Karriere-News

Cobalt besetzt 20% mehr Stellen

Karriere 02.11.2017
Die Personalberatung wird 2017 rund 600 Vakanzen füllen, schätzt Deutschlandchef Richard-Emanuel Goldhahn. Dafür wurden zwei Dutzend Mitarbeiter eingestellt. ... 

Die Personalberatung wird 2017 rund 600 Vakanzen füllen, schätzt Deutschlandchef Richard-Emanuel Goldhahn. Dafür wurden zwei Dutzend Mitarbeiter eingestellt.

Im Jahr 2016 hatte Cobalt Recruitment noch ca. 500 Positionen hierzulande besetzt. Die für das laufende Jahr erwartete Zahl der Stellenbesetzungen entspricht also einem Plus von ziemlich genau einem Fünftel. Für 2018 geht Goldhahn von 750 Jobvermittlungen aus. Gestemmt wird die zusätzliche Arbeit von zusätzlichen Mitarbeitern: Der Mitarbeiterstab, Ende 2016 noch rund 60 Personen groß, schwillt bis Ende 2017 auf 85 Köpfe an. Diese verteilen sich auf die sechs Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart.

Beim Umsatz wird Cobalt in Deutschland in diesem Jahr irgendwo "zwischen 10 Mio. und 20 Mio. Euro" landen, so Goldhahn. Genauer mochte er auch auf Nachfrage nicht werden. Nur so viel: "10% davon wurden mit der Besetzung von Interimspositionen erzielt". Wachstumstreiber für das Cobaltsche Geschäft mit der Personalvermittlung waren technische Positionen, vom Spezialisten bis zum Geschäftsführer. Gesucht werden Projektleiter, Kalkulatoren, Fachplaner aller Art oder Architekten. Nicht nur in der Baubranche und in der Projektentwicklung, auch im Bestandsmanagement sind Leute mit technischem Know-how gefragt.

Unter den kaufmännischen Berufen ist die Not bei den WEG-Verwaltern groß: Exemplare dieser Spezies seien kaum zu finden, und wenn man eines WEG-Verwalters habhaft werde, "können wir ihn bei mindestens zehn Arbeitgebern loswerden". Einer der Gründe für dieses Missverhältnis: Immer mehr Mietwohnungen würden in Eigentum umgewandelt.

Harald Thomeczek

Entspannt rekrutieren beim Dinieren

Arbeitgeber-Hahn im Studenten-Korb.

Arbeitgeber-Hahn im Studenten-Korb.

Quelle: engaging talents, Urheber: Kings Road Media

Karriere 02.11.2017
Man nehme eine Handvoll Arbeitgeber aus der Immobilien- und Baubranche, drei Dutzend angehende Masterabsolventen der Architektur, des Bauingenieurwesens und des Immobilienmanagements und ... 

Man nehme eine Handvoll Arbeitgeber aus der Immobilien- und Baubranche, drei Dutzend angehende Masterabsolventen der Architektur, des Bauingenieurwesens und des Immobilienmanagements und einen besonderen Ort für ein Sechs-Gänge-Menü - fertig ist das Recruitment-Dinner der Bau- und Immobilienbranche.

So hat sich das Stefanie Greve ausgedacht, die Gründerin der u.a. auf Young Professionals aus der Immobilienwirtschaft ausgerichteten Personalberatung engagingtalents. Und Ende Oktober bereits zum zweiten Mal umgesetzt, diesmal in der Frankfurter Villa Kennedy. (Premiere feierte ihr Format in Hamburg.)

