Karriere-News

Teuer geht immer

Köpfe 13.04.2006
Die Verkaufszahlen am Weißwurstäquator beweisen es: Teuer geht einfach immer. Neue Luxus-Eigentumswohnungen, die offenbar reißenden Absatz finden, bestätigen diese Aussage. Ist das Projekt in ... 

Die Verkaufszahlen am Weißwurstäquator beweisen es: Teuer geht einfach immer. Neue Luxus-Eigentumswohnungen, die offenbar reißenden Absatz finden, bestätigen diese Aussage. Ist das Projekt in sich stimmig und genügt auch höchsten Anforderungen, so ist der Preis anscheinend nur Nebensache. Die Lenbach Gärten, der Angerhof und die Isarlofts sind Beispiele hierfür.

"Die Luxushotels sind zuerst voll." Diese Überschrift zierte Anfang März ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit André Witsche, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Accor Hotellerie Deutschland GmbH in München. Klotzen statt Kleckern gilt auch beim Autokauf: Kostete das teuerste Mercedes-Modell CL 600 vor einigen Jahren noch rund 100.000 EUR, zahlen Interessenten für das heutige Spitzengefährt SLR das Vierfache. Und die Warteliste ist lang.

Gezählt: 1 Mio. Euro-Millionäre

Das Fazit dieser Aussagen ist eindeutig: Das Luxusgeschäft im Allgemeinen boomt. Kein Wunder, es gibt nicht nur mehr Arme, auch die Zahl der Wohlhabenden steigt. Allein Deutschland zählt etwa 1 Mio. Euro-Millionäre - mit entsprechenden Konsumwünschen, die selbstverständlich an das eigene Zuhause ebenfalls höchste Ansprüche stellen.

Das schlägt sich natürlich auch im Wohnungsmarkt nieder. Denn nicht jeder, der eine gut gefüllte Geldbörse vorweisen kann, lebt in einer Villa in Grünwald. Im Gegenteil, meint Jürgen Schorn, Geschäftsführer des Beratungs- und Investmenthauses Bauwerk Capital GmbH & Co. KG: "Der Trend geht weg vom Eigenheim und hin zur Wohnung." Dem Häuschen im Grünen mit der mitgekauften Pflicht zum Schneeräumen, zur Gartenpflege und zur jährlichen Heizölbestellung zieht so mancher das sorgenfreiere Domizil in der Innenstadt vor. Wer schon im Beruf unter Dauerstress steht, möchte nach beendeter Geschäftsreise lieber relaxen als Rasen mähen.

Zum Beispiel im Alten Hof am Münchner Marienhof: Mit 10.000 EUR/m2 toppte dieses Projekt vor wenigen Monaten die bisher gültigen Preisvorstellungen der Landeshauptstadt. Dem ersten Aufschrei folgte ein zweiter: Bis auf eine Wohnung sind inzwischen alle Einheiten verkauft. Auf ihre Besitzer wartet eine Ia-Lage im belebten Zentrum der Stadt.

Auf die Besitzer mancher der 47 Einheiten warten auch Dachterrassen und Loggien zum ruhigen Innenhof. Luxuriöse Ausstattung ist ebenso im Preis inbegriffen wie der Erbbauzins, den der jeweilige Käufer an den Freistaat Bayern zu entrichten hat. Denn der hatte das Objekt dem Projektentwickler Bayerische Hausbau GmbH, München, lediglich auf 65 Jahre in Erbpacht überlassen - ein Umstand, der die Kosten schon wieder in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Doorman für Lenbach Gärten

