Der Wunsch nach einem Titel

Ein schöner Titel auf der Visitenkarte ist wichtig. Doch viel entscheidender ist: Hält der Titel, was er verspricht, und passt er zur Person, die ihn mit Leben füllen will?

Ein schöner Titel auf der Visitenkarte ist wichtig. Doch viel entscheidender ist: Hält der Titel, was er verspricht, und passt er zur Person, die ihn mit Leben füllen will?

Bild: apops/Fotolia.com

Karriere 29.01.2015
Kleider machen Leute. Dasselbe gilt auch für den richtigen Titel auf der Visitenkarte. Warum Unternehmen bei der Personalsuche auf eine genaue und ansprechende Positionsbezeichnung achten und ... 

Kleider machen Leute. Dasselbe gilt auch für den richtigen Titel auf der Visitenkarte. Warum Unternehmen bei der Personalsuche auf eine genaue und ansprechende Positionsbezeichnung achten und sich wechselwillige Kandidaten nicht blenden lassen sollten, erläutert Personalberater Olaf Kenneweg von Kenneweg Property Personalberatung im Interview.

Immobilien Zeitung: Herr Kenneweg, wer sich nach einer neuen Stelle umschaut, will sich meist verbessern. Mehr Geld ist wichtig, aber welche Rolle spielt ein anderer Titel auf der Visitenkarte?

Olaf Kenneweg: Eine sehr große. Viele Kandidaten, selbst wenn sie erst über drei Jahre Berufserfahrung verfügen, wollen mit einem Wechsel eine höhere Position in der Hierarchie erreichen. Sie wollen endlich einen Titel. Mit dem Titel einher fordern sie meist auch Personalverantwortung.

IZ: Warum ist ihnen daran so viel gelegen?

Kenneweg: Viele versprechen sich von einem Titel, dass er ihnen einen Platz in der Expo-Real-Glitzerwelt sichert, dass sie mehr delegieren und mehr repräsentieren. Doch im Büroalltag werden von den Titelträgern dann Auftritte als Seelentröster, Coach, Entscheider und Konfliktlöser verlangt. Das ist gerade aufstiegswilligen männlichen Kandidaten viel zu wenig bewusst. Zumal sich Personalführung nicht mal eben nebenbei erledigen lässt. Das kommt on top zu den fachlichen Aufgaben.

IZ: Wie kommt es zu diesen Fehleinschätzungen der berufstätigen Wechselwilligen?

Kenneweg: Viele absolvieren berufsbegleitende Weiterbildungen. Von den Instituten wird den Kandidaten häufig vermittelt, dass sie sich damit für eine Führungsrolle qualifizieren. Eine fachliche Zusatzqualifikation und die Fähigkeit, Menschen zu führen, sind für mich zwei verschiedene Paar Schuhe. Wenn jemand den Abschluss Immobilienökonom in der Tasche hat, heißt das nicht automatisch, dass er als Teamleiter qualifiziert ist.

IZ: Was wäre denn Ihrer Meinung nach eine bessere Vorbereitung auf eine Führungskarriere?

Kenneweg: Im Idealfall baut das eigene Unternehmen geeignete Mitarbeiter intern auf, und zwar meist über Jahre. Wenn ein Unternehmen diesen Weg seinem Mitarbeiter jedoch nicht anbietet, dann muss er oder sie sich zunächst kritisch selbst fragen, warum das so ist. Wo steht die Person beruflich derzeit und was würde sie an einer bestimmten Position reizen? Kann sie diese Position tatsächlich ausfüllen?

IZ: Und wenn derzeit nach eigener Einschätzung des Kandidaten noch Qualifikationen fehlen?

Kenneweg: Dann kann der Kandidat selbst die Initiative ergreifen, und zwar innerhalb wie außerhalb des Unternehmens. Er kann Führungsaufgaben im Sportverein trainieren oder sich für die Teamleitung bei einem bestimmten Projekt im Unternehmen ins Gespräch bringen. Es gibt auch Weiterbildungen zum Thema Personalführung, und die Person kann mit einem Coach gezielt üben.

IZ: Wann weiß der Wechselwillige, dass er bereit ist?

Kenneweg: Er muss gedanklich ganz, ganz klar sein und wissen, was er will und welche Risiken es gibt. Nur dann ist ein Stellenwechsel sinnvoll ...

IZ: ... und die Gefahr gering, dass er sich von einem schicken Titel blenden lässt?

Kenneweg: Genau. Ich hatte einmal die Position eines Portfoliomanagers zu besetzen. Ein geeigneter Kandidat war bei einem angelsächsischen Unternehmen beschäftigt. Dort war dieselbe Aufgabe mit dem Titel "Vice President" versehen. Sie können sich vorstellen, dass die deutsche Position gegen diesen vermeintlichen "Premiumtitel", der alles oder nichts bedeuten kann, keine Chance hatte.

