Karriere-News

Morasch: "Wir arbeiten noch wie in der Steinzeit!"

Köpfe05.01.2006
Hundsgewöhnliche Bürogebäude bringen Ludwig Morasch in Wallung. "Wir arbeiten noch wie in der Steinzeit", sagt der Mann, der sich Trendforscher schimpft und mit ausgefallenen ... 

Hundsgewöhnliche Bürogebäude bringen Ludwig Morasch in Wallung. "Wir arbeiten noch wie in der Steinzeit", sagt der Mann, der sich Trendforscher schimpft und mit ausgefallenen Immobilienkonzepten sein Geld verdient. Hühner-Arbeitsställe nennt er die 08/15-Bauten, in denen Menschen an Schreibtischen etwas leisten sollen. Ein Unding, wie der gebürtige Oberösterreicher glaubt. Besser sei es, in Bürogebäuden auch Platz für Wohnen, Relaxen, Sport und Wellness vorzusehen. Das steigere die Produktivität der Beschäftigten - und mache die Immobilie zukunftssicherer. Die Betrachtungsweise eines Fantasten in Zeiten, die von drögen Flächen- und Kostenoptimierern dominiert sind?

Mitnichten. Einen prominenten Interessenten an seinen Konzepten hat Morasch etwa im Düsseldorfer Sireo-Niederlassungsleiter Stefan Apfelbaum gefunden. Dessen Kerngeschäft ist das Asset Management für die Immobilien der Deutschen Telekom - ein begrenztes Vergnügen in Zeiten hoher Büroflächenleerstände, die einen wie Morasch nicht überraschen. Dessen Mission ist die Aufklärung über die Erfolgschancen des zuvor noch nicht Gedachten. "Ich habe die Banken schon 1999 vor Investitionen in Bürotürme gewarnt und für innovative Konzepte gepredigt." Vergebens, denn damals reichte der Rausch der New-Economy-Gläubigen bis in die Topetagen von Großbanken. Wie der Trendforscher ist Apfelbaum überzeugt: "Das Nur-Büro ist tot." Entscheidend seien ein Mehrwert gegenüber anderen Objekten und eine Antwort auf die Frage: "Wie werden wir in Zukunft arbeiten?"

"Das Nur-Büro ist tot"

Büros werden demnächst nur noch gebraucht, um zu kommunizieren, glaubt Apfelbaum. Der Anteil der Kommunikationsflächen werde also wachsen. Es sei ein Irrtum zu glauben, in den nächsten Jahren würden all die leer stehenden Büros in Deutschland wieder gebraucht. Das Gegenteil werde der Fall sein: "In 20 Jahren werden wir Millionen Quadratmeter mehr Leerstand haben als heute." Dieser Satz hätte auch von Ideengeber Morasch sein können, an dem Apfelbaum das Aufbrechen von eingefahrenen Denkstrukturen schätzt.

Was will der Mann von der Sireo Real Estate Asset Management also tun, um mit seinen leer stehenden Telekom-Immobilien zu Rande zu kommen? Er hat die Leitung des Projekts Aldus übernommen. Dahinter verbirgt sich die Umsetzung der Morasch-Idee, Bürokonzepte mit diversen anderen Nutzungen zu kombinieren. Damit soll die klassische räumliche Trennung zwischen der isoliert betrachteten Arbeitswelt und der Erfüllung anderweitiger Bedürfnisse aufgelöst werden. So sei denkbar, in einem bisherigen Nur-Bürohaus neben den eigentlichen Arbeitsräumen Relaxing-Zonen einzurichten (Morasch: "Da müssen es die Mitarbeiter ertragen zu sehen, dass der Chef zwischendurch mal schläft, um danach wieder produktiver weiterzuarbeiten."), einen Bügelservice unterzubringen, für die Kinderbetreuung zu sorgen (und die Arbeitsplätze damit unabhängig von der Rollenverteilung gleichermaßen männer- und frauenfreundlich zu machen), Raucherbereiche zu schaffen, die nicht nach Verbannungsort, sondern nach Oase zum Genießen aussehen (und gegebenenfalls von einem Zigarettenhersteller gesponsert werden), oder für ein Garagenambiente zu sorgen, das dem Beschäftigten nicht das Gefühl gibt, bloß schnell wegzuwollen. Ganz nebenbei sieht das Aldus-Konzept die Möglichkeit vor, Synergieeffekte zu erzielen, eine Vokabel, die wirtschaftlich denkende Menschen lieben. Ein gemeinsamer Empfangsbereich für diverse Mieter ist so eine Synergie-Idee, ein gemeinsamer Postservice oder auch die Nutzung von (die meiste Zeit leer stehenden) Konferenzräumen durch verschiedene Unternehmen.

