Karriere-News

Auch LEG macht eine Bankerin zur Finanzchefin

Köpfe 10.02.2020
Nach Vonovia holt sich mit der LEG die nächste Wohnungs-AG eine Bankerin als CFO in den Vorstand. Die künftige Finanzchefin der Düsseldorfer Wohnungsgesellschaft kommt von der Deutschen Bank. ... 

Nach Vonovia holt sich mit der LEG die nächste Wohnungs-AG eine Bankerin als CFO in den Vorstand. Die künftige Finanzchefin der Düsseldorfer Wohnungsgesellschaft kommt von der Deutschen Bank. Sie heißt Susanne Schröter-Crossan.

Die 40-Jährige tritt zum 1. Juli 2020 bei LEG Immobilien in die Fußstapfen von Eckhard Schultz, der im August 2019 abgedankt hatte und eigentlich bei Domicil Real Estate hatte neu durchstarten wollen. Kommissarisch kümmert sich seit September 2019 LEG-Vorstandschef Lars von Lackum um das Finanzressort.

Schröter-Crossan, die Lackum also in einem knappen halben Jahr ablöst, trägt zurzeit bei der Deutschen Bank die klangvollen Titel Managing Director und Head of Equity Capital Markets für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Sie ist schon neun Jahre bei der Deutschen Bank und hat dort international Karriere gemacht (Großbritannien, Hongkong). Vorher war Schröter-Crossan für Morgan Stanley unterwegs.

Künftig "beträgt der Anteil weiblicher Führungskräfte bei der LEG rund 30%"

Mit Schröter-Crossan zählt die Vorstandscrew der LEG wieder drei Köpfe. Last but not least: "Mit der Besetzung des Vorstandspostens durch Schröter-Crossan beträgt der Anteil weiblicher Führungskräfte bei der LEG rund 30%", betont das Wohnungsunternehmen. Zweiter Mann im Vorstandsbund neben von Lackum ist COO Dr. Volker Wiegel.

Nicht zu vergessen: Mit der LEG hat nun die zweite namhafte Wohnungs-AG hierzulande eine Dame mit dem Finanzressort betraut. Der Bochumer Dax-Konzern Vonovia hatte die vorherige Deutschlandchefin der Credit Suisse, Helene von Roeder, vor zwei Jahren verpflichtet. Sie kam nach der Hauptversammlung 2018 für den langjährigen CFO Stefan Kirsten in den Vorstand. Laut dem manager magazin wurde von Roeder sogar als potenzielle Nachfolgerin von CEO Rolf Buch geholt.

Harald Thomeczek

Angermann: Dennis Riepenhausen nimmt sich auch eine Auszeit

Pia Baguhn.

Pia Baguhn.

Köpfe 06.02.2020
Nach den Angermann-Urgesteinen Artur Kraft und Frank Kerstan macht jetzt auch Dennis Riepenhausen aus der Hamburger Bürovermietungsabteilung des Maklerhauses mal Pause. Der bisherige Direktor sei ... 

Nach den Angermann-Urgesteinen Artur Kraft und Frank Kerstan macht jetzt auch Dennis Riepenhausen aus der Hamburger Bürovermietungsabteilung des Maklerhauses mal Pause. Der bisherige Direktor sei aus dem Unternehmen ausgeschieden, weil er sich "eine berufliche Auszeit nehmen möchte", heißt es bei Angermann. Der Vorstandsvorsitzende Sami Steinbach kehrt dafür ins operative Geschäft zurück: Er leitet den Bereich Bürovermietung in Hamburg jetzt selbst.

Steinbach ist Teil eines Zweiergespanns mit Pia Baguhn, die zur Direktorin befördert und der vom Vorstand Prokura erteilt wurde. Baguhn war erst mit dem Abgang von Kraft und Kerstan im Juni 2019 zur stellvertretenden Direktorin aufgestiegen. Sie sollte Riepenhausen unterstützten - der sich nun nach zehn Jahren in der Bürovermietung von Angermann in Hamburg gleichfalls verabschiedet hat.

