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"Wir suchen den Wettbewerb mit den Universitäten"

An der DHBW Dualen Hochschule Baden-Württemberg wird mit dem Projekt InnoProDual ein Modell für die Hochschule im Jahr 2020 entwickelt. Die Hochschule will u.a. Studienzentren einführen und einen akademischen Mittelbau etablieren.

An der DHBW Dualen Hochschule Baden-Württemberg wird mit dem Projekt InnoProDual ein Modell für die Hochschule im Jahr 2020 entwickelt. Die Hochschule will u.a. Studienzentren einführen und einen akademischen Mittelbau etablieren.

Bild: DHBW Stuttgart

Karriere 08.01.2015
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat ein fünf Jahre währendes Programm aufgelegt, das ein Bild der Hochschule im Jahr 2020 entwerfen soll. Dabei geht es neben der Lehre und einem ... 

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat ein fünf Jahre währendes Programm aufgelegt, das ein Bild der Hochschule im Jahr 2020 entwerfen soll. Dabei geht es neben der Lehre und einem Umbau der Hochschulorganisation auch um den Aufbau eines akademischen Mittelbaus. Künftig könnten auch Fachhochschulen das Promotionsrecht erhalten, sagt Prof. Dr. Hanspeter Gondring von der DHBW Stuttgart.

InnoProDual heißt das aktuelle Projekt an der DHBW. Es soll "Innovationen in der Hochschulgovernance DHBW 2020" befördern, wie der Untertitel verrät. Dabei geht es konkret um die Einführung von Studienzentren, akademischen Mitarbeitern und Studiengangsmanagern. Sowohl die Studienbedingungen wie auch die Qualität der Lehre sollen durch dieses Projekt verbessert werden. Professoren würden dafür von verwaltungstechnischen Aufgaben entlastet werden, sagt Dr. Hanspeter Gondring, Professor an der DHBW Stuttgart. Alle drei Monate werden sich Qualitätszirkel, besetzt mit Studenten, externen und hauptamtlichen Lehrkräften sowie dualen Partnern, zusammensetzen und gemeinsam Veränderungen anstoßen. Warum sollte ein internes Projekt, auch wenn es an einer der größten Hochschulen Baden-Württembergs mit mehr als 30.000 Studierenden stattfindet, jemanden außerhalb dieser akademischen Welt interessieren? Weil das Projekt den Wandel an den Hochschulen fortschreibt, der mit der Bologna-Reform begonnen hat. Die Ergebnisse würden später in die gesetzlichen Rahmenbedingungen einfließen, sagt Gondring.

Im Prinzip gehe es bei dem Projekt InnoProDual darum, wie die Hochschule im Jahr 2020 aussehen wird, erklärt Gondring. Als Studiendekan des Studienzentrums Finanzwirtschaft an der DHBW Stuttgart, zu dem auch die Studienrichtung BWL-Immobilienwirtschaft gehört, ist er für die Umsetzung des Projekts in diesem Bereich zuständig. Dafür hat er ein Budget von 500.000 Euro zur Verfügung. Das Geld kommt vom Bund. Dieser stellt für das so genannte Bund-Länder-Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre zwischen 2011 und 2020 rund 2 Mrd. Euro zur Verfügung. Gefördert werden insgesamt Projekte an 186 Hochschulen in allen Bundesländern.

Herzstück des DHBW-Projekts InnoProDual sind die beiden Komponenten Wissenschaftlichkeit und Qualität der Lehre, sagt Gondring. Dabei gehe es um die Fragen, wie Lehre künftig organisiert werden kann und wie leistungsfähig Fachhochschulen sind. Können diese mit Universitäten konkurrieren? Ein umstrittenes Thema, nicht nur unter Hochschullehrern. Gondring rechnet damit, dass die Politik die Gleichstellung der verschiedenen Hochschultypen anstrebt und umsetzen wird. Das werde auf europäischer Ebene so gewollt und das gebiete die Logik der Bologna-Reform, führt der Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft/Versicherung aus.

Mit der Bologna-Reform wurden die gestuften Hochschulabschlüsse Bachelor und Master flächendeckend in Deutschland eingeführt. Die Abschlüsse werden für ein bestimmtes Kontingent an ECTS-Punkten (European Credit Transfer and Accumulation System) vergeben, und zwar unabhängig davon, an welchem Hochschultyp der Studiengang absolviert wurde. Auch die Studiendauer wurde vereinheitlicht. War früher Absolventen von Fachhochschulen der Zugang zum höheren Dienst verwehrt und nur für Universitätsabsolventen offen, erlaubt ein Masterabschluss an einer Hochschule nun ebenfalls diesen Weg, sagt Gondring. Die neue Regelvoraussetzung zur Promotion ist mit der Bologna-Reform der Masterabschluss geworden, der 300 ECTS-Punkten entspricht. Doch das Promotionsrecht liegt derzeit noch allein bei den Universitäten. Als Begründung würden dafür u.a. die Grundlagenforschung an Universitäten genannt oder der nur dort vorhandene akademische Mittelbau, sagt Gondring. Sich hinter Formalien zu verstecken, sei immer ein Zeichen von Schwäche. "Die Universitäten tragen das Promotionsrecht vor sich her wie der Priester die Monstranz", sagt Gondring. "Sie scheuen den Wettbewerb mit den Fachhochschulen."

Finanziert wird über das Projekt InnoProDual an der DHBW auch der Aufbau eines akademischen Mittelbaus. Doch um diese Positionen attraktiv zu machen, müsse er den Lehrkräften auch die Möglichkeit zur Promotion in Aussicht stellen können, sagt Gondring. Zum Jahresanfang 2015 wurde die erste Stelle im Fach BWL-Immobilienwirtschaft besetzt. Die Promotion erfolgt über eine Kooperation mit der Universität Karlsruhe. Die für Forschungsprojekte einzuwerbenden Drittmittel würden derzeit am Studienzentrum Finanzwirtschaft der DHBW noch eine untergeordnete Rolle spielen. "Aber das soll sich ändern", sagt Gondring. "Wir suchen den Wettbewerb mit den Universitäten. Aber wenn man in den Wettbewerb zieht, dann müssen die Grundbedingungen gleich sein. Wir müssen dann institutionell gleichgestellt sein."

Sonja Smalian

Sebastian Lange leitet Public Affairs der Annington

Sebastian Lange.

Sebastian Lange.

Bild: Deutsche Annington

Köpfe 07.01.2015