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Netzwerkchance auch für Professoren

Das waren die Teilnehmer der diesjährigen International Real Estate Challenge: Während die Studententeams ihre Aufgaben bearbeiteten, schmiedeten die Hochschullehrer bereits Kooperationspläne für die Zeit nach dem Wettbewerb.

Das waren die Teilnehmer der diesjährigen International Real Estate Challenge: Während die Studententeams ihre Aufgaben bearbeiteten, schmiedeten die Hochschullehrer bereits Kooperationspläne für die Zeit nach dem Wettbewerb.

Bild: Hochschule21

Karriere 31.01.2013
Rund 60 Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer haben im Januar dieses Jahres an dem Wettbewerb International Real Estate Challenge (IREC) teilgenommen. In internationalen Teams mussten die ... 

Rund 60 Studenten immobilienwirtschaftlicher Fächer haben im Januar dieses Jahres an dem Wettbewerb International Real Estate Challenge (IREC) teilgenommen. In internationalen Teams mussten die Teilnehmer aus ganz Europa gemeinsam ein Projekt bearbeiten und einer Jury vorstellen. Der Praxistest bot nicht nur den Studenten die Möglichkeit, ihr Netzwerk zu erweitern. Die betreuenden Hochschulprofessoren planen, die Zusammenarbeit nach dem Wettbewerb fortzusetzen.

Wettbewerbe geben Studenten die Chance, ihre Kenntnisse an einem echten Projekt unter Zeitdruck anzuwenden. Gemeinsam mit zunächst fremden Teamkollegen müssen sie eine Aufgabe bearbeiten. Das erfordert viele Diskussionen und Abstimmungen, bis gemeinsam das Ziel erreicht werden kann. Doch neben den reinen Lerneffekten bieten Wettbewerbe auch eine gute Möglichkeit, um sich zu vernetzen. Dadurch können die Begegnungen auch über das Ereignis hinauswirken.

"Der Wettbewerb war ein unglaublicher Schritt in der Internationalisierung", sagt Sabine Zippel, Professorin für Baumanagement und Projektentwicklung an der Hochschule21 (HS21) in Buxtehude. Sie hat mit drei Studenten an dem IREC-Wettbewerb teilgenommen und war an der Organisation der Veranstaltung, die überwiegend in Hamburg stattfand, beteiligt. Während die internationalen Studententeams um den Sieg kämpften und dabei von Professoren betreut wurden, nutzten diese die Zeit ebenfalls zum Netzwerken. Im Fall der HS21 wurden dabei mehrere "bilateral aggreements" geschlossen, u.a. mit den Hochschulen Politecnico di Milano und der Kingston University in London. Weitere sind in Vorbereitung. Durch bilaterale Übereinkünfte sei eine Teilnahme am Erasmus-Programm viel einfacher möglich und Kurse von Partnerhochschulen könnten anerkannt werden, so Zippel. Das hilft, die Mobilität der Lehrenden und der Studenten zu erhöhen.

Bei dem IREC-Wettbewerb hatten rund 60 Studenten in acht internationalen Teams zwei Wochen lang um den Sieg gekämpft. Für die Hamburger Theater- und Künstler-Genossenschaft Die Wiese sollte ein geeigneter Standort innerhalb von Europa gefunden werden. Dafür wurden die Studenten, die u.a. von Hochschulen aus London, Mailand, Groningen, Dublin und Warschau nach Hamburg angereist waren, in Teams aufgeteilt. Die einzigen drei deutschen Teilnehmer kamen von der HS21. Die Teams flogen dann in acht verschiedene europäische Städte - Amsterdam, Bratislava, Göteborg, Mailand, Manchester, Stockholm, Wien und Warschau. Vor Ort recherchierten sie nach geeigneten Standorten und bereiteten eine Präsentation auf Englisch vor. Zurück in Hamburg mussten sie ihre Ergebnisse vor einer Jury, bestehend aus Vertretern der Bauherren, der Nutzer und der Kulturbehörde, präsentieren. Zum Gewinnerteam gehörte auch ein deutscher Teilnehmer.