Das Bürovermietungsteam wurde ausgebaut

Dem Abschied des Direktors zum Trotz betont das Maklerhaus in einer Mitteilung den "Ausbau der Bürovermietung auf mittlerweile 27 Mitarbeiter" und sieht darin die im vergangenen Sommer "angekündigten Expansionsziele" am Standort Hamburg unterstrichen. So sei das Vertriebsteam binnen eines Jahres um die fünf neuen Immobilienberater Cedric Lenk (28), Frederic Schönleben (23), Nikolina Emanuela Malek (27), Matthis Rabels (25) und Hannes Schönfeld (23) erweitert worden. Für die meisten von ihnen ist Angermann die erste berufliche Station. Außerdem haben Schoeib Achteri (27) und Nina Chiara Bartels (19) ihre Ausbildung zum Immobilienkaufmann bzw. zur -kauffrau begonnen. Und mit Christina Mausolf (28) wurde eine Art-Direktorin eingestellt.

Kraft und Kerstan, die beide ebenfalls als Direktoren firmierten, hielten Angermann 16 bzw. 17 Jahre die Treue. Die Verschnaufpause vom Arbeitsleben, die die beiden sich - nach Angaben von Angermann vom vergangenen Jahr - nehmen wollten, dauert offenbar noch an. Auf ihren Profilen auf der Karriereplattform Xing jedenfalls sprechen beide immer noch von "Auszeit" bzw. "kreativer Schöpfungspause".

Harald Thomeczek

Unialltag außerhalb des Hörsaals

Die Hochschule Fresenius liegt in Berlin zwischen dem Gendarmenmarkt und dem Auswärtigen Amt.

Die Hochschule Fresenius liegt in Berlin zwischen dem Gendarmenmarkt und dem Auswärtigen Amt.

Quelle: imago images, Urheber: Jürgen Ritter

Karriere 06.02.2020
Die Hochschule Fresenius in Berlin und Hamburg pflegt den Kontakt zur Immobilienwirtschaft. Davon sollen nicht nur die Studenten profitieren, auch Unternehmen ziehen Positives daraus. Sie ... 

Die Hochschule Fresenius in Berlin und Hamburg pflegt den Kontakt zur Immobilienwirtschaft. Davon sollen nicht nur die Studenten profitieren, auch Unternehmen ziehen Positives daraus. Sie können aus den Wünschen und Erwartungen der jungen Leute lernen.

Man könnte es einen Forward-Deal nennen, wenn sich Unternehmen der Immobilienbranche bereits Talente sichern, die noch im Werden sind. Die Firmen präsentieren sich im Audimax und kehren bei Besuchen von Studenten ihre beste Seite nach außen. "Ich merke, die Unternehmen haben Bedarf an jungen Leuten", sagt Bernd Hoepfner, Studiendekan Immobilienwirtschaft Hamburg und Berlin an der Hochschule Fresenius für Management, Wirtschaft & Medien. Inzwischen komme es sogar vor, dass die Studenten bei Firmenbesuchen von Vertretern der Personalabteilung empfangen und mit Visitenkarten versorgt werden - teils mit Erfolg. Hin und wieder legen die Studenten Hoepfner kurz nach der Exkursion Bewerbungsmappen hin mit der Bitte, er solle mal drüberschauen.

Studenten achten auf die Aufstiegschancen

In solchen Fällen haben die Unternehmen offenbar einiges richtig gemacht. Einen Anhaltspunkt, auf was es den jungen Leuten bei der Arbeitgeberwahl ankommt, liefert eine kurze Befragung, die Hoepfner unter seinen Studierenden Ende vergangenen Jahres durchgeführt hat. Sie hat ergeben, dass sie bei der Berufswahl besonders die Aufstiegschancen im Job im Blick haben. Die Erstsemester verbinden damit noch häufig eine gewisse Flexibilität im Job, die Drittsemester sehen darin höhere Verantwortung und einen sozialen Aufstieg.

Für die Studienanfänger kommt auf Platz zwei ihrer Prioritätenliste das Arbeitsumfeld, zu dem sie den Arbeitsplatz, das Team und den Aufgabenbereich zählen. "Adlershof nein, Kiez ja", fasst Hoepfner die Vorlieben bei der Standortwahl zusammen. An dritter Position stehen die Benefits, z.B. Teamevents, mögliche Auslandsaufenthalte, Fitness, Kita, Hund im Büro, Weihnachtsgeld, Aktienprogramme oder der Dienstwagen. Das ist ihnen noch wichtiger als flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, Homeoffice und eine großzügige Urlaubsregelung. Das Thema Gehalt findet bei den Erstsemestern erst auf Platz fünf statt.

