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Flexible Arbeitszeiten steigern Effizienz und Arbeitgeberattraktivität

Die Konzentration von Mitarbeitern hängt von der Tageszeit ab.

Die Konzentration von Mitarbeitern hängt von der Tageszeit ab.

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Karriere 29.09.2022
Hybride Arbeitszeitmodelle sind längst in der Branche angekommen. Bei JLL und Commerz Real dürfen sich Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten nahezu selbst aussuchen – allerdings in einem ... 

Hybride Arbeitszeitmodelle sind längst in der Branche angekommen. Bei JLL und Commerz Real dürfen sich Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten nahezu selbst aussuchen – allerdings in einem festgesteckten Rahmen. Die Unternehmen punkten damit als Arbeitgeber und können sogar bessere Leistungen von ihren Beschäftigten erwarten.

Mit Arbeitszeitmodellen, die zum individuellen Lebensstil der Mitarbeiter passen, wollen Unternehmen als Arbeitgeber punkten. Viele bieten ihren Mitarbeitern schon seit Jahren die Möglichkeit an, ihren Arbeitstag so zu gestalten, dass Aufgaben auf passende Uhrzeiten gelegt und Pausen nach Bedarf genommen werden können. Doch seit den Homeoffice-Regelungen während der Corona-Pandemie haben viele das mögliche Zeitfenster noch weiter ausgebaut. Die meisten setzen dabei auf eine Gleitzeit, die einen gewissen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen das tägliche Stundenziel erreicht werden kann. Und diese Gleitzeit ist bei einigen Unternehmen deutlich größer geworden, als sie es noch vor einigen Jahren war.

Beim Beratungsunternehmen JLL sind dadurch inzwischen Arbeitszeiten zwischen 7 und 21 Uhr möglich, beim Vermögensverwalter Commerz Real können die Mitarbeiter schon um 6 Uhr am Morgen anfangen oder bis 23 Uhr im Büro bleiben. Zudem haben viele Unternehmen neue Teilzeitmodelle geschaffen und bieten sogenanntes Jobsharing an, bei dem sich zwei Mitarbeiter eine Stelle teilen und die damit verbunden Aufgaben untereinander aufteilen.

Der Grund dafür, dass sich immer mehr auf alternative Arbeitszeitmodelle einlassen, liegt auf der Hand: Sie sind angewiesen auf Nachwuchs- und Fachkräfte – und müssen sich bei ihnen als attraktive Arbeitgeber beweisen. Fast drei Viertel aller Beschäftigten wollen ihre Arbeitszeit flexibler gestalten, wie die Umfrage "People at Work 2022: A Global Workforce View" vom ADP Research Institute zeigt. Besonders am Herzen liegt Flexibilität einerseits jungen Leuten zwischen 18 und 24 Jahren, andererseits älteren Beschäftigten über 55 Jahre. In der Immobilienbranche dürften diese Werte noch höher sein – vor allem die Berufe des Maklers und Vertrieblers sind durch unterschiedliche Vor-Ort-Termine schließlich per Definition auf Flexibilität aufgebaut.

Bei JLL macht man keinen Hehl daraus, dass es bei dem Zeitmodell auch darum geht, einen positiven Eindruck auf dem Arbeitsmarkt zu hinterlassen und vielversprechende Kandidaten von sich zu überzeugen. Zwar gibt es schon seit einigen Jahren flexible Arbeitszeiten, aber Corona hat das hybride Arbeiten – zu dem nicht nur orts-, sondern ebenso zeitunabhängiges Arbeiten gehört – vorangetrieben. Auch bei Commerz Real hat die Pandemie der Flexibilität im Unternehmen noch einmal einen Schub gegeben. Die Commerzbank-Tochter will damit die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter unterstützen: "Allein die Möglichkeit zu haben, in Randzeiten liegengebliebene Arbeit zu erledigen oder in Einzelfällen auf einen Wochentag wegen privater Verpflichtungen komplett verzichten und hierfür auf einen Samstag auszuweichen zu können, reduziert den Druck und die Belastung bei den Mitarbeitenden", sagt Christiane Wolfram, Bereichsleiterin People & Culture bei Commerz Real.

