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Pinterest setzt auf mehr Homeoffice und cancelt Mietvertrag

Karriere 31.08.2020
Die US-Tech-Company Pinterest hat den Mietvertrag für einen projektierten Neubau mit rund 45.000 qm in San Francisco gekündigt. Das Unternehmen begründet diesen Schritt damit, dass es auch in ... 

Die US-Tech-Company Pinterest hat den Mietvertrag für einen projektierten Neubau mit rund 45.000 qm in San Francisco gekündigt. Das Unternehmen begründet diesen Schritt damit, dass es auch in einer Welt nach der Corona-Pandemie auf eine dezentralisiertere Belegschaft setzt.

Das soziale Netzwerk wollte sich eigentlich unweit des bestehenden Unternehmenscampus in San Francisco von Alexandria Real Estate Equities and TMG Partners ein neues Headquarter mit ca. 490.000 sqf (umgerechnet ca. 45.500 qm) unter der Adresse 88 Bluxome Street errichten lassen. Doch jetzt haben die Pinterest-Chefs beschlossen, die Bestandsgebäude weiterzumieten und aus dem Mietvertrag für die Projektentwicklung auszusteigen.

Bessere Chancen auf vielfältigere Mitarbeiter

Pinterest begründet den überraschenden Ausstieg aus der Projektentwicklung damit, dass es einer vielfältigeren und geographisch verteilten Belegschaft Vorschub leisten will. "Wenn wir analysieren, wie unsere Arbeitsplätze sich in einer Post-Covid-Welt verändern, überdenken wir insbesondere die Frage, wo künftige Mitarbeiter ihre Büros haben könnten", teilt CFO Todd Morgenfeld mit. Mit einer geringeren Zentralisierung des Personals habe Pinterest bessere Chancen, Mitarbeiter mit unterschiedlicheren Hintergründen und Erfahrungen zu gewinnen.

440 Mio. USD Miete gespart

Pinterest zahlt einmalig 89,5 Mio. US-Dollar für die Kündigung des Mietvertrags. Dafür ist das Unternehmen von künftigen Mietforderungen in Höhe von mindestens 440 Mio. US-Dollar entbunden. Die neuen Büros sollten laut San Francisco Business Times Platz für 3.000 Mitarbeiter bieten und 2022 bezogen werden. Der aktuelle Pinterest-Campus ist rund 28.000 qm groß. Zusätzlich nutzt das Unternehmen noch ein paar kleinere Büros in San Francisco.

Pinterest hatte den Mietvertrag im Mai 2019 unterschrieben, kurz nach dem Börsengang in New York. Das neue Headquarter der Tech-Firma hätte Teil einer rund 100.000 qm großen, gemischt genutzten Projektentwicklung mit u.a. Wohnungen, Einzelhandel und eine Indoor-Tennisanlage sein sollen. Was nun mit dem Grundstück - das lange die Heimat des San Francisco Tennis Clubs war - geschieht, ist unklar. Die Entwickler haben sich laut Medienberichten noch nicht zu ihren weiteren Plänen geäußert. Der Baubeginn ist offenbar noch nicht erfolgt.

Harald Thomeczek

Thomas Willms verlässt Steigenberger

Steigenberger Hotels gehört zur Deutschen Hospitality, deren CEO Thomas Willms überraschend Ende September sein Amt auf eigenen Wunsch abgibt.

Steigenberger Hotels gehört zur Deutschen Hospitality, deren CEO Thomas Willms überraschend Ende September sein Amt auf eigenen Wunsch abgibt.

Quelle: imago images, Urheber: Dirk Sattler

Köpfe 28.08.2020
Die Deutsche Hospitality kommt nach der Übernahme durch die chinesische Hotelgruppe Huazhu nicht zur Ruhe. Ein Erdbeben erschüttert die Unternehmensspitze, es gibt Spekulationen um die ... 

Die Deutsche Hospitality kommt nach der Übernahme durch die chinesische Hotelgruppe Huazhu nicht zur Ruhe. Ein Erdbeben erschüttert die Unternehmensspitze, es gibt Spekulationen um die neue Führung.