Damit nicht genug: Vorbei ist die Zeit, in der der Zehn-Jahres-Standard-Mietvertrag allein selig machend war. In einem Bürohaus mit Mehrwertmodulen von Kinderunterbringung bis zu Wohlfühlkantinen sind nach Überzeugung Apfelbaums allenfalls Mietverträge über drei bis fünf Jahre möglich - und die auch nicht mal für alle Nutzer. Die kürzeren Mietvertragslaufzeiten seien mit höheren Mietsätzen verbunden, frei nach dem Motto: "Flexibilität kostet."

Gradmesser Wow-Effekt

Die schöne neue Welt der ersten Aldus-Projekte wird nach den Sireo-Plänen bereits 2006 verwirklicht. Im Februar soll ein innovatives Garagenkonzept in Hamburg vorgestellt werden, und ebenfalls noch dieses Jahr ist ein größeres Morasch-Modul-Projekt in Düsseldorf geplant. Details verraten die Beteiligten noch nicht. Wer Trends erforscht, sie entdeckt und setzt, der will auch den Zeitpunkt der Inszenierung selbst bestimmen. So soll es sein.

Das Bürothema ist nur eines von vielen in dem reich bestückten Ideenkoffer, mit dem der 53-jährige Trendforscher auf der ganzen Welt unterwegs ist - immer auf der Suche nach neuen Entwicklungen und Möglichkeiten für Geschäfte. Einer seiner jüngsten Treffer ist ein Patent für ein Kühlsystem zur besseren Nutzung der vier geplanten Stadien in der 2 Mrd. EUR teuren Dubai Sports City. Die Kühlung soll den Sportbetrieb in den nicht überdachten Arenen auch während der Sommermonate bei Tagestemperaturen von 40 bis 50 Grad ermöglichen. Die Dubai Sports City ist ganz nach dem Geschmack eines Perfektionisten wie Morasch. Da stehen bei Sportschulprojekten mit Stars wie Tiger Woods, Andre Agassi und Pete Sampras die ganz Großen des internationalen Sportbusiness Pate. Allerdings geht der Bauboom am Persischen Golf selbst dem Trendsetter aus Seefeld in Oberösterreich etwas zu schnell. Dass sich für die vielen im Bau befindlichen Bürotürme genug Mieter finden, bezweifelt er.

Das größte Steckenpferd Moraschs, der den Anspruch hat, dass die Leute "Wow!" sagen ("Wow-Effekt"), wenn sie eines seiner Projekte sehen, heißt Infotainment. Damit meint er das in Freizeit- und Unterhaltungsprogramme verpackte Platzieren von Produkten - also eine Form der Verkaufsförderung ohne Zwischenhandel. So etwas lässt sich nach seinen Vorstellungen in Erlebnisrestaurants umsetzen, die es in den USA bereits in großer Zahl gibt, in themenspezifischen Freizeitparks à la Iglu-Welt, in denen extreme Klimaverhältnisse simuliert werden (Sponsoring durch z.B. Hersteller von Zelten und Schlafsäcken), oder beispielsweise in der von ihm konzipierten World of Living des Fertighausproduzenten Weberhaus in Rheinau-Linx. Dort präsentiert der Gastgeber in einem 75.000 m2 großen Park Wohnkulturen von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Für Kinder gibt es Erlebnisspielplätze mit Baumhäusern und Erdhöhlen, einen Traumraum, und ganz nebenbei präsentiert Weberhaus zwölf seiner Häusertypen - vom Passivhaus über das DaVinci-Haus bis zur Villa Diamant. 100.000 Gäste besuchen den 2000 eröffneten Park alljährlich.

