was sie in der Vergangenheit gemacht haben, um einschätzen zu können, ob sie fachlich zu einer Stelle passen – und auch ins Teamgefüge. Letzteres sei deshalb wichtig, weil ESG-Manager das Thema auch in die Belegschaft tragen müssen. In vielen Fällen bedeute dies erst einmal aufzuklären, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht länger als Belastung gesehen werden darf.

Für Christoph Hartmann, Gesellschafter der Personalberatung Deiniger Consulting, umfasst das Thema ESG in den Unternehmen drei Blöcke. "Zum einen ist da der Bestand, also die Immobilien eines Unternehmens als solche, auf die ein ESG-Experte achten muss. Hinzu kommen die Mitarbeiter. Da greift vor allem das S für Social in ESG. Darüber hinaus hat ESG aber auch eine Bedeutung für die Wirkung eines Unternehmens nach außen. Anders ausgedrückt: Wer auf diesem Gebiet schon sehr weit ist, brüstet sich damit gerne und nutzt es als Marketingtool." Welche Schwerpunkte für ein Unternehmen wichtig sind, kann unterschiedlich ausfallen, für Hartmann ist aber klar: "Der Dreiklang muss stimmen. Dafür muss ein Bewusstsein bei den Mitarbeitern, vor allem aber bei den Führungskräften geschaffen werden."

Auf der Suche nach passenden ESG-Managern für ein Unternehmen befragt Hartmann seine Kunden deshalb proaktiv, welche Profile sie suchen. "Ich lasse die Klienten eine klare Erwartungshaltung aufdröseln. Aus Aufgaben und Verantwortlichkeiten müssen Anforderungen an die Kandidaten abgeleitet werden." Wichtig sei auch, wie sich die Stelle in den kommenden drei bis fünf Jahren weiterentwickeln soll. "Diese Frage stellt für viele die größte Herausforderung dar."

Die Verantwortung für das Thema einem bestehenden Mitarbeiter zusätzlich zu übertragen, sieht Hartmann nicht immer als die beste Lösung. "Gerade mit Blick auf den Bestand kann es Vorteile haben, wenn der ESG-Manager ihn gut kennt. Aber ihm kann auch der objektive Blick fehlen." Zudem bedeute eine Doppelrolle höhere Belastung, die auf die Qualität der Arbeit wirken kann.

Wegen der unübersichtlichen Kandidatenlage sei die Suche nach externen Kandidaten aber schwer für die Arbeitgeber. An bisherigen Berufsbezeichnungen könne man sich kaum orientieren, weil Immobilienexperten und somit auch potenzielle ESG-Manager oft trotz gleicher Aufgaben und Fähigkeiten in jeder Firma einen anderen Titel tragen. Was genau sich dahinter verbirgt, muss Hartmann jedesmal im Gespräch und durch genaues Prüfen der Vita herausfiltern. Hinzu komme, dass viele Unternehmen bei der Suche nach ihren Mitarbeitern nur auf die eigene Sparte schauen. "Das schränkt den Talentepool natürlich ein. Wer nur auf ein einziges Marktsegment schaut, hat in der Regel nur die Möglichkeit, Kandidaten von der direkten Konkurrenz abzuwerben", sagt Hartmann. Neue Blickwinkel gingen dadurch verloren. Doch gerade für einen ESG-Manager könnten diese nützlich sein und das Unternehmen langfristig nach vorne bringen. "Der Blick auf andere Branchen bleibt jedoch schwierig, denn Immobilienkenntnisse bleiben die Grundvoraussetzung."

Wo genau das Thema ESG innerhalb der Unternehmenshierarchie zu verorten ist, bestimmen die Arbeitgeber in der Regel individuell. "Wer glaubt, es muss beim CEO aufgehängt sein, lässt sich davon selten abbringen", so Hartmanns Erfahrung. Doch auch den Human Resources oder dem Business Development wird der ESG-Manager in einigen Unternehmen zugeordnet. Daraus ergeben sich ganz unterschiedliche Berichtsketten und unterschiedliche Entscheidungsgewalten für die gesuchten Experten.