"Es haben doch alle Firmen Schwierigkeiten, erfahrene Leute zu finden. Wir wollen deshalb jetzt früher ansetzen und in einem gewissen Maße auch Berufseinsteiger vernünftig integrieren", sagt Thomas Schilling, Niederlassungsleiter Frankfurt von Witte Projektmanagement. Schilling braucht vor allem Projekt- und Bauleiter, sein Augenmerk lag beim Studentendating im Luxushotel also auf den Architekten und Bauingenieuren in spe. Die jedoch "kannten uns kaum". Das Recruitment-Dinner bot ihm also eine willkommene Gelegenheit, diese Wissenslücke bei den potenziellen Kandidaten zu schließen. Ihm und seinem Kollegen Stefan Vianden, der die Düsseldorfer Witte-Niederlassung leitet. Womit Witte allein 40% der anwesenden Arbeitgebervertreter stellte.

Die Wissenslücken der Studenten umfassen oft aber nicht nur einzelne Unternehmen, sondern meist gleich ganze Segmente der Immobilienbranche: "Alternativen zu Architekturbüros kommen bei uns im Studium nicht vor", erzählt Gergana Bracheva. "Ich wollte deshalb erfahren, ob Architekturstudenten überhaupt die Möglichkeit haben, in die Projektsteuerung oder in die Projektentwicklung zu gehen. Bisher war die Immobilienwirtschaft, die Projektsteuerung für mich nur die andere Seite, die Chefs, die uns anrufen und uns Anweisungen geben."

Die 25-jährige gebürtige Bulgarin schreibt ihre Masterthesis an der TU Darmstadt und streckt bereits die Fühler nach einem festen Job aus. Sie arbeitet seit vier Jahren als Werkstudentin in Architekturbüros und hat zwischen dem Bachelor- und dem Masterstudium ein halbes Jahr in Vollzeit gearbeitet. Sie ging auch mit der Frage zum Dinner, wie die Firmen den Berufseinstieg gestalten, ob sie also Trainee-Programme anbieten oder Einsteiger auf andere Weise ge- bzw. begleitet werden. "Und wie der Tag eines Projektsteuerers überhaupt aussieht."

"Viele der Studenten, mit denen ich gesprochen habe" - und das dürften die meisten der Anwesenden gewesen sein, denn Greves Datingkonzept sieht vor, dass an jedem Tisch ein gutes Dutzend Studis sitzt und die Arbeitgeber nach jedem Gang reihum wechseln - "bringen Berufserfahrung mit, das hat mich überrascht", resümierte Schilling. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir den einen oder anderen gezielt ansprechen."

Ralf Werner, Niederlassungsleiter Rhein-Main des Wohnungsentwicklers Instone, hat gleich alle 36 teilnehmenden Studenten zur Vertiefung der Eindrücke in sein Büro eingeladen. "Vier bis sechs Studenten sind mir sehr positiv aufgefallen", erzählt Werner. "Wenn davon zwei bis drei hängen bleiben, wäre das echt okay."

Werner braucht für seine Niederlassung aktuell fünf bis zehn Bauleiter, kann sich aber nur ziemlich selten über Initiativbewerbungen freuen, denn als mittelständisch geprägter Entwickler werde man von Absolventen aus dem Baubereich nicht besonders stark wahrgenommen. Zu Hochtief-Zeiten sei das noch anders gewesen.

Fein am Recruitment-Dinner fand Werner, dass die Studis im kleinen Kreis keine Hemmschwellen kennen und einfach drauflosfragen, z.B. was Instone Absolventen bietet. Seine Antwort: "Junge Leute können viel bei uns lernen, denn wir bauen seltener mit Generalunternehmern, sondern decken das selbst ab." Dass die konkrete Gestaltung des Berufseinstiegs durch den Arbeitgeber die jungen Menschen, die spätestens nächstes Jahr ins Berufsleben starten werden, beschäftigt, bekam auch Werner mit. Und dafür hat er auch volles Verständnis, denn "auch erfahrene Mitarbeiter, die zu uns wechseln, brauchen ein halbes Jahr, um unsere Prozesse vollständig kennenzulernen".