Seniorenwelt City Park Living

Ein weniger erfolgreiches Beispiel aus dem Ideenkoffer Moraschs ist das Playcastle Tirol in seinem alten Heimatort Seefeld. Geplant war ursprünglich ein Freizeitpark zur Selbstdarstellung der Spielwaren-Industrie mitsamt Anfassbühne für den virtuellen Handel via Internet. Fast 14 Mio. EUR steckte der örtliche Hotelier Hannes Seyrling in das Projekt. Die Eröffnung erfolgte 1999, der Konkurs 2000. Statt der erwarteten 220.000 Besucher im ersten Jahr kamen nicht mal 100.000. Das Playcastle gehört nun der Grundverwertung GmbH, einer Tochter der finanzierenden Hypo Tirol Bank. Alle Verkaufsbemühungen waren bisher vergebens.

Morasch begründet das Scheitern des Projektes damit, dass sein Konzept gar nicht umgesetzt worden sei. Eine Plattform für die Spielwarenindustrie sei nicht geschaffen worden. Stattdessen habe man einzig auf das Schloss als Touristenattraktion gesetzt. Mit Infotainment habe das nichts mehr zu tun gehabt. An seine einstige Konzeption Playcastle glaubt er noch immer.

Was hat der Mann, der 20 Jahre seines Lebens in den USA verbrachte, noch im Köcher? Bürohäuser, die in Tagungshotels umgewandelt werden, zum Beispiel. Während bei herkömmlichen Hotels die Funktion Schlafen im Mittelpunkt steht, setzt Morasch die Prioritäten bei Tagungs- und Kongresshäusern anders. Dort würden perfekte Arbeitsbedingungen erwartet, beim Hotelzimmer tue es ein Entrée wie im Büro mit Nebenraum, in dem geschlafen wird.

Anderes Thema: City Park Living. Darunter versteht Morasch "eine völlig neue Wohnwelt für Senioren". In dieser befinden sich jedoch nicht nur Wohnungen für Ältere, sondern auch alle Einrichtungen für den täglichen Bedarf - im Idealfall um einen zentralen Marktplatz gruppiert. Zudem gehörten ein Kindergarten und Studentenwohnungen in solch eine Siedlung. Die Studenten könnten den Senioren Dienstleistungen anbieten und damit Geld verdienen. "Die neue Generation der Alten will nicht nur Alte sehen", sagt Morasch. Die Kosten für ein solches Projekt mit Platz für 1.000 Menschen beziffert er auf 200 Mio. EUR. Als Ort der Umsetzung hat er Deutschland auserkoren. Jetzt muss nur noch jemand "wow" sagen. (bb)

IZ

Face Lifting plus Serviceoffensive

Köpfe05.01.2006
Rund 15 Mio. EUR will die West-Fonds Immobilien-Anlagegesellschaft mbH, eine Tochter der Westdeutschen ImmobilienBank, in die Hand nehmen und im gerade begonnenen Jahr das (bislang) so genannte ... 

Rund 15 Mio. EUR will die West-Fonds Immobilien-Anlagegesellschaft mbH, eine Tochter der Westdeutschen ImmobilienBank, in die Hand nehmen und im gerade begonnenen Jahr das (bislang) so genannte RWIHaus im Düsseldorfer Regierungsviertel baulich und im Betrieb auf Vordermann bringen.

Zwar sind derzeit 96% der insgesamt etwa 44.000 m2 Bürofläche belegt, doch da einer der Großmieter, die WestLB, die rund 25.000 m2 nutzt, ihre Option nicht gezogen hat und eventuell schon 2006 ausziehen wird, ist Handlungsbedarf gegeben.

"Mit einer Serie von Befragungen", so Kommunikationsberater Jürgen Braatz, will man gegebenen oder vermissten "Wohlfühlfaktoren" auf die Spur kommen. Mieter und Nutzer des markanten Bürokomplexes, der zuletzt 1995 (in seinem 20. Jahr) umgebaut wurde, sollen beispielsweise Farbwünsche äußern, bevorzugtes Teppichbodenmaterial nennen, die Sanitärräume begutachten und nicht zuletzt Service-Wünsche auf den Tisch des Hauses legen.