IZ: Es ist also entscheidend, dass die Stellenbeschreibung etwas her macht.

Kenneweg: Auf jeden Fall! Die richtige Bezeichnung der Position ist ein ganz wichtiges Thema, um Kandidaten auf eine Position neugierig zu machen. Das unterschätzen deutsche Unternehmen häufig. Dabei dürfen sie jedoch auch nicht den Fehler machen und zu viel versprechen. Eine detaillierte Aufgabendefinition ist von sehr hoher Bedeutung.

IZ: Inwiefern?

Kenneweg: Wenn eine Position als Leiter Asset-Management ausgeschrieben ist, dann wird suggeriert, dass der Stelleninhaber auch eigenverantwortlich entscheiden darf. Das muss er dann im Arbeitsalltag tun können. Ähnlich verhält es sich mit Geschäftsführerpositionen. Darf der Stelleninhaber selbst entscheiden oder nickt er Direktiven aus London oder New York ab? So manch ein Geschäftsführer ist wieder in die zweite Ebene als Head of ... zurückgegangen, um wieder selbst handeln und entscheiden zu können, nachdem er bei einem angelsächsischen Unternehmen zwar den verheißungsvollen Titel, aber nicht die Gestaltungsfreiheiten hatte.

IZ: Herr Kenneweg, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sonja Smalian.

Sonja Smalian

Weitere Nachrichten aus der Rubrik Karriere

"Ich bin Gründerin, weil ich Probleme lösen wollte"

Christina Mauer.

Christina Mauer.

Quelle: Einwert GmbH, Urheber: Florian Beier

Karriere 29.02.2024
Christina Mauer ist CEO und Co-Founderin von Einwert, einem Unternehmen mit 22 Mitarbeitern an zwei Standorten, das digital Immobilienbewertungen bereitstellt. ... 

Christina Mauer ist CEO und Co-Founderin von Einwert, einem Unternehmen mit 22 Mitarbeitern an zwei Standorten, das digital Immobilienbewertungen bereitstellt.

Im Studium habe ich mich noch nicht wirklich mit dem Gründen befasst. Das fing an während meiner Promotion zum Thema Immobilienbewertung", sagt Christina Mauer. Erste Informationen über das Unternehmertum hat sie sich neben ihrer Doktorarbeit an der TU München beim dortigen Gründerzentrum eingeholt. "Dort werden Seminare und Coachings angeboten und man bekommt viele Informationen, ohne finanziell investieren zu müssen", beschreibt sie das Angebot. 2022 war es dann so weit und mit ihr als CEO ging das Unternehmen Einwert an den Start. Die Idee von Mauer und ihrem Mitgründer Maximilian Schlachter war es, eine digitale Plattform bereitzustellen, über die zentralisiert auf Gutachten, aktuelle Marktdaten sowie eigene Immobiliendaten zurückgegriffen werden kann, welche über Schnittstellen nahtlos integriert und bereitgestellt werden.

Während Schlachter für das Produkt und die Technologie zuständig ist, verantwortet Mauer das Investorenkapital und die Umsätze im Unternehmen, kümmert sich um die Strategie und die Einstellung von Mitarbeitern. Davon gibt es inzwischen 22, den größten Teil von ihnen macht ein deutschlandweites Bewerterteam aus. Dass ihre Angestellten echte Experten sind, ist Mauer besonders wichtig, weil sie mit Einwert in den kommenden Jahren weiter wachsen und international arbeiten will. "Schließlich haben auch unsere jetzigen Kunden Immobilien im Ausland in ihren Portfolios."

Ihre Festanstellung als Portfoliomanagerin bei Wealthcap hat sie vor der Gründung gekündigt, als die Finanzierung des Unternehmens über das Exist-Stipendium der Bundesregierung gesichert war. Direkt nach dem Abschluss hätte sie aber nicht in die Selbstständigkeit gehen wollen. Stattdessen wollte sie sich für einige Jahre in der Praxis vergewissern, dass ihre Geschäftsidee tatsächlich Probleme im Arbeitsalltag der Branche lösen und die Kommunikation zwischen Beteiligten an einem Bewertungsprozess vereinfachen kann.

"Eine gute Technologie zu entwickeln reicht nicht. Man braucht auch einen guten Draht zur Wirtschaft, um ein für den Markt passendes Produkt zu entwickeln", sagt sie. Zudem schätzen ihre gesammelten Einblicke in die Praxis jetzt auch die Kunden von Einwert. "Erfahrung ist extrem wichtig in einer Branche, in der es um viel Geld geht. Denn für eine Zusammenarbeit braucht man viel Vertrauen", sagt sie und zieht den Schluss: "Wer sich als Unternehmen behaupten will, muss Expertise mitbringen und sie von Anfang an auch zeigen."