Damit könnte der Preis für die derzeit exklusivste Wohnung in München womöglich an einen anderen Projektentwickler weitergereicht werden: an die Frankonia Eurobau Max-Viertel GmbH aus Nettetal. Sie ist der Bauherr der mit 300 Mio. EUR veranschlagten Lenbach Gärten. Ihr Zuhause ist ein rund 23.000 m2 großes Areal zwischen Sophien-, Meiser-, Karl- und Luisenstraße, direkt am Alten Botanischen Garten. Dort entstehen ein 15.500 m2 Geschossfläche umfassendes Hotel, 100 Eigentumswohnungen mit insgesamt 16.950 m2 und 40 weitere Wohnungen. Letztere sind Beamten des Freistaats Bayern vorbehalten. Zwei Bürobauten von zusammen 23.000 m2 Fläche sind bereits an McKinsey beziehungsweise Condé Nast Publications vermietet. Das Fünf-Sterne-Hotel soll im Frühjahr nächsten Jahres eröffnet werden. Zwischen Sommer und Herbst 2007 sollen auch die 100 Wohnungen bezugsfertig sein. Der Clou des Gebäudes: Es ist als so genanntes Doorman-Haus konzipiert. Ein Concierge-Service erledigt auf Wunsch der Bewohner nicht nur deren Einkäufe oder kümmert sich bei Bedarf um Catering und Textilreinigung, sondern führt im Fall des Falles sogar den Hund Gassi. Natürlich dürfen die Hausherren und Hausherrinnen auch den Spa- und Wellness-Bereich des angrenzenden Hotels nutzen und sich nicht zuletzt am Komfort ihrer neuen Domizile erfreuen. Individuelle Ausstattung ist dabei ebenso selbstverständlich wie die individuelle Preisgestaltung. Eine standardisierte Preisliste gibt es nicht, stattdessen Spielräume, die von 5.000 EUR bis zu gut 10.000 EUR/m2 alle Möglichkeiten ausschöpfen. Auch hier gilt wie im Alten Hof: Das Interresse an den 180 m2 bis 350 m2 großen Wohnungen im Max-Ensemble und den so genannten Steidle-Lofts ist groß. Auch der Klenze Palazzo mit seinen neun hochwertigen Eigentumswohnungen zwischen 120 m2 und 190 m2 ist gefragt. Gut 20% der Einheiten haben bereits den Besitzer gewechselt, und das, obwohl der Verkauf erst kurz vor Weihnachten begonnen hat.

Schmuddeleck wird Luxuszone

Kein Wunder, dass auch Projektentwickler Wöhr + Bauer GmbH, München, ein Stück vom Münchner Luxuskuchen abschneiden will. Wöhr baut den Angerhof am Oberanger. Neben 14.000 m2 Bürofläche soll das Projekt auch Platz für 4.000 m2 Wohnfläche bieten. Die Lage, obgleich momentan noch als Schmuddeleck verschrien, wird sich spätestens mit der geplanten Ausweitung der Fußgängerzone in zwei Jahren zum Spitzenstandort wandeln. Dementsprechend luxuriös soll auch das von Steidle + Partner entworfene Bauwerk gestaltet werden. Raumhöhen von 3 m sollen ebenso selbstverständlich sein wie individuelle Grundrisse und lichtdurchflutete Räume. Loggien, Dachterrassen und Balkone mit bis zu 100 m2 Größe sind vorgesehen, großzügige Verglasung ist obligatorisch. "Wir wollen im Angerhof das Flair eines Altbaus mit den Leistungsmerkmalen einer zeitgemäßen Immobilie verknüpfen", wirbt Wolfgang Röck, geschäftsführender Gesellschafter der Wöhr + Bauer GmbH, für das Projekt. Ob die Wohnungen veräußert oder nur vermietet werden, ist bis dato allerdings noch nicht klar. Auch zu den Preisen mag sich Röck nicht äußern. Schließlich soll der Grundstein für das Projekt erst 2006 gelegt werden, die Fertigstellung ist für 2008 geplant.