Das weiß auch Ulrike Hellert. Sie ist Arbeitspsychologin und Wirtschaftswissenschaftlerin an der FOM-Hochschule in Nürnberg und sagt: "Jeder Mensch kann sich zu unterschiedlichen Zeiten besonders gut konzentrieren. Zwar ist es den meisten auch außerhalb dieser Zeiten möglich zu arbeiten – doch das erfordert mehr Anstrengung." Wann ein Mitarbeiter besonders gut arbeiten kann, hängt vom sogenannten Chronotyp ab, also von der inneren biologischen Uhr. Manche arbeiten morgens besser, andere abends. "Flexible Arbeitszeiten fördern die Produktivität der Mitarbeiter", sagt Hellert. "Und das kommt dann natürlich wiederum dem Arbeitgeber zugute."

Bei JLL kann wohl auch deshalb nahezu jeder arbeiten, wann er möchte – solange er sich an die gesetzlichen Vorgaben hält. Das Arbeitszeitgesetz schreibt nämlich vor, dass Mitarbeiter in der Regel nur acht Stunden pro Tag arbeiten. Pausen sind ebenfalls klar geregelt: Wer an einem Arbeitstag auf sechs bis neun Stunden kommt, dem steht eine Ruhezeit von 30 Minuten zu. An Tagen, an denen die neun Stunden überschritten werden, sind es 45 Minuten. Spätestens nach sechs Stunden muss die Arbeit unterbrochen werden. Am Ende des Tages müssen elf Stunden zwischen dem Feierabend und dem nächsten Arbeitstag frei bleiben.

Um das messen zu können, muss die Arbeitszeit dokumentiert werden – auch bei Vertrauensarbeitszeit, beim mobilen Arbeiten und im Homeoffice. Das hatte der Europäische Gerichtshof bereits im Mai 2019 (Az. C-5/18) klargestellt und die nationalen Gesetzgeber zum Handeln aufgefordert. Passiert ist seither allerdings nichts. Das Bundesarbeitsgericht bringt nun mit einem Beschluss vom 13. September 2022 (Az. 1 ABR 22/21) wieder Schwung in die Sache. Es hält fest, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, "ein System einzuführen, mit dem die von den Arbeitnehmern geleistete Arbeitszeit erfasst werden kann". Wie das genau aussehen muss, ist noch offen.

Das letzte Wort haben die Vorgesetzten

Neben der Erfassung der Arbeitszeit stellt auch das Abstimmen, wer wann arbeitet, Herausforderungen an die Organisation. Bei JLL gibt es eine klare Regelung: Das letzte Wort hat der jeweilige Vorgesetzte. Der entscheidet darüber, ob genügend Mitarbeiter für Kollegen und Kunden erreichbar sind. "Für Mitarbeiter, die vor Ort bei unseren Kunden arbeiten, sind natürlich die jeweiligen Kundenanforderungen zu berücksichtigen", sagt Personalchefin Patricia Offermanns. Am Ende gilt also wohl doch: Der Kunde ist König und bestimmt zumindest teilweise die Erreichbarkeit der Mitarbeiter. Allgemeingültige Empfehlungen "von oben" sind weder bei JLL noch bei Commerz Real verordnet, jedes Team kann seine Guidelines für Arbeitszeiten selbst gestalten. Auch Empfehlungen, wann welche Arbeit erledigt werden sollte, werden nicht ausgesprochen.

Bei Commerz Real gibt es lediglich die einheitliche Vorgabe, dass Teambesprechungen und Dienstveranstaltungen vor 9 und nach 17 Uhr nach Möglichkeit vermieden werden sollen. "In Einzelfällen können zudem innerhalb von Bereichen, Abteilungen oder Teams Service-Zeiten festgelegt werden”, erklärt Personalerin Wolfram. Service-Zeiten sind die Zeiten, in denen der Arbeitsbereich mit einer Mindestanzahl von Mitarbeitern besetzt sein muss, um die betrieblichen Anforderungen mit "vertretbaren Einschränkungen" erfüllen zu können. Die Service- Zeiten liegen immer zwischen 6 und 23 Uhr. Wenn ein Kollege krank oder im Urlaub ist, kümmert sich der Vorgesetzte um die Vertretung in Absprache mit den Teammitgliedern. Das ist auch bei JLL so: "Dies muss nicht unbedingt bedeuten, dass andere Arbeitszeiten gelten, am Ende kommt es ja auf das Ergebnis an und nicht darauf, wann genau am Tag die Aufgaben erledigt werden", heißt es vom Unternehmen. Im Einzelfall könne es dann aber auch mal zu Änderungen der üblichen Arbeitszeit kommen.