Gute Chancen auf eine Stelle haben laut Patrycja Arendt, CEO der Headhuntingboutique One Match, junge Kandidaten, denn auf der Suche nach einem ESG-Manager genüge oft schon die pure Affinität für das Thema. "Junge Kandidaten haben die Möglichkeit, ihre Schwerpunkte vom Karrierestart an auf das Thema zu legen und auf die Basis, die sie von der Hochschule mitbringen, aufzubauen. Sie sind selbst noch im Thema Lernen drin, weshalb man ihnen die Möglichkeit, sich fortzubilden, gut zuspricht."

Janina Stadel

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Manager trotzen der Krise im Kloster

Beim Workshop im Zen-Kloster wollen immer mehr Immobilienprofis vom Alltagsstress abschalten.

Beim Workshop im Zen-Kloster wollen immer mehr Immobilienprofis vom Alltagsstress abschalten.

Quelle: Zen Leadership GmbH, Urheber: Marcus Vetter

Karriere 29.02.2024
Als Ausgleich zu seinem Joballtag geht Wertgrund-Chef Thomas Meyer regelmäßig ins Kloster. Inzwischen folgen ihm einige Branchenkollegen, die in Meditationsübungen nach Zen-Tradition ... 

Als Ausgleich zu seinem Joballtag geht Wertgrund-Chef Thomas Meyer regelmäßig ins Kloster. Inzwischen folgen ihm einige Branchenkollegen, die in Meditationsübungen nach Zen-Tradition nach Lösungen für die Herausforderungen in ihren Jobs suchen.

Als "mental gefangen im Krisengefühl" nimmt Thomas Meyer immer wieder Führungskräfte aus der Immobilienbranche wahr. "Sie fragen sich ständig, wie sie ihre Mitarbeiter halten, Projekte retten können, oder wie sie ihre Finanzierungskonzepte anpassen müssen", beschreibt der Vorstandsvorsitzende der Wohnimmobilien-Investmentgruppe Wertgrund seinen Eindruck. "Aus diesem gedanklichen Hamsterrad müssen sie sich befreien", findet er, denn "nur wer für sich selbst sortiert ist, kann andere führen und wirkungsvoll agieren."

Um diese Forderung für sich selbst umzusetzen, geht Meyer seit 2017 neben seinem Posten bei Wertgrund noch einer weiteren Tätigkeit nach. Er findet seinen persönlichen Ausgleich in einem Zen-Kloster im Allgäu. "Was mir seit meinem ersten Zen-Seminar gefallen hat, ist, dass sich nicht nur viele Führungstechniken, sondern auch die Philosophie gut auf den Alltag übertragen lässt." Um das zu vertiefen, nahm er vor drei Jahren die ehrenamtliche Aufgabe des Co-Leiters der Zen Leadership Academy an und stieg zudem als Geschäftsführer in die dahinterstehende GmbH ein.

Management in der Immobilienwirtschaft und die Meditation nach alter asiatischer Tradition ergänzen sich in seinen Augen nicht nur, um einen Ausgleich vom Berufsalltag zu finden. Er ist sogar überzeugt, dass die eine Rolle förderlich für die andere sein kann. Und das sehen inzwischen auch andere Branchenplayer so, die Meyer schon mehrfach bei Workshops im Kloster getroffen hat.

Seit einigen Monaten beobachtet Meyer, dass sich zunehmend Teilnehmer aus der Bau- und Immobilienwirtschaft für die Kurse im Kloster anmelden. Nicht selten habe er schon Workshops speziell für Geschäftsleute miterlebt, bei denen mehr als die Hälfte der Teilnehmer gleichzeitig auch Branchenkollegen von ihm waren.