Die Drittsemester messen der Vergütung derweil etwas mehr Bedeutung bei. Auf Platz drei steht ihr Wunsch nach einem monatlichen Gehalt ab 5.000 Euro, das den Druck auf die private Haushaltskasse angesichts gestiegener Mieten etwas lindern soll. Etwas wichtiger ist ihnen die Wahl des Arbeitsorts. Von Berlin, Hamburg, Düsseldorf, London, Paris, New York, Schanghai, Singapur, Tokio und Hongkong ist die Rede.

Die beim Nachwuchs generell häufig erwartete Work-Life-Balance rangiert auf der Wunschliste der Drittsemester erst auf Platz vier, gefolgt von Benefits wie Handy, Laptop, Wohnung, Auto, Kitaplatz und Fitness, sowie der Arbeitsumgebung. Das Schlusslicht bildet das Arbeitsklima in der Firma, gemeint sind damit gelebte Werte, ein Sinn für Nachhaltigkeit und ein moderner Arbeitsplatz.

Viele Assetklassen liefern Praxisbeispiele

Erwartungen sind allerdings das eine, die Praxis und der Alltag oftmals etwas anderes. Damit sich die jungen Leute ein möglichst konkretes Bild von Unternehmen, Projekten und Prozessen machen können, unternimmt Hoepfner häufiger mit einem knappen Dutzend Studenten praxisbezogene Ausflüge. Die verkehrsgünstig gelegenen Hochschulstandorte in Berlin und Hamburg unterstützen das. "Nur ein paar U-Bahn-Stationen entfernt, schon stehen wir vor interessanten Projekten." Büros, Einzelhandel, Shoppingcenter, Hotel - je nach aktuellem Inhalt der Vorlesung und Seminare werden die verschiedenen Assetklassen z.B. im praktischen Betrieb in Augenschein genommen. Nach der Rückkehr im Hörsaal wird über das Erlebte noch einmal diskutiert.

In einem ungleich größeren Rahmen kümmern sich die Studenten im vierten Semester um ein fiktives Immobilienprojekt auf einem realen Grundstück. Die Praxisarbeit beginnt mit der Lageanalyse, dem Dialog mit dem Stadtplanungsamt über das vorliegende Baurecht und dem Erstellen des Nutzungskatalogs, reicht über das Gespräch mit Maklern über die Marktlage und mit Architekten über Planungsideen bis hin zum Kontakt mit Banken zu Fragen der Finanzierung und dem Erstellen des Kaufvertrags. Im fünften Semester machen sich die Studenten zudem Gedanken über das Marketing für verschiedene Assetklassen.

Anke Pipke

Robert Patzschke

Robert Patzschke mit seiner Frau.

Robert Patzschke mit seiner Frau.

Urheber: Michael Haiser

Karriere 06.02.2020
Der Berliner Architekt Robert Patzschke (47), geschäftsführender Gesellschafter des Büros Patzschke Architekten, hat eine besondere Verbindung zu Indien. Schon seine Kindheit verbrachte er ... 

Der Berliner Architekt Robert Patzschke (47), geschäftsführender Gesellschafter des Büros Patzschke Architekten, hat eine besondere Verbindung zu Indien. Schon seine Kindheit verbrachte er teilweise dort und er besuchte das Internat an der Lawrence School Sanawa. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er beim Architekturbüro Gherzie Eastern in Bombay, anschließend im Architekturbüro Patzschke. 2005 bis 2014 baute er in Indien eine Niederlassung des Architekturbüros auf. Studiert hat Patzschke an der North London University und in Berlin an der Universität der Künste. Er ist verheiratet und Vater von Zwillingen.

Wo wohnen Sie zurzeit?

