Karriere-News

In der Schweiz gibt es ein bisschen mehr

In der Schweiz sind Ingenieure und Architekten mit ihrer Bezahlung überwiegend zufrieden: Von den rund 2.950 Befragten sagen 55%, dass die Höhe ihres Gehalts ihrer Leistung und Fähigkeit "ziemlich" und weitere 19% "sehr" entspricht.

In der Schweiz sind Ingenieure und Architekten mit ihrer Bezahlung überwiegend zufrieden: Von den rund 2.950 Befragten sagen 55%, dass die Höhe ihres Gehalts ihrer Leistung und Fähigkeit "ziemlich" und weitere 19% "sehr" entspricht.

Bild: H.D. Volz/<a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>

Karriere 19.09.2013
Die Gehälter von Ingenieuren und Architekten in der Schweiz sind leicht gestiegen. Rund 117.000 CHF bzw. 94.600 Euro beträgt das Bruttojahresgehalt dieser Berufsgruppen, wie eine aktuelle ... 

Die Gehälter von Ingenieuren und Architekten in der Schweiz sind leicht gestiegen. Rund 117.000 CHF bzw. 94.600 Euro beträgt das Bruttojahresgehalt dieser Berufsgruppen, wie eine aktuelle Studie des Berufsverbands Swiss Engineering zeigt. Die Mehrheit der Befragten ist denn auch mit ihrer Vergütung überwiegend zufrieden. Dennoch wechseln sie im Schnitt alle sechseinhalb Jahre den Job.

Um 1,5% sind die Jahresgehälter der Ingenieure und Architekten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Durch eine leichte Deflation sei der Reallohnzuwachs sogar noch etwas höher, heißt es in der aktuellen Studie des Berufsverbands. Im Baugewerbe reicht die Gehaltsspanne von umgerechnet rund 68.760 Euro für Mitarbeiter ohne Führungsfunktion bis zu rund 105.160 Euro für Geschäftsführer. Deutlich höhere Gehälter können Ingenieure und Architekten jedoch im öffentlichen Dienst erzielen mit bis zu gut 137.520 Euro für die erste Führungsebene.

An der Umfrage haben sich in diesem Jahr 2.950 Ingenieure und Architekten beteiligt und damit deutlich weniger als im Vorjahr (ca. 3.700). Für die Gehaltsangaben wird immer der Median verwendet, um statistische Verzerrungen zu verringern.

Mehr Geld gibt es in großen Unternehmen und mit dem Alter

Zwei grundsätzliche Trends zeigt die Studie: Je größer ein Unternehmen ist, desto höher sind auch die Gehälter. Das kann im Mittel schon etwa 10.500 Euro pro Jahr ausmachen, wie der Vergleich zwischen Großunternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und Kleinunternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten zeigt.

Je älter ein Beschäftigter ist, desto höher ist sein Gehalt, lautet der zweite Trend. Es gibt jedoch eine Einschränkung: Das Gehalt steigt nicht bis zum Ende des Berufslebens an, sondern hat seinen Höhepunkt bei etwa 55 Jahren erreicht. So erhalten die teilnehmenden Bauingenieure, die 34 Jahre alt sind oder jünger, im Median 72.400 Euro. In der Altersgruppe 45 bis 54 Jahre klettert das Gehalt auf ca. 110.000 Euro. Nur wenig mehr verdienen jedoch die Bauingenieure, die älter als 55 Jahre sind (113.100 Euro).

Ein Blick auf die Auswertung nach Alter und Branche zeigt, dass die Gehälter für junge Ingenieure und Architekten bis 34 Jahre in der Bauwirtschaft mit 69.400 Euro die zweitniedrigsten nach dem öffentlichen Dienst sind (67.100 Euro), während in der Energiewirtschaft fast 77.700 erreicht werden. Im öffentlichen Dienst steigen die Beschäftigten zwar mit einem niedrigeren Gehalt ein, aber dafür erzielen sie in der Altersgruppe 55plus etwa 117.300 Euro, während es im Baugewerbe für diese Altersgruppe nur 105.200 Euro gibt.

Wer selbstständig tätig ist, verdient nur in jungen Jahren mehr als ein gleichaltriger angestellter Kollege. Ab der Altersgrenze 45 wendet sich das Blatt. Dennoch kann sich jeder zweite angestellte Ingenieur und Architekt eine Selbstständigkeit vorstellen.

Variable Vergütungsbestandteile sind bislang wenig verbreitet: Ein Drittel aller Teilnehmer erhält gar keine Boni. Besonderes Gewicht erhalten Boni vor allem in der obersten Führungsebene, wo sie jährlich knapp 10.000 Euro ausmachen. Allerdings erhalten auch 26% der Chefs keinerlei Boni.

Berufseinsteiger verdienen im Median 66.250 Euro, im Baugewerbe mit 64.713 Euro etwas weniger. Der Berufseinstieg verläuft für Hochschulabsolventen recht unproblematisch: Innerhalb des ersten Monats nach Studienende fand die Hälfte eine Stelle, ein Drittel innerhalb von drei Monaten.

4,6 Bewerbungen brauchen Einsteiger für den Jobwechsel

Nach zwei Jahren haben 16% der Berufseinsteiger die Stelle einmal und weitere 14% mehrere Male gewechselt. Dafür schrieben sie im Schnitt 4,6 Bewerbungen. Bei jedem fünften Befragten erfolgte der Wechsel ohne formale Bewerbung.