Den plötzlichen Trend hält er nicht für einen Zufall. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass es am aktuellen Marktgeschehen liegt. Wir haben viele Umbrüche in der Branche", sagt er und erklärt: "CEOs werden abgesetzt und ihre Mitarbeiter entlassen, Projekte werden gestoppt und Unternehmen melden Insolvenzen an. All diese Dinge lösen Unsicherheiten aus. Die Leute suchen in diesen Zeiten einen Anker und nach Zeit zum Nachdenken und zum Reflektieren." Das gelte besonders für junge Branchenprofis. "Sie haben im Berufsleben oft das Gefühl, dass es an Offenheit fehlt und im Business stattdessen eine Maske getragen wird. Wem das so früh in der Karriere auffällt, der sucht nach einer Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit zu zeigen und authentisch zu agieren."

Zusammen mit der Meditationslehrerin Constanze Hofstaetter, die Zensei im Kloster ist, hat Meyer deshalb schon Seminare speziell für Immobilienmanager auf die Beine gestellt.

Der Zuspruch sei groß gewesen und auf Anmeldungen haben die beiden nicht lange warten müssen. Sie kamen "entweder von Teilnehmern die schon einmal bei uns waren, oder von Interessenten, die zum Beispiel über Linkedin-Posts auf das Thema aufmerksam und neugierig wurden", sagt Hofstaetter.

Mit den Seminaren wollen die beiden auf die branchenspezifischen Bedürfnisse von Führungskräften eingehen, und zwar durch offene Diskussionsrunden zu aktuellen Herausforderungen wie der Digitalisierung, dem Fachkräftemangel und dem ESG-konformen Bauen. Reine Businessgespräche sollten die Sitzungen aber nicht werden. Stattdessen gibt es Input von einem Zen-Meister, der den Austausch in die Richtung "Krise als Chance" lenken soll. Dieser Gedanke sei passenderweise traditionell in der Philosophie des Zen verankert.

Um die Impulse verarbeiten zu können, sollen Meditationsübungen helfen, den Kopf von "unnützen Gedanken" zu befreien und "Platz zu schaffen für neue Ideen", wie Meyer erklärt. Das geschehe zum einen durch Meditation, aber auch durch sportliche Übungen. Methoden dafür lehre die Zen-Tradition, etwa durch bewusstes Zuhören, Schweigen beim Essen und in der Natur, erläutert Hofstaetter. Zudem werden Atemtechniken und Handlungsschritte trainiert, die Managern im Alltag auch nach dem Klosterbesuch helfen sollen, durchzuatmen – etwa in einem stressigen Meeting oder nach einem besonders fordernden Geschäftstermin.

Als Trainerteam beobachten Meyer und Hofstaetter regelmäßig, wie Immobilienmanager bei der Ankunft im Kloster kaum ihr Handy aus der Hand legen können. "Nach drei oder vier Tagen wirken sie hingegen entspannter und ruhiger", sagt Hofstaetter. Einigen falle es auch schwer, eine Mahlzeit schweigend einzunehmen, weil sie die Ruhe bei Tisch von zahlreichen Geschäftsessen nicht mehr gewohnt sind.

Dass die Offenheit für solche Seminare seit ihren Anfängen vor mehr als 15 Jahren gewachsen sei, merke Hofstaetter besonders seit der Corona-Pandemie. "Inzwischen sind die Themen Achtsamkeit und Work-Life-Balance mitten in der Gesellschaft angekommen. Die Menschen legen Wert darauf, die beiden Teile des Lebens nicht weiter nebeneinander herlaufen zu lassen, sondern wollen sie bewusst miteinander vereinen", sagt die Meditationslehrerin.

Die Klosterbesucher aus der Immobilienwirtschaft seien ganz unterschiedliche Typen. "Wir haben Teilnehmer aus allen Altersgruppen. Das ist gut so, denn sie tauschen ihre Ansichten aus", sagt Meyer. Die meisten kämen jedoch aus der Projektentwicklung und dem Fondsmanagement, "also von dort, wo es um viel Geld geht und die Krise richtig zuschlägt".