Ich wohne am S-Bahnhof Grunewald in einer Wohnung im Erdgeschoss eines gründerzeitlichen Gebäudes. Leider haben auch hier die Nachkriegsentstuckungsmaßnahmen ihr Zeugnis abgelegt und so ist das ehemals reich geschmückte Gebäude nun ein schlichter Putzbau. Hier im Erdgeschoss dieses Gebäudes mit einem kleinen Garten nimmt man Teil an dem gemütlichen Treiben dieses kleinen Platzes, der das Zentrum des umliegenden urbanen Gefüges darstellt. Innerhalb der Wohnung spielt sich in der Küche das Leben ab, dort ist auch mein Lieblingsplatz. Gerade die frühen Morgenstunden von 5 bis 7 Uhr genieße ich hier sehr - es sind die einzigen Momente am Tag, die ich für mich alleine habe, bevor die Familie erwacht und der Büroalltag seinen Lauf nimmt.

Haben Sie bei dieser Immobilie oder einer anderen beim Bau schon einmal selbst mit Hand angelegt?

Aufgrund meines Berufs als Architekt und meiner Tätigkeit als Planer habe ich selbstverständlich an meiner Wohnung und an vielen Gebäuden schon selbst Hand angelegt, sowohl planerisch-zeichnerisch als auch physisch handwerklich. Das Interieur unserer eigenen Wohnung besteht aus einem eklektizistischen Sammelsurium verschiedenster Gegenstände, Möbel und Elemente. Die Küche und Einbauschränke sind aus Spolien, aus historischen Bauelementen, zusammengestellt. Gesammelte Gegenstände und herumliegendes Spielzeug der Kinder machen die Wohnung lebendig und gemütlich.

Was muss das perfekte Haus/die perfekte Wohnung unbedingt haben?

Gerade als Architekt weiß ich, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, ein schönes Gebäude, ein schönes Haus und ein schönes Wohnumfeld zu gestalten. Gerade das macht es für Architekten so schwierig, ihr eigenes Wohnhaus zu entwerfen. Man möchte dort alle über die Jahrzehnte angesammelten Ideen unterbringen und so werden gerade Architektenhäuser oft ein zusammengewürfeltes Konglomerat verschiedenster Ideen. Andererseits gibt es verschiedene grundsätzliche Erfordernisse oder Aspekte, die eine perfekte Wohnumgebung beinhalten sollte. An erster Stelle steht hier natürlich das Wohnklima. Die Behaglichkeit bezüglich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftzirkulation muss gegeben sein. Hier bin ich jedoch der Meinung, dass diese nicht unbedingt mit technischen Mitteln herbeigeführt werden sollte. Das Haus, so wie es bei Altbauten häufig der Fall ist, sollte passiv in der Lage sein, diesen Aspekt zu unterstützen.

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist für mich die Himmelsausrichtung. Der Blick nach Osten zum Sonnenaufgang wird für mich mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Genauso schön und wünschenswert ist der Blick nach Westen, um gemeinsam mit Familie und Freunden im Abendlicht den Tag ausklingen zu lassen. Ein perfektes Haus sollte sowohl Räumlichkeiten für ein geselliges Beisammensein anbieten als auch den einzelnen Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten bieten. Aber auch die Praktikabilität der Wohnung sollte nicht unterschätzt werden und so würde ich in meiner nächsten Wohnung großflächige Abstellmöglichkeiten planen und mir meine eigene persönliche Ankleide wünschen.

Wo möchten Sie im Alter wohnen?

Früher bestand der Wunsch, in Indien zu wohnen. Nach zehn Jahren Wohnen und Arbeiten in Indien bin ich froh, wieder in Deutschland zu sein. Ein Leben im Alter auf dem Lande in Italien wäre eine durchaus denkbare Variante.

Haben Sie eine Lieblingsimmobilie?

Das Schinkelsche Kasino an der Havel am Schloss Glienicke ist für mich ein perfektes Ensemble. Die Lage am Wasser mit dem Park im Hintergrund, das kleine Gebäude mit seiner ausgewogenen klassizistischen Gliederung und die langen Pergola-bekrönten Kolonnaden sind an ausgewogener Schönheit kaum zu übertreffen.

Und welches Gebäude in Deutschland würden Sie gerne abreißen und warum?