Damit gehen die Wechsel bei jüngeren Berufstätigen einfacher vonstatten. Im Schnitt müssen wechselwillige Ingenieure und Architekten nämlich 6,7 Bewerbungen schreiben. Sie wechseln alle sechseinhalb Jahre die Stelle. In der Baubranche geschieht dies eher unterdurchschnittlich oft, während die Wechselrate in der Verwaltung am höchsten ist. Obwohl 59% davon überzeugt sind, dass häufige Stellenwechsel die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt mindern, spielen doch mehr als ein Drittel der Befragten mit dem Gedanken, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Als Gründe hierfür nennen sie spannende Projekte (41%), Entwicklungsmöglichkeiten (30%), etwas Neues (28%), attraktive Arbeitsbedingungen (22%) sowie Aufstiegsmöglichkeiten: Erst an sechster Stelle steht das Gehalt. Denn damit ist nur jeder Fünfte unzufrieden.

Die Studie "Saläre für Ingenieure und Architekten 2013/14" kann für 95 CHF zzgl. Porto beim Verband Swiss Engineering bestellt werden (E-Mail: info@swissengineering.ch).

Die Schweiz - ein beliebter Arbeitsmarkt

Die Schweiz zählt zu den fünf beliebtesten Arbeitsmärkten im Ausland für deutsche Immobilien-Studenten. Das zeigt die diesjährige IZ-Umfrage zur Joboffensive. An der Arbeitsmarkt- und Gehaltsumfrage beteiligten sich 622 Studenten immobilienwirtschaftlicher und verwandter Studiengänge und gaben Auskunft zu ihren Gehalts- und Berufswünschen sowie ihren Qualifikationen und ihrem Ausbildungshintergrund.

58% der befragten Studenten würden gern beruflich im Ausland tätig sein. Innerhalb dieser Gruppe zieht es die Studenten vor allem in englischsprachige Länder: USA (20%), Großbritannien (12%) und Australien/Neuseeland (11%). 14% haben keine genaue Zielvorstellung -, sie würden "überall" hingehen. Jeder Zehnte nennt die Schweiz als liebsten Arbeitsmarkt im Ausland, die sich damit den fünften Platz in der Rangfolge sichert.

Die Schweiz erfreut sich unterschiedlicher Beliebtheit zwischen den Geschlechtern: Während bei den männlichen Studenten die Schweiz auf Rang zwei (13%) nach den USA (23%) rangiert, belegt sie in der Hitliste der weiblichen Studenten Rang fünf (10%).

Das in der Schweiz und speziell in der Hauptstadt Zürich Deutsch bzw. in vielen internationalen Konzernen Englisch und in Teilen der Schweiz Französisch gesprochen wird, dürfte den fünften Platz für die Schweiz erklären. Denn neben Englisch, das quasi jeder Student spricht, kann knapp jeder Dritte auch in der romanischen Sprache parlieren. Damit ist Französisch die von den Studenten am zweithäufigsten gesprochene Fremdsprache, deutlich vor Spanisch (17%).

Auch als Zielregion für ein Auslandssemester bzw. ein Praktikum oder eine berufliche Tätigkeit ist die Schweiz bei den Immobilienstudenten beliebt: Von den 158 Studenten, die eine oder mehrere Auslandsstationen absolviert haben, zog es 7% in die Schweiz. Am häufigsten gingen die jungen Leute jedoch nach Großbritannien (27%). Das liegt sicherlich auch an den Hochschulkooperationen, die einige deutsche Hochschulen über den Ärmelkanal hinweg etabliert und teilweise in den Lehrplan integriert haben.

Alle Ergebnisse der Umfrage sind im aktuellen "IZ-Karriereführer 2013/14 für die Immobilienwirtschaft" aufgeführt, der im August erschienen ist. Ein Überblick über immobilienwirtschaftliche Studiengänge in Deutschland, zahlreiche Arbeitgeberporträts sowie viele Karrieretipps zum Ein- und Aufstieg ergänzen den Ratgeber. Der "IZ-Karriereführer 2013/14 für die Immobilienwirtschaft" kann über IZ-Shop.de für 29 Euro bestellt werden. (sma)

Sonja Smalian

Bauingenieure und Architekten sind gesucht

Morgenröte am Bau - zumindest für Bauingenieure und Architekten. Für sie gibt es so viele Stellen wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Morgenröte am Bau - zumindest für Bauingenieure und Architekten. Für sie gibt es so viele Stellen wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Bild: BilderBox.com

Karriere 12.09.2013
Zum dritten Mal hat der Zentralverband der deutschen Bauindustrie den Arbeitsmarkt im Bausektor vermessen lassen. Für Architekten und Bauingenieure gibt es so viele Jobs wie seit zehn Jahren ... 

Zum dritten Mal hat der Zentralverband der deutschen Bauindustrie den Arbeitsmarkt im Bausektor vermessen lassen. Für Architekten und Bauingenieure gibt es so viele Jobs wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch die Zahl der Bauingenieurstudenten erreicht einen neuen Höchststand. Die Akademiker werden aber längst nicht mehr nur von der Baubranche umworben.