Isarlofts werben mit Szeneflair

Zuvor wird noch ein anderes Gebäude fertig gestellt werden, das ebenfalls zu den außergewöhnlichen Projekten in München zählt: Die von Tecta-Plan als Projektentwickler und Bauherrn konzipierten Isarlofts setzen den Traum von eleganten, großzügigen Lofts mit dem außergewöhnlichen Flair, das nur ehemalige Fabrikhallen und Produktionsstätten verbreiten, um. Tecta-Plan wandelt die Verwaltung, die Produktion und die Auslieferung der Deutschen Städtemedien im Münchner Stadtviertel Au in ein exklusives Wohnensemble um. Das vom Architekturbüro Weickenmeier, Kunz und Partner entworfene und von der Bauwerk Capital GmbH & Co. KG, München, in Sachen Marketing unterstützte Projekt in der Lilienbeziehungsweise Zeppelinstraße kann sich nicht über mangelndes Interresse beklagen. Die Käufer honorieren den Anspruch des Bauwerks und den Mut des Projektentwicklers, Ungewöhnliches zu wagen. Schon vor dem offziellen Vermarktungsbeginn wechselten zwei Wohnungen den Besitzer. Dabei liegen die Verkaufspreise der zwölf Einheiten zwischen 4.100 und 7.200 EUR/m2. Die kleinste Wohnung kostet 600.000 EUR, die größte 1,35 Mio. EUR. Die Ausstattung ist so edel wie auf Schlichtheit bedacht. Die Gestaltung der Grundrisse ist individuell. Keine Wohnung soll der anderen gleichen. Jeder Kunde erhält, was er sich wirklich wünscht. Vom 6 m hohen Luftraum bis zum 50 m2 Wohnzimmer wird kein Wunsch von vornherein ausgeschlagen. Der Kunde ist König, und das Luxusgeschäft boomt.

St. Anna: Wohnen am Kloster

Schon kurz nach ihrem Erfolg im Alten Hof geht die Bayerische Hausbau daher in Kürze ein weiteres prestigeträchtiges Bauprojekt im Top-Segment an. Ende des Jahres 2005 wurde der Erbbaurechtsvertrag zwischen dem traditionsreichen St.-Anna-Kloster im Lehel und der Bayerischen Hausbau beurkundet. Damit ist der erste Schritt hin zu einer Projektentwicklung getan, die den Bau von voraussichtlich 34 Wohnungen im gehobenen Preissegment auf dem Klosterareal vorsieht. Insgesamt sollen 3.700 m2 Geschossfläche entstehen. Unter Beachtung des Denkmalschutzes werden im nördlichen Teil des Klostergebäudes in so genannter Spolienarchitektur restaurierte historische Fassadenelemente in die neue Fassade integriert. Dadurch ergeben sich Raumhöhen von bis zu 4 m. Im nordwestlichen Teil bleiben eine Fassade und ein historisches Treppenhaus erhalten. Die Wohnungen werden luxuriös ausgestattet und fast alle Blick auf den Klostergarten bieten. Das Genehmigungsverfahren für das Projekt läuft bereits. Die Bayerische Hausbau hofft, zum Jahresende mit dem Bau beginnen zu können. Die Werbetrommel für den Verkauf des Projekts wird voraussichtlich ab Sommer 2006 gerührt werden. Doch bereits jetzt gebe es zahlreiche Anfragen, freut sich Johannes Humberg, Geschäftsführer Markt der Bayerischen Hausbau: "Die Wohnungen im Alten Hof konnten wir vor der Fertigstellung fast alle verkaufen, und auch für den Klostergarten St. Anna im Lehel gibt es schon viele Interessenten, obwohl die Vermarktung noch nicht begonnen hat."

Das Spitzenobjekt

Es scheint zu stimmen, was Bauwerk-Capital-Geschäftsführer Schorn behauptet: Beim richtigen Objekt sei der Preis in einer bestimmten Kundenklientel einfach Nebensache. Es ist ihm zu wünschen, dass er damit auch Recht behält. Denn sein Unternehmen hat sich einer ganz besonderen Aufgabe verschrieben. Es will die derzeit wahrscheinlich teuerste Wohnung Deutschlands an den Mann bringen. Die entsteht nach den Entwürfen des Architekturbüros Franke und Rössel gerade in München-Nymphenburg, direkt an der Schlossmauer, und ist Teil des in den 60er Jahren von dem Architekten Paul Schneider-Esleben entworfenen und nun vom Projektinvestor Mattusch Wohnbau umgenutzten ehemaligen Jesuitenklosters. Statt der Mönche sollen in Bälde 14 weltliche Wohnungsbesitzer in die außergewöhnlichen Räumlichkeiten einziehen. Die schönste davon wächst derzeit im ehemaligen Bibliotheksturm heran. Ihr Preis: stolze 4,5 Mio. EUR. (cry)