Netzwerke gründen

"Das A & O ist, dass man sich bei dem Wettbewerb mit anderen internationalen Studenten vergleichen kann", sagt Nicolas Herrmann, Absolvent der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). Er hatte zusammen mit zwei Kommilitonen 2010 an dem Wettbewerb teilgenommen und war 2011 selbst Jury-Mitglied gewesen. Der Wettbewerb zeigte ihm, dass er sich in punkto Ausbildung, Vortragsqualität und sozialer Kompetenz "überhaupt nicht verstecken" müsse, so sein Fazit. Doch neben dem Praxistest war für Herrmann der Netzwerkgedanken wichtig. Nach Abschluss des Wettbewerbs gründete er deshalb gemeinsam mit Studenten aus Sheffield, London und Groningen das European Real Estate University Network (Ereu), um den Kontakt weiter auszubauen. Noch im selben Jahr organisierte das Netzwerk eine Exkursion nach Frankfurt am Main mit Unterstützung der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) und des HfWU-Freundeskreises. Die Studenten hörten Fachvorträge und besuchten das Shoppingcenter MyZeil und den Frankfurter Opernturm. Zudem präsentierten sie ihre Hochschulen auf dem RICS-Hochschultag, der in die Jobmesse IZ-Karriereforum integriert war. "Wir stehen alle noch im Kontakt", sagt Herrmann. Doch eine Fortsetzung der Exkursion ist bislang nicht gelungen, denn inzwischen sind die Ereu-Mitglieder berufstätig.

Ergebnisse weitertragen

Zippel will sich dafür einsetzen, dass der Wettbewerb über die zwei Wochen hinaus wirkt. Die Ergebnisse sollen nicht in der Schublade verschwinden, sondern die Hochschullehrer möchten darauf aufbauend eine Vortragsreihe konzipieren. Auch eine Publikation kann sich Zippel vorstellen.

Sie erhofft sich aus den neuen Kontakten zudem eine Weiterentwicklung von Lehre und Forschung: Themen könnten im Netzwerk international vergleichend behandelt werden und Bachelor- und Masterarbeiten länderübergreifend betreut werden.

Sonja Smalian

Zu Besuch beim Boss

Geschäftsführer Oliver Munzel mit Gymnasiast Sven Sturm, der ihn einen Tag
lang begleiten durfte.

Geschäftsführer Oliver Munzel mit Gymnasiast Sven Sturm, der ihn einen Tag lang begleiten durfte.

Bild: ALL SERVICE

Karriere 31.01.2013
Schüler haben vom Arbeitsleben meist nur sehr vage Vorstellungen, zumal bei abstrakten Management- Tätigkeiten. Die Initiative "Schüler als Bosse" der Wirtschaftsjunioren Hessen will ... 

Schüler haben vom Arbeitsleben meist nur sehr vage Vorstellungen, zumal bei abstrakten Management- Tätigkeiten. Die Initiative "Schüler als Bosse" der Wirtschaftsjunioren Hessen will diese Wissenslücke schließen. Sie vermittelt Schülern eintägige Unternehmenspraktika bei Unternehmensbossen. Oliver Munzel, geschäftsführender Gesellschafter von All Service Gebäudedienste, hat seinen Schreibtisch für einen Tag mit Schüler Sven Sturm geteilt - und würde es sofort wieder tun.

Munzel ist Wiederholungstäter aus Überzeugung. Bereits zum vierten Mal hat sein Unternehmen über verschiedene Initiativen Schüler für einen Tag in die Chefetage eingeladen und einen Einblick in den Arbeitsalltag gewährt.

Der 18 Jahre alte Sturm, der die 12. Klasse des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums besucht, wurde zunächst durch das Unternehmen geführt. Dann begleitete er Munzel u.a. auf eine Baustelle des Garten- und Landschaftsbaus und war bei Planungsgesprächen mit dem Vertriebsleiter dabei.