Während sich das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot 2012 um rund 8% verkleinerte, stieg es im Bausektor deutlich an: 119.400 offene Stellen gab es im vierten Quartal 2012 im Baugewerbe sowie in den Architektur- und Ingenieurbüros. Das waren fast 15% mehr als im Vorjahreszeitraum. Stark wuchs die Arbeitskräftenachfrage mit einem Plus von fast 36% vor allem in den Architektur- und Ingenieurbüros.

Besonders die Nachfrage nach Akademikern zog weiter an, die 2004 einen Tiefststand erreicht hatte. Damals waren nur 3.300 Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) für Bauingenieure gemeldet worden und 1.400 für Architekten. Die gemeldeten Stellen sind eine Teilmenge des Angebots an offenen Stellen. Bei den Bauingenieuren erreichte die Nachfrage 2012 mit rund 6.000 gemeldeten Stellen den höchsten Stand seit zehn Jahren. Ähnlich sah es bei den Architekten aus mit 2.600 gemeldeten Stellen.

Diese Zahlen nennt der dritte Branchenbericht "Der Arbeitsmarkt im Bausektor 2012", der im Auftrag des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und der Bundesagentur für Arbeit erstellt wurde. Knapp 4% aller Erwerbstätigen in Deutschland waren 2011 in den Bauberufen beschäftigt. Während die Gesamtzahl der Erwerbstätigen in den Bauberufen seit 2001 von rund 1,8 Mio. auf 1,6 Mio. im Jahr 2011 gesunken war, konnten die Architekten als einzige Gruppe unter den akademischen Berufen ihre Erwerbstätigenzahl um 19.000 (16,7%) steigern.

Vakanzzeiten deutlich erhöht

Dass die Situation am Arbeitsmarkt trotz einiger erfreulicher Zahlen nicht einfacher geworden ist, zeigen die erhöhten Vakanzzeiten. Dauerte es 2002 im Schnitt 56 Tage, bis eine Position in den Bauberufen besetzt war, so waren dafür 2012 schon 77 Tage zu veranschlagen. Besonders langwierig ist der Rekrutierungsprozess bei den Bauingenieuren mit 83 Tagen. Zehn Jahre zuvor hatte er noch 56 Tage gedauert. Am zügigsten geht es nicht etwa bei den nichtakademischen Bauberufen (79 Tage), sondern bei den Architekten, wo eine neue Position schon in 66 Tagen besetzt werden kann. Bereits 2002 hatten die Vakanzzeiten in dieser Berufsgruppe mit 38 Tagen deutlich unter dem Durchschnitt gelegen.

Begehrt sind die Bauingenieure und Architekten jedoch nicht nur von der Bauindustrie (siehe Grafik "Öffentlicher Dienst wird als Arbeitgeber immer bedeutsamer"). Auch wenn die Bauindustrie weiterhin die meisten Stellen meldet, so ist ihr Anteil doch seit 2007 zurückgegangen: So ist das Stellenangebot für Bauingenieure von Architektur- und Ingenieurbüros von 30% auf 26% gesunken; aus dem Baugewerbe von 15% auf 9%. Der Anteil der Stellenangebote aus dem öffentlichen Dienst hingegen stieg von 19% auf 29%. Ähnlich verlief die Entwicklung bei den Architekten. Während der Anteil der gemeldeten Stellen aus Architektur- und Ingenieurbüros von 55% auf 48% zurückgegangen ist, nahm der Anteil der gemeldeten Stellen im öffentlichen Dienst zu, und zwar von 12% im Jahr 2007 auf 20% im Jahr 2012. Unverändert ist hingegen der Anteil des Baugewerbes mit 7%.

Keine unwichtige Rolle spielt hingegen die Zeitarbeitsbranche: Bei Architekten kam jede vierzehnte bei der BA gemeldete Stelle und bei den Bauingenieuren sogar jede achte von Zeitarbeitsunternehmen. Bezogen auf die Berufe des Bauhauptgewerbes insgesamt, kommt die Nachfrage jedoch überwiegend aus dem Baugewerbe selbst mit 71% der gemeldeten Stellen.

Bauingenieurstudium beliebt

Neue Höchststände melden auch die Hochschulen mit 17.500 Studienanfängern im Bauingenieurwesen im Jahr 2011. Zudem verzeichnete der Studiengang Bauingenieurwesen zwischen 2006 und 2011 im Vergleich aller Studiengänge die stärksten Zuwachsraten. "Hier zeigt sich, dass der Bau als Arbeitgeber nach wie vor attraktiv ist. Das Schaffen bleibender Werte zieht auch bei der Generation Facebook", sagte Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Für ein Architekturstudium hatten sich 2011 rund 12.100 junge Menschen eingeschrieben.

Auch die Absolventenzahlen sind gestiegen: 2011 verließen etwa 6.000 Absolventen des Bauingenieurwesens die Hochschulen und damit deutlich mehr als 2008. Damals gab es einen Tiefstand mit nur 4.800 Absolventen. Doch nicht alle Absolventen stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Denn 43% der Absolventen erwarben einen Bachelorabschluss, von denen viele noch weiterstudieren wollen.

Sonja Smalian

Zugeständnisse bei jeder fünften Neueinstellung

In einzelnen Teilbereichen des Arbeitsmarktes werden Neueinstellungen zunehmend schwieriger. Die Unternehmen reagieren u.a. durch zusätzliche Entlohnungskomponenten wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Zulagen und betrieblicher Alterssicherung.

