Karriere-News

HDB freut sich über mehr Bau-Azubis

Dieses Jahr sollen um die 13.000 Bau-Azubis an den Start gehen. Doch allein, um die Abgänge, sprich: Renter, zu ersetzen, wären ca. 15.000 nötig. Ganz zu schweigen von den Wachstumsprognosen für die Bauwirtschaft.

Dieses Jahr sollen um die 13.000 Bau-Azubis an den Start gehen. Doch allein, um die Abgänge, sprich: Renter, zu ersetzen, wären ca. 15.000 nötig. Ganz zu schweigen von den Wachstumsprognosen für die Bauwirtschaft.

Quelle: Bilderbox.com

Karriere 30.10.2017
Die Arbeitgeber aus dem Bauhauptgewerbe haben in den ersten neun Monaten 2017 bundesweit 11.100 Bau-Azubis unter ihre Fittiche genommen - 17% mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Der ... 

Die Arbeitgeber aus dem Bauhauptgewerbe haben in den ersten neun Monaten 2017 bundesweit 11.100 Bau-Azubis unter ihre Fittiche genommen - 17% mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sieht in diesen Zahlen "endlich die Hoffnungen auf eine Wende am Ausbildungsmarkt erfüllt".

Die Arbeitgeber aus dem Bauhauptgewerbe haben in den ersten neun Monaten 2017 bundesweit 11.100 neue Lehrverträge mit gewerblichen sowie technischen und kaufmännischen Auszubildenden geschlossen. Das sind 1.600 neue Bau-Azubis mehr als im gleichen Zeitraum 2016. In relativen Zahlen beträgt das Plus rund 17%.

In Berlin legte die Zahl der neuen Bau-Azubis bundesweit am stärksten zu, nämlich um 38% auf 200. Hohe prozentuale Steigerungen wurden auch in Hessen (plus 36% auf 720) und Niedersachsen (plus 31% auf 1.300) verzeichnet. Absolut am meisten bilden Bauunternehmen in Nordrhein-Westfalen (1.900 neue Azubis) und Bayern (knapp 1.900) aus.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sieht in den Ausbildungszahlen der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) "die Hoffnungen auf eine Wende am Ausbildungsmarkt endlich erfüllt". Der Arbeitgeberverband erklärt sich den Anstieg u.a. mit der "seit Jahren prosperierenden Baukonjunktur", den "guten Zukunftsperspektiven" und den im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen überdurchschnittlich hohen Ausbildungsvergütungen am Bau.

Zahl der Ausbildungsbetriebe wächst kaum

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich nicht unbedingt (viel) mehr Baubetriebe als im Vorjahr dem Nachwuchs widmen: Die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist nämlich - verglichen mit dem 17%igen Plus bei den Azubis - um nicht mal 3% gestiegen, und zwar konkret um knapp 380 auf 13.600 Betriebe. Oder andersherum gesagt: Fast fünf von sechs Baufirmen bilden nicht aus. Insgesamt gibt es im deutschen Bauhauptgewerbe schließlich ca. 74.000 Betriebe (Stand: Ende Juni 2016).

"So erfreulich es ist, dass sich wieder mehr Unternehmen ihrer Verantwortung stellen, um die Fachkräfte von morgen auszubilden, kann dies aber nur ein Anfang sein. Der Arbeitskräftebedarf unserer Branche ist bei Weitem noch nicht gedeckt", mahnt HDB-Hauptgeschäftsführer Dieter Babiel. Schließlich sähen immer mehr Unternehmen im Fachkräftemangel ein großes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens.

Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages treibt der Fachkräftemangel inzwischen 77% der befragten Bauunternehmen Sorgenfalten auf die Stirn. Anfang 2010 zeigte sich nur jedes fünfte Bauunternehmen (20%) besorgt. Betroffen seien insbesondere größere Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten: Hier machen sich 89% Sorgen, wie sie ihren Personalbedarf gedeckt bekommen.

Mehr ist noch lange nicht genug

Für das Gesamtjahr rechnet der HDB mit ca. 13.000 neuen Bau-Azubis. Das wären etwa 1.000 mehr als im vergangenen Jahr (gut 12.000), reicht aber noch nicht mal, um die in Rente gehenden gewerblichen Arbeitnehmer auf dem Bau zu ersetzen (ca. 15.000 pro Jahr). Geht man davon aus, dass der Boom am Bau anhält und der Personalbedarf daher wächst, dürften selbst 15.000 Frischlinge im Jahr kaum reichen.

