Karriere-News

Zwei neue Geschäftsleiter für Haufe Lexware Real Estate

Susanne Grewe und Michael Dietzel.

Susanne Grewe und Michael Dietzel.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Köpfe 02.03.2018
Susanne Grewe und Michael Dietzel gehören ab sofort der Geschäftsleitung von Haufe Lexware Real Estate an. Dr. Carsten Thies bleibt Vorstand und übernimmt den Vorsitz der Geschäftsleitung. Die ... 

Susanne Grewe und Michael Dietzel gehören ab sofort der Geschäftsleitung von Haufe Lexware Real Estate an. Dr. Carsten Thies bleibt Vorstand und übernimmt den Vorsitz der Geschäftsleitung. Die Geschäftsleitung war zum 1. Juli 2017 auf Thies übergegangen, als der bisherige Vorstand Dirk Forke zur Mannheimer Wowikom-Gruppe wechselte. Die beiden Neuen an Thies' Seite sind schon seit ein paar Jahren im Unternehmen: Die Fachinformatikerin Grewe stieß mit der Übernahme von ESS, einem System- und Beratungsunternehmen, Mitte 2012 zur Haufe Group - ebenso wie Forke, der Vorstand von ESS war. ESS wurde 2013 mit Haufe Lexware Real Estate verschmolzen. Grewe kümmerte sich sodann um Softwareentwicklungsprojekte und leitete mehrere Jahre das Kunden-Management. Dietzel arbeitet seit Anfang 2013 für die Haufe Group. In dieser Zeit baute er den Vertrieb auf und leitete schließlich den neu geschaffenen Bereich Beratung und Vertrieb. Dietzel behält auch in der Geschäftsleitung die Verantwortung für diesen Bereich, Grewe ist für die Produktentwicklung zuständig. In der Haufe Lexware Real Estate bündelt die Freiburger Haufe Group ihre Software-Produkte für Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Harald Thomeczek

Bilfinger bittet Koch, Bodner, Keysberg & Co. zur Kasse

Roland Koch ist nicht der einzige Ex-Vorstand, den Bilfinger auf dem Zettel hat.

Roland Koch ist nicht der einzige Ex-Vorstand, den Bilfinger auf dem Zettel hat.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Frank Boxler

Karriere 01.03.2018
Zwölf ehemalige Vorstandsmitglieder des früheren Bau- und Immobiliendienstleisters Bilfinger bekommen voraussichtlich in den nächsten Wochen unangenehme Post: Ihnen sollen Schreiben mit ... 

Zwölf ehemalige Vorstandsmitglieder des früheren Bau- und Immobiliendienstleisters Bilfinger bekommen voraussichtlich in den nächsten Wochen unangenehme Post: Ihnen sollen Schreiben mit Schadenersatzansprüchen ihres ehemaligen Arbeitgebers zugehen. Der börsennotierte Konzern aus Mannheim, der heute nur noch als Industriedienstleister zugange ist, will Pflichtverletzungen von ihnen u.a. in Sachen Compliance ausgemacht haben.

Unter den ehemaligen Vorständen, denen der Bilfinger-Aufsichtsrat bzw. die mit der Untersuchung beauftragte Kanzlei Linklaters Pflichtverletzungen bei der "Implementierung eines ordnungsgemäßen Compliance-Management-Systems" bzw. im Kontext von "M&A-Projekten" vorwirft, befinden sich zwei Ex-Vorstandsvorsitzende und zehn gewöhnliche Vorstandsmitglieder.

Namentlich handelt es sich nach Informationen der Immobilien Zeitung um folgende zwölf Herren: die beiden Ex-Vorstandschefs Roland Koch, der von 2011 bis 2014 am Steuer saß, und Herbert Bodner (er amtierte von 1999 bis 2011 bzw. 2014/2015). Außerdem fallen in Marktkreisen mit Blick auf die angemeldeten Schadenersatzansprüche diese Namen: Helmut Schetter, Jürgen M. Schneider, Joachim Ott, Kenneth Dickson Reid, Klaus Raps, Joachim Müller, Thomas Töpfer, Joachim Enenkel, Pieter Koolen und Jochen Keysberg. Letzterer ist heute der Chef des mittlerweile von Bilfinger verkauften und umbenannten Immobiliendienstleisters Apleona.

Bilfinger selbst spricht in einer Mitteilung nur von ehemaligen Vorstandsmitgliedern, die zwischen 2006 und 2015 im Amt waren, aber noch vor 2015 in den Vorstand eingetreten sind. Keine Anhaltspunkte für Pflichtverstöße ergaben die im März 2016 eingeleiteten Untersuchungen demnach bei den Ex-Vorständen Per Utnegaard (Vorstandschef 2015/2016), Axel Salzmann (er war 2015/2016 CFO) und Michael Bernhardt (seit 2015 im Vorstand).