Das Motto der Abstimmungsaktionen ("Entscheiden wie ein Eigentümer. Fühlen wie ein Staatsgast.") spricht für den selbstbewussten Auftritt der Initiatoren. Schließlich will man sich an nicht weniger als dem Service-Standard New Yorker Hochhäuser orientieren. Das Besondere: Wer als Mieter sich bestimmte Dienstleistungen - vom Bügelservice bis zur Autowäsche - etwas kosten lässt, kann den Hol- und Bringdienst dem Hauspersonal überlassen, zahlt für diesen Service nichts und für die Dienstleistung selbst nur einen rabattierten Preis.

Die Face-Lifting- und Service-Initiative wird nicht nur im Haus selbst, sondern relativ aufwändig in der ganzen Stadt kommuniziert. Die Düsseldorfer konnten bis kurz vor Weihnachten auch über den neuen Namen der Immobilie abstimmen. Die vier Bürotürme an der Völklinger Straße 4 werden künftig rwi4 heißen. Unter den über 2.300 abstimmenden Bürgern war am Ende einer besonders froh: Der Gewinner einer USA-Reise kann sich die vielgerühmten Servicestandards vor Ort anschauen. (ae)

IZ

Immobilienrechtskanzlei aus Überzeugung

Köpfe03.11.2005
Die Kanzlei Heiermann Franke Knipp (HFK) ist eine Immobilienrechts-Boutique - und schon immer gewesen. Lange bevor dieser Begriff für Büros mit einem einzigen Kernrechtsgebiet in der Szene ... 

Die Kanzlei Heiermann Franke Knipp (HFK) ist eine Immobilienrechts-Boutique - und schon immer gewesen. Lange bevor dieser Begriff für Büros mit einem einzigen Kernrechtsgebiet in der Szene Einzug hielt, konzentrierten sich die HFK-Anwälte bereits nur auf Immobilien.

"Wir sind alle Immobilienrechtler, im gleichen Geschäft tätig, und so können wir alle jeden Tag über das Gleiche reden", fasst Bernd Knipp zusammen, was aus seiner Sicht ein Vorteil der Spezialisierung ist. Daraus ergibt sich eine offene Arbeitsatmosphäre, meint Knipp: "Jeder kann die Arbeit des anderen schätzen und einschätzen, jeder kann einen Beitrag liefern." Der Profi auf dem Gebiet des privaten Baurechts, insbesondere des Architektenrechts, ist seit 1994 Leiter des Frankfurter Büros.

Obwohl Horst Franke die erste Begegnung mit Wolfgang Heiermann als lautstarke Auseinandersetzung schildert, beide waren damals beim Verband der deutschen Bauindustrie tätig, begründete dieses Treffen eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Mit der Aufnahme von Franke in die Sozietät komplettierte sich 1993 das Trio, dessen Mitglieder mit ihren Namen heute für die Kanzlei stehen. Seit 30 Jahren bilden die Immobilien den Mittelpunkt der Beratung.

Bei der Arbeit schwer zu bremsen

Franke ist einer der Schiedsrichter und Mediatoren der Kanzlei. Der Anwalt mit Zweitwohnsitz in Südtirol macht äußerlich einen gemütlichen Eindruck, ist aber schwer zu bremsen, wenn er von seiner Arbeit berichtet. "23.000 Mängel, 157 Nachträge, neun Beweissicherungsverfahren, ein großes Einkaufszentrum, hohe Vertragsstrafen im Raum, in anderthalb Jahren habe ich die Parteien zusammengebracht", zählt Franke auf. "Ich musste durch Fleiß auf einem rechtlichen Fundament überzeugen, ich habe ein mehrere Hundert Seiten langes Quasi-Urteil geschrieben und daraus vorgetragen", fährt er fort. "Konflikte vermeiden, indem etwas geregelt wird - das fand ich im Studium faszinierend, und es fasziniert mich immer noch", endet er.

Nach seiner Karriere befragt, sagt Franke zwar: "In meinem Leben war eigentlich vieles Zufall." Der Eindruck, den er vermittelt, ist ein anderer. "Mit elf Jahren habe ich mir mit meinem Freund zusammen ein Grundgesetz gekauft", erzählt er, "ich wollte unbedingt wissen, was Richtlinienkompetenz ist." Danach ließ ihn die Rechtswissenschaft nicht mehr los. "Ich habe ein ausgeprägtes Grundmisstrauen. Aber das Jurastudium habe ich nie angezweifelt", meint Franke. Mit Umweg über eine Stelle als Bundestagsassistent bei FDP-Größe Hans Friderichs landete er bei der Bauindustrie und wurde schließlich Immobilienanwalt.