In einzelnen Teilbereichen des Arbeitsmarktes werden Neueinstellungen zunehmend schwieriger. Die Unternehmen reagieren u.a. durch zusätzliche Entlohnungskomponenten wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Zulagen und betrieblicher Alterssicherung.

Bild: BilderBox.com

Karriere 05.09.2013
Viele Zahlen deuten auf eine robuste Verfassung des Arbeitsmarktes in Deutschland hin. Auf zehn sofort zu besetzende offene Stellen seien im vierten Quartal 2012 insgesamt 35 Arbeitslose gekommen ... 

Viele Zahlen deuten auf eine robuste Verfassung des Arbeitsmarktes in Deutschland hin. Auf zehn sofort zu besetzende offene Stellen seien im vierten Quartal 2012 insgesamt 35 Arbeitslose gekommen - und damit drei mehr als noch im Jahr zuvor, sagen Arbeitsmarktforscher. Doch in einzelnen Teilsegmenten des Arbeitsmarktes sieht die Situation ganz anders aus. Und so müssen die Unternehmen bei jeder fünften Einstellung inzwischen Zugeständnisse beim Gehalt und der Qualifikation der Bewerber machen.

Bei jeder dritten Neueinstellung in Deutschland gab es 2012 Schwierigkeiten. Als häufigster Grund wird die geringe Zahl der Bewerbungen genannt, die bei 22% der Neueinstellungen zu Problemen geführt hatte. Die Klagen über die niedrigen Bewerberzahlen werden immer häufiger: 2010 hatte es nur bei 12% der Stellenbesetzungen Schwierigkeiten aufgrund von niedrigen Bewerberzahlen gegeben.

Zu diesem Ergebnis kommt die Erhebung des gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) regelmäßig durchführt. An der repräsentativen Arbeitgeberbefragung haben sich im vergangenen Jahr knapp 14.000 Betriebe und Verwaltungen beteiligt.

Unternehmen bemängeln Qualifikation der Bewerber

An zweiter Stelle führen die Arbeitgeber die mangelnde Qualifikation der Bewerber an. Diese sind bei 18% der Stellenbesetzungen Ursache für Schwierigkeiten. Auch Uneinigkeiten über das Gehalt (12%) und die Arbeitsbedingungen (11%) sind häufige Gründe.

Die Immobilienunternehmen sind auch mit der Qualität und der Quantität der sie erreichenden Bewerbungen nicht zufrieden, wie die diesjährige Umfrage zur IZ-Joboffensive zeigte: Von den teilnehmenden Unternehmen beklagen sich 44% über eine mangelnde Qualität der Bewerbungen auf ausgeschriebene Positionen. Ebenso viele zeigten sich mit der Anzahl der eingehenden Bewerbungen auf offene Stellen nicht zufrieden.

Insgesamt 5,3 Mio. Neueinstellungen gab es 2012 bei Betrieben und Verwaltungen in Deutschland, davon entfielen 4,4 Mio. auf Westdeutschland. Die IAB-Erhebung zeigt, dass sich die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung je nach Wirtschaftszweig unterscheiden. In den "sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen" - wozu Sicherheits-, Hausmeister- und Reinigungsdienste, der Garten- und Landschaftsbau sowie die Zeitarbeitsbranche und Reiseveranstalter zählen - klagten die Unternehmen über Besetzungsschwierigkeiten bei 37% der Neueinstellungen, und damit häufiger als im Bundesdurchschnitt (33%).

Und das, obwohl es in diesem Wirtschaftszweig die meisten Neueinstellungen gegeben hatte. 1,3 Mio. Menschen fanden dort 2012 einen neuen Job, davon etwa 192.000 in den neuen Bundesländern. Damit sind die "sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen" zumindest in den alten Bundesländern das dritte Jahr in Folge ein Jobmotor. 2010 gab es 804.000 Neueinstellungen, ein Jahr später 945.000.

Obwohl es durchschnittlich 23 Bewerber auf eine offene Stelle gab, bemängeln die Unternehmen eine zu geringe Bewerberanzahl. Eine Ursache dafür könnten die unsicheren Arbeitsplätze sein, denn jeder zweite erhielt in diesem Wirtschaftszweig einen befristeten Vertrag (51%). Der Durchschnitt über alle Wirtschaftsbereiche liegt bei 46%.

Besetzungsdauer erhöht sich auf 82 Tage

Um die offenen Positionen besetzen zu können, mussten die Unternehmen bei jeder fünften Neueinstellung Zugeständnisse machen. Bei 11% der Einstellungen in West- und bei 15% der Einstellungen in Ostdeuschland machten sie Kompromisse bei der Qualifikation bzw. Berufserfahrung. Die Gehälter passten die westdeutschen Arbeitgeber bei 13% der Neueinstellungen an, und damit häufiger als die ostdeutschen (8%).

Dennoch hat sich die tatsächliche Besetzungsdauer, also der Zeitraum von Beginn der Personalsuche bis zum Arbeitsbeginn des Eingestellten 2012 bundesweit auf 82 Tage erhöht. 2010 waren es noch zehn Tage weniger gewesen.

Sonja Smalian

Welche Qualifikationen zum Job führen

Praxiserfahrung wird von Immobilienunternehmen als wichtigste
Qualifikation bei Berufseinsteigern angesehen.

Praxiserfahrung wird von Immobilienunternehmen als wichtigste Qualifikation bei Berufseinsteigern angesehen.

