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ver.di droht Vonovia mit Arbeitskampf

Vonovia hat Mitarbeiter aus Bochum, Essen und Mülheim im Sommer 2016 im neuen Kundenservice-Standort in Duisburg zusammengezogen. Die 650 Mitarbeiter haben ihre Arbeitsplätze im Gebäude Silberpalais am Hauptbahnhof.

Vonovia hat Mitarbeiter aus Bochum, Essen und Mülheim im Sommer 2016 im neuen Kundenservice-Standort in Duisburg zusammengezogen. Die 650 Mitarbeiter haben ihre Arbeitsplätze im Gebäude Silberpalais am Hauptbahnhof.

Bild: Vonovia

Karriere 15.11.2016
Dem im Dax notierten Wohnungsvermieter Vonovia steht ein Streik ins Haus. Mitarbeiter aus dem Duisburger Kundenservicecenter sind laut der Gewerkschaft ver.di bereit, die Arbeit ... 

Dem im Dax notierten Wohnungsvermieter Vonovia steht ein Streik ins Haus. Mitarbeiter aus dem Duisburger Kundenservicecenter sind laut der Gewerkschaft ver.di bereit, die Arbeit niederzulegen. ver.di will Vonovia so an den Verhandlungstisch und schlussendlich zu einer Rückkehr zum Tarifvertrag für die Wohnungswirtschaft bewegen.

Rund 650 Mitarbeiter nehmen für die Vonovia Property Management GmbH in Duisburg Anfragen und Aufträge von Mietern und Mietinteressenten entgegen. Circa 20% davon haben nach Angaben von ver.di noch alte Verträge, die sich am Tarif orientieren. Der große Rest ist außertariflich beschäftigt. In puncto Gehalt bedeutet das ein "Delta von bis zu 500 Euro", sagt Andrea Becker, designierte Verhandlungsführerin von ver.di. Während die nach Tarif bezahlten Kollegen Becker zufolge 2.500 Euro brutto bekommen, erhielten diejenigen ohne Tarifvertrag „um die 2.000 Euro - für die gleiche Tätigkeit!“

Außerdem müssten die Kollegen mit Altverträgen nur 37,5 Stunden in der Woche arbeiten, die anderen aber 40 Stunden. Auch ein 13. Monatsgehalt gebe es für die tariflos Beschäftigten nicht, und regelmäßige Gehaltssteigerungen nach Berufsjahren kennten diese ebenfalls nicht.

"Wir zahlen doch gute Gehälter"

Aus den genannten Gründen versucht ver.di nach eigenen Angaben seit rund einem halben Jahr, Vonovia an den Verhandlungstisch zu bekommen - bislang vergebens. "Wir zahlen doch gute Gehälter", sagt Vonovia-Sprecherin Nina Henckel auf Anfrage der Immobilien Zeitung. Womit sie - anders als ver.di - jedoch nicht auf den für die Wohnungswirtschaft geltenden Tarifvertrag abzielt, sondern Gehälter im Auge hat, die nach ihrer Aussage in Kundencentern üblich sind. "Unsere Einstiegsgehälter liegen zwischen 2.000 Euro und 2.400 Euro." Damit würden die Mitarbeiter mehr als bei externen Dienstleistern verdienen, die teilweise nur den Mindestlohn von rund 1.600 Euro zahlten. Soll wohl heißen: Vonovia könnte den gleichen Service auch deutlich billiger haben.

Zusätzlich zum Festgehalt, betont die Sprecherin, werden die Mitarbeiter aus dem Duisburger Kundenservice mit einer Erfolgsprämie von bis zu 1.600 Euro im Jahr am Unternehmenserfolg beteiligt.

"Kosten und Qualität müssen mit externen Dienstleistern vergleichbar sein"

Die Sichtweise der Gewerkschaft teilt man bei Vonovia nicht: "Der Grad der Arbeitsteilung ist heute viel stärker ausgeprägt als in der Vergangenheit", sagt Henckel. "Die Mitarbeiter übernehmen die zentrale Service- und Kundenbetreuung wie in vielen anderen Branchen auch." Beim Aufbau des internen Kundenservices habe Vonovia neue Mitarbeiter eingestellt. Zudem seien Mitarbeiter, die zuvor in wohnungswirtschaftlichen Kernbereichen gearbeitet hätten, ohne Vertragsänderung in diesen Bereich gewechselt. "Das ist selbstverständlich. Aber wir müssen wettbewerbsfähig bleiben und die Leistungen zu Kosten und Qualität erbringen, die mit denen eines externen Dienstleisters vergleichbar sind." Vonovia bzw. ihre Vorläuferin Deutsche Annington hatte den Kundenservice - wie andere Mieterdienstleistungen auch - nach einer Outsourcingwelle in den vergangenen Jahren wieder aufgebaut.