Doch nicht nur der Nachwuchs bekam viele Einblicke in eine neue Welt. Auch Munzel erfuhr, was die junge Generation bewegt. "Um am Puls der Zeit zu sein, ist es wichtig zu verstehen, wie junge Leute ticken und welche Bedürfnisse sie haben", sagt Munzel. Zudem sieht er die Initiative auch als gute Möglichkeit, das Image der Branche aufzuwerten. Denn die Schüler seien auch Multiplikatoren. Sein Tipp an interessierte Unternehmen ist denn vor allem, "es wirklich ernst zu nehmen". Denn wer nicht gut auf den Tag vorbereitet ist, enttäusche die jungen Leute, die sich gut vorbereiteten, so Munzel. Er selbst ist im nächsten Jahr auch wieder mit dabei.

TIPP

Es gibt mehrere Initiativen, die Schülern den Blick ins Chefbüro ermöglichen. "Schüler als Bosse" ist eine Initiative der Wirtschaftsjunioren Hessen. Das Projekt wird seit zehn Jahren durchgeführt. An zwei verschiedenen Terminen im vergangenen November fanden die Unternehmensbesuche statt (Info: www.schuelerals-bosse.de).

Schon seit 1980 gibt es die Aktion "Schüler im Chefsessel" von dem Verband Die jungen Unternehmer - BJU. Die Teilnehmer müssen im Anschluss einen Aufsatz schreiben. Die Besten von ihnen werden zu einem dreitägigen Berlinbesuch eingeladen. Das Projekt wurde 2009 bei dem Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet (Info: www.jungeunternehmer.eu, Menü: Aktionen - Schüler im Chefsessel).

Ähnliche Ansätze finden sich auch in der Immobilienwirtschaft, beispielsweise entwickelte vor einigen Jahren der German Council of Shopping Center das Konzept "Job shadow for a day". (sma)

Sonja Smalian

Der Arbeitsauftrag kommt per SMS

Bei gemeinsamen Schulungen der hörenden und der hörgeschädigten
Mitarbeiter sind zwei Gebärdendolmetscher mit dabei.

Bei gemeinsamen Schulungen der hörenden und der hörgeschädigten Mitarbeiter sind zwei Gebärdendolmetscher mit dabei.

Bild: NIEDERBERGER

Karriere 31.01.2013
In Deutschland sind Unternehmen ab einer Größe von zwanzig Arbeitsplätzen verpflichtet, mindestens 5% davon mit schwerbehinderten Mitarbeitern zu besetzen - oder Ausgleichsabgaben zu ... 

In Deutschland sind Unternehmen ab einer Größe von zwanzig Arbeitsplätzen verpflichtet, mindestens 5% davon mit schwerbehinderten Mitarbeitern zu besetzen - oder Ausgleichsabgaben zu zahlen. Die Niederberger-Gruppe in Berlin beschäftigt seit einigen Jahren Hörgeschädigte und hat seitdem viel über Kommunikation gelernt.

Körperlich mobile Menschen suchte der Gebäudedienstleister. Das Integrationsamt schickte ihm daraufhin einen hörgeschädigten Bewerber zum Probearbeiten. Die Erfahrungen seien sehr positiv gewesen, sagt Betriebsleiter Peter Hollmann. Inzwischen ist die Zahl der Hörgeschädigten im Unternehmen auf fünf gewachsen, von insgesamt 16 schwerbehinderten Mitarbeitern. Bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes für die Hörgeschädigten habe das Unternehmen finanzielle Hilfe erhalten: So wurde beispielsweise das Fahrzeug für einen Kraftfahrer mit weiteren Spiegeln sowie einem Kamerasystem fürs Rückwärtsfahren ausgestattet.

Als Hilfe für die Alltagskommunikation werden SMS oder schriftliche Nachrichten verwendet. Oder aber ein hörender Teamkollege wird per Telefon um die Weitergabe von Informationen gebeten. Bei den inzwischen gemeinsam durchgeführten Schulungen zu Produkten, Techniken und Arbeitsschutz sind zudem Gebärdensprachendolmetscher dabei, die das Integrationsamt stellt. Sie sensibilisierten die Hörenden u.a. für ihre eigene Körpersprache und zeigten ihnen, wie schwierig es ist, von den Lippen abzulesen, selbst bei bekannten Texten. Das funktioniert nämlich nur in Agentenfilmen richtig gut.

Sonja Smalian