Von Rolf Westermann

Rund drei Jahre nach seinem Einstieg bei der Deutschen Hospitality (DH) verlässt CEO Thomas Willms Ende September das Unternehmen. Ein Nachfolger wurde noch nicht bestellt, das soll in den kommenden Wochen geschehen. Für die nächste Zeit übernimmt Chief Financial Officer Matthias Heck kommissarisch das Steuer, längstens jedoch bis zum Jahresende, denn dann wird Heck nach den bisherigen Planungen aus Altersgründen ausscheiden.

Das wurde am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt. Willms habe um Auflösung seines Vertrags gebeten, hieß es für Außenstehende völlig überraschend. Der Aufsichtsratsvorsitzende André Witschi äußerte Respekt für die Entscheidung und lobte Willms als "international bekannten und geschätzter Hotelier". Aber ein klar nachvollziehbarer Grund für den Rückzug des in der Öffentlichkeit sympathisch agierenden Managers wurde nicht genannt. "Meine Aufgabe bei der Deutschen Hospitality ist nun erfüllt. Ich freue mich jetzt, zu sehen, wie die DHfamily mit Vision, Perfektion und Passion ihren Transformationsprozess weiter gestaltet", erklärte Willms in der Pressemitteilung. In einer persönlichen Nachricht schrieb er, dies sei nicht als Abschied zu verstehen, sondern als Aufbruch in eine neue Zeit.

Für die Nachfolge kursieren mehrere Namen. Die ahgz hat einen Favoriten, aber noch ist nichts in trockenen Tüchern. Wir informieren Sie demnächst darüber.

Karten neu gemischt

Die Fäden zieht im Hintergrund Aufsichtsratschef Witschi, der früher selbst CEO bei Steigenberger war. Nach der Übernahme des Konzerns durch den ägyptischen Unternehmer Hamed El Chiaty vor rund zehn Jahren hatte Witschi das Unternehmen verlassen. Als El Chiaty im November vergangenen Jahres Steigenberger an die chinesische Konkurrenz Huazhu verkaufte, wurden die Karten neu gemischt.

Huazhu hat rund 5700 Hotels in China und will mit dem Zukauf außerhalb des Heimatmarktes expandieren sowie Anschluss an das Luxussegment gewinnen. Gründer des Unternehmens ist Ji Qi, ein charismatischer und erfolgreicher Selfmademan. Er hat drei Unternehmen ins Leben gerufen, die mehr als zehn Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt haben. Dagegen wirkt Steigenberger wie ein kleiner Bruder. In der Dachgesellschaft Deutsche Hospitality des 90 Jahre alten Konzerns sind rund 120 Hotels mit fünf Marken enthalten.

Als die Übernahme Ende 2019 über die Bühne ging, trat Min ("Jenny") Zhang ins Rampenlicht, die bei Huazhu dort sieben Jahre als Finanzchefin gedient hatte und später Geschäftsführerin wurde. Sie sorgte in den Medien für Aufsehen. "Diese Chinesin kauft für 700 Millionen Euro die Steigenberger-Hotels", hieß es etwa im Handelsblatt. Zhang trat in den DH-Aufsichtsrat ein und war beim Internationalen Hotel Investment IHIF Forum im März dieses Jahres in Berlin als Podiumsteilnehmerin zusammen mit Thomas Willms avisiert. Wegen der Corona-Pandemie musste das IHIF allerdings abgesagt werden.

Wechsel im Aufsichtsrat

Anfang April erhielten die Mitarbeiter der Deutschen Hospitality ein einfühlsames Schreiben von Jenny Zhang aus Schanghai. "Wenn Sie diesen Brief erhalten, sind wahrscheinlich viele von Ihnen zu Hause", schrieb die damalige Huazhu-Vorstandschefin. "Basierend auf den Erfahrungen, die Huazhu in den letzten zehn Wochen gemacht hat, möchte ich Ihnen meine Ansichten und Handlungsempfehlungen mitteilen und Sie hoffentlich ein wenig aufmuntern, dass am Ende des Tunnels Licht zu sehen ist."