Die Vorwürfe an die Adresse der anderen zwölf Ex-Vorstände reichen auch in die Bauvergangenheit des Konzerns zurück und lassen sich dem Vernehmen nach etwa wie folgt zusammenfassen: Erst gab es gar kein Compliance-System - und später wurde (zunächst) kein effektives aufgebaut. Die Schatten der Vergangenheit verfolgen Bilfinger bis heute. Weil ein Joint-Venture von Bilfinger und einem US-amerikanischen Unternehmen in Nigeria im Jahr 2003 in einen Korruptionsfall verwickelt war, musste Bilfinger 32 Mio. Dollar Strafe zahlen und wurde unter Aufsicht des US-Justizministeriums gestellt. Diese wurde später bis Ende 2018 verlängert, weil Bilfinger die Auflagen nicht erfüllte. Schmiergeldvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe eines Auftrags im Umfeld der Fußball-WM 2014 in Brasilien führten dazu, dass die Übernahme einer Firma später rückabgewickelt wurde. Dabei sei zum Zeitpunkt dieser Übernahme bereits ein Compliance-System installiert gewesen - nur habe es nicht gegriffen, heißt es. Das Unternehmen soll die Vorwürfe bei der Übernahme verschwiegen haben.

Der "erstattungsfähige Schaden", den Bilfinger durch die Pflichtverstöße erlitten haben will, soll bei um die 100 Mio. Euro liegen. Wie groß er genau ist und ob sich die Schadenersatzansprüche auch durchsetzen lassen, stehe noch nicht fest, so Bilfinger. Auch steht noch eine Entscheidung darüber aus, welcher Ex-Vorstand in welcher konkreten Höhe zur Kasse gebeten wird. Diese Entscheidung soll jedoch bereits in den nächsten Wochen fallen, so ist zu hören. Die genannten Herren sollen dann direkt per Post erfahren, für wie groß ihr jeweiliger Anteil an dem ausgemachten Schaden befunden wird.

Die Managerhaftpflichtversicherung, die Bilfinger bei einem Versicherungskonsortium unter Führung einer Allianz-Gesellschaft für seine Vorstände abgeschlossen hat, dürfte den Schaden im Falle eines Falles jedenfalls nicht vollständig decken. Alle Vorstände von Aktiengesellschaften sind nämlich von Gesetzes wegen zu einem Selbstbehalt in der D&O-Versicherung ("Directors" und "Officers") verpflichtet. Der Manager muss sich im Schadenfall mit mindestens 10% am Schaden beteiligen, jedoch nur bis zu einer maximalen Obergrenze des Anderthalbfachen seiner jährlichen Festvergütung. Dieser Selbstbehalt wiederum kann allerdings mit einer eigenen Selbstbehaltsversicherung abgesichert werden.

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch hat bereits auf die Ankündigung seines Ex-Arbeitgebers geantwortet: "Mit Befremden" habe er auf den Beschluss des Bilfinger-Aufsichtsrats reagiert, "gegen ganze Generationen von früheren Bilfinger-Vorständen aktiv zu werden", ließ Koch durch seinen Sprecher Dirk Metz wissen. "Koch ist sich keinerlei Schuld bewusst und verweist darauf, dass das Unternehmen über dreieinhalb Jahre hinweg keinen einzigen konkreten Vorwurf erhoben habe", so der Sprecher. Koch hatte den Posten als Vorstandschef nach mehreren Gewinnwarnungen räumen müssen. In die Immobilienbranche ist er vor gut einem Jahr zurückgekehrt, als er in den Stiftungsrat des Gebäudedienstleisters Dussmann Group einzog. Das FM-Unternehmen erhofft sich, bei seinen weltweiten Aktivitäten von Kochs Expertise zu profitieren.

Auch das Wirken der Aufsichtsräte, die in der fraglichen Zeit am Werk waren, wird noch näher beleuchtet. Der seit Mitte 2016 amtierende Bilfinger-Vorstandsvorsitzende Tom Blades ist aufgrund der vorliegenden Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen aktienrechtlich dazu verpflichtet, hier weitere Untersuchungen folgen zu lassen. Anhaltspunkte für Verfehlungen von Aufsichtsräten liegen jedoch bislang nicht vor.

Bilfinger will seine Hausaufgaben nun endlich erledigt haben: Der Konzern hat sich den Aufbau des Compliance-Systems, das laut einem Konzernsprecher nun "weitgehend etabliert" ist, rund 100 Mio. Euro kosten lassen. In die Vereinheitlichung von IT- und HR-Systemen, die für ein wirksames Compliance-Management erforderlich gewesen sei, seien weitere 50 Mio. Euro geflossen, so der Sprecher. Ob das alles reicht, wird sich zeigen, wenn die US-Aufseher Ende des Jahres entscheiden, ob sie Bilfinger aus ihrer besonderen Obhut entlassen.

Harald Thomeczek