"Vonovia weh tun"

ver.di-Fachbereichsleiterin Becker überzeugen die Argumente von Vonovia nicht: Sie kündigt an, ver.di werde noch in diesem Jahr zum Streik aufrufen. Wann und wie lange im Duisburger Kundenservice der Aufstand geprobt werden soll, will sie naturgemäß nicht verraten. Da auf einer Betriebsversammlung im Juni drei Viertel der Anwesenden ver.di gleichsam das Mandat für eine Auseinandersetzung erteilt hätten und rund 30% der Kundenservice-Mitarbeiter aus Duisburg mittlerweile gewerkschaftlich organisiert seien, geht Becker davon aus, dass die Kollegen beim Aufruf zum Warnstreik mitziehen - und es Vonovia weh tun wird“.

Vonovia-Sprecherin Henckel lässt das kalt. Sie sagt zur Streikandrohung der Gewerkschaft: "Das bleibt abzuwarten. Wir werden alles tun, um unseren guten Kundenservice weiterhin zu gewährleisten. Wir haben Flexibilität durch unseren Kundenservice in Dresden, können kurzfristig aber auch externe Dienstleister nutzen, falls erforderlich." Und was die Bereitschaft, mit ver.di zu diskutieren angeht, stellt Henckel klar: In Fragen der Lohn- und Arbeitsplatzgestaltung sei für Vonovia der Betriebsrat der erste Ansprechpartner.

Harald Thomeczek

"Der Sachkundeprüfung stelle ich mich gerne"

Maik Krämer ist der jüngste Lizenznehmer von Dahler & Company. Er segelte auch schon unter zwei anderen Franchise-Flaggen.

Maik Krämer ist der jüngste Lizenznehmer von Dahler & Company. Er segelte auch schon unter zwei anderen Franchise-Flaggen.

Bild: Dahler & Company

Karriere 10.11.2016
Maik Krämer hat sich mit 31 Jahren als Lizenznehmer von Dahler & Company (D&C) selbstständig gemacht - nachdem er Erfahrungen mit zwei anderen Franchisemaklern gesammelt hatte. Vor dem ... 

Maik Krämer hat sich mit 31 Jahren als Lizenznehmer von Dahler & Company (D&C) selbstständig gemacht - nachdem er Erfahrungen mit zwei anderen Franchisemaklern gesammelt hatte. Vor dem drohenden Sachkundenachweis und Testkäuferbesuchen in seinem Erfurter Büro hat er keinen Bammel.

Immobilien Zeitung: Herr Krämer, Sie sind seit Oktober Lizenzpartner von D&C in Erfurt - der jüngste Franchisenehmer des Hamburger Immobilienmaklers. Trotz Ihres jungen Alters ist D&C nach Engel & Völkers (E&V) und von Poll bereits der dritte Franchisemakler in den vergangenen zwei Jahren, unter dessen Flagge Sie tätig werden. Sind Sie so ein unsteter Geist - oder welche Gründe gab es sonst für die häufige Neubeflaggung?

Maik Krämer: Es war von Beginn an mein Ziel, einen eigenen Standort leiten zu dürfen. Bei den beiden anderen Franchisehäusern war ich ja nur freier Mitarbeiter. Als sich die Chance ergab, einen eigenen Shop für Dahler & Company in meiner Heimatstadt Erfurt zu eröffnen, musste ich sie ergreifen.

IZ: E&V, von Poll und Dahler & Company bedienen alle das hochpreisige Segment. Sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern wirklich so groß?

Krämer: Auch wenn alle drei Maklerunternehmen das hochpreisige Segment bedienen, stehen und fallen Qualität und Image mit dem Credo sowie den Personen hinter der Marke. D&C setzt von Beginn an den Fokus auf den Premiummarkt und ist Experte auf seinem Gebiet. Regelmäßige Marktberichte zu den Top-Standorten anhand offizieller Gutachterdaten zeigen, dass für D&C das Maklergeschäft über die reine Vermittlung hinausgeht. Und durch die Real Estate School wird jeder immer wieder aufs Neue geschult.

IZ: Sie suchen einen weiteren Immobilienmakler für Ihr Büro in Erfurt. In der Stellenausschreibung heißt es, der bzw. die Gesuchte sollte u.a. "nach Möglichkeit bereits über fundierte Fach- und Marktkenntnisse" verfügen - diese werden also nicht zwingend vorausgesetzt. Gibt es eine Art Mindestqualifikation, z.B. in Gestalt einer speziellen Ausbildung, um Lizenznehmer von D&C werden zu können? Und setzen sie auch bei Ihren eigenen Mitarbeitern eine bestimmte Mindestqualifikation, z.B. den Immobilienkaufmann bzw. die -frau oder Immobilienfachwirt/-in, voraus?

Krämer: Das Maklergeschäft lebt unter anderem von zwei Faktoren: dem Menschlichen und dem Fachlichen. Zum einen spielen Unternehmergeist, ein passendes Netzwerk und die Fähigkeit, Bedürfnisse zu erkennen, eine wichtige Rolle. Zum anderen geht es neben der Erfahrung im Immobilienbereich vor allem um die Kenntnisse über den Standort. Eine abgeschlossene Berufsausbildung wäre nichtsdestotrotz von Vorteil, da ich so sichergehen kann, dass mein Gegenüber bereits die Arbeitswelt kennengelernt und in ihren Gefügen Fuß gefasst hat.