Dann gab es Ende April eine Aufsichtsratssitzung, bei der der langjährige Vorsitzende des Gremiums und frühere TUI-Chef Ralf Corsten im Alter von 78 Jahren verabschiedet wurde. Den Posten übernahm einer der erfahrensten Hotelmanager Europas: Der Schweizer André Witschi. Er war viele Jahre lange beim größten europäischen Hotelkonzern, Accorhotels, in führenden Positionen, unter anderem Vizepräsident Europa, Mitglied des Vorstands von Accor S.A. und CEO von Accor Deutschland. Danach wechselte Witschi zu Steigenberger und war dort von 2008 bis 2010 ebenfalls CEO. Witschi wurde von der ahgz als Hotelier des Jahres ausgezeichnet und hat durch seine Arbeit in Aufsichtsräten – etwa bei den Romantik Hotels und der Sausalitos GmbH – intime Kenntnis der Branche von innen. Seit 1999 war er zudem Mitglied und seit 2011 Präsident des Stiftungsrates der Ecole hôtelière de Lausanne.

Wo ist Jenny Zhang?

Nicht nur an der Spitze des Aufsichtsrats gab es einen Wechsel: Für Min Zhang übernahm Firmengründer Ji Qi den Sitz und sie verschwand von der Steigenberger-Bühne. Zuvor hatte es stets geheißen, die Chemie zwischen dem Gründer und der aufstrebenden Zhang habe von Anfang an gestimmt. Doch warum Jenny Zhang bei der Deutschen Hospitality nicht mehr mit an Bord ist, scheint selbst das Management nicht zu wissen oder will es nicht sagen. Auf Nachfrage bei internen Kreisen heißt es nur: "So viel Chinesisch verstehen wir nicht." Bei Huazhu wird sie nun als "Executive Vice Chair-Dame" geführt.

Ji Qi ist kein gewöhnlicher Unternehmer und hat in seinem Buch "The Founder's Notes" seine Gedanken zu Himmel und Erde, Wirtschaft und Menschheit, Philosophie und Buddhismus zusammengefasst. Er schildert seine dunkelsten Stunden als Student sowie als Gründer seiner Firma Home Inn und wie ihn Mozarts Sinfonie Nr. 31 rettete. Business ist keineswegs alles für ihn. Aber für viele ist er schwer einschätzbar. Witschi kennt ihn schon seit vielen Jahren und deshalb war es für Insider keine Überraschung, dass er als Aufsichtsratschef von Steigenberger angefragt wurde.

Willms war lange optimistisch

Thomas Willms hatte die monatelangen Verhandlungen mit Huazhu intensiv begleitet. Trotz der langen Verhandlungen drang kein Wort an die Öffentlichkeit und nach dem Abschluss zeigte er sich optimistisch: "Die Huazhu Group übernimmt mit der Deutschen Hospitality ein wirtschaftlich starkes Unternehmen mit fünf Marken und wird eng mit den Mitarbeitern, Eigentümern und Geschäftspartnern zusammenarbeiten", sagte er im November 2019 der ahgz. "Ich persönlich freue mich sehr, auch zukünftig als CEO Teil der weiteren Entwicklung der Deutschen Hospitality zu sein. Unsere Expansionspläne zielen darauf ab, das globale Portfolio bis 2024 auf 250 Hotels zu erweitern." Willms wurde mit einem neuen Dreijahresvertrag ausgestattet, doch irgendwann muss das Verhältnis abgekühlt sein. Nun unterzeichneten beide Seiten in letzter Minute den Auflösungsvertrag, vermutlich mit einer hohen Abfindung.

Über die Gründe lässt sich derzeit nur spekulieren. Vielleicht liegt es am Expansionstempo. Während für Deutschland die Verdoppelung des Hotelportfolios eine kühne Ankündigung ist, sehen die Chinesen die Entwicklungsgeschwindigkeit völlig anders. Angeblich sind bei Huazhu fast 2000 Hotels in der Pipeline. Bei Steigenberger hingegen steht den schnell wachsenden Marken Intercity und Zleep Hotels eine langsame Entwicklung bei Jaz in the City gegenüber. Und die Häuser sind insgesamt vom Standard her recht unterschiedlich.