Zum Profifußball reichte es nicht

Auch sein Kollege Knipp gerät in Begeisterung, wenn er von seiner Tätigkeit erzählt. "Am spannendsten ist für mich die Rechtsberatung in Bereichen, wo es keine Literatur und keine Rechtsprechung gibt." Sein Traumberuf war ursprünglich aber ein ganz anderer, gesteht Knipp: "Am liebsten wäre ich Berufsfußballer geworden, aber dafür hat es nicht gereicht." Stattdessen plante er ein Sportstudium - bis in der Oberstufe Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts besprochen wurden. "Diese Kombination aus Recht, Politik und Sprache gefiel mir", blickt Knipp zurück. An der Universität stellte der Bad Homburger zufrieden fest: "Das macht nicht nur Spaß, das kann ich auch." Nach dem Studium sammelte Knipp in einer allgemein ausgerichteten Kanzlei drei Jahre lang Prozesserfahrung. An einem kuriosen Tag trat er vor fünf verschiedenen Gerichten auf. Er schmunzelt: "Ich war damals ein Prozesshansel." Seit 1990 ist er nun bei Heiermann. "Mein Vater, Beamter einer Baubehörde, hat sich sehr gefreut, dass ich doch noch was mit Bauen zu tun habe und Baurecht mache", sagt Knipp.

Vergabespezialist Franke, der sich wegen seiner Lehrtätigkeit Professor nennen darf, ist es zu verdanken, dass HFK ein Büro in Wien hat. Durch sein Leben vor Ort besitzt er die notwendigen lokalen Kontakte. Der dortige Markt sei zwar klein und überschaubar, aber es gebe keine Kanzlei, die baubegleitende Beratung anbiete, erläutern die Partner die Entscheidung für die österreichische Hauptstadt. Noch eine zweite Stadt überrascht auf dem Briefbogen: Essen. "Das ist ein Standort, den andere nicht haben", weiß Knipp. Diesen Entschluss hätten sie bewusst gefällt, auch um sich abzuheben. In der Tat tummeln sich in Düsseldorf zahlreiche Kollegen. Aber schließlich sei Essen eine große Stadt in Nordrhein-Westfalen mit einer Bauszene und Unternehmen wie Hochtief, stellt Knipp klar - und der Draht ins Ruhrgebiet sei direkter.

Essen statt Düsseldorf

Nicht nur zum Mandanten, auch innerhalb der Kanzlei sind die Wege kurz. Knipp beschreibt die interne Stimmung mit den Worten liberal und wenig hierarchisch. "Unsere Strategie ist, den Rechtsanwalt als Freiberufler zu sehen", sagt er und meint es anscheinend auch so. "Wir reden offen: über das, was ich weiß, und vor allem auch das, was ich nicht weiß", skizziert er den Umgang miteinander. Gerade Fachgespräche seien eine gute Basis für eine lebhafte Kommunikation, glaubt Knipp.

Den Aufbau eines Notariats fassten die Immobilienspezialisten schon länger ins Auge. In den kommenden fünf bis acht Jahren soll es so weit sein. "Wir hatten Bedenken, dass uns das wegen Interessenkollisionen sozusagen lahm legt", erklärt Knipp das Zögern. Unter anderem deshalb vereinbarte HFK eine Kooperation mit Bögner Hensel Gerns & Partner aus Frankfurt am Main. Notariat, steuer- und gesellschaftliche Kompetenz im Tausch gegen Immobilienwissen liegt der Zusammenarbeit zu Grunde.

Mittelfristig sollen aber neue Kollegen hinzukommen. Gerade auf dem Gebiet des Immobilienwirtschaftsrechts sehen die HFK-Partner Ausbaupotenzial. Knipp zieht jedoch mit Blick auf die Struktur der Kanzlei eine klare Grenze: "60 Anwälte, größer wollen wir nicht werden." Derzeit sind es 49. Als Kerngeschäft bezeichnet Knipp die Beratung in schwierigen und exklusiven Rechtsfragen sowie die baubegleitende Beratung. "Wir müssen immer darauf achten, dass wir unser hohes juristisches Niveau nicht verlieren", legt er die Messlatte an. Und warnt: "Routine ist gefährlich."