Während Ältere die Frage umtreibt, wie sie ihre letzten Berufsjahre verbringen wollen, suchen die Jüngeren hingegen nach Anstößen, um die Branche zu transformieren. "Und bei den Teilnehmern, die direkt aus der Baubranche kommen, geht es meistens ganz konkret um Stressabbau und Stressmanagement", sagt Meyer.

Janina Stadel

"Ich bin Gründerin, weil ich Probleme lösen wollte"

Christina Mauer.

Christina Mauer.

Quelle: Einwert GmbH, Urheber: Florian Beier

Karriere 29.02.2024
Christina Mauer ist CEO und Co-Founderin von Einwert, einem Unternehmen mit 22 Mitarbeitern an zwei Standorten, das digital Immobilienbewertungen bereitstellt. ... 

Christina Mauer ist CEO und Co-Founderin von Einwert, einem Unternehmen mit 22 Mitarbeitern an zwei Standorten, das digital Immobilienbewertungen bereitstellt.

Im Studium habe ich mich noch nicht wirklich mit dem Gründen befasst. Das fing an während meiner Promotion zum Thema Immobilienbewertung", sagt Christina Mauer. Erste Informationen über das Unternehmertum hat sie sich neben ihrer Doktorarbeit an der TU München beim dortigen Gründerzentrum eingeholt. "Dort werden Seminare und Coachings angeboten und man bekommt viele Informationen, ohne finanziell investieren zu müssen", beschreibt sie das Angebot. 2022 war es dann so weit und mit ihr als CEO ging das Unternehmen Einwert an den Start. Die Idee von Mauer und ihrem Mitgründer Maximilian Schlachter war es, eine digitale Plattform bereitzustellen, über die zentralisiert auf Gutachten, aktuelle Marktdaten sowie eigene Immobiliendaten zurückgegriffen werden kann, welche über Schnittstellen nahtlos integriert und bereitgestellt werden.

Während Schlachter für das Produkt und die Technologie zuständig ist, verantwortet Mauer das Investorenkapital und die Umsätze im Unternehmen, kümmert sich um die Strategie und die Einstellung von Mitarbeitern. Davon gibt es inzwischen 22, den größten Teil von ihnen macht ein deutschlandweites Bewerterteam aus. Dass ihre Angestellten echte Experten sind, ist Mauer besonders wichtig, weil sie mit Einwert in den kommenden Jahren weiter wachsen und international arbeiten will. "Schließlich haben auch unsere jetzigen Kunden Immobilien im Ausland in ihren Portfolios."

Ihre Festanstellung als Portfoliomanagerin bei Wealthcap hat sie vor der Gründung gekündigt, als die Finanzierung des Unternehmens über das Exist-Stipendium der Bundesregierung gesichert war. Direkt nach dem Abschluss hätte sie aber nicht in die Selbstständigkeit gehen wollen. Stattdessen wollte sie sich für einige Jahre in der Praxis vergewissern, dass ihre Geschäftsidee tatsächlich Probleme im Arbeitsalltag der Branche lösen und die Kommunikation zwischen Beteiligten an einem Bewertungsprozess vereinfachen kann.

"Eine gute Technologie zu entwickeln reicht nicht. Man braucht auch einen guten Draht zur Wirtschaft, um ein für den Markt passendes Produkt zu entwickeln", sagt sie. Zudem schätzen ihre gesammelten Einblicke in die Praxis jetzt auch die Kunden von Einwert. "Erfahrung ist extrem wichtig in einer Branche, in der es um viel Geld geht. Denn für eine Zusammenarbeit braucht man viel Vertrauen", sagt sie und zieht den Schluss: "Wer sich als Unternehmen behaupten will, muss Expertise mitbringen und sie von Anfang an auch zeigen."

Janina Stadel

"Ich bin Gründerin, weil ich Jobs schaffen wollte"

Anne Michaels.