"Zwei getrennte Firmen"

Huazhu gehört zu den am stärksten digitalisierten Hotelunternehmen und profitiert in diesen Zeiten von der Technologie, die Kontakte mit Flächen und Personen reduziert, verbucht höhere Auslastungen als die Konkurrenz. Ob Ji Qis mit der Entwicklung unzufrieden war, ist schwer einzuschätzen. In seinem Buch schreibt er jedenfalls über seine Jugend, in der er egoistisch gewesen sei und sich als Sonne gesehen habe. "In der Vergangenheit war ich viel zu ungeduldig", kritisiert er sich selbst. Er habe als cholerisch gegolten. Erst später habe er erkannt, dass es besser sei, empathisch und tolerant zu sein. Welchen Einfluss das auf seine geschäftlichen Entscheidungen hat, ist jedoch unklar.

Die Chemie zwischen dem charismatischen Firmengründer Ji Qi und dem im norddeutschen Jever geborenen Marathonläufer Thomas Willms war jedenfalls plötzlich gestört. Willms war von Starwood Hotels & Resorts nach der Übernahme durch Marriott als Hoffnungsträger und Chief Operating Officer zu Steigenberger gekommen. Er löste dort Anfang 2018 Puneet Chhatwal als CEO ab, der extern ebenfalls beliebt war, aber im Inneren Kämpfe ausfechten musste und schließlich Chef der Indian Hotels Company IHCL wurde.

Willms legte das Modernisierungsprogramm "Evolution Steigenberger" auf und sah das Unternehmen mit dem Qualitätsversprechen Made in Germany als Botschafter Deutschlands in der Welt. Er führte die Marke Maxx by Steigenberger ein und zuletzt das länderübergreifende Loyalty-Programm H Rewards. Doch hinter vorgehaltener Hand wurde von "zwei getrennten Firmen" im Top-Management gesprochen, also einer Spaltung, was allerdings auch schon eine längere Tradition gehabt haben soll.

Der große Umbruch

Für Steigenberger bedeutet der Wechsel einen massiven Umbruch. Nach dem Ausstieg von Thomas Willms wird bald auch Matthias Heck gehen. Intercity Hotels-Chef Joachim Marusczyk wird in diesen Tagen verabschiedet. Es ist ein Aderlass erfahrener Kräfte. Dabei sehen die Pläne für den Konzern eine enorme Expansion Mitten in der Coronakrise vor. In diesen Zeiten, wenn sich viele Unternehmen verkleinern müssen, ist eine Konzernmutter mit großer Geldschatulle in der Hinterhand Gold Wert. So werden wir in den nächsten Monaten noch einiges hören von der Deutschen Hospitality.

Hinweis: Dieser Artikel stammt aus unserer Schwesterzeitschrift aghz (Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung).

IZ

Akelius baut 400 Jobs ab

Bei Akelius müssen etliche Mitarbeiter noch dieses Jahr ihre Sachen packen.

Bei Akelius müssen etliche Mitarbeiter noch dieses Jahr ihre Sachen packen.

Quelle: imago images, Urheber: Ikon Images

Karriere 28.08.2020
Der schwedische Wohnungsinvestor Akelius baut kräftig Personal ab. Die guten Zeiten für die Aufwertung von Wohnungen sind vorbei, glaubt das u.a. stark in Berlin investierte Unternehmen. ... 

Der schwedische Wohnungsinvestor Akelius baut kräftig Personal ab. Die guten Zeiten für die Aufwertung von Wohnungen sind vorbei, glaubt das u.a. stark in Berlin investierte Unternehmen. Und trennt sich von Mitarbeitern, die sich um die Baumaßnahmen kümmerten.

Berlin ist das größte Standbein der Schweden. Von den rund 45.000 Wohnungen im Akelius-Portfolio entfällt nach Unternehmensangaben ein Viertel (25%) - nach Fair Value - auf Berlin. Hamburg steht für 7% des Portfoliowerts. Die restlichen zwei Drittel verteilen sich auf zehn andere Metropolen in Nordamerika und Europa.