All diese Flexibilität ist jedoch nicht für jeden Mitarbeiter das Richtige. Arbeitspsychologin Hellert unterscheidet bei Mitarbeitern zwischen Segmentierern und Integrierern. Während erstere klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit brauchen, tendieren Integrierer dazu, diese Grenzen zu verwischen – und beiden kann es mit ihrem Vorgehen gut gehen.

Thomas Rigotti, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Mainz, bestätigt: "Jeder Mensch hat einen individuellen Drang nach Flexibilität." Während der eine sein Diensthandy nach Feierabend also am liebsten ausgeschaltet in die Ecke legt, kann es den anderen sogar stressen, nicht auch am Wochenende mindestens einmal seine Mails zu checken. Rigotti glaubt daher nicht, dass flexible Arbeitszeiten zum "Verbummeln" von Aufgaben führen könnten – jedenfalls nicht allein. "Dazu kann nur eine hohe Autonomie gepaart mit Orientierungslosigkeit führen", sagt er. "Und Orientierungslosigkeit rührt meist daher, dass Unternehmen die Ziele ihrer Mitarbeiter nicht klar genug definieren oder kommunizieren." Ein wenig Struktur braucht es, bei aller Flexibilität, dann doch.

Die Autorin: Celine Schäfer ist Journalistin in der Wirtschaftsredaktion Wortwert.

Celine Schäfer

Gute Zeiten für Recruiter im Mittelstand

Fachleute zieht es zunehmend in Richtung Mittelstand.

Fachleute zieht es zunehmend in Richtung Mittelstand.

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Karriere 29.09.2022
Weil sie wechselwilligen Kandidaten ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, haben mittelständische Unternehmen seit einigen Monaten leichtes Spiel bei der Mitarbeitersuche. Zum einen steigt ... 

Weil sie wechselwilligen Kandidaten ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, haben mittelständische Unternehmen seit einigen Monaten leichtes Spiel bei der Mitarbeitersuche. Zum einen steigt die Zahl der Bewerbungen, zum anderen verändern sich die Profile der Bewerber.

Lieferengpässe und veränderte Zinssätze zwingen viele Unternehmen – allen voran Projektentwickler – in die Knie. Wenn Projekte zurückgestellt werden oder sich Strategien im Bereich Transaktionen umkehren, wirkt sich das auf den Personalbedarf aus. "Für Projektentwickler, die gut aufgestellt sind, bieten sich nun jedoch gute Chancen, sowohl im Projektankauf als auch bei der Personalgewinnung", stellt Sascha Köneke, Senior Berater bei Westwind Real Estate Executive Search, seit einigen Wochen beim Recruiting und beim Headhunting fest. Zwar nehme die Wechselbereitschaft aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage im Moment tendenziell ab, weil nur wenige Kandidaten bereit sind, ein berufliches und somit ein finanzielles Risiko einzugehen. Doch "gute Unternehmen sind immer attraktiv", fasst Köneke zusammen und erklärt: "Festzuhalten bleibt, dass der Faktor Stabilität an Bedeutung gewinnt." Der Personalberater bezieht sich damit auf Unternehmen, die für Bewerber jetzt deshalb interessant werden, weil sie in den vergangenen Jahren wenig risikoreich investiert haben und daher eine durchgehende Finanzierungslage aufweisen können. "Start-ups, die vor der Pandemie zu beliebten Kandidatenzielen zählten, sowie risikoaffinere Akteure haben in dieser Hinsicht gegenüber etablierten Unternehmen an Attraktivität verloren", zieht Köneke ein Fazit. Und er ergänzt: "Dadurch ergeben sich auch für solide Mittelständler außerhalb von Metropolregionen bei der Fachkräftesuche Chancen qualifiziertes Personal zu gewinnen."

Wer weniger ankauft, der braucht mehr Asset- und Property-Manager

Diesen Trend bestätigt John Bothe. Er ist Geschäftsführer der mittelständischen Silberlake Real Estate Group, die gerade auf großer Rekrutierungsmission ist – erfolgreich. "In den letzten sechs Monaten ist die Zahl vielversprechender Bewerber bei uns gestiegen", berichtet er. Je nach ausgeschriebener Position kämen inzwischen etwa drei- bis viermal so viele Interessenten auf das Unternehmen zu als noch vor einem halben Jahr. "Wir sehen diese Situation als gute Möglichkeit, uns auf Mitarbeiterseite weiterzuentwickeln", sagt der Geschäftsführer. Denn das familiengeführte Unternehmen sei aufgrund neuer Mandate auf Wachstumskurs in allen Geschäftsbereichen, die die Projektentwicklung, Bestandswohnungen sowie Property- und Asset-Management umfassen.