IZ

3 Fragen an Schmengler Thomas

Köpfe 02.02.2006
Herr Schmengler, Sie waren 25 Jahre bei Jones Lang, zuletzt als Geschäftsführer. Jetzt sind Sie selbstständig. Wo sind Sie und was machen Sie?Seit dem 1. Dezember 2005 bin ich in der ... 
Herr Schmengler, Sie waren 25 Jahre bei Jones Lang, zuletzt als Geschäftsführer. Jetzt sind Sie selbstständig. Wo sind Sie und was machen Sie?

Seit dem 1. Dezember 2005 bin ich in der Geschäftsführung der KIZ-Unternehmensgruppe, zu der sieben Firmen und ca. 110 Mitarbeiter gehören. Der Unternehmensverbund beschäftigt sich mit schlüsselfertigem Bauen, Projektentwicklung, Garten und Landschaftsbau, Bedachung und Verwaltung. Unsere Schwerpunkte sind der Bau von Supermärkten, Fachmarktzentren und Logistikgebäuden. Wir sind in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland aktiv. Seit zwei Jahren bauen wir verstärkt in England und in Schottland. In Kürze beginnen wir mit Projektentwicklungen in Spanien, Ungarn und Rumänien. Meine Aufgabe ist es, die Projektentwicklungen für Eigennutzer im Büro und Logistikbereich zu forcieren.

Warum ein Neuanfang?

Weil ich 25 Jahre im Maklergeschäft war und alle Erfolge hatte, die man als Vermittler haben kann, in jeder Größenordnung. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und hoffe, sie in der Selbstständigkeit zu finden.

Werden Sie Frankfurt, das Sie fasziniert, nicht vermissen?

Die Taktzahl, die mein Partner Norbert Kittler vorlebt, ist unglaublich hoch. Die Kollegen sind hoch motiviert, und bei der Mitarbeiterzahl müssen wir auch einiges bewegen. Die Firma passt von der Mentalität und Ausrichtung schon sehr gut zum Rhein-Main-Gebiet. Morgen habe ich fünf Termine in Frankfurt und Umgebung. Sie können davon ausgehen, dass ich in Frankfurt am Ball bleibe.

Thomas Schmengler ist Geschäftsführer der KIZ Projektentwicklung, Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis).

Christoph v. Schwanenflug

Morasch: "Wir arbeiten noch wie in der Steinzeit!"

Köpfe 05.01.2006
Hundsgewöhnliche Bürogebäude bringen Ludwig Morasch in Wallung. "Wir arbeiten noch wie in der Steinzeit", sagt der Mann, der sich Trendforscher schimpft und mit ausgefallenen ... 

Hundsgewöhnliche Bürogebäude bringen Ludwig Morasch in Wallung. "Wir arbeiten noch wie in der Steinzeit", sagt der Mann, der sich Trendforscher schimpft und mit ausgefallenen Immobilienkonzepten sein Geld verdient. Hühner-Arbeitsställe nennt er die 08/15-Bauten, in denen Menschen an Schreibtischen etwas leisten sollen. Ein Unding, wie der gebürtige Oberösterreicher glaubt. Besser sei es, in Bürogebäuden auch Platz für Wohnen, Relaxen, Sport und Wellness vorzusehen. Das steigere die Produktivität der Beschäftigten - und mache die Immobilie zukunftssicherer. Die Betrachtungsweise eines Fantasten in Zeiten, die von drögen Flächen- und Kostenoptimierern dominiert sind?