Bild: BilderBox.com

Karriere 29.08.2013
Praktikum oder Sprachkurs - wie sollten Studenten ihre Semesterferien am besten nutzen? Mit welchen Qualifikationen Berufseinsteiger und Young Professionals beim Vorstellungsgespräch ... 

Praktikum oder Sprachkurs - wie sollten Studenten ihre Semesterferien am besten nutzen? Mit welchen Qualifikationen Berufseinsteiger und Young Professionals beim Vorstellungsgespräch punkten können, darüber gibt es oft nur ungenaue Vorstellungen. Dabei sind die Präferenzen der Immobilienunternehmen eindeutig.

Zu den wichtigsten Qualifikationen eines Berufseinsteigers oder Young Professionals befragt, steht an erster Stelle immobilienwirtschaftliche Berufserfahrung. Jedes zweite Unternehmen schätzt Praxiserfahrung als "sehr wichtig", weitere 40% als "wichtig" ein. Dieses Ergebnis zeigt die diesjährige Umfrage zur IZ-Joboffensive, an der sich 134 Branchenunternehmen beteiligt hatten. Bewerten konnten sie insgesamt 16 verschiedene Qualifikationen von Bewerbern mit sehr wichtig, wichtig, weniger wichtig und unwichtig.

Praktika sind für die Personaler enorm wichtig

Punkten können Berufseinsteiger auch mit guten Abschlussnoten, auf die 83% der befragten Unternehmen viel Wert legen. An dritter Stelle werden immobilienspezifische Praktika genannt (79%). Dass vor allem Praktika den Marktwert eines Hochschulabsolventen erhöhen, zeigt auch die branchenübergreifende Hochschul-Recruiting-Studie 2012: 83% der befragten Personaler bewerteten diese Qualifikation als besonders wichtig und damit deutlich vor der Ausrichtung des Studiums (79%) oder der Abschlussnote (53%).

Erwarten die Unternehmen nicht zu viel von jungen Menschen, die nur bedingt über Praxiserfahrungen verfügen können, weil sie erst am Anfang ihres Berufslebens stehen? Nein, denn von den 622 Studenten, die sich in diesem Jahr an der IZ-Joboffensive beteiligten, hatten 79% schon immobilienspezifische Praktika absolviert. Parallel zum Studium ist sogar jeder zweite Befragungsteilnehmer in der Immobilienbranche beschäftigt. Fast jeder Dritte hatte schon vor Studienbeginn in der Branche gearbeitet, und zwar durchschnittlich fast vier Jahre lang. Die Befragung zeigt auch, welche Qualifikationen gar nicht so wichtig sind wie landläufig vielleicht vermutet. Ein Beispiel dafür sind Fremdsprachenkenntnisse. In der Regel wünschen sich die Arbeitgeber vor allem Bewerber mit Englischkenntnissen. 43% der befragten Unternehmen bewerten diese als "sehr wichtig" und weitere 28% als "wichtig". Damit steht diese Qualifikation auf der Wunschliste der Immobilienunternehmen auf Rang fünf.

Hingegen belegt die Kategorie sonstige Fremdsprachenkenntnisse (19%) nur den vorletzten Rang. Als "sehr wichtig" bewerten gar nur 5% der Befragten weitere Fremdsprachenkompetenzen neben Englisch. Oft wird darüber spekuliert, wie der Bachelor-Abschluss vom Markt angenommen wird. Mit 61% liegt er in der Gunst der Personaler knapp vor dem Masterabschluss (57%).

Viel wichtiger als die Art des Abschlusses ist den Arbeitgebern hingegen, dass der Bewerber überhaupt über einen Hochschulabschluss verfügt (72%, Rang 4). Auch ein Auslandsaufenthalt während des Studiums scheint nicht zwingend für den Jobeinstieg erforderlich zu sein. So wertvoll ein Semester an einer ausländischen Hochschule für den Einzelnen sein mag, einen scharfen Blick werfen nur 29% der befragten Unternehmen auf diese Qualifikation. Davon sehen sogar nur 4% ein Auslandssemester als "sehr wichtig" an.

Der Name der Hochschule hilft nur bedingt

Die Vorlieben der Arbeitgeber unterscheiden sich je nach Segment: Drei Viertel der Asset-Manager und Vermögensverwalter sehen sowohl einen Hochschulabschluss wie auch die nicht-akademischen Grade Immobilienfachwirt und Immobilienökonom als sehr wichtig bzw. wichtig an. Eine ähnlich hohe Wertschätzung erfährt der Abschluss Immobilienfachwirt auch bei den Immobilienmanagern und -verwaltern (79%). Neben der Berufserfahrung, die von jedem Unternehmen dieses Segments als wichtig/sehr wichtig eingestuft wird, wird auch die Ausbildung zum Immobilienkaufmann (97%) genannt. Auch die Immobilienvermittler setzen auf die Ausbildung (79%), deutlich vor einem Hochschulabschluss (63%).

Während die verschiedenen Abschlüsse sehr unterschiedlich bewertet werden, könnte der Name der Hochschule im Bewerbungsgespräch vielleicht den Ausschlag geben? Als marktwertsteigerndes Element taugt der Name der Hochschule bislang nur bedingt. Nur 10% der Personaler der branchenübergreifenden Hochschul-Recruiting-Studie 2012 ziehen vom Prestige der Hochschule Rückschlüsse auf den Bewerber. In der Immobilienbranche verhält es sich ähnlich: Der Abschluss einer bestimmten Bildungseinrichtung wird ebenfalls nur von jedem Zehnten als "sehr wichtig" genannt.