Dabei habe sich nicht nur die Zahl der Bewerbungen bei Silberlake erhöht. "Wir merken, dass im Moment das Interesse von Kandidaten steigt, die sich bis vor einiger Zeit gar nicht bei einem Unternehmen unserer Größe beworben hätten", sagt Bothe, der die Unternehmensgruppe mit rund 80 Mitarbeitern leitet. Unter den Interessenten sieht er einige Kandidaten, die von großen Konzernen abwandern, und beschreibt die Großen als Unternehmen, die "in den vergangenen Jahren risikohaft in Immobilien investiert haben". Silberlake hingegen habe seit der Gründung 2015 auf "sehr konventionelle Finanzierungen" gesetzt. "Das kommt uns nun als Sicherheit zu Gute."

Gerade bei jungen Immobilienleuten sieht er noch einen weiteren Aspekt, der einen Arbeitgeber mit unter 150 Mitarbeitern derzeit attraktiv mache. "Im Mittelstand gab es im Vergleich zu Konzernen schon immer flachere Hierarchien und kürzere Kommunikationswege – und zwar bis hin zum Chef. So bleiben Talente nicht unbemerkt und die Chance auf einen schnellen Aufstieg im Unternehmen steigt", sagt Bothe. "Wer jung und motiviert ist, sieht darin die Chance, sich selbst gut weiterentwickeln zu können", fasst er zusammen. Das gelte insbesondere im Bereich der ESG-Themen (ESG steht für Environmental Social Governance). Silberlake baut seine Angebote hier derzeit aus. Der Geschäftsführer weiß deshalb, dass Experten auf diesem Gebiet schwer zu bekommen sind. "Nicht zuletzt ist die ganze Herausforderung rund um diesen Themenkomplex noch neu in der Branche. Das macht es umso schwerer, erfahrene Kandidaten zu finden." Weil sich aber immer mehr motivierte Menschen bei Silberlake bewerben, will das Unternehmen in sie investieren und durch entsprechende Fortbildungen eigene Fachleute heranziehen.

Die Mittelständler locken Kandidaten mit sicheren Arbeitsplätzen

Führungskräfte sucht das Unternehmen aktiv mit der Hilfe von Headhunter. Auch in den Netzwerken des bestehenden Teams und der Führungskräfte sei Silberlake in der letzten Zeit vermehrt fündig geworden. Um Kandidaten abzuwerben, setzt das Unternehmen darauf, gezielt die Unternehmensphilosophie zu kommunizieren. Dafür zeigen sich laut Bothe immer mehr Kontakte offen und lassen sich auf einen Wechsel in den Mittelstand ein, obgleich der so eigentlich gar nicht geplant war.

Noch vor kurzem haben für viele Positionen auf niedrigeren Ebenen, beispielsweise für Tätigkeiten als Hausmeister, Techniker oder auch in der Buchhaltung, vor allem Quereinsteiger eine Bewerbung bei Silberlake eingereicht haben, so Bothe. Inzwischen beobachte er, dass sich die Quote an Bewerbern mit immobilienspezifischer Ausbildung erhöht. Besonders wechselwillig seien Kandidaten für Positionen im kaufmännischen Bereich. Bothe vermutet, "wer bedingt durch seine Aufgaben Einblicke in die Zahlen und die Auftrags- und Finanzlage seines Arbeitgebers hat, dem fallen kleinste Veränderungen auf. Wer jetzt clever ist, weiß diese Veränderungen einzuschätzen und schaut sich mit Weitsicht nach etwas anderem um, bevor eine Kündigungswelle durch Stellenabbau im eigenen Unternehmen eintritt."

David Peter, CEO und Gründer der Connex-Gruppe, rechnet in den kommenden ein bis zwei Jahren damit, dass sich vor allem Strategieänderungen von großen Wohnungskonzernen auf deren Mitarbeiterstrukturen auswirken. Dadurch betreffe eine Umorientierung vor allem Spezialisten aus bestimmten Fachgebieten. "Dadurch, dass sich die Strategien großer Unternehmen von Ankauf zu Verkauf ändern, werden sich einige Ankaufspezialisten entweder innerhalb der Unternehmen umorientieren müssen oder sich etwas Neues suchen, wenn Stellen abgebaut werden", sagt Peter. Gleichzeitig rechnet er damit, dass Mitarbeiter im Asset- und Property-Management, die schon jetzt schwerer zu finden seien als andere Berufsbilder, zunehmend an Bedeutung gewinnen werden, weil Unternehmen einen stärkeren Fokus auf die Bestandspflege legen werden statt einzukaufen. "Hier wird der Bedarf eher noch weiter steigen", prophezeit der Connex-Chef.