Gerade in Berlin gibt es unzählige Gebäude, die man gerne abreißen sollte. Die Kriegszerstörung hat ihre großen Narben hinterlassen, jedoch muss man auch dazusagen, dass die gleiche Zahl an Gebäuden, die im Krieg zerstört wurde, etwa noch einmal in den Nachkriegsjahren zerstört wurde. Ein Erneuerungs- und Modernisierungswahn hat in Deutschland und in Berlin dazu geführt, dass noch nach dem Krieg unzählige Gebäude abgetragen wurden, die nur leichte Kriegsschäden aufwiesen. Wir freuen uns heute über die alte Berliner Mitte. Wir können von Glück reden, dass in der DDR die Modernisierungswut vielleicht aufgrund fehlender wirtschaftlicher Mittel nicht ganz so stark ausgeprägt war wie im Westen der Stadt. Hätte man die Gebäude wieder aufgebaut, hätten wir womöglich ein in der Nachkriegszeit entstandenes UNESCO-Weltkulturerbe wie heute die Innenstadt von Warschau, die ebenfalls weitestgehend nach dem Krieg wiederaufgebaut wurde. Die entsprechenden Narben der 50er-, 60er- und 70er-Jahre gilt es peu à peu zu heilen, damit Berlin wieder eine schöne europäische Stadt werden kann.

Wann, wo und womit haben Sie als Erwachsener zum ersten Mal Geld verdient?

Parallel zum Studium fing ich an, mir eine Einnahmequelle aufzubauen. Zur damaligen Zeit Anfang/Mitte der 90er-Jahre war die CAD-gestützte Illustration von Gebäudeentwürfen noch nicht fortgeschritten bzw. ganz am Anfang. Aufgrund meiner Fingerfertigkeit im Malen und Zeichnen, vor allem von Architekturen, habe ich parallel zum Studium Architektur-Visualisierungen, Renderings und Illustrationen handzeichnerisch erarbeitet. Aufgrund des normalerweise in der Immobilienbranche zur Verfügung stehenden recht auskömmlichen Werbeetats waren diese Bilder, diese Auftragsmalerei gut bezahlt und so hatte ich das Glück, dass ich schon als Student ein gutes Leben führen konnte. Ein Großteil dieser Einnahmen floss in Reisen in verschiedenste Länder der Welt.

Wie haben Sie den Weg in die Immobilienbranche gefunden?

Mein Weg in die Immobilienbranche war quasi vorgezeichnet. Als Sohn des Architekturbüros Rüdiger und Jürgen Patzschke ist schon früh mein Wunsch aufgeflammt, selber Architekt zu werden und so ging mein Weg immer mit dem Ziel der Architektur vor Augen mit größeren und kleineren Umwegen und Abstechern doch geradewegs in die Immobilienbranche.

Was braucht man Ihrer Einschätzung nach, um es in Ihrem Job zu etwas zu bringen?

Die Arbeit als Architekt bzw. als Inhaber eines Architekturbüros ist durchaus facettenreich. Man muss sicherlich einige Kommunikationsfertigkeiten mit sich bringen, um sowohl mit potentiellen und tatsächlichen Bauherren und auch mit den eigenen Mitarbeitern und anderen Fachplanern angenehm kommunizieren zu können. Man braucht natürlich auch ein Vorstellungsvermögen und eine gewisse Entwurfsqualität, um die Bauherren für sich gewinnen zu können und muss natürlich vor allem strebsam sein und die Projekte zur vollsten Zufriedenheit abarbeiten. Der aktuelle Boom in der Immobilienbranche hilft natürlich dabei, sich auch mit eigenen Projekten auf eigene Beine stellen zu können. Aber eine kontinuierliche gute Arbeit ist von äußerster Wichtigkeit und so konnte unser Büro auch durch mehrere Immobilienkrisen über die vergangenen 50 Jahre hinweg bestehen.

Wie feiern Sie Ihre Erfolge?

Im Büro teilen wir unsere Erfolge mit Familienmitgliedern und unseren Mitarbeitern. In speziellen Fällen wird auch mal eine Flasche Champagner geöffnet. Persönlich belohne ich mich gerne mit einer privaten Auszeit. Ein Tag, ein Wochenende, eine Exkursion.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?

Über Misserfolge wird mit stoischer Weiterarbeit hinweggegangen.