Keine reinen Fleißarbeiten

Reine Fleißarbeiten seien kein Fall für HFK: "10.000 Mietverträge auf Plausibilität prüfen, das haben wir bisher nicht gemacht und wollen wir auch nicht machen." Reine Prozessmandate, die neu kommen, sind nicht so gern gesehen. "Wenn wir nicht selbst vorher beraten haben, gibt es oft viele Unwägbarkeiten", sagt Knipp. Streitigkeiten um Ingenieurhonorare und Werklohnforderungen seien solche Fälle. Eine vernünftige aufwandsbezogene, wirtschaftliche Abwicklung müsse möglich sein. Etwa 70% der Mandanten sind derzeit Auftraggeber. "Die Auftragnehmer sind weggebrochen, weil wir bei Großprojekten häufig auf Auftraggeberseite, wie z.B. der Deutschen Bahn AG, waren", erklärt Knipp. Inzwischen kämen die Auftragnehmer wieder, berichtet er, auch wenn im eigentlichen Baubereich im Moment nicht viel passiere. "Vor drei bis vier Jahren gab es hier eine Fülle von Kränen", blickt er auf die Frankfurter Skyline.

Knipp steht immer noch gerne vor Gericht. "Im Gerichtssaal wird die juristische Tätigkeit überprüft, und ich bekomme ein Ergebnis, ob positiv oder negativ", sagt er. Als unnachgiebig kennen ihn Prozessgegner, und er bekräftigt: "Lieber in erster Instanz verurteilen lassen als ein schlechter Vergleich." So verunsicherte er, zur Begeisterung des Mandanten, einen zögerlichen Gegenanwalt mit der Frage: "Was sagen Sie da eigentlich, ich verstehe Ihre Sprache nicht?" Der unglückliche Kollege konnte offenbar nicht mitreden - anders als die Immobilientruppe von HFK. (ba)

Heiermann Franke Knipp

§ 1 - KANZLEI

Sechs eigene Büros in Frankfurt am Main, Berlin, München, Hamburg, Essen und Wien; Kooperationsbüros in Washington, Barcelona, Warschau, Shanghai. Insgesamt 91 Mitarbeiter in Deutschland, davon 49 Rechtsanwälte.

§ 2 - IMMOBILIENABTEILUNG

Alle Anwälte der Kanzlei sind im Immobilienrecht tätig, die Kanzlei ist auf diesen Bereich spezialisiert, insbesondere auf das private Baurecht, das Vergaberecht und die baubegleitende Beratung.

§ 3 - HISTORIE

Gegründet im Jahr 1974 von Namenspartner Heiermann, Zusammenschlüsse mit anderen Sozietäten gab es keine, die Kanzlei ist organisch gewachsen. 1992 gab es einen Einschnitt, zwei Drittel der damaligen Anwälte verließen die Ursprungskanzlei. Die Partner Heiermann und Knipp bauten mit zu Beginn sechs Anwälten neu auf, 1993 kam Franke hinzu; derzeit hat die Kanzlei 15 Partner.

§ 4 - KANZLEIVERBUND

Kooperation mit der Frankfurter Kanzlei Bögner Hensel Gerns & Partner, die die Kompetenz auf den Gebieten des Gesellschafts- und Steuerrechts erweitert und über ein Notariat verfügt.

§ 5 - LEISTUNGEN

Neben der Rechtsberatung Schiedsgerichtstätigkeit, Mediation, Kooperation mit Ingenieurbüros und Sachverständigen aus dem Bereich Baubetrieb; Kernkompetenzen vor allem im privaten und öffentlichen Baurecht, Architekten- und Vergaberecht, Insolvenzrecht mit Immobilienbezug; der Bereich Immobilienwirtschaftsrecht (Transaktionen) soll in den kommenden Monaten gezielt verstärkt werden; Schwerpunkte in der baubegleitenden Beratung.

§ 6 - HONORARE

Zwischen 180 EUR und 500 EUR pro Stunde, abhängig von Seniorität und Erfahrung der jeweiligen Anwälte.

§ 7 - VERANSTALTUNGEN

Immobilienrechtliche Abende zu aktuellen Themen mit Gästen aus der Branche (nächster Abend in Essen am 17. November), Vorträge, Lehrtätigkeit u.a. Euroforum, IBR-Seminare, Fachanwaltslehrgänge, Deutsche Gesellschaft für Baurecht.