Bei Connex seien im Moment rund 30 Festangestellte tätig. Viel größer soll das Team nach Peters Wünschen nicht werden, "um Reibungsverluste bei Übergaben zwischen einzelnen Abteilungen zu vermeiden." Auf Halde Fachkräfte einstellen will er deshalb nicht, auch weil er damit rechnet, dass die Auswahl für die Arbeitgeber bald noch weiter steigen könnte. Zudem kann er sich vorstellen, dass der Mittelstand für diejenigen attraktiver wird, die sich weiterentwickeln wollen, oder für Berufseinsteiger. In seiner eigenen Firma besetze er Positionen oft danach, wer für eine Aufgabe passt, statt nach vorgegebenen Karrierestufen, wodurch viele Stellen immer wieder intern besetzt würden.

Zudem hat Peter eine weitere Gruppe von Fachkräften ins Auge gefasst, um eine große Auswahl an Kandidaten für sein Unternehmen zu haben: Handwerker und Ingenieure, die aus der Ukraine nach Deutschland kommen und hier langfristig eine Arbeit suchen. Als Mittelständler sieht er gute Chancen, diese Handwerker als Subunternehmer für sich zu gewinnen, "weil die Bearbeitung von Auftragsrechnungen im Mittelstand schneller geht als bei großen Konzernen", begründet er. Diese Pläne stecken jedoch noch in den Kinderschuhen, da aufwendige Behördengänge die Strategie derzeit noch ausbremsen. Erste Kontakte habe eine Mitarbeiterin aber schon hergestellt. "Sie ist Ukrainerin und somit gab es keine Sprachbarrieren. Sie hat einigen Ukrainern bei der Einreise geholfen. Dass sie die Kontakte hergestellt hat, obwohl es nicht ihre Aufgabe gewesen wäre, ist ein Zeichen dafür, dass es bei einem Team nicht nur auf die Größe, sondern vor allem auf die Motivation ankommt."

Janina Stadel

Isabella Chacón Troidl

Isabella Chacón Troidl liebt die Kunst und  gemeinsame Stunden mit der Familie.

Isabella Chacón Troidl liebt die Kunst und gemeinsame Stunden mit der Familie.

Quelle: privat

Karriere 29.09.2022
Ihre Kindheit verbrachte Isabella Chacón Troidl größtenteils in Weiden in der Oberpfalz. Seit 2018 ist sie Chief Investment Officer und Geschäftsführerin bei BNP Paribas Real ... 

Ihre Kindheit verbrachte Isabella Chacón Troidl größtenteils in Weiden in der Oberpfalz. Seit 2018 ist sie Chief Investment Officer und Geschäftsführerin bei BNP Paribas Real Estate Investment Management Germany. Sie liebt diese Rolle, aber noch mehr ihre Familie und die Zeit, die sie mit ihr verbringt. Ihre dritte Leidenschaft ist die Kunst. Sie hat dagegen kein Faible fürs Autofahren und nutzt für den Weg zur Arbeit den ÖPNV. So gesehen ist es nur konsequent, dass der Gesprächspartner ihrer Wahl Robert Habeck heißt und sie mit Volker Wissing gerne mal die Rollen tauschen würde.

Wie und wo wohnen Sie zurzeit?

Ich wohne in München. Das Haus – eine zweckmäßige Doppelhaushälfte aus den 1980ern – gehört uns. In unserem pflegeleichten Garten können die Kinder spielen. In der Einfahrt üben sie gelegentlich Dunkings, wobei der Größere da klar im Vorteil ist. Und unser Minivorgarten erfüllt ebenfalls seinen Zweck: den Blick ins Grüne. Unser Haus ist effizient, pragmatisch und zentral – damit passt es zu unserem aktuellen Lebensabschnitt. Die Einkäufe kann ich von dort aus zu Fuß erledigen. Um die Ecke haben wir ein öffentliches Schwimmbad mit Rutsche. Und die Anbindung an den ÖPNV lässt nichts zu wünschen übrig. Mit der U-Bahn bin ich in neun Minuten am Odeonsplatz. Und wenn Sie mich fragen, ob es denn „nachhaltig“ ist? Ich denke, wie fast beim ganzen Gebäudebestand in Deutschland ist da noch Luft nach oben.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Wohnung? Und warum?