Janina Stadel

"Ich bin Gründerin, weil ich Jobs schaffen wollte"

Anne Michaels.

Anne Michaels.

Quelle: Magnolia Consulting GmbH

Karriere 29.02.2024
Anne Michaels ist Mitgründerin der Unternehmensberatung Magnolia Consulting. Als CEO führt sie 15 Mitarbeiter. ... 

Anne Michaels ist Mitgründerin der Unternehmensberatung Magnolia Consulting. Als CEO führt sie 15 Mitarbeiter.

Mit einem Laptop, einem Handy und einer Bahncard startete Anne Michaels zusammen mit ihren ehemaligen Arbeitskolleginnen Luiza Linton und Urata Biqkaj-Müller in einem Coworkingspace bei der Gründung ihrer Unternehmensberatung Magnolia Consulting. Inzwischen ist die Firma im dritten Geschäftsjahr angekommen und hat zwei feste Büros in Frankfurt und Hamburg, an denen insgesamt 15 Mitarbeiter tätig sind.

Sie entwickeln Nachhaltigkeitsstrategien für Unternehmen und Finanzinstitute und helfen bei deren Umsetzung. "Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Beziehung zu einem Kunden intensiver ist, wenn man in einer kleinen Firma arbeitet", erklärt die CEO, warum sie ihren vorherigen Job gegen die Selbstständigkeit eintauschte. "Jetzt kann ich selbst entscheiden, wie viele Projekte ich parallel am Laufen habe und in welchem Rahmen."

Den Entschluss zu gründen fasste sie mit Auslaufen der Corona-Lockdowns. "Die Pandemie hat bewiesen, dass unser Geschäftsmodel sehr gut digital funktioniert", erinnert sie sich. Die Umstände im Gründungsjahr 2021 haben ihr keine Sorgen bereitet. "Im Gegenteil, die Verschärfung von EU-Richtlinien in dieser Zeit hat uns gezeigt, dass ein Beratungsbedarf zu ESG-Strategien steigen wird", sagt Michaels. Diese Gelegenheit wollte sie nutzen, mit 34 ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Bei den ersten Kunden habe sie sich mit den beiden Gründungskolleginnen noch als Exotin wahrgenommen gefühlt, denn in der Finanz- und Immobilienbranche sei das Frauen-Trio aufgefallen. "Das wurde oft kommentiert, aber war vermutlich nicht böse gemeint. Ich würde mir wünschen, dass das Geschlecht von Gründer:innen in Zukunft keiner Kommentierung mehr bedarf", sagt sie.

Inzwischen falle das Team weniger auf, denn seit den ersten Einstellungen nach rund sechs Monaten am Markt habe sich die Belegschaft sehr gemischt entwickelt. Ein weiteres Wachstum kann sich Michaels gut vorstellen, aber nicht aus rein strategischen Gründen. Stattdessen wolle sie "coole Jobs schaffen", in denen alle genau so viel Zeit für einzelne Mandate haben, wie sie brauchen, um eine feste und vertrauensvolle Bindung herzustellen.

Eine Organisation selbst aufzubauen beschreibt Michaels im Nachhinein als "spannendes Projekt". Unterstützung gab es dabei von Anfang an von einer Coachin. Ihr Umfeld habe auf die ersten Pläne positiv reagiert, auch wenn der Schritt bedeutete, die vorherige Festanstellung aufzugeben. Dabei ist Michaels klar, dass für ihr Business nur ein vergleichsweise kleines Startkapital notwendig war, das finanzielle Risiko also nicht übermäßig groß.

Die Wirtschaft braucht mehr Gründerinnen
Die Wirtschaft braucht innovative Geschäftsideen, die Impulse und Lösungsansätze liefern, um ihr Fortbestehen und Wachstum zu sichern. Und Menschen, die sich zutrauen, sie umzusetzen: Gründer:innen. In der Immobilienbranche sind Frauen als Unternehmensgründer unterrepräsentiert – und damit auch ihre Perspektiven.
Janina Stadel

"Ich bin Gründerin, weil ich Haltung zeigen will"

Heike und Lena Rath.

Heike und Lena Rath.

Karriere 29.02.2024
1994 machte sich die Immobilien-Fachanwältin Heike Rath selbstständig. Inzwischen führt sie zusammen mit ihrer Nichte Lena die Kanzlei Rath Rechtsanwältinnen. ... 

1994 machte sich die Immobilien-Fachanwältin Heike Rath selbstständig. Inzwischen führt sie zusammen mit ihrer Nichte Lena die Kanzlei Rath Rechtsanwältinnen.