Fazit: Unternehmen haben eine konkrete Vorstellung davon, welche Kandidaten auf ausgeschriebene Stellen passen. Sie verlangen gewisse Fachkenntnisse, aber auch soziale Fähigkeiten. Je näher Bewerber diesem Bild vom Wunschkandidaten kommen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, zum Gespräch eingeladen zu werden.

Britta Kriechel,Sonja Smalian

Immo-Institut idiw gegründet

Die beiden HfWU-Professoren Dr. Thomas Kinateder (links) und Dr. Robert Göötz (Mitte) haben mit dem idiw ein neues An-Institut gegründet, das Forschung und Praxis stärker verbinden soll. Rektor Prof. Dr. Werner Ziegler unterstützte die Gründung.

Die beiden HfWU-Professoren Dr. Thomas Kinateder (links) und Dr. Robert Göötz (Mitte) haben mit dem idiw ein neues An-Institut gegründet, das Forschung und Praxis stärker verbinden soll. Rektor Prof. Dr. Werner Ziegler unterstützte die Gründung.

Bild: HfWU

Karriere 22.08.2013
Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) hat das Institut der Immobilienwirtschaft (idiw) gegründet. Das immobilienwirtschaftliche An-Institut ist generalistisch ... 

Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) hat das Institut der Immobilienwirtschaft (idiw) gegründet. Das immobilienwirtschaftliche An-Institut ist generalistisch orientiert und versteht sich als Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis. Die ersten vier Studenten schreiben schon ihre Bachelorarbeiten zu idiw-Projekten.

Gutachten, Studien, Beratungsleistungen, Vorträge und Schulungen zählen zum Leistungsprofil des neuen Instituts. Geleitet wird das idiw von den beiden HfWU-Professoren Dr. Robert Göötz und Dr. Thomas Kinateder. Als An-Institut arbeitet es inhaltlich und personell eng mit der Hochschule zusammen. Der Studiengang Immobilienwirtschaft habe seit jeher schon eine sehr große Praxisnähe gehabt, sagt Göötz. Nun gebe es mit dem idiw auch eine Schnittstelle von der Forschung in die Praxis.

Die HfWU hat eine lange Tradition in der immobilienwirtschaftlichen Ausbildung. 1983 wurde erstmals eine entsprechende Vertiefungsrichtung angeboten. Derzeit absolvieren dort rund 500 Studenten ein immobilienspezifisches Bachelor- oder Masterstudium und werden von 17 Immo-Professoren sowie weiteren Hochschullehrern und etwa 60 Lehrbeauftragten betreut.

Aktuell arbeitet das idiw-Team an mehreren Themen. Zum einen untersucht es u.a. auf Basis des letzten Zensus die veränderte Nachfrage nach Wohnraum und deren Folgen für die Bestandsstrategien der Wohnungsunternehmen. Auch forscht es im Bereich der Regulierung der Immobilienmärkte zu den Auswirkungen der Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs.

Auch mit der Entwicklung innovativer immobiliennaher Produkte für die sachwertorientierte Vermögensverwaltung sowie dem Investitionsverhalten von Stiftungen beschäftigen sich die beiden idiw-Leiter. Kooperationen mit Fachleuten und Immobilienunternehmen bestehen.

Die Kopplung zum Markt soll auch durch einen Beirat gewährleistet werden, dem schon Dr. Christian Jaeger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Süddeutsche Wohnen, angehört. Weitere sechs Mitglieder sollen folgen, sodass verschiedene Bereiche wie Projektentwicklung, Steuern und Recht sowie Investment abgedeckt seien, sagt Kinateder.

Die ersten vier Studenten können von der Institutsneugründung profitieren: Sie verfassen ihre Bachelorarbeit im Studiengang Immobilienwirtschaft zu verschiedenen Projekten des Instituts. Künftig könnten bis zu zehn, zwölf Studenten ihre Abschlussarbeiten im Umfeld der idiw-Forschungsprojekte anfertigen, sagt Göötz.

Die Forschungsergebnisse sollen auf verschiedenen Wegen veröffentlicht werden. Zum einen als Printprodukte mit Verlagen und zum anderen über den in die idiw-Seite eingebundenen Blog von Göötz. Den führt er seit drei Jahren und zählt inzwischen rund 692.000 Pageviews.

Info: www.idiw.de

Sonja Smalian

3 Mio. Euro für die Rekrutierung von Azubis

Die mehr als 73.000 Unternehmen im Bauhauptgewerbe beschäftigen im
Jahresdurchschnitt etwa 750.000 Menschen. Nachwuchskräfte gibt es nicht genug. Deswegen sollen jetzt junge Menschen in Qualifizierungsmaßnahmen für die Branche geworben werden.

Die mehr als 73.000 Unternehmen im Bauhauptgewerbe beschäftigen im Jahresdurchschnitt etwa 750.000 Menschen. Nachwuchskräfte gibt es nicht genug. Deswegen sollen jetzt junge Menschen in Qualifizierungsmaßnahmen für die Branche geworben werden.

Bild: ZDB

Karriere 15.08.2013
Mehr als 10.000 Berufsanfänger benötigt die Bauwirtschaft jährlich, nur um die aus Altersgründen ausscheidenden Beschäftigten zu ersetzen. Doch schon jetzt bleiben viele Ausbildungsplätze ... 