Mitnichten. Einen prominenten Interessenten an seinen Konzepten hat Morasch etwa im Düsseldorfer Sireo-Niederlassungsleiter Stefan Apfelbaum gefunden. Dessen Kerngeschäft ist das Asset Management für die Immobilien der Deutschen Telekom - ein begrenztes Vergnügen in Zeiten hoher Büroflächenleerstände, die einen wie Morasch nicht überraschen. Dessen Mission ist die Aufklärung über die Erfolgschancen des zuvor noch nicht Gedachten. "Ich habe die Banken schon 1999 vor Investitionen in Bürotürme gewarnt und für innovative Konzepte gepredigt." Vergebens, denn damals reichte der Rausch der New-Economy-Gläubigen bis in die Topetagen von Großbanken. Wie der Trendforscher ist Apfelbaum überzeugt: "Das Nur-Büro ist tot." Entscheidend seien ein Mehrwert gegenüber anderen Objekten und eine Antwort auf die Frage: "Wie werden wir in Zukunft arbeiten?"

"Das Nur-Büro ist tot"

Büros werden demnächst nur noch gebraucht, um zu kommunizieren, glaubt Apfelbaum. Der Anteil der Kommunikationsflächen werde also wachsen. Es sei ein Irrtum zu glauben, in den nächsten Jahren würden all die leer stehenden Büros in Deutschland wieder gebraucht. Das Gegenteil werde der Fall sein: "In 20 Jahren werden wir Millionen Quadratmeter mehr Leerstand haben als heute." Dieser Satz hätte auch von Ideengeber Morasch sein können, an dem Apfelbaum das Aufbrechen von eingefahrenen Denkstrukturen schätzt.

Was will der Mann von der Sireo Real Estate Asset Management also tun, um mit seinen leer stehenden Telekom-Immobilien zu Rande zu kommen? Er hat die Leitung des Projekts Aldus übernommen. Dahinter verbirgt sich die Umsetzung der Morasch-Idee, Bürokonzepte mit diversen anderen Nutzungen zu kombinieren. Damit soll die klassische räumliche Trennung zwischen der isoliert betrachteten Arbeitswelt und der Erfüllung anderweitiger Bedürfnisse aufgelöst werden. So sei denkbar, in einem bisherigen Nur-Bürohaus neben den eigentlichen Arbeitsräumen Relaxing-Zonen einzurichten (Morasch: "Da müssen es die Mitarbeiter ertragen zu sehen, dass der Chef zwischendurch mal schläft, um danach wieder produktiver weiterzuarbeiten."), einen Bügelservice unterzubringen, für die Kinderbetreuung zu sorgen (und die Arbeitsplätze damit unabhängig von der Rollenverteilung gleichermaßen männer- und frauenfreundlich zu machen), Raucherbereiche zu schaffen, die nicht nach Verbannungsort, sondern nach Oase zum Genießen aussehen (und gegebenenfalls von einem Zigarettenhersteller gesponsert werden), oder für ein Garagenambiente zu sorgen, das dem Beschäftigten nicht das Gefühl gibt, bloß schnell wegzuwollen. Ganz nebenbei sieht das Aldus-Konzept die Möglichkeit vor, Synergieeffekte zu erzielen, eine Vokabel, die wirtschaftlich denkende Menschen lieben. Ein gemeinsamer Empfangsbereich für diverse Mieter ist so eine Synergie-Idee, ein gemeinsamer Postservice oder auch die Nutzung von (die meiste Zeit leer stehenden) Konferenzräumen durch verschiedene Unternehmen.

Damit nicht genug: Vorbei ist die Zeit, in der der Zehn-Jahres-Standard-Mietvertrag allein selig machend war. In einem Bürohaus mit Mehrwertmodulen von Kinderunterbringung bis zu Wohlfühlkantinen sind nach Überzeugung Apfelbaums allenfalls Mietverträge über drei bis fünf Jahre möglich - und die auch nicht mal für alle Nutzer. Die kürzeren Mietvertragslaufzeiten seien mit höheren Mietsätzen verbunden, frei nach dem Motto: "Flexibilität kostet."

Gradmesser Wow-Effekt

Die schöne neue Welt der ersten Aldus-Projekte wird nach den Sireo-Plänen bereits 2006 verwirklicht. Im Februar soll ein innovatives Garagenkonzept in Hamburg vorgestellt werden, und ebenfalls noch dieses Jahr ist ein größeres Morasch-Modul-Projekt in Düsseldorf geplant. Details verraten die Beteiligten noch nicht. Wer Trends erforscht, sie entdeckt und setzt, der will auch den Zeitpunkt der Inszenierung selbst bestimmen. So soll es sein.