"Ich kenne keinen Selbstständigen aus meiner Generation, der weniger als 50 bis 60 Stunden pro Woche gearbeitet hat", sagt Heike Rath. "Um zu gründen, braucht man eine große Bereitschaft, extrem hohen Einsatz zu zeigen", weiß die 62-Jährige aus eigener Erfahrung.

Diese Bereitschaft hat die Anwältin 1994 mitgebracht, als sie als "Einzelkämpferin", wie sie es heute nennt, die Kanzlei ins Leben rief. "Es gab so viele Babyboomer, dass man nur durch Fleiß und viel Einsatz aus der Masse herausstechen konnte, wenn man herausragend begabt war", beschreibt sie die Konkurrenzsituation, der sie in der Anfangszeit ausgesetzt war.

Ihre vorherige Tätigkeit bei der Architektenkammer Hessen gab sie damals auf. Aus dieser Position hat sie aber jede Menge Kontakte mitgebracht, um sich von Anfang an auf das Architekten- und Immobilienrecht spezialisieren zu können. "Dieses Netzwerk war eine gute Voraussetzung für mein Vorhaben", sagt sie. Dass bereits ihre Eltern Unternehmer waren, habe sie geprägt und auf die Arbeitsbelastung vor allem in den ersten Jahren vorbereitet.

"Ich habe zeitweise bis zu 30 Tage im Jahr in Fortbildungen gesteckt, ein Vielfaches dessen, was Pflicht ist", berichtet sie. In ihrem Umfeld habe es dafür nicht immer nur Verständnis gegeben, "aber es ist bis heute mein eigener Anspruch und es macht einfach immer noch Spaß." Belohnt wurde sie damit, dass sie ihren Arbeitseinsatz inzwischen frei gestalten kann. "Das Tolle an der Selbstständigkeit ist, dass man sich seine Arbeit nach eigenen Neigungen aussuchen kann. Dazu gehört auch, Mandanten abzulehnen, weil man sich nicht mit ihren Zielen identifizieren kann, oder einfach nur aus menschlichen Gründen. Man kann Haltung zeigen und das möchte ich, denn ich sehe mich in meinem Beruf als ein Organ der Rechtspflege."

Dass ihre Kanzlei eine kleine Boutique ist, habe sie zudem immer als Vorteil für die Zusammenarbeit mit Architekten gesehen. Weil diese oft auch in kleinen Büros arbeiten, behandeln sie Rath wie ein Mitglied des eigenen Teams. Raths Mandanten vertrauen auf ihre Empfehlungen, wenn für ein Sonderproblem weitere Experten zu Rate gezogen werden müssen. So könne sie mitbestimmen, mit welchen anderen Kanzleien sie zusammenarbeitet.

Genau das schätzt Raths Nichte Lena ebenfalls. Sie sagt: "Spaß an der Arbeit ergibt sich vor allem aus dem Austausch mit den Mandanten, wenn man Bauprofis im größten Stress unterstützen, Gedanken ordnen und konstruktiv an Lösungen arbeiten kann." Deshalb schloss sie sich nach ihrem Examen ihrer Tante an. Zusammen betreiben sie als Partnerinnen die Kanzlei Rath Rechtsanwältinnen in Neu-Isenburg.

An Stillstand war für die 43-Jährige seit dieser Entscheidung vor rund zehn Jahren dabei nicht zu denken. "Selbstständigkeit bedeutet für mich, mich weiterzuentwickeln und mit der Zukunft zu befassen und diese zu gestalten. Es gibt so viele Themen wie ESG, nachhaltiges Bauen und Digitalisierung in der Baubranche, an denen kein Vorbeikommen ist, sodass man sie mit Begeisterung angehen sollte. Das bringt Veränderungen mit sich und dabei will ich meine Mandanten unterstützen, damit sie daraus einen Erfolg für sich machen können." Konkret auf ihren Job bezogen bedeutet das, dass sich die Anwältin wie ihre Tante ständig weiterbildet und zwar weit über ihre Kernkompetenzen auf dem Gebiet Bau- und Architektenrecht hinaus.

Dabei behalte sie immer die angrenzenden Branchen im Blick. Mit Begeisterung verfolge sie zum Beispiel Entwicklungen in der IT-Branche und was ambitionierte Start-ups auf die Beine stellen. "Aus diesen Zukunftsthemen ergibt sich automatisch eine neue Sinnhaftigkeit der Arbeit. Man wächst mit seinen Aufgaben, entwickelt sich weiter und entdeckt für sich neue Themen." Ob diese Flexibilität in einer Großkanzlei als Angestellte in diesem Rahmen möglich wären, bezweifelt sie und sagt deshalb: "Den Einstieg in die Kanzlei habe ich nie bereut."

Janina Stadel