IZ: Sie selbst haben ja BWL studiert. Wie haben Sie sich das für die Immobilienvermittlung benötigte Fachwissen angeeignet?

Krämer: Neben dem BWL-Studium habe ich zunächst viel Fachliteratur gelesen und das Fernstudium zum IHK-Immobilienmakler absolviert. Besonders die stadtplanerischen Entwicklungen meiner Heimatstadt haben mich sehr interessiert. So habe ich mir Grundlagen und das dazugehörige Fachwissen für den Berufseinstieg angeeignet. Abgerundet und erweitert habe ich mein Know-how durch die freiwillige Teilnahme an der hausinternen Real Estate School von D&C. Grundsätzlich gilt: Augen und Ohren offen halten. Wir Makler müssen uns stetig weiterentwickeln, da reicht nicht nur die eine Ausbildung oder das Studium.

IZ: Hand aufs Herz: Was halten Sie vom geplanten Sachkundenachweis für Immobilienmakler?

Krämer: Durch den Sachkundenachweis wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Um eine qualifizierte Beratung gewährleisten zu können, muss ein gewisses Know-how vorhanden sein. Die Einführung wird ein wichtiger Beitrag zur Professionalisierung der Branche sein, der ich mich trotz bereits absolvierter Fachprüfung gern stelle.

IZ: D&C lässt die Kundenfreundlichkeit seiner Partner auch mal von Testkäufern überprüfen - Bammel?

Krämer: Natürlich ist es ein aufregendes Prozedere, aber service- und kundenorientiertes Arbeiten gehört zum alltäglichen Geschäft und umso wichtiger ist auch eine gezielte Überprüfung.

Herr Krämer, Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Harald Thomeczek.

Makler mit Lizenz

Die Franchisemakler D&C, von Poll und E&V tummeln sich im hochpreisigen Segment. Die Konditionen, zu denen Lizenznehmer in diese Maklernetzwerke einsteigen können, sind unterschiedlich. So liegt die Einstiegsgebühr bei D&C bei 20.000 Euro. Die umsatzbezogenen Lizenzgebühren betragen 10%. Bei von Poll kostet eine Einzellizenz durchschnittlich ebenfalls 20.000 Euro. Die laufenden Gebühren belaufen sich bei von Poll je nach erreichtem Umsatz auf 9% bis 12% der erwirtschafteten Netto-Courtage je Einzeltransaktion. Das gilt aber nur für Franchisenehmer außerhalb Deutschlands und im Commercial-Bereich. Wohnimmobilien-Partner im Inland zahlen keine Startgebühr. Diese selbstständigen Handelsvertreter müssen jedoch 20% vom Umsatz an die Zentrale abgeben. Bei E&V wird eine Einstiegsgebühr von 42.500 Euro fällig. Die laufende Lizenzgebühr beträgt 12,5% von der Netto-Courtage pro Transaktion. hat

Harald Thomeczek

Gute Zeiten für Bauleiter

Karriere 10.11.2016
Der Fachkräfte-Index Construction & Property von Hays legt kräftig zu. Viel mehr offene Stellen gibt es bei Bauleitern und in der TGA. ... 

Der Fachkräfte-Index Construction & Property von Hays legt kräftig zu. Viel mehr offene Stellen gibt es bei Bauleitern und in der TGA.

Hays sichtet seit Anfang 2011 alle drei Monate in regionalen und überregionalen Tageszeitungen sowie in Online-Jobbörsen Stellenanzeigen u.a. im Baugewerbe und in der technischen Gebäudeausrüstung (TGA). Zwischen Juli und September 2016 ist der Subindex für Bauleiter im Vergleich zum Vorquartal (April bis Juni 2016) um 27 auf 164 Punkte geklettert. Das ist der mit Abstand höchste Wert, den Hays seit Beginn der Erhebung gemessen hat. Dieser Wert ist in Relation zum Ausgangswert von 100 Zählern im ersten Quartal 2011 zu sehen. Im zweiten Quartal hatte die Bauleiter-Kurve noch einen Knick nach unten gemacht. Einen leichten Anstieg offener Positionen verzeichnet Hays bei Bauplanern.

In den einzelnen betrachteten Branchen ging es vor allem in der TGA und auf dem Bau deutlich bergauf. Der TGA-Stellenindex nähert sich - nach einem deutlichen Rückgang auf rund 215 Zähler im zweiten Quartal 2016 - nunmehr der 240-Punkte-Schwelle. Auch das ist ein neuer Rekordwert. Im Baugewerbe kratzt der entsprechende Subindex jetzt an der 130-Punkte-Marke, nachdem er im zweiten Quartal auf unter 120 Punkte abgesackt war. Damit werden in der Bauwirtschaft in etwa so viele Mitarbeiter gesucht wie im ersten Quartal 2016, als der betreffende Index seinen Höchststand erreichte. Weniger offene Positionen gab es zuletzt hingegen für Ingenieure.

Harald Thomeczek