Doch die guten Zeiten, um Wohnungen mit Modernisierungspotenzial upzugraden, seien vorbei, meint Akelius. Um die eigenen Finanzziele zu erreichen, wende man sich deshalb Neubauten zu - und von aufhübschbaren Objekten eher ab.

115 Kollegen sollen noch 2020 gehen

Mit dieser Kehrtwende soll der Abbau von 400 Jobs einhergehen. Beschäftigt das Unternehmen aktuell noch rund 1.500 Leute, sind künftig nur noch 1.100 Kollegen vonnöten. Diese Zahl will das Unternehmen idealiter bis Ende 2022 erreichen. Genau 115 Mitarbeiter sind schon jetzt betroffen: Sie erhalten Angebote, das Unternehmen freiwillig noch in diesem Jahr zu verlassen. Mit Neueinstellungen bzw. der Nachbesetzung freiwerdender Stellen will sich Akelius so weit es geht zurückhalten.

Die Restrukturierung kostet Akelius einmalig 13 Mio. Euro, schätzt das Unternehmen. Dafür spart es im Jahr aber 42 Mio. Euro nach dem für Ende 2022 angepeilten Abschluss der Maßnahmen.

Im Mai 2020 hatte Akelius bereits mitgeteilt, man entlasse 58 Mitarbeiter aus der Berliner Bauabteilung. Aufwändige Modernisierungen lohnten sich wegen des Mietendeckels in der Hauptstadt nicht mehr.

Harald Thomeczek

Tarifstreit am Bau: Gordischer Knoten ist noch nicht gelöst

Karriere 28.08.2020
Die Schlichtung im Tarifstreit am Bau geht in eine zweite Runde. Die Tarifparteien konnten sich auch nach einem mehr als 20 Stunden langen Verhandlungsmarathon noch immer nicht einigen. ... 

Die Schlichtung im Tarifstreit am Bau geht in eine zweite Runde. Die Tarifparteien konnten sich auch nach einem mehr als 20 Stunden langen Verhandlungsmarathon noch immer nicht einigen.

Die IG Bau fordert 6,8% mehr Lohn für die rund 850.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe. Die Arbeitgeberseite mit dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes als Verhandlungsführer machte in drei Verhandlungs- und verschiedenen Gesprächsrunden vor der Schlichtung kein Angebot.

Die Gewerkschaft unterstreicht ihre Forderung mit guten Konjunkturdaten in der Baubranche, vor allem im Vergleich mit anderen Branchen, die die Corona-Beschränkungen schwer getroffen haben. Die Arbeitgeber lehnen die geforderte Lohnerhöhung mit dem Argument ab, dass sich die künftige Entwicklung der Baubranche aktuell nur schwer abschätzen lässt. Ein weiterer Streitpunkt ist die Vergütung von Wegezeiten zu den und von den Baustellen.

Nächste Runde am 2. September

Die nächste Verhandlungsrunde soll am 2. September 2020 in Kassel stattfinden. Nach dem Schlichtungsabkommen soll das Schlichtungsverfahren innerhalb von 14 Tagen, also bis zum 8. September, abgeschlossen sein. Dann endet die Friedenspflicht.

Beide Seiten, Bauverbände und Gewerkschaft, zeigen sich betont zuversichtlich, noch rechtzeitig ein gemeinsames Ergebnis erzielen zu können. Die IG Bau hatte vor einer Woche schon ziemlich unverhohlen mit Streik gedroht.

Harald Thomeczek

Die Chefs überdenken ihre Einstellung zum Remote Working

Auch die Chefs hatten im Homeoffice viel Zeit - und Gelegenheit, ihr Verhältnis zum Thema Personal zu überdenken.

Auch die Chefs hatten im Homeoffice viel Zeit - und Gelegenheit, ihr Verhältnis zum Thema Personal zu überdenken.