Was stört Sie in der Immobilienbranche? Und was finden Sie besonders gut?

Die Berliner Immobilienbranche boomt. Das ist für Architekten natürlich grundsätzlich von Vorteil. Andererseits erhöht sich dadurch auch die Konkurrenz. Gesellschaftlich kritisch ist natürlich die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt. Auch für mittelständige Unternehmen und Personen wird es zunehmend schwierig, sich eigene Immobilien leisten zu können. In der Tat ist es aus diesem Grund auch erforderlich, gewisse politische Instrumentarien zu entwickeln, die dem entgegenwirken. Ich bin jedoch stark am Zweifeln, ob die Strategien des aktuellen Berliner Senats hierfür die richtigen sind. Vielmehr habe ich aufgrund dieser Entwicklungen eher die Befürchtung, dass die Instandsetzung bestehender und der Bau neuer Wohnungen extrem stark zurückgehen wird. Dies werden nicht nur die Wohnungssuchenden zu spüren bekommen, sondern vor allem auch die kleinen Architekturbüros und Handwerksunternehmen.

Baulöwe, Miethai, Heuschrecke: Leute, die mit Immobilien Geld verdienen (wollen), haben nicht immer den besten Ruf. Zu Recht?

Als Architekt habe ich das Glück, dass ich zwar zum einen der Immobilienbranche zugeordnet werden kann, jedoch die negativen Konnotationen im Allgemeinen nicht an das Berufsbild des Architekten gebunden sind. Sollte man den Umfragen Glauben schenken, so gehört der Architekt mit zu den beliebtesten Berufsbildern.

Sie würden jungen Leuten raten, den Weg in die Immobilienwirtschaft einzuschlagen, weil...

Ein Dach über dem Kopf ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Insofern wird es auch bei jeder Krise den Bedarf nach Wohnraum geben. Wir haben zwar auch schon Phasen erlebt, wo es ein Überangebot an Wohnraum gab und entsprechend die Immobilienwirtschaft krankte. Grundsätzlich halte ich die Immobilienbranche jedoch für verhältnismäßig stabil.

Was wären Sie heute gerne, wenn nicht Immobilienprofi?

Bei Architekten spricht man oft nicht nur von einem Beruf, sondern von Berufung und so war auch bei mir der Wille, Architekt zu werden, so groß, dass es nie wirklich eine Alternative gegeben hat. Für die Zukunft kann ich mir jedoch vorstellen, mehr Zeit auf dem Lande zu verbringen. Ob nur als Gast am Wochenende oder in irgendeiner Form als Landwirt soll die Zukunft zeigen.

Was bringt Sie auf die Palme?

Grundsätzlich bin ich ein eher ausgeglichenes Gemüt. Ich suche immer nach Lösungsmöglichkeiten und versuche, auch die Gegenseite zu reflektieren. Was mich privat nervt, ist Entscheidungsunfreudigkeit, und was ich in meinem Team fordere, ist pünktliche und gute Arbeit.

Wie können Sie besonders gut abschalten?

Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie im Freien, in der Natur, am See, im Wald, im Garten. Am besten abschalten von allem - von der Arbeit, von anderen Anspannungen - kann ich jedoch beim Reiten.

Welche kürzlich besuchte Veranstaltung hat Ihnen besonders gut gefallen und warum?

Ein Besuch in der Staatsoper mit Ballettaufführungen von S. Eyal und A. Ekman hat mich besonders beeindruckt. Dies ist kein klassisches Ballett, sondern eine Art Techno-Inszenierung in Ballettform. Diese gerade in den frisch hergerichteten Räumlichkeiten der Staatsoper zu sehen, fand ich außerordentlich spannend. Dementsprechend war auch das Berliner Szene-Publikum in diesen doch sehr traditionsreichen Räumlichkeiten vertreten und gerade dieses Spannungsverhältnis macht Berlin aus.

In welcher Bar/Restaurant/Diskothek kann man Sie häufiger antreffen?