Das Bürothema ist nur eines von vielen in dem reich bestückten Ideenkoffer, mit dem der 53-jährige Trendforscher auf der ganzen Welt unterwegs ist - immer auf der Suche nach neuen Entwicklungen und Möglichkeiten für Geschäfte. Einer seiner jüngsten Treffer ist ein Patent für ein Kühlsystem zur besseren Nutzung der vier geplanten Stadien in der 2 Mrd. EUR teuren Dubai Sports City. Die Kühlung soll den Sportbetrieb in den nicht überdachten Arenen auch während der Sommermonate bei Tagestemperaturen von 40 bis 50 Grad ermöglichen. Die Dubai Sports City ist ganz nach dem Geschmack eines Perfektionisten wie Morasch. Da stehen bei Sportschulprojekten mit Stars wie Tiger Woods, Andre Agassi und Pete Sampras die ganz Großen des internationalen Sportbusiness Pate. Allerdings geht der Bauboom am Persischen Golf selbst dem Trendsetter aus Seefeld in Oberösterreich etwas zu schnell. Dass sich für die vielen im Bau befindlichen Bürotürme genug Mieter finden, bezweifelt er.

Das größte Steckenpferd Moraschs, der den Anspruch hat, dass die Leute "Wow!" sagen ("Wow-Effekt"), wenn sie eines seiner Projekte sehen, heißt Infotainment. Damit meint er das in Freizeit- und Unterhaltungsprogramme verpackte Platzieren von Produkten - also eine Form der Verkaufsförderung ohne Zwischenhandel. So etwas lässt sich nach seinen Vorstellungen in Erlebnisrestaurants umsetzen, die es in den USA bereits in großer Zahl gibt, in themenspezifischen Freizeitparks à la Iglu-Welt, in denen extreme Klimaverhältnisse simuliert werden (Sponsoring durch z.B. Hersteller von Zelten und Schlafsäcken), oder beispielsweise in der von ihm konzipierten World of Living des Fertighausproduzenten Weberhaus in Rheinau-Linx. Dort präsentiert der Gastgeber in einem 75.000 m2 großen Park Wohnkulturen von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Für Kinder gibt es Erlebnisspielplätze mit Baumhäusern und Erdhöhlen, einen Traumraum, und ganz nebenbei präsentiert Weberhaus zwölf seiner Häusertypen - vom Passivhaus über das DaVinci-Haus bis zur Villa Diamant. 100.000 Gäste besuchen den 2000 eröffneten Park alljährlich.

Seniorenwelt City Park Living

Ein weniger erfolgreiches Beispiel aus dem Ideenkoffer Moraschs ist das Playcastle Tirol in seinem alten Heimatort Seefeld. Geplant war ursprünglich ein Freizeitpark zur Selbstdarstellung der Spielwaren-Industrie mitsamt Anfassbühne für den virtuellen Handel via Internet. Fast 14 Mio. EUR steckte der örtliche Hotelier Hannes Seyrling in das Projekt. Die Eröffnung erfolgte 1999, der Konkurs 2000. Statt der erwarteten 220.000 Besucher im ersten Jahr kamen nicht mal 100.000. Das Playcastle gehört nun der Grundverwertung GmbH, einer Tochter der finanzierenden Hypo Tirol Bank. Alle Verkaufsbemühungen waren bisher vergebens.

Morasch begründet das Scheitern des Projektes damit, dass sein Konzept gar nicht umgesetzt worden sei. Eine Plattform für die Spielwarenindustrie sei nicht geschaffen worden. Stattdessen habe man einzig auf das Schloss als Touristenattraktion gesetzt. Mit Infotainment habe das nichts mehr zu tun gehabt. An seine einstige Konzeption Playcastle glaubt er noch immer.