Quelle: imago images, Urheber: Westend61

Karriere 27.08.2020
Das größte Homeoffice-Experiment der Geschichte wird nicht spurlos am Büroflächenmarkt vorüberziehen - im Gegenteil. Darf man den 315 internationalen Entscheidern glauben, die die ... 

Das größte Homeoffice-Experiment der Geschichte wird nicht spurlos am Büroflächenmarkt vorüberziehen - im Gegenteil. Darf man den 315 internationalen Entscheidern glauben, die die Beratungsgesellschaft KPMG im Juli und August für ihren CEO Outlook 2020 befragt hat, ist das Remote Working gekommen, um zu bleiben. Denn die meisten Chefs haben positive Erfahrungen damit gemacht. Mancher Quadratmeter Bürofläche könnte ausgedient haben.

Der Mensch sei ein soziales Wesen, Face-to-Face-Kommunikation unersetzlich. So und ähnlich begründen manche Unternehmen dieser Tage die Rückführung von Mitarbeitern ins klassische Büro. Die CEOs, die bei der KPMG-Umfrage mitgemacht haben, sehen das mehrheitlich anders: Zwei von drei (68%) geben an, dass sich die Kommunikation mit ihren Angestellten während der Corona-Krise nicht nur nicht verschlechtert, sondern sogar verbessert habe.

Remote Working vergrößert den Pool potenzieller Mitarbeiter

Die Entscheider nehmen die Pandemie und das über viele Unternehmen praktisch über Nacht hereingebrochene Homeoffice-Experiment zum Anlass, zu überdenken, wie in ihren Unternehmen künftig gearbeitet und kommuniziert werden soll. Mehr als drei Viertel (77%) der CEOs wollen die gegenwärtige Nutzung von Tools zur digitalen Zusammenarbeit und Kommunikation weiter aufbauen. Ein nicht unwesentlicher Grund: Remote Working hat nach Einschätzung der Chefs in den vergangenen Monaten den Zugang der Unternehmen zu Fachkräften verbessert.

Personal als größtes Geschäftsrisiko erkannt

Bemerkenswert: Wie wichtig gute Mitarbeiter sind, ist vielen CEOs erst jetzt bewusst geworden. Das Thema Personal hat sich der KPMG-Umfrage zufolge durch die Pandemie zum wichtigsten Geschäftsrisiko entwickelt. So hat Anfang 2020, bei einer ähnlichen KPMG-Umfrage, nur einer von hundert CEOs (1%) Personalfragen eine geschäftskritische Bedeutung beigemessen. Unter dem Eindruck der Corona-Krise tat das schon jeder fünfte (21%). Damit hat sich die Gewinnung und Bindung von - ausreichend - qualifizierten Mitarbeitern im Ranking der größten Risiken für langfristiges Wachstum der Unternehmen vom elften auf den ersten Platz katapultiert.

69% wollen ihre Büroflächen reduzieren

Die potenziell schlechte Nachricht für alle, die mit Büroimmobilien Geld verdienen: Nicht weniger als sieben von zehn (69%) der CEOs gehen davon aus, dass ihr Unternehmen angesichts all dieser Vorzüge der Telearbeit künftig weniger klassische Bürofläche brauchen wird - und sie deshalb Flächen abbauen können.

"Der Neugestaltung der Arbeitswelt mit den unterschiedlichsten Modellen der Zusammenarbeit kommt eine immer wichtigere Rolle zu", sagt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates bei KPMG Deutschland. "Insofern ist es nachvollziehbar, dass die CEOs Personalfragen höchste Priorität einräumen, um ihr Geschäft sichern und ausbauen zu können." Immerhin habe das verstärkte Homeworking im Zuge der Pandemie dafür gesorgt, dass das Potenzial qualifizierter Arbeitskräfte deutlich gestiegen ist. "Drei von vier CEOs wollen deshalb auch ihre Recrutingstrategien überdenken."

Die 315 Entscheider rund um den Globus, die an der aktuellen Befragung teilnahmen, machen mit ihren Unternehmen jeweils einen Umsatz von mehr als 500 Mio. US-Dollar im Jahr.

Harald Thomeczek