Und noch ein paar Zahlen: Ende 2016 gab es - alle Lehrjahre zusammengenommen - insgesamt 36.300 Bau-Azubis in Deutschland. Vor gut 20 Jahren, anno 1995, waren es noch dreimal so viele, nämlich 100.600. Allerdings ist nicht nur die Zahl der Bau-Azubis um zwei Drittel geschrumpft, auch die Zahl der Beschäftigten insgesamt hat sich auf knapp 800.000 halbiert. Ebenso wie die Zahl der Ausbildungsbetriebe: Bildeten vor 20 Jahren noch fast 27.700 Firmen aus, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 14.700.

Harald Thomeczek

Cobalt besetzt 20% mehr Stellen

Hat offenbar Grund zur Freude: Richard-Emanuel Goldhahn.

Hat offenbar Grund zur Freude: Richard-Emanuel Goldhahn.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Sell

Karriere 26.10.2017
Die Personalberatung Cobalt wird 2017 rund 600 Vakanzen füllen, schätzt Deutschlandchef Richard-Emanuel Goldhahn. Das wären etwa 20% mehr als im vergangenen Jahr (ca. 500). ... 

Die Personalberatung Cobalt wird 2017 rund 600 Vakanzen füllen, schätzt Deutschlandchef Richard-Emanuel Goldhahn. Das wären etwa 20% mehr als im vergangenen Jahr (ca. 500).

Gestemmt wird die zusätzliche Arbeit von zusätzlichen Mitarbeitern: Der deutsche Cobalt-Stab, Ende 2016 noch rund 60 Personen groß, schwillt bis Ende 2017 auf 85 Köpfe an. Diese verteilen sich auf die sechs Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München. Beim Umsatz wird Cobalt in Deutschland in diesem Jahr irgendwo "zwischen 10 Mio. und 20 Mio. Euro" landen, so Goldhahn. Genauer mochte er auch auf Nachfrage nicht werden. Nur so viel: "Ca. 10% davon erzielen wir mit der Besetzung von Interimspositionen."

Wachstumstreiber für das Cobaltsche Geschäft mit der Personalvermittlung waren technische Positionen, vom Spezialisten bis zum Geschäftsführer. Gesucht werden u.a. Projektleiter, Kalkulatoren, Fachplaner aller Art oder Architekten. Nicht nur in der Baubranche und in der Projektentwicklung, auch im Bestandsmanagement sind Leute mit technischem Know-how gefragt.

WEG-Verwalter: Auf einen einstellungswilligen Arbeitgeber kommt ein wechselwilliger Kandidat

Unter den kaufmännischen Berufen ist die Not bei den WEG-Verwaltern groß: Exemplare dieser Spezies seien kaum zu finden, und wenn man eines WEG-Verwalters habhaft werde, "können wir ihn bei mindestens zehn Arbeitgebern loswerden", berichtet Goldhahn. Einer der Gründe für dieses Missverhältnis: Immer mehr Mietwohnungen würden in Eigentum umgewandelt. Außerdem gelte der Beruf des WEG-Verwalters als vergleichsweise unattraktiv, nicht zuletzt aufgrund der überschaubaren Verdienstmöglichkeiten, die auch bei einem Wechsel meist nicht viel besser werden. Die Wechselbereitschaft sei daher eher gering.

Für 2018 geht Goldhahn von 750 Jobvermittlungen durch sein Haus aus. Dies würde einem mutmaßlichen Plus von 25% entsprechen.

Harald Thomeczek

"Wir achten darauf, dass wir 50 zu 50 einstellen"

Susanne Eickermann-Riepe.

Susanne Eickermann-Riepe.

Quelle: PwC

Karriere 26.10.2017
Das Frauenförderprogramm von PwC gilt als vorbildlich. Susanne Eickermann-Riepe, Real Estate Leader der Beratungsgesellschaft in Deutschland, hält ein bewusstes Bekenntnis zu gemischten Teams ... 