Das ändert sich je nach Stimmung. Mal ist es die Terrasse, wo ich mit meinem Mann gern den Abend ausklingen lasse. Es kann aber auch die Küche sein oder zur Vorlese-Session das Zimmer meiner Jungs.

Haben Sie bei dieser Immobilie oder einer anderen beim Bau schon einmal selbst mit Hand angelegt? Wenn ja: wie genau und wie häufig?

Nein, mir fehlt jegliche handwerkliche Begabung. Ich habe zwei linke Hände. Ich glaube, alle sind froh, wenn ich das sein lasse.

Wie und wo möchten Sie im Alter gerne wohnen?

Wie: in einer energetisch effizienten Immobilie mit einem sinnvollen Schnitt. Außerdem sollte sie Platz für Bilder bieten. Mein Mann und ich mögen moderne Kunst. Die darf dann schon mal plakativ die Wand füllen. Wo: in zentraler Lage. Eine Wohnung am Gärtnerplatz, mitten im Leben. Von dort aus könnte man später auch toll mit dem Rollator zum Theater oder in die Bar.

Was muss das perfekte Haus oder die perfekte Wohnung unbedingt haben?

Eine zentrale Lage und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Idealerweise sollte alles Wichtige in höchstens 15 Minuten erreichbar sein. Ja, das mag jetzt streberhaft klingen, aber ich möchte meinen CO2-Fußabdruck so schlank wie möglich halten. Und ich hasse Autofahren.

Mit wem würden Sie gerne mal für einen Tag das Leben tauschen? Warum?

Mit dem Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Ich könnte mich persönlich in den Austausch bezüglich einer schnellen, nachhaltigen Mobilitätswende einbringen. Außerdem könnten es meine Kolleginnen und Kollegen am Ende spannend finden, mich mal für einen Tag los zu sein. Wäre dann quasi eine Win-win-Situation.

Und mit welcher noch lebenden Persönlichkeit würden Sie gerne einmal einen Abend verbringen? Warum?

Robert Habeck. Mit wem, wenn nicht mit ihm, könnte ich einen Plan entwerfen, wie Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam die dringend notwendige und zügige Transformation herbeiführen. Gern inklusive der Definition gezielter Fördermaßnahmen durch die EU und Deutschland. Denn eines ist klar: Weder Staat noch Wirtschaft können die Transformation im Alleingang stemmen.

Wann, wo und womit haben Sie als Erwachsene zum ersten Mal Geld verdient?

Wann ist man erwachsen? Mit 14 – in meinem ersten Job als Softeis-Verkäuferin. Ich war leider manchmal auch meine beste Kundin.

Wie haben Sie von dort aus den Weg in die Immobilienbranche gefunden, in der Sie heute mitmischen?

Zufällig und komplett in Eigenregie. Ich habe zunächst eine juristische Ausbildung absolviert. Einen Mentor hatte ich nicht. Dafür habe ich mir aus eigenem Antrieb und mit Begeisterung ein starkes Netzwerk aufgebaut. So kam dann eins zum anderen. Deshalb ist es mir so wichtig, Kolleginnen in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen.

Was braucht man Ihrer Einschätzung nach, um es in Ihrem Job zu etwas zu bringen?

Gesunder Menschenverstand ist schon mal eine gute Voraussetzung. Außerdem braucht es Interesse an gesellschaftlichen Veränderungen, Begeisterung für Architektur und den Austausch mit Menschen. Auch die Bereitschaft, lebenslang dazuzulernen, ist eine wichtige Voraussetzung. Die Immobilienbranche verändert sich ständig. Eine Herausforderung folgt der nächsten. Die muss man annehmen wollen.

Wie feiern Sie Ihre Erfolge?

Erfolge zu feiern, finde ich wichtig – gern spontan, aus der Situation heraus. So wird das bei BNP Paribas auch gelebt. Wobei das Ausmaß der Feier an sich nicht so wichtig ist. Vielmehr sollten sich alle Feiernden darin einig sein, dass ein echter Erfolg vorliegt.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?