Vor 20 Jahren hätte ich Ihnen noch eine Lokalität nennen können, wo ich regelmäßig bin. Damals wäre es wahrscheinlich das "90 Grad" gewesen. Zwischendurch haben mich zehn Jahre Auslandsaufenthalt in Indien etwas aus dem Leben in Berlin herausgenommen. Seit meiner Rückkehr sind auch meine Kinder Teil der Familie und so bin ich meistens Zuhause oder im Büro anzutreffen und nur sporadisch gibt es einen kulinarischen Ausflug in die Stadt zu unterschiedlichen Orten.

Verraten Sie uns auch noch Ihr Lieblingsgericht?

Natürlich gibt es viele leckere Sachen, die ich gerne esse: einen guten Fisch, ein paar Scampis, einen hausgemachten Braten und knackiges Gemüse. Wenn ich aber daran denke, was ich am häufigsten esse und auch immer wieder essen kann, dann ist es Ei mit Brot in seinen verschiedensten Darreichungsformen.

Wenn Sie an Ihren letzten Urlaub denken, denken Sie an …?

Mein letzter Urlaub war ein außerordentlich spannender. Meine Mutter arbeitet seit über 25 Jahren als Archäologin an einer Ausgrabung einer Pyramide im südamerikanischen Peru. Sie hat dort die älteste Hochkultur Südamerikas von 3800 v. Chr. nachweisen können. Damit meine Kinder mit eigenen Augen diese spannende abenteuerliche Arbeit ihrer Großmutter wahrnehmen können und in Erinnerung behalten, bin ich mit meinen Zwillingen nach Peru gereist und habe dort zusammen mit meinem Vater und meiner Nichte meine Mutter auf ihrer Grabung besucht.

Mit welcher noch lebenden Persönlichkeit würden Sie gerne einen Abend verbringen?

Gerne würde ich einen Abend zu Hause mit Papst Franziskus zusammensitzen und mich mit ihm über seine persönlichen Ansichten unterhalten. Vor allem sein Streben nach "Tenderness", also nach Zärtlichkeit der Menschen untereinander, konfessionsunabhängig, halte ich für ausgesprochen schön und achtenswert. Obwohl ich mich der europäischen und der christlichen Kultur zugehörig fühle, sehe ich die christliche Kirche aber auch sehr kritisch. Gerade die Bibel als wegweisendes Dokument halte ich für äußerst fragwürdig.

Mit wem würden Sie gerne mal für einen Tag das Leben tauschen? Warum?

So wie ich mir auch ein Gespräch mit Papst Franziskus vorstellen könnte, würde ich auch gern einen Einblick in sein Leben und seinen Tagesablauf sowie das Leben im Vatikan nehmen. Als Architekt würden mich natürlich die Schichten, Einzelheiten und verborgenen Ecken dieses jahrhundertealten Gebäudekomplexes interessieren und faszinieren. Als Mensch hingegen, denke ich, gibt es nur wenige Lebensformen, die so andersartig als das normale profane Leben eines arbeitenden Familienvaters sind. Wie viel dieses Lebens Strategie und harte Arbeit ist und wie viel davon tatsächlich geistiger Kontemplation - das würde mich interessieren.

Gibt es etwas im Ausland, was Sie in Deutschland vermissen?

Grundsätzlich zieht einen das Interesse an der Andersartigkeit ins Ausland. Dabei ist zunächst einmal unwichtig, ob diese Andersartigkeit besser oder schlechter ist. Das Interesse an anderen Lebensformen, Kulturen sowie Flora und Fauna motiviert mich zum Reisen. Dabei wird abgeglichen, was davon besser ist als das, was man zu Hause vorfindet. Aufgrund meiner diversen Reisen, aber vor allem auch aufgrund meines langjährigen Aufenthaltes in Indien, habe ich jedoch festgestellt, dass nicht alles auf der anderen Seite des Zaunes grüner ist. Ich bin ausgesprochen glücklich in Berlin und in Brandenburg und genieße das Glück und Privileg, in diesem Land aufgewachsen zu sein und leben zu dürfen.

Sie haben 100.000 Euro zur freien Verfügung und müssen das Geld komplett ausgeben – welchen Traum erfüllen Sie sich?

Wenn ich 100.000 Euro zur Verfügung und vor allem mehr Zeit hätte, dann würde ich sicherlich noch mehr reisen und weitere Länder anschauen, vielleicht findet sich ja doch ein Ort, der auch langfristig lebenswerter ist.

IZ