Mehr als 10.000 Berufsanfänger benötigt die Bauwirtschaft jährlich, nur um die aus Altersgründen ausscheidenden Beschäftigten zu ersetzen. Doch schon jetzt bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Deswegen wurde ein Pilotprojekt zur Nachwuchssicherung aufgelegt. Junge Menschen sollen durch Qualifizierungsmaßnahmen an eine Ausbildung am Bau herangeführt werden. Dafür werden bis zu 3 Mio. Euro bereitgestellt.

Der Bedarf an Nachwuchskräften ist auch in der Bauwirtschaft spürbar: So werden bis 2020 etwa 83.000 Beschäftigte altersbedingt ausscheiden. Allein als Ersatz für die Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen werden jährlich mehr als 10.000 Berufsanfänger benötigt. Doch bei gleichbleibenden Ausbildungszahlen und Abwanderungsquoten lasse sich nur rund die Hälfte der in Rente gegangenen Beschäftigten ersetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie von Soka-Bau und F.A.Z. Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen aus dem Jahr 2012.

Obwohl die Prognose für die Bauwirtschaft mit einem nominalen Umsatzwachstum von 1,9% in diesem Jahr positiv ist, können die rund 73.000 Unternehmen des Bauhauptgewerbes ihre Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen. In jedem vierten Baunternehmen blieben im vergangenen Jahr Ausbildungsplätze leer, wie die DIHK-Online-Unternehmensbefragung zum Thema Ausbildung 2013 zeigt. Gründe gab es dafür verschiedene: 25% der befragten Unternehmen gaben an, gar keine Bewerbungen erhalten zu haben. Auch wurden die Ausbildungsplätze nicht angetreten (14%) oder die Verträge nach Beginn der Ausbildung wieder gelöst (16%). Zwei Drittel der Unternehmen gab jedoch an, keine geeigneten Bewerbungen erhalten zu haben. Dabei zeigt sich die Branche offen für lernschwächere Jugendliche: Jeder fünfte Betrieb würde bei Bereitstellung von Fördermitteln Lernschwächere einstellen.

Die Branche versucht mit Qualifizierungsmaßnahmen gegenzusteuern und hat das Pilotprojekt "Berufsstart Bau" auf den Weg gebracht. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten sollen gezielt Maßnahmen durchgeführt werden, um junge Menschen auf eine Ausbildung in der Branche vorzubereiten. Dafür werden bis zu 3 Mio. Euro aus der umlagefinanzierten Berufsausbildungsförderung von der Baubranche bereitgestellt. Die rund 73.000 Unternehmen der Baubranche zahlen jeweils 2,3% der Bruttolohnsumme ein. Dies summiere sich auf etwa 300 Mio. Euro pro Jahr, so eine Sprecherin des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe. Initiatoren des Projekts sind der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Das Pilotprojekt setzt auf regionale Maßnahmen in den deutschlandweit rund 200 überbetrieblichen Ausbildungsstätten in Zusammenarbeit mit den regionalen Bauunternehmen. Interessierte Ausbildungszentren können sich mit ihren Ideen für das Pilotprojekt bewerben und erhalten dann entsprechende Gelder. Ziel sei es, die Maßnahmenteilnehmer auf den Beginn einer Bau-Berufsausbildung im Sommer 2014 vorzubereiten.

Sonja Smalian

Partizipationsprozesse gestalten lernen

"Wutbürger" war 2010 zum Wort des Jahres von der Gesellschaft für deutsche Sprache gewählt worden. Auf Platz zwei schaffte es "Stuttgart 21". Mit neuen Beteiligungsverfahren sollen die Bürger bei Planungsprozessen früher ins Boot geholt werden.

"Wutbürger" war 2010 zum Wort des Jahres von der Gesellschaft für deutsche Sprache gewählt worden. Auf Platz zwei schaffte es "Stuttgart 21". Mit neuen Beteiligungsverfahren sollen die Bürger bei Planungsprozessen früher ins Boot geholt werden.

Bild: fm

Karriere 08.08.2013
Stuttgart 21 hat gezeigt, wie wichtig eine Beteiligung der Bürger an großen Bauprojekten ist. Das Land Baden-Württemberg hat aus dieser Erfahrung gelernt und eine Staatsrätin für ... 

Stuttgart 21 hat gezeigt, wie wichtig eine Beteiligung der Bürger an großen Bauprojekten ist. Das Land Baden-Württemberg hat aus dieser Erfahrung gelernt und eine Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung ernannt. Auch die Universität Stuttgart hat reagiert: Zum Wintersemester 2013/14 beginnt dort der neue Masterstudiengang Planung und Partizipation, der Fachkräfte für die Konzeption und Durchführung von Partizipationsprojekten in Planungsprozessen ausbildet.

Einen Facebook-Auftritt hat der neue Masterstudiengang Planung und Partizipation schon, und auch eine erste Diskussionsveranstaltung mit der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, Gisela Erler, fand bereits statt. Erler will die Verfahren der Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen ausbauen und in das Verwaltungshandeln integrieren. Als Aufgabe hat sie sich auch die Entwicklung eines Leitfadens für eine neue Planungskultur gestellt.