Analytisch. Misserfolge entstehen aus Fehlern und die lassen sich nicht immer vermeiden. Also versuche ich, offen und transparent mit ihnen umzugehen. Denn dann haben sie etwas Positives – treiben Weiterentwicklungen voran, ebnen den Boden für Innovationen und helfen dabei, Lücken im System zu finden. Jede Transformation braucht Mut – und man kann nur mutig sein, wenn es eine positive Fehlerkultur gibt, die gelebt und auch gefeiert wird.

Was stört Sie in der Immobilienbranche (am meisten)?

Standardisierung und Transparenz entwickeln sich noch zu langsam. Wir könnten viel verändern, stehen uns aber oft selbst im Weg.

Und was finden Sie besonders gut?

Der Slogan des ZIA bringt es recht gut auf den Punkt: Wir geben Leben Raum. Das heißt, wir Immobilienprofis sind Gestalter, und in dieser Rolle werden wir immer besser. ESG trägt dazu einen ganz wesentlichen Teil bei. Manche mag das nerven, aber das muss es auch. Wir müssen ein richtig großes Rad drehen, und da ist es mit „ESG-Kosmetik“ nicht getan. Schließlich gilt es, unseren Lebensraum zu erhalten. Das schwierige Umfeld, das wir gerade erleben, zwingt die Branche mehr denn je dazu, sich zu professionalisieren. Hier passiert gerade richtig viel und das ist klasse.

Baulöwe, Miethai, Heuschrecke: Leute, die mit Immobilien Geld verdienen (wollen), haben nicht immer den besten Ruf. Zu Recht?

Wow, die habe ich gar nicht mehr im aktiven Wortschatz! An diesen angestaubten Begriffen sieht man, dass teilweise keine Differenzierung stattfindet. Okay, in den vergangenen Jahren konnte man auch ohne größere Anstrengung erfolgreich sein. Aber das ändert sich ja gerade. In einer angespannten Marktsituation, wie wir sie jetzt erleben, braucht es Professionalität und nachhaltige Geschäftsmodelle. Das führt zwangsläufig zu Veränderungen und die werden der Branche guttun.

Sie würden jungen Leuten raten, den Weg in die Immobilienwirtschaft einzuschlagen, weil ...

… sie eine spannende und vielseitige Welt bietet. Man lernt die unterschiedlichsten Menschen und Orte kennen. Außerdem hat man ständig mit gesamtgesellschaftlichen Themen zu tun und kann Lebensräume selbst mitgestalten. Wer wissbegierig ist und nichts schlimmer findet, als sich im Job zu langweilen, ist hier gut aufgehoben. Und Geduld wäre auch wichtig, denn in der Branche mahlen die Mühlen auch mal langsamer.

Was wären Sie heute gerne, wenn nicht Immobilienprofi?

Vielleicht eine Künstlerin wie Fujiko Nakaya – ihre Nebelskulpturen im Haus der Kunst sind ein Ereignis. Allerdings fehlt mir die nötige Portion Talent.

Haben Sie eine Lieblingsimmobilie?

Die Fuggerei in Augsburg – die noch heute bestehende älteste Sozialsiedlung der Welt. Jakob Fugger war bereits im 16. Jahrhundert ein echter Visionär. Was er damals ins Leben gerufen hat, nennen wir heute Impact-Investing.

Und welches Gebäude in Deutschland würden Sie gerne abreißen und warum?

Keines, da ich versuchen würde, es energetisch zu sanieren.

Was bringt Sie privat auf die Palme? Und was beruflich?

Gesellschaftliche Rücksichtslosigkeit – privat wie beruflich.

Wo oder wie können Sie sich besonders gut entspannen oder abschalten?

Wenn ich in fremde Welten eintauchen kann – beispielsweise im Urlaub oder auf Ausstellungen. Auch wenn ich gemeinsam Zeit mit meiner Familie und mit Freunden verbringe, komme ich zur Ruhe.

Für welches private Vergnügen haben Sie zu wenig Zeit?

Leider für alle.

Nennen Sie einen Ihrer Lieblingssongs.

Für mich gibt es nicht „den einen“ Song – das hängt eher von der Situation ab. Mal ist es „Space Oddity“ von David Bowie, mal „No Good“ von The Prodigy. Und auf der Wiesn ist „T.N.T.“ von AC/DC unschlagbar.

Wenn Sie an Ihren letzten Urlaub denken, denken Sie an was?

Zeit mit meiner Familie für gemeinsame Erkundungen. Ich liebe es, Neues zu entdecken.