Anne Michaels.

Quelle: Magnolia Consulting GmbH

Karriere 29.02.2024
Anne Michaels ist Mitgründerin der Unternehmensberatung Magnolia Consulting. Als CEO führt sie 15 Mitarbeiter. ... 

Anne Michaels ist Mitgründerin der Unternehmensberatung Magnolia Consulting. Als CEO führt sie 15 Mitarbeiter.

Mit einem Laptop, einem Handy und einer Bahncard startete Anne Michaels zusammen mit ihren ehemaligen Arbeitskolleginnen Luiza Linton und Urata Biqkaj-Müller in einem Coworkingspace bei der Gründung ihrer Unternehmensberatung Magnolia Consulting. Inzwischen ist die Firma im dritten Geschäftsjahr angekommen und hat zwei feste Büros in Frankfurt und Hamburg, an denen insgesamt 15 Mitarbeiter tätig sind.

Sie entwickeln Nachhaltigkeitsstrategien für Unternehmen und Finanzinstitute und helfen bei deren Umsetzung. "Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Beziehung zu einem Kunden intensiver ist, wenn man in einer kleinen Firma arbeitet", erklärt die CEO, warum sie ihren vorherigen Job gegen die Selbstständigkeit eintauschte. "Jetzt kann ich selbst entscheiden, wie viele Projekte ich parallel am Laufen habe und in welchem Rahmen."

Den Entschluss zu gründen fasste sie mit Auslaufen der Corona-Lockdowns. "Die Pandemie hat bewiesen, dass unser Geschäftsmodel sehr gut digital funktioniert", erinnert sie sich. Die Umstände im Gründungsjahr 2021 haben ihr keine Sorgen bereitet. "Im Gegenteil, die Verschärfung von EU-Richtlinien in dieser Zeit hat uns gezeigt, dass ein Beratungsbedarf zu ESG-Strategien steigen wird", sagt Michaels. Diese Gelegenheit wollte sie nutzen, mit 34 ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Bei den ersten Kunden habe sie sich mit den beiden Gründungskolleginnen noch als Exotin wahrgenommen gefühlt, denn in der Finanz- und Immobilienbranche sei das Frauen-Trio aufgefallen. "Das wurde oft kommentiert, aber war vermutlich nicht böse gemeint. Ich würde mir wünschen, dass das Geschlecht von Gründer:innen in Zukunft keiner Kommentierung mehr bedarf", sagt sie.

Inzwischen falle das Team weniger auf, denn seit den ersten Einstellungen nach rund sechs Monaten am Markt habe sich die Belegschaft sehr gemischt entwickelt. Ein weiteres Wachstum kann sich Michaels gut vorstellen, aber nicht aus rein strategischen Gründen. Stattdessen wolle sie "coole Jobs schaffen", in denen alle genau so viel Zeit für einzelne Mandate haben, wie sie brauchen, um eine feste und vertrauensvolle Bindung herzustellen.

Eine Organisation selbst aufzubauen beschreibt Michaels im Nachhinein als "spannendes Projekt". Unterstützung gab es dabei von Anfang an von einer Coachin. Ihr Umfeld habe auf die ersten Pläne positiv reagiert, auch wenn der Schritt bedeutete, die vorherige Festanstellung aufzugeben. Dabei ist Michaels klar, dass für ihr Business nur ein vergleichsweise kleines Startkapital notwendig war, das finanzielle Risiko also nicht übermäßig groß.

Die Wirtschaft braucht mehr Gründerinnen
Die Wirtschaft braucht innovative Geschäftsideen, die Impulse und Lösungsansätze liefern, um ihr Fortbestehen und Wachstum zu sichern. Und Menschen, die sich zutrauen, sie umzusetzen: Gründer:innen. In der Immobilienbranche sind Frauen als Unternehmensgründer unterrepräsentiert – und damit auch ihre Perspektiven.
Janina Stadel