Was hat der Mann, der 20 Jahre seines Lebens in den USA verbrachte, noch im Köcher? Bürohäuser, die in Tagungshotels umgewandelt werden, zum Beispiel. Während bei herkömmlichen Hotels die Funktion Schlafen im Mittelpunkt steht, setzt Morasch die Prioritäten bei Tagungs- und Kongresshäusern anders. Dort würden perfekte Arbeitsbedingungen erwartet, beim Hotelzimmer tue es ein Entrée wie im Büro mit Nebenraum, in dem geschlafen wird.

Anderes Thema: City Park Living. Darunter versteht Morasch "eine völlig neue Wohnwelt für Senioren". In dieser befinden sich jedoch nicht nur Wohnungen für Ältere, sondern auch alle Einrichtungen für den täglichen Bedarf - im Idealfall um einen zentralen Marktplatz gruppiert. Zudem gehörten ein Kindergarten und Studentenwohnungen in solch eine Siedlung. Die Studenten könnten den Senioren Dienstleistungen anbieten und damit Geld verdienen. "Die neue Generation der Alten will nicht nur Alte sehen", sagt Morasch. Die Kosten für ein solches Projekt mit Platz für 1.000 Menschen beziffert er auf 200 Mio. EUR. Als Ort der Umsetzung hat er Deutschland auserkoren. Jetzt muss nur noch jemand "wow" sagen. (bb)

IZ

Face Lifting plus Serviceoffensive

Köpfe 05.01.2006
Rund 15 Mio. EUR will die West-Fonds Immobilien-Anlagegesellschaft mbH, eine Tochter der Westdeutschen ImmobilienBank, in die Hand nehmen und im gerade begonnenen Jahr das (bislang) so genannte ... 

Rund 15 Mio. EUR will die West-Fonds Immobilien-Anlagegesellschaft mbH, eine Tochter der Westdeutschen ImmobilienBank, in die Hand nehmen und im gerade begonnenen Jahr das (bislang) so genannte RWIHaus im Düsseldorfer Regierungsviertel baulich und im Betrieb auf Vordermann bringen.

Zwar sind derzeit 96% der insgesamt etwa 44.000 m2 Bürofläche belegt, doch da einer der Großmieter, die WestLB, die rund 25.000 m2 nutzt, ihre Option nicht gezogen hat und eventuell schon 2006 ausziehen wird, ist Handlungsbedarf gegeben.

"Mit einer Serie von Befragungen", so Kommunikationsberater Jürgen Braatz, will man gegebenen oder vermissten "Wohlfühlfaktoren" auf die Spur kommen. Mieter und Nutzer des markanten Bürokomplexes, der zuletzt 1995 (in seinem 20. Jahr) umgebaut wurde, sollen beispielsweise Farbwünsche äußern, bevorzugtes Teppichbodenmaterial nennen, die Sanitärräume begutachten und nicht zuletzt Service-Wünsche auf den Tisch des Hauses legen.

Das Motto der Abstimmungsaktionen ("Entscheiden wie ein Eigentümer. Fühlen wie ein Staatsgast.") spricht für den selbstbewussten Auftritt der Initiatoren. Schließlich will man sich an nicht weniger als dem Service-Standard New Yorker Hochhäuser orientieren. Das Besondere: Wer als Mieter sich bestimmte Dienstleistungen - vom Bügelservice bis zur Autowäsche - etwas kosten lässt, kann den Hol- und Bringdienst dem Hauspersonal überlassen, zahlt für diesen Service nichts und für die Dienstleistung selbst nur einen rabattierten Preis.

Die Face-Lifting- und Service-Initiative wird nicht nur im Haus selbst, sondern relativ aufwändig in der ganzen Stadt kommuniziert. Die Düsseldorfer konnten bis kurz vor Weihnachten auch über den neuen Namen der Immobilie abstimmen. Die vier Bürotürme an der Völklinger Straße 4 werden künftig rwi4 heißen. Unter den über 2.300 abstimmenden Bürgern war am Ende einer besonders froh: Der Gewinner einer USA-Reise kann sich die vielgerühmten Servicestandards vor Ort anschauen. (ae)

IZ