Homeoffice, Büro oder mobil in der Bahn? Wo arbeiten Sie am häufigsten, wo am liebsten und warum?

Für mich kommt es nicht auf den geografischen Ort an. Ich kann überall gut arbeiten, Hauptsache, es ist ein kreativer Austausch mit Menschen möglich.

Wie gehen Sie am liebsten aus? Eher zum Essen im Restaurant, tanzen in der Diskothek oder mit Kulturprogramm? Und in welcher konkreten Location kann man Sie öfter mal antreffen?

Mal rustikal in den Biergarten, mal schick ins Restaurant. Und kulturell – ich glaube, das erwähnte ich schon – gehe ich gern in gut kuratierte Kunstausstellungen. Man trifft mich also ab und an im Haus der Kunst, wo ich nach dem Ausstellungsbesuch gern einen Abstecher in die „Goldene Bar“ mache. Da lasse ich Nebelkunst und Co entspannt hinter mir und gönne mir auf dem Boden der Tatsachen einen Kaffee.

Verraten Sie uns auch noch Ihr Lieblingsgericht?

Handgemachter Kartoffelreibekuchen. Wobei … ich denke, die asiatische Küche läuft dem guten alten Lieblingsgericht aus der frühen Kindheit demnächst den Rang ab.

Gibt es etwas im Ausland, was Sie in Deutschland vermissen?

Elefanten in freier Wildbahn. Die intelligenten Dickhäuter sind meine absoluten Lieblingstiere.

Sie haben 100.000 Euro zur freien Verfügung und müssen das Geld komplett ausgeben – welchen Traum erfüllen Sie sich?

Ich habe keine wirklich großen materiellen Träume. Grundsätzlich würde ich eher in PropTechs – zum Beispiel im Bereich Wasserstoff – investieren, weil diese dazu beitragen, den Klimawandel zu bremsen. Auch Organisationen, die Menschen Chancen erschließen und ihnen unabhängig vom Einkommen und Bildungsgrad der Eltern einen sozialen Aufstieg ermöglichen, wären Optionen für ein solches Investment.

Das Interview führte Janina Stadel

Janina Stadel

Gewerbespezialist Cilon wächst mit Katja Rüdiger in Süddeutschland

Katja Rüdiger.

Katja Rüdiger.

Quelle: Cilon GmbH, Urheber: Mario Andreya

Köpfe 28.09.2022
Der in Frankfurt ansässige Projektentwickler Cilon hat in München einen zweiten Standort eröffnet. Die Leitung übernimmt Katja Rüdiger (47). Pünktlich zur Büroeröffnung wurde ein ... 

Der in Frankfurt ansässige Projektentwickler Cilon hat in München einen zweiten Standort eröffnet. Die Leitung übernimmt Katja Rüdiger (47). Pünktlich zur Büroeröffnung wurde ein weiteres Objekt erworben.

Rüdiger ist Leiterin des Fiskal-Immobilienportfolios der Erzdiözese München und Freising. Das wird sie zusätzlich zu ihrer Funktion bei Cilon auch noch bis zum Ende des ersten Quartals 2023 bleiben. Von 2006 bis 2020 war die Architektin in München und Berlin für Beos tätig und trieb dort ab 2015 aus der Münchner Beos-Niederlassung das Portfoliowachstum voran.

Ankauf in Hohenbrunn

Cilon ist auf kleinere Gewerbeimmobilien mit Bedarf an Umnutzung, Entwicklung und Neuvermietung spezialisiert. Der Geschäftsschwerpunkt liegt im Raum Frankfurt. In Süddeutschland war der Entwickler schon in Pfungstadt, Ulm und Lörrach aktiv. Nun kommt Hohenbrunn (Landkreis München) hinzu: Dort übernahm Cilon für eine deutsche Investorengemeinschaft eine 7.500 qm große Immobilie im Gewerbegebiet (Otto-Hahn-Str. 11). Der Bau aus den 1970er Jahren verfügt über Produktions-, Lager- und Büroflächen, von denen aktuell 2.500 qm leer stehen. Hier stehen Sanierungsmaßnahmen und anschließende Neuvermietung an.

Monika Leykam

Inbright erweitert Geschäftsführung mit Inga Kühn

Inga Kühn.

Inga Kühn.

Quelle: Inbright Investment GmbH, Berlin, Urheber: Simon Wegener, Berlin

Köpfe 28.09.2022