Das Frauenförderprogramm von PwC gilt als vorbildlich. Susanne Eickermann-Riepe, Real Estate Leader der Beratungsgesellschaft in Deutschland, hält ein bewusstes Bekenntnis zu gemischten Teams für unverzichtbar, damit verkrustete Strukturen aufbrechen. Ganz uneigennützig treibt sie den Vormarsch weiblicher Talente in ihrem eigenen Haus nicht voran.

IZ: Der Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft nannte mir als mustergültiges Beispiel für gelungene Frauenförderprogramme einen Namen: PwC. Wieso gibt sich PwC eigentlich so viel Mühe bei der Gewinnung und Entwicklung weiblicher Talente?

Susanne Eickermann-Riepe: Wenn wir uns um Diversity bemühen, tun wir das nicht, um Benachteiligungen auszugleichen, sondern weil es wichtig für unser Geschäft ist. Auf Auftraggeberseite hat sich viel geändert. Es sind unsere Kunden, die sich gemischte Teams wünschen: Männer, Frauen, Internationalität und Vielfalt in der Ausbildung, z.B. MINT-Berufe. Nur so können wir Lösungen entwickeln, die alle Chancen und Risiken betrachten. Homogene Gruppen führen zu eingeschränkten Lösungen.

IZ: Homogene Gruppen - männliche Entscheider-Cliquen - führen auch dazu, heißt es ja oft, dass tendenziell eher ein Mann eingestellt wird, auch wenn eine konkurrierende Bewerberin von ihrer Qualifikation und Eignung her nicht schlechter aufgestellt ist.

Eickermann-Riepe: An der einen oder anderen Stelle mag es immer noch unbewusste Vorurteile geben, auch wenn es sich kein Arbeitgeber mehr leisten kann, Frauen zu benachteiligen. Trotzdem bestätigen Studien z.B., dass die exakt gleiche Bewerbung besser bewertet wird, wenn sie einem Mann zugeschrieben wird als wenn sie von einer Frau stammt. Man muss also zwischen impliziten und expliziten Vorurteilen unterscheiden!

IZ: Klingt sehr theoretisch.

Eickermann-Riepe: Konkret heißt das: Öffentlich sagen natürlich alle, dass sie für Frauen in Führungspositionen sind. Aber die Prägungen, die man im Laufe seiner Sozialisierung erhalten hat, lassen sich nicht vom einen auf den anderen Tag wegwischen. Der durchschnittliche Mann vertraut einem anderen Mann mehr als einer Frau. Und solche Vorurteile existieren nicht nur bei Männern, sondern auch bei Frauen, die in diesem System groß geworden und aufgestiegen sind. Kurzum: Es braucht schon ein starkes, bewusstes Commitment zu Mixed Leadership, um diese Strukturen zu durchbrechen und Führungsriegen diverser zu gestalten.

IZ: Wie gelingt dies PwC im Recruiting?

Eickermann-Riepe: Wir achten darauf, dass wir 50 zu 50 einstellen. Und wir wollen Frauen deutlich machen, dass sie auch in der Beratung Karriere machen können. Viele lenken den Blick nicht direkt auf die Beratung, weil die Arbeit oft mit einer hohen Reisetätigkeit zu unseren Kunden verbunden ist. Ein geregelter Büroalltag sieht anders aus. Da braucht man einen Partner, der zu Hause mitspielt. Das ist in Deutschland leider noch nicht immer der Fall. Sicher mit ein Grund, warum nur 30% der Bewerbungen, die wir bekommen, von Frauen sind. Im Normalfall würden wir dann auch nur 30% Frauen einstellen, aber wir arbeiten an einer höheren Erfolgsquote, versuchen, mehr daraus zu machen und natürlich mehr Frauen für diese Berufswahl zu interessieren.

IZ: PwC hat global das Ziel von 25% Frauen unter den Führungskräften ausgegeben. Wie weit sind Sie denn da schon in Deutschland, insbesondere im Real-Estate-Geschäft?

Eickermann-Riepe: Wir sind auf Kurs, auch wenn das Ziel auf Partner-Ebene noch nicht erreicht ist. Aber wir machen große Fortschritte in der internen Entwicklung und haben auf den Stufen ab Manager unseren Frauenanteil in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Man kann den Schalter leider nicht von heute auf morgen umlegen, sondern muss an der kontinuierlichen Entwicklung arbeiten. Besonders freut mich, dass wir mittlerweile auch einige herausragende Direct-Entry-Partnerinnen gewinnen konnten.