Bald-Architektin Bracheva nimmt vom Dating-Dinner so einige Erkenntisse mit. U.a., dass Witte Projektmanagement kein Trainee-Programm im Köcher hat, Berufsanfänger aber trotzdem nicht auf sich allein gestellt sind. So sehr der eine oder andere Arbeitgebervertreter ihre Neugier geweckt hat, so klar hat sich in ihr nun die Erkenntnis herauskristallisiert, "dass ich nach dem Studienabschluss doch erst mal ein paar Jahre lang als Architektin arbeiten möchte".

Auch Absolvent Lukas Böhm ist nun klüger als zuvor. Der junge Mann hat sein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der RWTH Aachen bereits in diesem Sommer abgeschlossen und befindet sich auf Jobsuche. Dass "der Markt momentan ziemlich arbeitnehmerfreundlich ist", wusste er eigentlich schon vorher. Dieser Eindruck hat sich verfestigt: "Man merkt, dass alle Unternehmen Leute suchen." Genommen wurde ihm die Angst, dass er ins kalte Wasser geworfen werden könnte: "Alle nehmen einen beim Einstieg an der Hand." Dass sich die Wege heutzutage relativ schnell wieder trennen können - auch dies hat sich beim Dinner bestätigt: "Alle haben gesagt, dass es heute normal ist, dass man das Unternehmen nach zwei, drei Jahren wieder wechselt."

Die nächsten Dinners stehen im April und Mai 2018 an, gespeist wird wieder in Frankfurt und Hamburg sowie in Düsseldorf, Berlin und München. Für die Studenten ist die Teilnahme kostenlos. Die Firmen zahlen 950 Euro netto für einen bzw. 1.450 Euro für zwei Teilnehmer.

Harald Thomeczek

Gleicher Ort, gleicher Lohn

Karriere 02.11.2017
Die Arbeits- und Sozialminister der EU einigen sich auf eine Reform der Entsenderichtlinie. Das löst gemischte Gefühle aus. ... 

Die Arbeits- und Sozialminister der EU einigen sich auf eine Reform der Entsenderichtlinie. Das löst gemischte Gefühle aus.

Die europäischen Arbeits- und Sozialminister haben sich auf eine Reform der Entsenderichtlinie von 1996 geeinigt. Der Kerngedanke: gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit am gleichen Ort. Entsandte Arbeiter sollen also im Prinzip genauso bezahlt werden wie einheimische Kollegen. Firmen, die Bauarbeiter z.B. aus dem osteuropäischen Ausland auf deutsche Baustellen schicken, könnten damit zukünftig dazu verpflichtet werden, außer dem Mindestlohn auch andere Vergütungsbestandteile, die in Deutschland z.B. für schwere Arbeiten fällig werden, zu zahlen.

Während die Gewerkschaft IG Bau die Reformpläne begrüßt, weil sie den "durch die bisherigen Regelungen der Entsenderichtlinie verursachten Lohndruck deutlich reduziert", hält der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes die Pläne für wenig praxistauglich, nicht zielführend und kontraproduktiv: Schon die Einhaltung des Mindestlohns sei schwer zu kontrollieren - wie solle das erst aussehen, wenn z.B. auch die Zahlung von Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschlägen kontrolliert werden müsste?

Daran, dass entsandte Arbeitnehmer nicht zu den gleichen Lohnkosten auf deutschen Baustellen arbeiten wie deutsche Facharbeiter, werde sich außerdem ohnehin nichts ändern, denn z.B. die Sozialabgaben für ausländische Arbeitnehmer seien ja weiterhin deutlich niedriger als für deutsche Beschäftigte, so der Arbeitgeberverband. Würden die Reformpläne in der Baubranche umgesetzt, sei dies nicht etwa zum Wohl entsandter Arbeitnehmer, im Gegenteil: Damit würde "der Scheinselbstständigkeit und damit dem Unterlaufen von Mindeststandards Tür und Tor geöffnet".

Harald Thomeczek