Spezialisten für diese neue Planungskultur mit mehr Bürgerbeteiligung werden ab diesem Wintersemester erstmalig an der Universität Stuttgart ausgebildet. Absolventen des viersemestrigen Vollzeit-Masterstudiengangs Planung und Partizipation sollen eigenständig Partizipationsprozesse durchführen und moderieren können. Eine Anschubfinanzierung leistet das badenwürttembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Höhe von rund 400.000 Euro.

Durch neue Beteiligungsverfahren Kosten und Fehler vermeiden

Dass Kommunen und Unternehmen immer häufiger Bedarf an Moderatoren für Beteiligungsverfahren haben, zeigen auch die sich häufenden Anfragen an verschiedene Hochschullehrer solche Prozesse durchzuführen. Konflikte in Planungsprozessen tauchten häufig auf, weil öffentliche Anhörungen oft erst zu einem späten Planungszeitpunkt stattfinden. "Die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Bauleitplanung ist ein formales Verfahren, das oft konfrontativ verläuft, weil in diesem späten Planungsstadium alle wesentlichen Entscheidungen schon gefällt wurden", sagt Studiengangskoordinatorin Dr. Gisela Wachinger. Hier gelte es neue Beteiligungsformen zu entwickeln, die u.a. Kriterien aus der Mediation erfüllen müssen. Beispielsweise sollte der Prozessmoderator eine neutrale Person sein, und es muss einen offenen Entscheidungsrahmen geben, d.h. "es muss wirklich noch etwas entschieden werden können", sagt Wachinger. Dass sich Planungsverfahren und Bauprozesse aufgrund von mehr und früherer Beteiligung verlängern würden, widerlegen aktuelle Studien (s. Tippkasten unten). Vielmehr sei es eine Form der Qualitätssicherung, wenn die Bürger früh in die Planung mit einbezogen werden, so Wachinger. "Dadurch können nicht nur spätere Klageverfahren, sondern auch planerische und bauliche Fehler des Projekts vermieden werden."

Die Masterstudenten erwerben nicht nur politologisches und rechtliches Fachwissen, sondern werden auch in Planungsprojekten und in Rollenspielen praktisch ausgebildet. Der Ablauf von Planungsverfahren in Deutschland wird ebenso gelehrt wie inhaltliche Fachaspekte der Planung: Muss die Traufhöhe bei dem Bauprojekt xy berücksichtigt werden oder spielt eher die Verkehrsführung eine wichtige Rolle?

Auf dem Lehrplan stehen Themen wie Raumplanung und Umweltplanung, rechtliche Grundlagen von Planung und Partizipation, Konfliktbearbeitung, Methoden, Techniken und Formate der Bürgerbeteiligung sowie Theorie und Praxis der Beteiligung bei großen Infrastrukturvorhaben. Möglich ist diese interdisziplinäre Ausrichtung, weil der Studiengang von drei Fakultäten - Architektur und Stadtplanung, Bau- und Umweltingenieurwissenschaften sowie Wirtschaft und Sozialwissenschaften - konzipiert und durchgeführt wird. Es ist wahrscheinlich das einzige Angebot dieser Art in Deutschland. Dadurch lässt sich das große Interesse, auch aus dem Ausland gab es Bewerber, an dem neuen Studiengang erklären. Mit rund 20 Bewerbungen hätten sie gerechnet, doch es seien deutlich mehr geworden, sagt Wachinger.

Weiterbildungsstudiengang in Planung

Bewerber müssen mindestens ein sechssemestriges Bachelorstudium abgeschlossen haben, z.B. in den Fächern Architektur, Energietechnik, Geografie, Planung, Politik- oder Sozialwissenschaften, Umweltwissenschaften, Verwaltungs-, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften. Während des Studiums ist zudem ein achtwöchiges Praktikum etwa bei Investoren, Planungs- und Ingenieurbüros oder der Verwaltung vorgesehen. Passende Praktikumsstellen können der Studiengangskoordinatorin gemeldet werden. Einsatzmöglichkeiten sieht Wachinger in Kommunen, aber auch auf Landes- und Bundesebene, bei Unternehmen oder in der Selbstständigkeit. Der neue Masterstudiengang richtet sich an junge Bachelorabsolventen, aber auch für Berufspraktiker soll es künftig ein berufsbegleitendes Studienangebot geben. Ein entsprechender Weiterbildungsstudiengang wird derzeit konzipiert.

Info: www.uni-stuttgart.de/planupart

TIPP

Dass Maßnahmen für Prozesssteuerung, d.h. für Beteiligungsverfahren, in der Regel keine Zeitverzögerungen nach sich ziehen und meist sogar zu Kostenersparnisssen führen (durch die Vermeidung von Gerichtsverfahren), haben Thomas C. Beierle und Jerry Cayford für die USA nachgewiesen ("Democracy in Practice. Public Participation in Environmental Decisions", Johns Hopkins University Press). Zur Ausgestaltung von Planungsverfahren hat die Fachgruppe Planen und Bauen im Bundesverband Mediation acht Thesen formuliert und in der Zeitschrift Spektrum der Mediation (42/2011) veröffentlicht. In Baden-Württemberg findet aktuell ein Wettbewerb zu "Leuchttürmen der Bürgerbeteiligung" statt, der einen Überblick über den Status quo vermittelt (Im Internet unter: www.staatsanzeiger.de/politik-und-verwaltung/ buergerbeteiligung/reportagen).

Sonja Smalian