IZ: Wie man hört, gehen PwC trotz des vielgelobten Talent-Management-Programms viele Absolventinnen in den ersten fünf Jahren nach dem Berufseinstieg wieder verloren. Diejenigen, die Kinder bekommen, könnten deren Betreuung oft nicht mehr mit der Beratertätigkeit, die zeitliche Flexibilität verlangt und mit vielen Reisen verbunden ist, vereinbaren und würden z.B. gen Industrie abwandern, heißt es. Zumal der Beraterjob nicht in Teilzeit zu stemmen sei.

Eickermann-Riepe: Frauen bekommen nun mal die Kinder und müssen daher eine Pause einlegen. Wie kurz oder lang diese Pause ist, entscheidet sich in der Regel jedoch nicht in Abhängigkeit vom Beruf, sondern von der persönlichen Situation. Hier hat sich schon einiges getan; Männer übernehmen mehr Aufgaben rund um die Kinderbetreuung. Aber die typische Rollenverteilung ist noch weit verbreitet, und die öffentlich verfügbaren Angebote hinken in Deutschland immer noch hinterher. Schauen wir nach Frankreich, dann ist es ganz normal, schnell wieder in den Beruf zurückzukehren. Wir tun jedenfalls viel dafür, um den Kontakt aufrechtzuerhalten und die Rückkehr zu erleichtern.

IZ: Sie gelten als Prototyp einer weiblichen Karriere in der Beraterbranche. Wenn man aber mal rechts und links schaut, sieht man nicht mehr viele Geschlechtsgenossinnen auf derselben Hierarchieebene, und auch darunter sind Damen eher dünn gesät.

Eickermann-Riepe: Ich sehe den Wandel bereits deutlicher als Sie. Allein im letzten Geschäftsjahr haben wir drei neue Direct-Entry-Partnerinnen in der Beratung aufgenommen und die Zahl unserer Direktorinnen hat sich verdoppelt. Wir haben ganz klar das Ziel, unsere Partnerschaft diverser zu gestalten. Dieser "tone from the top" und der Wandel in der Organisation ist notwendig, um Frauen Mut auf Karriere zu machen. Je mehr Vorbilder eine Organisation vorweisen kann, umso mehr zieht sie auch an. Wir haben bereits in unserem Territory Leadership Team zwei Frauen.

IZ: Eine Headhunterin schätzt, dass eine von fünf Immobilienfrauen, die sie vermittelt, Kinder hat. Eine erfolgreiche Projektentwicklerin sagt, dass sie ihren Weg nicht mit Kindern im Gepäck hätte gehen können bzw. wollen. Was muss sich ändern, damit Frauen nicht mehr auf Kinder verzichten, wenn sie Karriere machen wollen - oder sich zerreißen müssen, wenn sie nicht gerade auf rund um die Uhr geöffnete Kindergärten zurückgreifen können oder wollen?

Eickermann-Riepe: Mein Sohn ist bereits 21 und hat alles gut überstanden, sicher auch dank des Engagements meines Mannes und einer flexiblen Betreuung. Für mich war immer klar: Ich will auf nichts verzichten. Es haben sich immer Lösungen gefunden, die für alle Beteiligten akzeptabel waren. Nicht zuletzt kann man sich flexiblere Lösungen leisten, wenn man Karriere macht.

IZ: Laut einer Studie von PwC dauert es noch 300 Jahre, bis sich die berühmte Gender Pay Gap in Deutschland geschlossen hat. Wie steuert PwC einer möglichen Ungleichbehandlung bei der Bezahlung entgegen?

Eickermann-Riepe: Auf der Einstiegsebene gibt es klare Vorgaben, wie Absolventen bei uns gehaltlich starten. Auf den weiteren Stufen gibt es festgelegte Bandbreiten, in denen sich die Gehälter - unabhängig vom Geschlecht - bewegen. Auf der Ebene der erfahrenen Bewerber verhandeln Männer eher als Frauen - das versuchen wir vernünftig einzuordnen. Verweilt eine Frau länger auf einer bestimmten Gehaltsstufe, prüfen wir, warum das so ist.

IZ: Vielen Dank für das angenehme Gespräch.

Die Fragen stellte Harald Thomeczek.

Harald Thomeczek