§ 8 - MESSEN

Teilnahme an der Expo Real und an der Mipim (ohne Stand).

§ 9 - AUSWAHL DER VERÖFFENTLICHUNGEN

Heiermann/Riedl/Rusam, Handkommentar zur VOB, Teile A und B, Vieweg Verlag, Wiesbaden, 10. Aufl. 2003; Heiermann/Kullack/ Bayer, Kommentar zur Schiedsgerichtsordnung für das Bauwesen, Vieweg Verlag, Wiesbaden, 2. Aufl. 2002; Heiermann/Franke/ Knipp, Handbuch Baubegleitende Rechtsberatung, Beck Verlag, München, 2002; Franke/Zanner/Kemper/Knipp/Laub, Die Immobilie, Werner Verlag, Düsseldorf, 2004; Franke/Kemper/Zanner/Grünhagen, VOB-Kommentar Bauvergaberecht Bauvertragsrecht Bauprozessrecht, Werner Verlag, Düsseldorf, 2. Aufl. 2005.

§ 10 - ANSPRECHPARTNER

Bernd Knipp

E-Mail: knipp@kanzlei-hfk.de,

Tel. 069/97 58 22 134

IZ

3 Fragen an Eckart John von Freyend

Köpfe10.10.2005
Ist die Immobilienwirtschaft eigentlich korrupter als andere Wirtschaftssektoren?Meine eigene Erfahrung aus der Tätigkeit in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen ist: Es gibt kein ... 
Ist die Immobilienwirtschaft eigentlich korrupter als andere Wirtschaftssektoren?

Meine eigene Erfahrung aus der Tätigkeit in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen ist: Es gibt kein branchenspezifisches Niveau der Ethik. Wahr jedoch ist: Die Immobilienbranche bietet aus drei Gründen eine erhöhte Angriffsfläche: Es ist viel Geld im Spiel, die Branche ist hochgradig arbeitsteilig organisiert, und die Prozesse sind wenig standardisiert.

Warum braucht man zur Verhinderung von Korruption eigentlich umständliche Kodexe wie "Wertemanagement" oder "Corporate Governance" - reicht es nicht, sich einfach an die Zehn Gebote zu halten?

Tatsächlich würde es im Kern ausreichen, einige der biblischen Gebote zu beherzigen. Die darüber hinausgehende Beschäftigung mit guter Unternehmensführung in weiterführenden Regelwerken dient weniger dem ethischen Erkenntnisgewinn als der fortlaufenden Sensibilisierung für das Thema im geschäftlichen Alltag. Hinzu kommt, dass speziell die Immobilienbranche sehr heterogen ist, deshalb brechen wir hier das Thema für AGs und Fonds differenziert herunter.

An welchen Schnittstellen in Unternehmen ist Ihrer Einschätzung nach die Gefahr am größten, dass es zu Vorteilsnahme und Bestechung kommt?

Prinzipiell ist die Gefahr dort am größten, wo viel Geld im Spiel ist und nur wenige Personen die Transaktion überblicken. Deshalb darf es in einem gut geführten Immobilienunternehmen kein Herrschaftswissen geben. Das alte und bewährte Mehr-Augen-Prinzip ist überlebenswichtig. Gefahr besteht auch dort, wo marktgetrieben sehr schnell gehandelt werden muss. Hier können Corporate Governance und Markterfolg in Zielkonflikt geraten. Aus Corporate- Governance-Sicht wäre sicher manchmal eine "Entschleunigung" notwendig. Hier sehe ich ein wesentliches Aktionsfeld für eine gute Ablauforganisation, die Markterfordernisse und notwendige Checks und Balances in ein vernünftiges Verhältnis bringt.

Eckart John von Freyend ist Vorstandsvorsitzender der IVG Immobilien AG (B2.130) und Vorstandsvorsitzender der Initiative Corporate Governance der deutschen Immobilienwirtschaft e.V. Am Mittwoch von 15:00 bis 15:50 Uhr diskutiert er im Expo Real Forum (C2) über "Die Immobilienwirtschaft - Politik und Corporate Governance" unter anderem mit Michael Kremer, DB Real Estate.

IZ